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Full text of "Abhandlungen der Königlich Bayerischen Akademie der Wissenschaften"

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ABHANDLUNGEN 


DER 


MATHEMATISCH-PHYSIKALISCHEN  CLASSE 


DER  KÖNIGLICH  BAYERISCHEN 


AKADEMIE  der  WISSENSCHAFTEN. 


ZEHNTEN  BANDES 

IN  DER  REIHE  DER   DENKSCHRIFTEN  DER   XXXVII.  BAND. 


MÜNCHEN, 

1870. 

VERLAG  DER   K.  AKADEMIE, 

IN  COMMISSION  BEI   G.  FRANZ. 


Inhalt  des  X.  Bandes. 

I.   und  II.  Abtheilung. 

Seite 

Neue  Gattungen  und  Arten  von  Fischen  aus  Central-Amerika ;  gesammelt  von 
Moritz  Wagner,  beschrieben  von  Prof.  Rudolf  Kner  und  Dr.  Franz  Stein- 
dachner  in  Wien.     Mit  sechs  Tafeln  Abbildungen 1 

Ueber  die  hydrographischen  Verhältnisse  und  das  Vorkommen  der  Süsswasserfiscbe 
in  den  Staaten  Panama  und  Ecuador.  Ein  Beitrag  zur  Zoogeographie  Amerika's 
von  Moritz  Wagner . 63 

Neue    Beobachtungen    zur    Entwicklungsgeschichte    des    Meerschweinchens.      Von 

Dr.  Th.  L.   W.  Bischoff 115 

Ueber  die  geographischen  Verhältnisse  der  Lorbeergewächse  von  C.  F.  Meissner .     169 

Helligkeits- Messungen  an  zweihundert  und  acht  Fixsternen.  Angestellt  mit  dem 
Steinbeil' sehen  Photometer  in  den  Jahren  1852 —  1860  von  Ludwig  Seidel 
und  Eugen  Leonhard 201 

Versuche  über  die  Wasserverdunstung  auf  besätem  und   unbesätem  Boden.     Von 

August  Vogel 320 

Das  Clironoskop,  Instrument  zur  Bestimmung  der  Zeit  der  Polhöhe  ohne  Rechnung. 

Von  C.  A.  v.  Steinheil.     Mit  2  lithogr.  Tafeln  und  6  Tabellen      .       .       .357 

Die  Grosshirnwindungen  des  Menschen  mit  Berücksichtigung  ihrer  Entwicklung  bei 
dem  Fötus  und  ihrer  Anordnung  bei  den  Affen.  Neu  untersucht  und  be- 
schrieben von  Dr.  Th.  L.   W.  Bischoff.     Mit  7  Tafeln 388 

Beiträge  zur  Kenntniss  der  Procän-  oder  Kreide-Formation  im  nordwestlichen  Böhmen 
in  Vergleichung  mit  den  gleichzeitigen  Ablagerungen  in  Bayern  und  Sachsen. 
Von  C.   W.  Gümbel 499 

Beiträge  zur  Foraminiferenfauna  der  nordalpinen  Eocängebilde.    Von  G.  W.  Gümbel. 

Mit  4  Tafeln 577 


III.  Abtheilung. 

Seite 

Ueber  die  Naturverhältnisse  der  verschiedenen  Linien,  welche  für  einen  Durchstich 

des  centralamerikanischen  Isthmus  in  Vorschlag  sind.     Von  Moritz  Wagner         1 

Ueber    das   Verhältniss   der  HarnsÜture  und   des  Guauin's  zur  Vegetation.     Von 

August   Vogel 63 

Das  bayerische  Präcisions-Nivellement.     Von  Carl  Max  Bauernfeind       ...       87 

Beiträge  zur  Anatomie  des  Hylobates  leuciscus  und  zu  einer  vergleichenden  Anatomie 
der  Muskeln  der  Affen  und  des  Menschen.  Von  Th.  L.  W.  Bischoff.  Mit 
5  Tafeln 198 


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ABHANDLUNGEN 


DER 


MATHEMATISCH-PHYSIKALISCHEN  CLASSE 


DER  KÖNIGLICH  BAYERISCHEN 


FT  AKADEMIE  mr  WISSENSCHAFTEN.  11 


ZEHNTEN  BANDES 

ERSTE  ABTHEILUNG. 

IN  DER  REIHE  DER  DENKSCHRIFTEN  DER  XXXVII.  BAND. 


MÜNCHEN, 

186G. 
VERLAG  DER  K.  AKADEMIE, 

IN  COMMISSION  BEI  G.  PEANZ. 


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ABHANDLUNGEN 


DER 


MATHEMATISCH  -  PHYSIKALISCHEN  CL ASSE 


DER  KÖNIGLICH  BAYERISCHEN 


AKADEMIE  der  WISSENSCHAFTEN. 


ZEHNTEN  BANDES 

ERSTE  ABTHEILUNG. 


ABHANDLUNGEN 


DER 


MATHEMATISCH-PHYSIKALISCHEN  CLASSE 


DER  KÖNIGLICH  BAYERISCHEN 


AKADEMIE  dee  WISSENSCHAFTEN. 


ZEHNTEN   BANDES 

ERSTE  ABTHEILUNG. 

IN  DER  REIHE  DER  DENKSCHRIFTEN  DER  XXXVIT.  BAND. 


MÜNCHEN, 

1866. 

VERLAG  DER  K.  AKADEMIE, 

IN  COMMISSION  BEI  G.  FRANZ. 


Inhalt. 


Seite 


Neue  Gattungen  und  Arten  von  Fischen  aus  Central- Amerika;  gesammelt  von 
Morits  Wagner,  beschrieben  von  Prof.  Rudolf  Kner  und  Dr.  Franz  Stein- 
dachner  in  Wien.  Mit  sechs  Tafeln  Abbildungen 1 

Ueber  die  hydrographischen  Verhältnisse  und  das  Vorkommen  der  Süsswasserfische 
in  den  Staaten  Panama  und  Ecuador.  Ein  Beitrag  zur  Zoogeographie  Amerika' s 
von  Moritz  Wagner 63 

Neue    Beobachtungen    zur    Entwicklungsgeschichte    des    Meerschweinchens.      Von 

Dr.  Th.  L.   W.  Bischoff 115 

Ueber  die  geographischen  Verhältnisse  der  Lorbeergewächse  von  C.  F.  Meissner  .     167 

Helligkeits-Messungen  an  zweihundert  und  acht  Fixsternen.  Angestellt  mit  dem 
Stemheil' sehen  Photometer  in  den  Jahren  1852  —  1860  von  Ludwig  Seidel 
und  Eugen  Leonhard 201 


Neue 


Gattungen  und  Arten  von  Fischen 


aus  Central-Amerika: 


gesammelt  von 

Prof.  Moritz  Wagner, 

'  beschrieben  von 

Prof.  Rudolf  Kner  und  Dr.  Franz  Steindachner, 

Assistenten  am  kaiserl.  Hof-Naturalienkabinete  in  Wien. 


Mit  sechs  Tafeln  Abbildungen. 


Abh.  d.  IL  Cl.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  X.  Bd.  I.  Abth. 


Neue 


Gattungen  und  Arten  von  Fischen 

aus  Central -Amerika. 


Familie:   Sciaenoidei ,  Cuv.  Val. 

Gattung:  Pristipoma,  Cuv.  Val. 
Art:   Frist,   humile,   n.  Tab.  I.  Fig.   1. 

Char.  Summa  corporis  altitudo  ante  pinnam  dorsalem  ad  longitudinem  piscis 
totalem  ~  1  :  4.5 ;  aculeus  4<MS  pinnae  dorsalis  omnium  longissimus. 


D.  12/12,  A.  3/7 Squam.       56 


19—20 


Die  Totalgestalt  ist  gestreckter  als  bei  jeder  bisher  bekannten  Art 
dieser  Gattung  und  nähert  sich  hiedurch  wie  auch  durch  die  Länge 
der  Schnauze  jener  der  Gattung  Haemulon.  —  Die  grösste  Körperhöhe 
(bei  Beginn  der  Rückenflosse)  ist  nahezu  fe^/ss-,  die  Kopflänge  3y2-inal 
in  der  Gesammtlänge  enthalten ;  die  kleinste  Körperhöhe  am  Schwänze 
erreicht  kaum  xjz  der  grössten.  Bei  den  gestrecktesten,  früher  bekannten 
Arten ,  wie  Frist,  crocro  C.  V.,  welcher  unsere  Art  auch  am  nächsten 
steht,  beträgt  die  grösste  Höhe  nur   1/i  der  Totallänge. 

Die  Profillinie  des  Kopfes  fällt  vom  Hinterhaupte  nach  vorne 
0  V  1* 


gleichmässig  in  schiefer  gerader  Linie  ab  bis  gegen  das  stumpf  abge- 
rundete Schnauzenende.  Der  Durchmesser  des  fast  kreisrunden  Auges 
verhält  sich  zur  Kopflänge  wie  1  :  5  (bei  Pr.  crocro  wie  1  :  4*/2)  und 
gleicht  der  Stirnbreite  zwischen  den  Augen.  Die  weite  Mundspalte  ist 
mit  dicken  Lippen  versehen  und  reicht  bis  unter  das  vordere  Drittel 
des  Auges  (bei  Pr.  crocro  bis  unter  den  vorderen  Augenrand).  Der  etwas 
vorstreckbare  Zwischenkiefer  und  der  Unterkiefer  sind  mit  einer  breiten 
Binde  dicht  stehender  Zähnchen  von  gleicher  Grösse  besetzt.  Am  Kinne 
liegen  zunächst  der  Symphyse  2  kleine  Poren,  und  weiter  zurück  mün- 
den 2  andere  in  einer  grossen  medianen  Grube.  Die  Länge  der  Schnauze 
beträgt  bei  l^/z  Augendurchmesser.  Der  senkrecht  stehende  Rand  des 
Vordeckels  ist  so  wie  die  Suprascapula  deutlich  gezähnelt,  der  Deckel 
nach  hinten  in  2  kaum  merkliche  Spitzen  vorgezogen  und  mit  einem 
Hautanhange  versehen.  Der  Vorderrücken  steigt  bis  zu  Anfang  der 
Dorsale  in  stärkerem  Bogen  an,  senkt  sich  aber  dann  sogleich  massig 
bis  zu  Ende  der  genannten  Flosse. 

Der  Rand  der  Rückenflosse  ist  zwischen  ihrem  stacheligen  und 
gliederstrahligen  Theile  stark  eingebuchtet.  Die  Stacheln  sind  ausge- 
zeichnet heteracanth  aber  von  nur  geringer  Höhe ;  der  4.  und  höchste 
misst  kaum  yio  der  Totallänge  (bei  Pr.  crocro  ist  der  5.  Stachel  der 
höchste),  die  folgenden  bis  einschliesslich  dem  10.  nehmen  allmälich  an 
Länge  ab,  der  11.  und  12.  aber  wieder  etwas  zu.  Unter  den  Glieder- 
strahlen der  Dorsale  erreichen  der  2.  und  3.  die  grösste  Höhe,  welche 
der  des  4.  Stachels  beinahe  gleich  kommt.  —  Von  den  3  Stacheln  der 
Afterflosse  zeichnet  sich  der  2.  durch  Länge  und  Stärke  aus,  indem 
er  hierin  jene  der  Dorsale  um  das  3fache  übertrifft  (bei  Pr.  crocro  ist 
er  noch  mächtiger);  er  erreicht  etwas  über  halbe  Kopf-  und  l/s  der 
Totallänge.  Die  Länge  des  1.  Stachels  beträgt  nur  f/ßt  die  des  3.  aber 
2/3  seiner  Länge ;  an  Stärke  sind  dagegen  alle  3  nur  wenig  verschieden 
und  noch  ausgezeichneter  heteracanth  als  jene  der  Dorsale. 

Brust-  und  Bauch  flössen  sind  gleich  lang  und  ihre  längsten 
Strahlen  beiläufig  63/5-mal  in  der  Gesammtlänge  des  Fisches  enthalten ; 
der  1.  gegliederte  Ventralstrahl  ist  in  einen  kurzen  Faden  verlängert. 
Die  Strahlenzahl  dieser  Flossen  ist:  P.  2/14,  V.  1/5.  —  Die  Schwanz- 
flosse   enthält   17  Hauptstrahlen,    von  denen   15  getheilt  sind;    sie   ist 


5 

grösstentheils  überschuppt  und  ihr  Rand  schwach  concav  (nicht  wie  bei  Pr. 
crocro  gerade  abgestutzt),  die  Seitenlinie  setzt  sich  über  ihre  halbe  Länge  fort. 

Der  gliederstrahlige  Theil  der  Rücken-  und  Afterflosse  sind  längs 
der  Basis  von  einer  Schuppendecke  umgeben,  über  welche  hinaus  nur 
einige  Schuppen  noch  auf  der  Flossenhaut  zwischen  den  Strahlen  liegen ; 
eben  so  ist  auch  die  Basis  der  Bauchflossen  überschuppt.  —  Alle 
Schuppen  sind  ctenoid,  mit  Ausnahme  der  unterhalb  der  Augen  gelege- 
nen, welche  glatte  Ränder  zeigen. 

Die  Analgrube  liegt  nahe  vor  dem  After,  hinter  diesem  ragt  eine 
kurze  Urogenitalpapille  vor.  —  Die  Pseudobranchien  sind  gross,  kamm- 
förmig;  die  vorderen  Rechenzähne  massig  lang,  stumpfspitzig.  Der  Ma- 
gen bildet  einen  ziemlich  grossen  Sack,  am  Pylorus  hängen  jederseits 
3  Blinddärme  von  ansehnlicher  Länge ;  der  rechte  Leberlappen  ist  grösser 
als  der  linke.  Die  sehr  grosse,  einfache  und  dünnwandige  Schwimm- 
blase nimmt  fast  die  ganze  Länge  der  Bauchhöhle  ein.  Die  beiden  Ho- 
den sind  schmal,  lang  und  reichen  nach  vorne  fast  bis  zum  Pylorus. 

Färbung.  Die  ganze  Rückenseite  bräunlich,  ins  Goldgelbe  spie- 
lend, Flanken  und  Bauch  weiss,  gegen  den  Schwanz  mit  gelblichem, 
gegen  den  Kopf  mit  grünlich  blauem  Anfluge;  Rücken-  und  Schwanz- 
flosse schmutzig  braun  ins  Schwärzliche,  After-,  Brust-  und  Bauchflossen 
gelblich,   nirgends  Flecken  oder  Zeichnungen. 

Das  einzige  Exemplar  stammt  aus  dem  Rio  Bayano ,  der  auf  der 
Landenge  Panama  in  das  stille  Meer  mündet. 

Familie:    Mugiloidei,  Cuv.  Val. 
Gattung:  Dajaus,   Cuv.  Val. 

Diese  Gattung  wurde  zwar  neuerlich  von  Günther  eingezogen, 
indem  er  sie  mit  Cestraeus  und  Nestis  Cuv.  Val.  in  Ein  Genus  vereinigte, 
für  welches  er  den  B  e  n  n  e  t '  sehen  Namen  Agonostomus  (abgeändert  in 
Agonostoma)  wählte  (s.  Catalog.  of  the  Acanthopter.  Fishes  in  the  Collect. 
of  the  British.  Mus.  III);  doch  behalten  wir  sie  vorläufig  hier  bei,  und 
indem  später  die  Gründe  gegeben  werden,  wesshalb  wir  dem  Vorgehen 
Günther's  nicht  beipflichten,  lassen  wir  früher  die  Beschreibung  einer 
neuen  Art  folgen,  welche  nebst  2  bereits  bekannten  uns  vorliegt. 


1.  Art:   Daj.    elongatus ,  n.  —  Taf.  I.  Fig.   2. 
Char.  Ältitudo  corporis  ad  longitudinem  totalem:  1:6;  squamae  longit.  42, 
transvers.  vel  verticales   IL1) 

In  der  nasenförmig  vorspringenden  Schnauze,  deren  Länge  nach 
dem  Alter  sich  ändert,  hat  diese  Art  Aehnlichkeit  mit  dem  von 
Günther  (1.  c.  pag.  463)  aufgestellten  Agonostoma  nasutum ,  weicht 
jedoch  von  ihm ,  wie  auch  von  den  übrigen  Dajaus-Arten  durch  die 
gestreckte  Gestalt  und  auffallend  geringe  Körperhöhe  ab,  welche  sogar 
etwas  über  6-mal  in  der  Gesammtlänge  begriffen  ist.  Die  Kopflänge 
beträgt  1/b  der  Körperlänge,  die  grösste  Dicke  desselben  zwischen  den 
Deckeln  3/s  seiner  Länge.  Der  Durchmesser  des  Auges  kommt  1/$  der 
Kopflänge  gleich,  jedoch  ohne  Hinzurechnung  der  Oberlippe;  sein  Ab- 
stand vom  Schnauzenrande  beträgt  lJ/2  Diameter  und  eben  so  viel  die 
Stirnbreite  zwischen  den  Augen ;  die  Stirn  daselbst  ist  schwach  gewölbt. 
—  Der  obere  Mundrand  wird  blos  vom  Zwischenkiefer  gebildet,  über 
und  hinter  welchem  der  schmale  Oberkiefer  vom  Suborbitalringe  und 
der  dicken,  weit  vorspringenden  Oberlippe  verdeckt  liegt.  Letztere 
bildet  einen  dreieckigen  Lappen  mit  vorragender  stumpfer  Spitze ,  so 
dass  der  Mund  unterständig  wird  und  seine  Winkel  senkrecht  unter  die 
Mitte  des  Auges  zu  liegen  kommen.  Der  Praeorbitalknochen  ist  am 
hintern  Rande  fein  aber  undeutlich  gezähnelt.  Kiefer,  Vomer  und 
Gaumenbeine  sind  mit  schmalen  Binden  kurzer,  dicht  gedrängter 
Spitzzähne  besetzt.  Der  dicke  breite  Lippenanhang  setzt  sich  seit- 
lich bis  an  das  Ende  des  Oberkiefers ,  somit  fast  bis  unter  die  Mitte 
des  Auges  fort.  Da  der  Zwischenkiefer  nach  abwärts  vorschiebbar  ist, 
so  entsteht  dann  zwischen  dem  Schnauzenrande  und  der  Oberlippe  eine 
tiefe  breite  Furche.  Die  Poren  des  am  Unterkiefer  verlaufenden  Astes 
der  Kopfkanäle  geben  jenen  bei  Dajaus  monticola  an  Grösse  nicht  nach. 

Die  1.  Rückenflosse  beginnt  vor  halber  Körperlänge  und  ist 
deutlich  heteracanth,  die  3  ersten  ihrer  4  Stacheln  sind  dick  und  kräftig, 
ihre  Höhe  erreicht   nicht   ganz    die   x/2  Kopflänge  und  wird   von  der  2. 


1)  Da  diese  Gattung  einer  sichtbaren  Seitenlinie  ermangelt,  so  bezieht  sich  die  Schuppenzahl 
der  Länge  nach  auf  die  Keihe  vom  obern  Winkel  der  Kiemenspalte  bis  zur  Basis  der  Cau- 
dale,  die  quere  und  senkrechte  auf  die  Zahl  der  Schuppen  über  den  Bauchflossen,  bis  zum 
Rückenprofile. 


Dorsale  bedeutend  übertroffen.  Von  den  9  Strahlen  der  letztern  sind 
8  gegliedert  und  7  von  diesen  auch  doppelt  und  mehrfach  getheilt. 
Die  Brustflossen  reichen  zurückgelegt  bis  unter  den  Anfang  der  1. 
Dorsale,  der  erste  und  längste  ihrer  14  Gliederstrahlen  bleibt  ungetheilt. 
Die  Bauch  flössen  (1/5)  entspringen  unter  der  Mitte  der  pectoralen 
und  reichen  mit  den  Spitzen  ihrer  breiten  und  vielfach  getheilten  Glie- 
derstrahlen  bis  unter  das  Ende  der  1.  Dorsale  zurück.  Die  Anal  flösse 
mit  3/9  Strahlen  beginnt  etwas  vor  der  2.  D.,  ihre  höchsten  Strahlen 
kommen  den  längsten  der  Pect,  gleich,  die  Caudale  enthält  14  ganze 
Strahlen  nebst  2  kürzeren  gegliederten  und  einigen  Stützen  in  jedem 
Lappen;  die  beiden  Hauptstrahlen  sind  fast  von  Kopfeslänge,  die  mitt- 
leren um  die  Hälfte  kürzer,  beide  Lappen  gleich  lang. 

Die  Schuppen  sind  ctenoid  und  zeigen  denselben  Bau  wie  bei 
Mugiloiden  überhaupt,  die  grössten  und  zwar  1  Augendiameter  gleichen 
liegen  seitlich  am  Vorderrumpfe.  Die  für  die  ganze  Familie,  besonders 
aber  für  Dajaus  bezeichnende  Spornschuppe  längs  der  Basis  der  1.  Dorsale 
reicht  vom  1.  bis  4.  Strahle  zurück.  Eine  kürzere  Spornschuppe  steht 
auch  über  der  Basis  der  Bauchflossen  und  zwischen  ihnen  ist  überdiess 
die  Haut,  welche  die  innersten  Strahlen  beider  Flossen  mitsammen  und 
mit  der  Bauchhaut  verbindet,  mit  spornähnlichen  Schuppen  besetzt.  — 
Mit  Ausnahme  der  1.  Dorsale  sind  alle  übrigen  Flossen  mehr  und  min- 
der überschuppt,  und  zwar  mit  kleinen  schmalen,  öfters  sich  lang- 
streckenden Schuppen.  Diese  reichen  bei  der  2.  D.  der  A.  und  C.  fast 
bis  zur  halben  Länge  der  Strahlen,  bei  den  Brust-  und  Bauchflossen 
überkleiden  sie  aber  nur  deren  vordere  und  ventrale  Fläche,  der  After 
liegt  nahe  vor  der  Anale. 

Die  Kiemenspalte  ist  sehr  gross  und  die  Kiemenhöhle  um  so  weiter 
und  tiefer,  als  die  schön  gefaltete  Haut  des  oberen  Theiles  der  vor- 
deren Kiemenbogen  mit  starker  Wölbung  sich  in  eine  entsprechende 
Vertiefung  des  Schlundes  jederseits  hineinlegt.  Es  wäre  von  Interesse, 
diese  eigenthümliche  Bildung  und  Auskleidung  der  Schlundregion,  welche 
noch  complicirter  und  auch  etwas  abweichend  von  der  bei  Mugiloiden 
überhaupt  vorkommenden  erscheint,  einer  näher  eingehenden  Unter- 
suchung zu  unterziehen,  als  sie  im  vorliegenden  Falle  füglich  stattfinden 
konnte.  —  Die  fransigen  Pseudobranchien  sind  schön  und  ziemlich  gross. 


Färbung.  Die  ganze  Rückenseite  grünlich  grau,  die  Bauchfläche 
gelblich  weiss;  der  hintere  Rand  der  Schuppen  ist  etwas  dunkler  als 
die  übrige  Fläche,  übrigens  fehlt  jede  Farbenzeichnung. 

Das  grössere  der  beiden  Exemplare  misst  in  der  Gesammtlänge  9" 
W.  M. ;  sie  stammen  aus  Neu-Granada. 

2.  Art:    Daj.  monticola,  Cuv.  Val. 

Syn.  Agonostoma  monticola,  Günth.  Catal.  of  the  Acanthopt.  III.  pag.  464. 

Von  dieser  Art  liegt  uns  nur  1  Exemplar  von  8"  Länge  aus  Neu- 
Granada  vor,  welches  völlig  mit  der  in  der  Histoire  de  poissons  ent- 
haltenen Beschreibung  und  auch  mit  Günther's  Angaben  überein- 
stimmt. —  Die  grösste  Körperhöhe  über  den  Bauchflossen  ist  41//3-mal 
in  der  Totallänge  enthalten  und  übertrifft  die  Kopflänge,  welche  fast 
genau  1/b  jener  beträgt.  Der  Durchmesser  des  Auges  ist  =  */4  der 
Kopflänge,  die  Stirnbreite  iy2,  der  Abstand  von  der  Schnauzenspitze 
mehr  als  1  Diameter.  Stirn  und  Scheitel  sind  viel  gewölbter  als  bei 
der  vorigen  und  der  folgenden  Art,  die  Nase  daher  stumpfer  und  das 
Profil  bis  zum  Schnauzenrande  mehr  convex.  Die  1.  Dorsale  beginnt 
auch  hier  vor  halber  Körperlänge. 

1.  D.  4,  2.  D.   1/8,  A.  3/9,  Squam.  longit.  42-43,  transv.   12. 

3.  Art:    Daj.  nasutus,   n. 

Syn.  Agonostoma  nasutum  Günth.   1.  c.  pag.  463. 

Die  Körperhöhe,  auch  hier  über  den  Bauchflossen  gemessen,  beträgt 
bei  dieser  Art  nur  wenig  über  x/h  der  Totallänge  und  kommt  jener  des 
Kopfes  gleich,  die  dagegen  das  doppelte  der  Breite  zwischen  den  Deckeln 
ausmacht.  Der  Augendurchmesser  ist  nahezu  =  y*  Kopflänge,  die  Stirn- 
breite ==  1  */2  Augendiametern  und  =  dem  Abstände  des  Auges  von  der 
Schnauzenspitze.  Die  Mundbildung  und  Bezahnung  der  Kiefer  und  des 
Gaumens  verhält  sich  wie  bei  D.  elongatus,  die  Mundspalte  reicht  jedoch 
nicht  bis  unter  die  Mitte  des  Auges  zurück ;  der  Praeorbitalknochen  ist 
am  Rande  deutlicher  gezähnelt  als  bei  D.  elongatus.  —  Die  1.  Dorsale 
beginnt  genau  in  halber  Körperlänge ,  die  Brust  -  und  Bauchflossen 
sind  weniger  zugespitzt  als  bei  D.  elongatus,  die  Zahl  ihrer  Strahlen  aber 
dieselbe,  die  Hauptstrahlen  der  Caudale  erreichen  auch  hier  Kopfeslänge, 


9 

und  längs  der  Seiten  des  Körpers  liegen  gleichfalls  42,  in  der  Höhe 
über  den  Bauchflossen  11  Schuppen.  Diese  Gleichheit  der  Schuppen- 
zahlen ist  allerdings  insofern  auffallend,  als  D.  elongatus  eine  bedeutend 
gestrecktere  Gestalt  besitzt.  Ob  etwa  diese  so  variabel  und  hierin  viel- 
leicht ein  Sexualunterschied  zu  suchen  sei,  muss  zweifelhaft  bleiben,  da 
uns  nur  ein  Unicum  dieser  Art  vorliegt  und  ausserdem  auch  noch  an- 
dere nicht  unwesentliche  Differenzen  sich  ergeben.  *) 

Das  1"  5'"    lange  Exemplar    stammt  von  der  Westküste  Panama's. 


Dass  die  3  vorhergehenden  Arten  einer  und  derselben  Gattung  an- 
gehören, kann  nicht  im  Mindesten  zweifelhaft  sein;  und  es  handelt  sich 
nur  darum,  ob  man  bezüglich  ihres  und  der  3  andern  genannten  Gat- 
tungen  Fortbestandes    der    Ansicht    Günther'  s    sich    anschliessen  soll. 

Bei  allen  3  Arten  von  Bajaus  ist  die  Mundbildung  und  Bezahnung 
jener  sehr  ähnlich,  welche  Günther  1.  c.  pag.  460  von  Mugil  probo- 
scideus  aus  Centralamerika  abbildet  und  die  er  namentlich  mit  der 
von  Cestraeus  plicatilis  Cuv.  Val.  =  Agonostoma  plicatüe  Günth.  von 
Celebes  stammend  vergleicht.  Jedoch  sprechen  gegen  Günther's  An- 
sicht folgende  Gründe.  1)  Die  Gattung  Cestraeus  Cuv.  Val.  trägt 
blos  im  obern  Mundrande  Zähne,  der  4.  Stachel  der  1.  Rücken- 
flosse ist  verlängert,  sie  besitzt  2  Appendices  pyloricae  und  gehört  nur 
der  Südsee  an.  2)  Bei  Nestis  Cuv.  Val.  bedeckt  nach  den  in  der 
Hist.  des  poissons  enthaltenen  Angaben  das  Praeorbitalstück  nicht  mehr 
den  ganzen  Oberkiefer  und  die  Bezahnung  wechselt  nach  den  Arten; 
bei  einer  sind  Zwischen-  und  Unterkiefer,  Vomer  und  Flügelbeine  bezahnt, 
bei  einer  zweiten  aber  nur  Zwischenkiefer  und  Vomer,  bei  keiner  aber 
die  Gaumenbeine  und  die  dicke  Unterlippe  bildet  einen  schneidenden 
Rand.  Ueber  letztern  Umstand  schweigt  Günther  bei  den  zur  Gattung 
Agonostoma  gezogenen  beiden  Arten:  Nestis  cyprinoides  (  =  Agonost. 
Telfairii  Benn.)  und  dobuloides  Cuv.  Val.,  und  gibt  nur  in  der  Synopsis 


1)  Man    könnte  vielleicht  auch  vermuthen,    dass  unser   D.  elongatus  etwa   ein    „Kümmerer'' 
wäre,  deren   häufigeres   Vorkommen   bei  Fischen  jüngst   erst   von   Siebold   nachwies    (in 
dessen  Süsswasserfischen  Mitteleuropas),  doch  wäre  es  dann  auffallend,  dass  zwei  Kümmerer 
und  nur  1  normales  Exemplar  vorliegen  würden. 
Abh.  d.  II.  Gl.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  X.  Bd.  I.  Abth.  2 


10 

der  Mugiloiden- Gattungen  auf  pag.  409  überhaupt  als  Merkmale  an: 
„Rand  der  Unterlippe  abgerundet  und  Zähne  wenigstens  im  Oberkiefer." 
Diese  2  Merkmale  genügen  ihm  zur  Construction  des  Gattungs-Charak- 
ters von  Agonostoma.  —  Bei  solchem  Verfahren  erscheint  es  zwar  leicht 
erklärlich,  dass  viele  bisher  aufgestellte  Gattungen  aus  dem  Systeme 
wieder  gestrichen  werden  können,  schwerer  dagegen,  wesshalb  conse- 
quenter  Weise  nicht  noch  mehr  cassirt  werden. 

Denn  unseres  Ermessens  liegt  die  grosse  Schwierigkeit,  die  sich 
dem  Systematiker  entgegen  stemmt  und  die  bisher  noch  nicht  zu  be- 
heben ist,  gerade  in  der  Beantwortung  der  Fragen :  „Was  ist  berechtigte 
Consequenz,  welche  sind  die  logisch  nöthigenden  Gründe,  welche  die 
Principien,  denen  die  Systematik  unabänderlich  zu  folgen  hat,  welche 
die  Merkmale,  die  allein  zur  Feststellung  scharf  abgegränzter  Begriffe 
und  Charaktere  geeignet  sind?"  — --  So  lange  die  entscheidende  Antwort 
auf  diese  Fragen  fehlt,  dürfte  es  noch  häufig  bedenklich  erscheinen, 
das  schon  wieder  vereinigen  zu  wollen,  was  kaum  durch  sorgsame 
Beobachtung  als  different  auseinander  gelegt  wurde.  Unsere  Zeit  hat 
noch  gar  viele  analytische  Arbeit  vor  sich  und  erst  wenn  diese  abge- 
than,  kann  die  synthetische  mit  Aussicht  auf  dauernden  Erfolg  beginnen. 
Wir  sind  zwar  gleichfalls  überzeugt,  dass  in  Zukunft  das  System  ungleich 
einfacher  werden  wird,  als  es  dermalen  ist,  und  dass  vielleicht  Hunderte 
von  Gattungen  und  Arten  aus  ihm  verschwinden,  die  wir  derzeit  noch 
als  solche  anerkennen,  doch  gehört  unsere  Thätigkeit  eben  der  Gegen- 
wart an  und  wir  halten  uns  nicht  für  befähigt  und  daher  auch  nicht 
für  berechtigt,  unserer  Zeit  vorzugreifen,  ausser  wenn  bereits  zwingende 
Gründe  vorliegen,  welche  die  Einziehung  von  Gattungen  und  Arten 
erheischen.  Solche  vermögen  wir  aber  im  vorliegenden  Falle  vorerst 
nicht  herauszufinden  und  wollen  demnach  die  Gattung  Dajaus  lieber 
noch  im  Systeme  fort  anerkennen,  als  mithelfen,  sie  um  ihre  vielleicht 
berechtigte  Existenz  zu  bringen. 


11 


Familie:    Chromides. 

Gattung :  Heros,  Heck. 

1.  Art:    Her.  altifrons,  n.  —  Taf.  II.  Fig.    1. 

Char.  Caput  ab  occipite  versus  os  valde  declivum,  exinde  rostrum  productum, 
capitis  longitudo  altitudini  fere  aequalis,  labium  inferius  bilobum;  — 
corpus  4 —  5  taeniis  verticalibus  obscure  fuscis ,  in  medio  macula 
nigra  notatis  cinctum,  insuper  punctulis  coendeo  -  albicantibus  ad- 
spersum;  pinna  caudalis  truncata. 

D.  16/11,  A.  5/8—9. 

Obwohl  diese  Art  mit  mehreren  der  von  Günther  in  seinen  Ca- 
talog  aufgenommenen  nahe  verwandt  ist,  und  zwar  namentlich  durch 
Schuppenzahl,  perlfarbige  Puncte  am  Rumpfe  und  schwärzliche  Vertikal- 
binden zunächst  mit  H.  margaritifer  von  Guatemala,  so  weicht  sie  doch 
in  manchen  Puncten  so  ansehnlich  ab,  dass  wir  sie,  so  lange  directe 
Uebergänge  nicht  nachgewiesen  sind,  vorerst  als  nova  species  glauben 
ansehen  zu  dürfen ,  welche  sich  insbesondere  durch  die  Haenndon-ähn- 
liche  Kopfform  vor  den  übrigen  zahlreichen  Arten  dieser  Gattung  aus- 
zeichnet. 

Die  grösste  Kopfhöhe  ist  bei  jüngeren  Individuen  seiner  Länge 
nahezu  gleich,  bei  älteren  aber  etwas  geringer  und  wird  von  der  grössten 
Leibeshöhe,  die  1/z  oder  etwas  über  ]/3  der  Gesammtlänge  ausmacht, 
nur  wenig  übertroffen.  Das  Kopfprofil  fällt  zwar  nach  vorne  steil  ab, 
erscheint  aber  gleichwohl  als  concave  Linie,  deren  tiefster  Punct  zwi- 
schen die  Augen  fällt.  Der  vordere  Augenrand  liegt  genau  in  halber 
Kopflänge,  daher  die  Schnauze  stark  verlängert  ist.  Der  Durchmesser 
des  Auges  beträgt  ^ — Vs  der  Kopflänge,  die  Stirnbreite  zwischen  bei- 
den bei  älteren  Individuen  1  lfa  Augendiameter,  (bei  jungen  bedeutend 
weniger);  die  Breite  zwischen  den  Kiemendeckeln  kommt  der  halben 
Kopflänge  fast  gleich. 

Die  Wangen  sind  mit  4 —  5  Schuppenreihen  bedeckt.  Der  Mund 
ist  seitlich  compress,  Ober-  und  Unterlippe  dick  und  wulstig,  letztere  in 
der    Mittellinie   gespalten.     Diess    findet   zwar   bei   vielen    andern    Arten 


12 

auch  statt,  doch  ist  es  für  die  vorliegende  bezeichnend,  dass  die  beiden 
Lappen  zunächst  der  Symphyse  am  längsten  sind  und  gegen  die  Mund- 
winkel schmaler  werden,  während  bei  andern  Arten  jeder  Lappen  in 
seiner  Mitte  am  breitesten  ist.  —  Die  Zähne  sind  kegelförmig,  ziemlich 
klein,  gelblich  und  an  den  Spitzen  braun  gefärbt.  Der  Zwischenkiefer 
enthielt  blos  in  äusserer  Reihe,  der  Unterkiefer  aber  in  den  2  vorderen 
etwas  stärkere  Zähne  als  in  den  übrigen  Reihen.  —  Der  untere  Schlund- 
knochen stimmt  in  Totalgestalt  und  Form  der  Zähne  besser  zu  Heckel's 
Abbildung  von  Acara  als  zu  Heros,  indem  er  mehr  ein  gleichseitiges 
als  gleichschenkliges  Dreieck  darstellt,  das  nur  in  kurze  seitliche  Ge- 
lenkarme ausläuft  und  viel  dichter  bezahnt  ist  als  bei  Heckel's  Fi- 
guren, die  überhaupt  in  diesem  Falle  nicht  genau  sind.  Die  Zähne 
stehen  äusserst  dicht  gedrängt,  alle  gegen  die  Ränder  zu  gelegenen 
Reihen  sind  fein  und  spitz,  blos  die  mittleren  4  Reihen  enthalten  grössere 
kuglig  abgerundete  und  braun  gefärbte  Pfiasterzähne.  —  Von  einer  me- 
dianen Naht  dieses  Schlundknochens  ist  keine  Spur  sichtbar;  fransige 
Pseudobranchien  fehlen. 

Die  Profillinie  des  Rückens  ist  nur  schwach  gekrümmt.  Die  Stacheln 
der  heteracanthen  Dorsale  nehmen  vom  1.  bis  zum  letzten  allmählich 
an  Höhe  zu,  so  dass  der  letzte  beinahe  4/9  der  Kopflänge  erreicht.  Von 
den  11  Gliederstrahlen  erreicht  der  6.  die  grösste  Höhe,  die  x/&  der 
Totallänge  des  Fisches  beträgt,  die  folgenden  nehmen  wieder  stufenweise 
an  Länge  ab.  Die  ausgezeichnet  heteracanthe  Afterflosse  beginnt  dem 
vorletzten  Dorsalstachel  gegenüber ;  ihre  längsten  Strahlen  sind  der  letzte 
stachelige  und  der  4.  gegliederte ,  der  beinahe  !/2  Kopflänge  misst. 
Die,  so  wie  bei  den  meisten  Chronüclen  hinter  den  Stacheln  der  Rücken- 
und  Afterflosse  abstehenden  spitzen  Hautlappen  bilden  wahre,  von  Faser- 
strahlen durchzogene  Fähnchen,  wie  diess  auch  bei  Labroiden  u.  a.  der 
Fall  ist.  —  Die  etwas  hinter  den  Brustflossen  stehenden  Ventralen  mit 
1/5  Strahlen  reichen  bis  zur  Analgrube  zurück,  mit  Ausnahme  des  1. 
Gliederstrahles,  welcher  fadig  verlängert  die  Basis  des  2.  und  3.  Anal- 
stachels erreicht.  Die  Brustflossen,  mit  13  Strahlen  messen  kaum  1/~0 
der  Gesammtlänge.  Die  Caudale  enthält  16  wahre  Strahlen  und  einige 
Stützen,  ist  schwach  abgerundet,  oder  bisweilen  fast  senkrecht  abge- 
stutzt,  nie  aber  eingeschnitten,  wie  diess  Günther  bei  H.  margaratifer 


13 

angibt  und  fast  ihrer  ^/i  Länge  nach  fein  überschuppt.  Der  stachelige 
Theil  der  Rücken-  und  Afterflosse  bleibt  schuppenfrei,  dagegen  halten 
4 —  5  Schuppenreihen  die  Haut  zwischen  je  2  ihrer  Gliederstrahlen  be- 
setzt. Die  Basis  beider  Flossen  ist  in  eine  niedere  fein  überschuppte 
Hautscheide  eingesenkt.  Die  Schuppen  des  Rumpfes  und  ihre  Structur 
verhalten  sich  wie  bei  andern  Arten.  Der  obere  und  vordere  Theil  der 
Seitenlinie  verläuft  über  19  —  20,  der  hintere  untere  über  12  — 13 
Schuppen;  in  der  Höhe  vom  1.  Ventral-  bis  zum  4.  Dorsalstachel  liegen 
16^2  Schuppen.  Von  den  Schuppen  des  Rumpfes  sind  jene  vom  Isthmus 
bis  zu  den  Bauchflossen  gelegenen  die  kleinsten. 

Färbung.  Grundfarbe  schmutzig  hellbraun,  gegen  den  Rücken 
etwas  dunkler;  4 — 5  dunkelbraune  Binden  ziehen  quer  über  die  Seiten 
des  Rumpfes,  vor  ihnen  liegt  am  Hinterhaupte  noch  eine  kürzere,  welche 
in  gleicher  Höhe  mit  dem  unteren  Augenrande  auf  dem  Deckel  endet; 
meist  aber  nur  schwach  ausgebildet  ist.  Jede  Binde  ist  nahezu  in  halber 
Körperhöhe  selbst  wieder  mit  einem  schwarzbraunen  Augenflecke  geziert 
und  öfters  ist  ein  ähnlicher  grosser  Fleck  in  der  unteren  Hälfte  der  2. 
Binde  sichtbar.  Ausserdem  schmücken  den  ganzen  Körper  (mit  Aus- 
nahme der  paarigen  Flossen  und  des  stacheligen  Theiles  der  Dorsale 
und  Anale)  zerstreute  weisslich-  oder  hellblaue  perlenförmige  Puncte. 

Wir  untersuchten  8  Individuen  von  42/3  bis  zu  8"  Länge;  sie  stam- 
men aus  Neu-Granada. 

2.  Art:  Her.  Sieboldii,   n.  —  Taf.  II.  Fig.   2. 

Char.  Rostrum  obtuse  rotundatum ,  frons  valde  convexa,  capitis  longitudo 
ad  totalem  =1:4;  —  trunci  latera  5  —  6  ocellis  magnis  obscuro- 
fuscis  notata,  saepe  cum  maculis  ejusdem  coloris  in  fascias  transver- 
sales dilutas  coalitis,  membrana  pinnarum  verticalium  punctulis  nigris 
seriatim  positis  ornata;  —  pinna  caudalis  subrotundata. 
D.   17/11,  A.  5/8,  V.  1/5,  P.   14,  C.   15. 

Die  Totalgestalt  ist  Sparus-ähnlich,  die  Schnauze  stark  gewölbt  und 
stumpf  abgerundet,  die  Profillinie  des  Kopfes  wie  des  Rückens  gleich- 
massig  sanft  gebogen;  die  Kopflänge  nahezu  =  x/4,  die  Körperhöhe 
etwas  mehr  als   1/3  der  Totallänge.     Das    ziemlich    hoch    stehende   Auge 


14 

hält  die  Mitte  der  Kopflänge  besetzt,  sein  Durchmesser  ist  bei  Jüngeren 
4 ,  bei  Aelteren  5  mal  in  jener  enthalten.  Die  Stirnbreite  zwischen 
den  Augen  schwankt  gleichfalls  nach  dem  Alter  bedeutend,  von  1^/2 
(bei  jungen)  bis  21/<2  Diameter  (bei  den  grössten  Individuen).  Die  klei- 
nen, einfachen  Narinen  liegen  den  Augen  etwas  näher  als  der  Schnau- 
zenspitze. Die  Breite  des  Kopfes  (zwischen  den  Deckeln)  nimmt  nach 
dem  Alter  bis  zu  3/5  seiner  Länge  zu  und  darnach  erscheint  auch  die 
Schnauze  um  so  dicker  und  rundlicher.  Die  Länge  der  Mundspalte 
übertrifft  kaum  1  Augendurchmesser,  die  Lippen  sind  massig  wulstig; 
die  Unterlippenfalte  verschwindet  gegen  die  Symphyse  völlig  und  zeigt 
auch  gegen  die  Mundwinkel  nur  einen  geringen  Grad  der  Ausbildung. 
Zwischen-  und  Unterkiefer  enthalten  in  äusserer  Reihe  10 — 12  grössere 
Zähne  als  andere  Arten  deren  besitzen,  die  überdiess  fast  wie  Schneide- 
zähne breit  sind,  aber  mit  tief  braun  gefärbten  Spitzen  enden ;  die  Zähne 
der  inneren  Reihen  sind  hingegen  äusserst  klein.  Die  Schlundknochen 
wie  bei  der  vorhergehenden  Art.  —  Die  D  o  r  s  a  1  stacheln  nehmen  bis 
zum  letzten  allmählich  an  Länge  zu ,  doch  kommt  letztere  selbst  bei 
diesem  nur  2  Augendurchmessern  gleich ;  nach  hinten  sind  sie  mit  ziem- 
lich langen  faserstrahligen  Fähnchen  behängt.  Die  Gliederstrahlen  er- 
heben sich  rasch  bis  zum  5.,  dessen  Höhe  5/7  der  Kopflänge  erreicht 
und  nehmen  dann  eben  so  rasch  bis  zum  letzten  an  Höhe  ab.  Die  5 
Stacheln  der  Anale  werden  gleichfalls  bis  zum  letzten  stufenförmig 
länger  und  sind  gleich  jenen  der  Rückenflosse  in  nicht  ausgezeichnetem 
Grade  heteracanth.  Ihr  gliederstrahliger  Theil  erhebt  sich  weit  über 
den  stacheligen,  schon  der  1.  Gliederstrahl  ist  fast  doppelt  so  lang  als 
der  5.  Stachel;  am  längsten  sind  aber  der  3.  und  4.,  welche  nur  wenig 
kürzer  als  der  höchste  Dorsalstrahl  bleiben.  Letzterem  kommen  auch 
die  mittleren  Strahlen  der  abgerundeten  Brustflossen  an  Länge  gleich. 
Die  Ventralen  reichen  mit  der  fadig  verlängerten  Spitze  ihres  1.  Glie- 
derstrahles zwar  weiter  als  die  Brustflossen  zurück,  aber  nicht  bis  an 
die  Basis  der  Anale.  Die  Länge  der  schwach  abgerundeten  Schwanz- 
flosse übertrifft  etwas  l/h  der  Totallänge.  —  Die  Analgrube  liegt  hier 
nahe  vor  der  Afterflosse  und  knapp  vor  ihr  eine  kurze  Urogenitalpapille. 
Die  Oberseite  des  Kopfes  bis  zum  vordem  Augenrande,  Zwischen- 
und  Unterdeckel  sind  beschuppt,    auch  die  Wangen  bedecken  5   Reihen 


15 

ziemlich  grosser  Schuppen.  Die  grössten  Schuppen,  welche  2/3  eines 
Augendiameters  erreichen,  halten  die  Setien  des  Rumpfes  besetzt,  die 
an  der  Brust  und  dem  Vorderbauche  bis  zu  den  Ventralen  liegenden 
sind  ausnehmend  klein.  Von  der  Kiemenspalte  bis  zur  Caudalbasis 
liegen  in  einer  Längsreihe  30 — 32,  in  der  Höhe  zwischen  dem  Ursprünge 
der  Bauchflossen  und  der  Dorsalbasis  16  Schuppen,  (wobei  die  den 
Stacheln  zunächst  gelegenen  2 — 3  Reihen  kleiner  Schüppchen  nicht  mit- 
gezählt sind).  Die  Seitenlinie  ist  wie  bei  allen  unterbrochen,  ihr 
oberer,  vorderer  Theil  senkt  sich  gegen  die  Kiemenspalte  etwas,  so  dass 
daselbst  über  ihr  noch  5  und  4  Schuppenreihen  liegen,  während  weiter 
zurück  deren  nur  3  Raum  haben.  Er  erstreckt  sich  über  22  Schuppen, 
das  hintere  Ende  der  Seitenlinie  liegt  2  Schuppenreihen  tiefer  in  halber 
Höhe  des  Schwanzstieles  und  läuft  über  12 — 14  Schuppen.  —  Das  fest- 
sitzende Ende  der  Schuppen  zeigt  14 — 16  Radien,  die  am  Rande  eben 
so  viele  Einkerbungen  bilden ;  der  hintere  freie  Schuppenrand  ist  fein 
gezähnelt,  blos  die  Schuppen  des  Kopfes  sind  ganzrandig  und  die  con- 
centrischen  Ringe  erstrecken  sich  bei  ihnen  über  die  ganze  Fläche. 

Die  Grundfarbe  des  Körpers  ist  hellbraun  mit  einem  Stich  ins  Röth- 
liche,  am  Rücken  etwas  dunkler,  die  Mitte  jeder  Schuppe  mit  einem 
schwärzlichen  Puncte  versehen,  welche  längs  der  Seiten  des  Rumpfes 
eben  so  viele  Längsstreifen  bilden,  als  Schuppenreihen  hier  liegen. 
Ueberdiess  sind  die  Achsel  der  Brustflossen  und  die  Seiten  in  halber 
Höhe  mit  5 — 6  grossen  verschwommenen  Flecken  von  dunkler  Färbung 
und  öfters  mit  ähnlichen  kleineren  am  vorderen  Theile  der  Seitenlinie 
geziert,  welche  letztere  bisweilen  mit  den  unter  ihnen  liegenden  grossen 
Flecken  in  schwach  angedeutete  Binden  verschmelzen.  Die  Haut  der 
Rücken-,  After-  und  Schwanzflosse  schmücken  schwarze,  in  Längsreihen 
geordnete  Puncte.  Brust-  und  Bauchflossen  sind  blaulich  schwarz,  letztere 
an  der  Basis  gelblich,  beide  nicht  punctirt. 

Die  Totallänge  der  11  uns  vorliegenden  Exemplare  schwankt  von 
5 — 8  Zoll  W.  M. ;  sie  stammen  aus  Neu-Granada  und  vom  westlichen 
Abhänge   der  Panama -Landenge. 


16 


Gattung:  Acara,    Heck. 

Art:    Ac.  coeruleopunctata,  n.  sp.?  —  Taf.  II.  Fig.   3. 

Char.  Longitudo  totalis  ad  illam  capitis  =  4:1,  ad  corporis  altitudinem  = 
3:1;  —  corpus  punctulis  cyaneis ,  saepius  in  strias  oblongas  coa- 
lescentibus  obsitum,  insuper  3 — 4  taeniis  verticalibus  et  1  vel  2  ocellis 
fusco-nigris  lateralibus  ornatum; 

D.  15/10,  A.  3/8-9. 

Wir  führen  diese  Art  nur  als  zweifelhaft  neue  vor,  da  sie  vielleicht 
nur  eine  Varietät  von  Acara  pulchra  Günth.  ist,  welche  selbst  wieder 
synonym  ist  mit  Cy (Masoma  pidchrum  Gill  (Fresh  -  water  Fishes  of  Tri- 
nidad, pag.  22)  und  Chromis  rivulata  Günth.  (Zool.  Proceed.  1859). 
Sie  stimmt  in  Färbung,  Schuppenzahl  u.  s.  w.  völlig  mit  ihr  überein, 
doch  geben  beide  Autoren  ausdrücklich  die  Zahl  der  Dorsalstrahlen  zu 
13/11  an,  und  Günther  bemerkt  ausserdem,  dass  die  Zahl  der  Schup- 
penreihen an  den  Wangen  zwischen  3  und  4  schwanke,  wie  diess  auch 
bei  unserer  fraglichen  Art  der  Fall  ist.  Um  die  Hebung  dieser  Zweifel 
zu  ermöglichen,  geben  wir  die  naturgetreue  Abbildung  und  ausführlichere 
Beschreibung  derselben. 

Die  Gesammtlänge  verhält  sich  zu  der  des  Kopfes  bei  grösseren 
Individuen  wie  4  :  1  (bei  jüngeren  ist  wie  gewöhnlich  der  Kopf  relativ 
grösser),  zur  Körperhöhe  wie  3  :  1.  Die  Profillinie  des  Kopfes  bildet 
bis  zu  den  Augen  einen  gleichmässigen  Bogen,  fällt  aber  vor  diesen 
steil  ab;  die  Schnauze  ist  stumpf,  die  Gegend  vor  den  Augen  flach 
und  etwas  eingedrückt.  Die  Augen  stehen  genau  in  halber  Kopflänge, 
von  welcher  ihr  Diameter  1/±  und  noch  etwas  weniger  ausmacht;  die 
Breite  der  Stirn  zwischen  ihnen  erreicht  iMa  —  2/3  ihres  Durchmessers. 
Die  Mundspalte  reicht  nicht  bis  unter  den  vordem  Augenrand,  die 
Lippen  sind  massig  entwickelt,  das  Segel  der  Unterlippe  verschwindet 
in  der  Nähe  der  Symphyse  gänzlich,  die  sehr  kleinen  Zähne  stehen  im 
Zwischen-  und  Unterkiefer  dicht  gedrängt,  ziemlich  breite  Binden  bil- 
dend, nur  jene  erster  Reihe  sind  etwas  grösser  und  stärker.  —  Sehr 
auffallend  sind  bei  dieser  Art  die  grossen  Poren  des  Systems  der  Kopf- 
canäle,    die    schon     He  ekel    bei    der    Gattung     Acara    überhaupt    im 


17 

Vergleich  zu  Heros,  wo  sie  unscheinbar  klein  sind,  hervorhebt ;  nament- 
lich zeichnen  sich  die  4 — 5  längs  des  Vordeckels  befindlichen  und  3  an 
jedem  Unterkieferaste  durch  Grösse  aus ;  etwas  kleiner  sind  jene  des 
Suborbitalringes  und  des  ansehnlichen  Praeorbitalknochens. 

Die  Stacheln  der  Rückenflosse  nehmen  stufenweise  an  Länge  zu, 
so  dass  der  letzte  zwar  3mal  so  hoch  als  der  1.  ist,  aber  dennoch  kaum 
x/%  der  Totallänge  übertrifft;  von  den  10  Gliederstrahlen  sind  der  4.  und 
5.  zusammen  in  einen  Faden  verlängert,  dessen  Länge  jedoch  nur  bei 
1  Individuo  (Männchen  ?)  so  bedeutend  ist,  dass  derselbe  die  halbe  Körper- 
länge erreicht  und  zurückgelegt  über  die  Spitzen  der  gleichfalls  ver- 
längerten Caudale  hinausreicht.  Die  Afterflosse  beginnt  gegenüber  dem 
letzten  Dorsalstachel  und  ist  ausgezeichnet  heteracanth ;  auch  ihr  4. 
Gliederstrahl  ist  fadig  verlängert  und  reicht  bei  allen  Exemplaren  über 
die  halbe  Länge  der  Caudale  zurück.  Die  den  Dorsal-  und  Analstacheln 
anhängenden  Fähnchen  sind  von  sehr  deutlichen  Faserstrahlen  durch- 
setzt. —  Von  den  13  Strahlen  der  Brustflossen  reichen  die  mittleren 
und  längsten  bis  unter  das  Ende  des  vordem  Theiles  der  Seitenlinie. 
Der  erste  Gliederstrahl  der  Bauchflossen  (mit  1/b  Strahlen)  ist  gleichfalls 
in  einön  Faden  verlängert,  der  stets  bis  unter  die  Stacheln  oder  selbst 
bis  zu  den  Gliederstrahlen  der  Anale  reicht.  Von  den  16  wahren  Strahlen 
der  Schwanzflosse  sind  der  5.  bis  7.  eines  jeden  Lappens  die  längsten, 
daher  die  Flosse  eingebuchtet   erscheint. 

Vordeckel,  Schnauze  und  Kiefer  sind  überschuppt,  der  übrige  Kopf 
aber  mit  grossen,  meist  ganzrandigen  Schuppen  bedeckt ;  an  den  Wangen 
liegen  3  (selten  4)  Reihen  schwach  gezähnelter  Schuppen,  während  jene 
des  Rumpfes  deutlich  gezähnelt  sind.  Längs  des  Rumpfes  zählt  man 
bis  zur  Basis  der  Caudale  25 —  28  Schuppen  in  der  Reihe  und  12  über- 
einander an  der  Stelle  der  grössten  Körperhöhe;  der  vordere  Theil  der 
unterbrochenen  Seitenlinie  erstreckt  sich  über  17,  der  hintere  um  2 
Schuppenreihen  tiefer  liegende  über  9  Schuppen.  Sämmtliche  Flossen, 
mit  Ausnahme  der  Caudalbasis  sind  unbeschuppt,  auch  fehlt  die  kleine 
beschuppte  Einfalzung  an  der  Basis  der  Rücken-  und  Afterflosse,  welche 
bei  der  Gattung  Heros  vorhanden  ist. 

Die  Grundfarbe  erscheint  gelblichbraun,  am  Rücken  dunkler,  am 
Bauche  heller;  mit  Ausnahme  der  Brust-  und  Bauchflossen,  sowie  des 
Abh.  d.  II.  Cl.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  X.Bd.  I.Abth.  3 


18 

stacheligen  Theiles  der  Dorsale  und  Anale,  ist  der  ganze  Körper  mit 
zahlreichen  himmelblauen  Puncten  besät,  welche  sich  an  den  Wangen 
öfters  zu  schief  verlaufenden  längern  Streifen  vereinigen.  Ueberdiess 
erstrecken  sich  3 — 5  breite  aber  undeutliche  Vertikalbinden  von  brauner 
Farbe  bis  gegen  den  Bauch  herab.  Vom  hintern  Rande  des  Auges  läuft 
zum  Winkel  des  Vordeckels  ein  schmaler  schwärzlicher  Streifen ;  in  halber 
Körperhöhe  liegt  ein  grosser  schwarzbrauner  Augenfleck,  der  ebenfalls 
blau  punctirt  ist.  Ein  ähnlicher  dunkler  aber  kleinerer  Fleck  ziert  auch 
bisweilen  die  vorgezogene  Spitze  des  gliederstrahligen  Theiles  der  Rücken- 
flosse, so  wie  das  Ende  des  Schwanzstieles.  Bei  einigen  Exemplaren 
ist  auch  die  Flossenhaut  der  Caudale  gegen  den  Rand  zu  mit  3 — 4 
Reihen  blaulichweisser  Puncte  geziert,  die  aber  bei  anderen  fehlen. 

Die  Zahl  der  untersuchten  Exemplare  beträgt  9,  ihre  Grösse  differirt 
von  A}ji  bis  ß1/s"  W.  M.,  sie  stammen  aus  dem  Rio  Chagres  und  vom 
westlichen  Gehänge  der  Andes. 


Familie:  Eleotrini. 

I 

Gattung:  Eleotris,   Gron. 
Art:    El.  pictus ,    n.  Sp.  ?  Taf.  III.  Fig.  1. 

Char.  Altitudo  corporis  ad  longitudinem  totalem  =  1  :  6 — 7,  vomer  et  palatum 
edentula,  pinna  dorsalis  secunda  altior  quam  prima,  corpus  infra  nu- 
merosis  maculis  et  striis  albidis  omatum;   Squam.  lateral.   60. 

8—10 


1.  D.  6,  2.  D.   1/8—9,  A.   1/9,  P.  18,  V.   1/5,  C.   15    . 

5—6 

Die  geringe  Anzahl  der  bisher  aus  Amerika  bekannten  Arten  dieser 
Gattung,  welche  vorzüglich  der  östlichen  Hemisphäre  angehört  und  am 
stärksten  in  Indien  vertreten  ist,  wird  durch  die  vorliegende  um  eine 
vermehrt,  die  zwar  in  vielen  Puncten  theils  an  El.  gyrinus ,  theils  an 
guavina  sich  anschliesst,  aber  mit  keiner  von  beiden  Arten  zusammen- 
fallen dürfte.  In  Zahl  der  Flossenstrahlen  so  wie  der  Schuppen  längs 
der  Seitenlinie,    ferner  in  der  Grösse  der  Augen  unterscheidet    sie  sich 


19 

nicht  wesentlich  von  El.  gyrinus  C.  V. ;  sind  jedoch  die  Angaben  von 
Cuvier,  Valenciennes  und  Günther  (Catal.  ofthe  Acanthopt.  fish,  in 
the  Coli,  of  Brit.  Mus.)  über  die  Körperhöhe  und  Färbung  genau  zu 
nehmen,  so  kann  die  uns  in  3  Exemplaren  vorliegende  Art,  deren 
Gaumen  völlig  zahnlos  ist,  nicht  als  El.  gyrinus  gedeutet  werden.  Wäh- 
rend nämlich  bei  dieser  die  Körperhöhe  nur  den  5.  Theil  der  Gesammt- 
länge  ausmacht,  ist  bei  unsrer  Art  das  Verhältniss  beider  wie  1  :  54/ö 
bis  7 ;  ferner  ist  bei  letztrer  die  1.  Rückenflosse  bedeutend  niedrer  als 
die  2.,  während  bei  El.  gyrinus  das  Gegentheil  stattfindet  (s.  auch  Hist. 
des  poissons  pl.  365).  Endlich  ist  bei  diesem  die  ganze  Unterseite  des 
Kopfes  und  Rumpfes  einfarbig,  bei  El.  pictus  dagegen  mit  zahlreichen 
schmutzig  weissen,  unregelmässigen  Flecken  geziert,  und  die  senkrechten 
Flossen  sind  bei  jenem  blos  braun  gefleckt,  bei  diesem  hingegen  sämmt- 
lich  braun  und  weisslich  gebändert.  —  Von  El.  guavina  unterscheidet 
sich  unsre  Art  schon  allein  durch  die  Anzahl  der  Dorsalstrahlen  und  der 
Schuppen  längs  der  Seitenlinie,   welche  bei  guavina  angeblich  bis  110  steigt. 

Die  Höhe  des  Kopfes  erreicht  nicht  ganz  dessen  halbe  Länge,  welche 
beiläufig  1/i  der  Totallänge  ausmacht;  die  grösste  Breite  zwischen  den 
Deckelstücken  beträgt  nahezu  V3  seiner  Länge.  Der  Oberkopf  ist  völlig 
flach,  die  Mundspalte  weit,  ebenso  lang  wie  breit  und  schief  gestellt, 
der  Zwischenkiefer  kürzer  als  der  untere,  beide  sind  mit  einer  breiten 
Binde  kurzer,  dicht  gedrängter  spitzer  Zähnchen  besetzt,  deren  der 
Gaumen  gänzlich  entbehrt.  Die  grosse  zur  Hälfte  freie  Zunge  halten 
zarte  spitzige  Papillen  besetzt;  die  Lippen  sind  ziemlich  dick  und  gegen 
die  Mundwinkel  in  eine  Falte  ausgezogen.  Der  Abstand  der  ovalen 
Augen  beträgt  vom  Zwischenkieferrande  1,  vom  obern  Winkel  der  Kiemen- 
spalte 41/2 — 5,  die  Stirnbreite  zwischen  beiden  2  Augen-Durchmesser. 
Die  Kiemenspalte  ist  weit,  die  Kiemenstrahlen,  von  denen  die  5  obern 
fast  gleich  lang  sind  und  durch  Breite  sich  auszeichnen  (besonders  der  5.) 
stecken  in  einer  dicken  schlaffen  Kiemenhaut.  Die  Pseudobranchien 
liegen  tief  in  einer  Höhlung  verborgen  und  bestehen  aus  nicht  zahl- 
reichen kurzen   und  dicken ,    stumpf  endenden  ^Läppchen    oder  Papillen. 

Die  4  mittleren,  unter  sich  fast  gleich  hohen  Strahlen  der  1.  Rücken- 
flosse erreichen  fast  h's  der  Kopflänge,  der  6.  und  letzte  kürzere  Strahl 
steht  vom  5.  weit  mehr  entfernt,    als  die  vorausgehenden  von  einander 

'3* 


20 

und  sein  hintrer  Hautsaum  reicht  nahe  bis  zum  Beginn  der  2.  Dorsale, 
deren  höchste  Strahlen  (der  5.  und  6.  oder  6.  und  7.)  nahezu  der 
halben  Kopflänge  gleichkommen.  Dieser  gegenüber  steht  die  Afterflosse, 
welche  mit  ihr  in  Zahl  und  Länge  der  Strahlen  übereinstimmt.  Die 
Bauchflossen  sind  kurz  und  zur  Hälfte  in  dicke  Haut  gehüllt,  welche 
die  einzelnen  Strahlen  kaum  erkennen  lässt ;  der  vorletzte  innere  Strahl 
ist  der  längste.  Die  grossen  fächerförmig  sich  ausbreitenden  Brustflossen 
erreichen  4/5  der  Kopflänge  und  werden  in  dieser  Beziehung  nur  von 
der  Caudale  übertroffen,  deren  mittlere  und  längste  Strahlen  nur  wenig 
hinter  der  Kopflänge  zurückbleiben. 

Den  Kopf  mit  Ausnahme  der  Schnauze  und  Unterseite  bedecken 
ganzrandige  Schuppen,  die  sich  wie  jene  des  Vorderrückens  und  Bauches, 
welche  gleichfalls  glattrandig  sind,  durch  ihre  Kleinheit  auszeichnen. 
Schon  hinter  den  Brustflossen  unterhalb  des  Anfangs  der  1.  Dorsale  be- 
ginnen einzelne  Schuppen  gezähnelt  zu  werden,  weiter  zurück  nimmt  ihre 
Anzahl  und  die  Stärke  der  Zähnelung  immer  mehr  zu,  so  dass  am  Caudal- 
stiele  ringsum  die  Schuppen  grösstentheils  oder  sämmtlich  ctenoid  sind. 
Auch  ihre  Grösse  und  Form  ist  nach  den  einzelnen  Körperstellen  verschie- 
den ;  die  des  Kopfes  und  Vorderbauches  sind  nebst  jenen,  welche  die  Basis 
der  Caudale  und  Brustflossen  bedecken,  am  kleinsten  und  meist  oval 
und  elliptisch  gestreckt.  In  halber  Körperlänge  werden  sie  allmählich 
grösser  und  ihre  freien  Ränder  bilden  nahezu  Kreissegmente ;  die  grössten 
Schuppen  liegen  am  Schwanzstiele,  jene  des  Bauches  zwischen  den 
Ventralflossen  und  der  Analgrube  sind  länglich,  schmal,  fast  lanzett- 
förmig zugespitzt. 

Die  Analgrube  liegt  nahe  vor  der  Afterflosse  und  zeichnet  sich 
durch  eine  breite  zungenförmige  Urogenitalpapille  aus,  deren  Länge  3/i 
des  Augendiameters  erreicht.  —  Die  Hoden  des  ausser  der  Laichzeit 
gefangenen  Männchens  reichen  nach  vorne  bis  über  die  Insertion  der 
Bauchflossen  hinaus;  die  sehr  dünnwandige  Schwimmblase  nimmt  die 
ganze  Länge  der  Bauchhöhle  ein. 

Färbung:  Rücken  und  Seiten  dunkelbraun  ins  Schwärzliche,  Bauch- 
seite röthlich  braun,  weiss  gefleckt;  über  die  Mitte  des  Oberkopfes 
ziehen  2  parallele  schwärzliche  feine  Linien ;  an  den  Seiten  des  Kopfes 
bemerkt  man  öfters  2  etwas  breitere  Binden    von   gleicher  Farbe ,    von 


21 

denen  die  obere  am  hintern  Augenrande  beginnt  und  geradlinig  bis  zum 
obern  Ende  der  .Brustflossenbasis  zieht,  während  die  untere  schief  über 
die  Wange  am  Rande  des  Vordeckels  endet  und  daselbst  mit  einer  dritten, 
etwas  über  und  hinter  dem  Mundwinkel  beginnenden  zusammenstösst. 
Quer  über  die  Kiemenhaut,  deren  Grundfärbung  braun  ist,  ziehen  gleich- 
falls 4 — 5  Reihen  weisser  Flecke  und  bei  einem  Individuo  erscheinen 
die  Bauchflosseu  besonders  schön  und  regelmässig  der  Quere  nach  weiss 
und  schwarzbraun  gebändert.  Auch  die  übrigen  Flossen,  namentlich 
die  vertikalen  sind  schwärzlich  braun  und  weiss  gefleckt  und  regel- 
mässig gebändert. 

Totallänge  von  63A  bis  8]/3"  W.  M. 

Vaterland:    Neu-Granada    und    aus    dem    Rio    Bayano. 

Familie:    Cllipeoidei. 

Gattung:  Engraulis,  Cuv. 

1.  Art.:  Engr.  macrolepidotus,  n.  —  Taf.  III.  Fig.  2. 

Char.  Capitis  longitudo  ad  totalem  =  1:4,  altitudinem  corporis  non  attin- 
gens,  os  edentulum,  maxilla  superior  fere  ad  pinnae  pectoralis  basin 
usque  prolongata: 

D.   3/9,  A.  3/26  .  .  .  Squam.  later.  35,  vertical.  9. 

Gleich  Engr.  edentulus  C.  V.  zeigt  auch  die  hier  zu  beschreibende 
Art  keine  Spur  von  Zähnen  in  den  Kiefern ,  unterscheidet  sich  aber 
von  jener  durch  die  bedeutendere  Höhe  des  Körpers  und  die  Länge  des 
Oberkiefers,   der  über  alle  Deckelstücke  hinausreicht. 

Der  Leib  ist  stark  comprimirt,  die  Höhe  37/iomal  in  der  Gesammt- 
länge  enthalten,  von  welcher  die  Kopflänge  nicht  ganz  1,4  beträgt.  Die 
Schnauze  springt  als  kurze  Nase  über  die  Kiefer  vor,  das  kreisrunde 
Auge  ist  massig  gross  und  liegt  fast  ganz  im  vordem  Drittel  der  Kopf- 
länge, in  der  sein  Durchmesser  4 mal  begriffen  ist;  die  Schnauze  ist 
demnach  äusserst  kurz  und  das  Auge  dem  Nasenrande  sehr  genähert. 
Die  Länge  des  Oberkiefers  misst  4/ö  der  Kopf-  oder  nahezu  l/h  der  Total- 
länge, die  des  Unterkiefers  ist  geringer.  —  Das  Suboperculum  ver- 
längert sich  nach  rückwärts  in  eine  Spitze ,  welche  über  der  Basis  der 
Brustflossen    zu    liegen    kommt.     Die    Zahl    der    Kiemenstrahlen   beträgt 


22 

jederseits  12 — 13,  von  denen  der  1.  und  kürzeste  äusserst  klein  und  kaum 
bemerkbar  ist.  Die  Rechenzähne  reichen  nach  vorne  bis  zur  Spitze  des 
Zungenbeines,  die  hintern  und  längsten  bis  zur  Gegend  des  hintern 
Augenrandes.  Die  Pseudobranchie  ist  kammförmig  und  besteht  aus 
einer  langen  Reihe  von  Lamellen. 

Die  Dorsale  beginnt  weit  vor  dem  Anfange  der  Anale  senkrecht 
über  dem  Ende  der  Bauchflossen  und  selbst  ihre  letzten  Strahlen  kommen 
noch  vor  dem  Beginne  der  Anale  zu  stehen.  Ihre  sämmtlichen  Strahlen 
sind  seitlich  von  einem  Schuppenfalze  bedeckt,  in  welchen  sie  zmück- 
gelegt  sich  völlig  verbergen  können;  die  längsten  Strahlen  erreichen 
ik  Kopflänge.  Die  Basis  der  Afterflosse  wird  gleichfalls  von  einer 
Schuppenscheide  eingefasst,  ihre  längsten  Strahlen  sind  der  letzte  un- 
geteilte und  der  1.  gegliederte  und  messen  zji  der  Kopflänge.  Die 
Brustflossen  mit  1/13  Strahlen  sind  kurz  und  reichen  nicht  bis  zu  den 
Ventralen  zurück,  die  noch  um  die  Hälfte  kürzer  als  jene  sind  und  aus 
1/6  Strahlen  bestehen.  Die  Analgrube  liegt  näher  der  Afterflosse,  als  den 
Bauchflossen.  Die  Caudale  enthält  19  Strahlen  und  5 — 7  staff eiförmige 
Stützen  in  jedem  Lappen,  sie  ist  tief  gabelig,  fast  gleichlappig  und 
nahezu   von  Kopfeslänge. 

Die  Schuppen  sind  bedeutend  gross  und  höher  als  lang.  Der  Höhen- 
durchmesser der  grösseren  Lateralschuppen  übertrifft  einen  Augendia- 
meter.  Die  Schuppenstructur  verhält  sich  im  Wesentlichen  wie  bei 
andern  Clupeiden.  Der  freie  Rand  ist  gekerbt,  zufolge  eines  sich  bis 
zu  ihm  erstreckenden  schönen  Netzes  aus  feinen  Kanälchen,  die  über  die 
Schuppenfläche  hin  meist  4eckige  Maschen  bilden;  näher  gegen  das  fest- 
sitzende Ende  folgen  unregelmässige  Querfurchen ,  aus  denen  endlich 
statt  eigentlicher  Radien  ziemlich  parallele  Längsstreifen  oder  Kanäle 
abgehen.  Von  einer  Seitenlinie  ist  keine  Spur  vorhanden,  dagegen  wird 
das  dicke  hintre  Eettlid  des  Auges  von  zahlreichen  verzweigten  kurzen 
Nebenröhrchen  der  Kopfkanäle  durchsetzt.  —  Eine  wahre  Bauchschneide 
fehlt,   statt  ihr  ist  nur  ein  stumpfer  Kiel  vorhanden. 

Färbung:  Die  Oberseite  des  Kopfes  und  der  Vorderrumpf  röthlich- 
braun  mit  dunkelblauem  Schimmer,  der  übrige  Leib  goldgelb,  längs  der 
Seiten  des  Rumpfes  ein  undeutliches  dunkelblaues  Band;  sämmtliche 
Flossen  gelblich,  die  Spitzen  der  Caudalstrahlen  schwärzlich  gesäumt. 


23 

Stammt  aus  dem  Rio  Bayano,  welcher  auf  der  Landenge  von  Pa- 
nama in  den  stillen  Ocean  mündet. 

2.  Art:  Engr.  Poeyi,  n.  —  Taf.  III.  Fig.   3. 

Char.  Corpus  valde  elongatum ,    denies  numerosi  in  utraque  maxilla ,  vomere 
et  osse  palatino;   rostrum  breve  obtusum,  pinna  pectoralis  longa. 

D.  3/13,  A.  3/21,  P.   1/15  .  .  Squam  later.  42. 

Diese  Art,  welche  wir  leider  auch  nur  auf  ein  einziges  und  zwar 
schadhaftes  Exemplar  gründen  können,  steht  dem  Engr.  delicatissimus 
sehr  nahe,  den  Girard  in  dem  Report  upon  the  Zoology  of  the  Several 
Pacific  Rail  routes,  Washingt.  1857  p.  335  —  36  beschrieb.  Sie  unter- 
scheidet sich  jedoch  durch  die  Länge  der  Brustflossen,  deren  Spitze 
über  die  Insertion  der  Ventralen  hinausreicht,  ferner  durch  die  grössere 
Anzahl  von  Pectoralstrahlen,  längere  Analbasis,  die  bei  Engr.  delicatissimus 
5 mal,  hier  aber  kaum  4x/2  in  der  Gesammtlänge  enthalten  ist,  und 
endlich  durch  kürzern  Oberkiefer,  dessen  hinteres  Ende  die  Kiemen- 
öffnung nicht  erreicht. 

Die  Kopflänge  ist  der  grössten  Rumpfhöhe  gleich  und  etwas  über 
5  mal  in  der  Gesammtlänge  enthalten ;  seine  Breite  verhält  sich  zur 
Länge  wie  1  :  2]/2  und  der  Durchmesser  des  Auges  zu  letzterer  wie 
1  :  32/3.  Die  Schnauze  ist  kurz  und  stumpf,  die  ganze  vordere  Hälfte 
des  Kopfes  mit  einer  Eetthaut  überzogen,  welche  sich,  nur  dünner  wer- 
dend, auch  über  das  Auge  fortsetzt.  Ober-  und  Unterkiefer  sind  gleich 
lang  und  breit  mit  einer  Reihe  dicht  gedrängter,  zarter,  gekrümmter 
Zähne  von  nicht  unbedeutender  Länge  besetzt,  deren  Grösse  und  Krüm- 
mung nach  rückwärts  zunimmt,  namentlich  im  Unterkiefer,  der  überhaupt 
die  grössten  Zähne  enthält.  Sehr  klein  und  nur  mit  der  Loupe  zählbar 
sind  dagegen  die  Gaumen-  und  Vomerzähne ;  letztere  stehen  in  mehreren 
Reihen.  Das  hintere  spitze  Ende  des  Oberkiefers  reicht  bis  unter  den 
Winkel  des  Zwischenkiefers.  Die  Rechenzähne  der  vordem  Kiemenbögen 
sind  verhältnissmässig  kurz,  die  Pseudobranchien  gross,  schön  kamm- 
förmig. 

Die  Rückenflosse  beginnt  etwas  näher  der  Caudale  als  dem  Schnauzen- 
rande, der  vor  ihr  liegende  Stachel  ist  ganz  unter  der  Haut  verborgen; 


24 

die  höchsten  Strahlen  erreichen  die  Länge  der  Flossenbasis,  welche 
l1/2mal  in  der  Kopflänge  enthalten  ist.  Die  Afterflosse  beginnt  gegen- 
über der  Mitte  der  Dorsale,  ihre  Basis  übertrifft  die  Länge  des  Kopfes 
um  3/5  eines  Augendiameters.  Beide  genannte  Flossen  liegen  in  der 
Ruhe  in  einen  aufstehenden  Schuppenfalz  eingesenkt.  Stark  ausgebildet 
sind  die  Brustflossen,  indem  sie  trotz  der  abgebrochenen  Spitze  noch 
über  die  Insertion  der  kurzen  Ventralen  (mit  1/6  Strahlen)  zurückreichen) ; 
auch  die  über  ihrer  Basis  liegende  Spornschuppe  zeichnet  sich  durch 
Länge  aus,  da  sie  5/9  der  Kopflänge  misst.  Von  der  Schwanzflosse  ist 
die  Hälfte  erhalten,  ihre  Länge  dürfte  jene  des  Kopfes  etwas  übertroffen 
haben. 

Die  grösseren  der  übrigens  leicht  abfallenden  Schuppen  längs  der 
Seiten  des  Rumpfes  übersteigen  mit  ihrem  längern  Höhendurchmesser 
den  des  Auges  bedeutend,  unterhalb  der  Rückenflosse  lagen  deren  8 — 9  in 
senkrechter  Linie ;  die  Schuppenstructur  ist  wie  bei  allen  ächten  Clupeiden. 

Färbung.  Rückenseite  bräunlich,  der  übrige  Leib  silberglänzend 
mit  bläulich  grünem  Opalschimmer. 

Totallänge  9  W.  Z.  —     Aus  dem  Rio  Bayano. 

Familie:   Cyprinodontes. 

Gattung:  Xiphophorus,  Heck. 

Diese  den  Poecilien  mehr  verwandte  Gattung  wurde  zuerst  von 
J.  He  ekel  im  3.  Hefte  der  Sitzungsberichte  der  kaiserlichen  Akademie 
der  Wissenschaften  Jahrgang  1848  begründet,  zufolge  der  eigenthüm- 
lichen  Klammerorgane,  zu  denen  bei  Männchen  die  Bauchflossen  um- 
gebildet sind,  mit  dem  Namen  Xiphophorus  belegt  und  sogleich  in  2 
aus  Mexico  stammenden  Arten  vorgeführt.  Nur  ein  paar  Jahre  später 
im  Jahre  1851  erschien  Poey's  wichtiges  Werk:  ,,Memorias  sobre  la 
Historia  natural  de  la  Isla  de  Cuba",  in  dessen  1.  Bande  auf  Seite 
382 — 391  drei  ähnliche  Gattungen  von  Cyprinodonten  unter  den  Namen: 
Gambusia,  Girardinus  und  Limia  beschrieben  und  durch  schöne  Abbil- 
dungen veranschaulicht  sind.  Da  Poey  damals  von  Heckel's  Arbeit 
schwerlich  schon  Kenntniss  haben  konnte,  so  erscheint  es  auch  um  so 
weniger  befremdend,    in  einer  dieser  Gattungen  Heckel's   Xiphophorus 


25 

wieder  zu  finden,  als  überhaupt  die  Fischfauna  der  Antillen,  so  weit  sie 
bekannt  ist ,  sich  enge  an  die  nachbarliche  von  Centralamerika  an- 
schliesst.  Es  handelt  sich  hiebei  nur  um  die  beiden  Gattungen  Gam- 
busia  und  Lintia,  da  Girardinus  sich  von  selbst  ausschliesst.  Obwohl 
wir  nun  erstere  nicht  durch  Autopsie  kennen,  so  dürfte  doch  Poey's 
Angabe,  dass  sie  einen  kurzen  nicht  gewundenen  Darmkanal 
besitzt,  genügen,  um  den  Gedanken  an  Xiphophorus  fallen  zu  lassen, 
während  dagegen  Linda  nicht  blos  in  allen  übrigen  wesentlichen  Eigen- 
schaften mit  letzterem  übereinstimmt,  sondern  auch  gleich  diesem  einen 
vielfach  gewundenen  Darmkanal  besitzt.  Da  es  demnach  kaum 
zweifelhaft  ist,  dass  Limia  mit  Xiphophorus  zusammenfällt,  so  dürfte  dem 
Prioritätsrechte  zufolge  auch  He  ekel 's  älterer  Name  beizubehalten  und 
Limia  aus  dem  Systeme  zu  streichen  sein. 

Was  die  nachfolgende  Art,  welche  wir  dem  um  die  Ichthyologie, 
namentlich  Amerika's  so  hochverdienten  Forscher  Herrn  Th.  Gill  zu 
widmen  uns  erlauben,  anbelangt,  so  halten  wir  uns  zwar  nach  dem 
jetzigen  Stande  unsrer  Kenntniss  dieser  Fische  völlig  berechtigt  zu  ihrer 
Aufstellung,  wollen  aber  nicht  unerwähnt  lassen,  dass  eben  diese  Kennt- 
niss noch  ziemlich  ungenügend  ist,  da  man  über  die  Alters-  und  Sexual- 
verschiedenheiten bisher  zu  wenige  Nachweise  hat,  um  sie  bereits  in 
einer  zusammenhängenden  Weise  überblicken  und  abschätzen  zu  können. 

Art:    Xiph,  Gillii,    n.  —  Taf.  IV.  Fig.   1. 

Char.  Longitudo  capitis  ad  totalem  =  1:4  —  5  et  corporis  altitudinem 
adaequans  vel  paulo  minor;  maris  radius  3*****  pinnae  analis  prolon- 
gatus ,  incrassatus  et  in  facie  anteriori  papilla  genitali  ejaculatoria 
peniformi  instruetus;  radius  £tus  in  foreipem  transmutatus ,  btus  unco 
parvo  terminali  munitus;  —  tractus  intestinalis  spiraliter  involutus. 
D.  9,  A.  8— 9,   V.  6  .  .  Squam  longit.  25,    vertic.  8. 

Die  Länge  des  Kopfes  ist  4-  bis  gegen  5  mal  in  der  Totallänge  ent- 
halten und  verhält  sich  zur  Breite  zwischen  den  Deckeln  wie  3  :  2 ;  die 
grösste  Körperhöhe  von  der  Rückenflosse  gleicht  der  Kopflänge  oder 
übersteigt  sie  etwas.  Das  Auge  steht  der  Schnauze  etwas  näher  als 
der  Kiemenspalte  ;  sein  Durchmesser  beträgt  J/3  der  Kopflänge,  die  Stirn- 
Abh.  d.  II.  Cl.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  X.  Bd.  I.  Abth.  4 


26 

breite  zwischen  beiden  bei  altern  Weibchen  fast  IV2,  bei  den  klei- 
neren Männchen  nur  wenig  über  1  Diameter.  Die  Stirn  ist  flach,  der 
Mund  vorstreckbar,  seine  Breite  etwas  geringer  als  1  Augendurchmesser, 
der  Unterkiefer  vorstehend,  beide  Kinnladen  sind  jederseits  in  äusserer 
Reihe  mit  18  —  20  längern  borstenähnlichen  Zähnen  belegt,  deren  Spitze 
nach  hinten  gekrümmt  ist  und  auf  welche  nach  rückwärts  eine  2.  Reihe 
oder  vielmehr  eine  schmale  Binde  viel  kleinerer  Zähnchen  folgt,  die  mit 
freiem  Auge  nicht  sichtbar  sind.  Die  hintere  Narine  steht  nahe  vor 
dem  Auge,  die  vordere  ganz  am  Rande  der  quer  abgestutzten  Schnauze , 
unter  dem  sich  das  Mundrohr  vorschiebt;  Pseudobranchien  sind  nicht 
erkennbar. 

Die  Rückenflosse  beginnt  hinter  halber  Körperlänge  und  steht  bei 
Weibchen  der  Anale  gegenüber,  während  diese  bei  Männchen  näher  den 
Bauchflossen  und  meist  in  oder  selbst  vor  halber  Körperlänge  entspringt. 
Ihre  Höhe  erreicht  bei  Männchen  1  Kopflänge,  bei  Weibchen  bleibt  sie 
niedrer.  Auch  die  Brust-  und  Bauchflossen  bieten  Geschlechtsunter- 
schiede dar.  Beide  sind  nämlich  bei  Männchen  länger  und  mehr  aus- 
gebildet; erstere  (mit  13  Strahlen)  reichen  bei  noch  jungen  Individuen 
bis  an,  bei  geschlechtsreifen  bis  hinter  den  Anfang  der  Anale  zurück, 
bei  Weibchen  dagegen  nur  bis  zur  Basis  der  Bauchflossen.  Diese  hin- 
wieder erreichen  bei  Weibchen  mit  ihrem  allerdings  auch  etwas  verlän- 
gerten 1.  Strahle  den  Anfang  der  Afterflosse,  während  sie  bei  Männchen 
mit  ihren  fadigen  Spitzen  weit  hinter  die  Analbasis  zurückreichen  und 
überhaupt  bei  dieser  Art  noch  mehr  entwickelt  sind,  als  bei  irgend  einer 
von  He  ekel  und  Poey  beschriebenen  und  abgebildeten  Art.  —  Die 
einzige  Flosse ,  welche  nicht  in  die  Geschlechtssphäre  einbezogen  wird, 
ist  die  Caudale,  welche  wie  bei  andern  Arten  sanft  abgerundet  erscheint 
und  deren  mittlere  und  längsten  Strahlen  nahezu  1  Kopflänge  messen. 
Der  Schwanzstiel,  von  dem  sie  entspringt,  ist  zwar  bei  beiden  Geschlech- 
tern auffallend  hoch,  bleibt  aber  bei  Männchen  nur  um  ya  hinter  der 
Kopflänge  zurück  und  es  liegen  daselbst  noch  6J/2  Schuppenreihen  über- 
einander. 

Was  endlich  die  Afterflosse  betrifft,  so  sind  wir  zufolge  des 
Umstandes,  dass  wir  12  Männchen  dieser  Art  von  verschiedener  Grösse 
untersuchen  konnten,  auch  in  der  Lage,  etwas  näher  die  Art  und  Weise 


27 

der  Umbildung  anzugeben,  welche  sie  in  ihren  einzelnen  6  Strahlen,  die 
bei  Weibchen  nichts  Auffallendes  zeigen,  je  nach  dem  Alter  und  vielleicht 
auch  der  Nähe  der  Laichzeit,  allmälich  erfahren.  Stets  sind  an  allen 
männlichen  Individuen  der  3.,  4.  und  5.  Strahl  stark  verlängert  und 
mitsammen  innig  verbunden,  aber  bei  jungen,  wahrscheinlich  noch  nicht 
Geschlechtsreifen,  zeigt  sich  weiter  noch  keine  Umbildung  der  einzelnen 
Strahlen.  Bei  völlig  entwickelten  Männchen  dagegen  ist  die  Vorder- 
seite des  3.  Strahles  zu  einer  Rinne  ausgehöhlt,  in  welcher  das  röhrig 
verlängerte,  durchbohrte  Paarungsorgan  eingebettet  liegt,  dessen  kopf- 
förmig  verdickte  Spitze  sich  von  der  Vorderfläche  des  Strahles  losheben 
kann,  in  der  Ruhe  aber  sich  in  einen  weitern  Hohlraum  legt,  der  ge- 
meinsam von  dem  Ende  des  3.,  4.  und  5.  Strahles  gebildet  wird.  Die 
Spitze  des  3.  Strahles  selbst  bleibt  übrigens  frei  und  biegt  nach  rück- 
wärts um,  die  des  4.  hingegen  nach  vorne  und  endet  in  einen  über- 
greifenden Hacken,  so  dass  beide  Strahlen  zusammen  eine  Art  Zange 
bilden,  deren  einer  Arm  länger  ist.  Beide  Zangenarme  sind  überdiess 
der  Länge  nach  gezähnelt.  Der  5.  Strahl  verbreitert  sich  gegen  sein 
freies  Ende  und  ist  an  diesem  mit  einem  kleinen  nach  rückwärts  ge- 
krümmten Hacken  bewaffnet.  Der  6.  nicht  mehr  mit  den  vorigen  ver- 
wachsene Strahl  ist  durch  eine  dicke  Flossenhaut  ziemlich  weit  von  ihnen 
gesondert,  beiläufig  nur  halb  so  lang  und  doppelt  gabelig  getheilt.  — 
Die  meisten  der  uns  vorliegenden  Männchen  waren  ohne  Zweifel  noch 
nicht  völlig  geschlechtsreif  und  bei  diesen  ist  die  Umbildung  der  Anal- 
flosse am  ähnlichsten  jener,  die  Heckel  von  einem  jungen  Männchen 
von  Xiph.  gracilis  auf  Taf.  6  in  Fig.  3.  d.  1.  c.  abbildet *).  Vergleicht 
man  sie  mit  den  alten  Männchen  von  Xiph.  Helleri  Heck  und  den  Ab- 
bildungen solcher  von  den  Arten  Poey's,  so  ergibt  sich,  dass  von  allen 
unsern  männlichen  Exemplaren  blos  eines  völlig  ausgewachsen  und  ge- 
schlechtsreif sein  dürfte.  Nur  bei  diesem  erscheint  die  Analflosse  derart 
entwickelt,  wie  sie  in  Fig.  9.  a  vergrössert  dargestellt  ist.  Bei  allen 
übrigen  fehlt  etwas ,  entweder  das  Genitalrohr  an  der  Vorderseite  des 
3.  Strahles,    oder    die  zangenförmige  Bildung   des  3.  und  4.    nebst    der 


1)  Sonderbarer  Weise  Hess  Heckel  kein  reiferes  Exemplar    dieser  Art  abbilden,   obwohl   ihm 
solche  ebenfalls  zu  Gebote  standen. 

4* 


28 

Zähnelung  und  dem  kleinen,  nach  hinten  gerichteten  Hacken  an  der 
Spitze  des  5.  Strahles.  —  Unser  reifes  Männchen  ähnelt  bezüglich  der 
Analebildung  noch  am  meisten  dem  Girardinus  metallicus  Poey,  Taf.  31, 
Fig.  10,  ohne  aber  mit  ihm  übereinzustimmen.  Ein  Genitalrohr  am 
3.  Analstrahle  besitzt  überhaupt  weder  ein  Xiphophorus  Heckel's,  noch 
eine  Art  von  Poey's  Gattungen. 

Die  Schuppen  verhalten  sich  wie  in  der  ganzen  Familie;  am  freien 
Ende  zeigen  sie  starke  concentrische  Streifung ,  am  festsitzenden  Ende 
dagegen  einen  Fächer  von  10 — 12  Radien  und  ein  fast  genau  in  der 
Mitte  liegendes  Centrum.    Die  Seitenlinie  ist  nur  durch  Poren  angedeutet. 

Färbung.  Bei  jungen  Individuen  hellbraun,  die  hintere  Rumpf- 
hälfte mit  verwaschenen  dunkleren  Vertikalbinden ;  bei  älteren  dunkel- 
braun, besonders  an  den  freien  Schuppenrändern.  Bei  erstem  ist  die 
Dorsale  einfarbig,  bei  letztern  schwarz  punctirt,  dagegen  bemerkt  man 
öfters  nur  bei  Jungen  einen  schwarzen  Fleck  an  der  Basis  der  letzten 
Analstrahlen.  Bios  an  einem  Männchen  ist  auch  die  Schwanzflosse  schwarz 
punctirt,  bei  allen  übrigen  einfarbig. 

Totallänge  des  grössten  der  10  Weibchen  \"  10"'  W.  M.,  des 
grössten  Männchens   1"  6'". 

Fundort:   Rio  Chagres. 

Familie:  Erythrini. 
Gattung:  Macrodon,  J.  Müll. 
Dieser  Gattung  gehören  2  uns  vorliegende  Exemplare  an,  deren 
Artbestimmung  uns  um  so  unsichrer  erscheint,  als  beide  in  manchen 
Puncten  selbst  wieder  von  einander  abweichen,  obwohl  ihre  Gleichartig- 
keit kaum  zu  bezweifeln  sein  dürfte.  Eine  sorgfältige  Vergleichung  mit 
Exemplaren  von  Mac.  tareira  Val.  ergab,  dass  sie  zwar  dieser  Art  sehr 
nahe  stehen,  sich  von  ihr  aber  dennoch  durch  verschiedene  Zeichnung 
des  Körpers  und  etwas  abweichende  Zahl  der  Längs-  und  Querreihen 
der  Schuppen  unterscheiden,  so  dass  sich  ihre  Aufstellung  als  neue  Art 
vielleicht  rechtfertigen  Hesse.  Wir  enthalten  uns  jedoch  dessen,  und 
zwar  namentlich  aus  dem  Grunde,  weil  schon  die  bisher  unterschiedenen 
Arten  uns  nicht  ganz  sicher  in  ihrer  Abgränzung  scheinen,  wir  aber 
bei  dem  uns  zu  Gebote  stehenden  Materiale    vorerst  nicht  in    der  Lage 


29 

sind,  dieser  Unsicherheit  und  muthmasslichen  Verwirrung  abzuhelfen.  — 
Was  die  Gattung  Macrodon  selbst  anbelangt,  so  halten  wir  mit  Gill 
ihren  Fortbestand  für  gerechtfertigt,  da  uns  die  Verschiedenheit  der 
Bezahnung  doch  zu  bedeutend  scheint,  um  sie  nach  neuerlichem  Vor- 
schlage mit  Erytlirinus  wieder  in  eine  Gattung  zu  vereinigen.  In  Betreff 
der  Artenfrage  lässt  sich  nur  mit  ziemlicher  Sicherheit  behaupten,  dass 
Gill 's  Macrodon  ferox  (s.  Synopsis  ofthe  fresh water  Fishes  of  Trinidad, 
p.  51)  sowohl  von  unsern  Exemplaren,  wie  auch  von  trahira1)  und 
brasiliensis  Spix  verschieden  ist.  Wie  es  aber  sich  gerade  mit  diesen 
beiden  letzteren  als  Arten  verhält,  vermögen  wir  allerdings  nicht  zu 
entscheiden,  doch  sind  wir  geneigt,  uns  der  Ansicht  Castelnau's  an- 
zuschliessen  und  wenn  diese  richtig  ist,  dann  stimmen  unsre  Exemplare, 
wenigstens  nach  der  Abbildung  bei  Spix  am  nächsten  zu  Erythrin.  bra- 
siliensis, von  welchem  übrigens  Castelnau  eigens  bemerkt,  dass  Fär- 
bung und  Zeichnung  stark  variiren.  Wir  fügen  diesem  nur  noch  hinzu, 
dass  wohl  auch  in  Messungsverhältnissen,  wie  z.  B.  Augendurchmesser, 
Stirnbreite,  Schnauzenlänge  u.  s.  w.  ähnliche  Schwankungen  stattfinden, 
wie  schon  unsere  beiden  Individuen  diess  beweisen,  und  eben  diese  uns 
vor  Aufstellung  einer  neuen  Art  abhalten. 

Die  Kopflänge  ist  =  y*,  die  Leibeshöhe  =  */6  der  Gesammtlänge ; 
der  Durchmesser  des  Auges  an  dem  älteren  Individuo  7  mal,  an  Jüngern 
nur  54/ömal  in  der  Länge  des  Kopfes  enthalten.  Die  Stirnbreite  zwischen 
den  Augen  beträgt  bei  ersterem  mehr  als  2,  bei  letzterem  nur  l1/^  Augen- 
diameter,  ferner  ist  bei  diesem  die  Schnauzenlänge  der  Stirnbreite  gleich, 
bei  dem  älteren  Exemplare  aber  etwas  geringer.  —  Sämmtliche  nach 
aussen  liegende  Kopfknochen  sind  mit  Ausnahme  der  Kiefer  und  des 
Zwischendeckels  blos  mit  einer  sehr  dünnen  Haut  überkleidet  und 
strahlig  gefurcht ;  Deckel  und  Unterdeckel  am  hintern  Rande  mit  einem 
ziemlich  breiten  Hautlappen  versehen.  Die  Bezahnung  der  Kiefer  und 
des  Gaumens  verhält  sich  wie  bei  Macrod.  trahira,  nur  sind  die  3 
grösseren  Zähne  des  Zwischenkiefers  relativ  kürzer,  doch  dürfte  hierauf 
wohl  kein  Gewicht  zu  legen  sein ,    da  offenbar  auch  bei  diesen  Fischen 


1)  Nach  Castelnau  ist  das  Wort  tareira  corrupt  und  trahira  das  richtige,  in  Brasilien 
übliche.  Nach  Martius  ist  es  aus  tära  und  irä,  nehmen  und  vorwärts,  zusammengesetzt: 
etwa  „zu  schnappen". 


30 

Zahnwechsel  stattfindet  und   ausgefallene  Zähne    allmälich    wieder  nach- 
wachsen. 

3 

D.  3/11,  A.  3/8-9,  P.  2/10,  V.   1/7,  G.     17 

4 
Squam.  long.  43,  vertic.  13  —  14. 

Alle  Flossen  sind  am  Rande  mehr  oder  minder  abgerundet,  am 
wenigsten  die  Dorsale,  jedoch  stärker,  als  diess  bei  den  Figuren  von 
Spix  ersichtlich  ist.  Die  3  ersten  ungetheilten  Strahlen  der  Rücken- 
flosse nehmen  rasch,  die  3  folgenden  getheilten  nur  allmälich  an  Höhe 
zu,  der  6.  bis  8.  Strahl  sind  unter  sich  gleich  lang  und  die  längsten 
der  Flosse ;  ihre  Höhe  kommt  bei  dem  älteren  Exemplare  der  Länge 
der  Flossenbasis  gleich,  bleibt  aber  bei  dem  jüngeren  etwas  zurück.  — 
Die  Brustflossen  erreichen  nicht  völlig  die  halbe  Kopflänge,  welche  da- 
gegen von  den  Ventralen  etwas  übertroffen  wird ;  die  Länge  der  Schwanz- 
flosse beträgt  4/5  der  Kopflänge. 

Bezüglich  der  Schuppenzahlen  ergibt  sich  eine  kleine  Abweichung 
von  Macr.  trahira.  Bei  diesem  liegen  nämlich  in  der  Höhe  von  der 
Basis  des  ersten  Dorsalstrahles  bis  ziu'  Seitenlinie  5,  an  dem  einen  unserer 
Exemplare  6  Schuppenreihen,  und  unterhalb  derselben  bis  zur  Einlen- 
kung  der  Bauchflossen  bei  beiden  dieselbe  Anzahl ;  es  besitzt  somit 
M.  trahira  um  2  Reihen  in  der  Höhe  weniger.  Auch  längs  der  Seiten- 
linie zählen  wir  an  unsern  Exemplaren  von  trahira  nur  40 ,  an  dem 
einen  fraglichen  aber  43  Schuppen.  Dieser  Abweichung  kann  desshalb 
kein  Gewicht  beigelegt  werden,  da  selbst  unsre  beiden  Exemplare  nicht 
mit  einander  übereinstimmen,  denn  am  grösseren  liegen  längs  der  Seiten- 
linie ebenfalls  nur  40  Schuppen. 

Färbung.  Die  ganze  Rückenseite  bräunlich,  am  Kopfe  etwas  heller 
und  ins  Röthliche  neigend,  ausserdem  am  Rücken  einzelne  regellos  zer- 
streute hellere  gelbliche  Flecken.  Vom  hintern  Augenrande  laufen  3 
dunkelbraune  Streifen  strahlig  nach  rückwärts  aus,  von  denen  der  mittlere 
sich  am  Kiemendeckel  in  einen  grossen  rundlichen  Fleck  ausbreitet.  Die 
Unterseite  des  Kopfes  ist  weiss  und  braun  marmorirt.  Der  Bauch  gelb- 
lich ;  die  Seiten  des  Rumpfes  zieren  an  der  untern  Hälfte  einzelne  kleine 
dunkle  Flecken,  die  sich  mitunter  wie  bei  trahira  zu  schmalen,  schwach 
ausgedrückten  Längsstreifen    vereinigen.     Längs    der  Seitenlinie    sowohl 


31 

über-  als  unterhalb  derselben  verlauft  eine  ziemlich  breite  dunkelbraune 
Binde,  von  der  in  schiefer  nach  hinten  geneigter  Richtung  4 — 6  breite 
aber  kurze  Streifen  von  gleicher  Farbe  ausgehen.  Die  Grundfarbe 
sämmtlicher  Flossen  gelblich  weiss,  nur  die  Basis  der  Rückenflosse  noch 
deutlich  gelb ,  alle  übrigens  mit  zahlreichen ,  in  Reihen  geordneten 
schwarzbraunen  Flecken  geschmückt. 

Die  Totallänge  des  grösseren  Exemplares  beträgt  12^2,  die  des 
kleineren  8"  W.  M. ;  ersteres  stammt  aus  Neu-Granada,  letzteres  aus  dem 
Rio  Chagres  auf  der  Landenge  von  Panama. 

Familie:  Characini. 

Gattung:  Saccodon,   nov.  gen. 

Char.  Os  inferum,  nasus  prominens,  dentes  uniseriales ,  solum  intermaxillares 

pauci,  cochleariformes,  intra  alveolos  absconditi;    maxilla   superior  et 

inferior  edentidae ,    labium   inferiu's    trilobatum;   pinnae  pectorales    et 

ventrales  valde  evolutae,  abdomini  vicinae ;  radii  branchiosteg.  quatuor. 

In  Totalgestalt  erinnert  diese  Gattung  an  CJiilodus  und  manche 
Curimates- Arten ;  durch  aufgetriebene  Schnauze,  unterständigen  Mund, 
Verkümmerung  des  Unterkiefers,  Bildung  der  Brustflossen  u.  m.  A.  aber 
insbesondre  an  Parodon  nasus,  J.  Müll.;  durch  Bezahnung  und  Mund- 
bildung weicht  sie  jedoch  auffallend  von .  allen  Characinen  ab.  Leider 
kann  sie  bisher  nur  auf  ein  einziges  Individuum  begründet  werden,  in 
dessen  Artbenennung  der  hochgeehrte  ntdecker  einen  kleinen  Beweis 
erkennen  möge,  wie  hoch  auch  wir  seine  Verdienste  um  unsere  Wissen- 
schaft schätzen. 

Art:  Sacc.   W agner i,  n.  —  Taf.  IV.  Fig.  2. 
Char.  Caput  parvum,    nasum   versus   valde   declive,   rostrum   tumidum,    de- 
cussatum,  dentes  intermaxillares  utrinque  4   insaccati; 

4  4 

D.  2/9,  A.  2/8,  P.  17,  V.  2/8,  C.  J^_  ;  Squam.  ^0_. 

4  3 

Der  Kopf  ist  sehr  klein,  einer  liegenden  Pyramide  mit  abgerun- 
deter Spitze  nicht  unähnlich  und  seine  Länge  52/3mal  in  der  Gesammt- 


32 

länge  des  Fisches  enthalten  (wobei  jedoch  der  breite  Hautsaum  am  hin- 
teren Rande  der  Deckelstücke  unberücksichtigt  bleibt).  Die  grösste  Höhe 
des  Kopfes  am  Hinterhaupte  erreicht  2/3  seiner  Länge,  welche  zugleich 
um  ys  die  grösste  Breite  zwischen  den  Kiemendeckeln  übertrifft.  Das 
massig  gewölbte  obere  oder  Stirnprofil  desselben  fällt  nach  vorne  ziemlich 
rasch  ab. —  Das  kleine  Auge,  dessen  Diameter  nur  1/&  der  Kopf  länge 
gleichkommt,  liegt  fast  genau  in  der  Mitte  der  letztern ;  die  Stirnbreite 
zwischen  den  Augen  ist  ansehnlich  und  beträgt  2^2  Augendurchmesser. 
Die  lange,  vorne  fast  senkrecht  abgestutzte  Schnauze  erscheint  seitlich 
wie  aufgetrieben  und  ragt  nasenförmig  über  den  Zwischenkiefer 
vor.  Dieser  ist  jederseits  tief  ausgehöhlt  und  zufolge  dieser  Höhlungen 
erscheint  die  Schnauze  aufgetrieben.  Beide  Hälften  sind  durch  Knochen- 
leisten in  4  Fächer  abgetheilt,  wie  in  4  tiefe  Alveolen,  die  von  der  um- 
gebenden wulstigen  Schleimhaut  überdeckt  werden  und  die  Stelle  von 
schneidenden  Zahnplatten  zu  vertreten  scheinen.  Sie  sind  nicht  quer, 
sondern  parallel  der  Längsaxe  des  Fisches  gestellt  und  ihre  Ränder  un- 
eben, fast  gekerbt.  In  diesen  tiefen  Fächern  stecken  hornige  braune 
Zähne ,  die  eine  längliche  seicht  ausgehöhlte  Löffelform  zeigen  und  be- 
weglich scheinen.  Da  von  dieser  interessanten  Gattung,  wie  erwähnt, 
nur  1  Exemplar  vorliegt,  so  erlaubten  wir  uns  zur  Schonung  desselben 
nur  einen  solchen  Hornzahn  aus  einer  der  Längsspalten ,  welche  den 
Eingang  in  die  eigentlichen  Alveolen  oder  Zahnsäcke  bilden,  hervorzu- 
ziehen, dessen  Löffel  in  einen  dünnen  Stiel  übergeht,  wie  diess  Fig.  10  a 
zeigt.  Auf  welche  Weise  diese  Zähne  im  Grunde  ihrer  Höhlung  fest- 
sitzen, konnte  demnach  eben  so  wenig  sicher  ermittelt  werden,  wie  der 
Umstand,  ob  ihr  Stiel  gerade  oder  etwa  wie  bei  Goniodonten  winkelig 
gebogen  ist ;  denn  die  Biegung ,  welche  der  hervorgezogene  Zahn  an 
seinem  Stiele  allerdings  zeigt,  kann  füglich  auch  nur  Folge  des  Heraus- 
hebens sein.  —  Der  kleine  zahnlose  Oberkiefer  ist  nur  schwach  ent- 
wickelt und  wird  von  dem  vordem  Augenrandknochen  völlig  üb  erdeckt. 
Der  gleichfalls  zahnlose  Unterkiefer  zeigt  eine  sehr  eigenthümliche 
Bildung.  Sein  kurzes,  flaches  Mittelstück  wird  vom  Zwischenkiefer  gänz- 
lich überragt  und  setzt  sich  nach  vorne  in  eine  horizontal  abstehende 
dreilappige  Unterlippe  fort,  deren  mittlere  Lappenspitze  die  grösste  und 
breiteste  ist  und  die  sich  bei  geschlossenem  Munde  an  die  Schleimhaut 


33 

des  Obergaumens  hinter  den  Zahntaschen  des  Zwischenkiefers  anlegt.  Die 
Seiten-  oder  Gelenktheile  des  Unterkiefers  sind  dagegen  im  Vergleiche 
zum  Mittelstücke  gut  ausgebildet,  steigen  senkrecht  in  die  Höhe  und 
werden  bei  geschlossenem  Munde  von  den  Oberkiefern  überdeckt.  Der 
Unterkiefer  erscheint  demnach,  von  vorne  gesehen,  hufeisenförmig.  — 
Das  Auge  wird  rings  von  mächtigen  Augenrandknochen  umgeben,  von 
denen  namentlich  die  beiden  unteren  durch  Grösse  sich  auszeichnen, 
sich  selbst  wieder  unvollständig  in  2  Stücke  theilen  und  den  Jugal- 
knochen  und  Vordeckel  völlig  überlagern.  Der  Praeorbitalknochen  nimmt 
den  ganzen  Raum  zwischen  dem  Auge  und  dem  Zwischenkiefer  ein  und 
ist  gleich  dem  grossen  vorderen  Suborbitalstücke,  das  sogar  etwas  an  die 
Unterseite  fast  bis  an  den  Unterkiefer  umbiegt,  mit  ziemlich  dicker 
Haut  überkleidet.  —  Die  Ränder  des  Kiemendeckels  stossen  unter 
einem  rechten  Winkel  aneinander,  der  schmale  Unterdeckel  nimmt  die 
ganze  Länge  seines  unteren  Randes  ein.  Beide  Deckelstücke  sind  am 
freien  Rande  mit  einem  breiten  Hautsaume  besetzt.  Die  Kiemenspalte 
ist  weit,  die  Kiemenhöhle  sehr  tief,  die  Rechenzähne  sind  äusserst  kurz 
und  zart ,  die  Kiemenblätter  sehr  dick  *). 

Der  breite  Vorderrücken  ist  bis  zum  Beginn  der  Dorsale  in  starkem 
Bogen  gekrümmt,  während  hinter  ihr  der  Rücken  bis  zur  Caudale  sanft 
abfällt.  Das  Profil  der  Bauchseite  verläuft  völlig  geradlinig.  Die  grösste 
Körperhöhe  zu  Anfang  der  Rückenflosse  ist  43/5malin  der  Gesammt- 
länge  enthalten.  Die  genannte  Flosse  steht  beinahe  um  1  xfe  Kopflängen 
der  Schnauzenspitze  näher  als  dem  Ende  der  Caudale  und  enthält  2  un- 
geteilte und  9  gegliederte ,  polytome  Strahlen ,  die  längs  ihres  ganzen 
Aussenrandes  einen  schmalen  Hautsaum,  wie  bei  den  meisten  Characinen, 
tragen.  Die  Länge  ihrer  Basis  übertrifft  etwas  die  halbe  Kopflänge  und 
ist  l3/4mal  in  der  Höhe  der  längsten  (des  2.  und  3.)  Dorsalstrahlen  ent- 
halten; der  freie  Rand  der  Flosse  ist  massig  concav.  —  Die  Anale 
liegt  nahe  dem  Schwanzende ,  kaum  1  Kopflänge  von  der  Caudalbasis 
entfernt  und  der  kleinen  Fettflosse  gegenüber ;  der  erste  ihrer  7  getheilten 


1)  So  weit  eine  Einsicht  in   die  Kiemenhöhle  ohne  Verletzung  möglich  ist,    dürfte   die  Ver- 
muthung  gerechtfertigt  werden,  dass  ähnliche  Kiemenanhänge   vorhanden  sein  mögen,    wie 
bei  Microdon,  Curimates  u,  dgl.     Leider  gestattet   das  Unicum  nicht,   sich  über   diese  und 
manche  andere  Verhältnisse  des  innern  Baues  nähere  Auskunft  zu  verschaffen. 
Abh.  d.  II.  Cl.  d.  k.  Wiss.  X.  Bd.  I.  Abth.  5 


34 

Gliederstrahlen  und  zugleich  der  höchste,  erreicht  nahezu  3/4  einer  Kopf- 
länge, der  letzte  ist  2]/2mal  kürzer;  zurückgelegt  reicht  die  Anale  bis 
zum  Ende  des  Schwanzstieles.  Ihre  Strahlen  tragen  ähnliche  seitliche  Haut- 
anhänge, wie  jene  der  Dorsale.  —  Die  fast  so  mächtig  wie  bei  Platy- 
ptera  entwickelten  Brustflossen  sind  nahezu  wagerecht  gestellt  und 
breiten  sich  fächerförmig  aus.  Sie  enthalten  17  meist  doppelt  dichotome 
Gliederstrahlen,  von  denen  die  oberen  6  von  dicker  Haut  umhüllt  und 
die  mittleren  am  längsten  sind;  (der  7.  erreicht  fast  Kopfeslänge).  — 
Die  Bauch  flössen  stehen  dem  Ende  der  Dorsale  gegenüber,  etwas  hinter 
halber  Körperlänge ;  der  3.  und  längste  der  8  getheilten  Strahlen  bleibt 
nur  wenig  hinter  1  Kopflänge  zurück.  —  Die  Schwanzflosse  ist  tief 
eingeschnitten  und  an  der  Basis  mit  grossen  Schuppen  bedeckt;  die 
längsten  Strahlen  der  beiden  Lappen  erreichen  nicht  ganz  1/b  der  Total- 
länge. —  Die  Analgrube  liegt  viel  näher  den  Ventralen  als  der  After- 
flosse, so  dass  selbst  die  kürzeren  inneren  Strahlen  jener,  zurückgelegt, 
dieselbe  überdecken. 

Die  Schuppen,  deren  der  Kopf  gänzlich  entbehrt,  sind  durchweg 
gross  und  im  Umrisse  fast  5  eckig.  Der  Durchmesser  der  grösseren,  an 
den  Seiten  des  Vorderrumpfes  gelegenen  übertrifft  den  des  Auges  fast 
um  die  Hälfte  (l1/^  :  1),  sie  sind  etwas  höher  als  lang  und  sitzen  sehr 
fest.  Ihr  freies  Ende  zeigt  zahlreiche  Radien,  die  in  ein  centrales  un- 
regelmässiges Zellennetz  übergehen,  durch  welches  die  Oberfläche  der 
Schuppen  rauh  und  wie  ciselirt  erscheint.  Der  Rand  des  festsitzenden 
Endes  ist  wellig  gebogen  und  von  ihm  laufen  gleichfalls  feine  Radien 
gegen  das  Centrum.  Die  Schuppen  der  Seitenlinie  werden  von  den 
Nebenröhrchen  des  Hauptkanales  durchbohrt,  welche  nur  den  vordersten 
Schuppen  fehlen.  Der  Verlauf  der  Kopfkanäle  ist  blos  am  Vordeckel 
schwach  zu  erkennen,  deutlich  dagegen  gibt  er  sich  durch  ansehnliche 
Poren  an  den  Aesten  des  Unterkiefers  kund.  Die  das  Auge  rings  um- 
gebenden derben  Knochenstücke,  welche  bis  an  die  grossen  doppelten 
Narinen  reichen,  erscheinen  nirgends  von  Poren  durchsetzt.  —  Ueber 
den  Bauchflossen  sitzt  ein  ziemlich  grosser  überschuppter  Hautsporn  und 
ebenso  überlagern  grosse  fast  häutig-weiche  Schuppen  die  Basis  derselben 
an  der  Unterseite. 


35 

Die  Färbung  scheint  gleichinässig  olivenbraun  gewesen  zu  sein; 
die  Bauchseite  heller ;  Flecken  oder  Zeichnungen  sind  nirgends  sichtbar, 
nur  die  Brustflossen  waren  vielleicht  doppelfärbig ,  wie  ein  dunklerer 
Streif,  der  in  halber  Flossenlänge  halbkreisförmig  über  alle  Strahlen 
hinzieht,  diess  vermuthen  lässt. 

Das  Q"  lange  Exemplar  stammt  aus  Ecuador. 

Gattung:  Pseudochalceus,  nov.  gen, 
Char.  Dentes  intermaxillares  biseriales  ,  cuspidati,  in  medio  2  majores;  ma- 
xillares  simplices  acuti  uniseriales ;    dentes   inframaxillares  uniseriales 
multicuspides,  medio  cuspide  praelonga,  recurva;    laterales  multo  for- 
tiores   quam   medii,    posteriores    autein   minimi;    corpus    compressum, 
abdomen  subrotundatum ;  basis  pinnae  dorsalis  primae  intra  ventrales 
et  analem  sitae  brevis;  analis  longa;   radii  branchiosteg .  4;  linea  la- 
teralis abrupto, ;  squamae  magnae. 
Wenn    anders    Verschiedenheiten   in  der    Bezahnung   bei  Characinen 
geeignet  sind,    Gattungs unterschiede  abzugeben,   so  erscheint  dann  auch 
die   Aufstellung   dieser    Gattung    wohl   berechtigt.      Sie    steht    in    dieser 
Hinsicht  einerseits  sehr  nahe  an  Chalceus  V.  (Brycon  Mll.  Tr.),  vermittelt 
aber  anderseits  auch  den  Uebergang  zu  Agoniatites.    Von  ersterem  unter- 
scheidet sie  sich,  abgesehen  von  der  abgebrochenen  Seitenlinie,  durch  die 
Bezahnung   insoferne,    als    bei    Chalceus    2    grössere    conische    Zähne   in 
der   Mitte    des    Unterkiefers,    hier    aber   in  jenen   des    Zwischen- 
kiefers stehen.     Hingegen  mahnt  unsere  Gattung  an  Agoniatites  durch 
die   hackigen   grossen    Spitzen    der   Vorderzähne   im  Unterkiefer,    deren 
Nebenspitzen  fast  verschwinden. 

Art:  Pseudochalc.    lineatus,   n.  —  Taf.  V.  Fig.   1. 

Char.  Corpus  8 — 9  striis  longitudinalibus  fusco-nigris  lineatum,  ocello  nigro 
retro  operculum  et  ad  basin  pinnae  caudalis  ornatum. 

5 
D.    10—11,  A.  25—26,  P.   10—11,  V.  8,  C.    20    . 

4 
Squam.  longit.  36,  vertical.   10. 

Die  grösste  Körperhöhe  verhält  sich  zur  Länge  des  Fisches  wie 
1  :  3^2 — 3/ö,  die  Kopf  länge  wie   1:4.     Das  kreisrunde  Auge  liegt  ganz 

5* 


36 

in  der  vorderen  Hälfte  des  Kopfes,  indem  sein  Hinterrand  gerade  in 
dessen  halbe  Länge  fällt.  Sein  Durchmesser  beträgt  x/\  der  Kopflänge, 
der  Abstand  von  der  Schnauzenspitze  ist  =  1  Augendiameter,  die  Stirn- 
breite zwischen  beiden  etwas  grösser.  —  Der  Mund  ist  schief  gespalten 
und  von  massig  dicken  Lippen  umgeben,  die  am  Rande  mehr  oder 
minder  ausgezackt  und  dicht  mit  Papillen  besetzt  sind,  welche  sich  wie 
feine  Zähnchen  ausnehmen.  Im  kurzen  Zwischenkiefer  stehen  in 
äusserer  Reihe  jederseits  3,  seltener  4  hackenförmig  nach  einwärts  ge- 
krümmte Zähne,  die  zufolge  der  verkümmerten  Nebenspitzen  einfach 
spitzhackig  und  schlank  erscheinen.  Zwischen  ihnen  und  etwas  weiter 
zurück,  d.  h.  der  2.  Zahnreihe  näher  gerückt,  steht  jederseits  ein  be- 
trächtlich grösserer  Hackenzahn,  der  meist  nur  am  äusseren  Rande  eine 
stumpfe,  kurze  Nebenspitze  zeigt.  In  2.  Reihe  zählt  man  ebenfalls  jeder- 
seits meist  3 — 4  Zähne,  von  denen  die  inneren  und  stärkeren  gewöhn- 
lich sehr  sichtbare  Nebenspitzen  tragen,  öfters  beiderseits  nur  1,  öfters  2, 
so  dass  die  Zähne  bald  3-,  bald  5  zackig  und  die  Spitzen  von  sehr 
variabler  Länge  sind.  Der  Oberkiefer,  welcher  bei  geschlossenem 
Munde  bis  hinter  die  Mitte  des  Auges  zurückreicht,  enthält  in  einfacher 
Reihe  jederseits  16 — 18  conische  Zähne,  deren  vorderster  meist  grösser 
als  die  folgenden  und  von  gleicher  Länge  mit  dem  benachbarten  Inter- 
maxillarzahne  ist;  auch  trägt  er  gleichfalls  öfters  kurze  Nebenspitzen. 
Die  übrigen  Maxillarzähne  sind  durchweg  klein,  die  5—6  letzten  am 
kleinsten.  —  Die  Mitte  des  Unterkiefers  nehmen  jederseits  meist  6 
grössere  Zähne  ein,  von  denen  der  4.  (öfters  auch  der  5.)  die  stärksten 
des  ganzen  Kiefers  sind,  im  Vergleich  zu  welchen  namentlich  die  letzten 
nur  unbedeutende  Grösse  erreichen.  Die  Mittelspitzen  aller  dieser  Zähne 
sind  stark  hackenförmig  nach  einwärts  gekrümmt  und  mit  sehr  aus- 
gebildeten Nebenspitzen  (beiderseits  1—2)  versehen;  letztere  erscheinen 
nur  bei  dem  grössten,  dem  4.  oder  5.  bisweilen  blos  angedeutet,  wo- 
durch sie  Hundszähnen  ähnlich  werden.  Hinter  diesen  stärkeren  folgen 
nach  rückwärts  zu  beiden  Seiten  meist  noch  10  äusserst  kleine,  scharf 
zugespitzte  Zähne,  die  von  dem  dicht  papillösen  Zahnfleische  fast  gänz- 
lich überhüllt  werden.  Letzteres,  sowie  überhaupt  die  ganze  Schleimhaut 
der  Mundhöhle  und  auch  des  Gaumensegels,  zeichnen  sich  durch  ihren 
dichten  Besatz  mit  zarten,  fein  gekerbten  Papillen  aus,  die  kurzen  viel- 


37 

zackigen  Zähnchen  sehr  ähnlich  sehen;  sie  überkleiden  auch  die  gut 
ausgebildete  und  frei  bewegliche  Zunge. 

Von  den  Suborbitalknochen  stellt  der  1.  fast  ein  rechtwinkeliges 
Dreieck  vor,  dessen  Basis  gegen  das  Auge  gekehrt  ist ;  der  2.  zeichnet 
sich  durch  Grösse  aus,  bildet  grossentheils  den  unteren  Augenrand  und 
reicht  fast  bis  an  den  Winkel  des  Vordeckels  herab.  Oberhalb  desselben 
begränzen  noch  2  kleine  Knochenstücke  das  Auge  von  hinten ;  der 
Praeorbitalknochen  ist  schmal,  aber  ziemlich  lang.  Der  Kiemendeckel 
bildet  ein  gleichschenkeliges  Dreieck,  dessen  lange  Basis  nach  vorne 
sieht.  Das  Suboperculum  erreicht  2/-s  der  Länge  des  vorigen ;  der 
Zwischendeckel  steht  ziemlich  breit  unter  dem  horizontalen  Aste  des 
Praeoperculum's  vor.  Deckel  und  Unterdeckel  sind  am  freien  Rande 
von  einem  Hautsaume  umgeben.  —  Die  Kiemenspalte  ist  weit,  die 
Kiemenstrahlen  sind  kurz  aber  ziemlich  breit ,  die  Rechenzähne  dünn 
und  massig  lang,  eine  fransige  Pseudobranchie  fehlt. 

Die  Rückenflosse  beginnt  genau  in  halber  Körperläuge  (ohne  Cau- 
dale)  und  enthält  nebst  2  ungetheilten  9  getheilte  Gliederstrahlen,  von 
denen  der  3.  und  höchste  nahezu  4y2mal  in  der  Totallänge  begriffen 
ist.  Die  Brustflossen  sitzen  sehr  tief  und  erreichen  zurückgelegt  nicht 
ganz  die  Basis  der  Ventralflossen,  die  nur  wenig  kürzer  als  jene  sind. 
Die  Afterflosse  beginnt  gegenüber  dem  Ende  der  Dorsale  und  reicht 
etwas  über  die  gegenüberstehende  kleine  Fettflosse  hinaus.  Die  3  ersten 
ungetheilten  Strahlen  sind  viel  kürzer  als  die  folgenden  getheilten,  welche 
letzteren  die  längsten  der  ganzen  Flosse  sind ;  die  Basis  der  Flosse  kommt 
einer  Kopflänge  gleich,  oder  bleibt  nur  wenig  zurück.  Die  Caudale 
ist  gabelig,  gleichlappig,  die  längsten  oder  Hauptstrahlen  messen  beiläufig 
x/h  der  Gesammtlänge. 

Die  zarten  und  weichen  aber  festsitzenden  Schuppen  zeigen  am 
freien  Felde  12 — 14  schwache  Radien,  am  festsitzenden  blos  concen- 
trische  wellige  Streifung  und  ein  netzförmiges  Centrum.  Sie  sind  um 
Yä  höher  als  lang,  die  Höhe  der  grössten  erreicht  1  Augendurchmesser, 
Die  Seitenlinie  erstreckt  sich  (wie  bei  Jenyns'  Tetragonopt.  inter- 
ruptus)  nur  über  6 — 8  Schuppen  und  gibt  sich  durch  einfache  aufgesetzten 
Röhrchen  kund. 


.    38 


Färbung.  Grundfarbe  gelblichbraun,  die  Ränder  der  Schuppen 
stets  dunkler  als  ihre  Mitte.  Zwischen  je  2  Längsreihen  von  Schuppen 
läuft  eine  schwarzbraune  Längsbinde;  die  5.  Binde  erstreckt  sich  bis- 
weilen durch  die  Mitte  der  Schwanzflosse.  Die  Basis  der  letztern  ziert 
gewöhnlich  noch  ein  dunklerer  schwarzer  Fleck ,  der  sich  öfters  nach 
vorne  in  eine  Längsbinde  fortsetzt,  öfters  aber  fehlt ;  auch  der  Augen- 
fleck hinter  dem  Winkel  des  Deckels  erscheint  mitunter  wie  verwaschen. 

Da  die  inneren  Organe  nicht  mehr  gut  erhalten  waren ,  so  kann 
nur  noch  die  Form  der  Schwimmblase  angegeben  werden.  Sie  ist  wie 
gewöhnlich  bei  Characinen  in  2  Hälften  abgeschnürt,  deren  hintere  über 
2  mal  länger  als  die  vordere  ist  und  auch  einen  weitern  Sack  vorstellt, 
welcher  breit  endet;  der  Luftgang  liegt  ganz  vorne,  nahe  der  halsför- 
migen  Einschnürung. 

Länge  des  grössten  Exemplares   '6"   10'"   W.  M. 

Fundort:  Vom  westlichen  Abhänge  der  Andes  im  Staate  Ecuador. 

Gattung:  Chalcinopsis,  nov.  gen. 

Char.  Dentes  intermaxillares  4  serielles,  cuspidati,  inframaxülares  biseriales; 
corpus  valde  compressum;   abdomen  fere  carinatum ;  squamae  parvae. 

Im  Zahnbau  stimmt  diese  Gattung  zu  keiner  der  bisher  aufgestellten  ; 
sie  steht  übrigens  durch  den  fast  gekielten  Bauch  und  den  Verlauf  der 
Seitenlinie  dem  Chalcinus  Val.  (—  Cbalceus  Mll.  Tr.)  näher  als  dem 
Brycon  Mll.  Tr. 

1.  Art:   Chalcinops.  striatulus ,  n.  —  Taf.  V.  Fig.   2. 

Char.  Capitis  longitudo  ad  totalem  circiter  =1:5,  numerus  dentium  inter- 
maxillarium  primi  ordinis  20,  seeundi  18;  trunci  lätera  str'ds  vel 
maculis  obliquis  fusco-nigris ,  seriatim  positis  distineta;  ad  raudae 
basin  saepe  major  macula  nigricans. 

13—14 
D.  2/8—9,  A.  4/32  .  .  .  Squam.  73-74. 


8-9 

Die  Kopflänge  ist  bei  Jüngern  Individuen  (bis  zu  71  -2")  43'4,  bei 
älteren  bisöyömal  in  der  Gesammtlänge  enthalten  und  somit  bedeutend 
kleiner  als  die  Höhe  des  Körpers,  welche  sich  zur  Totallänge  wie   1  :  4*/3 


39 

verhält.  Die  Stirnbreite  zwischen  den  Augen  schwankt  gleichfalls  nach 
dem  Alter  und  beträgt  bei  Jungen  nur  1,  bei  Aelteren  dagegen  2  Augen- 
durchmesser und  darüber.  Letzterer  selbst  kommt  nahezu  1/b  der  Kopf- 
länge gleich.  Der  Abstand  der  Augen  von  der  Schnauzenspitze  über- 
trifft bei  Aelteren  1  Augendiameter  nur  wenig,  bei  Jüngeren  erreicht 
er  ihn  dagegen  nicht;  die  Narinen  liegen  nahe  vor  den  Augen.  Der 
Praeorbitalknochen  gleicht  an  Gestalt  und  Länge  genau  dem  Oberkiefer ; 
der  grosse  untere  Augenrandknochen  ist  5 -eckig  und  etwas  länger 
als  hoch. 

Der  Mund  ist  bis  unter  die  Augen  gespalten,  der  Oberkiefer  reicht 
nämlich  bis  unter  deren  Mitte ;  der  Zwischenkiefer  überragt  den  un- 
teren und  ist  mit  4  Reihen  von  Zähnen  besetzt.  In  äussserer  Reihe 
stehen  20  dreispitzige  Zähne,  von  denen  die  mittleren  oft  so  schwach  ent- 
wickelte Seitenzacken  besitzen,  dass  sie  fast  wie  einfach  conisch  sich 
ausnehmen.  Die  2.  Reihe  wird  aus  18  Zähnen  gebildet,  welche  breiter 
aber  kürzer  als  jene  sind.  Hinter  der  Mitte  derselben  stehen  in  3.  Reihe 
nur  2  grosse  Zähne,  auf  welche  endlich  als  4.  Reihe  jederseits  2  noch 
grössere  und  stärkere  Zähne  folgen,  von  denen  die  innern  meist  3-,  die 
äussern  5-spitzig  sind.  —  Der  Oberkiefer  trägt  beiderseits  14 — 16 
dreispitzige  Zähne  von  ziemlich  gleicher  Grösse,  welche  jedoch  die  der 
Intermaxillarzähne  nicht  erreicht.  Im  Unterkiefer  wird  die  äussere  Reihe 
jederseits  von  8 — 10  drei-  oder  5  spitzigen  Zähnen  zusammengesetzt, 
von  denen  die  mittleren  an  Grösse  die  grössten  des  Zwischenkiefers 
übertreffen.  Unter  ihnen  ist,  von  der  Symphyse  an  gerechnet,  der 
2.  Zahn  der  breiteste,  der  3.  aber  der  längste;  die  folgenden  5  nehmen 
rasch  an  Grösse  ab,  die  letzten  und  kleinsten  sind  unter  sich  fast  gleich 
lang.  In  2.  Reihe  stehen  hinter  und  zwischen  den  Mittelzähnen  der 
äussern  2  seitlich  compresse  conische  Zähne,  auf  welche  nach  einer 
zahnleeren  Lücke  weiter  zurück  jederseits  noch  8 — 9  sehr  kleine  Spitz- 
zähne  folgen. 

Ausgezeichnet  ist  der  dichte  Besatz  der  Gaumenschleimhaut  mit 
zottigen  Papillen,  die  selbst  wieder  äusserst  fein  gekerbt  oder  wie  ge- 
zähnelt  erscheinen  und  ein  hinter  der  4.  Zahnreihe  herabhängendes  vor- 
deres vielfach  gelapptes  Gaumensegel  bilden  helfen.  Auch  zwischen  allen 
Intermaxillarzähnen  hängen  ganz  ähnliche  zottige  Papillen   dicht  umher. 


40 

Das  weiter  rückwärts  befindliche  eigentliche  Gaumensegel  ist  dagegen 
fast  glatthäutig.  Die  ovale  Zunge  erscheint  durch  verlängerte  Papillen 
blos  uneben,  nicht  aber  mit  gekerbten  Zotten  besetzt,  deren  im  Unter- 
kiefer überhaupt  nur  hinter  der  1.  Zahnreihe  wenige  und  kürzere  sicht- 
bar sind.  —  Die  Kiemenspalte  ist  weit,  die  4  Kiemenstrahlen  sind  kurz 
aber  ziemlich  breit. 

Die  Rückenflosse  beginnt  vor  halber  Körperlänge  und  reicht  mit 
ihrer  Basis,  welche  beiläufig  2y4mal  in  der  Kopflänge  enthalten  ist,  bis 
über  den  Anfang  der  Anale  zurück;  ihre  grösste  Höhe  (am  2.  Strahle) 
beträgt  ^/i  der  Totallänge,  und  kommt  jener  der  Afterflosse  gleich,  deren 
Basis  aber  eine  Kopflänge  bedeutend  übertrifft  und  über  deren  Ende  die 
kleine  Fettflosse  steht.  Die  Brustflossen  reichen  zurückgelegt  bis  zur 
Basis  der  kurzen  Ventralen  und  messen  i/e — 1/b  der  Totallänge;  die 
Strahlenzahl  der  ersteren  ist  1/12,  der  letztern  1/7.  Die  Lappen  der 
tief  gabeligen  Schwanzflosse  sind  zugespitzt  und  beiläufig  von  Kopfes- 
länge. 

Besondere  Erwähnung  verdienen  noch  die  Strahlen  der  Afterflosse 
bezüglich  des  Unterschiedes,  den  sie  nach  dem  Geschlechte  zeigen.  Bei 
Männchen  sind  sie  nämlich  sämmtlich  ihrer  ganzen  Länge  nach  mit 
spitzigen  Zähnen  besetzt  und  zwar  derart,  dass  der  hintere  der  beiden 
Hauptäste,  in  welche  sich  jeder  Strahl  zuerst  gabelig  theilt,  an  jedem 
seiner  Glieder  rechts  und  links  einen  conisch  spitzigen  Zahn  trägt.  Bios 
an  den  13 — 14  hinteren  und  niedersten,  Strahlen  sind  deren  nicht  wahr- 
zunehmen,  doch  fühlt  sich  ihre  Oberfläche  rauh  an*). 

Bei  wohlerhaltenen  Exemplaren  erscheint  schon  der  Vorderbauch 
bis  zu  den  Ventralen  fast  gekielt,  ist  es  aber  hinter  ihnen  wirklich,  in- 
dem die  Schuppen  gleich  anfangs  winkelförmig  abgetheilt  liegen  und 
weiter  zurück  eine  Längsspalte  zwischen  sich  lassen,  die  in  eine  taschen- 
förmige  Vertiefung  führt,   welche  bis  zur  Analöffnung  reicht. 

Die  Schuppen  sind  auffallend  klein,  daher  ihre  Zahl  grösser  als 
selbst  bei  andern  kleinschuppigen  Characinen  ist,    wie  z.   B.  bei  Chalceus 


1)  FAn  ähnliches  Vorkommen  wurde  bereits  früher  bei  Tetragonopterus  scabripinnis  Jenyns 
beobachtet  undschon  J.  Müller  und  Troschel  werfen  bei  der  Art  letrag.  taeniatus  Jen. 
die  Frage  auf:  „an  femina  T.  scabripinnis?11  (Siehe  hierüber  auch  Kner's  Abhandlung 
über  die  Characinen  I.  Abth.  S.  40.) 


41 

alburnus  Günth.,  wo  sie  längs  der  Seitenlinie  60  und  in  der  Höhe  13/5 
beträgt,  und  an  welchen  unsere  Art  übrigens  auch  durch  das  Verhält- 
niss  der  Körperlänge  zur  Höhe  und  die  Strahlenzahl  der  Afterflosse  zu- 
nächst sich  anreiht.  In  Struktur  stimmen  die  Schuppen  wesentlich  mit 
den  Chalceus-Avten  überein;  dem  festsitzenden  Theile  derselben  fehlen 
Radien,  von  netzartigen  chaotisch  verworrenen  Streifen  ihres  Centrums 
laufen  dagegen  nach  dem  freien  Rande  mehr  oder  weniger  zahlreiche 
Strahlen  hin,  durch  welche  derselbe  oft  eingeschnitten  und  gekerbt 
erscheint. 

Färbung:  Die  Grundfarbe  der  Rückenseite  bei  Spiritusexemplaren  ist 
grünlich  braun,  gegen  den  Bauch  in  goldgelb  übergehend,  am  Querkopfe 
dunkelbraun,  an  der  Kehle  grünlich  weiss ;  der  Schultergürtel  ist  schwarz- 
braun gesäumt.  Die  Seiten  des  Körpers  sind  öfters  mit  14 — 20  un- 
regelmässigen schmalen  verticalen  Streifen  von  schwärzlicher  Farbe  ge- 
ziert, welche  bald  die  ganze  Höhe  des  Rumpfes  einnehmen,  bald  nur 
die  obere  oder  untere  Hälfte  desselben  überziehen ;  öfters  sind  statt  dieser 
Streifen  nur  einige  gesonderte,  schief  laufende  Striche  vorhanden.  An  2 
der  vorliegenden  Exemplare  fehlen  auch  diese  und  blos  bei  dem  grössten 
werden  diese  Streifen  oder  Striche  zu  grossen  und  zusammenhängenden 
Flecken,  deren  längs  des  Rumpfes  beiläufig  15  zu  zählen  sind.  Zu- 
weilen liegt  überdiess  an  der  Basis  der  Caudale  ein  länglicher  schwarz- 
brauner Augenfleck.  Bei  jungen  Individuen  zeigt  mitunter  die  ganze 
Brustgegend  eine  schwärzliche  Färbung  und  auch  der  ganze  Schwanzstiel 
sammt  der  Basis  der  Caudalstrahlen  derselben  erscheint  schwarz.  Die 
Flossen  sind  ungefleckt ,  schmutzig  gelb ,  nur  an  den  Rändern  dunkel 
gesäumt. 

Bei  der  innern  Untersuchung  der  vorliegenden  9  Exemplare  wurden 
2  als  Männchen  erkannt,  deren  sehr  entwickelte  Hoden  Zeugniss  von  der 
nahe  gewesenen  Laichzeit  gaben ;  diese  letzteren  reichen  als  ein  Paar 
dicke  einfache  Lappen  nach  vorne  bis  unter  die  Basis  der  Brustflossen.  — 
Die  Schwimmblase  ist  abgeschnürt,  die  vordere  Abtheilung  sehr  klein 
und  kurz,  die  hintere  erstreckt  sich  bis  zu  Ende  der  Bauchhöhle;  Appen- 
dices  fehlen. 

Totallänge  von  52/a  bis   16  Zoll. 

Fundorte:  Neu-Granada  und  Panama  an  der  Seite  des  stillen  Oceans. 

Abh.  d  II  Cl  d.  k.Ak.  d.  Wiss.  X.Bd.  I.Abth.  6 


42 

2.  Art:   Chalcinops.  chagrensis ,  n.  —  Taf.  V.  Fig.   3. 

Char.  Capitis  longitudo  ad  totalem  =  1  :  Ö1/« — 53/4,    numerus  dentium  inter- 
maxillarium  primi  ordinis  16 — 18,  secundi  14;    fr-wwd  Zatera  absque 

striis  aut  maculis. 

13—14 

D.  2/9,  A.  4/32—33 Squam.  77—80. 

9 

Diese  Art  zeigt  auf  den  ersten  Blick  zwar  grosse  Aehnlichkeit  mit 
der  vorhergehenden,  unterscheidet  sich  aber  constant:  durch  geringere 
Anzahl  von  Zähnen  im  Zwischen-  und  Oberkiefer,  Kürze  des  Kopfes, 
weniger  gewölbten  Rücken,  noch  kleinere  Schuppen  und  Mangel  jed- 
weder Zeichnung. 

Die  Kopflänge  verhält  sich  zur  Gesammtlänge  des  Fisches  wie 
1  :  b1/** — 33/ö,  die  Körperhöhe  zu  letzterer  wie  1:4 — V/s,  der  Durch- 
messer des  Auges  (ohne  Fettlider)  zur  Länge  des  Kopfes  wie  1  :  S1/^; 
die  Stirnbreite  zwischen  den  Augen  ist  etwas  grösser  als  der  Abstand 
der  letzteren  von  der  Schnauzenspitze,  die  genau  1  Augendiameter  be- 
trägt. Die  Breite  des  Kopfes  zwischen  den  Kiemendeckeln  kommt  der 
halben  Kopflänge  nahezu  gleich. 

Der  Zwischenkiefer  trägt  in  1.  oder  äusserer  Reihe  jederseits  8 
(selten  9)  in  2.  Reihe  7  Zähne,  während  wie  bei  Gh.  striatulus  die  3. 
Reihe  blos  aus  2  und  die  4.  aus  4  Zähnen  gebildet  wird.  Die  mittleren  Zähne 
der  äusseren  Reihe  sind  etwas  grösser  als  die  seitlichen  und  3-spitzig; 
die  viel  längere  Mittelspitze  ist  bisweilen  selbst  wieder  schwach  gekerbt. 
Die  Zähne  der  2.  Reihe  gleichen  an  Grösse  denen  der  ersten  und  die 
vorderen  sind  ebenfalls  meist  3-zackig,  die  seitlichen  und  hintersten  aber 
gewöhnlich  4 — 5-spitzig;  die  beiden  Zähne  der  3.  Reihe  sind  wieder  3- 
zackig  und  jene  der  4.  mindestens  5-zackig  oder  noch  mehrfach  gekerbt. 
Jeder  Oberkieferast  ist  mit  13 — 14  3- bis  5-zackigen  Zähnen  besetzt.  Im 
Unterkiefer  stehen  in  äusserer  Reihe  jederseits  14  Zähne,  deren  Grösse 
gegen  den  Mundwinkel  abnimmt ,  doch  sind  auch  die  2  mittleren  stets 
etwas  kleiner  als  die  anstossenden.  Die  Mehrzahl  derselben  ist  4 — 5- 
spitzig,  die  weiter  zurückstehenden  zeigen  gewöhnlich  nur  3  oder  2 
Zacken  und  der  letzte  erscheint  sogar  oft  nur  einfach  spitzig.  Die 
beiden  Zähne  der  2.  Reihe  zunächst  der  Symphyse  sind  wie  bei  striatulus 


43 

seitlich  compress  und  mit  rückwärts  gekrümmter  Spitze  versehen ;  die 
beiderseits  weiter  zurück  stehenden  Zähne  der  2.  Reihe  sind  einfach  spitz 
und  ihrer  Kleinheit  wegen  leicht  zu  übersehen.  —  Die  Auskleidung 
der  Mundhöhle  mit  dicht  gedrängten  moosähnlichen  Zotten  ist  eben  so 
ausgezeichnet  wie  bei  Cli.  strintulus ,  und  die  Zunge  sogar  mit  noch 
grösseren  Papillen  besetzt.  —  Der  grosse  untere  Suborbitalknochen  ist 
strahlig  gestreift,  der  Deckel  halbmondförmig,  der  mit  einer  stumpfen 
Leiste  versehene  Vordeckel  biegt  rechtwinklig  um. 

Die  Dorsale  beginnt  vor  der  Anale,  ungefähr  in  der  Mitte  des 
Raumes  zwischen  der  letzteren  und  den  Bauchflossen ;  ihre  Basis  kommt 
der  x/2  Kopflänge,  ihre  grösste  Höhe  (am  2.  ungetheilten  Strahle)  5/6  der- 
selben  gleich,  dagegen  übertrifft  die  Basis  der  Afterflosse  eine  Kopflänge 
um  y3,  während  ihr  höchster  Strahl  (der  1.  getheilte)  weit  hinter  ihr 
zurückbleibt.  Die  Brustflossen  reichen  nur  bei  jungen  (nicht  aber  bei 
älteren)  Individuen  bis  zu  den  Bauchflossen;  in  diesen  zählt  man  1/7, 
in  jenen  1/13  Strahlen.  Die  Caudale  ist  tief  gabelig,  der  untere  Lappen 
länger  und  beiläufig  4y3mal  in  der  Totallänge   enthalten. 

Da  bei  dieser  Art  schon  der  Rücken  schmaler  und  der  ganze  Fisch 
mehr  seitlich  compress  ist,  so  tritt  auch  der  Bauchkiel  noch  schärfer 
als  bei  striatulus  vor  und  beginnt  schon  am  Isthmus.  —  Die  Seiten- 
linie setzt  sich  durch  die  Mitte  der  Schwanzflosse  bis  an  ihren  Rand 
fort,   ohne  aber  über  diesen  hinauszureichen. 

Färbung.  Rücken  und  Oberseite  des  Kopfes  hell  röthlichbraun 
mit  blaulichem  Silberschimmer,  der  übrige  Leib  goldgelb,  die  Flossen 
einfarbig  schmutzig  braun. 

Totallänge  der  vorliegenden  Exemplare   von  5  bis  9  W.  Z. 

Vorkommen:  im  Rio  Chagres,  welcher  in  den  mexicanischen 
Meerbusen  mündet. 


44 


Gattung:  Chalceus,  Cv.  Val.  (Brycon  Mll.  Tr.) 

Art:   Clialc.  atrocaudatus,    n.  —  Taf.  IV.  Fig.   3. 

Char.  Capitis   longitudo    ad   totalem  =  1:4    et   summae   corporis   altitudini 
aequalis;    ante  pinnam  caudalem  fascia  oblonga,  lata,  nigricans. 

10 


D.  2/9,  A.   3/26  ....  Squam.   54—55  . 

5 

Diese  Art,  von  der  uns  leider  nur  1  Exemplar  vorliegt,  erweist 
sich  durch  die  Bezahnung  als  ächter  Chalceus  und  steht  hierin,  wie  auch 
in  Betreff  der  Zahl  der  Analstrahlen  und  der  Schuppen,  namentlich  den 
beiden  Arten:  Brycon  falcatus  Mll.  Tr.  und  Br.  dentex  Günth.  (Pro- 
ceed.  of  the  Zool.  Soc.  of  London,  April  1860,  p.  8)  am  nächsten,  unter- 
scheidet sich  aber  von  letzterem  insbesondere  durch  die  Verhältnisse  der 
Körperhöhe  und  Totallänge  zur  Kopflänge.  Während  letztere  bei  Cli. 
(Bryc.)  dentex  öysmal  in  der  Gesammtlänge  enthalten  ist,  beträgt  sie 
bei  unserer  Art  fast  nur  74  derselben.  Auch  kommt  hier  die  grösste 
Leibeshöhe  (vor  den  Bauchflossen)  der  Kopflänge  nahezu  gleich,  während 
diese  bei  dentex  bedeutend  von  jener  übertroffen  wird.  —  Das  Auge 
ist  massig  gross,  sein  Durchmesser  (ohne  Einrechnung  der  beiden  Fett- 
hautlider) 5y2mal  in  der  Kopflänge  begriffen;  es  steht  2  Diameter  von 
der  Schnauzenspitze  ab  und  ebensoviel  beträgt  auch  die  Stirnbreite 
zwischen  beiden  Augen.  —  Der  Zwischenkiefer  trägt  wie  bei  allen 
Arten  dieser  Gattung  eine  dreifache  Reihe  von  Zähnen  und  zwar :  jeder- 
seits  8  kleine  3-spitzige  in  äusserer,  4  drei-  zum  Theile  undeutlich  fünf- 
spitzige Zähne  mittlerer  Grösse  in  2.  Reihe  und  14  in  3.  Reihe,  von  denen 
die  mittleren  4  die  grössten  und  fünfzackig  sind.  An  diese  reiht  sich 
zunächst  beiderseits  1  viel  kleinerer  Zahn,  auf  welchen  abermals  1 
grosser  fünfspitziger  und  dann  3  allmälich  kleiner  werdende  folgen, 
deren  letzter  nur  3  Spitzen  zeigt.  Die  Gaumenhaut  zwischen  und  hinter 
den  Zahnbeinen  ist  wie  bei  Chalcinopsis  dicht  mit  moosähnlichen  Zotten 
behängt ;  kürzere  zahnähnliche  Papillen  halten  auch  den  Rand  der  Ober- 
und  Unterlippe  besetzt.  Längs  des  Oberkiefers  stehen  jederseits  18 — 19 
kleine  3-  bis  5 -zackige  Zähne.    Jeder  Unterkieferast  ist  in  äusserer  Reihe 


45 

mit  12  grösseren  Zähnen  besetzt,  unter  welchen  (von  der  Symphyse  an 
gerechnet)  der  2.  bis  4.  durch  Grösse  sich  auszeichnen  und  5-  bis  7-spitzig 
sind,  während  an  den  allmälich  kleiner  werdenden  seitlichen  Zähnen  die 
Nebenspitzen  verschwinden,  wie  diess  auch  bereits  Müller  und  Troschel 
von  Brycon  falcatus  und  Schomburgkii  angeben.  Die  Zähne  zweiter  Reihe 
im  Unterkiefer  sind  verhältnissmässig  klein,  sowohl  die  beiden  mittleren 
kegelförmigen,  wie  auch  die  durch  eine  lange  Lücke  von  ihnen  getrennten 
rückwärts  befindlichen,  welche  in  einfache  zarte  Spitzen  auslaufen.  — 
Der  Suborbitalring  ist  stark  ausgebildet  und  das  grösste,  mittlere  Stück 
reicht  so  tief  wie  das  Ende  des  Oberkiefers  herab ;  es  ist  zugleich  noch 
länger  als  hoch  und  übertrifft  im  Ganzen  das  Operculum.  Wie  bei  an- 
deren Arten  finden  sich  auch  hier  nur  4  Kiemenstrahlen  vor,  keine  Pseudo- 
branchien  und  Schlundzähne  und  blos  am  1.  Kiemenbogen  ziemlich  lange 
Messerklingen  ähnliche  Rechenzähne. 

Die  Rückenflosse  steht  in  der  2.  Hälfte  der  Körperlänge,  sie  be- 
ginnt in  senkrechter  Richtung  weiter  zurück  als  die  Ventralen  und  endet 
noch  vor  Anfang  der  Analfiosse,  deren  Basis  eine  Kopflänge  fast  um 
x/±  übertrifft.  Die  grösste  Höhe  der  Dorsale  (am  2.  ungetheilten  Strahle) 
gleicht  4/7 ,  die  der  Afterflosse  3/7  der  Kopflänge.  Die  Brustflossen, 
welche  14  Strahlen  enthalten,  reichen  beinahe  bis  zur  Basis  der 
Ventralen  (mit  2/7  Strahlen)  und  diese  bis  zum  kurzen  Schlitze,  welchen 
die  Schuppen  vor  der  Analgrube  bilden ,  zurück.  Die  Schwanzflosse, 
welche  19  ganze  und  mehrere  Stützstrahlen  enthält,  ist  tief  gabelig,  ihr 
oberer,  nicht  verletzter  Lappen  erreicht  7/9  der  Kopflänge.  —  Der 
Bauch  ist  abgerundet,  weder  vor  noch  hinter  den  Bauchflossen  gekielt. 

Färbung.  Ober-  und  Unterseite  des  Kopfes  chocoladenbraun,  Deckel- 
stücke, Schläfen-  und  Jochbeingegend  goldglänzend,  grünlich  schillernd; 
der  Rücken  braungelb  und  mit  5 — 6  dunkleren  aber  schwach  ausge- 
drückten Längsstreifen  geziert,  die  sich  zwischen  je  2  Schuppenreihen 
hinziehen.  Ueberdiess  ist  der  freie  Rand  aller  Schuppen  etwas  dunkler 
als  deren  Mitte  gefärbt.  Längs  der  Seiten  des  Rumpfes  herrscht  eine 
gelbliche  Färbung  vor,  die  aber  von  einem  prachtvollen  meergrünen 
Schimmer  durchzogen  wird,  in  ähnlicher  nur  etwas  schwächerer  Weise 
wie  bei  Chalceus  opalinus.  Den  Schwanzstiel  schmückt  jederseits  eine 
bis  zur  Caudalbasis  reichende  breite  schwarzbraune  Binde,  deren  Länge 


46 

fast  2/3  der  Kopflänge  beträgt,  und  die  sich  in  der  Höhe  über  3  Schuppen- 
reihen erstreckt.     Sämmtliche  Flossen  sind  einfarbig,  hellbraun. 

Totallänge   11  W.  Zoll. 

Vorkommen:  im  Staate  Ecuador  am  westlichen  Abhänge  der  Andes. 

Gattung:  Tetragonopterus ,  Arted. 

Von  dieser  Gattung  wurden  uns  zweierlei  Arten  zugesendet,  von 
denen  die  eine  in  7  kleinen  Exemplaren  von  21/?.  bis  3 1fa"  vorliegende 
völlig  dem  Tetrag.  aeneus  entspricht,  welchen  Günther  in  den  Proceed. 
of  the  Zool.  Soc.of  London  im  Junihefte  1860  beschrieb  und  der  aus 
dem  Oaxaca  in  Mexico  stammt.  In  den  Messungsverhältnissen  der  Höhe 
zur  Länge  des  Körpers,  Kopfes  und  Auges  findet  nicht  die  mindeste 
Abweichung  statt,  ebenso  in  Färbung,  Strahlenzahl  u.  s.  w.  Der  ein- 
zige Unterschied  besteht  darin,  dass  einige  unserer  Exemplare  unter- 
halb der  Seitenlinie  blos  5  Schuppenreihen  besitzen  statt  6,  wie  diess 
Günther  angibt,  während  dagegen  die  Zahlen  7  über  und  längs  der 
Seitenlinie  wieder  genau  stimmen.  Unsere  Exemplare  stammen  aus  dem 
Rio  Chagres. 

Die  zweite  Art,  welche  nur  in  einem  Individuo  aus  dem  in  die 
Südsee  mündenden  Rio  Bayano  vorliegt,  steht  dem  Tetrag.  Gronovii  V  a  1. 
so  nahe,  dass  wir  sie  unbedenklich  für  dieselbe  halten  würden,  wenn 
nicht  diese  Art  überhaupt  zu  jenen  gehören  würde,  welche  eine  kritische 
Revision  der  ganzen  Gattung  insbesondere  wünschenswerth  erscheinen 
lassen;  (s.  hierüber  Kner's  Beiträge  zur  Familie  der  Characinen,  Denk- 
schrift, der  kaiserlichen  Akademie  der  Wissenschaften  17.  Bd.,  1859, 
1.  Abth.  S.  39  [175]).  Jedenfalls  halten  wir  obige  Annahme  nach  Ver- 
gleichung  mit  andern  im  kaiserlichen  Museum  befindlichen  Exemplaren 
von  T.  Gronovii  für  richtig,  und  diess  vorausgesetzt  ergibt  sich  dann 
zufolge  der  in  oben  citirter  Abhandlung  gelieferten  Nachweise  die  Gleich- 
artigkeit dieser  Art  mit  Tetr.  rutilus,  Jen.  und  Tetr.  maculatus  Müll  Tr., 
obwohl  von  letzterem  das  Verhältniss  der  Körperhöhe  zur  Länge  wie 
1  :  22/3  angegeben  wird,  während  bei  unserm  Exemplare  der  Körper 
über  3  mal  länger  als  hoch  ist.  Diess  ist  aber  auch  bei  J  e  n  y  n  s  P^ig.  2  auf 
pl.  23  der  Fall,  welche  doch  mit  Gronov's  Abbildung  im  Museum  ich- 
thyol.  Tab.  I.  Fig.  5,  folglich  mit  dem  echten  Originale  des  T.  Gronovii  Val. 


47 

selbst  übereinstimmt,  wie  diess  auch  Müller  und  Troschel  aner- 
kennen. —  Die  Strahlen-  und  Schuppenzahlen  des  Bayano-Exemplarea 
sind  folgende: 

D.  3/9,  A.  4/25,  P.   1/13,  V.   1/7,  C.   19. 

bquaiu.  longit.   38,  vertic.  — — . 

o 


Familie:    SÜUTOidei. 

Gattung:  Bagrus,  Cuv. 

Art:    Bagr.  arioides ,    n.  ? 

Char.  Longitudo  totalis  ad  illam  capitis  =  4:1,  ad  altitudinem  corporis  = 
53/4  :  1 ;  dentes  inter-  et  inframaxillares  parvi  acuti,  fasciam  tenuem 
efformantes,  pone  hos  utrinque  acervulus  dentium  subglobosorum  sejunctus 
in  vomeris  parte  transversa;  pinna  analis  multiradiata. 

16—15 
D.  2/7,  A.  5/22,  P.    1/10,  V.   1/6,  C.       17     . 


16—15 

Nach  den  Merkmalen,  welche  v.  Bleeker  für  die  Gattung  Arius 
hervorhebt,  und  nach  den  Abbildungen,  welche  hierüber  in  den  bisher 
erschienenen  Heften  seines  grossen  Atlas  bereits  vorliegen,  wäre  die 
hier  als  fraglich  hingestellte  Art  der  genannten  Gattung  beizu- 
zählen; vergleicht  man  aber  andere  ausgezeichnete  Arius-Arten  bezüg- 
lich der  Bezahnung  mit  ihr,  so  fühlt  man  sich  versucht,  nicht  blos  der 
Ansicht  J.  Müller's  beizustimmen,  der  die  Gattung  Bagrus  nicht  in 
mehrere  Genera  sondern  blos  in  Subgenera  trennen  wollte,  sondern  fast 
mehr  noch  sich  Valenciennes  anzuschliessen,  welcher  trotz  der  ver- 
schiedenen Bezahnung  des  Gaumens  die  Gattung  Bagrus  lieber  nicht 
einmal  in  Subgenera  theilen  will *).  —  Die  fragliche ,  leider  nur  als 
Unicum  vorliegende  Art  stimmt  weder  genau  zu  Arius  noch  zu  Bagrus 


1)  Uebrigens  widersteht  Valenciennes  (Hist.  d.  poiss.  tom.  15,  p.  53)  doch,  selbst  dieser 
Versuchung  nicht  ganz,  die  Gattung  Arius  von  Bagrus  abzutrennen,  fügt  jedoch,  nach- 
dem er  zuerst  von  den  „plaques  des  dents  palatines  distinctes  et  eloignees"  als  Merkmal 
sprach,  alsbald  weiter  bei:  „cependant  je  les  vois  s'avancer  quelquefois  sur  les  angles 
lateraux  du  chevron  du  vomer." 


48 

und  folgt  man  nicht  jenen  gewichtigen  Autoritäten,  sondern  neueren 
Systematikern  wie  v.  Bleeker  und  Gill,  so  Hesse  es  sich  sogar  recht- 
fertigen, wenn  sie  den  schon  bestehenden  zahlreichen  Untergattungen 
noch  als  neue  hinzugefügt  würde.  Ihr  wären  dann  auch  die  beiden 
Arten  von  Bleeker's  Arius  macronotacanthus  und  truncatus  Val.,  viel- 
leicht nebst  noch  einigen  Arten  beizuzählen,  durch  welche  der  Ueber- 
gang  von  Arms  zu  Bagrus  vermittelt  wird.  Das  Hauptmerkmal  unserer 
Art  besteht  übrigens  in  der  Afterflosse,  deren  Strahlenzahl  grösser  als 
bei  allen  uns  bekannten  Arten  ist,  indem  sie  bei  keiner  sonst  über 
23  steigt.  Hiedurch  unterscheidet  sie  sich  namentlich  auch  von  Arius 
Milberti,  dem  sie  in  Totalgestalt  und  Färbung  nahe  steht,  bei  welchem 
aber  überdiess  die  Rauhigkeiten  der  Kopfschilder  bis  zwischen  die  Augen 
reichen  und  die  Gaumenzahnplatten  stark  entwickelt  sind. 

Die  Totalgestalt  ist  für  einen  Arius  nicht  gestreckt  zu  nennen,  die 
grösste  Leibeshöhe  zu  Anfang  der  Dorsale  534mal,  und  die  Kopflänge 
nahezu  nur  4  mal  in  ihr  enthalten.  Die  grösste  Breite  des  Kopfes  gleicht 
der  Höhe  des  Rumpfes  oder  verhält  sich  zur  Kopflänge  =  1  :  1 2/& ;  der 
Durchmesser  des  Auges  beträgt  kaum  1/&  der  letztern,  der  Abstand  der 
Augen  vom  Schnauzenrande  l1/^,  von  der  Deckelspitze  32/3,  der  gegen- 
seitige Abstand  dagegen  3  Diameter.  Die  grossen  doppelten  Narinen  liegen 
weit  vor  den  Augen,  nahe  dem  Schnauzenrande.  Die  Breite  der  schwach 
gekrümmten  Mundspalte  erreicht  nicht  völlig  xk  der  Kopflänge.  Die 
Maxillarbarteln  sind  kurz  und  reichen  zurückgelegt  nicht  bis  zur  Kiemen- 
spalte ,  von  jenen  des  Unterkiefers  erreicht  der  hintere  und  längere  2/3 
der  Kopflänge ;  alle  Barteln  sind  dünn.  —  Die  äusserst  feinen  spitzigen 
Zähne  im  Zwischen-  und  Unterkiefer  bilden  eine  ziemlich  schmale  Binde, 
welche  weder  oben  noch  unten  bis  an  den  Mundwinkel  reicht ;  die  abge- 
rundeten Pflasterzähne  des  Gaumens  bleiben  in  der  Mitte  durch  einen 
breiten  Zwischenraum  getrennt  und  stellen  zwei  nur  sehr  kleine  Binden 
dar.  —  Die  lange  Stirnfontanelle  reicht  fast  bis  zur  Nackenplatte 
zurück,  deren  Oberfläche  körnig  rauh  und  ciselirt  erscheint,  gleich  jenen 
des  Os  parietale,  supraoccipitale  und  des  seitlichen  Hinterhauptbeines. 
Das  Praedorsalschild,  in  welches  das  Occipitalschild  des  Helmes  sich  fort- 
setzt, ist  eben  so  lang  wie  an  seiner  Basis  breit,  endet  nach  hinten  etwas 
concav  abgestutzt  und  schliesst  sich   daselbst  an  ein  kleines,    gleichfalls 


49 

granulirtes  Schildchen  an,  das  bis  zum  ersten  sehr  kurzen  Stützstrahle 
der  Rückenflosse  reicht  und  nahezu  doppelt  so  breit  als  lang  ist.  Stirn, 
Schnauze  und  Seiten  des  Kopfes  sind  mit  glatter  Haut  bedeckt,  an 
welcher  die  Kopfkanäle  zahlreich  und  mannigfach  sich  verzweigen.  — 
Die  Kiemenspalte  ist  massig  weit,  die  Zahl  der  Kiemenstrahlen  6,  der 
Porus  pectoralis  klein. 

Die  Rückenflosse  ist  zugespitzt;  ihr  erster  sehr  kurzer  und  platter 
Strahl  dient  nur  zur  Stütze  und  Sperre,  der  folgende  knöcherne  ist  bei- 
läufig l^mal  in  der  Kopflänge  enthalten  und  kürzer  als  der  erste  und 
längste  getheilte  Gliederstrahl;  seine  Vorderfläche  ist  körnig  rauh,  der 
Hinterrand  sägeförmig  gezähnt.  —  Die  Länge  der  Brustflossen  ist 
l2/3mal,  jene  der  Ventralen  etwas  über  2  mal  in  der  Kopflänge  be- 
griffen ;  letztere  beginnen  hinter  dem  Ende  der  Dorsale.  Die  Fettflosse 
steht  der  Mitte  der  kurzstrahligen  Anale  gegenüber,  deren  längste 
Strahlen  nur  xji  der  Kopflänge  messen.  Die  Lappen  der  tief  gabeligen 
Caudale  sind  abgerundet.  Die  Analgrube  liegt  in  der  Mitte  zwischen 
der  After-  und  den  Bauchflossen.  Die  Verzweigungen  der  Kopfkanäle 
und  der  Verlauf  der  Seitenlinie  sind  sehr  deutlich ;  letztere  spaltet  sich 
wie  bei  vielen  Siluroiden  an  der  Wurzel  der  Caudale  in  2  stark  diver- 
girende  Aeste,  die  sich  aber  über  die  Flossenlappen  selbst  nicht  fort- 
setzen. 

Färbung.  Die  ganze  Rückenseite  bleigrau,  gegen  den  Bauch  zu 
silberweiss  schimmernd,  die  Flossen  bräunlich  gelb,  nirgends  Flecken 
und  Zeichnungen. 

Vorkommen:  Rio  Bayano,  in  die  Südsee  mündend. 

Totallänge   etwas  über  6"  W.  M. 

Gattung:    Pimelodus,    Lac. 

Von  dieser  Gattung  wurden  uns  zweierlei  Arten  zugesendet,  von 
denen  die  eine  aus  dem  Rio  Chagres  stammende  nur  in  1  Exemplare  vor- 
liegt und  die  mit  Günther's  Firn,  modestus  aus  Esmeralda  (ProceecL 
of  Zool.   Soc.    of  London,    April   1860)    völlig  übereinstimmt. 

Minder  sicher  dagegen  sind  wir  bezüglich  der  Bestimmung  der 
2.  Art,    von  welcher  wir  zwar   12  Individuen  vergleichen  konnten,    die 

Abh.  d.  II.  OL  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  X.  Bd.  I.  Abth.  7 


50 

aber  selbst  in  manchen  Puncten  von  einander  abweichen,  obwohl  sie 
ohne  Zweifel  dennoch  gleichartig  sind.  Wir  glauben  in  ihr  den  Pim. 
cinerascem  Günth.  (1.  c.)  zu  erkennen,  dessen  Beschreibung  aber  zu 
kurz  ist,  um  hierüber  genügend  sicher  zu  sein.  Jedenfalls  steht  sie 
diesem  so  nahe,  wie  aus  nachfolgenden  Angaben  erhellen  wird,  dass 
wir  uns  vorerst  enthalten,  sie  für  eine  zweifellos  neue  Art  zu  erklären. 

Die  Totalgestalt  ist  gestreckt,  der  Rumpf  gegen  den  Schwanz  zu 
stark  compress,  der  breite  depresse  Kopf  flach,  seine  Länge  52/ö  bis 
57/8mal  in  der  Gesammtlänge  enthalten.  Die  etwas  schwankende  Breite 
des  Kopfes  zwischen  den  Deckeln  steigt  bis  über  3/4  seiner  Länge,  und 
jene  der  Mundspalte  bedeutend  über  V2  Kopflänge,  während  sie  bei 
Pim.  einer ascens  unter  dieser  zurückbleibt,  bei  der  Mehrzahl  der  Exem- 
plare beträgt  sie  jedoch  auch  nur  nahezu  x/2  Kopflänge.  Das  länglich 
runde  Auge  fällt  durch  geringe  Grösse  auf,  indem  sein  längerer  Diameter, 
fast  wie  bei  cinerascens,  blos  1/s  bis  x/i  der  Kopflänge  misst v).  Es 
steht  gleich  weit  vom  Rande  der  Schnauze,  wie  von  dem  des  Deckels 
entfernt,  während  bei  cinerascens  sein  Abstand  von  ersterem  nur  21/2, 
von  letzterem  aber  4  Augendiameter  betragen  soll.  Die  Stirnbreite 
zwischen  den  Augen  erreicht  22/3 — 23/4  Durchmesser.  —  Die  Zwischen- 
kiefer ragen  bedeutend  über  den  Unterkiefer  vor.  Die  Maxillarb artein 
reichen  bei  den  meisten  bis  über  die  Basis  der  Bauchflossen  zurück, 
nur  selten  sind  sie  kürzer,  und  messen  somit  2y3  bis  3  Kopflängen,  die 
äusseren  Barteln  des  Unterkiefers  reichen  nicht  bis  zu  den  Brustflossen 
und  sind  nur  einer  Kopflänge  gleich,  das  innere  Bartelpaar  ist  fast  um 
die  Hälfte  noch  kürzer.  —  Die  Zahl  der  Kiemenstrahlen  beträgt  7 ; 
der  Porus  pectoralis  ist- ziemlich  klein.  —  Alle  Kopfschilder,  Deckel- 
stücke, wie  auch  der  Occipital-  und  Scapular-Fortsatz  sind  überhäutet 
und  die  Rauhigkeiten  derselben  schimmern  nur  schwach  durch. 

1.  D.  1/6,  A.  4/7—8  .  .  . 

Die  grösste  Leibeshöhe  ist  7^3 — 7y2mal  in  der  Gesammtlänge  be- 
griffen und  fällt  genau  hinter  den  Beginn  der  Rückenflosse,  die  kleinste 
am  Schwänze  bleibt  etwas  hinter  halber  Kopflänge  zurück.  —     Die  erste 


1)  Im  Vergleich  mit  den  3  neuen  Arten  Günther's  sind  bei  Pim.  elongatus  und  modestus  die 
Augen  entschieden  grösser  alsj  bei  unserer  fraglichen  Art,  während  P.  cinerascens  etwas 
kleinere  zu  besitzen  scheint. 


51 

oder  strahlige  Rückenflosse  beginnt  zu  Anfang  des  2.  Drittels  der  Körper- 
länge und  ihre  Basis  misst  2/3  der  Kopflänge,  ihr  oberer  Rand  ist  wie 
bei  cinerascens  abgerundet.  Der  erste  noch  ungetheilte  Strahl  ist  ebenso 
stark  aber  kürzer  als  der  folgende  getheilte,  dessen  Höhe  der  Basis- 
länge der  Flosse  gleichkommt;  die  übrigen  Strahlen  nehmen  allmälig 
an  Länge  ab,  so  dass  der  letzte  um  l/±  niederer  als  der  erste  erscheint. 
Die  Fettflosse  ist  lang,  aber  massig  hoch,  ihre  Basis  erreicht  l2/3  Kopf- 
längen, sie  steht  vom  Ende  der  1.  Dorsale  nahezu  gleich  weit  ab,  wie 
vom  ersten  completen  Randstrahle  der  Caudale.  —  Von  den  Anal- 
strahlen sind  der  3.  bis  5.  getheilte,  nahezu  gleich  hoch  (von  1/<l  Kopf- 
länge), der  7.  ist  bis  zur  Basis  gespalten  und  kann  als  doppelter  gezählt 
werden,  doch  scheint  er  nur  auf  einem  einfachen  Träger  aufzusitzen ;  die 
vorderen  ungetheilten  Strahlen  nehmen  rasch  an  Länge  zu.  Die  Brust- 
flossen erreichen  nicht  völlig  2/s  der  Kopflänge,  die  Ventralen  sind 
etwas  kürzer.  Die  Caudale  ist  tief  gabelig  eingeschnitten ,  die  beiden 
Lappen  am  hintern  Rande  bei  jüngeren  Individuen  stark  abgerundet,  bei 
älteren  mehr  zugespitzt  und  bald  gleich  lang  (nicht  ganz  von  Kopfes- 
länge), bald  der  obere  etwas  länger.  —  Die  Urogenitalpapille  ist  dem 
After  genähert,  der  zwischen  den  Bauchflossen  in  deren  1/z  Länge  liegt. 
Der  innere  Bau  verhält  sich  wie  bei  andern  Arten  dieser  Gattung.  (Bei 
einem  Exemplare  ist  das  Bauchfell  mit  schönen  eingerollten  Nematoden 
[Spiropteren  ?]  besetzt.) 

Die  Seitenlinie  sendet  zwar  keine  längeren  knöchernen  Neben- 
röhrchen  ab ,  doch  scheinen  zahlreiche  häutige  Kanäle  mit  ihr  in  Ver- 
bindung zu  sein,  die  über  und  unter  ihr  schief  auslaufen  und  wohl  die 
parallelen  oft  dunkel  gefärbten  Streifen  veranlassen,  die  auch  an  den 
Abbildungen  der  3  Pimelodus- Arten  Günther' s  angedeutet  sind.  Sie 
verästeln  sich  deutlich  und  sind  oberhalb  der  Seitenlinie  viel  zahlreicher 
und  unregelmässiger  als  unterhalb   derselben. 

Färbung.  Grundfarbe  röthlichbraun ,  längs  der  Seitenlinie  eine 
schwarzbraune  Binde  (wie  bei  Pim.  elongatus  Günth.);  Rücken-  und 
Afterflosse  sind  längs  der  Basis,  so  weit  der  dickere  Ueberzug  der 
Körperhaut  hinaufreicht,  dunkel,  öfters  schwärzlich,  hierauf  folgt  eine 
helle  Längsbinde  und  gegen  den  Saum  wieder  dunklere  Färbung.  Bei 
einem    sehr    gut  erhaltenen  Exemplare    ist    die  Flossenhaut    der  Dorsale 

>7* 


52 

zwischen    den    beiden    letzten    Strahlen    mit    einem    grossen    schwarzen 

Augenflecke  geziert. 

Totallänge:    von  52/3  bis   ll1/^  Zoll  W.  M.   — 
Fundorte:   Rio   Chagres,   Guajaquil  und  Neu-Granada. 

Familie:  Trichomycterini. 
Gattung:  Trichomycterus,  C.  V. 

1.  Art:   Trich.  taenia,  n.   —   Taf.  VI.  Fig.   I.1) 

Char.  Caput  versus  os  attenuatum ,  fere  cordiforme,  septimam  longitudinis 
totalis  partem  vix  constituens,  oculi  minimi,  pinna  caudalis  truncata; 
taenia  lata   longitudinalis  nigricans    et  supra  hanc   punctula    obscura, 

seriatim  posita. 

11-12 
D.  2/6,  A.  2/4,  P.  1/6,  V.  5,  C.        13      . 

7—8 

Diese  in  Totalhabitus,  Grösse  und  Färbung  an  unsere  Colitis  taenia 
mahnende  Art  unterscheidet  sich  durch  geringe  Anzahl  der  Dorsal- 
strahlen von  Trichom.  punctulatus ,  areolatus  und  maculatus ,  durch  die 
breite  seitliche  Längsbinde  von  Tr.  Incae,  gracilis  und  barbatula  C.  V. 
und  Macraei  Gir.,  ferner  durch  die  starke  Bewaffnung  des  Deckels  und 
Unterdeckels  von  Tr.  inermis  Gay,  durch  gestreckte  Gestalt  von  Tr. 
Pentlandii,  pictus  und  punctatissimus  Ca  st.  und  endlich  durch  die  drei- 
eckige Form  des  Kopfes  und  die  nicht  gabelige  Schwanzflosse  von  Tr. 
pusillus  Cast. 

Der  breitgedrückte  Kopf  erscheint  von  oben  gesehen  fast  herz- 
förmig und  ist  nur  wenig  breiter  als  lang,  seine  Länge  misst  kaum  1/i 
der  Gesammtlänge ,  seine  Höhe  bios  dessen  halbe  Länge.  Die  länglich 
runden  Augen  sind  sehr  klein  und  nach  oben  gerichtet,  die  Stirnbreite 
zwischen  ihnen  beträgt  3  Augendurchmesser.  Die  Narinen  liegen  1 
Diameter  von  den  Augen  entfernt,  die  vor  ihnen  stehenden  langen 
Barteln  reichen  zurückgelegt  bis  zum  Ende  des  Kopfes ,  werden  aber 
von  den  beiden  an  den  Mundwinkeln  sitzenden  Bartelpaaren  sowohl  an 


1)  Fig.   1.  a  der  Taf.  VI.  gehört  zu  Fig.  2. 


53 

Länge  wie  an  Stärke  noch  übertroffen,  indem  die  oberen  bis  zur  Basis 
der  Brustflossen  reichen.  Die  Mundspalte  ist  endständig,  ihre  Breite 
erreicht  nicht  völlig  die  halbe  Kopflänge,  die  Lippen  sind  dick.  Zwischen- 
und  Unterkiefer  sind  mit  2  Reihen  mehr  oder  minder  dicht  stehender 
spitziger  Zähnchen  bewaffnet,  die  wegen  ihrer  geringen  Grösse  und  der 
dicken  papillösen  Lippen  kaum  mit  freiem  Auge  sichtbar  und  selbst 
mit  der  Loupe  nicht  genau  zählbar  sind.  Die  Unterlippe  bildet  gegen 
den  Mundwinkel  eine  herabhängende  Falte,  die  sich  als  unterer  Bart- 
faden fortsetzt.  Die  Wangen  und  Deckelstücke  sind  von  dicker  Haut 
überkleidet,  aus  welcher  die  in  3  bis  4  Reihen  stehenden  Dornen  des 
Deckels  und  Unterdeckels  vorragen.  Diese  Dornen  sind  gerade,  schlank, 
die  der  letzten  Reihe  bedeutend  länger,   als  die  voranstehenden. 

Der  Vorderrücken  steigt  vom  Hinterhaupte  in  einem  ansehnlichen 
Bogen  auf,  so  dass  die  grösste  Leibeshöhe  daselbst  der  Kopflänge  gleich- 
kommt. Schon  vor  Beginn  des  2.  Drittels  der  Totallänge  läuft  aber  die 
Profillinie  des  Rückens  völlig  geradlinig  und  zugleich  nimmt  die  Breite 
des  Rumpfes  ab,  Hinterbauch  und  Schwanzstiel  sind  stark  compress.  — 
Die  Rückenflosse  beginnt  4  Kopflängen  hinter  dem  Schnauzenrande  und 
steht  dagegen  nur  3  Kopf  längen  vom  Saume  der  Caudale  ab;  ihr  2.  und 
höchster  Gliederstrahl  erreicht  2/3  der  Kopflänge  und  übertrifft  die  Länge 
ihrer  Basis  nicht  unbedeutend.  Die  Afterflosse  entspringt  unter  dem  Ende 
der  Dorsale  und  ist  mit  ihr  gleich  hoch ;  die  Basis  beider  Flossen  ist  von 
dicker  Haut  umhüllt.  Die  Brustflossen  sind  nahe  dem  Bauchrande  ein- 
gelenkt, ihr  1.  ungetheilter  Strahl  ist  in  einen  kurzen  Faden  verlängert, 
auf  ihn  folgen  6  ziemlich  gleich  lange  Gliederstrahlen,  die  2  mal  dichotom 
getheilt  sind.  Die  Brustflossen  stehen  fast  genau  in  l/2  Totallänge  und 
reichen  nicht  ganz  bis  zur  Analgrube  zurück.  Die  Caudale,  deren  längste 
Strahlen  nahezu  der  Kopflänge  gleichen,  ist  fast  senkrecht  abgestutzt. 
Die  Zahl  der  vor  den  13  eigentlichen  Strahlen  befindlichen  Stütz-  oder 
Pseudostrahlen  lässt  sich  zufolge  der  sie  umhüllenden  Haut  nicht  genau 
angeben,  doch  ist  sie  am  unteren  Lappen  jedenfalls  bedeutend  geringer. 
Auch  treten  sie  weniger  als  bei  anderen  Arten  über  die  Ränder  des 
Schwanzstieles  vor,  so  dass  die  obere  und  untere  Profillinie  parallel  und 
fast  gerade  fortlaufen  und  mit  dem  Saume  der  senkrecht  abgestutzten 
Caudale  nahezu  einen  rechten  Winkel  bilden. 


54 

Färbung.  Die  Grundfarbe  des  Körpers  ist  gelblichbraun;  längs  der 
Seiten  verläuft  in  halber  Höhe  eine  breite  schwärzliche  Binde,  die  am 
Kiemendeckel  beginnt  und  bis  über  die  Basis  der  Afterflosse  reicht. 
Ueber  derselben  liegen  2  Reihen  dunkler  Flecken,  von  denen  (bei  1  Exem- 
plare) die  untere  in  eine  zweite  schwächere  Binde  verschwimmt,  welche 
von  der  breiteren  Hauptbinde  nur  durch  einen  schmalen  gelblichen  Längs- 
streifen getrennt  erscheint.  Die  Oberseite  des  Kopfes  ist  schwärzlich 
gefleckt,  alle  Flossen  aber  sind  einfarbig. 

Es  wurden  3  Exemplare  von  2"  1'"  bis  2"  IV"  Länge  untersucht, 
die  im  Staate  Ecuador  am  westlichen  Abhänge  der  Andes  gesammelt 
wurden. 

2.  Art:    Trich.  laticeps,    n.  —  Taf.  VI.  Fig.   2  nat.  Gr.1)   — 

Char.  Caput  valde  depressum,  fere  quadrilaterum ,  oris  latitudo  dimidiam 
capitis  longitudinem  super  ans,  haec  ad  longitudinem  totalem  =1:7; 
trunci  latera  nigromaculata  et  sPriis  transversis  16 — 20  albicantibus 
dilutis  ornata. 

21  —  22 
D.  3/6,  A.  2/5  ..  .  C.       13~~ . 


14—15 


Während  bei  der  soeben  beschriebenen  Art  der  Kopf  sich  herz- 
förmig zuspitzt,  erscheint  er  hier  seiner  ganzen  Länge  nach  fast  gleich 
breit,  wie  diess  in  gleicher  Weise  bei  keiner  der  uns  bekannten  Arten 
dieser  Gattung  der  Fall  ist.  Die  Länge  des  Kopfes  beträgt  zwar  auch 
hier,  wie  bei  der  vorigen  Art  x/i  der  Totallänge,  doch  kommt  ihr,  wie 
gesagt  die  Breite  desselben  fast  gleich;  er  ist  überdiess  stark  depress 
und  seine  Oberseite  beinahe  flach.  Die  kleinen  länglich  runden  Augen 
liegen  in  halber  Kopflänge  und  sind  xk  derselben  von  einander  entfernt. 
Die  vordere  Narine  liegt  an  der  Innenseite  der  Basis  des  Nasenbartels, 
hinter  ihr  und  etwas  nach  einwärts  gewahrt  man  die  2.  fast  dreieckige 
Nasenöffnung,  deren  längerer  Durchmesser  kaum  ^fo  der  Kopflänge  misst ; 
die  Stirnbreite  zwischen  den  hintern  Narinen  beträgt  2  solcher  Durch- 
messer.   Die  Breite  der  quer  gestellten  Mundspalte  übersteigt  die  ]/2  Kopf- 


1)  Hieher  gehört  Fig.  1.  a  der  Taf.  VI. 


55 

länge.  Zwischen-  und  Unterkiefer  sind  mit  einer  Doppelreihe  von  Zähnen 
bewaffnet,  und  zwar  besteht  die  vordere  Reihe  in  beiden  Kiefern  jeder- 
seits  aus  8 — 9  flachgedrückten  Zähnchen,  die  schmalen  Schneidezähnen 
mit  schwach  gewölbter  Schneide  ähnlich  sind  und  nicht  eine  geschlossene 
Reihe  bilden,  sondern  durch  Zwischenräume  von  einander  getrennt 
bleiben.  Nahe  hinter  ihnen  stehen  in  2.  Reihe  jederseits  13 — 14  ähn- 
liche aber  noch  kleinere  Zähne  in  einer  geschlossenen  Reihe.  —  Die 
Zwischenkieferbarteln  reichen  über  das  Ende  des  Kopfes  zurück  und 
sind  nur  wenig  kürzer  als  die  oberen  Barteln  am  Mundwinkel,  die  an 
ihrer  Basis  bandartig  sich  verbreitern  und  zurückgelegt  über  die  Ein- 
lenkung  der  Brustflossen  hinausreichen.  Der  untere  Bartfaden  des  Mund- 
winkels ist  an  seinem  Ursprünge  mit  dem  oberen  verbunden  und  mit 
dem  Magen-  oder  Zwischenkieferbartel  gleich  lang,  nach  abwärts  setzt 
er  sich  als  Unterlippenfalte  fort.  Die  Dornspitzen  des  Unterdeckels  sind 
schwächer  als  bei  der  vorigen  Art  und  stehen  nur  in  2facher  Reihe. 
Die  grösste  Leibeshöhe  kommt  der  J/2  Kopflänge  nahe  und  fällt  in  die 
Gegend  des  Ueberganges  vom  Hinterhaupte  zum  Vorderrücken.  Die 
Dorsale  steht  um  1  Kopflänge  dem  Mundrande  näher  als  dem  Ende  der 
Schwanzflosse  und  ist  gleich  hoch  wie  lang.  Bald  hinter  ihr  beginnen 
die  von  dicker  Haut  überhüllten  oberen  Rand-  oder  Pseudostrahlen  der 
Caudale,  deren  Anzahl  über  20  beträgt.  Die  Afterflosse  beginnt  etwas 
weiter  zurück  als  die  Dorsale,  deren  letztem  Strahle  gegenüber  sie  aber 
endet  und  mit  der  sie  gleiche  Höhe  besitzt.  Die  Zahl  der  hinter  ihr 
beginnenden  unteren  Stütz-  oder  Randstrahlen  der  Schwanzflosse  ist 
geringer  und  beläuft  sich  nur  auf  15 — 16;  die  Länge  der  gegliederten 
Strahlen  der  ebenfalls  senkrecht  abgestutzten  Caudale  beträgt  1  Kopf- 
länge. Der  1.  Pectoralstrahl  ist  bereits  gegliedert,  aber  noch  ungetheilt 
und  fadenförmig  fast  bis  zur  Kopflänge  vorgezogen.  Die  Bauchflossen 
stehen  etwas  vor  halber  Totallänge,  reichen  zurückgelegt  kaum  bis  zur 
Analgrube  und  somit  auch  kaum  bis  unter  den  Anfang  der  Rückenflosse. 
Färbung.  Die  Grundfarbe  des  Körpers  ist  olivengrün,  Kopf  und 
Rumpf  sind  mit  zahlreichen  schwärzlichen  runden  Flecken  übersät,  die 
ganze  Unterseite  und  alle  Flossen  sind  ungefleckt.  An  einem  Exemplare 
gewahrt  man,  jedoch  nur  rechterseits,  16 — 20  vertikale  blaulich  weisse 
Parallelstreifen  oder  schmale  Binden  an  den  Seiten  des  Bauches,  welche 


56 

die  untere  Hälfte  des  Rumpfes  von  den  Brustflossen  bis  zur  Anale  ein- 
nehmen und  nach  rückwärts  allmälich  verschwimmen ;  viele  dieser  Längs- 
streifen sind  beiderseits  von  einer  schwärzlichen  Linie  eingesäumt. 

Von  dieser  Art  liegen  uns  nur  2  Exemplare  von  gleichem  Fund- 
orte wie  die  vorige  vor,  von  denen  das  grössere  3"  1'"  W.  M.  lange 
ohne  Zweifel  ein  Weibchen  ist,  da  ihm  jede  Spur  einer  Genitalpapille  fehlt. 


Familie:  Loricati. 

Gattung:    Loricaria,  Linn. 

1.  Art:  Lor.  uracantha,  n.  —  Taf.  VI.  Fig.   3. 

Char.  Longitudo  totalis  ad  illam  capitis  =  5:1,  oculi  diameter  longitudi- 
nalis  quintam  capitis  longitudinem  adaequans ;  radius  terminalis  lobi 
superioris  pinnae  caudalis  osseus,  valde  incrassatus ,  porus  pectoralis 
nullus ;  —  taenia  transversa  lata  nigrescens ,  truncum  ■  retro  pinnam 
dorsalem  cingens. 

1 
D.   1/7,  A.   1/5  .  .  .  C.  ~~1Ö~  . 
1 

Die  auffallende  Verdickung  des  oberen  Randstrahles  der  Schwanz- 
flosse in  einen  breiten  Knochenstrahl,  wie  wir  sie  bei  keiner  Art  in 
gleicher  Weise  kennen,  bestimmt  uns  diese  Art  als  neu  anzusehen,  ob- 
wohl sie  übrigens  bekannten  Arten  wie  Lor.  acuta  C.  V.  und  insbeson- 
dere Lor.  castanea  Ca  st.  pl.  23  Fig.  4  im  Umrisse  des  Kopfes  sehr 
nahe   steht. 

Die  Totallänge  veiTiält  sich  zu  der  des  Kopfes  wie  5:1,  die  Länge 
des  letzteren  zu  seiner  Breite  =  1  :  3/t  und  diese  selbst  gleicht  dem  halben 
Abstände  der  Analgrube  von  der  Schnauzenspitze.  Der  vordere  Augen- 
rand steht  genau  in  halber  Kopflänge,  der  Längendurchmesser  des 
Auges  sammt  hinterem  Ausschnitte  beträgt  V5 ,  der  kürzere  quere  x/8 
der  Kopflänge ,  die  Stirnbreite  zwischen  den  Augen  2  solcher  queren 
Durchmesser.  Die  doppelten  Narinen  liegen  in  einer  dreieckigen  Grube, 
deren  Längsdiameter  dem  des  Auges  gleicht ;  die  Stirn  zwischen  den 
erhobenen  Schildern    des  oberen  Augenrandes    ist   flach,    ungekielt,    die 


57 

fein  bezahnten  Schilder  des  Kopfrandes  ringsum  greifen  nur  wenig  nach 
der  Unterseite  über.  Die  grossen  nackten  Mundsegel  sind  an  der  Vorder- 
fläche stark  papillös  und  bilden  seitlich  ein  kurzes  einfaches  Bartel. 
Das  hintere  oder  Unterkiefersegel  ist  in  der  Mitte  schwach  eingebuchtet 
und  am  Rande  mit  kurzen  Zotten  behängt.  In  beiden  Kiefern  stehen 
8 — 10  (vielleicht  bis  12)  ziemlich  grosse  Zähne,  die  tief  gabelig  in  2  lange 
braune  Spitzen  getheilt  sind.  —  Das  mediane  Occipitalschild  ist  breit 
und  geradlinig  abgestutzt,  von  den  3  folgenden  praedorsalen  Schildern 
das  letzte  am  grössten,  keines  derselben  deutlich  gekielt.  Auch  an  den 
Seiten  des  Rumpfes  sind  die  Kiele  der  beiden  bei  allen  Arten  gekielten 
Schilderreihen  nur  schwach,  bleiben  an  14 — 15  Schildern  getrennt  und 
blos  an  den  letzten  12 — 13  Caudalen  vereinigt.  Der  Bauch  ist  gänzlich 
beschildert  und  zwar  vorne  mit  mehrmals  10  irregulären  Schildchen  in 
der  Querreihe,  die  nach  rückwärts  allmälich  grösser  werden,  so  dass 
die  letzte  zwischen  den  Bauchflossen  gelegene  Querreihe  nur  noch  aus 
3  Schildern  besteht. 

Die  Höhe  der  Dorsale  ist  geringer  als  1  Kopflänge,  ihr  Ende  genau 
2  Kopflängen  von  der  Nasenspitze  entfernt,  die  Länge  der  Strahlen 
nimmt  gleichmässig  ab  und  der  letzte  ist  bis  zur  Basis  gespalten.  Die 
Bauchflossen  entspringen  unter  dem  Beginne  der  Dorsale,  sind  kurz  und 
reichen  blos.  bis  zum  1.  Analstrahle  zurück,  die  Brustflossen  aber  nicht 
einmal  bis  zu  den  Ventralen.  Die  etwas  längere  Afterreihe  erreicht 
zurückgelegt  das  6.  Caudalschild  hinter  ihr.  Die  ersten  ungeth eilten 
Strahlen  aller  dieser  Flossen  sind  zwar  verdickt,  an  der  Spitze  aber 
gleichwohl  biegsam  und  mit  nur  wenig  stärkeren  Zähnchen  besetzt  als 
die  Kopf-  und  Rumpfschilder.  An  der  Caudale ,  deren  Länge  zufolge 
der  abgebrochenen  Strahlenspitzen  nicht  genau  anzugeben  ist,  erscheint 
dagegen  der  obere  Rand-  oder  Hauptstrahl  in  einen  so  starken ,  com- 
pressen,  völlig  unbiegsamen  Knochenstrahl  verdeckt,  wie  diess  bei  keiner 
Art  bekannt  ist.  Selbst  bei  dem  jüngeren  der  beiden  xemplare  fällt 
diese  Verdickung  schon  auf,  von  der  sich  selbst  bei  grossen  und  alten 
Individuen  anderer  Arten  nur  eine  schwache  Andeutung  findet.  Ueber- 
diess  ist  auch  der  untere  Endstrahl  bei  dieser  Art  dicker  als  gewöhn- 
lich, bleibt  aber  doch  weich  und  biegsam» 

Abh.  d.  II.  Cl.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  X.  Bd.  I.  Abtb.  8 


58 

Ein  Porus  pectoralis  fehlt  wie  bei  Lor.  laeviuscula,  mit  der  unsere 
Art  auch  in  der  nackten  Haut  übereinstimmt,  die  zwischen  den  6 — 7 
Randschildern  des  Bauches  und  der  darüber  liegenden  unteren  Reihe 
gekielter  Schilder  frei  bleibt.  Die  3  verlängerten  Stützschilder,  welche 
die  Basis  der  Caudale  überlagern,   sind  klein,  das  mittlere  am  kleinsten. 

Die  Färbung  ist  verwaschen,  doch  hinter  der  Basis  der  Dorsale 
ein  breites  schwärzliches  Querband  erkennbar,  dem  bei  1  Exemplare 
weiter  zurück  noch  Spuren  eines  2.  und  3.  (so  wie  bei  Lor.  maculata) 
folgen.  Weder  am  Kopfe  noch  am  Rumpfe  gewahrt  man  schwarze  oder 
anders  färbige  Punkte  und  Flecken,  nur  an  den  Strahlen  sämmtlicher 
Flossen  sind  schwärzliche  verwischte  Färbungen  zu  erkennen. 

Totallänge  des  grösseren  Exemplares   ö1/^"  W.  M. 

Fundorte.     Aus  Neu-Granada  und  dem  Rio  Chagres. 

2.  Art:  Lor.  lima,  Kner. 

In  der  I.  Abtheilung  der  „Panzer  weise  des  kaiserlichen  Hof  natura - 
lienkabinetes  zu  Wien"  von  Dr.  R.  Kner  (Denkschriften  der  kaiserlichen 
Akademie,  Jahrgang  1853)  findet  sich  auf  S.  25  die  kurze  Beschreibung 
und  auf  Taf.  6  Fig.  1  die  Abbildung  dieser  auf  ein  trockenes,  schlecht 
erhaltenes  Unicum  begründeten  Art  vor,  von  dem  auch  die  nähere  An- 
gabe des  Fundortes  fehlt.  Wir  glauben  nunmehr  in  4  aus  dem  Rio 
Chagres  stammenden  Exemplaren  diese  Art  wieder  zu  erkennen,  obwohl 
sie,  wie  aus  nachfolgenden  Angaben  erhellen  wird,  in  mehreren  Puncten 
nicht  unwesentlich  von  jenem  Unico  abweichen,  die  jedoch  allerdings 
auf  Rechnung  des  mangelhaften  Erhaltungszustandes  fallen  können.  Da 
sie  aber  jedenfalls  einander  sehr  nahe  stehen,  verzichten  wir  auf  die 
Aufstellung  unserer  Exemplare  als  neue  Art,  die  wir  doch  nur  als 
fraglich  bezeichnen  könnten. 

Die  Kopflänge  ist  etwas  über  5  mal  in  der  Totallänge  enthalten, 
die  Breite  desselben  (ohne  Bart)  =  2/s  seiner  Länge,  der  hintere  Augen- 
randausschnitt  massig  und  bei  den  einzelnen  Exemplaren  ungleich  gross. 
Der  Abstand  der  Augen  von  der  Schnauzenspitze  beträgt  3^2 — 4,  vom 
vorderen  Rande  der  Nasengrube   1,  die  Stirnbreite  zwischen  beiden   l1/^ 


59 

Augendurchmesser  (ohne  Ausschnitt). 1)  Der  Umriss  des  Kopfes  verhält 
sich  fast  genau  wie  bei  Lor.  lima,  dessgleichen  die  Kopfschilder,  nur 
sind  die  Kiele  an  dem  medianen  Occipital-  und  den  folgenden  2  Prae- 
dorsalschildern  blos  schwach  angedeutet.  Der  dichte  Schnurrbart  an 
den  Seitenrändern  des  Kopfes  beginnt  schon  in  einer  Querlinie  mit  der 
Zahnreihe  des  Zwischenkiefers,  nämlich  1  Augendiameter  von  der  Nasen- 
spitze entfernt  und  reicht  bis  an  den  oberen  Winkel  der  Kiemenspalte. 
Er  besteht  aus  weisslichen  borstenähnlichen  dünnen  Dornen  mit  feiner 
rückwärts  gekrümmter  Spitze,  die  wie  bei  Lor.  barbata  und  den  Ancistrus- 
Arten  quer  aufstellbar  sind.  In  der  Mitte  ist  dieser  Schnurrbart  am  dich- 
testen und  längsten,  und  hiedurch  erscheint  der  Querdurchmesser  des 
Kopfes  in  der  Augengegend  breiter  als  am  Hinterhaupte,  da  hier  die  Borsten 
wieder  kürzer  werden.  Der  Bart  greift  auch  an  die  Unterseite  viel 
weiter  über  als  bei  Lor.  barbata  K  n.  und  stösst  unmittelbar  an  die  Eck- 
barteln an.  Die  Mitte  der  Nasenspitze  bleibt  nackt.  —  Das  vordere 
Lippensegel  ist  kurz ,  das  hintere  gross ,  ungetheilt ,  dicht  mit  grossen 
rundlichen  Papillen  besetzt  und  am  Saume  ringsum  mit  kurzen  Fransen 
behängt;  die  sehr  deutlichen  Eckbarteln  erscheinen  gleichfalls  durch 
Papillen  zottig.  In  jeder  Kieferhälfte  stehen  beiläufig  10 — 1 1  gabiig 
getheilte  Zähne  von  massiger  Grösse. 

Die  Zahl  der  Flossenstrahlen  ist  dieselbe  wie  bei  andern  Loricarien. 
Die  Dorsale  beginnt  genau  im  2.  Drittel  der  Körperlänge  und  unter  ihr 
stehen  die  Bauchflossen,  welche  bis  zur  Anale  zurückreichen.  Die 
Strahlen  von  allen  3  genannten  Flossen  sind  fast  gleich  lang  und  zwar 
von  3/4  Kopfeslänge.  Die  Brustflossen  dagegen  sind  kürzer  und  reichen 
nur  bis  zur  Einlenkung  der  Ventralen;  ihr  1.  verdickter,  aber  an  der 
Spitze  noch  biegsamer  Strahl  ist  gleich  den  folgenden  an  der  Oberseite 
dicht  mit  einem  Pelze  nach  vorne  gekrümmter  dünner  Haken  besetzt. 
Die  längsten  Strahlen  der  kleinen,  schief  abgestutzten  Caudale  messen 
nicht   1/9  der  Totallänge,  ihr  oberer  Rand-   oder  Hauptstrahl   ist  ein  fast 


1)  Bei  dem  trockenen  Originalexemplare  weichen  diese  Maassverhältnisse  in  folgender 
Weise  ab :  Körperlänge  zur  Kopflänge  wie  472 :  1,  Stirnbreite  zwischen  den  Augen  2,  Ab- 
stand derselben  von  der  Schnauzenspitze  5,  vom  vorderen  Rande  der  Nasengrube  2  Augen- 
diameter. Diese  Differenzen  dürften  allerdings  schwer  blos  aus  dem  Erhaltungszustande 
zu  erklären  sein. 

8* 


60 

eben  so  dicker  Knochenstrahl  wie  bei  der  vorigen  Art,  läuft  aber  gleich- 
wohl in  eine  weiche  biegsame  Spitze  aus ,  die  sich  nicht  fadig  zu  ver- 
längern scheint.  —  Die  Beschildung  des  Rumpfes  verhält  sich  wie 
bei  Lor.  uracantha.  Längs  13 — 15  Seitenschildern  erstreckt  sich  der 
getrennte  doppelte  Kiel,  der  dann  an  eben  so  vielen  (15 — 13)  folgenden 
Schildern  einfach  erscheint.  Zwischen  der  Rücken-  und  Schwanzflosse 
liegen  17 — 19,  zwischen  letzterer  und  der  Anale  16 — 17  Schilder;  die 
3  seitlichen  Stützschilder  der  Caudale  sind  kurz,  das  mittlere  am  kleinsten. 
Ein  kleiner  aber  deutlicher  Porus  pectoralis  ist  vorhanden. 

Färbung.  Die  Grundfärbung  wie  gewöhnlich;  2 — 3  dunkle  Quer- 
binden zwischen  der  Dorsale  und  Caudale  wie  auch  schwarze  Flecken 
an  den  Flossen  sind,  obwohl  nicht  deutlich  abgegränzt,  hier  gleichfalls 
wie  bei  der  vorigen  Art  erkennbar. 

Totallänge  des  grössten  Exemplares  1". 


Von  der  zweiten  Gruppe  der  Loricaten,  den  Hypostomiden ,  liegen 
uns  2  Arten  vor,  und  zwar  1  Hypostomus  in  3  Exemplaren  aus  Neu- 
Granada  und  1  Ancistrus  aus  dem  Rio  Chagres.  Ersterer  stimmt  zwar 
mit  keiner  bekannten  Art  völlig  genau  und  stellt  eine  vermittelnde 
Form  dar  zwischen  den  hochköpfigeu  Arten  mit  zugespitzter  Schnauze 
und  den  flacheren  mit  schwach  gekielten  Kopfschildern  und  breiter  ab- 
gerundeter Schnauze.  Doch  glauben  wir  ihn  nur  als  Varietät  von  Hyp. 
plecostomus  C.  V.  ansehen  zu  dürfen,  da  er  jedenfalls  dieser  weit  ver- 
breiteten Art  zunächst  steht  und  nur  in  solchen  Verhältnissen  abweicht, 
die  auch  bei  verschiedenen  Individuen  anderer  anerkannter  Species  oft 
nicht  unbedeutend  schwanken  und  von  denen  wir  die  bemerkens- 
wertheren  hervorheben  wollen. 

Der  Kopf  erscheint  bei  unseren  Exemplaren  etwas  niederer,  da  so- 
wohl der  mediane  Occipitalkiel ,  wie  auch  die  seitlichen  temporalen 
Kiele  weniger  scharf  sind.  Stellung  und  Durchmesser  der  Augen  verhalten 
sich  bei  den  2  kleineren  Individuen  genau  wie  bei  plecostomus,  bei  dem 
grössten  dagegen  sind  sie  etwas  kleiner  und  mehr  als  4  Diameter  von 
der  Nasenspitze  entfernt.  Bedeutender  erscheint  aber  die  breitere  Mund- 
spalte und  demnach  auch  die  grössere  Zahl  der  Zähne  in  jeder  Kiefer- 


61 

hälfte,  die  hier  durchschnittlich  40  beiderseits  beträgt,  während  Cuvier 
und  Valenciennes  beiläufig  30  für  plecostomus  angeben  und  in  der  Ab- 
handlung: „die  Hypostomiden  von  Kner"  (Denkschriften  der  kaiser- 
lichen Akademie  VII.  Bd.  1854,  pag.  14)  nur  von  16 — 18  aufrecht 
stehenden  Zähnen  in  jeder  Kieferhälfte  gesprochen  wird.  Die  Differenz 
in  diesen  Angaben  ist  so  gross,  dass  man  versucht  sein  könnte,  in  un- 
seren Exemplaren  aus  Neu-Granada  etwa  den  Hyp.  auroguttatus  Natt. 
Heck,  zu  vermuthen.  Doch  unterscheidet  sich  dieser  ganz  bestimmt 
durch  eine  noch  breitere  und  vorne  kreisrunde  Schnauze,  gänzlichen 
Mangel  von  Kielen  am  Kopfe,  sehr  schwachen  längs  der  Seiten,  völlig 
abweichende  Färbung  und  endlich  durch  noch  viel  längere  Kieferstücke 
in  deren  jedem  über  60  Zähne  stecken.  Das  Bedenken,  welches  durch 
die  Differenz  in  der  Zahlenangabe  der  Zähne  gegen  die  Deutung  unserer 
fraglichen  Exemplare  als  Hyp.  plecostomus  sich  aufdrängt,  verliert  jedoch 
viel  von  seinem  Gewichte,  wenn  man  erwägt,  dass  die  beweglichen 
dünnen  Zähne  der  Hypostomiden  überhaupt  theils  leicht  ausfallen,  theils  in 
den  vertieften  Kiefern  verborgen  liegen  und  von  denen  daher  bald  einige 
Zähne  mehr,  bald  weniger  in  die  Augen  fallen.  Unter  solchen  Umständen 
dürfte  es  wohl  nicht  räthlich  sein,  die  grössere  oder  kleinere  Zahl  von 
Zähnen  allein  als  Unterscheidungsmerkmal  von  Arten  zu  benützen.  An- 
dere verlässliche  Anhaltspunkte,  um  unsere  Exemplare  von  plecostomus  zu 
trennen,  vermögen  wir  aber  nicht  aufzufinden.  (Vergleiche  übrigens  das 
in  der  citirten  Abhandlung  auf  Seite  13  Eingangs  der  Beschreibung  von 
Hyp.  plecostomus  Gesagte.) 

Der  2.  uns  vorliegende  Hypostomide  entspricht  ohne  Zweifel  dem 
Ancistrus  (Hypostomus)  cirrhosus  und  kann  höchstens  als  Varietät  des- 
selben angesehen  werden,  indem  er  in  allen  Zahlen-  und  Maassver- 
hältnissen übereinstimmt,  mit  alleiniger  Ausnahme  der  dem  Auge  etwas 
näher  gelegenen  Narinen,  deren  Abstand  bei  A.  cirrhosus  aus  dem  Rio 
branco  und  Gnapore  meist  l1/^,  hier  aber  nur  1  Augendurchmesser  be- 
trägt (bei  Anc.  Karsteni  Kröy.  blos  1/<z  Diameter).  —  Das  Unicum  ist 
ein  erwachsenes  Männchen. 


!** 


Ueber  die 

hydrographischen  Verhältnisse  und    das  Vorkommen 


der 


Süsswasserfische 


den 


Staaten  Panama  nnd  Ecuador. 


Ein.  Beitrag  zur  Zoogeographie  Amerika's 


Prof.  Moritz  Wagner. 


Ueber  die 

hydrographischen  Verhältnisse  und   das  Vorkommen 

der 

Süsswasserfische 

in  den 

Staaten  Panama  und  Ecuador. 

Ein  Beitrag  zur  Thiergeographie  Amerika's 
von 

Dr.  Moritz  Wagner. 


Als  der  unbekannteste  Theil  von  Mittelamerika  sowohl  hinsichtlich 
der  Geographie  und  Ethnographie  als  der  beschreibenden  Naturgeschichte 
wurde  noch  vor  wenigen  Jahren  das  schmälste  Land  des  Welttheils, 
jener  langgestreckte  Isthmus,  bezeichnet,  welcher  von  der  Nordgrenze 
der  Provinz  Choco  bis  zur  Südgrenze  des  Staates  Costarica,  zwischen 
7°  und  9°  N.  B.  und  77°  und  83°  W.  L.  v.  Gr.  sich  ausdehnt  und 
das  Territorium  der  drei  Provinzen  Darien,  Panama  und  Veragua  um- 
fasst.  Von  ihren  Binnengegenden  bemerkte  Humboldt:  dass  sie  noch 
eben  so  wenig  durchforscht  seien  wie  das  Innere  von  Afrika  und 
Patagonien.  Die  Flora  dieses  Isthmusgebietes,  dessen  Flächeninhalt  auf 
1465  deutsche  Quadratmeilen  geschätzt  wird,  also  etwas  grösser  ist, 
wie  der  des  Königreichs  Bayern,  ist  zwar  seitdem  sporadisch  durch  den 
verdienstvollen  Botaniker  Dr.  Berthold  Seemann,  den  Begleiter  der 
brittischen  Herald-Expedition ,  untersucht  worden;  doch  beschränkten 
sich  seine  Excursionen  nur  auf  wenige  Punkte  der  Südseeküste  und  der 
Abh.  d.  II.  Cl.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  X.  Bd.  I.  Abth.  9 


66 

Cordillere  von  Veragua.  Die  Fauna  war  ganz  unerforscht  geblieben. 
Mein  dortiger  einjähriger  Aufenthalt  hatte  den  besonderen  Zweck,  neben 
einigen  hypsometrischen  und  geögnostischen  Arbeiten,  welche  in  den 
noch  unexplorirten  Gebirgsgegenden  einigen  Nutzen  für  die  physikalische 
Geographie  versprachen,  auch  über  das  Thier-  und  Pflanzenreich  des 
Isthmus  und  deren  geographischen  Zusammenhang  mit  den  Faunen  und 
Floren  von  Südamerika  einerseits,  von  Costarica  und  Guatemala  ander- 
seits, so  umfassende  Beobachtungen  anzustellen,  als  die  ausserordentlich 
grossen  Hindernisse  von  Seiten  des  Klima's,  der  Bodenbeschaffenheit  und 
der  Bevölkerung  gestatten  würden. 

Die  Sammlungen  aus  den  verschiedenen  Thierklassen ,  welche  ich 
von  dort  an  die  zoologisch -zootomische  Staatssammlung  in  München 
einsandte,  sind  ebenso  wie  die  früher  während  der  Jahre  1853  und  1854 
in  den  mittleren  und  nördlichen  Staaten  Centralamerika's  von  mir  ge- 
sammelten Wirbelthiere,  Insekten  und  Conchylien  seitdem  verschiedenen 
kenntnissreichen  Specialforschern  zur  Einsicht  und  systematischen  Be- 
stimmung mitgetheilt  worden.1)  Es  liegen  hier  vorläufig  die  Ergebnisse 
der  Untersuchung  meiner  ichthyologischen  Ausbeute  durch  Herrn  Professor 
Rudolph  Kner  und  Dr.  Steindachner  vor,  denen  zur  nothwendigen 
Vergleichung  das  reiche  ichthyologische  Material  des  kaiserlichen  Natura- 
lienkabinets  in  Wien  zur  Verfügung  stand.  Im  Interesse  der  Zoogeo- 
graphie Amerika's,  wie  der  physischen  Erdkunde  überhaupt,  halte  ich 
es  für  angemessen,    der  descriptiven  Abhandlung  dieser  ausgezeichneten 


1)  Die  Säugethiere  und  Amphibien  aus  Costarica,  unter  denen  verhältnissmässig  ziemlich  viele 
neue  Arten  sind,  hat  Dr.  Fitzinger  in  Wien  bestimmt.  Die  Insekten,  Land-  und  Süsswasser- 
conchylien  aus  den  nördlichen  Provinzen  Centralamerika's,  welche  der  Staatssammlung  in 
München  einverleibt  wurden,  sind  erst  theilweise  untersucht.  Den  Herren  Cabanis,  Peters, 
Jan  verdanken  wir  die  systematische  Bestimmung  der  Vögel  und  Amphibien  aus  Panama 
und  Ecuador.  Herr  Dr.  Saussure  in  Genf  hatte  die  Güte,  die  mühevolle  Bestimmung  der 
Hymenopteren,  auf  deren  möglichst  vollständige  Sammlung  ich  wegen  der  Wichtigkeit  dieser 
Insektenordnung  für  die  Zoogeographie  besondere  Sorgfalt  verwandte,  zu  übernehmen 
Diesem  geistvollen  Naturforscher,  welcher  Mexiko  mehrere  Jahre  bereiste,  verdanke  ich 
auch  höchst  interessante  Mittheilungen  über  die  geographische  Verbreitung  der  Hynie- 
nopteren  Amerika's,  auf  welche  ich  in  einer  später  folgenden  Abhandlung  zurückkommen  werde. 
Leider  hat  Herr  Saussure  über  seine  ichthyologische  Ausbeute  in  Mexiko  noch  nichts  veröffent- 
licht. Die  Kenntniss  der  dortigen  Süsswasserfische  wäre  zur  Vergleichung  mit  den  im 
Isthmus  von  Panama  vorkommenden  Formen  für  die  Thiergeographie  Amerika's  von  be- 
sonderem Werth. 


m 

Ichthyologen  eine  eingehende  Darstellung  der  hydrographischen  Verhält- 
nisse von  Panama  und  Ecuador  und  des  davon  abhängigen  Vorkommens 
der  Süsswasserfauna  folgen  zu  lassen. 

Der  Gebirgsbau  und  die  Hydrographie  des  Isthmusstaates  Panama, 
der  durch  seine  Lage  und  Weltstellung  für  die  Länder-  und  Völker- 
kunde überhaupt  von  unermesslicher  Wichtigkeit  ist,  bietet  auch  für  die 
geographische  Verbreitung  der  Organismen  ein  ganz  besonderes  Interesse 
dar.  Ein  aufmerksamer  Blick  auf  die  Karte  des  westlichen  Welttheils 
genügt,  um  die  Eigenthümlichkeit  der  horizontalen  Gliederung  dieses 
Landes  im  Vergleich  mit  der  Configuration  von  Nord-  und  Südamerika 
zu  würdigen.  Von  einem  Ocean  zum  andern  reichend  nimmt  der  Staat 
Panama  den  ganzen  Querdurchmesser  Amerika's  in  dessen  Centrum  ein, 
bildet  also  das  verbindende  Glied  der  beiden  Continentalhälften,  welche 
einstmals  getrennte  Inseln  waren.1) 

Tierra  firme,  das  ,, feste  Land,"  war  der  Name,  mit  welchem  die  spa- 
nischen Geographen  und  Geschichtschreiber  des  16.  und  17.  Jahrhun- 
derts die  drei  von  Columbus  entdeckten  Provinzen  Veragua,  Panama 
und  Darien  bezeichneten,  im  Gegensatz  zu  den  'abgetrennten  Gliedern 
dieses  Eestlandes ,  der  Inselwelt  der  Antillen ,  welche  den  Spaniern  ein 
Jahrzehent  früher  bekannt  geworden.  Erst  weitere  zehn  Jahre  nach 
der  Landung  von  Columbus  in  Veragua,  als  der  kühne  Vasco  Nufiez 
de  Baiboa  1513  die  Cordillere  von  Darien  überschreitend  das  stille 
Weltmeer  entdeckt  hatte,  erkannte  man,  das  diese  „tierra  firme"  nur 
aus  einem  schmalen  Isthmus  bestand  und  den  trennenden  Damm  von 
zwei  Ozeanen  bildete.2)     Wie  er  die  direkte  Schifffahrt  vom  karaibischen 

1)  Zur  näheren  Einsicht  in  die  Configuration  und  die  hydrographischen  Verhältnisse  des 
Isthmus  von  Panama  und  Darien  verweise  ich  auf  die  Specialkarte  von  H.Kiepert,  welche 
nach  der  Originalkarte  des  Obristen  Codazzi  reducirt  ist.  Weniger  genau  sind  in  Betreff' 
der  Gebirgszüge  und  Flussläufe  die  Karten  von  Dr.  Authenrieth  und  John  Baily's: 
„Map  of  Centralamerica."  Von  der  Hydrographie  der  eigentlichen  Landenge  von  Panama, 
des  Isthmus  von  San  Blas  und  der  Provinz  Chiriqui  (West- Veragua)  geben  die  Specialkarten, 
welche  Dr.  Petermann  in  den  Jahrgängen  1861,  1862  und  1863  seiner  geographischen 
Mittheilungen  nach  den  Aufnahmen  von  Oberst  T  o  1 1  e  n  und  von  mir  veröffentlichte  ,  ein 
annähernd  getreues  Bild 

2)  Die  drei  ältesten  Karten  der  „Tierra  firme"  aus.  dem  Atlas  des  Vaz  Dourado,  welche  die 
kgl.  bayerische  Akademie  der  Wissenschaften  nach  einer  im  Besitze  der  kgl.  Staatsbibliothek 
zu  München  befindlichen  Handschrift  v.  J  1580  herausgegeben,  stellen,  obwohl  etwas  plump 
und  roh  gezeichnet  wie  die  meisten  Karten  des  sechszehnten  Jahrhunderts,  die  Dimensionen 

9* 


68 

Meer  zur  Südsee  hemmt,  so  setzt  dieser  Isthmus,  der  im  Mittel  einen 
Durchmesser  von  11  bis  12  geographischen  Meilen  hat  und  an-  seiner 
schmälsten  Stelle  bis  fast  7  Meilen  sich  verengt,  der  Wanderung  und 
Vermischung  der  Organismen  beider  Meere  eine  Schranke,  welche  nur 
durch  zufällige  Umstände  überschreitbar  ist. 

Darwin  hat  in  seinem  inhaltreichen  Werk:  „über  die  Entstehung 
der  Arten"  in  den  verschiedenen  Kapiteln,  welche  die  geographische 
Verbreitung  der  Thiere  behandeln,  unter  anderm  behauptet,  dass  die 
beiden  von  einer  schmalen  Landenge  getrennten  Ozeanfaunen  nicht  eine 
Art  von  Fisch,  Weichthier  oder  Krustenthier  gemeinsam  hätten.1)  Den 
Beweis  für  diese  Annahme  ist  der  berühmte  Forscher,  der  die  Landenge 
von  Panama  nicht  selbst  besucht  hat,  schuldig  geblieben.  Grössere 
Sammlungen  von  Seethieren  sind  an  beiden  Isthmusküsten  noch  nicht 
gemacht  worden.  Das  Vorkommen  der  gleichen  Süsswasserfische  und 
Schnecken  an  den  Flussmündungen  beider  Meere,  derselben  Species  von 
Salzpflanzen  an  beiden  Litoralgürteln  und  derselben  Arten  von  strand- 
laufenden Coleopteren  aus  den  Familien  der  Cicindeliden  und  Melanomen, 
welche  sich  niemals  weit  landeinwärs  verbreiten,  würde  allein  schon 
hinreichend  gegen  diesen  absoluten  Ausspruch  einer  vollständigen  Faunen- 
verschiedenheit sprechen.  Ich  selbst  habe  aber  am  Strande  beider 
Ozeane  zum  Theil  dieselben  Muschelspecies  gesammelt  und  auf  den  Fisch- 
märkten von  Aspinwall  und  Panama,  also  an  beiden  entgegengesetzten 
Küsten,  auch  einige  wenige  Fischarten  von  unzweifelhafter  Identität 
bemerkt,  denen  die  Eingebornen  dieselben  Namen  gaben.  Eine  absolute 
Artentrennung  beider  Meeresfaunen,  die  doch  nur  eine  verhältnissmässig 
schmale  und  niedere  Schranke  scheidet,  wäre  auch  mit  anderen  Angaben 
Darwin's  hinsichtlich  der  zufälligen  Verbreitungsmittel,  deren  sich  die 
Natur  bedient,  in  schroffem  Widerspruch.     Jene  Angabe  ist  also  nur  für 


Centralamerika's  bereits  mit  einer  vergleichweise  annähernden  Richtigkeit  dar.  Die  Ver- 
engung des  Continents  westlich  vom  Golf  von  Uraba  und  die  damit  verbundene  schroffe 
Aenderung  der  Küstenrichtung  beider  Ozeane  ist  auf  diesen  Karten  bereits  sehr  bestimmt 
angegeben.  Dagegen  ist  die  Bewässerung  der  Binnengegenden,  welche  den  spanischen 
Eroberern  damals  bekannter  sein  mussten  als  den  jetzigen  Bewohnern,  in  diesen  Karten 
ganz  vernachlässigt.  Denselben  Mangel  zeigt  die  Karte  Herrera's  vom  Ende  des  sechszehnten 
Jahrhunderts,  welche  seiner:  „Descripcion  de  la  Audiencia  de  Panama"  beigefügt  ist. 

1)  Ch.  Darwin:  über  die  Entstehung  der  Arten  im  Thier-  und  Pflanzenreich  S.  355. 


69 

die  Seethiere  an  den  Küsten  von  Guiana  und  Brasilien  einerseits,  von 
Peru  und  Bolivia  anderseits,  wo  der  südamerikanische  Continent  in  seiner 
grössten  Breite  zwischen  den  beiden  Ozeanen  sich  einkeilt,  sicher  erwiesen, 
nicht  aber  für  die  noch  zu  wenig  erforschten  Meeresfaunen  an  beiden 
Isthmusküsten. 

Wenn  es  aber  auch  nach  meinen  eigenen  Beobachtungen  unzweifel- 
haft ist,  dass  wenigstens  die  grosse  Mehrzahl  der  Thiere  im  Golf  von 
Panama  von  denen  des  karaibischen  Meeres  specifisch  ebenso  verschieden 
ist,  wie  die  Fische  und  Weichthiere  des  rothen  Meeres  von  denen  des 
Mittelmeeres  abweichen,  und  dass  die  Hauptursache  dieser  räumlichen 
Abgrenzung  beider  Ozeanfaunen  in  dem  trennenden  Damm  der  Land- 
enge liegt,  so  hat  letzterer  die  Natur  dagegen  für  die  terrestrischen 
Organismen  eine  entgegengesetzte  Rolle  zugetheilt.  Für  die  Wanderung 
der  Landthiere  und  Landpflanzen  war  der  Isthmus  von  Panama  und 
Darien  offenbar  die  einzige  vermittelnde  Hauptstrasse  zwischen  beiden 
Continentalhälften,  die  verbindende  Brücke,  auf  der  sich  die  Arten  von 
Nord  nach  Süd  und  in  umgekehrter  Richtung  durch  Migration  verbrei- 
teten. Den  Organismen  des  Süsswassers  aber  setzte  die  eigenthümliche 
vertikale  Gliederung  des  Landes,  die  dessen  hydrographische  Verhält- 
nisse bestimmte ,  eine  nur  theilweise  überschreitbare  Schranke ,  welche 
genügte,  um  für  die  Mehrzahl  der  hier  vorkommenden  Flussfischarten 
eine  bestimmte  Verbreitungsgrenze  gegen  die  Flussgebiete  Südamerika's 
zu  ziehen. 

Bevor  ich  in  eine  Skizze  der  Oberflächengestalt  des  Isthmus  ein- 
gehe, mögen  mir  über  die  Ursachen,  wesshalb  dieser  wichtigste  Theil 
des  tropischen  Amerika  für  die  beschreibende  Naturgeschichte  so  lange  eine 
,, terra  incognita"  geblieben,  einige  eingehende  Bemerkungen  gestattet  sein. 
Als  Winke  und  Warnungen  haben  dieselben  vielleicht  für  künftige  Rei- 
sende, welche  die  Natur  dieses  höchst  interessanten  Landes  studieren 
und  als  Sammler  seine  reichen  Schätze  ausbeuten  wollen,  einigen  Werth. 

Klimatische  Einwirkungen  haben  zweifelsohne  sammelnde  Forscher 
am  meisten  von  einer  Exploration  dieser  Provinzen  abgeschreckt.  Einige 
muthige  Männer,  welche  den  Gefahren  trotzten,  wurden  nach  kurzem 
Aufenthalt  ein  Opfer  ihres  Eifers.  Das  Klima  des  Isthmus  stand  schon 
seit    dem  Anfang    des    16.  Jahrhunderts,  wo  die    Gefährten   von    Diego 


70 

de  Nicuesa  und  Rodrigo  Colmenares1)  und  ihre  Nachfolger  unter  Pe- 
drarias  Davila,  angezogen  durch  Columbus'  und  Balboa's  2)  übertriebene 
Schilderangen  von  der  Schönheit  und  dem  Goldreichthum  dieser  Länder, 
sich  hier  niederliessen  und  zu  Tausenden  hinsiechten,  bis  auf  die  neueste 
Zeit,  wo  der  Bau  der  Panamaeisenbahn  vielen  Hunderten  von  arbeitenden 
Europäern,  Chinesen  und  Kulis  das  Leben  kostete,  im  übelsten  Ruf.  Mag 
die  abschreckende  Schilderung,  welche  die  spanischen  Geometer  Don  Jorge 
Juan  und  Don  Antonio  Ulloa  in  ihrem  berühmten  Werk 3)  vom  Klima  des 
Isthmus  machten,  auch  Uebertreibungen  enthalten,  richtig  ist  jedenfalls 
ihre  Bemerkung:  die  nächste  Wirkung  dieses  Klima's  sei,  die  Kräfte  des 
Europäers  zu  verzehren.  Namentlich  wurde  der  schöne  von  Columbus 
entdeckte  Hafen  Portobelo,  welcher  zur  Zeit  des  Galionenverkehrs  für 
die  Ausfuhr  der  edlen  Metalle  Südamerika's  eine  grosse  Wichtigkeit 
hatte,  als  ,,Sepultura  de  los  Europeos"  schreckhaft  bezeichnet.4)  That- 
sache  ist,  dass  kein  Abkömmling  der  weissen  Race  diesen  verderblichen 
klimatischen  Einflüssen  ganz  entgeht,  die  selbst  für  die  Blendlinge  der 
afrikanischen   und  amerikanischen  Race  nicht    ohne  Nachtheil  sind. 

Wer  hier  auf  einer  pflanzenüppigen  Erde  in  heissfeuchter  Luft  bei 
einer  mittleren  Jahrestemperatur  von  -+-  26°  C.  den  giftigen  Miasmen 
der  Tiefregion  nicht  erliegt,  fühlt  doch  bald  ihre  schädliche  Wirkung. 
Die  französischen  Akademiker  La  Condamine  und  Bouguer,  welche 
in  der  ersten  Hälfte  des  vorigen  Jahrhundert  die  Landenge  durchkreuzten, 
um  in  der  Aequatorialzone  ihre  Gradmessungen  auszuführen ,  fühlten 
sich  von  der  Hitze  so  angegriffen,  dass  sie  nicht  einmal  eine  Höhen- 
messung der  Wasserscheide  zwischen  beiden  Ozeanen  vollzogen ,  eine 
unverzeihliche  Nachlässigkeit,  wenn  man  die  hohe  Wichtigkeit  dieser 
hypsometrischen  Frage  für  die  Geographie  und  den  Weltverkehr  be- 
denkt.5)    Oberst  Lloyd  im  Auftrage  Bolivar's  (1829)  und  der  Ingenieur 


1)  S.  P.  Martyr  „De  rebus  oceanicis  et  novo  orbe"  (1574  Cöln)  lib.  X.  und  Pascual   de  Anda- 
goya:  ,,  Establiciementos  de  los  Espanoles  en  el  Darien." 

2)  S.  Las  Casas  II.  Cap.  25.  Historia  del  Almirante  Cap.  95  und  die  Briefe   von  Vasco  Nunez 
de  Baiboa  an  König  Ferdinand  in  der  Sammlung  von  Navarrete,  Aren  de  Ind.  de  Sevilla  1.  7. 

3)  „Noticias  secretas  de  America"  Cap.  II. 

4)  S.  I.  E.  Wappaeus,  Handbuch  der  Geographie  und  Statistik  S.  377. 

5)  In  La  Condamine's   „Journal  du  voyage  fait  par   ordre  du  Roi   ä  l'Equateur"   (Paris  1751) 
findet  sich  Seite  8  und  10  die  umständliche  Schilderung  der  Reise  durch  den  Isthmus  und 


71 

Napoleon  Garella  im  Auftrage  der  französischen  Regierung  (1844) 
führten  einige  derartige  Messungen  aus ,  flohen  aber  schon  nach  einem 
Aufenthalt  von  einigen  Monaten  ein  Land,  dessen  Klima  ihre  Thätigkeit 
lähmte  und  ihr  Leben  gefährdete.1)  Der  Botaniker  Edmonston,  welcher 
die  brittische  Expedition  des  Schiffes  Herald  begleitete  und  einige  Theile 
des  Isthmus  explorirte,  erlag  an  der  Küste  von  Choco  dem  Fieber  (1846). 
Dr.  Graham,  ein  amerikanischer  Botaniker,  der  auch  Darien  bereiste, 
starb  (1849)  in  Chagres  nach  wenigen  Wochen.  Der  im  Auftrage  einer  Ge- 
sellschaft brittischer  Zoologen  nach  dem  Isthmus  geschickte  ornitholo- 
gische  Sammler  Damiano  Floresi  starb  nach  Gould's  Mittheilung  schon 
nach  wenigen  Tagen  seines  Aufenthalts  in  dem  ,, Pestilenzland  von  Panama." 

Strain  mit  seinen  Gefährten  erlag  bei  seiner  Ueberschreitung  der 
Landenge  von  Darien  zwischen  der  Caledonia-Bay  und  dem  Golf  von 
San  Miguel  (1854)  dem  Hunger  und  der  Erschöpfung.  2)  Nur  der 
längere  Zeit  dort  verweilende  Botaniker  Warscewicz  aus  Krakau  (1845) 
und  der  verdienstvolle  Reisende  Dr.  Berthold  Seemann,  Edmonston's 
Nachfolger  der  Herald-Expedition  (1847),  kamen  mit  dem  Leben  davon, 
weil  ihre  Excursionen  sich  auf  den  minder  ungesunden,  aber  auch 
pflanzenärmeren  Theil  an  der  pacifischen  Abdachung  beschränkten. 
Nach  kurzem  Verweilen  in  der  dortigen  Tiefregion  suchten  beide  Sammler 
die  höheren  Terrassen  der  Cordillere  von  Veragua  auf,  wo  sie  Gesundheit 
und  Kräfte  wieder  herstellten.  Dr.  Seemann's  Herbarium  und  die  von 
ihm  publicirten  Pflanzenbeschreibungen  bilden  den  einzigen  Beitrag,  den 
wir  bis  jetzt  über  die  Flora  des  Isthmus  von  Panama  besitzen.3)  Leider 
ist  in  seinem  Werk  die  geographische  Vertheilung  der  Vegetation  un- 
berücksichtigt geblieben. 

Andere  Ursachen,  welche  reisende  Naturforscher  von  einer  Explo- 
ration des  Isthmusgebietes  abschreckten,   waren :  die  schwierige  Zugäng- 

des  anderthalbmonatlichen  Aufenthalts  in  Panama.  Die  beiden  französischen  Akademiker 
waren  mit  den  besten  Instrumenten  ausgestattet,  schienen  aber  von  der  Wichtigkeit  einer 
Kenntniss  der  Höhe  des  Scheitelpunktes  zwischen  beiden  Ozeanen  nicht  einmal  eine  Ahnung 
zu  haben. 

1)  S.  Zeitschrift  für  allgemeine  Erdkunde.    Neue  Folge  2ter  Band  S.  521  u.  ff. 

2)  S.  Strain's  Zug  durch  den  Isthmus  von  Darien  im  2ten  Band  der  Zeitschrift  für  allgemeine 
Erdkunde  S.  567. 

3)  The  Botany  of  the  voyage  of.  H.  M.  S.  Herald   during   the  years    1845 — 1851   by  Berthold 
Seemann. 


72 

lichkeit  der  waldbedeckten  Binnengegenden ,  der  Mangel  an  grossen 
schiffbaren  Flussgebieten  und  der  bösartige  Charakter  der  farbigen  Be- 
völkerung. Dazu  kam  noch  die  enorme  Theuerung  aller  Bedürfnisse, 
namentlich  der  Transportmittel.  Seit  der  Entdeckung  der  Goldminen 
Californiens  und  dem  Zuge  von  vielen  tausend  Emigranten  durch  die 
Landenge,  hat  diese  Theuerung  noch  zugenommen. 

Diese  Gründe  erklären  die  äusserst  unzureichende  geographische 
und  naturhistorische  Kenntniss  des  Isthmusgebietes.  A.  v.  Humboldt's 
dringender  Wunsch  und  Rath  an  die  geographischen  Gesellschaften  von 
London  und  Nordamerika:  die  dortigen  Untersuchungen  vor  Allem  mit 
einer  geodätischen  und  hypsometrischen  Aufnahme  des  ganzen  Längen- 
profils von  der  Provinz  Choco  bis  Costarica  anzufangen,1)  wurde  schon 
wegen  des  sehr  bedeutenden  Kostenaufwandes  nie  ausgeführt.  Man 
hätte  dazu  einen  gangbaren  Pfad  über  die  ganze  Kammhöhe  der  Cor- 
dillere  von  Darien,  Veragua  und  Chiriqui  bahnen  müssen. 

Die  Hindernisse,  welche  der  üppige  tropische  Waldwuchs  in  dieser 
Region,  wo  während  des  ganzen  Jahres  tägliche  Regengüsse  fallen,  jeder 
Ortsbewegung  entgegengesetzt,  hat  schon  im  16.  Jahrhundert  der  Jesuit 
Joseph  Acosta,  der  erste  Naturbeobachter  des  amerikanischen  Fest- 
landes, eingehend  geschildert.2)  Diese  Schwierigkeiten  sind  heute  noch 
grösser,  wie  zu  jener  Zeit,  wo  wenigstens  theilweise  die  alten  Fusspfade 
noch  existirten ,  welche  den  Verkehr  zwischen  den  halb  civilisirten  In- 
dianerstämmen vermittelten.  Die  damals  noch  in  grosser  Zahl  das  Land 
bewohnenden  Eingebornen  der  tierra  firme  sind  schon  im  16.  Jahrhundert 
durch  die  spanischen  Verheerungen  und  Misshandlungen  zum  grössten 
Theil  verschwunden. 

Die  republikanische  Freiheit,  welche  hier  dem  Sturze  der  spanischen 
Herrschaft  folgte,  hat  den  Charakter  der  Bewohner,  besonders  der  zahl- 
reichen   Neger   und    ihrer    Blendlinge,    die    das    heisse    Klima    noch    am 


1)  S.  A.  v.  Humholdt's:  Erläuterungen  und  Zusätze  zu  den  „Ansichten  der  Natur"  (1849) 
S.  391. 

2)  J.  Acosta  „historia  natural  de  las  Indias."  Er  versichert  dort,  allerdings  nicht  ohne  Ueber- 
treibung,  dass  einer  seiner  Brüder  von  der  Ansiedlung  Nombre  de  Dios  nach  Panama  vier- 
zehn volle  Tage  durch  den  Urwald  wanderte  „ohne  bei  der  äussersten  Dichtigkeit  der 
Vegetation  die  Erde  zu  berühren  oder  die  Sonne  zu  sehen,  wenn  er  nicht  die  Baumwipfel 
bestieg." 


73 

besten  vertragen,  auf  das  tiefste  verdorben.  Die  Folgen  des  kalifornischen 
Transits,  der  Bau  der  interozeanischen  Eisenbahn  und  die  Leichtigkeit 
des  Geldgewinns  kamen  seit  einem  Jahrzehent  dazu,  die  allgemeine  De- 
moralisation zu  steigern.  Zur  Lichtung  des  Urwaldpfades,  zum  Tragen 
des  Gepäckes  kann  der  Reisende  die  farbigen  Einwohner  nicht  entbehren, 
aber  sie  sind  arbeitsscheu,  frech,  diebisch,  unzuverlässig  in  der  Gefahr 
—  für  den  wandernden  Naturforscher,  der  sie  für  hohen  Taglohn  dingen 
muss,   daher  mehr  eine  Plage  als  eine  Hülfe.1) 

Aus  diesen  Ursachen  wird  man  begreifen,  wesshalb  die  Geozoologie 
Amerika's  gerade  in  diesem  schmälsten  Theil  des  Welttheils  ihre  brei- 
teste Lücke  offenbart.  Professor  Schmarda  hat  in  seinem  fleissig  ge- 
arbeiteten Werke  über  „die  geographische  Verbreitung  der  Thiere"  hin- 
sichtlich des  Charakters  der  Fauna  des  eigentlichen  Centralamerika  fast 
nichts  bemerkt,  eben  weil  ihm  jede  Quelle  darüber  fehlte.2)  Dass  er 
dabei  die  Antillenfauna  nach  Mittelamerika  gezogen,  ist  ein  geographischer 
Missgriff,  denn  die  Fauna  der  westindischen  Inseln  theilt  mit  der  Thier- 
welt  des  Festlandes  keineswegs  den  specifischen  Charakter.  Von  den 
Süsswasserfischen  der  Insel  Cuba  z.  B.  reicht  nicht  Eine  Art  nach  Pa- 
nama hinüber,  und  umgekehrt  kommen  hier  nur  Arten  und  selbst  einige 
Gattungen  vor,  die  in  den  Antillen  gänzlich  fehlen.  Derselbe  Fall  wieder- 
holt sich  vergleichweise  bei  allen  Thierklassen,  denen  eine  geringe  Orts- 
bewegung eigen  ist,  z.  B.  bei  den  Skorpionen  und  Landschnecken. 

In  dem  vortrefflichen  Aufsatz,  welchen  Andreas  Wagner  über  die 
geographische  Verbreitung  der  Säugethiere  in  den  Abhandlungen  der 
Akademie  veröffentlichte,3)  ist  fast  von  keiner  südamerikanischen  Art  die 

1)  Um  z.  B.  nur  einige  Blüthen  der  ,,flor  del  espiritu  santo"  (Peristeria  alata),  jener  wunder- 
baren Orchidee,  welche  nur  in  den  Sumpfgegenden  von  Gatun  vorkommt,  sich  zu  ver- 
schaffen, muss  man  dem  Neger  der  sie  holt,  mindestens  einen  Piaster  bezahlen.  Jeder  Fluss- 
fisch, den  ich  mir  in  den  Binnengegenden  des  Landes  verschaffte,  kostete  mich  mit  Ein- 
schluss  von  Weingeist  und  Transport  im  Durchschnitt  3  Pesos  (15  Francs).  So  viele  seltene 
neue  Pflanzen  und  Thierarten  auch  noch  jetzt  das  waldbedeckte  Innere  des  Isthmus  bergen 
mag,  so  wird  doch  kein  reisender  Naturforscher  hoffen  dürfen,  durch  den  Geldwerth  der 
gesammelten  Objecte  auch  nur  die  Hälfte  der  enormen  Kosten  zu  decken. 

2)  „Die  geographische  Verbreitung  der  Thiere"  von  Ludwig  K.  Schmarda  (Wien  1853)  enthält 
S.  324 — -331  Bemerkungen  über  Mittelamerika,  die  sich  weder  auf  den  Isthmus  von  Panama 
noch  auf  die  fünf  Republiken  im  eigentlichen  Centralamerika  beziehen.  Selbst  hinsichtlich 
der  Fischfauna  der  Antillen  bemerkt  Schmarda  (S.  328):  „meine  Daten  darüber  sind  so 
gering,  dass  es  gewagt  erscheinen  würde,  etwas  Bestimmtes  darüber  zu  sagen." 

3)  Abhandlungen  der  k.  bayer.  Akademie  der  Wissenschaften,  Jahrg.  1844. 

Abb..  d.  IL  Cl.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  X.  Bd.  I.  Abth.  10 


74 

nördliche  Grenze  ihres  Vorkommens  gegen  Centralamerika ,  sowie  die 
südliche  Grenze  der  mexikanischen  Arten  gegen  Guatemala  mit  Schärfe 
und  Bestimmtheit  angegeben,  weil  bei  dem  Mangel  an  Beobachtungen 
jede  sichere  Thatsache  darüber  fehlte.  Gould  hat  in  seiner  grossen 
Monographie  der  Trochiliden  nur  die  wenigen  Arten  beschrieben,  die 
ihm  Warscewicz  und  Floresi  vom  Isthmus  zugeschickt  hatten.  Er  fügt  die 
Bemerkung  bei:  das  Innere  des  Staates  Panama  sei  in  ornithologischer 
Beziehung  noch  eine  vollkommene  ,, terra  incognita".  In  den  ornitholo- 
gischen  Werken  von  Swainson,  Gray,  Bonaparte  sind  nur  wenige 
eigenthümliche  Vogelarten  von  Centralamerika,  keine  Art  aus  dem  eigent- 
lichen Isthmus  angeführt.  Dieselbe  Lücke  zeigt  sich  in  Betreff  der 
Amphibien.  Indem  grossen  Amphibien  werk  von  Dumeril  und  Bibron, 
welches  so  viele  Arten  aus  den  verschiedensten  Ländern  beschreibt, 
fehlt  jede  Angabe  über  die  Erpetologie  Centralamerika's.  Cuvier,  der 
im  Prospektus  seines  berühmten  mit  Valenciennes  gemeinsam  bearbei- 
teten Werkes  ,,histoire  naturelle  des  poissons"  eine  geographische  Ueber- 
sicht  des  bedeutenden  ichthyologischen  Materials  gibt,  das  ihm  durch 
reichhaltige  Zusendungen  aus  allen  Weltgegenden  geliefert  wurde,  macht 
von  den  Süsswasserfischen  Centralamerika's  keine  Erwähnung.  Dieselbe 
zoogeographische  Lücke  zeigt  der  Günther' sehe  Catalog  der  Fische  des 
brittischen  Museums. x)  Auch  in  den  verschiedenen  ichthyologischen 
Werken  und  Abhandlungen  von  Müller  und  Troschel,  Kner,  Agassiz, 
de  Kay ,  Storer ,  Gill ,  Hoolbrock,  Poey  etc.  etc. ,  welche  amerikanische 
Fischarten  beschrieben,  fehlt  jede  vergleichende  Angabe  hinsichtlich  des 
Uebergangs  und  Zusammenhangs  der  Süsswasserfaunen  von  Südamerika 
mit  denen  von  Mexico  und  Nordamerika  durch  den  Isthmus  von  Panama. 
Die  geographische  Verbreitung  der  Süsswasserfische  zeigt  nach  der 
Ausdehnung  und  Abgrenzung  der  Flusssysteme  bald  grosse  und  weite, 
bald  auch  ziemlich  eng  geschlossene  Bezirke  mit  scharf  bestimmten 
Grenzen  für  die  einzelnen  Arten.  In  der  Regel  aber  ist  die  fluviatile 
Fauna  von  der  Oberflächengestalt  des  Bodens ,  welche  die  Form ,  Aus- 
dehnung und  Richtung  der  Flussgebiete  bestimmt,  abhängiger  als  die  der 
meisten  Landthierordnungen.    Ausnahmen  von  sporadischem  Vorkommen 

1)  Dr.  A.  Günther:   Catalogue  of  the  Acanthopterygian  Fishes  of  the  collection  of  the  british 
Museum.  London  1859. 


75 

identischer  Fischarten  ohne  allen  geographischen  Zusammenhang  in  weit 
von  einander  getrennten  Flusssystemen  sind  selten  und  dann  immer  aus 
natürlichen  Ursachen  zu  erklären.  Grössere  Inseln,  die  von  breiten  und 
tiefen  Meeren  umgeben  sind,  wie  Japan,  Neu-Seeland,  Madagascar,  haben 
durchaus  eigenthümliche  Fischarten.  Schroff  ansteigende  Hochgebirge, 
oder  grosse  dazwischen  liegende  Wüsten ,  welche  die  einzelnen  Fluss- 
gebiete trennen,  scheiden  gleichfalls  die  Arten,  doch  nicht  so  vollständig 
wie  breite  Meere.1)  Man  kann  als  eine  allgemeine  Thatsache  annehmen: 
dass,  je  abgeschlossener  ein  Flussgebiet  durch  die  Oberflächenform  der 
umgebenden  Landschaft,  oder  je  unübersteiglicher  die  Scheidewand  ist, 
welche  es  von  anderen  Flussgebieten  trennt,  desto  eigenthümlicher  sind 
in  der  Regel  die  darin  vorkommenden  Thierarten.2)  In  Gegenden  aber, 
wo  trotz  der  dazwischen  liegenden  Landschwellen  oder  Meere  zwei  ver- 


1)  So  z.  B.  sind  die  westlichen  Alpen  und  die  Centralalpen  der  Schweiz  und  Tyrols  eine  wahre 
Scheidegrenze  für  die  Arten  und  selbst  für  manche  Gattungen  von  Flussfischen,  wie  noch 
neuerdings  Professor  Dr.  Kner  in  seiner  Darstellung  der  geographischen  Vertheilung  der 
Süsswasserfische  Oesterreichs  nachgewiesen  hat.  Der  Po  und  die  Etsch,  deren  Quellen  von 
denen  des  Rheins  und  des  Inns  nur  durch  Zwischenräume  von  geringer  Breite,  aber  durch 
einen  schroffen  alpinen  Höhenkamm  getrennt  sind,  zeigen  hinsichtlich  der  Fischfauna  eine 
grössere  Verschiedenheit  von  den  letztgenannten  Flüssen,  als  z.  B.  der  Rhein  von  der 
Donau  und  selbst  vom  Dniester  und  Pruth.  Der  Kaukasus  trennt  die  Fischarten  des  Kuban 
und  Tereck  von  denen  des  Kur  und  Araxes  ebenso  vollständig,  wie  die  Insekten  und  Land- 
schnecken von  Cis-  und  Trans-Kaukasien.  Sämmtliche  Fischarten,  welche  ich  i  J.  1844 
in  Transkaukasien  sammelte,  sind  von  den  europäischen  Arten  verschieden.  Dagegen  haben 
die  Flüsse  Kleinasiens  und  Armeniens  an  ihren  nördlichen  Gehängen  dieselben  Fischarten 
wie  das  östliche  Europa,  während  das  Flussgebiet  des  Euphrat  an  der  Südseite  der  arme- 
nischen Gebirge  nach  der  Untersuchung  der  ichthyologischen  Sammlungen  Kotschy's  durch 
Dr.  Heckel  in  Mehrzahl  ganz  verschiedene  Species  besitzt.  Erstere  bemerkenswerthe  That- 
sache zeugt  für  den  einstigen  Zusammenhang  Europa's  und  Asiens  am  Bosporus  ebenso 
entschieden  wie  die  geognostische  Untersuchung  der  Meerenge.  Das  Vorkommen  von  Ver- 
tretern der  Characinen,  einer  für  Afrika  und  Amerika  charakteristischen  Fischfamilie,  in 
den  Flüssen  Spaniens ,  lässt  ebenso  wie  das  Vorkommen  anderer  charakteristischer  Thier- 
formen,  die  im  übrigen  Europa  nicht  auftreten,  z.  B.  einer  Affenart  auf  den  Felsen  von 
Gibraltar,  des  Chamäleons,  einer  Amphisbaena,  verschiedener  Arten  der  Arachnidengattung 
Androctonus ,  der  Käfergattung  Sepidium  und  besonders  vieler  identischer  Helix- Arten  auf 
einen  früheren  Zusammenhang  Spaniens  und  Nordafrika's  schliessen,  bevor  der  spaltenartige 
Durchbruch  der  ,, Säulen  des  Herkules"  erfolgte  und  durch  Erosion  erweitert  wurde. 

2)  Sehr  auffallend  zeigt  sich  diess  z.  B.  bei  den  Fischen  des  Flusses  Herirud  in  Persien,  welcher 
Zuflüsse  aus  den  nordöstlichen  Gebirgen  Persiens  empfängt,  aber  weder  das  Meer  noch  den 
Binnensee  von  Tuschak  erreicht,  da  all  sein  Wasser  durch  die  künstlichen  Bewässerungskanäle 
in  dem  trockenen  Land  aufgebraucht  wird.  Nach  den  Untersuchungen  des  Grafen  Keyserling, 
welcher  die  russische  wissenschaftliche  Commission  nach  Herat  begleitete,  hat  der  Herirud  durch- 
aus eigenthümliche  Fischarten,  welche  sich  ganz  auf  die  Familie  der  Cyprinen  beschränken. 

10* 


76 

schiedene  Stromgebiete  in  grösseren  Entfernungen  von  den  gleichen 
Arten  bevölkert  sind,  lassen  sich  in  den  meisten  Fällen  auch  gewichtige 
geologische  Gründe  auffinden,  die  für  einen  früheren  Zusammenhang  der 
jetzt  getrennten  Flussgebiete  und  für  eine  beträchtliche  Aenderung  der 
Niveauverhältnisse  während  der  jüngeren  geologischen  Perioden  sprechen. 
Einige  Ausnahmsfälle,  wo  es  überaus  schwer  ist,  das  sporadische  Vor- 
kommen von  identischen  Fischarten  nach  der  Theorie:  dass  jede  Art 
ursprünglich  von  einem  gemeinsamen  Mittelpunkt  ausgegangen ,  zu  er- 
klären, kommen  allerdings  vor.  Die  Ursachen  solcher  Anomalien  liegen 
jedoch  wie  Darwin  richtig  bemerkt,  höchst  wahrscheinlich  sowohl  in 
früheren  öfters  wiederholten  Veränderungen  der  Erdoberfläche,  als  auch 
in  zufälligen  Verschleppungen  der  befruchteten  Eier  durch  die  ver- 
schiedenartigen Transportmittel,  über  welche  die  Natur  mittelst  Strömun- 
gen,  Stürmen,  Wasservögeln  etc.  verfügt. 

Wenn  wir  den  Gebirgsbau  sowie  die  Richtung  und  Ausdehnung  der 
Flussläufe  in  den  Provinzen  Darien,  Panama,  Veragua  mit  dem  davon 
völlig  verschiedenen  Charakter  der  vertikalen  Gliederung  und  der  hydro- 
graphischen Systeme  Südamerika's  vergleichen,  so  ist  die  Eigenthüm- 
lichkeit  der  Süsswasserfauna  jener  Provinzen  vollkommen  begreiflich. 
Ebenso  erklären  sie  durch  die  plötzliche  schroffe  Aenderung  in  der  Ober- 
flächenform des  Isthmus  zwischen  der  Sierra  del  Penon  grande  und  der 
Sierra  Trinidad,  wo  in  einer  Länge  von  sieben  geographischen  Meilen 
die  Gebirgskette  verschwindet  und  durch  niedrige  Hügelgruj>pen  (Cerros) 
ersetzt  wird,  die  in  Amerika  bis  jetzt  einzig  dastehende  Thatsache: 
einer  theilweise  vorkommenden  Identität  der  Flussfischarten  auf  beiden 
entgegengesetzten  Gehängen  der  Wässerscheide.  Vor  der  Untersuchung 
meiner  ichthyologischen  Ausbeute  durch  Dr.Kner  war  kein  Fall  bekannt, 
der  das  Vorkommen  der  gleichen  Fischarten  an  den  Flussmün- 
dungen beider  Ozeanküsten  nachwies. 

Die  Cordillere  von  Darien,  welche  von  der  Sierra  del  Sol  unter 
8°  N.  B.  und  79°  30m  W.  L.  v.  P.  bis  zu  den  Altos  de  Maria  Enrique 
unter  9°  26 m  N.  B.  81°  35 m  W.  L.  ununterbrochen  von  Ost  nach  West 
streichend  fortsetzt,  bildet  für  sich  ein  von  den  südamerikanischen  Cor- 
dilleras  de  los  Andes  getrenntes  selbstständiges  Gebirgssystem.1) 

1)  Ich  habe   diese  geographische  Thatsache,   welche   mit   den   älteren  Ansichten  Humboldt's, 


77 

Die  Hydrographie  zeigt  mit  der  schroffen  Umgestaltung  in  der 
horizontalen  und  vertikalen  Configuration  des  Welttheils  aus  einem 
breiten  von  mächtigen  Hochgebirgen  durchzogenen  Continent  in  einen 
schmalen  und  relativ  niedrigen  Isthmus  sehr  veränderte  Verhältnisse. 
Die  ausgedehnten  Flussnetze,  die  grossen  Stromgebiete  Südamerika's, 
welche  noch  in  der  Provinz  Choco  an  dem  wasserreichen  Rio  Atrato 
einen  majestätischen  Repräsentanten  aufweisen,  verschwinden  selbst  an 
der  atlantischen  Seite. 

Es  zeigt  sich  in  Darien  und  Veragua  sogar  eine  auffallende  Ano- 
malie gegen  die  hydrographischen  Verhältnisse  aller  übrigen  Länder 
Amerika's,  indem  die  in  den  atlantischen  Ozean  mündenden  Flüsse  einen 
beträchtlich  kürzeren  Lauf  haben,  minder  wasserreich  und  für  die  Schiff- 
fahrt ungünstiger  sind,  als  die  Flüsse  der  pacifischen  Abdachung. 

Von  dem  hydrographischen  System  des  Rio  Atrato  und  seinen  süd- 
westlichen Confluenten  sind  die  Höhenzüge  geschieden,  welche  in  der 
von  Kiepert  veröffentlichten  Spezialkarte  des  Obersten  Codazzi  als 
Cerros  de  Nique  und  Cerros  del  espiritu  santo  bezeichnet  sind.  Die  Er- 
hebungsaxe  derselben  ist  von  S.  S.  W.  nach  N.  N.  0.  gerichtet.  Dieser 
Höhenzug  erscheint  als  der  letzte  südliche  Ausläufer,  welcher  aus  einer 
Querspalte  gehoben  und  die  Parallelrichtung  der  Isthmuscordillere  recht- 
winklig schneidend  im  Norden  an  dieselbe  sich  anlehnt.  Im  Süden  hat 
dieses  hohe  Querjoch  an  den  Altos  de  Espave,  die  wahrscheinlich  von 
jüngerem  Ursprung  sind,  eine  Art  Fortsetzung  bis  gegen  die  Ozeanküste. 
Nach  der  Augenschätzung  der  wenigen  Reisenden  und  Goldsucher,  welche 
bis  jetzt  in  die  oberen  Gegenden  nahe  der  Wiege  des  Rio  Tuira  einge- 
drungen sind,  hat  dieser  transversale  Höhenzug  eine  mittlere  Kammhöhe 
von  etwa  2200',  während  die  höchsten  Gipfel  bis  gegen  3000'  empor- 
steigen. Es  sind  dieselben  Berge,  welche  Vasco  Nuiiez  de  Baiboa,  der 
Entdecker  der  Südsee,  in  seinen  Briefen  an  König  Ferdinand  mit  un- 
geheurer Uebertreibung    sowohl   in  Bezug    auf  ihre  Höhe    als    auf  ihren 


der  die  Provinz  Darien  nie  selbst  gesehen,  sondern  nur  nach  mangelhaften  Kartenzeich- 
nungen kannte,  sowie  mit  den  Darstellungen  der  geographischen  Handbücher  in  Wider- 
spruch steht,  in  einer  ausführlichen  Abhandlung  der  „Berliner  Zeitschrift  für  allgemeine 
Erdkunde"  (Jahrg.  1861)  nachgewiesen.  Professor  Wappaeus  hat  sich  zwar  gegen  meine 
dort  angeführten  Gründe  ausgesprochen,  ohne  sie  jedoch  zu  widerlegen. 


78 

Goldreichthum  schildert.1)  Sie  waren  damals  stark  bevölkert,  sind  aber 
jetzt  einsame  Wildnisse,  und  gehören  zu  den  unbekanntesten  Land- 
schaften  des  tropischen  Amerika. 

Für  die  Hydrographie  von  Mittelamerika  und  die  geographische 
Verbreitung  der  Fische,  sind  diese  Cerros  de  Nique  von  besonderer  Be- 
deutung, denn  sie  scheiden  einerseits  die  süssen  Wasser  Dariens  von 
den  Confluenten  des  Rio  Atrato,  anderseits  von  den  in  die  Südsee  mün- 
denden Rio  Tuira  und  bedingen  auch  gleichzeitig  die  eigenthümliche 
süd-nördliche  Richtung  im  obern  Lauf  dieses  Stromes  und  seiner  Zuflüsse. 

Ohne  diesen  trennenden  transversalen  Höhendamm,  welcher  fast  den 
ganzen  Raum  zwischen  der  Südsee  und  dem  Golf  von  Uraba  einnimmt, 
würde  die  Flussfauna  von  Darien  und  Panama  mit  der  des  Atrato  gewiss 
identisch  sein,  während  dieselbe  auffallend  verschieden  ist,  wie  neuer- 
dings die  Sammlungen  des  Dr.  Arthur  Schott  aus  dem  Atratothal  und 
die  meinigen  aus  Panama  beweisen.  Sämmtliche  Gewässer  von  den 
nördlichen  Gehängen  der  Isthmuscordillere  von  Darien  sind  nur  kleine 
Küstenflüsse,  deren  Quellen  nicht  über  10  Minuten  eines  Grades,  also 
kaum  3  geographische  Meilen  von  der  Mündung  entfernt  entspringen. 
In  Folge  der  starken  Niederschläge  auf  der  Kammhöhe  sind  sie  gleich- 
wohl verhältnissmässig  wasserreich.  Im  obern  Lauf  zeigen  sie  den  ge- 
wöhnlichen Charakter  der  Gebirgsbäche ,  sind  selbst  für  Canoes  nicht 
schiffbar  und  arm  an  Fischen.  Von  einem  Mittellauf  kann  bei  so  ge- 
ringer Ausdehnung  keine  Rede  sein.  Im  untern  Lauf  sind  sie  höchstens 
bis  eine  geographische  Meile  landeinwärts  mit  Kähnen  fahrbar. 


1)  Das  Schreiben,  welches  der  Entdecker  des  grossen  Oceans  an  König  Ferdinand  richtete 
findet  sich  in  dem  aus  dem  Archiv  de  Indias  en  Sevilla  publicirten  Dokumenten  und  ist 
aus  Santa  Maria  am  Golf  von  Uraba  vom  20.  Januar  1513  datirt.  Nachdem  Baiboa  dem 
König  den  Reichthum  der  dortigen  Goldminen  (der  einst  so  ergiebigen  Minen  von  Canas, 
die  man  seit  den  Freibeutereinfällen  im  17.  Jahrh.  nicht  wieder  gefunden)  geschildert,  schreibt 
er:  „estas  minas  son  en  una  tierra  que  hay  una  Sierra  la  mas  alta  del  mundo  ä  parescer 
y  creo  que  nunca  se  ha  vtsto  otra  de  tan  gran  altura."  Es  ist  anzunehmen,  dass  Baiboa, 
die  Eingebornen  von  denen  er  diese  Mittheilungen  erhielt,  falsch  verstanden  hat,  und  dass 
diese  ihm  von  dem  fernen  Hochgebirge  der  Anden  in  der  Provinz  Cauca  erzählten,  welche 
sie  selbst  nur  der  Sage  nach  kannten.  Die  Kette,  welche  das  Flussgebiet  des  Atrato  von 
dem  des  Cauca  trennt,  wäre  allerdings  hoch  genug,  um  die  Uebertreibung  eines  Mannes, 
der  sonst  in  seinen  Briefen  nur  selten  absichtliche  Unwahrheiten  sagte,  begreiflich  zu 
machen.  Die  Berge  der  Goldminen,  welche  die  Flussgebiete  Südamerika's  von  denen  Mittel- 
amerika's  scheiden,  hat  Baiboa  erst  auf  einem  seiner  späteren  Züge  in  Darien  selbst  besucht. 


79 

Die  Flüsse  des  südlichen  Abfalles  haben  einen  wesentlich  verschie- 
denen Charakter.  Bei  den  Hauptflüssen  Rio  Tuira  und  R.  Chucunaque 
beträgt  die  ganze  Länge  des  Laufes  22  bis  24  geographische  Meilen, 
also  achtmal  so  viel  wie  die  mittlere  Länge  der  Flüsse,  welche  in  das 
karaibische  Meer  münden.  In  der  Hydrographie  Amerika's  ist  dieses 
relative  Verhältniss  ohne  Beispiel. 

Der  Rio  Tuira,  mit  welchem  der  Rio  Chucunaque  sich  vereinigt, 
hat  sein  Quellbezirk  in  dem  bereits  erwähnten  Höhenrücken  der  Cerros 
de  Nique  unter  7  °  N.  B.  Er  nimmt  bis  8  °  10'  eine  nördliche  Richtung 
und  biegt  dann  plötzlich  nach  "Westen  um.  Die  Höhe  seines  Quellgebietes, 
bis  zu  welchem  noch  kein  Forscher  vorgedrungen,  ist  nicht  durch  Mes- 
sung bekannt.  Von  Norden  und  Süden  her  empfängt  er  eine  bedeutende 
Zahl  von  Nebenflüssen.  Darien  und  Veragua  gehören  überhaupt  zu  den 
feuchtesten,  wasserreichsten  Landschaften,  und  es  gibt  sicher  nur  wenige 
Länder  der  Erde,  die  auf  einem  so  eng  begrenzten  Raum  eine  gleich 
grosse  Zahl  von  Flüssen  und  Bächen  aufzuweisen  haben.1) 

Der  Rio  Tuira  und  seine  Confluenten  sind  in  ihrem  oberen  Laufe 
wahre  Gebirgsflüsse.  Sie  gehen  meist  durch  enge  Steilschluchten  (Que- 
bradas)  sind  bei  starkem  Gefälle  sehr  reissend,  voll  Stromschnellen  und 
rollen,  besonders  nach  Gewitterregen,  gewaltige  Steinblöcke.  In  seinem 
unteren  und  mittleren  Lauf  ist  der  R.  Tuira  bis  7  Meilen  von  seiner 
Mündung  schiffbar.  Die  Aufstauung  durch  die  eindrängende  Fluth  des 
stillen  Oceans  reicht  hier  bis  5  Meilen,  im  R.  Bayano  bis  4  Meilen  von 
der  Mündung.  Salziges  Wasser  aber  dringt  bis  höchstens  2  Meilen  ein 
und  daher  halten  sich  auch  die  Flussfische  hier  ohne  Nachtheil  auf,  da 
die  Oberfläche  des  Wassers  nur  leicht  brakisch  wird. 

Unter  90°  30  m  W.  L.  v.  P.  lehnt  sich  ein  von  Süd  nach  Nord  streichen- 
des Querjoch  an  die  Parallelkette  der  Isthmuscordillere  an,  und  trennt  das 
Quellgebiet  des  Rio  Chucunaque  von  dem  des  R.  Bayano.  Die  Höhe  dieses 
Querjoches,  welches  noch  kein  Forscher  betreten  hat,  wird  auf  nahebei  1300' 
bis  1500'  geschätzt  und  ist  jedenfalls  beträchtlich  niedriger  als  der  früher 
erwähnte  Höhenzug  der  Cerros  de  Nique,  dem  auch  für  die  Hydrographie 


1)  Eine  vergleichende  Betrachtung  der  Spezialkarten  von  Codazzi  Und  Authenrieth  und 
meiner  3  Karten  des  Isthmusgebietes  von  San  Blas,  der  Landenge  von  Panama  und  der 
Provinz  West- Veragua  (Chiriqui)  wird  jeden  Geographen  von  dieser  Thätsache   überzeugen. 


80 

und  Geozoologie  eine  viel  wichtigere  Rolle  zufällt.  Der  R.  Chepo  ist 
der  bedeutendste  Zufluss  des  R.  Bayano  und  sein  oberer  Lauf  nähert 
sich  den  Quellen  des  wichtigen  R.  Chagres  bis  auf  l]/2  Meilen,  dem 
R.  de  los  Madrofios  der  Nordseite  bis  auf  \j^  Meile.  Sie  entspringen 
sämmtlich  aus  einem  waldbedeckten  Längenthal,  dessen  Inneres  noch 
nicht  durchforscht  ist.  Den  südlichen  Rand  desselben  habe  ich  mit 
meinem  Freund  Dr.  Joseph  Kratochwil  während  einer  Reise,  die  wir 
gemeinschaftlich  in  das  früher  noch  ebenso  unbekannte  Gebirge  von 
Chepo  unternahmen,  genau  untersucht.  Dieses  Längenthal  war  einstmals 
ebenso  wie  die  Kesselthäler  von  Matachin  und  Paraiso  in  der  eigent- 
lichen Landenge  von  einem  Süsswassersee  bedeckt ,  bis  der  Druck  des 
Wassers  die  Kette  im  Norden  von  Chepo  durchbrach,  dieselbe  durch  all- 
mählige  Erosion  vertiefte  und  durch  die  Spalte  des  R.  Mamoni  entleei'te. 

Der  R.  Chagres,  der  in  demselben  Längenthal  entspringt,  nimmt 
anfangs  eine  südwestliche  Richtung,  durchbricht  dann  im  Centrum  der 
Landenge  das  kreisrunde  Erhebungsthal  von  Matachin  und  wendet 
sich  durch  deren  Senkung  in  nordöstlicher  Richtung  nach  dem  karaibi- 
schen  Meer. 

In  der  Landenge  von  Panama  tritt  dann  jene  merkwürdige  Gebirgs- 
lücke  auf,  welche  zwischen  der  Sierra  del  Penon  grande  unter  81°  48' 
W.  L.  v.  P.  bis  zur  Sierra  Trinidad  unter  82°  12'  das  niedrige  Mittel- 
gebirge Dariens  von  dem  Hochgebirge  Veraguas  trennt  und  eine  beträcht- 
liche Depression  durch  das  ganze  Längenprofil  der  Erhebungsaxe  des 
Isthmus  in  einer  Ausdehnung  von  nahezu  7  geographischen  Meilen 
darstellt.1) 

Mit  dem  Verschwinden  der  Cordillere  und  der  Veränderung  in  den 


1)  Die  vertikale  Gliederung,  wie  die  hypsometrischen  und  geognostischen  Verhältnisse  in  dem 
Quer- und  Längendurchschnitt  der  Landenge,  welche  Napoleon  Garella  nur  sehr  mangel- 
haft beschrieben,  habe  ich  in  einem  umfassenden  Bericht,  den  ich  im  Jahre  1860  an  die 
Königl.  Akademie  der  Wissenschaften  zu  erstatten  die  Ehre  hatte,  ausführlich  geschildert. 
Ich  beziehe  mich  auf  einen  Auszug  dieses  Berichts,  den  ich  in  meinen  „Beiträgen  zu  einer 
physisch-geographischen  Skizze  des  Isthmus  von  Panama",  dem  Ergänzungshefte  der  „geo- 
graphischen Mittheilungen  von  Dr.  Petermann",  veröffentlichte.  Die  Spezialkarte,  welche 
dieser  ausgezeichnete  Geograph  nach  den  zum  grössten  Theil  vom  Oberst  Totten  und  dem 
amerikanischen  Ingenieur  Trautwein,  zum  kleineren  Theil  aber  von  mir  ausgeführten  karto- 
graphischen und  hypsometrischen  Aufnahmen,  meiner  Abhandlung  beigefügt  hat,  veranschau- 
licht diese  Verhältnisse. 


81 

i 

plastischen  Formen  des  Bodens,  auf  welchem  in  der  erwähnten  Länge 
statt  eines  zusammenhängenden  Kettengebirges  nur  vulkanische  Hügel- 
gruppen stehen ,  tritt  auch  in  den  hydrographischen  Verhältnissen  des 
Landes  eine  vollständige  Aenderung  ein.  Man  sieht  auf  der  von  Kiepert 
herausgegebenen  Spezialkarte  des  Obersten  Codazzi,  dass  durch  ganz 
Darien  von  den  Cerros  de  Nique  bis  zur  Sierra  del  Penon  grande  alle 
bedeutenderen  Rinnsale  des  süssen  Wassers  den  Lauf  nach  dem  stillen 
Ozean  nehmen.  Die  nördlichen  Küstengewässer  haben,  wie  gesagt,  einen 
ganz  kurzen  Lauf,  bilden  keine  eigentlichen  Flussnetze  und  sind  nicht 
schiffbar.  Hier  aber  zwingt  die  durch  eigenthümliche  geologische  Vor- 
gänge veränderte  Gestalt  der  Oberfläche  den  Rio  Chagres,  der  nach  dem 
Rio  Bayano  der  wasserreichste  Fluss  der  Provinz  Panama  ist,  zuerst  in 
südlicher  Richtung  durch  das  kreisrunde  Erhebungsthal  von  Matachin 
und  unterhalb  Cruces,  wo  er  sich  dem  stillen  Ozean  bis  auf  3  geogra- 
phische Meilen  nähert,  durch  die  Hügellücke  zwischen  Cerro  Caravali 
und  Cerro  Pelado  in  nordwestlicher  Richtung  nach  dem  karaibischen 
Meer  sich  zu  wenden.  Von  beiden  Seiten  fliessen  ihm  viele  Confluenten  zu. 
Sein  beträchtlichster  Tributärfluss  ist  der  Rio  Trinidad,  der  aus  der 
Cordillere  von  Veragua  kennt. 

In  der  Provinz  Veragua,  deren  nordöstlicher  waldbedeckter  Theil  noch 
heute  in  seinem  Innern  geographisch  fast  eben  so  unbekannt  ist,  wie  zur 
Zeit  als  Columbus  dort  die  erste  spanische  Niederlassung  am  Belenflusse 
gründete,  ändern  sich  die  vertikale  Configuration  des  Landes  und  mit 
ihr  die  Bewässerungsverhältnisse  abermals, auffallend.  Die  Cerros  de  las 
piedras,  del  Espave  und  de  la  Yaya  bilden  die  letzten  isolirten  Kuppen, 
welche  in  der  Depression  der  Landenge  emporragen.  Mit  der  Sierra 
Trinidad  unter  8°  54 m  N.  B.  und  79°  51 m  W.  L.  v.  Gr.  beginnt  ein 
anderes  Erhebungssystem.  Statt  der  Hügelgruppen  und  Kesselthäler 
von  Panama  erscheint  wieder  eine  regelmässige  Gebirgskette ,  welche 
höher  ist  und  gegen  Norden  noch  schroffer  abfällt  als  die  Isthmuscor- 
dillere  von  Darien.  In  ihrer  westlichen  Fortsetzung  geht  dieselbe  in 
ein  wirklich  alpines  Hochgebirge  über  mit  einer  mittleren  Kammhöhe 
von  4800  engl.  F.  während  einzelne  Gipfel  wie  der  Cerro  de  Saniago 
bis  9000'  und  der  Vulkan  von  Chiriqui  bis  11000'  emporsteigen.  Krystal- 
linische  Schiefer  und  granitische  Gesteine,  die  in  der  eigentlichen  Land- 
Abh.  d.U. Cl.  d.  k.  Ak. d.  Wiss. X.  Bd. I.  Abth.  1 1 


82 

enge  durch  trachytische  und  basaltische  Gebilde  ersetzt  sind,  kommen 
wieder  häufig  vor  und  scheinen  auf  der  Kammhöhe  der  Wasserscheide 
sogar  vorherrschend  anzustehen. 

Die  Kamm-  und  Gipfellinie  dieses  Gebirgs  nähert  sich  der  Parallel- 
richtung und  zeigt  erst  in  Westveragua  (Chiriqui)  einen  plötzlichen  Ueber- 
gang  in  die  Richtung  von  S.  0.  nach  N.  W.  fast  übereinstimmend  mit 
der  Cordillerenrichtung  von  Costarica.  Beträchtliche  Depressionen  des 
Gebirgs,  tief  einschneidende  Passsenkungen,  fehlen.  Es  scheint  wenigstens 
jm  östlichen  und  mittleren  Theil  der  Provinz  keine  Aussicht  vorhanden, 
eine  günstige  Einsattelung  zu  entdecken,  welche  für  eine  künstliche 
interozeanische  Wasserverbindung  einige  Chancen  darböte.  Zwischen 
den  Meridianen  80  und  81  zweigt  sich  ein  transversaler  Höhenzug  in 
südöstlicher  Richtung  ab  und  trägt  wesentlich  zur  Bildung  der  grossen 
Halbinsel  Azuero  bei,  welche  weit  nach  Süden  in  den  stillen  Ozean 
hineinragend  bis  zum  siebenten  Parallel  sich  erstreckt. 

Die  Provinz  Veragua  steht  gleichfalls  unter  dem  Einfiuss  des  nord- 
östlichen Passatwindes ,  zu  dessen  Wirkung  während  der  Regenzeit  die 
ascendirenden  feuchten  Luftströmungen  an  der  Südseeküste  hinzukommen. 
Sie  ist  ebenso  wasserreich  wie  die  Provinz  Darien.  Es  gibt  zwar  kein 
grösseres ,  weit  verzweigtes ,  vielgestaltiges  Flussnetz ,  dagegen  eine  be- 
trächtliche Zahl  von  Gebirgs-  und  Küstenflüssen,  die  in  ihrem  obern 
Lauf  durch  tief  eingeschnittene  Steilschluchten,  die  sogenannten  Quebra- 
das  oder  Barrancas  abfliessen,  deren  Entstehung  und  Form  Humboldt 
zuerst  genau  schilderte.  Sie  stimmen  in  ihrer  Form  mit  den  Barrancas 
der  Cordillere  von  Mexiko,  welche  neuerdings  Henri  de  Saussure  in 
seiner  hydrologischen  Skizze  des  östlichen  Mexiko  vortrefflich  beschrie- 
ben hat,1)  wesentlich  überein. 

Die  Flüsse  der  südlichen  Abdachung  von  Veragua  haben  in  ihrem 
oberen  Lauf  den  gewöhnlichen  Charakter  reissender  Gebirgsflüsse.  Die 
Steilheit  der  senkrechten  Barrancaswände  machen  das  tief  eingefurchte 
Bett  stellenweise  unzugänglich.  In  ihrem  unteren  Lauf  sind  es  Küsten- 
flüsse, in  deren  Mündung  die  hier  hoch  ansteigende  Fluth  des  stillen 
Oceans  mächtig   hineindringt  und  das  Flusswasser   bis  zu   einer  Entfer- 


1)  „Coup  d'oeil  sur  l'hydrologie  du  Mexique"  par  Henri  de  Saussure  (Geneve  1862)  mit  Karte. 


83 

nung  von  10  Seemeilen  aufstaut.  An  den  grösseren  Flussmündungen 
ist  das  süsse  Wasser  bis  auf  4  Seemeilen  landeinwärts  in  brakisches 
Wasser  verwandelt.  In  der  Mitte  des  Landes  ändert  der  transversale 
Ausläufer  der  Cordillere  im  Departement  Azuero  die  Richtung  der  Flüsse, 
welche  von  diesem  Höhenzug  einestheils  in  östlicher,  anderntheils  in 
westlicher  Richtung   in    das  grosse  Weltmeer  fiiessen. 

Die  hydrographischen  Verhältnisse  des  westlichen  Veragua  (Departe- 
ment Chiriqui)  sind  von  den  mittleren  und  östlichen  Distrikten  der 
Provinz  etwas  verschieden.  Ich  habe  solche  an  einem  andern  Orte 
bereits  ausführlich  geschildert.1)  Die  meisten  Gewässer  fiiessen  in  der 
grösten  Ausdehnung  ihres  Laufes  durch  flaches  Land  und  nehmen  mehr 
den  Charakter  von  Küstenflüssen  an.  In  ihrem  oberen  Lauf  sind  die 
Rinnsale  tief  eingefurcht  zwischen  den  senkrechten  Wänden  von  durch- 
waschenem  Gestein.  In  schäumenden  Katarakten  oder  wild  brausenden 
Rapids  durchströmen  sie  diese  Barrancas.  In  ihrem  mittlem  Lauf  be- 
dem  Eintritt  in  die  Savanne,  die  sich  als  Längengürtel  am  Fuss  der 
Cordillere  hinzieht,  vermindert  sich  die  Tiefe  der  Rinnsale.  Bei  geringem 
Gefälle  nehmen  auch  die  Stromschnellen  ab.  Das  Bett  wird  breiter,  der 
Uebergang  weniger  schwierig.  Im  Vergleich  mit  der  atlantischen  Seite 
zeigt  die  pacifische  Abdachung  entschieden  günstigere  Verhältnisse  für 
die  Binnenschifffahrt.  An  den  grössten  Flüssen  dringt  die  Fluth  des 
Oceans  10 — 12  Seemeilen  von  der  Mündung  einwärts  und  erleichtert 
die  Einfahrt  von  Barken  und  selbst  von  Zweimastern. 

Diese  hohe  Fluth  des  stillen  Oceans,  welche  das  süsse  Wasser  fast 
bis  an  den  Fuss  der  Cordillere  aufstaut,  hat  an  den  grösseren  Fluss- 
mündungen zur  Bildung  eines  wahren  Netzes  von  sogenannten  Esteros  mit- 
gewirkt, welche  sowohl  für  die  Küstenschifffahrt  als  für  die  geographische 
Verbreitung  der  Organismen  des  Meeres  und  der  Flüsse,  die  sich  hier  be- 
gegnen, eine  grosse  Wichtigkeit  haben.  Es  sind  kleine  Buchten  mit 
brakischem  Wasser,  durch  natürliche  Kanäle  in  verschiedenen  Rich- 
tungen verbunden.  Sie  gewähren  den  kleinen  Küstenfahrzeugen  gute 
Ankerplätze  und  erleichtern  ungemein  den  Verkehr  zwischen  den  ein- 
zelnen Küstenniederlassungen. 

1)  S.  M.  Wagner  „Physisch  geographische  Skizze  der  Provinz  Chiriqui"  mit  Karte  in  den  „Mit- 
theilungen aus  Justus  Perthes  geographischer  Anstalt"  Heft  IV  Jahrgang  1863. 

11* 


84 

Die  drei  Provinzen  Darien,  Panama  und  Veragua  liegen  innerhalb 
der  Isothermen  von  25 — 26°Cels.  Die  mittlere  Temperatur  des  Wassers 
in  den  meisten  Flüssen  der  Tiefregion  bis  1200'  Höhe,  die  ich  unter- 
suchte, schwankt  in  der  trockenen  Jahreszeit  von  +22 — 25  °C.  In  der 
Regenzeit,  wo  die  Flüsse  durch  starke  Gewitterregen-  oft  hoch  an- 
schwellen, sinkt  die  Temperatur  gewöhnlich  um  einige  Grade  tiefer.  In 
der  Region  über  2000'  geht  die  Temperatur  der  Gebirgsbäche  bis  auf 
18  Centigrade  und  in  der  Regenzeit  sogar  noch  tiefer.  Sehr  reissende 
Flüsse  mit  seichtem  Bett  und  starkem  Gefälle  wie  der  Rio  de  las  Piedras 
bei  Bugaba  zeigen  besonders  während  der  Regenzeit  eine  etwas  niedri- 
gere Temperatur. 

In  Uebereinstimmung  mit  den  geschilderten  physischen  Verhältnissen 
des  Landes  zeigt  die  ichthyologische  Fauna  des  Isthmus  von  Panama  fol- 
gende charakteristische  Züge: 

1)  Die  vorkommenden  generischen  Typen  sind  ausschliesslich  tropisch. J) 

2)  Die  Familien  der  Chromiden,  Characinen  und  Siluriden  sind  ver- 
hältnissmässig  am  meisten  vertreten.  Dagegen  fehlen  die  Familien  der 
Cyprinen  und  Esocen  und  die  in  Nordamerika  reich  vertretene  auch  in 
Südamerika  und  auf  den  Antillen  vorkommende  Familie  der  Pereiden 
gänzlich. 

3)  Die  Fauna  zeigt  im  Verhältniss  zur  geringen  Artenzahl  eine  be- 
deutende Mannigfaltigkeit  der  Formen.  Das  Verhältniss  der  vorkom- 
menden Familien  zu  den  Arten  ist  wie  2  zu  5 ,  während  es  in  Mittel- 
europa wie   1  zu  6,  in  Nordamerika  wie   1  zu  8  ist. 

4)  Die  vorkommenden  Gattungen  stimmen  mit  den  südamerikanischen 
im  Wesentlichen  überein  mit  Ausnahme  der  Gattung  Chalcinopsis,  welche 
dem  Isthmus  eigentümlich  anzugehören  scheint.  Dagegen  sind  viele 
in  Südamerika  vorkommende  Fischgattungen  in  den  Flüssen  des  Isthmus 
nicht  vertreten.  Gymnotinen,  welche  noch  im  R.  Atrato  vorkommen, 
fehlen  im  Isthmusgebiet. 

5)  Die  Zahl  der  Arten  ist  im  Vergleich  mit  den  Flussfaunen  Süd- 
amerika^ sehr  gering,  was  sowohl  durch  die  geographische  Abgeschlossen- 


1)  Die  Gattung  Pimelodus  erinnert  zwar  an  verwandte  Formen  in  den  nördlicheren  und  ge- 
mässigten Zonen,  doch  erscheinen  dieselben  dort  nur  wie  aus  dem  Süden  eingewanderte 
Fremdlinge. 


heit    des    Isthmus,    als    durch    die    geringe   Ausdehnung    der   Flussnetze 
erklärbar  ist.1) 

6)  Alle  vorkommenden  Arten  sind  Raubfische  d.  h.  solche  die  nur 
animalische  Nahrung  aufnehmen  und  theils  Krusten-  und  Kerbthiere, 
theils  andere  Fische  verzehren.  Pflanzenfressende  Fische,  wie  die  in 
Europa  und  Asien  so  zahlreich  vertretenen  Arten  der  Karpfenfamilie, 
fehlen  gänzlich. 

7)  Die  Mehrzahl  der  vorkommenden  Arten  ist  dem  Lande  eigen, 
oder  wenigstens  anderwärts  noch  nicht  nachgewiesen. 

8)  Die  Minderzahl  der  vorkommenden  Arten  hat  das  Isthmusgebiet 
mit  den  östlichen  Flüssen  des  tropischen  Theiles  von  Südamerika  gemein. 
Dieselben  Arten  scheinen  dagegen  am  westlichen  Abhang  der  Anden  von 
Neugranada,  Ecuador,  Peru,  Bolivia  ganz  zu  fehlen. 

9)  Die  Zahl  der  Individuen  ist,  sowohl  im  Verhältniss  zur  Zahl  der 
Gattungen  und  Arten  als  im  Vergleich  mit  den  Süsswasserfaunen  von 
Süd-  und  Nordamerika  sehr  gering  —  ein  Umstand  der  dem  ausschliess- 
lichen Vorkommen  von  gefrässigen  Raubfischarten,  die  sich  gegenseitig 
vertilgen,  und  besonders  der  geringern  Tiefe  und  Ausdehnung  der  Flüsse, 
die  den  schwächeren  Fischen  das  Entrinnen  vor  ihren  stärkeren  Gegnern 
erschwert,  zuzuschreiben  ist. 

10)  Die  vorhandenen  Arten  überschreiten  in  Mehrzahl  die  Wasser- 
scheide und  kommen  an  beiden  entgegengesetzten  Gehängen  vor.  Die 
Verbreitungslinie  (Invasionslinie  nach  Darwin)  geht  also  hier  sowohl  von 
Ost  nach  West,  als  von  Nord  nach  Süd,  während  sie  sowohl  in  Süd- 
amerika wie  im  eigentlichen  Nordamerika  vorherrschend  nur  der  meri- 
dionalen  Richtung  folgt.  Ob  dieses  Vorkommen  sich  an  den  verschie- 
denen tiefsten  Depressionen  des  ganzen  centralamerikanischen  Isthmus 
(in    den  Landengen  von  Nicaragua  und  Tehuantepec)  wiederholt,    dürfte 


1)  Man  darf  als  allgemeine  Thatsache  annehmen:  je  länger  der  Lauf  eines  Stromes  ist,  und 
je  mehr  wasserreiche  Tributärfiüsse  ihm  aus  verschiedenen  Himmelsgegenden  zufliessen, 
desto  grösser  ist  auch  die  Artenzahl  der  Fische.  Die  grösste  Mannichfaltigkeit  an  Formen 
sowohl  wie  an  Sippen  zeigen  zweifelsohne  solche  Ströme,  welche  wie  der  Amazonas  und 
Orinoko  in  der  Parallelrichtung  niessend,  zahlreiche  Confluenten  von  Nord  und  Süd  und 
aus  verschiedenen  Höhen,  also  Zuflüsse  aus  sehr  verschiedenen  Klimaten  empfangen.  Im 
Isthmus  von  Panama  sind  die  hydrographischen  und  klimatischen  Verhältnisse  unendlich 
beschränkter  und  einförmiger.     Daher  auch  die  geringe  Artenzahl. 


86 

aus  Gründen  der  Analogie  in  den  geologischen  und  hydrographischen 
Verhältnissen  anzunehmen  sein,  ist  aber  noch  nicht  mit  Sicherheit  nach- 
gewiesen. 

Für  die  Zoogeographie  Amerika'«  ist  letztere  durch  meine  Beobach- 
tungen und  Sammlungen  im  Isthmus  von  Panama  zum  erstenmal  erwie- 
sene Thatsache  einer  Kreuzung  der  Invasionslinien  der  Arten,  welche 
hier  sowohl  in  der  Richtung  der  geographischen  Länge  wie  der  Breite 
sich  fortziehen,  von  besonderer  Wichtigkeit.  Dieselbe  beschränkt  sich 
hier  nicht  blos  auf  die  Süsswasserfische ,  sondern  zeigt  sich  auch  bei 
allen  übrigen  Thierklassen ,  und  noch  mehr  bei  den  Pflanzen.  Eine 
genaue  Einsicht  in  die  horizontale  und  vertikale  Configuration  wie  in 
die  hypsometrischen  Verhältnisse  der  Landschaften  zwischen  der  Man- 
zanillobai  und  dem  Golf  von  Panama  dürfte  diese  von  allen  übrigen 
Ländern  Süd-  und  Nordamerika^  abweichende  Verbreitungsrichtung  der 
Organismen  begreiflich  machen.1) 

Die  ausserordentliche  Verengung  des  Isthmus  und  die  Senkung  seiner 
Oberfläche,  wie  solche  hier  durch  den  ganzen  Quer-  und  Längendurch- 
schnitt zwischen  beiden  Oceanküsten  stattfindet,  das  plötzliche  Ver- 
schwinden der  Gebirgskette,  die  geringe  Höhe  und  Breite  der  Querjöcher 
und  Landschwellen  (Lomas),  welche  die  vulkanischen  Hügelgruppen  und 
Kesselthäler  verbindend  die  Wasserscheide  bilden,  der  vorherrschende 
nordöstliche  Passatwind,  der  hier  das  ganze  Jahr  ohne  Unterbrechung 
über  die  Landenge  hinstreicht,  die  in  die  Flüsse  tief  eindringende  Fluth 
beider  Oceane ,  die  tägliche  Wanderung  der  Wasservögel  von  einem 
Meeresgestade  zum  andern  —  all'  diese  Verhältnisse  und  Umstände  waren 
hier  seit  undenklichen  Zeiten  sowohl  der  freien  als  der  unfreiwilligen 
Wanderung  der  Organismen,  dem  Austausch  der  Formen  zwischen  beiden 
Küstenstrichen,  günstiger  als  an  irgend  einer  andern  Stelle  Amerika's. 
Daher  auch  diese  auffallende  Erscheinung  einer  Kreuzung  der  Verbrei- 
tungslinien der  meisten  Arten. 

Der  Querdurchmesser  des  Welttheils,  welcher  3  Breitegrade  weiter 
südlich  noch  nahezu  150  geographische  Meilen  beträgt,  vermindert  -sich 
in  der  Landenge  zwischen  der  Manzanillobai  und   dem  Golf  von  Panama 


1)  S.  die   Totten'sche  Specialkarte  mit   den  von   mir   beigefügten  Höhenangaben   des  Quer- 
und  Längenprofils  in  Petermann's  Mittheilungen,  Jahrgang  1860. 


87 

auf  8  geographische  Meilen.  Die  Höhe  der  Hügelgruppen  sinkt  in  dem 
ganzen  Längenprofil  der  Depression  zwischen  79°  29'  und  79°  51' 
W.  L.  v.  Gr.  nach  dem  Mittel  meiner  dort  ausgeführten  barometrischen 
Messungen  auf  206  Meter.  Das  Mittel  der  Passsenkungen  auf  139 
Meter.  Die  Breite  des  trennenden  Dammes  der  Wasserscheide  zwischen 
dem  Rio  Obispo  (Zufluss  des  Rio  Chagres)  und  den  in  den  Golf  von 
Panama  mündenden  Rio  Grande  reduzirt  sich  auf  Y*  geogr.  Meile,  die 
Höhe  seines  Scheitelpunktes  auf  287  engl.  Fuss. 

Vergleicht  man  diese  Verhältnisse  der  senkrechten  Gliederung  mit 
denen  von  Südamerika,  wo  ein  kolossales  Hochgebirge  in  einer  vor- 
herrschend meridionalen  oder  von  S.  S.  Ost  nach  N.  N.  West  gerichteten 
Linie  ununterbrochen  durch  den  ganzen  Continent  streicht  und  einer 
Wanderung  der  Organismen  in  ostwestlicher  Richtung  eine  fast  unüber- 
steigliche  Schranke  setzt  —  wo  also  die  grössten  Gegensätze  gegen  die 
Oberfiächengestaltung  des  Isthmus  walten  —  so  darf  es  nicht  befremden, 
wenn  hier  die  Verbreitungslinien  der  Arten  von  den  dortigen  so  auf- 
fallend abweichen. 

Nicht  nur  die  mit  leichten  Bewegungsorganen  ausgestatteten  Formen, 
sondern  selbst  die  schwerfälligsten  Land-  und  Süsswasserthiere  haben 
hier  ihrem  Trieb  nach  Nahrung  und  Fortpflanzung  folgend  oder  durch 
den  ,, Kampf  um  das  Dasein"  gedrängt  den  Weg  von  einer  Tiefregion 
der  Küste  zur  andern  über  die  schmale  und  niedrige  Schranke  der 
wasserscheidenden  Höhe  leicht  zu  finden  vermocht.  Es  ist  unter  den 
gegebenen  Verhältnissen  dem  Zoologen  vollkommen  begreiflich,  selbst 
ein  so  langsam  und  schwerfällig  sich  bewegendes  Säugethier  wie  das 
Faulthier  (Bradypus  didactylus)  welches  bekanntlich  in  den  östlichen 
Urwäldern  von  Brasilien  und  Guiana  häufig  vorkommt,  aber  an  dem 
Westabhang  der  Anden  fehlt,  hier  an  der  Küste  der  Südsee  von  Veragua 
und  Costarica  wiederzufinden.  Es  ist  ebensowenig  zu  verwundern,  wenn 
die  trägen  Giftschlangen  der  Gattungen  Lachesis  und  Elaps ,  dieselben 
Species  der  Alligatoren ,  Scorpionen  und  Coleopteren ,  und  selbst  die 
nämlichen  Land-  und  Flusswasserschnecken  mit  den  gleichen  Arten  von 
Flussfischen  an  beiden  Küstenstrichen  erscheinen.  In  Südamerika  fehlt 
dagegen  die  Identität  der  Faunen  von  Ost  und  West  für  alle  Thierklassen. 

Wenn  man  das  Vorkommen  und  die  Lebensweise  gewisser  tropischer 


88 

Fischformen  wie  z.  B.  die  höchst  eigentümlich  und  sonderbar  gestaltete 
Familie  der  Panzerwelse  (Loricata)x)  beobachtet,  denen  es  in  dem  Schlamm 
der  halb  trocken  liegenden  Rinnsale  der  Flüsse  während  der  regenlosen 
Jahreszeit  noch  ganz  behaglich  ist,  und  die  ausser  dem  Wasser  Tage 
lang  leben  und  auf  dem  Lande  sich  leicht  bewegen  können,  so  ist  für 
solche  Fischarten  die  Ueberschreitung  einer  schmalen  Wasserscheide 
selbst  durch  willkürliche  Bewegung  nicht  undenkbar. 

Dazu  kommt  hier  die  Natur  durch  zufällige  Transportmittel  der 
Verbreitung  auf  eine  sehr  verschiedenartige  Weise  zu  Hülfe.'2)  Fisch- 
fressende Pelekane  und  andere  Wasservögel,  welche  in  der  Landenge 
von  Panama  täglich  schaarenweise  von  einer  Flussmündung  zur  andern 
fliegen  —  eine  Thatsache,  deren  hier  schon  Garella  erwähnte  3)  —  können 
zur  Verbreitung  des  befruchteten  Laiches ,  den  sie  an  den  Federn ,  im 
Kröpfe  oder  im  Magen  führten,  sehr  wesentlich  beigetragen  haben.  Eine 
durch  sichere  Beobachtung  nicht  nur  im  tropischen  Amerika,  sondern 
auch  in  Ostindien,  China,  auf  den  Sundainseln  u.  s.  w.  erwiesene  That- 
sache ist  die  öfters  wiederholte  Erscheinung  von  Fischregen  in  Folge 
von  Wasserhosen,   Drehstürmen  u.  s.   w.     Auch  Muscheln  —  Krabben  — 


1)  S.  die  monographische  Abhandlung  über  die  Panzerwelse  von  Dr.  Rudolph  Kner  im  Band 
VI  und  VII  der  Denkschriften  der  kaiserl.  Akademie  der  Wissenschaften,  wo  der  selbständige 
von  den  ächten  Siluriden  getrennte  Familiencharakter  der  Loricaten  mit  Scharfblick  nach- 
gewiesen ist.  Schon  Johannes  Müller  hatte  in  seiner  vortrefflichen  Abhandlung :  ,,über  die 
Ganoide.n  und  das  natürliche  System  der  Fische"  bemerkt,  dass  die  Familie  der  Siluriden 
in  zwei  Gruppen  zerfalle:  in  ächte  Siluri  und  Loricacinen. 

2)  Auf  wie  mannichfaltige  Weise  die  Natur  für  die  Verschleppung  und  Ausbreitung  der  Or- 
ganismen sorgen  kann,  darüber  gibt  Darwin  in  den  inhaltreichen  Capiteln  „über  die 
geographische  Verbreitung'-  viele  neue,  interessante  Aufschlüsse.  Ich  erwähne  unter  den 
vielen  Beobachtungen  dieses  geistvollen  Forschers  nur  folgende:  Darwin  legte  in  ein 
Aquarium  einen  Entenfuss,  an  welchem  sich  die  aus  den  Eiern  geschlüpften  kleinen  Süss- 
wasserschnecken  so  fest  hängten,  dass  sie  kaum  abgeschabt  werden  konnten.  Diese  kleinen 
Weiehthiere  lebten  an  dem  tlntenfuss  in  feuchter  Luft  noch  12 — 20  Stunden  lang.  „Wäh- 
rend dieser  Zeit,  bemerkt  Darwin,  kann  eine  Ente  oder  ein  Reiher  wenigstens  600 — -700 
engl.  Meilen  weit  fliegen  und  sich  wieder  in  einem  Sumpfe  oder  Bache,  vielleicht  auf  einer 
ozeanischen  Insel  niederlassen."  (s.  Charles  Darwin  „über  die  Entstehung  der  Arten" 
S.  390).  Diese  Beobachtung  wäre  allein  schon  hinreichend,  gewisse  Einwürfe  von  Agassiz 
gegen  die  Migrationstheorie  der  Thierarten  besonders  in  Bezug  auf  Süsswasserthiere  zu 
widerlegen. 

3)  In  der  Brochure:  „Projet  d'un  canal  de  junction  de  l'ocean  pacifique  et  de  l'ocean  atlan- 
tique  ä  travers  l'Isthme  de  Panama."    (Paris   1845). 


89 

Frösche-Regen  sind  unmittelbar  nach  solchen  meteorischen  Phänomenen 
öfters  beobachtet  worden.1) 

Die  Bildung  von  hohen  Wasserhosen  bei  heftigen  Gewittern  ist  an 
den  Flussmündungen  des  centralamerikanischen  Isthmus,  besonders  am 
karaibiscken  Meer,  eine  häufige  und  für  kleine  Fischerbarken  gefährliche 
Erscheinung,  welche  bereits  Columbus  während  seiner  vierten  Entdeckungs- 
reise 1503  an  der  Küste  von  Veragua  erlebt  und  geschildert  hat-2)  Der 
Nordostpassatwind  kann,  wenn  er  hier  zur  Sturmesstärke  sich  steigert, 
kleine  Thiere  und  Pflanzensamen ,  so  auch  Fischeier,  welche  von  Wasser- 
hosen emporgehoben  worden,  über  die  schmale  Landenge  hinüberführen. 
Dass  der  Passatwind  bei  Verbreitung  des  Fischlaiches  in  der  von  ihm 
festgehaltenen  Richtung  mitwirkt,  dafür  scheint  auch  der  grössere  Arten- 
reichthum  in  den  Flüssen  der  pacifischen  Abdachung  zu  sprechen. 

Endlich  kommt  bei  der  Verbreitung  der  Fische  noch  der  Umstand 
in  Betracht,  dass  die  Bewässerungsverhältnisse  während  der  jüngsten 
geologischen  Perioden  (von  den  obersten  neogenen  Bildungen  der  Land- 
enge bis  zu  den  Alluvialbildungen  der  jüngsten  Tuffe  und  Conglomerate) 
einer  weitern  Ausbreitung  der  Fischarten  günstiger  waren  als  die 
gegenwärtige  Vertheilung  der  Flussrinnsale.  Nicht  nur  die  Kesselthäler 
von  Matachin  und  Paraiso  bildeten  damals  kleine  Seebecken ,  sondern 
auch  ein  grosser  Theil  der  südlichen  Savannenzone  der  Provinzen  Darien 
und  Veragua  scheint  in  jener  Zeit  noch  von  süssen  Wassern  überfluthet 
gewesen  zu  sein.  Es  gab  Verbindungen  zwischen  den  Flüssen,  die  seit- 
dem durch  Hebungen  der  Küste  und  durch  Alluvialbildungen  längst 
unterbrochen  sind. 

Folgende  Fischarten  habe  ich  in  den  Flüssen  beider  Gehänge  der 
Wasserscheide  vorkommend  beobachtet3)  und  zwar  im  brakischen  Wasser 

lj  S.  hierüber  die  interessanten  Bemerkungen  von  Professor  H.  G.  Bronn  in  dessen  „Allge- 
meiner Zoologie"  S.  172  u.  272  und  die  Mittheilungen  von  Dr.  Schmarda  in  dessen  Werk  : 
die  geographische  Verbreitung  der  Thiere  S.  193  bis   196. 

2)  Las  Casas  II  c.  14.     Hist.  del  Almirante  Cap.  49. 

3)  Die  Fischarten  des  Rio  Chagres  ,  des  Rio  Bayano  und  der  Flüsse  von  der  pacifischen  Ab- 
dachung West-Veragua's  habe  ich  mit  Ausnahme  einer  einzigen  Species,  die  ich  mir  nicht  ver- 
schaffen konnte,  ziemlich  vollständig  gesammelt.  Wenigstens  wussten  mir  die  erfahrensten 
Angelfischer  unter  den  Indianern  und  Cholos  mit  Ausnahme  des  Bonqueoro  keinen  Flussfisch 
zu  nennen,  der  meiner  Sammlung  fehlte.  Dagegen  sind  mir  die  Fische  der  Nordseite  von 
Veragua  und  Darien  unbekannt  geblieben.  Es  ist  indessen  nicht  sehr  -wahrscheinlich,  dass 
die  dortige  Fischfauna  von  der  des  Rio  Chagres  wesentlich  abweicht. 

Abh.  d.  II.  Cl.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  X.  Bd.  I.  Abth.  12 


90 

der  Mündungen:  Acanthias vulgaris  Risso.  ' Daj aus  elongatus Kn.  St.'Dajaus 
monticola  C.  V.,  Daj  aus  nasutus  Kn. ;  im  süssen  Wasser  des  mittleren 
Flusslaufes:  Macrodon  brasiliensis  (?)  Spix.,  Acara  coeruleopunctata  Kn.  St., 
Heros  Sieboldii  Kn.  St.,  Xiphophorus  Gillii  Kn.  St.,  Chalcinopsis  striatulus 
Kn.  St.,  Tetragonopterus  aeneus  Günth. ,  Tetragonopterus  Gronovii  C.  V., 
Pimelodus  cinerascens  Günth. ,  Loricaria  uracantha  Kn.  St. ,  Loricaria 
lima  Kn.,  Hypostomus  plecostomus  C.  V. 

Der  atlantischen  Seite  des  Isthmus,  dem  Rio  Chagres  und  seinen  Neben- 
flüssen scheinen  ausschliesslich  nur  Pimelodus  modestus  Günth.  und  Ancis- 
trus  cirrhosus  Kn.  anzugehören.  Auf  die  südliche  (pacifische)  Abdachung 
beschränkt  sind  die  von  den  Herren  Kner  und  Steindachner  als  neu  auf- 
gestellten Arten :  Pristipoma  Jrumile,  Eleotris  picta,  Engraulis  macrolepidota , 
Engraulis  Poeyi,  Bagrus  arioides,  Heros  altifrons.  Letztere  ausgezeichnete 
Art  findet  sich  weder  im  Rio  Bayano,  noch  im  Rio  grande  der  Südseite, 
sondern  ausschliesslich  nur  in  den  südlichen  Flüssen  des  Departement 
Chiriqui  (West-Veragua).1) 

Wie  weit  am  südlichen  Ende  des  Isthmus  die  Kreuzungslinie  der 
Artenverbreitung  nach  Ost  und  West  auseinander  läuft,  ist  mir  nicht 
gelungen  mit  voller  Sicherheit  zu  ermitteln.  Doch  glaube  ich  sowohl 
aus  geographischen  Gründen  als  wegen  der  plötzlichen  Veränderung  der 
Fischnamen  in  der  Provinz  Choco  annehmen  zu  dürfen,  dass  die  er- 
wähnten Cerros  de  Nique  unter  79  °  50'  W.  L.  v.  P.  die  Grenzscheide 
der  Süsswasserfauna  von  Panama  bilden.  Die  im  Rio  Chucunaque  vor- 
kommenden Fische  führen  noch  dieselben  Namen  wie  im  Rio  Bayano, 
aber  in  den  Flüssen  Rio  Cacique  und  Rio  Apogado  jenseits  der  Wasser- 
scheide kommen  bei  den  Eingeborenen  von  Choco  bereits  andere  Benen- 
nungen vor.  Auch  die  Bemerkungen  von  Gill  über  die  ichthyologische 
Ausbeute  des  Dr.  Schott  im  Atratostrom  und  in  den  kleineren  Flüssen 
von  Choco  lassen  auf  eine  wesentliche  Verschiedenheit  der  Fauna  dieser 
von  Darien  scharf  abgegrenzten  Provinz   schliessen.2) 


1)  Nach  diesen  genaueren  Angaben  des  Vorkommens  sind  einige  kleine  Irrthümer,  die  sich 
in  die  vorhergehende  Abhandlung  der  Herren  Kner  und  Steindachner  hinsichtlich  der 
Fundorte  eingeschlichen  haben,  zu  berichtigen.  Wo  dort  „Neu-Granada"  als  Fundort  ge- 
nannt wird,  ist  immer  der  Isthmusstaat  Panama  gemeint ,  der  zum  Gebiet  der  Republik 
Neu-Granada  gehört. 

2)  S.  Lieutenant  Michler's  ;  „Report  of  his  survey  for  an  interoceanic  ship  canal  near  the  Isthmus 


91 

In  westlicher  Richtung  geht  die  Verbreitungslinie  der  Fischarten 
durch  den  ganzen  Savannenstrich  von  Veragua,  wo  mehrere  der  früher 
getrennten  Flussgebiete  noch  zu  Anfang  der  quarternären  Periode  zusammen- 
hingen. Im  westlichen  Veragua  (Departement  Chiriqui)  verschwinden 
bereits  mehrere  Fischarten,  wie  Acara  coeruleopunctata  und  Loricaria  lima, 
während  einige  neue  Species  auftreten,  wie  der  erwähnte  Heros  altifrons, 
und  in  den  höheren  Flussgegenden  der  von  den  Eingeborenen  Ronqueoro 
benannte  Fisch,  von  dem  ich  mir  leider  kein  Exemplar  verschaffen  konnte. 

Für  die  ökonomischen  Verhältnisse  sind  nur  folgende  Arten  von 
einigem  Belang:  der  Savalo  (Chalcinopsis  striatulus),  der  grösste  Fluss- 
fisch, von  dem  ich  Exemplare  bis  zur  Schwere  von  24  Pfund  sah, 
und  der  namentlich  für  die  Indianer  in  den  ßinnengegenden  ein 
wichtiger  Gegenstand  der  Nahrung  ist;  nächst  ihm  die  sogenannte 
Sardina  (Chalcinopsis  cliagrensis),  welche  in  grosser  Zahl  die  Flüsse 
beider  Gehänge  bevölkert  und  besonders  für  die  Alligatoren  eine 
Hauptnahrung  ausmacht;  dann  der  Barbu  (Fimelodus  cinerascens) ,  der 
wie  die  vorhergehenden  Arten  auch  in  der  Cordillere  von  Darien  und 
Veragua  vorkommt  und  bis  zu  beträchtlicher  Höhe  hinaufgeht.  Der 
Savalo  wird  von  den  Indianern  am  Bayano  und  von  den  San-Blas-India- 
nern  gewöhnlich  mit  dem  Speer  gestochen,  in  dessen  Führung  diese 
Eingebornen  eine  ausserordentliche  Geschicklichkeit  besitzen.  Im  untern 
Theil  der  Flüsse  kümmern  die  Eingebornen  sich  wenig  um  den  Fisch- 
fang, da  die  Nähe  des  Meeres  den  Fischern  einen  viel  ausgiebigem  Fang 
an  der  Küste  bietet. 

Der  gefrässigste  Raubfisch  der  Flüsse  ist  der  sogenannte  Bocaperro 
(Macrodon  brasiliensis  Spix),  den  die  vielen  konisch  spitzigen  Zähne  auch 
als  solchen  verkünden.  Er  beisst  mit  Wuth  an  jeden  animalischen  Köder 
und  verletzt  mit  seinem  Biss  nicht  selten  badende  Menschen.  Der  Ari- 
zagua  (Loricaria  lima  und  Loricaria  uracantha)  wird  nicht  gegessen.    Das 


of  Darien.  Appendix  H.  The  Fishes  by  Theodore  Gr  i  11."  p.  251—259.  Obwohl  in  diesem 
Anhang  nur  die  Familien  und  Gattungen  der  im  Atratostrom  und  Zuflüssen  vorkommenden 
Fische ,  nicht  die  Arten,  angeführt  sind ,  so  erkennt  man  doch  daraus  eine  höchst  merk- 
würdige Verschiedenheit  des  generischen  Charakters  selbst  bei  der  Familie  der  Characinen, 
von  welcher  Herr  Gill  die  von  Spix  aufgestellten  Gattungen  Pacu  und  Leporinus  und  die 
Gattung  Astyanax  Girard  erwähnt,  die  im  Isthmus  von  Panama  nicht  vorkommen,  während 
die  von  mir  beobachteten  Gattungen    von  Dr.  Schott  nicht  gefunden  wurden 

12* 


92 

fremdartige,  ich  möchte  sagen  dämonische  Aussehen  des  Panzerwelses 
gibt  ihm  unter  den  Eingebornen  eine  gewisse  Popularität.  Es  knüpfen 
sich  an  denselben  verschiedene  sonderbar  klingende  Sagen,  z.  B.  dass 
er  weit  landeinwärts  marschire,  und  ebenso  gut  in  der  Luft  wie  im 
Wasser  lebe ,  dass  er  Büsche  ersteigen  und  Töne  hervorbringen  könne. 
Was  von  diesen  Sagen  wahr  ist,  konnte  ich  nicht  mit  Genauigkeit  er- 
mitteln. Ich  habe  mehrere  dieser  Panzerwelse  in  Moos  eingehüllt  halbe 
Tage  lebend  ausserhalb  dem  Wasser  aufbewahrt,  aber  selbst  als  ich  sie 
mit  einer  Messerspitze  reitzte  und  verwundete,  nichts  von  einem  Ton 
gehört.  Dass  der  Eisch  auf  dem  Lande  sich  ohne  Schwierigkeit  von 
der  Stelle  bewegt,  habe  ich  bestätigt  gefunden.  Der  Panzerwels  beisst 
nie  an  den  Köder  der  Angel,  sondern  wird  mit  den  Händen  an  sehr 
seichten  Stellen  des  Flussbettes  gefangen ,  wo  er  wie  die  Krebse  fast 
unbeweglich  unter  Steinen  liegt.  Ein  Exemplar  der  kleineren  Art 
fand  ich  in  einem  verfaulten  hohlen  Baumast  an  einer  ganz  seichten 
schlammigen  Stelle  des  Rio  Chagres  umgeben  von  Fischeiern  und  win- 
zigen Eischen,  die  eben  aus  den  Eiern  schlüpften.  Ich  hielt  dieselben 
für  seine  eigene  Nachkommenschaft,  welche  der  still  liegende  Fisch  zu 
behüten  und  zu  schützen  schien.  Eine  genaue  Untersuchung  der  winzig 
kleinen  Fische  durch  Herrn  Professor  von  Siebold  ergab  jedoch,  dass 
sie  einer  andern  Gattung  angehörten.  Es  ist  daher  eher  anzunehmen, 
dass  der  im  Wasser  schwerfällige  Panzerwels  die  Eier  anderer  Fische 
im  Schlamme  aufsucht,  um  sie  zu  verzehren.  Sonst  sind  kleine  Krebse 
die  beliebteste  Nahrung  der  Raubfische  dieser  Flüsse  und  die  gewöhn- 
lichen Köder  der  Angelfischer. 

Die  Süsswasserfische,  welche  ich  aus  dem  Staate  Ecuador  (Süd- 
amerika) an  die  zoologische  Staatssammlung  in  München  einsandte,  und 
deren  Namen  in  der  vorhergehenden  descriptiven  Abhandlung  angeführt 
sind ,  stammen  theils  aus  dem  Rio  Guayaquii,  theils  aus  den  verschiedenen 
Confluenten,  welche  diesem  wasserreichen  Strom  von  den  Anden  der 
Provinzen  Pichincha,  Leon  und  Chimborazo  zufliessen.  Sie  gehören  mit 
Ausnahme  der  beiden  kleinen  alpinen  Welsarten  (Brontes  prenadilla  und 
Arges  cijclopum),  welche  die  Wasserscheide  überschreitend  in  den  höchsten 
Gebirgsbächen  beider  Gehänge  vorkommen,  ausschiesslich  dem  westlichen 
Abfall  des  Gebirges  an.    Die  in  den  Flüssen  Pastassa  und  Napo  der  Ost- 


93 

seite  vorkommenden  Fischarten  sind  von  denen  der  Westseite  specifisch 
ebenso  verschieden    wie  die  Amphibien,  Mollusken  und  Insekten. 

Das  hydrographische  System  von  Ecuador  will  ich  nur  kurz  schil- 
dern ,  da  dieser  Theil  von  Südamerika  weder  für  die  Thiergeographie 
des  Welttheils ,  noch  für  die  physische  Erdkunde  überhaupt  dieselbe 
Wichtigkeit  hat  wie  der  Isthmusstaat  Panama.  In  Betreff  des  Rio 
Guayaquil  und  seiner  vielen  Nebenflüsse,  verweise  ich  auf  die  älteren 
Karten  von  Maldonado,  Humboldt,  Wisse,  und  auf  die  neueste 
Specialkai'te  von  Dr.  Villavicencio.  Diese  Karten  lassen  allerdings  in 
Betreff  der  genauen  Zeichnung  der  Flussläufe  des  Westens  wie  des 
Ostens  sehr  viel  zu  wünschen  übrig;  denn  die  genannten  Forscher  haben 
nur  einen  verhältnissmässig  kleinen  Theil  des  Binnenlandes  wirklich  be- 
treten. Die  vielen  Krümmungen,  welche  sie  z.  B.  dem  wasserreichen 
Eio  Daule  geben ,  der  nördlich  vom  Hafen  Guayaquil  in  den  grossen 
Strom  einmündet,  sind  ebenso  hypothetisch  wie  die  regelmässigen 
Schlangen  Windungen  der  Flüsse  in  der  Provincia  oriental,  deren  Inneres 
noch  beinahe  ganz  „unbekanntes  Land"  ist.  Doch  geben  diese  Karten 
wenigstens  von  den  allgemeinen  Verhältnissen  des  Bewässerungssystems 
an  den  westlichen  Gehängen  der  obengenannten  Gebirgsprovinzen,  sowie 
der  Küstenprovinzen  Guayapuil,  Esmeraldas  und  Manabi  einen  annähernd 
richtigen  Begriff. 

Beide  Andesketten  und  die  Doppelreihe  der  grossen  Vulkane  von 
Ecuador ,  die  an  den  Rändern  der  Ketten  sich  erheben ,  sind  durch 
Längenthäler  geschieden,  welche  bei  Quito  und  Tacunga  die  Form  von 
Plateaus  annehmen.  Diese  Längenthäler  waren  noch  zu  Ende  der  Dilu- 
vialzeit von  ausgedehnten  Süsswasserseen  bedeckt.  In  den  obersten  fast 
horizontal  gelagerten  Tuffschichten  bei  Ambato,  Quito,  Tacunga,  fand 
ich  die  Schalen  derselben  Arten  von  Land-  und  Süsswasserschnecken, 
die  dort  noch  heute  lebend  vorkommen.  Die  allmählige  Entleerung 
dieser  Seen  begann  höchst  wahrscheinlich  mit  dem  Durchbruch  der 
basaltischen  Gesteine  in  der  östlichen  Kette  (Pastassathal),  durch  welche 
tiefe  Querrisse  in  dem  Gebirgsbau  erfolgten.  Im  Laufe  der  Zeiten  ver- 
tiefte das  abüiessende  Wasser  diese  Querthäler  durch  allmählige  Erosion. 

Unter  einander  sind  die  Plateaus  des  Andes  durch  Querjöcher  von 
massiger   Höhe   getrennt.     Die    Wasserscheide    der   beiderseitigen    Fluss- 


94 

Systeme  wird  nur  an  wenigen  Punkten  durch  die  Kette  der  Anden  selbst, 
in  den  meisten  Fällen  durch  niedrige  Landschwellen  in  den  Hochthälern 
gebildet.  Es  berühren  sich  die  nach  beiden  Oceanen  fliessenden  Quell- 
bäche namentlich  in  den  Umgebungen  der  Berge  Chimborazo,  Cotopaxi 
und  Tunguragua  so  nahe,  dass  der  Reisende  sich  dort  mit  leichter  Mühe 
das  von  Dr.  Tschudi  erwähnte  eigentümliche  Vergnügen  machen  kann : 
aus  dem  Wasser,  das  nach  dem  atlantischen  Ocean  zu  fliessen  bestimmt 
ist,  ein  Glas  zu  füllen  und  es  zu  einem  Zufluss  des  stillen  Weltmeeres 
zu  tragen. 

Diese  Terrainverhältnisse  machen  die  Identität  der  Süsswasserfauna 
beider  Gehänge  für  die  höchsten  Regionen  von  9500'  bis  18,400'  er- 
klärbar. In  den  mittleren  Regionen  ändern  sich  diese  Verhältnisse. 
Von  6000'  abwärts  beginnt  daher  auch  eine  sehr  bestimmte  Trennung 
der  beiderseitigen  Faunen  von  Ost  und  West,  und  diese  Trennung  zeigt 
sich  in  der  Tiefregion  noch  schärfer  ausgeprägt. 

Die  Wiegen  aller  Flüsse  dieses  Landes  liegen  innerhalb  der  eigent- 
lichen Aequatorialzone,  wo  eine  wirklich  trockene  Jahreszeit  nicht  existirt. 
Die  Unterbrechung  des  Regens  (im  Juni  und  Juli)  dauert  anhaltend  kaum 
6  Wochen.  Diese  Umstände  erklären  den  Wasserreichthum  der  west- 
lichen Flüsse  ungeachtet  ihres  kurzen  Laufes.  Alle  grösseren  Flüsse, 
die  im  Andesgebirge  entspringend  zwischen  3  °  S.  B.  und  2  °  N.  B.  in 
den  stillen  Ocean  münden,  bilden  gegen  die  Mündung  breite  und  tiefe 
Ströme.  Der  Rio  Guayaquil  unterhalb  der  Stadt  dieses  Namens  über- 
trifft den  Mississippi  bei  New-Orleans  an  Breite  und  steht  ihm  an  Tiefe 
nur  wenig  nach. 

In  ihrem  oberen  Laufe  sind  die  westlichen  Flüsse  der  Anden  sehr 
reissend,  mit  häufigen  Katarakten,  oft  zwischen  den  steil  abfallenden 
Felswänden  tiefer  Barrancas  eingeklemmt,  für  Fahrzeuge  meist  unzu- 
gänglich und  arm  an  Fischen.  Gegen  den  mittleren  Lauf  aber  sind  die 
grösseren  dieser  Flüsse,  namentlich  Rio  Daule  und  R.  Babahoyo,  deren 
Vereinigung  den  R.  Guayaquil  bildet,  bereits  beträchtliche  Ströme  und 
ziemlich  reich  an  Fischen,  Amphibien  und  Krustenthieren.  Die  sandigen 
Ufer  und  Inseln  der  Flüsse  wimmeln  von  grossen  schwarzgrauen  Alliga- 
toren, deren  Zahl  vielleicht  in  keinem  andern  Flussgebiet  der  Welt  be- 
trächtlicher  ist   als    hier.      Im    untern   Lauf  fliessen    die    Wassermassen 


95 

träge  dahin,  sind  mit  dem  salzigen  Wasser  des  Oceans  gemischt  und 
werden  bis  auf  8  geographische  Meilen  von  der  Mündung  durch  dessen 
eindringende  Fluth  aufgestaut.  Hier  ist  die  Individuenzahl  der  Fische 
ausserordentlich  gross.  Indessen  bilden  die  Seefische ,  deren  Kiemen 
sich  leichter  an  das  brakische  Wasser  gewöhnen,  als  die  der  Flussfische, 
bei  weitem  die  Mehrzahl  der  vorkommenden  Arten.  Sehr  beträchtlich 
ist  namentlich  an  den  breiten  Flussmündungen  die  Zahl  der  grossen  ge- 
frässigen  Raubfische.  Die  Rückenflossen  gewaltiger  Haie,  die  mit  der 
Fluth  stromaufwärts  schwimmen,  sieht  man  sehr  häufig  über  dem  Wasser- 
spiegel neben  den  gepanzerten  Rücken  der  furchtbaren  Alligatoren, 
welche  stromabwärts  an  den  Haifischen  vorüberschwimmen  ohne  mit 
ihnen  in  Kampf  zu  gerathen. 

Vergleicht  man  mit  den  Flussnetzen  der  Westseite  das  hydrogra- 
phische System  der  östlichen  Gehänge,  deren  Flüsse  sämmtlich  in  den 
MaraBon  (Amazonenstrom)  sich  ergiessen,  so  erkennt  man  hier  abweichende 
physische  Verhältnisse ,  die  auf  die  Verbreitung  der  Süsswasserthiere 
einen  wesentlichen  Einfluss  übten. 

Die  Rios  Pastassa,  Tigre,  Napo  etc.  brausen  in  ihrem  oberen  Lauf 
mit  überaus  starkem  Gefälle  durch  tief  eingefurchte  Schluchten,  deren 
Wände  meist  senkrecht  gegen  das  Flussbett  abfallen.  Ehe  sie  das  Bett 
des  Riesenstroms,  der  sie  sämmtlich  aufnimmt,  erreichen,  fliessen  sie  in 
ihrem  mittleren  Lauf  durch  die  mit  dichten  Urwäldern  bedeckten  Ter- 
rassen, Hochthäler  und  Tiefebenen  der  Provincia  oriental,  wo  selten  ein 
Tag  ohne  Regen  vergeht.  Hinsichtlich  der  Länge  ihres  Laufes  über- 
treffen sie  die  westlichen  Flüsse  um  das  dreifache.  Von  den  in  ihrem 
mittleren  Lauf  vorkommenden  Fischen  ist  nichts  sicheres  bekannt.  Die 
von  mir  im  Pastassathal  gesammelten  Arten  gingen  leider  im  Laufe  der 
überaus  beschwerlichen  Reise,  die  man  dort  zu  Fuss  in  Begleitung  in- 
dianischer Träger  machen  muss,   sämmtlich  zu  Grund.1)     Sie  waren  von 


1)  Excursionen  von  den  Plateaulandschaften  der  Anden  von  Ecuador  nach  den  Urwäldern  der 
Provincia  oriental  gehören  zu  den  mühseligsten  und  gefährlichsten  Reisen  im  tropischen 
Amerika  und  sind  überaus  kostspielig.  Man  bedient  sich  dazu  der  sogenannten  Canelos- 
oder  Napo-Indianer  als  Träger.  Feindliche,  heidnische  Indianer,  die  mit  vergifteten  Pfeilen 
schiessen,  wohnen  erst  im  mittleren  Theile  der  Flussgebiete  ziemlich  zahlreich.  Der  Natur- 
forscher und  Sammler  findet  dort  reiche  Ausbeute,  hat  aber  auch  mit  allen  Hindernissen 
und  Qualen  des  tropischen  Waldlebens  zu  kämpfen.     Der  Transport  der  Sammlungen  wird 


96 

den  Fischarten,  welche  ich  später  im  Rio  Guayaquil  sammelte,  ebenso  ver- 
schieden wie  sämmtliche  Amphibien,  Insekten  und  Mollusken,  die  ich 
in  besser  conservirten  Zustand  von  meinen  Sammlungen  in  den  Waldge- 
genden des  östlichen  Abfalles  der  Anden  gerettet  habe.  Auch  im  Rio 
Napo,  dem  wasserreichsten  Fluss  der  Ostseite,  sind  die  zahlreich  vor- 
kommenden Fische  nach  einer  mündlichen  Mittheilung  von  Dr.  Jameson 
in  Quito,  der  sich  lange  in  der  Provincia  oriental  aufgehalten,  von  denen 
der  Westseite  gänzlich  verschieden. 

All'  diese  östlichen  Tributärflüsse  des  Rio  de  las  Amazonos  nehmen 
an  einem  Stromgebiet  Theil,  welches  das  grösste  nicht  nur  Amerika's, 
sondern  der  ganzen  Erde  ist.  Die  ihm  von  Süden  zufliessenden  Con- 
fluenten  erstrecken  sich  durch  14  Breitegrade,  und  es  sind  Flüsse  da- 
runter, welche  die  Donau  und  die  Wolga  an  Wassermasse  übertreffen. 
Von  den  nördlichen  Zuflüssen  strömen  die  längsten  durch  sieben  Parallel- 
kreise. Das  ganze  Stromgebiet  des  Amazonas  wird  (nach  mittleren 
Schätzungen)  zu  106,000  D  Meilen  angenommen,  während  das  Strom- 
gebiet des  Mississippi  zu  höchstens  49,000  DM.,  das  des  Ganges  zu 
27,000  DM.  geschätzt  wird,  und  das  der  Donau  nur  14,630  D  M.  umfasst. 

Die  Zuflüsse  des  Amazonas  kommen  aus  sehr  verschiedenen  Regionen 
der  Anden  bis  14,600  P.  F.  Höhe  herab,  wo  die  mittlere  Temperatur 
des  Wassers  selbst  unter  dem  Aequator  auf  -f  3°  C.  fällt,  während  in 
der  heissen  Tiefregion  der  Provincia  oriental  nahe  der  Einmündung  der 
Rios  Napo  und  Pastassa  in  den  Marafion  die  mittlere  Temperatur  des 
Wassers  auf  -f-  23  °  C.  und  darüber  steigt.  Die  ausserordentliche  Ver- 
schiedenheit der  physikalischen  Verhältnisse  dieses  unermesslichen  Fluss- 
gebietes bedingt  die  grosse  Mannigfaltigkeit  seiner  Fauna.  Bei  dem 
Austausch  der  Formen  auf  einem  so  weiten  Gebiet  durch  freie  und  un- 
freiwillige Wanderung  ist  der  Formenreichthum  der  östlichen  Flüsse 
des  Staates  Ecuador  ebenso  natürlich  erklärbar  wie  die  verhältniss- 
mässige  Formenarmuth  der  westlichen  Flüsse. 

Die  Fischfauna  an  der  Westseite  der  Anden  vom  Ecuador  zeigt  in 
ihrem  Charakter  und  Vorkommen  folgende  wesentliche  Züge : 


besonders  auf  den  Gehängen  der  Cordilleren  durch  die  Bodenbeschaffenheit  und  die  überaus 
grosse  Feuchtigkeit  erschwert. 


97 

1)  Die  Familie  der  CJiaracinen,  welche  im  tropischen  Amerika  die 
eigentlichen  Salmoneer  vertritt,  erscheint  in  der  untern  und  mittlem 
Region  vorherrschend.  Die  merkwürdige  Familie  der  Gymnotinen,  welche 
im  Isthmus  von  Panama  fehlt,  ist  durch  die  ausgezeichnete  Gattung 
Sternopygus  vertreten.1)  Die  Familie  der  Sihiriden  ist  in  den  höheren 
Regionen  ausschliesslich  repräsentirt. 

2)  Die  Formen  der  Tiefregion  (unter  1000'  Meereshöhe)  deuten 
ähnlich  wie  bei  den  anderen  Thierklassen  auf  nahe  Verwandtschaft  mit 
den  Fischgattungen  von  Brasilien  und  Guiana ;  in  den  mittleren  Regionen 
aber  (bis  7000')  treten  mehr  eigentümliche  Genera  auf.  In  den  höchsten 
Regionen  kommen  ausschliesslich  nur  eigenthümliche,  bizarr  gestaltete, 
generische  Formen  vor. 

3)  Hinsichtlich  der  Arten  ist  die  Süsswasserfauna  von  Westecuador 
von  der  Ostseite  Südamerika's  (Brasilien  und  Guiana)  ebenso  verschieden, 
wie  von  der  Fauna  des  Isthmus  von  Panama. 

4)  Die  Artenzahl  ist  im  Vergleich  mit  den  Flussfaunen  des  östlichen 
Südamerika  gering ;  die  Individuenzahl  ist  nur  im  untern  Lauf  der  Flüsse 
sehr  gross.  Eigentliche  Seefische  sind  im  brakischen  Wasser,  soweit 
die  Fluth  des  Oceans  eindringt,   weitaus  vorherrschend. 

5)  Die  Verbreitung  der  Arten  zeigt  in  vertikaler  Richtung  auf  den 
verschiedenen  Höhenstufen  bestimmtere  Grenzen  als  in  horizontaler  Rich- 
tung. Die  alpinen  Formen  gehen  noch  etwas  höher  hinauf  (bis  13,400' 
im  Norden  des  Chimborazo),  als  in  Peru  und  Bolivia,  wo  die  eigenthüm- 
lichen  Arten  der  Gattung  Orestias  aus  der  Familie  der  Zahnkarpfen  im 
Titicaca  See  zwischen  16  und  17°  S.  B.  nur  bis  12,600  P.  F.  vor- 
kommen.'2)   Hinsichtlich  der  Höhe  ihres  Aufenthaltes  werden  die  kleinen 


1)  S.  die  Diagnose  dieser  interessanten  ausschliesslich  auf  Südamerika  beschränkten  Gattung 
in  den  Horis  ichthyologicis  von  J.  Müller  und  F.  H.  Troschel,  3.  Heft.  Gill  erwähnt  im 
Anhang  zu  Mich  ler 's  Report  unter  der  Fischausbeute  des  Dr.  Schott  vom  Atrato  einer 
„schönen  neuen  Art  der  Gattung  Sternopygus. ."  Dort  wäre  also  das  nördlichste  bis  jetzt 
bekannte  Vorkommen  der  Gymnotinen  in  Amerika. 

2)  Die  in  den  höchsten  Andesbächen  von  Peru  und  Bolivia  vorkommenden  Arten  der  Gattung 
Trichomycterus,  welche  Pentland  entdeckte  und  Valenciennes  in  vol.  18  seiner  hist.  nat  des 
poissons  beschrieb,  reichen  vielleicht  bis  nahe  an  die  obere  Region  der  Prenadillen  ,  wenn 
die  Angaben  Pentland's,  der  das  Vorkommen  von  Trichomycterus  gracilis  bis  zur  Höhe  von 
14000  engl.  F.  im  See  Compucila  beobachtet  haben  will,  genau  sind.  Trichomycterus  Incae 
aus  dem  Rio  Guatanei  bei  Cuzco  erreicht  nicht  diese  Höhe.     Eben  so  wenig  der  von  Hum- 

Abh.  d.  II.  Cl.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  X.  Bd.  I.  Abth.  1 3 


98 

Welse  der  Anden  einzig  nur  von  den  Süsswasserthieren  im  Norden  des 
Himalaya  übertroffen,  wo  sie  in  den  kleinen  Seen  und  Flüssen  von 
Tibet  bis  über  14,000'  erscheinen. 

6)  Die  horizontale  Verbreitungslinie  der  Süsswasserfische  dehnt  sich 
hier  vorherrschend  nach  der  geographischen  Länge  aus.  Ihre  südliche 
Grenze  findet  sie  an  der  immer  trockner  werdenden  Küste  von  Peru 
bereits  unter  5°  S.  ß.  bei  dem  transversalen  Ausläufer  der  Cordillere 
von  Santa  Amatape.  Die  nördliche  Grenze  ist  unbestimmt.  Doch  ist 
es  wahrscheinlich,  dass  sie  nicht  über  die  Provinz  Choco  von  Neu- 
granada 5° — 7°  N.  B. ,  deren  Fauna  freilich  noch  sehr  wenig  unter- 
sucht ist,  hinausgeht. 

Für  die  Tiefregion  der  Flüsse  bis  1000'  sind  besonders  bezeichnend 
der  seltsam  gestaltete  Sternopygus  macrurus  M.  Tr.1)  und  Chalceus  atro- 
caudatus  Kn.  St.  Dagegen  scheinen  Trichomycterus  laticeps  Kn.  St.  und 
Trychomycterus  taenia  Kn.  St.  mehr  der  mittlem  Region  (zwischen  1000 
und  6000')  anzugehören.  Aus  der  Familie  der  Characinen  kommen  hier 
die  beiden  ausgezeichneten  Formen:  Pseudoclialceus  lineatus  Kn.  St.  und 
Saccodon  Wagneri  Kn.  St.  vor.  Nur  auf  die  oberen  Regionen  von  7000 — 
13,400'  beschränkt  sind  die  Arten:  Arges  Cyclopum  Humb.  und  Brontes 
prenadilla  C.  V. 

Letztere  höchst  merkwürdige  Formen  der  in  der  Aequatorialzone 
vorkommenden  alpinen  Welse  wurden  schon  im  vorigen  Jahrhundert 
von  Ulloa  erwähnt,    aber  erst  ein  halbes  Jahrhundert  später  von  Hum- 


boldt entdeckte  Ercmophilus  Mutisii  aus  der  Hochebene  von  Bogota,  wo  dieser  sonderbar 
gestaltete  Fisch  nach  Humboldt's  Angabe  in  der  Region  von  8000  bis  9000'  vorkommt. 
Derselben  Region  gehört  auch  der  Pescado  negro  in  den  Anden  von  Popayan  (Astroblepus 
Grixalvii  Humb.)  an,  der  bis  jetzt  der  einzige  Repräsentant  dieser  merkwürdigen  Gattung 
ist ,  welche  nach  Valenciennes  den  Uebergang  von  den  Siluriden  zu  den  Cypriniden  ver- 
mittelt. 
1)  Die  „Horae  ichthyologicae"  von  J.  Müller  und  H.  Troschel  bezeichnen  (Heft  3.  S.14) 
als  das  Vaterland  dieses  Fisches  einfach:  „Südamerika"  ohne  nähere  Angabe  ob  von  der 
Ostseite  oder  Westseite  des  Continents.  Bloch,  der  dieselbe  Art  als  Gymnotus  macrurus 
beschrieben  und  abgebildet  hat,  gibt  als  Fundort  Brasilien  an.  Ich  halte  diese  Angabe  für 
einen  Irrthum,  denn  ein  gleichzeitiges  Vorkommen  desselben  Flussfisches  an  der  Ost-  und 
Westküste  Amerika's  ist  sonst  ohne  Beispiel  (mit  Ausnahme  von  Fischen,  die  wie  Centro- 
pomus  undecimalis  C.  V.  nur  an  den  Mündungen  im  Brakwasser  leben).  J.  Müller  und 
Troschel  bemerken  übrigens  bei  Beschreibung  des  Sternopygus  macrurus:  „das  Bloch'sche 
Exemplar  haben  wir  nicht  vorgefunden'' ! 


99 

boldt,  der  sie  für  identische  Arten  hielt,  gesammelt  und  unter  dem  Namen  Pi/we- 
lodus  Gyclopum  beschrieben.  Beide  Arten,  die  sich  äusserlich  sehr  ähn- 
lich, aber  von  ungleicher  Grösse  sind,  werden  von  den  Eingebornen 
Prenadilla  genannt  und  kommen  in  den  Andesbächen,  besonders  in  den 
kleinen  Seen  dieses  Hochgebirges  in  grosser  Menge  vor,  sind  also  durch- 
aus nicht  auf  unterirdische  Höhlenwasser  und  kleine  Kraterseen  allein 
beschränkt,  wie  man  früher  glaubte.  Ausser  den  zweispitzigen  Zähnen 
im  Unterkiefer  zeichnen  sich  diese  Fische  noch  durch  kleine  Stacheln 
aus,  mit  denen  der  erste  Strahl  der  Brust-  und  Bauchflossen  unterhalb 
besetzt  ist.  Dadurch  werden  die  Fische  befähigt,  in  den  steilen  Gebirgs- 
bächen  gleichsam  zu  klettern.  Sie  scheinen  sich  vorzugsweise  von  kleinen 
Dipteren  zu  nähren,  die  hier  in  keiner  Jahreszeit  fehlen,  und  deren 
häufiges  Vorkommen  selbst  über  die  Grenze  der  Schneelinie  hinauf  am 
Chimborazo  bereits  von  Humboldt  angeführt  wurde.  Die  gefrässigen, 
schwach  sehenden  kleinen  Fische  beissen  übrigens  an  den  verschiedensten 
Ködern  und  werden  von  den  Indianerbuben  selbst  mit  gebogenen  Steck- 
nadeln, an  denen  sie  Würmer  und  Schnecken  befestigen,  mit  Leichtig- 
keit aus  dem  Wasser  gezogen.  In  den  kleinen  Weihern  und  Lachen, 
auch  an  den  seichten  Stellen  der  Seen  werden  sie  von  den  Indianern 
mitunter  auch  in  Sieben  gefangen,  wie  bereits  Ulloa  erwähnte.1) 

Die  ungemein  grosse  Anzahl  der  Prenadülen,  besonders  in  den 
Seen  und  Bächen  der  Provinz  Imbabura,  sowie  in  einigen  Seen  der 
Provinz  Chimborazo,  wo  ich  die  höchste  Verbreitung  der  Fische  in  senk- 
rechter Richtung  beobachtete,2)  hat  wohl  vorzüglich  darin    ihren  Grund, 


1)  Antonio  de  TJlloa  „Noticias  americanas"  (Madrid  1792)  p.  239. 

2)  Nur  an  der  Nordseite  des  Chimborazo  (Hacienda  Cunayaco)  fand  ich  die  kleinere  Art  Brontes 
prenadilla  in  der  bedeutenden  Höhe  von  13,400'  in  kleinen  Weihern  und  stehenden  Wassern, 
nicht  in  den  fliessenden  Bächen.  Arges  Cyclopum  geht  vielleicht  nur  bis  12,600'.  Die  Region 
von  8000  bis  10,000'  scheint  jedoch  beiden  Arten  am  besten  zu  behagen ,  denn  am  zahl- 
reichsten ist  ihr  Vorkommen  in  den  Seen  und  Bächen  der  Provinz  Imbabura,  welche  dieser 
Region  angehören.  Im  See  von  Colta  bei  Alt-Riobamba  in  der  Provinz  Chimborazo,  dessen 
Wasserspiegel  nach  meiner  barometrischen  Messung  10,340  P.  F.  über  dem  stillen  Ozean 
liegt,  kommt  nur  die  grössere  Art  (Arges  Cyclopum)  in  dem  einsamen  Gebirgssee,  am  Fusse 
des  Altarberges  (Capac-urcu)  in  der  Höhe  von  11,525'  dagegen  nur  die  kleinere  Art  (Brontes 
prenadilla)  vor.  Ihr  gemeinsames  Vorkommen  findet  daher  nicht  in  allen  Gewässern  statt. 
Das  stehende  Wasser  von  Weihern,  und  besonders  die  ruhigen  Becken  von  Kraterseen, 
scheinen  beide  Arten  dem  fliessenden  Wasser  vorzuziehen.  In  sehr  reissenden  Gebirgs- 
bächen  von  starkem  Gefälle  sucht  man  in  den  höheren  Regionen  die  Prenadülen  vergebens. 

13* 


100 

dass  dort  kein  anderer  grösserer  Raubfisch  vorkommt,  der  sie  vertilgt. 
Auch  fehlen  dort  grössere  fischfressende  Wasservögel.  Die  Prenadillen 
haben  also  fast  keinen  Feind  und  Vernichter,  denn  selbst  der  Indianer 
achtet  sie  gering  wegen  ihrer  Kleinheit  und  ihres  eckelhaften  Aussehens. 
Obwohl  ihr  Geschmack  ziemlich  gut  ist,  bilden  die  Prenadillen  doch  keinen 
wesentlichen  Gegenstand  der  Nahrung,  die  der  Anbau  des  Getreides  und 
der  Ueberfiuss  an  Schafen  den  Eingeborenen  dort  reichlich  gewährt. 

Vergleicht  man  die  Fischfauna  der  oberen  alpinen  Region  der  Cor- 
dilleras  de  los  Andes  in  Höhen  von  8000'  bis  13,400'  mit  den  Fischen 
der  oberen  Alpenregion  Europa's  in  Höhen  von  5000'  bis  7000',  so  er- 
gibt sich  dort  wie  hier  aus  ähnlichen  physikalischen  Ursachen  ein  fast 
gleiches  ichthyologisches  Resultat,  nämlich:  grosse  Armuth  an  Formen 
und  grosser  Reichthum  an  Individuen.  Die  höchst  gelegenen 
grösseren  Süsswasserbecken  Europa's ,  die  Seen  von  Ober-Engadin  im 
Canton  Graubündten,  besitzen  nur  3  Fischarten ,  welche  den  Familien 
der  Salmoneer  und  Cyprinen  angehören.  Europa's  Gewässer  sind  also 
unter  46°  N.  B.  in  so  hoher  Lage  an  Formen  nicht  ärmer  wie  die  Hoch- 
seen der  Anden  unter  den  Tropen.1)  Der  grosse  Titicacasee  Peru's  in 
einer  Höhe  von  12,490',  die  Seen  Mexiko's  in  Höhen  von  6000'  bis 
8000'  haben  eine  ebenso  einförmige  Fauna  wie  die  Alpenseen  der 
Schweiz.  Die  Natur  scheint  sonach  in  Regionen ,  wo  bei  stark  abneh- 
mendem Luftdruck  die  mittlere  Temperatur  auf  5°  C. ,  die  des  Wassers 
auf  4°  C.  sinkt,  selbst  unter  dem  Aequator  die  Fähigkeit  zu  verlieren, 
irgend  eine  Mannigfaltigkeit  von  Organismen  hervorbringen  zu  können. 
Die  Fauna  der  Amphibien,  Kruster,  Weichthiere  ist  auf  diesen  Andes- 
höhen  ebenso  arm  wie  die  Fischfauna. 


Die  Angabe  Boussingault's  von  einem  Vorkommen  der  Prenadillen  am  Cotopaxi  bis  zur 
Höhe  von  15,000'  ist  ein  Irrtkum.  In  dieser  Höhe  gibt  es  nur  Eis  und  Schnee.  Selbst  in 
der  Höhe  von  13,000'  fand  ich  am  Cotopaxi  in  den  Bächen  keine  Fische  mehr. 
1)  C  Th.  v.  Siebold  bemerkt  in  einem  lehrreichen  Aufsatz  über  die  Fische  des  Ober-Engadins 
(Verhandlungen  der  schweizerischen  naturforschenden  Gesellschaft  zu  Samaden  1863):  „die 
Artarmuth  der  Fischfauna  hängt  dort  mit  der  hohen  Lage  der  Inngewässer  zusammen, 
welche  noch  ganz  den  Charakter  von  eiskalten  Gletscherbächen  und  Hochseen  zeigen,  in 
denen  ausser  der  niedern  Temperatur  zugleich  die  Armuth  an  Pflanzen,  welche  auch  im 
Wasser  die  Mannigfaltigkeit  des  thierischen  Lebens  vermitteln  helfen,  sich  in  auffallender 
Weise  bemerkbar  macht "  Aehnliche  physikalische  Bedingungen  haben  also  in  den  Alpen 
Europa's  wie  in  den  Anden  Südamerika^  die  gleiche  Wirkung  auf  die  Organismen. 


101 

Ueber  das  Vorkommen  der  Prenadilla  in  den  Anden  ist  so  viel 
seltsames  und  fabelhaftes  von  einigen  spanisch-amerikanischen  Schrift- 
stellern mitgetheilt  und  von  A.  v.  Humboldt  nacherzählt  worden,  dass 
hier  einige  berichtigende  Bemerkungen  wohl  an  rechter  Stelle  sein  dürften. 

Die  von  Humboldt  aus  den  Umgebungen  des  Chimborazo  und 
Cotopaxi  mitgebrachten  und  beschriebenen  Fische1),  haben  nicht  nur  bei 
den  Ichthyologen,  sondern  bei  den  Naturforschern  überhaupt  durch  die 
Mittheilung,  dass  sie  bei  den  grossen  Eruptionen  der  Feuerberge  von 
Quito  in  ungeheurer  Zahl  aus  den  Kratern  ausgeworfen  werden,  ein 
aussergewöhnliches  Interesse  erregt.2)  Schon  der  äussere  Habitus  der 
Fische  erschien  so  fremdartig  und  sonderbar,  dass  selbst  der  geübte 
Scharfblick  Cuvier's  nicht  wusste,  was  er  aus  denselben  machen,  an 
welcher  Stelle  seines  ichthyologischen  Systems  er  die  räthselhaften  Fische 
einreihen  sollte.3)  Namentlich  ist  die  Form  der  gabelartig  zugespitzten 
und  etwas  umgebogenen  Zähne  so  eigenthümlich  paradox,  dass  der 
erfahrene  Ichthyolog  Valenciennes  bemerkt:  keine  andere  Gattung,  nicht 
nur  von  der  zahlreichen  Familie  der  Welse,  zu  welcher  die  Gattungen 
Arges  und  Brontes  am  Ende  doch  gehören,  sondern  überhaupt  kein  an- 
derer Fisch  habe  diesen  eigenthümlichen  Zahnbau.4) 

Dass    die    Prenadillen    wirklich    bei    verschiedenen    Eruptionen    der 


1)  Es  ist  mir  nicht  bekannt,  ob  die  von  Humboldt  gesammelten  Exemplare  der  Fischarten 
aus  den  Anden  sich  noch  im  Berliner  Museum  vorfinden  oder  mit  anderen  naturhistorischen 
Sammlungen  des  berühmten  Forschers  durch  Schiffbruch  verloren  gegangen  sind.  Valen- 
ciennes hatte  nur  die  ihm  von  Boussingault  überbrachten  Exemplare  von  Brontes  prenadilla 
zur  Untersuchung  vor  sich  und  kannte  den  Arges  cyclopum  und  den  von  Humboldt  am 
Vulkan  Purace  bei  Popayan  entdeckten  Ästroblepus  Grixalvü  (beschrieben  in  den  Obs.  zool. 
Tom.  I  pag.  19),  den  Cuvier  gleichfalls  für  eine  „der  sonderbarsten  und  merkwürdigsten" 
Fischformen  hielt,  nur  aus  der  Humboldt'schen  Abbildung.  Noch  heute  zählen  diese  kleinen 
Silur iden  der  Andes  zu  den  grössten  Seltenheiten  in  den  ichthyologischen  Sammlungen, 
weil  sie  bei  ihrer  Zartheit  schwer  zu  conserviren  sind  und  guter  Weingeist  in  Quito  und 
Popayan  nicht  zu  finden  ist.  Selbst  das  sehr  reiche  ichthyologische  Kabinet  in  Wien 
erhielt  von  mir  die  ersten  Prenadillen.  Die  Mehrzahl  der  von  mir  mit  grösster  Sorgfalt 
behandelten  Exemplare  ist  jedoch  leider  während  der  Reise  zu  Grund  gegangen. 

2)  S.  Histoire  naturelle  des  poissons  par  le  Baron  de  Cuvier  et  A.  Valenciennes  Tome  15  p.  325 

3)  Valenciennes  äussert  sich  darüber  im  Cap.  XIII  T.  15  seiner  hist.  nat.  des  poiss.  folgender- 
massen:  „II  a  fallu  que  les  hesitations  füssent  bien  grandes  et  que  les  difficultes  füssent 
assez  fortes  puisque  M.  Cuvier,  si  habile  ä  saisir  les  rapports  les  plus  eloignes  des  etres, 
n'a  pas  ose  fixer  une  place  ä  ces  poissons  dans  ses  deux  editions  du  regne  animal." 

4)  Ibid.  T.  15  p.  333:  „aucun  autre  silure  ne  nous  a  encore  offert  l'exemple  de  cette  dentition 
et  je  dirais  meme  aucun  autre  poisson  " 


102 

Vulkane  Imbabura,  Carahuirazo  und  Cotopaxi  (nicht  aber  der  Vul- 
kane Sangay  und  Tunguragua,  wie  Valenciennes  irrig  bemerkt) 
massenhaft  ausgeworfen  worden  sind,  ist  eine  durch  historische  Zeug- 
nisse hinreichend  erwiesene  Thatsache.  Solche  Fischauswürfe  gehören 
aber  keineswegs  zu  den  regelmässigen,  oft  vorkommenden  Wirkungen 
der  Vulkane  von  Quito,  wie  der  genannte  Ichthyolog  nach  Humboldt' s 
Mittheilungen  annimmt,  sondern  es  sind  seltene  zufällige  Erscheinungen, 
deren  traditionelle  Erinnerung  sich  nur  in  der  Provinz  Imbabura,  nicht 
aber  in  den  Umgebungen  des  Cotopaxi  und  der  übrigen  Vulkane  er- 
halten hat.  Keiner  von  den  dort  lebenden  Bewohnern  hat  diese  Erschei- 
nungen jemals  selbst  beobachtet.  Manche  intelligente  Männer  bezweifeln 
sie  ganz.  Ich  habe  mich  sowohl  in  den  Umgebungen  des  Cotopaxi,  wo 
ich  mit  Hülfe  meines  Freundes  Professor  Carlos  Cassola  in  Tacunga 
einige  hypsometrische  Arbeiten  bis  zur  Höhe  von  16,600  P.  F.  ausführte, 
als  am  Fusse  der  Vulkane  Imbabura,  Carahuirazo  und  Tunguragua  be- 
deutend längere  Zeit  aufgehalten,  als  Humboldt,  Bonpland  und  selbst 
Boussingault.  Nach  möglichst  genauer  Untersuchung  der  dortigen  vul- 
kanischen Wirkungen  und  Gebilde,  sowie  nach  ruhiger  Prüfung  der 
schriftlichen  und  mündlichen  Traditionen  über  die  Fischauswürfe ,  bin 
ich  zur  Ueberzeugung  gekommen,  dass  dieses  Phänomen  nur  als  be- 
gleitende Erscheinung  wässeriger  Ausbrüche,  in  den  meisten 
Fällen  wahrscheinlich  bei  Entleerung  von  Kraterseen  in  Folge  von  Erd- 
stössen  und  Bildung  von  Schlammströmen  (lodozales)  stattgefunden  hat. 
Bei  grösseren  vulkanischen  Feuereruptionen  von  glühenden  Schlacken 
und  Asche  mit  gewaltigen  Dampfexplosionen,  wie  sie  der  Sangay  und 
Cotopaxi  noch  heute  in  grossartigster  Weise  zeigen,  kommen  Fischaus- 
würfe nicht  vor,  und  sind  deren  auch  nie  beobachtet  worden. 

Die  von  Humboldt  angeführte  Katastrophe,  welche  am  19.  Juni  1698 
der  Vulkan  Carahuirazo  (nicht  Cargueirazo,  wie  Humboldt  irrig  schreibt) 
zeigte,  wo  der  Gipfel  des  Berges  mit  gleichzeitigen  Erdstössen  einstürzte, 
der  Kratersee  sich  entleerte  und  ein  wässeriger  Schlammstrom  mit  einer 
trachytischen  Masse,  welche  heute  noch  fast  ganz  unverändert  ist,  in 
einer  Ausdehnung  von  4  Leguas  bandartig  nach  der  Hochebene  von 
Ambato  sich  ergoss,  war  keine  Feuereruption,  sondern  eine  jener  wäss- 
rigen  kalten  Schlammausbrüche,  welche,  ähnlich  dem  berühmten  Moya- 


103 

auswurf  bei  dem  Erdbeben  von  Pelileo  und  Riobamba  1797,  an  den 
Vulkanen  der  Anden  von  Ecuador  oft  vorkommende  Erscheinungen  sind. 

Jener  Schlammstrom  des  Carahuirazo,  der  in  der  breiartigen  Erd- 
masse auch  eine  Menge  Prenadillen  enthielt,  konnte  diese  Eische  wohl 
aus  dem  entleerten  Kratersee  oder  von  den  Bächen,  die  er  verstopfte, 
und  deren  Wasser  sich  mit  der  Schlammmasse  mischten,  in  die  Tiefe 
geführt  haben.  Wenn  diese  Fische  in  unterirdischen  Wasserbecken 
wirklich  vorkommen,  so  ist  ihr  Auswurf  nur  durch  die  mechanische 
Gewalt  der  Erdstösse  zu  erklären,  durch  welche  senkrechte  Spaltenrisse 
an  den  Vulkanen  entstehen,  nicht  durch  wirkliche  Dampferuptionen  aus 
dem  Krater. 

Aehnliche  ausgedehnte  Schlammströme,  in  Form  und  Länge  den 
wirklichen  Lavaströmen  ähnlich,  aber  von  ganz  anderer  Beschaffenheit 
der  Grundmasse,  zeigen  die  Umgebungen  des  Vulkans  Imbabura  und 
selbst  des  Cotopaxi.  Es  sind  breiartige  wässerige  Ausbrüche,  die  stets 
nur  bei  Erschütterung  der  Vulkane  durch  Erdbeben  entstehen.  Sie 
dürfen  nicht  mit  feurig  flüssigen  Lavaströmen,  wie  solche  die  Vulkane 
Italiens  und  Islands  regelmässig,  in  den  Anden  von  Ecuador  nur  die 
Vulkane  Antisana  und  Tunguragua  ausnahmsweise  zeigen,  verwechselt 
werden.  Ihre  erdige,  kothähnliche  Masse  besteht  grösstentheils  aus 
zerriebenen  und  zertrümmerten  Theilchen  von  jener  Varietät  des  Trachyts, 
den  man  Andesit  genannt  hat,  und  enthält  eine  Menge  von  kleinen 
Oligoklas-  und  Hornblende-  oder  Augitkrystallen.  Ueber  diese  eigenthüm- 
lichen,  wässerigen,  schlammigen,  kalten  Eruptionen,  an  welchen  durch- 
aus nicht  immer  schmelzende  Schneemassen  betheiligt  sind,  wie  Humboldt 
später  irrthümlich  anzunehmen  geneigt  war,  und  über  die  breiartigen 
Lodozales ,  die  aus  ihnen  hervorgehen ,  habe  ich  an  einem  andern  Ort 
bereits  zuverlässiges  und  ausführliches  mitgetheilt. l) 

A.  v.  Humboldt,  der  eingesteht,  dass  er  die  Fischauswürfe  der 
Vulkane  von  Quito  nie  selbst  gesehen,  sondern  nur  aus  den  confusen 
Angaben    der    Eingebornen    davon    gehört   und    ,,in    den    Archiven    der 


1)  S.  die  Abhandlung:  „über  einige  wenig  bekannte  Vulkane  im  tropischen  Amerika  im  Heft  XI 
Jahrg.  1862  der  Mittheilungen  aus  Justus  Perthes  geographischer  Anstalt."  Die  von  mir 
mitgebrachte  Masse  aus  verschiedenen  Lodozales  wurde  von  Herrn  Professor  Blum  in  Heidel- 
berg mineralogisch  untersucht    und  lieferte  das  angegebene  Resultat. 


104 

kleinen  Provinzialstädte"  darüber  gelesen  habe,  gibt  in  seinen  „Beobach- 
tungen aus  der  Zoologie"  S.  42  und  43  über  diese  Erscheinung  fol- 
gende sonderbare  Mittheilungen.  „Cotopaxi  und  Tunguragua,"  schreibt 
Humboldt,  ,, werfen  die  Fische  bald  aus  dem  Krater,  bald  aus  Seiten- 
klüften,   stets  aber  in  Punkten  aus,    die  viertausend  fünfhundert,    bis 

fünftausend  Meter  über  dem  Meer  erhaben   sind Sehr  merkwürdig 

ist,  dass  von  den  vielen  tausend  Fischen,  welche  man  in  wenigen  Stunden 
mit  Strömen  von  kaltem  und  süssem  Wasser  vom  Cotopaxi  herab- 
kommen sieht,  kein  einziger  verunstaltet  und  so  beschaffen  ist,  dass 
man  glauben  könne,  er  sei  einem  hohen  Wärmegrad  ausgesetzt  gewesen. 
Diese  Betrachtung  ist  um  so  auffallender  als  das  Fleisch  dieser  Thiere 
sehr  weich  ist  und  der  Vulkan  oft  zugleich  eine  dicke  Rauchsäule  aus- 
stösst.  Einige  Indianer  versichern  sogar,  dass  die  Fische,  indem  sie  an 
dem  Abhänge  der  vulkanischen  Kegelberge  herabgleiten,  bisweilen  noch 
lebendig  sind." 

Der  Vorwurf,  den  man  dem  berühmten  Naturforscher  und 
Reisenden  ungeachtet  seiner  unermesslichen  Verdienste  um  die  phy- 
sikalische Erdkunde  und  Naturgeschichte  Amerika's  wiederholt  ge- 
macht hat:  dass  er  den  märchenhaften  und  übertriebenen  Aussagen 
von  Eingebornen,  die  sich  oft  ein  Vergnügen  machen,  den  Fremden 
absichtlich  zu  belügen,  doch  manchmal  zu  viel  Gewicht  beilegte,  scheint 
hier  wirklich  begründet.  Kein  Beobachter  hat  jemals  einen  Fischaus- 
wurf aus  dem  Krater  des  Cotopaxi  gesehen;  kein  Beobachter  konnte 
ihn  je  sehen.  Denn  noch  ist  überhaupt  kein  Mensch  dem  Krater  dieses 
Feuerbergs  für  eine  hinreichende  Beobachtungszeit  nahe  genug  gekommen.1) 


1)  Humboldt  und  Bonpland  i.  J.  1803,  Boussingault  und  Hall  i.  J.  1831  versuchten  den  Coto- 
paxi von  der  Nordostseite  zu  besteigen  zu  einer  Zeit,  wo  der  Krater  nicht  die  geringste 
Thätigkeit  zeigte,  also  auch,  keine  frischen  eruptiven  Schlamm-  und  Aschenauswürfe  von 
ihnen  beobachtet  werden  konnten.  Die  bewohnten  Punkte  liegen  auch  dort  viel  zu  weit 
vom  eigentlichen  Eruptionskegel  des  Vulkans  entfernt ,  um  selbst  nur  die  Möglichkeit  ge- 
nauer Beobachtungen  von  dort  zuzulassen.  Die  Ranchos  de  la  Vacceria,  wo  ich  bei  dem 
ersten  Besteigungsversuch  mit  Professor  Cassola  und  Dr.  Gallegos  aus  Tacunga  eine  Nacht 
zubrachte,  bilden  den  höchsten  zur  Regenzeit  bewohnten  Punkt  an  der  Südwestseite  des 
Vulkans.  Unser  Barometer  fiel  dort  auf  500  mm.  bei  -f  7°  C.  und  zeigte  eine  Höhe  von 
11,400  P.  F.  über  dem  Meere  an.  Es  sind  Schäferhütten,  die  nur  während  der  besten 
Weidezeit  von  den  indianischen  Hirten  bezogen  werden.  Auch  dort  ist  die  Entfernung 
vom  Auswurfskegel  des  Vulkans  viel  zu  gross,  um  von  den  Eruptionsprodukten  bei  gewöhn- 


105 

Der  Eruptionskegel  des  Cotopaxi  erhebt  sich  in  einer  einsamen,  fast 
unbewohnten  Wildniss.  Die  nächste  Hacienda  von  San  Elias  ist  zwei 
Meilen  vom  Fusse  des  Kegels  entfernt.  Es  fällt  keinem  Indianer  ein, 
sich  über  die  Schlackenwüste  des  Arenal,  welcher  den  Eruptionskegel 
des  Vulkans  umgibt,  hinaus  zu  verirren.  Die  Hacienda  Chillo ,  von 
welcher  Humboldt  hörte,  dass  sie  auch  einmal  einen  Fischregen  vom 
Cotopaxi  empfangen  habe,  ist  in  gerader  Richtung  von  diesem  Vulkan 
sieben  geopraphische  Meilen,  also  fast  zwei  Tagreisen,  entfernt.  Wer  möchte 
aus  solcher  Entfernung  behaupten,  dass  die  niedergefallenen  Fische,  die 
auch  möglicherweise  durch  Windhosen,  Wirbelstürme  u.  s.  w.  emporgerissen  ' 
oder  wahrscheinlicher  durch  Entleerung  unterirdischer  Wasser  und  kleiner 
Seen  aus  den  nächsten  Bergen  bei  Chillo  gekommen,  vom  Krater  des 
Cotopaxi  auf  so  bedeutende  Entfernung  geschleudert  worden  seien? 
Wenn  die  Prenadillen  wirklich  durch  die  Schleuderkraft  der  Dampf- 
explosionen des  grossen  Feuerberges  auf  solche  Entfernungen  geworfen 
würden,  wie  wäre  dann  die  gute  Erhaltung  der  zarten  Fische  möglich, 
die  ein  geringer  Druck  der  Hand  zu  einer  unkenntlichen  Masse  zer- 
malmt ? 


licher  Thätigkeit  des  Kraters  etwas  zu  sehen.  Erst  auf  der  Höhe  des  Picacho  —  (Cabeza 
de  Incas,  wie  ihn  Humboldt  nennt,  der  ihn  nur  aus  einer  Entfernung  von  3  Meilen  mit  dem 
Fernrohr  betrachtete)  —  eines  circusförmigen  Trachytfelsens,  wo  wir  am  23.  Dezember  1858 
in  einer  Höhe  von  14,416  P.  F.  auf  dem  Schnee  übernachteten,  ist  man  dem  Krater  und 
seinen  täglichen  Auswürflingen  nahe  genug,  um  das  Spiel  der  vulkanischen  Thätigkeit  und 
die  Natur  der  Auswürflinge  genauer  zu  beobachten.  Noch  hat  aber  kein  Beobachter  in 
dieser  Höhe,  wo  bei  wechselnder  Temperatur  der  Schauplatz  der  furchtbarsten  Stürme  und 
fast  täglicher  Gewitter  mit  Schneegestöber  ist ,  auch  nur  einige  Tage  ausgehalten.  Der 
Gouverneur  Don  Lorenzo  Espinoza,  ein  Sohn  des  Landes,  und  der  Pfarrer  Vasquez  von 
Tilipulo,  der  in  den  Archiven  von  Tacunga  die  genauesten  Nachforschungen  über  alle  Erup- 
tionen des  Cotopaxi  seit  der  spänischen  Invasion  gemacht  hat,  versicherten  uns:  dass  wir 
die  Ersten  gewesen,  die  dem  Feuerberg  von  der  Südwestseite  so  nahe  gekommen,  und  dass 
vor  uns  kein  Beobachter  über  den  Fuss  des  Picacho  emporgestiegen  sei.  In  der  Höhe  von 
16,645  P.  F.,  wo  die  Heftigkeit  des  Gewitters  und  die  Erschöpfung  unserer  Kräfte  uns  zur 
Umkehr  zwangen,  warenwir  nach  siebenstündigem  Steigen  über  verschiedene  frisch  aus- 
geworfene wässerige  Kothlavaströme  (Lodozales)  gekommen,  deren  Beschaffenheit  ich  genau 
untersuchte  und  von  denen  ich  Proben  an  Herrn  Professor  Bunsen  in  Heidelberg  zur  Ana- 
lyse einsandte.  Es  fand  sich  darin  keine  Spur  von  Organismen.  Der  Krater,  welcher  stark 
rauchte,  warf  auch  einigemale  Schlacken  empor,  die  auf  den  Gehängen  des  Kegels  herab- 
rollten, in  Mehrzahl  aber  in  den  rauchenden  Schlund  zurückfielen  Bei  grossen  Eruptionen 
des  Cotopaxi,  die  nur  drei-  bis  viermal  in  jedem  Jahrhundert  stattfinden,  fliehen  selbst  die 
Bewohner  von  San  Elias.  Die  ganze  Hochebene  ist  dann  in  Finsterniss  gehüllt,  die  Asche 
fällt  bis  dreissig  Meilen  in  der  Runde,  und  die  Donnersalven  des  Kraters  werden  noch  in 
Entfernungen  von  200  spanischen  Meilen  gehört.  (S.Humboldt:  „Vue  des  Cordilleres"  p.  46.) 
Abh.  d.  IL  Cl.  d.  k.  Ak.  d.  Wisa.  X.  Bd.  I.  Abth.  14 


106 

Die  Fischauswürfe,  welche  mitunter  die  wässerigen  Eruptionen  be- 
gleiteten, sind  wohl  in  den  meisten  Fällen  die  Folgen  der  gleichzeitigen 
Entleerung  fischreicher  Kraterseen  gewesen,  die  durch  Risse  und  Ein- 
stürze geöffnet,  ausflössen;  aber  solche  Fischmassen  kommen  nicht  bei 
allen  wässerigen  und  schlammigen  Durchbrüchen  zum  Vorschein.  Das 
grosse  Erdbeben  von  Quito  im  März  1859  war  an  verschiedenen  Stellen 
von  unterirdischen  Schlammausbrüchen  begleitet.  Ich  habe  die  Gebilde 
dieser  Ausbrüche  am  Vulkan  Pichincha,  wo  sie  stattfanden,  unmittelbar 
nach  dem  Ereigniss  genau  untersucht,  in  der  weichen  andesitischen 
Masse  aber  keine  Spur  von  Fischen  gefunden.  Bei  wirklichen  vul- 
kanischen Feuereruptionen  können  Fischauswürfe  aus  dem  Krater  nicht 
stattfinden.  Sie  würden,  wenn  das  Vorkommen  solcher  Fische  in  der 
hohen  Temperatur  des  vulkanischen  Heerdes  thätiger  Feuerberge  über- 
haupt möglich  wäre,  durch  die  Gewalt  der  Dampfexplosionen  zu  einem 
Brei  zermalmt,  gänzlich  zerstört  und  unter  den  Auswürflingen  sicher 
nicht  mehr  als  organische  Wesen  erkannt  werden.  Unter  den  Eruptions- 
produkten des  Cotopaxi,  der  sich  zur  Zeit  meines  dortigen  Aufenthaltes 
in  starker  Thätigkeit  befand,  bemerkte  ich  keine  Spur  von  Fischen, 
und  bei  den  Indianern  der  Gegend  war  jede  Erinnerung  von  Fischaus- 
würfen erloschen. 

Das  Vorkommen  der  Prenadillen  in  den  unterirdischen  Höhlen 
und  Wasserbecken  selbst  der  ausgebrannten  Vulkane  ist  überhaupt  nur 
Hypothese,  keine  Gewissheit.  Unterirdisch  lebende  Höhlenfische,  wie 
der  in  den  Gewässern  der  Mammuthhöhle  in  Kentucky  (Nordamerika) 
vorkommende  Ainblyopsis  spelaeus,  haben  eine  Hautbedeckung  über  den 
kleinen  Augen,  sind  also  wirklich  blind,  was  die  Prenadilla  nicht  sind. *) 
Humboldt  beruft  sich  zwar  zur  Unterstützung  seiner  Hypothese  des 
unterirdischen  Aufenthalts  der  Frenadillen  auf  eine  Mittheilung  des  Cor- 
regidor  von  Ibarra,  die  folgendermassen  lautet  j  ,,dass  die  Prenadillen 
im  Innern  des  Berges  Imbabura  leben,  erkennt  man  daran,  dass  bei  dem 
Dorf  San  Pablo  die  Indianer  sie  in  einem  Bache  fangen,    da  wo  er  aus 


1)  Die  kleinen  Fische  aus  der  Familie  der  Cyprinoiden,  welche  in  den  artesischen  Brunnen  der 
Sahara  aus  den  Tiefen  des  Erdinnern  vom  Wasserstrahl  emporgerissen  werden,  sind  aller- 
dings nicht  blind.  Es  ist  aber  zu  vermuthen,  dass  die  unterirdischen  Wasserbecken  dort 
mit  Tagwassern  in  Verbindung  stehen. 


107 

dem  Felsen  ausbricht."  l)  Diese  Mittheilung-  scheint  mir  jedoch  keines- 
wegs ein  Beweis  für  das  unterirdische  Vorkommen  der  Fische.  Ich 
verweilte  in  Begleitung  des  Herrn  Valdivieso  von  Quito  mehrere  Tage 
in  San  Pablo  am  Fusse  des  Imbabura  und  habe  den  erwähnten  Bach 
bis  zu  seiner  Quelle  untersucht.  Eine  mit  demselben  communicirende 
Höhle  konnte  ich  weder  finden,  noch  habe  ich  von  deren  Existenz  ge- 
hört. Der  Bach,  der  in  beträchtlicher  Höhe  am  Vulkan  entspringt,  er- 
giesst  sich  in  den  See  von  San  Pablo,  der  voll  von  zahllosen  Prenadillen 
ist.  Der  kleine  Fisch ,  den  die  Natur ,  wie  erwähnt ,  mit  Stachelflossen 
wie  zum  Klettern  versehen  hat,  kann  vom  See  aufwärts  selbst  über 
ziemlich  schroffe  Stellen  des  Baches  mit  Leichtigkeit  bis  zu  dessen  Quelle 
gelangen. 

Humboldt  selbst  hat  sich  die  Fragen  gestellt:  wie  es  möglich, 
dass  diese  Fische  in  der  hohen  Temperatur  der  unterirdischen  Wasser 
von  thätigen  Feuerbergen  leben  können?  Wie  es  möglich,  dass  so 
weiche  und  zarte  Geschöpfe  bei  der  furchtbaren  Gewalt,  mit  welcher 
die  heissen  Dämpfe  glühende  Schlacken  einige  tausend  Fuss  über  den 
Krater  emporschleudern,  nicht  völlig  zerstört  würden  ?  Mit  diesen  Ein- 
würfen scheint  mir  Humboldt  seine  eigenen  Mittheilungen  von  Fisch- 
auswürfen als  begleitende  Erscheinungen  wirklicher  Eruptionen ,  die  er 
nach  der  vorhandenen  Sage  nacherzählt  und  nicht  selbst  beobachtet 
hat,  hinreichend  widerlegt  zu  haben. 

Boussingault  hat  bei  Uebersendung  einiger  Prenadillen  an  Valen- 
ciennes  zwar  die  alte  Sage  von  den  Fischauswürfen  des  Cotopaxi  wieder- 
holt, ohne  jedoch  während  seines  Besuchs  an  diesem  Feuerberg  die 
Erscheinung  selbst  gesehen,  oder  näheres  darüber  von  lebenden  Augen- 
zeugen gehört  zu  haben.  In  den  verschiedenen  wissenschaftlichen  Auf- 
sätzen ,  welche  dieser  berühmte  Physiker  als  Ergebnisse  seines  mehr- 
jährigen Aufenthalts  in  den  südamerikanischen  Anden  publicirte,  hat  er 
sich  über  die  angeblichen  Fischeruptionen  der  Vulkane  von  Quito  nie- 
mals bestimmt  ausgesprochen. 

A.  v.  Humboldt  hat  den  dürftigen  historischen  Documenten  über 
dieses  Phänomen  offenbar  mehr  Werth  beigelegt,  als  sie  verdienen.  Die 
spanischen  Creolen  sind,   ebenso  wie  die  Cholos    und  Indianer,    stets    zu 

1)  A.    v.  Humboldt  „Beobachtungen  aus  der  Zoologie"  S.  47. 

14* 


108 

Erdichtungen  und  Uebertreibungen  geneigt,  besonders  wenn  es  sich  von 
aussergewöhnlichen  Naturereignissen  handelt.  Auffallend  ist  es  immerhin, 
dass  der  gelehrte  französische  Akademiker  La  Condamine,  welcher  6 
Jahre  (1736 — 1742)  in  den  Umgebungen  der  Vulkane  von  Quito  mit 
wissenschaftlichen  Arbeiten  verweilte,  bei  seinen  Bemerkungen  über  den 
Cotopaxi,  Sangay,  Tunguragua  etc.  mit  keiner  Sylbe  ihrer  Fischeruptionen 
erwähnt,  was  er  gewiss  nicht  unterlassen  haben  würde,  wenn  er  davon 
gehört  hätte. 

Don  Antonio  Ulloa,  der  mit  ihm  eine  Reihe  geodätischer  Arbeiten 
dort  ausführte,  erwähnt  in  seinem  Capitel  über  die  Fische  zwar  das 
Vorkommen  der  Prenadilla  in  den  Gebirgsbächen  von  Quito ,  sagt  aber 
nichts  von  einem  Auswurfe  derselben  durch  die  Vulkane.1) 

Pater  Velasco  in  seiner  „historia  del  Reino  de  Quito"  erwähnt 
einzig  nur  der  Fischauswürfe  des  Vulkans  Imbabura,  der  auch,  sowie 
die  ganze  Provinz,  seinen  Namen  davon  hat.2)  Derselbe  Verfasser,  der 
es  übrigens  mit  der  Wahrheit  nicht  immer  sehr  genau  nimmt,  und  dessen 
Angaben  kein  volles  Vertrauen  verdienen,  versichert  sogar:  er  selbst 
sei  bei  einem  dieser  Fischauswürfe  auf  halber  Höhe  des  Berges  in  Ge- 
fahr gewesen,  durch  den  Gestank  der  ausgeworfenen  Fische  zu  er- 
sticken.3) Velasco  bezeichnet  aber  weder  das  Jahr,  wo  er  diese  Er- 
scheinung miterlebte,  noch  beschreibt  er  dieselbe  in  umständlicher  klarer 
Weise,  was  er  sicher  gethan  haben  würde,  wenn  er  wirklich  Augenzeuge 
derselben  gewesen,  und  sie  nicht  blos  nach  Hörensagen  wiederholt  hätte. 

Manuel  Villavicencio  bemerkt  in  seiner  ,,Geografia"  ebenso  wie 
P.  Velasco  ausdrücklich:  dass  der  Vulkan  Imbabura  stets  nur  wässerige 
Eruptionen  gehabt  habe,  und  dass  die  Fischauswürfe  entweder  aus  unter- 
irdischen Höhlenwassern,  oder  möglicherweise  auch  aus  den  zu  Tag  gehen- 
den Gewässern  der  Schluchten  des  Berges   gekommen  seien.4) 

Zum  Schluss  dieser  Abhandlung  wollte  ich  eine  übersichtliche  Dar- 
stellung der  geographischen  Vertheilung  der  Süsswasserfische  Amerika's 
nebst  einer  kurzen  Charakteristik  der  einzelnen  ichthyologischen  Reiche 


1)  Antonio  de  Ulloa:  noticias  americanas.  Ent    IX  sobre  los  Pescados. 

2)  Imbabura  „Fiscbmutter ."      Imba  werden  im    dortigen  Qquichuadialekt  die  Prenadillas  ge- 
nannt    Bura  beisst  Mutter.     S.  P.  Velasco  bistoria  natural  del  Reino  de  Quito  p.  11. 

3)  Ibid.  §.  2  Montes  y  volcanes  S.  11. 

4)  Manuel  Villavicencio:  Geografia  de  la  Republica  del  Ecuador,  p.  57. 


109 

dieses  Welttheils  vom  hohen  Norden  der  arktischen  Zone  bis  zur  Süd- 
spitze Patagoniens  beifügen.  Indem  ich  jedoch  die  ichthyologische 
Literatur,  soweit  ich  solche  in  der  hiesigen  Staatsbibliothek  vorfand, 
eingehend  studierte  und  verglich,  fand  ich  die  materiellen  Schwierigkeiten 
theils  wegen  der  Unvollständigkeit  der  Untersuchungen  in  weiten  Länder- 
gebieten, theils  wegen  der  Lückenhaftigkeit  der  hier  vorhandenen  Lite- 
ratur so  gross,  dass  ich  diese  Arbeit  auf  eine  spätere  Zeit  verschieben 
muss.  Herr  Professor  Kner  in  Wien  hatte  die  besondere  Güte,  eine 
Reihe  von  Fragen,  welche  ich  über  dieses  Thema  an  ihn  richtete,  aus- 
führlich zu  beantworten,  wofür  ich  ihm  hiemit  meinen  wärmsten  Dank  aus- 
drücke. Die  schätzbaren  Mittheilungen  dieses  kenntnissreichen  Forschers 
werde  ich  in  einer  spätem  Abhandlung  benützen.  Hier  gebe  ich  zum 
Schluss  nur  noch  einige  Bemerkungen  über  die  bisherigen  Untersuch- 
ungen in  Amerika,  und  über  die  dort  noch  vorhandenen  geographischen 
Lücken  in  der  Naturgeschichte  der  Fische. 

In  Nordamerika  zeigt  sich  die  grösste  geographische  Lücke  in  der 
Kenntniss  der  Süsswasserfauna  nördlich  vom  54  °  N.  B.  bis  zu  den 
Küsten  des  Eismeeres.  Die  Fische  des  grossen  Sklavensees,  des  Bären- 
sees und  des  Mackenziestromes  sind  noch  völlig  unbekannt.  Ebenso 
wenig  wissen  wir  über  die  Fauna  der  Flüsse  im  russischen  Nordamerika, 
und  in  dem  zum  weiten  Ländergebiet  des  brittischen  Amerika  gehörigen 
Caledonia  westlich  von  der  Kette  der  Rocky  Mountains. 

Die  Süsswasserfauna  des  östlichen  Theils  von  Nordamerika,  südlich 
vom  50.  Parallel,  ist  verhältnissmässig  gut  erforscht.  Indessen  ist  uns 
kein  nordamerikanisches  Fischwerk  bekannt,  welches  hinsichtlich  der 
Gründlichkeit,  Schärfe  der  Beobachtung  und  kritischen  Sichtung  der 
aufgestellten  Arten  dem  vortrefflichen  Werk  C.  Th.  E.  v.  Siebold's:  „Die 
Süss  wasserfische  von  Mitteleuropa"  an  die  Seite  zu  stellen  wäre.  Auch 
in  Bezug  auf  die  Lebensweise  der  Fische  hat  kein  amerikanischer  Ich- 
thyolog  einen  gleichen  Reichthum  an  Beobachtungen  geliefert.  Es  wäre 
namentlich  zu  wünschen,  dass  die  amerikanischen  Werke  uns  eine  ähn- 
liche tabellarische  Uebersicht  der  geographischen  Verbreitung  der  Süss- 
wasserfische  geben  würden  wie  Siebold's  Buch. 

Um  die  nähere  Kenntniss  der  Fische  in  den  beiden  grossen  Fluss- 
gebieten des  Mississippi    und    des  Sanct  Lorenzstromes,    sowie  der   vier 


110 

grossen  zusammenhängenden  Binnenseen,  haben  sich  besonders  Mitchill, 
Lesueur,  de  Kay,  Smith,  Storer,  de  la  Pilay,  Richardson,  Grill, 
Girard,  Agassiz  anerkennungswerthe  Verdienste  erworben.1)  Der  letzt- 
genannte Forscher,  welcher  die  Fische  Amerika's  und  Europa's  gleich 
gründlich  untersuchte,  hat  den  wichtigen  Ausspruch  gethan:  dass  Amerika 
und  Europa,  trotz  der  grossen  Aehnlichkeit  in  den  meisten  generischen 
Formen,  doch  nicht  eine  identische  Species  von  Süsswasserfischen  ge- 
meinsam besitzen.  Diese  Thatsache  beweist,  dass  die  Trennung  Amerika's 
und  Europa's,  für  deren  früheren  Zusammenhang  manche  gewichtige 
geologische  Gründe  sprechen,  jedenfalls  älter  ist,  als  die  Entstehung  der 
gegenwärtigen  Artenformen.  Die  wenigen  Säugethiere,  Vögel  und  In- 
sekten, welche  Nordamerika  mit  Europa  gemein  hat,  sind  als  eingewan- 
derte Arten  zu  betrachten. 

Viel  weniger  explorirt  als  Canada  und  der  östliche  Theil  der  Ver- 
einigten Staaten  hinsichtlich  der  Süsswasserfauna  ist  Californien,  welches 
ganz  verschiedene  Species ,  zum  Theil  andere  Genera  und  selbst  eine 
eigenthümliche  Familie  von  Flussfischen  besitzt. 

v  Die  Kenntniss  der  Fische  Nordamerika' s  reicht  südlich  nicht  über 
Florida  und  Texas ,  also  nicht  über  26  °  N.  B.  hinaus.  Die  Fischarten 
des  Rio  Grande  del  Norte  sind  noch  ebenso  wenig  bekannt,  wie  die  in 
den  Gebirgs-  und  Küstenflüssen  vou  Ost-  und  Westmexiko  vorkommenden 
Arten.  In  Mocigno's  Werk  sind  nur  Seefische  von  der  mexikanischen 
Golfküste  beschrieben  und  abgebildet.  Die  in  Aussicht  stehende  Unter- 
suchung der  ichthyologischen  Sammlungen  des  Dr.  Saussure  aus  Mexiko 
durch  Professor  Kner  dürfte  daher  eine  sehr  wesentliche  Lücke  in  der 
Ichthyologie  Amerika's  ausfüllen.  Mexiko  ist  für  die  geographische 
Verbreitung  der  Süsswasserfische  von  hoher  Wichtigkeit;  denn  dort  ist 
die  äusserste  nördliche  Grenze  ausgezeichneter  tropischer  Formen  wie 
die  der  Familien  der  Glmracinen  und  Loricaien,   sowie  die  südliche  Grenze 


1)  Es  wären  ausser  den  Genannten  noch  manche  Andere,  besonders  reisende  Naturforscher 
und  Sammler  zu  nennen,  welche  sich  um  die  Ichthyologie  Nordamerika^  verdient  gemacht 
haben.  Ich  erwähne  hier  nur  die  hervorragendsten  Namen.  Leider  ist  es  mir  bis  jetzt 
noch  nicht  gelungen,  eine  vollständige  Einsicht  in  die  ganze  ichthyologische  Literatur 
Amerika's  zu  gewinnen,  welche,  wie  gesagt,  sehr  zerstreut  und  in  der  Staatsbibliothek 
Münchens  nur  fragmentarisch  vorhanden  ist. 


111 

der  Esocinen,  Cypriniden  und  der  eigentlichen  Salmoneer  mit  Wahrschein- 
lichkeit zu  finden. 

Von  den  Antillen  ist  die  Fischfauna  der  Insel  Cuba  durch  Gund- 
lach's  Sammlungen,  Parra's  und  Poey's  descriptive  Beiträge  bekannter 
geworden.  Auch  die  Süsswasserfauna  der  besonders  an  Weichthieren 
reichen  Insel  Jamaica  ist  durch  brittische  Sammler  ziemlich  gut  bekannt. 
Die  Ichthyologie  von  Hayti  und  den  übrigen  westindischen  Inseln  ist 
dagegen  noch  sehr  unzureichend  erforscht.  Seit  den  älteren  Fischsamm- 
lungen von  Ricord  auf  San  Domingo,  von  Leford  und  Achard  in 
Martinique  und  Guadeloupe  und  von  dem  unglücklichen  französischen 
Reisenden  Pley  in  Portorico  ist  von  dort  nur  wenig  zu  unserer  Kunde 
gekommen. 

Aus  Guatemala  hat  Günther  eine  kleine  Anzahl  neuer  Fischarten 
beschrieben.  Ueber  die  Süsswasserfauna  von  Honduras,  San  Salvador, 
Nicaragua  und  Costarica  wissen  wir  fast  nichts.  Die  von  mir  dort 
während  der  Jahre  1853  und  1854  gesammelten  Fische  sind  theils  durch 
Mangel  an  gutem  Weingeist  verdorben,  theils  bei  dem  Einsturz  des  von 
mir  bewohnten  Hauses  durch  das  Erdbeben  vom  16.  April  1854,  welches 
die  Hauptstadt  San  Salvador  gänzlich  zerstörte,  mit  vielen  anderen  ge- 
sammelten naturhistorischen  Gegenständen  zu  Grund  gegangen.1)  Die 
vorhergehende  Abhandlung  über  die  Panamafische  bildet  daher  den  ein- 
zigen wesentlichen  Beitrag  zur  Kenntniss  der  Süsswasserfauna  Central- 
amerika's. 

Südamerika  vom  11°  N.  B.  (Mündung  des  Magdalenenflusses)  bis 
35°  S.  B.  (Mündung  des  Rio  de  la  Plata)  ist  wenigstens  in  seinen  öst- 
lichen Theilen ,  wo  die  grössten'  und  fischreichsten  Flussgebiete  der 
Welt  auftreten,  viel  besser  bekannt  als  Mittelamerika.  Um  die  Er- 
forschung der  dortigen  Süsswasserfaunen  haben  sich  ziemlich  viele  unter- 
nehmende Reisende  besonders  dadurch  verdient  gemacht,  dass  sie,  nicht 
ohne    grosse  Mühe  und  Opfer,   ein    bedeutendes   Sammelmaterial  für    die 


1)  Ein  Theil  meiner  Sammlungen,  welche  ich  im  Landhause  des  preussischen  Viceconsuls 
Kronmeier  aufbewahrt  hatte,  ist  zwar  dem  Ruin  entgangen,  konnte  damals  aber  wegen 
gänzlichen  Mangels  an  Transportmitteln  nicht  nach  dem  stillen  Ocean  gebracht  werden, 
wo  ich  nach  der  Katastrophe  noch  einen  Monat  in  der  Hacienda  des  Herrn  Walter  Bogen 
am  Wechselfieber  leidend  verweilte.  Die  Stadt  San  Salvador  war  nicht  nur  Ruine,  sondern 
auch  eine  von  der  Bevölkerung  ganz  verlassene  Einöde  geworden. 


112 

grösseren  ichthyologischen  Werke  lieferten.  Ich  erwähne  nur  die  Samm- 
lungen von  Dr.  Schott  im  Atratogebiet,  von  Boussingault  und  Humboldt 
im  Magdalenenfluss,  die  sehr  interssante  ichthyologische  Ausbeute  der  Ge- 
brüder Schomburgk  in  Guiana,  das  bedeutende  Material  der  französischen 
Sammler  Richard,  Leblond,  Poiteau,  Leschenault  und  Doumerc 
in  der  französischen  Colonie  Cayenne,  die  überaus  reichhaltigen  Samm- 
lungen der  berühmten  Reiseforscher  Spix,1)  Martius,  Delalande,  Prinz 
von  Neu-Wied,  Auguste  Saint  Hilaire,  Natterer  im  Stromgebiet 
des  Amazonas  und  in  anderen  Flüssen  Brasiliens,  d'Orbigny's  und  Bur- 
meister's  zahlreiche  Untersuchungen  im  Rio  de  la  Plata  und  Neben- 
flüssen u.  s.  w.  Die  neuen  Arten,  welche  von  diesen  und  anderen 
älteren  und  neueren  Reisenden  in  Südamerika  entdeckt  wurden,  sind 
theils  in  den  Anhängen  der  Reisewerke,  theils  in  verschiedenen  ichthyo- 
logischen Werken  und  Abhandlungen  beschrieben. 

Südlich  von  der  Mündung  des  Rio  de  la  Plata  hat  die  amerikanische 
Ichthyologie  nur  wenige  sporadische  Mittheilungen  aufzuweisen.  Von 
Patagonien  kennt  man  nur  die  Küsten  und  Flussmündungen.  Das  ganze 
unermessliche  patagonische  Binnenland,  welches  durch  13  Parallelkreise 
und  10  Meridiane  zwischen  beiden  Oceanen  sich  ausdehnt,  ist  in  natur- 
geschichtlicher Beziehung  noch  „unbekanntes  Land/' 

Die  Süsswasserfauna  der  höchsten  Andesregionen,  von  Neu-Granada, 
Ecuador,  Peru,  Bolivia,  ist  durch  Humboldt,  Boussingault  und  be- 
sonders durch  Pentland  näher  bekannt  geworden.  Sie  ist  überaus  arm 
an  Fischarten.  Die  sonderbaren  Gattungen  Arges  und  Orestias,  welche 
dieser  Region  ganz  eigenthümlich  angehören,  sind  besonders  von  Pent- 
land in  den  höchsten  Seen  und  Flüssen  Bolivias  durch  Entdeckung 
ausgezeichneter  Arten  bereichert  worden. 

Eine  weite  geographische  Lücke  in  der  Kenntniss  der  Süsswasser- 
fische  bietet  der  westliche  Theil  Neu-Granadas  vom  2  °  bis  7  °  N.  B. 
Ob  Dr.  Schott  bei  Begleitung  der  letzten  nordamerikanischen  Expedition 
seine  Untersuchungen    auf  die    in    den    stillen  Ocean    mündenden  Flüsse 


1)  Cuvier  hat  in  seiner  „kistoire  d'ichtyologie"  p.  239  mit  besonderer  Anerkennung  die  Ver- 
dienste von  Spix  um  die  Förderung  der  Naturgeschichte  der  Fische  hervorgehoben,  sowohl 
durch  die  Entdeckung  vieler  neuer  Arten,  als-  auch  durch  die  in  seiner  „Cephalogenesis" 
(München  1815)  niedergelegten  scharfsinnigen  Ansichten  über  den  anatomischen  Bau  der 
Fischköpfe. 


113 

der  Provinz  Choco  ausgedehnt  hat,  ist  mir  nicht  bekannt.  Südlich  vom 
zweiten  Parallel  bilden  die  wenigen  Arten,  welche  von  meinen  grössten- 
teils verdorbenen  Sammlungen  aus  der  heissen  Region  gerettet  wurden, 
die  einzigen  Anhaltspunkte  zur  ichthyologischen  Kenntniss  jener  unge- 
sunden Gegenden.  Tschudi's  Fischsammlungen  in  Peru  sind  sämmtlich 
zu  Grunde  gegangen.  Poeppig  hat,  so  viel  mir  bekannt,  von  dort  keine 
Fische  mitgebracht.  Ueber  die  Süsswasserfische  Peru's  ist  mit  Aus- 
nahme einer  Abhandlung  von  Quichenot  in  der  Revue  zoologique  1847 
und  der  im  grossen  Reisewerk  von  Castelnau  beschriebenen  Fischarten 
nichts  zu  unserer  Kenntniss  gekommen.  Die  westlichen  Staaten  Süd- 
amerika^ vom  3 — 26  °S.  B.  bieten  daher  in  dieser  Beziehung  noch  sehr 
beträchtliche  Lücken  dar. 

Chile' s  Süsswasserfauna  ist  nur  durch  Claude  Gay 's  verdienst- 
volles Werk  näher  bekannt  geworden.  Seine  umfassenden  naturhisto- 
rischen Untersuchungen  gehen  jedoch  südlich  nicht  über  den  43  °  S.  B. 
hinaus.  Alle  Gebirgsflüsse ,  welche  von  da  bis  zur  Magellanstrasse  aus 
den  Cordilleren  herab  nach  kurzem  Lauf  in  den  stillen  Ocean  fallen, 
sind  in  hydrographischer  wie  in  zoologischer  Hinsicht  noch  gänzlich 
unerforscht. 

Ein  allgemeines  vergleichendes  Gemälde  der  geographischen  Ver- 
theilung  der  Fische  in  den  Meeren  und  süssen  Gewässern  unserer  Erde 
fehlt  noch.  Dasselbe  würde  ungeachtet  der  noch  sehr  fragmentarischen 
Kenntniss  der  Ichthyologie  in  sehr  weiten  Länderstrecken,  wie  auch 
Bronn  in  seiner  „allgemeinen  Zoologie"  bemerkt,  eine  zwar  schwierige, 
aber  für  die  Thiergeographie  höchst  wünschenswerthe  und  gewiss  dank- 
bare Aufgabe  sein. 


Abh.  d.  II.  Cl.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  X.  Bd.  I.  Abth.  15 


Neue 


Beobachtungen  zur  Entwicklungsgeschichte 


des 


Meerschweinchens 


Prof.  Dr.  Th.  L.  W.  Bischoff. 

Mit  vier  Tafeln  Abbildungen. 


15* 


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■ 


Neue 
Beobachtungen  zur  Entwicklungsgeschichte 

des 

Meerschweinchens 


von 

Prof.   Dr.  Bischoff. 


Im  Jahre  1862  erschienen  als  Separat-Abdruck  aus  den  Abhand- 
lungen der  k.  Akademie  der  Wissenschaften  zu  Berlin  „Beiträge  zur 
Entwicklungsgeschichte  des  Meerschweinchens  von  C.  B.  Reichert",  216 
Seiten  4°  mit  8  Kupfertafeln. 

Da  diese  „Beiträge"  vorzüglich  gegen  die  Angaben  meiner  zehn  Jahre 
früher  erschienenen  Entwicklungsgeschichte  des  Meerschweinchens  ge- 
richtet sind,  so  hat  vielleicht  Mancher  erwartet,  dass  ich  mich  bereits 
längst  über  diese  Berichtigungen  geäussert  haben  würde,  und  mein  Still- 
schweigen ist  wahrscheinlich  wesentlich  als  Zugeständniss  betrachtet 
worden. 

Indessen  war  ich  zu  jener  Zeit  mit  anderen  Arbeiten  beschäftigt, 
auch  fehlte  es  mir  lange  Zeit  hier  an  Meerschweinchen  und  ich  schwieg, 
weil  ich  nicht  ohne  erneute  objektive  Prüfung  die  Sache  besprechen 
wollte.  War  es  doch  sehr  wahrscheinlich,  dass  der  zweite  Beobachter, 
dem   ich  wenigstens  den  Weg  gezeigt  hatte,    in    vielen  Punkten    glück- 


118 

licher  und  richtiger  gesehen  hatte  als  ich,  so  wie  ich  mich  wieder  sei- 
ner Leuchte  bedienen  wollte,  um  meinen  früher  eingeschlagenen  Weg 
dadurch  zu  erhellen. 

Ausserdem  erwartete  ich  fernere  Mittheilungen  von  C.  B.  Reichert 
erscheinen  zu  sehen;  denn  diese  „Erste  Abtheilung"  reicht  in  der  That 
nur  bis  zum  13.  Tage  der  Entwicklung  des  Eies,  bis  zum  Auftreten  des 
Embryo,  nach  welchem  doch  ein  grosser  und  wesentlicher  Theil  der  Ei- 
genthümlichkeit  des  Entwicklungsganges  des  Meerschweinchen-Eies  erst 
seinen  Ausdruck  und  seine  Erklärung   findet. 

Unterdessen  konnte  ich  mir  wieder  eine  Meerschweinchenzucht  an- 
legen, und  habe  so  im  Laufe  des  letzten  Jahres  durch  Untersuchung 
von  einigen  dreissig  Thieren  während  der  ersten  14  Tage  der  Trächtig- 
keit die  Möglichkeit  gefunden,  C.  B.  Reicherts  und  meine  früheren  An- 
gaben aufs  Neue  objektiv  zu  prüfen.  Ich  bin  mir  bewusst,  dabei  mit 
dem  besten  Willen  verfahren  zu  sein.  Konnte  und  kann  mir  doch  nur 
daran  gelegen  sein,  eine  scheinbare  Anomalie  in  dem  Entwicklungsgange 
der  Säugethier-,  ja  so  weit  wir  sie  kennen,  selbst  der  Wirbelthier-Eier 
überhaupt  wo  möglich  aus  dem  Wege  geräumt  zu  sehen.  Ich  hatte 
diese  Anomalie  nicht  ausgedacht  und  erfunden,  sie  hatte  sich  mir  wider 
Willen  aufgedrängt,  und  kein  Vorurtheil  oder  Liebling  der  Phantasie 
hatte  mein  Urtheil  dabei  bestochen. 

Desshalb  kann  ich  auch  unbefangen  sagen,  dass  ich  über  mehrere 
Punkte  von  C.  B.  Reichert  gerne  Belehrung  angenommen  und  empfangen 
habe ,  und  gerade  diese  sind  es ,  die  mich  vorzüglich  bestimmen ,  noch 
einmal  das  Wort  zu  ergreifen.  Denn  diese  Punkte,  in  welchen  wir  einig 
sind,  werden  wohl  als  gesichertes  wissenschaftliches  Material  betrachtet 
werden  können,  während  die  bestehenbleibenden  Differenzen  fortfahren 
werden  unsere  Leser  zu  nöthigen,  zwischen  unseren  Personen  zu  ent- 
scheiden, bis  ein  dritter  oder  vierter  selbstständiger  Beobachter  den 
Auschlag  gibt. 

Leider  sind  diese  Differenzpunkte  die  wesentlicheren  und  zahlrei- 
cheren geblieben.  Ich  habe  mich  nicht  überzeugen  können,  dass  C.  B. 
Reichert  bei  seinen  Widersprüchen  gegen  mich  in  seinen  Angaben  und 
Folgerungen  objektiv  geblieben  ist.  Vielmehr  glaube  ich  mich  über- 
zeugt zu  haben,  dass  die  Neigung  zum  Widerspruch  vorherrschend  war, 


119 

und  dass  die  Liebe  zu  seiner  Theorie  ihn  veranlasst  hat,  Verschieden- 
heiten in  dem  Entwicklungsgange  des  Meerschweinchen-Eies  zu  läugnen 
oder  zu  übersehen,  welche  faktisch  vorhanden  sind,  und  auch  von  ihm 
nicht  beseitigt  werden    konnten. 

Es  liegt  in  der  Natur  der  Sache,  dass  meine  Darstellung  die  Form 
einer  Anti-Kritik  der  Reichert' sehen  Ausstellungen  meiner  früheren  Ar- 
beit annehmen  muss,  und  folge  ich  dabei  eben  diesen  Ausstellungen, 
wie  sie  von  ihrem  Autor  erhoben  worden  sind. 


Abgesehen  von  der  Einleitung,  welche  der  Aufzählung  meiner  un- 
glaubwürdigen Angaben  über  die  Entwicklung  des  Meerschweinchen-Eies 
gewidmet  ist,  ist  dann  der  erste  Widerspruch,  den  C.  ß.  Reichert  mir 
angedeihen  lässt,  dass  man  ein  völlig  reifes  zum  Austritte  aus  dem  Eier- 
stocke bereites  Säugethier-Ei  an  einem  sogenannt  strahligen  Discus,  d.  h. 
an  der  Umwandlung  der  das  Ei  in  dem  Graafschen  Follikel  umhül- 
lenden runden  Zellen  (die  ich  aber  jetzt  nicht  mehr  Zellen,  sondern  Pro- 
toplasten nenne,  weil  sie  keine  häutige  Hülle  besitzen)  in  spindelför- 
mige erkennen  könne.  Zwar  läugnet  Reichert  nicht  vollkommen  die 
Richtigkeit  meiner  Aussage,  dass  der  Discus  eines  völlig  reifen  Eies  ein 
eigenthümliches  Ansehen  habe,  allein  er  bemüht  sich,  sehr  ausführlich 
den  Beweis  zu  führen,  dass  dieses  nicht  von  der  erwähnten  Metamor- 
phose jener  Protoplasten  herrühre,  sondern  der  strahlige  Discus  reifer 
Eier  ein  „optischer  Betrug"  sei,  und  behauptet  anderer  Seits,  dass  dieses 
Ansehen  auch  bei  dem  Discus  nicht  ganz  reifer  Eier  beobachtet  werde, 
daher  ,,die  Verwerthung  des  Strahlenkranzes  als  Zeichen  reifer  Eichen 
ihre  Beschränkung  erleide".  Allein  gerade  aus  letzterem  Grunde  muss 
ich  auf  meiner  früheren  Aussage  beharren,  welche  sich  mir  auf's  Neue 
durch  Beobachtung  der  Eierstöcke  brünstiger  Fischottern,  Marder  und 
Füchse  immer  wieder  bestätigt  hat.  Ich  habe  mehrere  dieser  Fälle  be- 
nutzt, um  die  Einwürfe  Reicherts  gegen  meine  Erklärung  des  eigentüm- 
lichen Ansehens  solch  ganz  reifer  Eier  zu  prüfen,  und  habe  Andere  und 
mich  auf's  Neue  überzeugt,  dass  ausser  der  vollsaftigeren  Beschaffenheit 
der  Protoplasten  des  Discus,  dieselben  entschieden  spindelförmig  ge- 
staltet sind,  und  dieses  Ansehen  keineswegs    durch  Zerren  oder  Druck 


120 

veranlasst  ist.  Es  mag  sein,  dass  man  durch  solche  Einflüsse  die  ver- 
schiedensten Formen  hervorbringen  kann,  eben  weil  diese  Protoplasten 
keine  mit  Membranen  umgebenen  Zellen  sind;  allein  ich  habe  die  Eier 
sehr  vorsichtig  mit  scharfen  und  feinen  Nadeln  unter  der  Loupe  so  be- 
handelt, dass  neben  solchen  Kunstprodukten  ein  guter  Theil  dieser  Ge- 
bilde unverzerrt  auf  und  an  der  Zona  sitzen  blieb,  und  man  dabei  ihre 
spindelförmige  Gestalt  ganz  intact  erkennen  konnte. 

Ich  halte  also  sowohl  das  Ansehen  als  auch  die  Erklärung  des 
strahligen  Discus  reifer  Säugethiere-Eier  gegen  die  Einwürfe  C.  B.  Rei- 
cherts   fest. 

Von  geringerer  Bedeutung  ist  die  von  der  meinigen  abweichende 
Angabe  Reicherts,  dass  das  Bersten  eines  Graafschen  Follikels  bei  dem 
Meerschweinchen  in  der  Regel,  unter  40  Fällen  30mal,  mit  einem  Blut- 
austritt begleitet  sei.  Denn  da  er  diese  Behauptung  auf  ganz  kleine 
nur  mit  der  Loupe  oder  selbst  nur  mit  dem  Miskroskope  wahrnehm- 
bare Häufchen  von  Blutkörperchen  beschränkt,  so  habe  ich  keine  Ver- 
anlassung ihr  zu  widersprechen.  Meine  gegentheilige  Aussage  gilt  für 
einen  Blute rguss  und  eine  Erfüllung  des  geplatzten  Graafschen  Bläs- 
chens mit  einem  Blut-Extravasate,  wie  sich  dasselbe  an  dem  Eierstocke 
des  Menschen  und  des  Schweines  als  Regel  bildet.  Dieses  findet  sich, 
wie  ich  auch  schon  gegen  Pflüger  hervorgehoben  habe,  bei  keinem  der 
sonst  von  mir  untersuchten  Thiere;  bei  Kaninchen  nur  zuweilen  bei  ein 
und  dem  andern  Follikel,  ist  aber  bei  Jenen  Norm  und  keine  Folge  me- 
chanischer Unbilden. 

Ebenfalls  ohne  Bedeutung,  aber  eine  merkwürdige  Neigung  zum 
Widerspruch  constatirend ,  ist  eine  Aeusserung  C.  B.  Reicherts  p.  112: 
dass  die  Kaninchen weibchen  den  Bock  nicht  früher  zulassen,  bis  die 
Brunst  eingetreten,  d.  h.  die  Zeit,  in  welcher  „nicht  etwa,  wie  Bischoff 
angibt,  die  jetzt  erst  heranreifenden,  sondern  bereits  reifen  Eichen  aus- 
gestossen  werden".  Ich  möchte  doch  wohl  wissen,  wo  ich  gesagt  hätte, 
dass  die  Zeit  der  Brunst  nur  die  der  heranreifenden  und  nicht  auch 
die  der  bereits  reifen  Eier  sei?  und  ebenso  möchte  ich  wohl  wissen, 
wie  Reichert  die  Zeit  der  heranreifenden  und  die  der  bereits  reifen  Eier 
so  scharf  von  einander  unterscheiden  und  trennen  will,  dass  er  nur* 
letztere  die  Zeit  der  Brunst  nennen  könnte?    Dagegen  wollte  ich  wohl, 


121 

dass  C.  B.  Reichert  seinen  Ausspruch:  „dass  es  nicht  abzuläugnen  sei, 
dass  die  Begattung  auf  die  Zeit  des  Berstens  der  Follikel  einwirke", 
besser  begründet  hätte,  als  durch  die  blosse  Redensart,  dass  dieses  Ber- 
sten von  vermehrtem  Zudrange  des  Blutes  zu  dem  Follikel,  und  dieser 
Zudrang  von  den  aufregenden  Wirkungen  der  Begattung  auf  das  Mutter- 
thier  abhängig  sei.  Diese  Redensarten  hört  man  sehr  häufig,  und  wahr- 
scheinlich hat  sie  Reichert  von  Professor  Eichstedt  in  Greifswald  auf- 
genommen, welcher  der  beredetste  Vertreter  dieser  Ansicht  ist.  Ich 
würde  sie  wie  bisher  keiner  Beachtung  zur  Widerlegung  als  bedürftig 
erachten,  weil  sie  unlogisch  und  unwissenschaftlich  ist,  wenn  ich  nicht 
allerdings  zu  meiner  Verwunderung  eine  ähnliche  Aeusserung  von  einem 
unserer  scharfsinnigsten  Naturforscher  gerade  auf  dem  Gebiete  der  Ent- 
wicklung, K.  E.  v.  Baer,  in  seiner  vor  Kurzem  erschienenen  Selbstbio- 
graphie p.  437  gefunden  hätte.  Daher  mag  Folgendes  zur  Erörterung 
dieses  Einwurfes,  dass  die  Begattung  oder  auch  nur  die  Gegenwart  des 
Männchens  einen  Einfiuss  auf  die  Reifung  und  Ablösung  eines  Eies  aus 
dem  Eierstocke  ausübe,  dienen. 

Die  Thatsachen,  welche  die  Beobachtung  nicht  nur  bei  den  Thieren 
mit  äusserlicher,  sondern  auch  mit  innerer  Befruchtung  zum  Beweise 
des  Satzes  liefert,  dass  die  Eier  in  den  weiblichen  Organismen  und  Or- 
ganen ohne  alle  Gegenwart  und  Mitwirkung  des  Männchens ,  sei  es  bei 
der  Begattung  oder  in  irgend  einer  andern  Weise  allmählig  reifen,  und 
endlich  ihre  Bildungsstätte  verlassen  und  ausgesondert  werden,  sind  so 
zahlreich ,  so  über  alle  Abtheilungen  und  Arten  der  Thiere  verbreitet, 
mit  solcher  Evidenz  und  Sicherheit  dargethan,  dass  an  der  Allgemein- 
heit, d.  h.  an  der  Gesetzlichkeit  dieses  Vorganges  gar  nicht  gezweifelt 
werden  kann,  ja  auch  selbst  von  Denjenigen,  die  dennoch  an  diesem 
Gesetze  mäklen  zu  sollen  glauben,  wirklich  nicht  gezweifelt  wird.  Sie 
meinen  nur ,  es  gäbe  doch  auch  noch  Erscheinungen ,  welche  zeigen, 
dass  die  Männchen  und  die  Begattung  auch  einen  Einfiuss  darauf  aus- 
üben. Wenn  dieser  Einwurf  so  gehalten  wird ,  dass  er  zugesteht, 
die  Ercheinung  an  und  für  sich  ist  vollkommen  unabhängig  von  dem 
Männchen,  dieses  aber  kann  doch  förderlich  darauf  einwirken,  so  wird 
dadurch  nicht  mehr  gesagt,  als  wenn  man  sagen  würde,  eine  gute  Er- 
nährung, günstige  Verhältnisse  der  Temperatur  und  des  Klimas  haben 
ebenfalls  einen  Einfiuss    auf   die  Reifung  und  Loslösung  der  Eier,    und 

Abh.  d.  II.  Cl.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  X.  Bd.  I.  Abth.  1  6 


122 

diese  vielleicht  einen  noch  grösseren  als  die  Gegenwart  des  Männchens 
und  die  Paarung.  Und  wirklich  steht  auch  gar  Nichts  entgegen,  dem 
Männchen  in  diesem  Sinne  einen  Einfluss  einzuräumen.  Denn  es  ist  ge- 
wiss und  bekannt,  dass  der  Gesammtcharakter  und  Habitus  des  weiblichen 
Organismus  sich  erst  dann  vollkommen  ausbildet,  wenn  derselbe  den  ganzen 
Kreis  der  geschlechtlichen  Funktionen  durchlaufen  hat,  daher  möglicher 
und  höchstwahrscheinlicher  Weise  der  weibliche  Eierstock  erst  dann  das 
volle  Maass  seiner  individuellen  Thätigkeit  entwickelt,  wenn  auch  der 
männliche  Einfluss  auf  die  weibliche  Individualität,  namentlich  durch  die 
Begattung,  sich  geltend  gemacht  hat.  Allein  dieser  Einfluss  enthält, 
wie  Erfahrung,  und  Experiment  gezeigt  haben,  keine  nothwendige 
.Bedingung  zur  Erfüllung  der  gesetzmässigen  Funktion  des  Eierstocks, 
er  ist  also  nicht  wesentlich,  kann  und  sollte  daher  nie  zur  Anzwei- 
felung dieses  Gesetzes  benutzt  werden. 

Ich  kann  in  diesem  Verfahren  nur  noch  den  Ueberrest  der  alten 
falschen  Lehre  sehen,  dass  die  Begattung  die  Reifung  und  Loslösung 
der  Eier  bedinge,  von  welcher  sich  namentlich  Diejenigen  nicht  los- 
sagen können,  welche  in  den  den  Zeugungsakt  begleitenden  Empfin- 
dungen und  Gefühlen  noch  ein  Hauptmoment  desselben  erblicken.  Diese 
die  Zeugung  sichernden  Gefühle  sind  freilich  für  Thiere  und  die  grosse 
Zahl  der  Menschen  die  Hauptsache  bei  derselben.  Der  wissenschaftliche 
Naturforscher  aber  erkennt  in  ihnen  nur  einen  Nebenumstand,  freilich 
sehr  wesentlich  und  nothwendig,  um  die  eigentlichen  Bedingungen  und 
Gesetze  der  Zeugung  zur  Wirksamkeit  zu  bringen,  allein  letztere  voll- 
ziehen sich  im  gegebenen  Falle  auch  ohne  jene  Empfindungen  und  Ge- 
fühle und  sind  also  im  Sinne  der  Wissenschaft  Nebensache.  Es  ist  die 
Aufgabe  und  Sache  des  Naturforschers,  diese  Dinge  auseinander  zu  hal- 
ten, die  der  Laie  und  Ungebildete  durcheinander  wirft.  Nie  und  in  kei- 
nem Falle  würden  wir  je  zur  Einsicht  und  Aufstellung  eines'  Naturge- 
setzes kommen,  wenn  wir  nicht  die  nothwendigen  und  die  nur 
mitwirkenden  Ursachen  einer  Erscheinung  von  einander  zu  unter- 
scheiden und  verschieden  zu  würdigen  lernten ;  denn  es  wird  wohl  kaum 
irgend  eine  auffallendere  und  allgemeiner  wirksame  Naturerscheinung 
geben,  die  nur  allein  von  einer  einzigen  Ursache  ausschliesslich  hervor- 
gebracht würde. 


123 

Fragen  wir  uns,  was  die  Erkenntniss  des  hier  in  Rede  stehenden, 
die  Zeugung  beherrschenden  Gesetzes  der  selbständigen  Entwicklung 
und  Loslösung  des  weiblichen  Eies  so  viele  Jahrhunderte  verhindert  und 
verzögert  hat,  so  ist  dieses  offenbar  der  Mangel  wissenschaftlicher  Me- 
thode bei  der  organischen  Naturforschung,  den  ich  im  Vorstehenden 
auch  bei  dem  gegen  das  Gesetz  der  spontanen  Evolution  erhobenen  Ein- 
wurf rüge;  denn  an  den  hinreichenden  Thatsachen  zur  Erkenntniss  des 
Gesetzes ,  hat  es  eigentlich  schon  seit  lange  nicht  gefehlt.  Aber  die 
Befangenheit  in  die  Nebensachen,  der  ausschliessliche  Blick  auf  die  et- 
was verwickelten  Verhältnisse  bei  den  Säugethieren  und  Menschen,  machte 
diese  Erkenntniss  des  Gesetzes  unmöglich,  bis  auch  hier  die  entschei- 
denden Thatsachen  der  Beobachtung  durch  meine  Versuche  geliefert 
wurden.  Jetzt,  nachdem  es  durch  dieselben  ganz  entscheidend  erwiesen 
ist,  dass  in  den  verschiedensten  Ordnungen  der  Säugethiere  die  Brunst, 
die  Reifung  und  Loslösung  der  Eier  eintritt,  ohne  dass  das  Männchen 
dabei  irgendwie  concurrirt,  nachdem  ferner  die  anatomische  Ueberein- 
stimmung  der  Brunst  mit  der  Menstruation  des  Weibes  auf  das  voll- 
ständigste dargethan  ist,  kann  man  es  nur  als  einen  ganz  unwissen- 
schaftlichen Anachronismus  bezeichnen ,  wenn  Jemand  Thatsachen  über 
den  Einfluss  der  Begattung  auf  die  Ovulation  beibringen  will,  um  deren 
Spontaneität  zu  bezweifeln  und  zu  beeinträchtigen. 

Wenn  wir  wissen,  dass  bei  den  weiblichen  Thieren  der  Reifungs- 
und meistens  auch  der  Lösungsprozess  der  Eier  aus  dem  Eierstock  der 
Begattung  vorhergeht,  so  ist  von  selbst  klar,  dass  letztere  nicht  die 
Ursache  des  ersteren  sein  kann.  Bei  dem  Menschen  könnte  die  Un- 
abhängigkeit der  Begattung  von  jenem  Reifungs-  und  Lösungsprozess 
der  Eier  möglicher  Weise  einen  Einfluss  auf  jene  Vorgänge  im  Eier- 
stock ausüben,  da  sie  ihnen  vorhergehen  kann  und  oft  vorhergeht.  Al- 
lein grade  hier  hat  die  Erfahrung  Jahrtausende  und  Jahrhunderte  vor 
jeder  Einsicht  und  wissenschaftlichen  Erkenntniss  in  die  betreffenden 
Vorgänge  gelehrt,  dass  die  Begattung  keinen  Einfluss  auf  die  Vorgänge 
im  Eierstock  ausübt,  da.  die  Menstruation,  welche  diese  Vorgänge  an- 
zeigt, im  Grossen  und  Ganzen,  wenn  durch  die  Begattung  keine  Be- 
fruchtung herbeigeführt  wird,  ihren  Typus  unverändert  beibehält,  mag 
die  Begattung  erfolgen  oder  nicht.    Es  heisst  hier  den  Wald  vor  lauter 

16* 


124 

Bäumen  nicht  sehen,  wenn  man  vereinzelte  Thatsachen  eines  Einflusses 
des  Coitus  oder  geschlechtlicher  Aufregung  überhaupt  auf  die  Menstrua- 
tion, als  Gegenbeweise  beibringen  will.  Derselbe  kann  indirekt  sehr 
wohl  zuweilen  vorhanden  sein  und  zugegeben  werden,  während  die  Ge- 
setzmässigkeit der  Menstruation  und  spontanen  Ovulation  davon  ganz 
unabhängig  besteht. 

Ebenso  verhält  es  sich  aber  auch  mit  der  näheren  Beschränkung 
des  Einwurfes  gegen  das  Gesetz  der  spontanen  Ovulation  auf  die  Be- 
hauptung, dass  die  Begattung  das  Platzen  des  Follikels  bei  den  Säu- 
gethieren  bedinge  oder  befördere,  ein  Einwurf,  auf  den  vorzugsweise 
Eischstedts  und  Reicherts  Einreden  zurücklaufen.  Auch  hier  ist  es  von 
mir  bei  Hunden,  Kaninchen,  Meerschweinchen,  Ratten,  Schafen  und 
Schweinen  experimentell  bewiesen  und  kann  an  den  Eierstöcken  von 
Kühen,  welche  das  ganze  Jahr  hindurch  geschlachtet  werden,  leicht  con- 
statirt  werden,  dass  die  Follikel  platzen  und  gelbe  Körper  sich  bilden, 
ohne  dass  die  Begattung  erfolgt  ist.  Es  ist  also  ganz  gewiss,  dass  der 
Prozess  sich  ganz  unabhängig  von  der  Begattung  vollständig  entwickelt. 
Wenn  dieses  als  Regel  und  Gesetz  feststeht,  kann  man  daneben  ganz 
gut  zugeben,  dass  es  einzelne  Fälle  geben  kann,  in  welchen  die  durch 
die  Begattung  vielleicht  vermehrte  Blutanhäufung  in  den  Genitalien  und 
Eierstöcken  eine  etwas  verzögerte  oder  erschwerte  Eröffnung  des  Fol- 
likels befördert,  obgleich  davon  bei  der  ausserordentlich  kurzen  Dauer 
der  Begattung  bei  Kaninchen,  Meerschweinchen,  auch  Rindern,  Schafen, 
Hirschen  etc.  kaum  die  Rede  sein  kann.  Ein  solches  Zugeständniss 
ändert  und  beeinträchtigt  die  Gesetzmässigkeit  der  spontanen  Ovula- 
tion ebensowenig,  als  die  zugestandene  Möglichkeit,  dass  es  vielleicht 
Fälle  geben  kann,  in  welchen  sich  der  Follikel  gar  nicht  eröffnet  ,  ob- 
gleich bis  jetzt  kein  solcher  erwiesen  ist.  Denn  es  ist  nicht  wahr,  wenn 
Eichstedt  z.  B.  in  seiner  Schrift  sagt,  ich  hätte  solche  Fälle  beobachtet, 
und  desshalb  die  Möglichkeit  des  Nichtplatzens  reifer  Follikel  zugegeben. 
Ich  habe  nur  gesagt,  dass  ich  neben  geplatzten  Follikeln  und  gelben 
Körpern  in  demselben  Eierstock  auch  noch  angeschwollene  Follikel  be- 
obachtet habe,  welche  meiner  Ueberzeugung  nach  diessmal  nicht  ge- 
platzt sein,  sondern  sich  wieder  zurückgebildet  haben  würden ;  ich  habe 
aber  nicht  gesagt,  dass  diese  Follikel  reif  gewesen  und  reife  Eier  ent- 


125 

halten  hätten.  (Entw.-G.  d.  Hundes  p.  21.)  Es  ist  diess  so  wenig  der 
Fall,  dass  ich  sogar  die  Möglichkeit  einer  solchen  Beobachtung,  wie  sie 
Eichstedt  an  einer  Stute  und  zweien  Schafen  angestellt  haben  will,  be- 
zweifle. Er  sagt,  die  Brunst  sei  bei  ihnen  vorübergegangen,  dann  seien 
sie  getödtet  worden,  und  er  habe  ungeplatzte,  dem  Platzen  nahe  Follikel 
gefunden.  Nun  sind  die  Brunstverhältnisse  bei  Thieren  überhaupt,  aber 
namentlich  bei  Pferden  und  Schafen ,  noch  sehr  wenig  genau  bekannt 
und  nicht  so  leicht  zu  bestimmen,  wann  die  Brunst  anfängt  und  wann 
sie  vorüber  ist.  Ja  ich  glaube,  dass  die  betreffenden  Männchen  allein 
die  Entscheidung  darüber  abzugeben  vermögen.  Ebenso  ist  es  nicht 
leicht,  ein  sicheres  Urtheil  über  die  Reife  eines  Follikels  und  Eies  zu 
fällen,  und  kenne  ich  kein  anderes,  als  die  von  mir  beobachtete  Erschei- 
nung eines  strahligen  Discus.  Ich  verlange  also ,  *dass  ganz  genau  an- 
gegeben wird,  wie  sich  Männchen  und  Weibchen  zu  einander  benommen 
haben,  um  Anfang  und  Ende  der  Brunst  zu  bestimmen,  und  eine  ganz 
genaue  Angabe  über  die  anatomische  Beschaffenheit  eines  Follikels  und 
Eies,  ehe  ich  Angaben  über  Anfang  und  Ende  der  Brunst  oder  völliger 
oder  unvollständiger  Reife  des  Eies  eine  Autorität  zuerkenne.  Beides 
ist  von  Eichstedt  nicht  geschehen.  Allein  ich  gebe  es  wie  gesagt 
als  möglich  zu,  dass  in  einzelnen  Fällen  die  Follikel  uneröffnet  bleiben ; 
ich  gebe  es  zu,  nicht  weil  dieses  Zugeständniss  erwiesen  wäre,  sondern 
weil  es  die  Gesetzmässigkeit  des  normalen  Vorganges  nicht  beeinträch- 
tigt, weil  es  als  a n o m a  1  e s  Verhalten  vorkommen  und  möglicherweise 
durch  geeignete  Maassregeln  beseitigt  werden  kann. 

Ebensowenig  wird  man  Reichert  zugeben  können,  dass  seine  Beob- 
achtungen bei  Kaninchen ,  den  Einfluss  der  Begattung  auf  das  Bersten 
der  Graafschen  Follikel  darthun.  Von  zehn  Kaninchen weibchen,  zu 
denen  täglich  der  Bock  eine  Stunde  hinzugelassen  wurde ,  tödtete  er 
fünf  vor  der  8.  Stunde,  die  übrigen  in  der  9.,  10.  und  11.  Stundenach 
der  unter  seinen  Augen  vollzogenen  Begattung;  bei  den  ersteren  waren 
die  Eichen  noch  nicht  aus  den  Graafschen  Follikeln  ausgetreten,  bei 
den  letzteren  fanden  sie  sich  in  den  Faloppi sehen  Röhren.  Hiernach 
scheint  es  Reichert  nicht  abzuleugnen  zu  sein,  „dass  die  Begattung  auf 
die  Zeit  des  Berstens  der  Graafschen  Follikel  eingewirkt  hat,  oder  man 
müsste  annehmen   wollen,    dass    die  Kaninchen  jedesmal    mit  einem  ge- 


126 

wissen  Vorgefühl  von  den  Zeit  des  Platzens  der  Graafschen  Follikel  zu 
dem  Begattungsakt  getrieben  würden".  Letzteres  scheint  Reichert  für 
absurd  zu  halten  anzunehmen,  während  ich  es  für  sehr  begreiflich ,  ja 
unzweifelhaft  erachte,  dass  in  der  That  die  Kaninchen,  wie  alle  Thiere, 
das  Männchen  erst  auf  einer  gewissen  Höhe  der  Brunst,  d.  h.  des  Rei- 
fungs-Prozesses der  Eier  und  des  Berstungs-Prozesses  der  Follikel  zur 
Begattung  zulassen ,  und  erst  in  einer  gewissen  Zeit  nach  diesem  Au- 
genblick jene  Prozesse  so  weit  gediehen  sind,  dass  es  zum  wirklichen 
Aufbruche  der  Follikel  kommt.  Darauf  übt  die  Begattung  gar  keinen 
Einfluss  aus,  und  es  ist  mir  wirklich  ganz  unerklärlich,  wie  Reichert 
einen  solchen  darin  erkennen  will.  Uebrigens  ist  aber  auch  diese  ganze 
Versuchsmethode  vollkommen  unzuverlässig.  Der  Bock  wird  alle  Tage 
eine  Stunde  zu  dem  Weibchen  gesetzt  und  während  dessen  beobachtet. 
Es  liegen  also  23  Stunden  dazwischen.  Dieses  ist  eine  sehr  lange  Zeit 
für  den  bei  verschiedenen  Thieren  zu  verschiedenen  Zeiten,  möglicher 
Weise  beginnenden  Reifungs-Prozess  der  Eier  und  Follikel.  Bei  dem 
einen  Weibchen  kann  möglicher  Weise  dieser  Prozess  schon  in  der  näch- 
sten Stunde  nach  der  Trennung  so  weit  vorgeschritten  sein,  dass  das 
Weibchen  jetzt  die  Begattung  zulassen  würde.  Bei  dem  anderen  da- 
gegen ist  möglicher  Weise  erst  unmittelbar  vor  der  nächsten  Ver- 
einigung von  Weibchen  und  Männchen  dieser  Höhepunkt  des  Reifungs- 
Prozesses  eingetreten.  Die  Eier  beider  Weibchen  sind  23  Stunden  in 
ihrem  Reifungszustand  von  einander  verschieden,  und  demgemäss  wird 
auch  der  Austritt  aus  dem  Graafschen  Follikel  zu  einer  verschiedenen 
Zeit  stattfinden.  Denn  hierüber  entscheidet  eben  der  Reifungszustand 
und  nicht  die  Begattung.  Der  Versuch  kann  also  in  solcher  Weise  gar 
nicht  angestellt  werden. 

Weit  mehr  geeignet  hiezu  erscheinen  mir  die  Meerschweinchen,  bei 
denen  umgekehrt  Reichert  viel  grössere  Schwierigkeiten  erblickt.  Bei 
den  Meerschweinchenweibchen  wird  nämlich  die  Zeit  des  Eintretens  der 
Brunst  viel  genauer  durch  die  Geburt  bezeichnet.  Würden  sie  sich  alle 
sogleich  nach  der  Geburt  belegen  lassen,  so  würde  man  wohl  Versuche 
anstellen  können ,  ob  der  Austritt  der  Eier  früher  erfolge ,  wenn  man 
die  Begattung  sogleich  zulässt,  oder  wenn  man  sie  noch  längere  Zeit 
verhindert.     Aber  ich  habe  leider  erfahren,  dass  erstere  Bedingung  nicht 


127 

immer  gegeben  ist.  Bei  den  meisten  Weibchen  wird  wirklich  sogleich 
nach  der  Geburt  oder  wenigstens  innerhalb  der  ersten  drei  Stunden  da- 
nach, wie  ich  früher  angegeben,  die  Begattung  vollzogen;  bei  andern 
aber  gehen  oft  8,  10,  12  Stunden  vorüber,  ehe  das  Weibchen  dem  fort- 
währenden Drängen  des  Männchens  nachgibt.  Offenbar,  weil  in  Bezieh- 
ung auf  die  Zeit  der  Geburt,  der  Reifungs-Prozess  der  neu  auszustos- 
senden  Eier  nicht  bei  allen  Weibchen  gleich  weit  fortgeschritten  ist. 
Daher  können  auch  hier  solche  Versuche  nicht  gemacht  werden. 

Es  ist  interessant  zu  sehen ,  wie  ein  geistreicher  Eorscher  diese 
Dinge  zu  einer  Zeit  betrachtete,  wo  von  einer  Einsicht  in  dieselben  noch 
gar  keine  Rede  war.  In  dem  Corollarium  der  zweiten  Scholie  des  im 
Jahre  1828  erschienenen  ersten  Theiles  seiner  Entw. -Gesch.  der  Thiere 
p.    150    sagt  v.  Baer: 

„Man  muss,  wie  es  scheint,  in  der  Paarung  oder  gegenseitigen  Ein- 
wirkung beider  Geschlechter  wieder  einen  doppelten  Akt,  die  Begattung 
und  die  Befruchtung,  sowie  eine  doppelte  Wirkung  unterscheiden ;  die 
erste  besteht  darin,  die  Frucht  der  Herrschaft  des  weiblichen  Eierstockes 
zu  entziehen,  die  zweite  ihr  individuelles  Leben  zu  geben.  Für  die  er- 
stere  scheint  das  männliche  Geschlecht  nur  insofern  thätig,  als  es  den 
weiblichen  Geschlechtsapparat  zu  einer  höheren  aussondernden  Thätig- 
keit  aufregt.  Dem  aufbewahrenden  weiblichen  Charakter  wird  die  männ- 
liche aussondernde  Richtung  mitgetheilt.  Eben  desshalb  kann  das 
Aussondern  des  Eies  zuweilen  auch  ohne  Paarung  erfolgen,  indem  die 
Einwirkung  des  Männchens  durch  andere  Verhältnisse  ersetzt  wird. 
Dieses  geschieht  jedoch  um  so  seltener,  je  höher  das  Leben  der  Thier- 
form  entwickelt  ist.  Die  Graafschen  Bläschen  der  Säugethiere  scheinen 
nicht  ohne  Begattung  oder  ihre  analoge  Reizung  des  weiblichen  Ge- 
schlechtsapparates sich  zu  öffnen".  Jetzt  folgen  Beispiele  von  Vögeln, 
Fischen,  Schmetterlingen  etc.  und  dann  schliesst  v.  Baer:  „Aus  Allem 
geht  hervor,  dass  das  Heraustreiben  des  Eies  allerdings  durch  den  weib- 
lichen Geschlechtsapparat  bewirkt  wird,  dass  dieser  aber  in  der  Regel- 
durch  die  Einwirkung  des  männlichen  Geschlechtes  dazu  aufgeregt  wird, 
dass  aber  auch  wohl  andere  Aufregungen  den  Einfluss  des  männlichen 
Geschlechtes  ersetzen  können." 

Man  kann  in   der  That  keinen  schöneren  Beweis  von  der  Abhängig- 


128 

keit  unserer  Erkenntniss  von  den  Thatsachen,  und  der  Gefahr  des  Irr- 
thums  ohne  dieselben,  sobald  wir  uns  nur  auf  geistreiche  Combination 
•verlassen,  sehen.  Wenn  aber,  wie  jetzt  in  dieser  Frage,  die  Thatsachen 
gegeben  sind,  dann  erlauben  es  die  Gesetze  einer  logischen  Methode 
nicht  mehr,  das  erkannte  Gesetz  möglichen  Modifikationen  desselben 
wieder  aufzuopfern.  Man  kann  und  muss  solche  modificirenden  Ein- 
flüsse anerkennen,  aber  nie  aus  dem  Gesichtspunkte,  dass  sie  selbst  die 
Bedingungen  der  Erscheinung   abgeben. 

Pag.  113  bestreitet  weiter  C.  B.  Reichert  Leuckarts  und  meine  An- 
gabe, dass  man  nach  der  Begattung  bei  den  Meerschweinchenweibchen 
die  Scheide  und  den  Muttermund  mit  einer  zähen,  weissen,  undurch- 
sichtigen Substanz  vollgestopft  finde,  welche  wir  für  das  Absonderungs- 
produkt der  Saamenblasen  erklärt  haben.  Nach  ihm  ist  dieses  nicht 
der  Fall,  sondern  dieser  Pfropf  rührt  von  dem  abgestossenen  und  durch 
den  Verschluss  der  Schamspalte  zurückgehaltenen  Epithel  der  Scheide 
her.  Nur  der  Widerspruchsgeist  konnte  Reichert  antreiben,  auch  hier 
wieder  Opposition  zu  machen,  da  er  von  einer  ganz  anderen  Sache  redet 
als  wir.  Wir  haben  unsere  Aussage  hicht  von  einer  verschlossenen, 
sondern  von  der  durch  die  Geburt  geöffneten  und  von  allem  abgestos- 
senem  Epithel  entleerten  Scheide  und  von  einem  Stoff  gemacht,  von 
dessen  Identität  mit  dem  Inhalte  der  Saamenblasen  wir  uns  überzeugt 
hatten.  Hat  C.  B.  Reichert  etwas  Anderes  und  zu  einer  anderen  Zeit 
beobachtet,  so  ist  das  seine  Sache,  ich  widerspreche  ihm  nicht;  aber 
er  soll  desshalb  nicht  sagen,  wir  hätten  eine  unrichtige  Beobachtung 
gemacht.  Ich  mache  mich  anheischig  dieselbe  jederzeit,  wenn  das  Männ- 
chen nicht  durch  zu  häufige  Begattung  seine  Saamenblasen  entleert  hat, 
und  unmittelbar  nach  der  Begattung  für  Jeden  zu  constatiren.  Werden 
letztere  beiden  Bedingungen  nicht  eingehalten  ,  wie  das  wahrscheinlich 
bei  Reichert  der  Fall  war,  so  wird  die  Beobachtung  nicht  gemacht 
werden. 

Bereits  an  einem  andern  Orte  (Ueber  die  Ranzzeit  des  Fuchses  und 
die  erste  Entwicklung  seines  Eies,  sowie:  Ueber  die  Placentabildung  der 
Marder.  Sitzungs-Berichte  der  bayr.  Akad.  d.  Wissenschaften  v.  13.  Juni 
1863  p.  51  u.  v.  13.  Mai  1865  p.  347)  habe  ich  den  Widerspruch  be- 
seitigt, den  C.  B.   Reichert  p.    115  gegen  meine  aus  Beobachtungen  bei 


129 

Hunden  und  Meerschweinchen  abgeleitete  Aussage  erhoben,  dass  Fälle 
vorkommen,  wo  die  aus  dem  Eierstocke  einer  Seite  ausgetretenen  Eier 
in  das  Uterushorn  der  andern  Seite  überwandern ,  um  sich  hier  festzu- 
setzen. Die  Thatsachen,  welche  ich  hierüber  besonders  an  dem  zuletzt 
genannten  Orte  beigebracht  habe ,  überheben  mich  jeder  Widerlegung 
der  von  Reichert  erhobenen  Einreden  und  Zweifel,  von  denen  sich  be- 
sonders merkwürdig  diejenige  ausnimmt,  „dass  ich  die  Wanderung  nicht 
gesehen  habe."  Ich  wünsche,  dass  Reichert  nur  seinen  Scharfsinn  da- 
ran üben  möge,  uns  die  Kräfte  und  Mittel  zu  demonstriren,  wodurch 
diese  Ueberwanderung  und  Vertheilung  der  Eier  in  passende  Zwischenräume 
des  Uterus  bewerkstelligt  wird;   die  Thatsache  steht  über  allen  Zweifel  fest. 

Pag.  116  findet  sich  ferner  die  Aeusserung  Reicherts :  ,,Auch  bei 
ausgestossenen  Kanincheneiern  habe  ich,  Bischoff  entgegen,  einen  ausge- 
prägten Discus  proligerus  niemals  gesehen."  Ich  möchte  wohl  wissen, 
wo  ich  jemals  gesagt  habe,  dass  das  Kaninchenei  auch  noch  im  Eileiter 
einen  ,, ausgeprägten"  Discus  besitze.  Ich  habe  gesagt  und  sage  noch: 
Entw. -Gesch.  des  Kanincheneies  p.  52 :  „Die  Eier  sind  zunächst  noch 
von  den  Zellen  des  Discus  und  der  Membr.  granulosa  umgeben,  allein 
diese  haben  ihr  früheres  spindelförmiges  Ansehen  verloren,  erscheinen 
wieder  rund ,  und  man  bemerkt  sehr  bald  an  ihnen ,  dass  sie  in  der 
Auflösung  begriffen  sind,  wobei  ihre  scharfen  Gränzen  verwischen,  und 
sie  untereinander  wieder  zusammenzufliessen  scheinen."  Ist  da  von  einem 
ausgeprägten  Discus  die  Rede?  Wie  war  es  möglich,  daraus  einen 
"Gegenstand  des  Widerspruches  zu  machen  ?  ! 

Wiederum  findet  sich  p.  118  der  Ausspruch:  ,, Bischoff  hält  die 
Befruchtung  der  Eichen  auch  am  Eierstock  innerhalb  des  Graafschen 
Follikels  für  möglich.  Der  Beweis  ist  von  dem  Verfasser  nicht  geliefert/' 
Ist  nicht  auch  das  ein  sehr  gesuchter  Widerspruch !  Was  ist  da  für 
ein  Beweis  zu  liefern?  Ich  habe  die  Gegenwart  von  Spermatozoiden 
auf  dem  Eierstocke  vor  Austritt  der  Eier  zuerst  constatirt,  und  Reichert 
selbst  will  dasselbe  bei  Kaninchen  gesehen  haben  (p.  117).  Wir  wissen 
ferner,  dass  die  Eier  durch  die  Dotterhaut  hindurch  befruchtet  werden, 
und  die  Spei-matozoiden  auch  ohne  Mickropyle  durch  dieselbe  hindurch- 
dringen. Es  ist  weiter  gewiss,  dass  die  Tunica  propria  ovarii  und  die 
Membrana  Folliculi  sich  an  der  zukünftigen  Aufbruchsstelle  des  Follikels 

Abh.  d.  II.  Cl.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  X.  Bd.  I.  Abth.  1  7 


130 

immer  mehr  und  mehr  verdünnen,  bis  dass  sie  an  einem  Punkte  end- 
lich ganz  verschwinden.  Endlich  sind  Eierstockschwangerschaften,  wenn 
gleich  sehr  selten,  meiner  Ansicht  nach,  dennoch  erwiesen.  Genügt  das 
Alles  nicht  um  zu  sagen :  Ich  halte  eine  Befruchtung  der  Eier  im  Eier- 
stocke für  möglich?  Den  weiteren  Beweis  zu  verlangen,  heisst  wohl 
ohngefähr  ebensoviel,  als  zu  verlangen,  dass  man  die  Eier  wandern 
sehe!  Uebrigens  habe  ich  schon  an  einem  anderen  Orte,  (Henle  und 
Pfeufers  Archiv  Bd.  XXIII  1865  p.  268,)  die  mir  zugeschriebene  Lehre 
zurückgewiesen,  dass  die  Säugethiereier  immer  und  nur  im  Eierstocke 
befruchtet  würden,  und  gezeigt,  dass  ich  diese  Ansicht  nur  sehr  kurze 
Zeit,  eben  nach  der  Entdeckung  der  Spermatozoiden  auf  dem  Eierstock, 
festgehalten,  später  in  der  bestimmtesten  Weise  berichtigt  habe. 

In  Beziehung  auf  die  weiteren  Veränderungen  der  Eier  im  Eileiter 
findet  C.  B.  Reichert  keine  Veranlassung  von  meinen  Angaben  abzu- 
weichen, ausser  natürlich  in  der  Beurtheilung  des  sogenannten  Furchungs- 
prozesses  oder  der  Dottertheilung.  Diese  Dotterkugeln  sind  und  bleiben 
ihm  Zellen  d.  h.  Gebilde,  die  eine  festere  äussere  Hülle,  einen  Inhalt 
und  einen  Kern  besitzen,  und  die  letzten  und  kleinsten  derselben  wer- 
den nach  ihm  unmittelbar  zum  Aufbaue  des  bläschenförmigen  Keimes, 
d.  i.  seiner  Umhüllungshaut  verwendet.  In  Beziehung  auf  den  ersten 
Punkt  findet  es  Reichert  nicht  nöthig  und  geeignet  sich  besonders  gegen 
mich  zu  wenden,  obgleich  ich  zu  allererst  in  meiner  Entw. -Gesch.  der 
Säugethiere  und  der  Menschen  1842  p.  57  und  fortwährend  die  Gegen- 
wart von  umhüllenden  Membranen  um  die  Dotterkugeln  in  Abrede  ge- 
stellt habe.  Auch  ich  halte  es  nicht  für  nöthig,  diesen  alten  Streit  hier 
nochmals  zu  erneuern ,  da  er  trotz  Remackscher  Gärbungsexperimente 
und  Reichertscher  Faltenphänomene  zu  meinen  Gunsten  entschieden 
worden  ist.  Auch  über  die  Frage  ob  man  die  Kugeln  im  physiologi- 
schen Sinne  Zellen  nennen  solle,  habe  ich  mich  genügend  dahin  aus- 
gesprochen, dass  ich  das  Wort  Zelle  historisch,  als  auf  anatomischer 
Basis  construirt,  nur  für  solche  Gebilde  für  gerechtfertigt  erachte, 
welche  wirklich  eine  selbstständige  nachweisbare  Hülle  besitzen.  Haben 
sie  keine  solche,  oder  haben  sie  dieselbe  noch  nicht,  so  nenne  ich 
sie  Protoplasten,  obgleich  diesen,  und  gerade  diesen,  der  physio- 
logische Begriff  der  Zelle    als  Elementarorganismus   sicher   zukommt. 


131 

Dagegen  muss  ich  mich  bestimmter  über  die  zweite  Behauptung 
Reicherts  aussprechen,  dass  die  letzten  Dottertheilungskugeln  direct  zum 
Aufbaue  des  bläschenförmigen  Keimes  verwendet  werden.  Reichert  er- 
blickt in  meiner  Angabe,  dass  der  im  Furchungs-  und  Theilungsprozess 
begriffene  Dotter  des  Meerschweincheneies  am  5.  und  6.  Tage  durch 
Vereinigung  sämmtlicher  Dotterkugeln  sich  wieder  in  eine  homogene 
Masse  verwandle,  eine  Abweichung,  welche  ,,die  bekannten  typischen 
Vorgänge  bei  der  Entwicklung  eines  Wirbel-  und  Säugethiereies  nicht 
sowohl  modificire,  als  sogar  wesentlich  alterire"  und  indem  er  annimmt, 
dass  das  von  mir  Fig.  9  dargestellte  Ei  dieses  Stadiums  das  Einzige 
sei,  auf  welches  ich  meine  Ansicht  gebaut,  nimmt  er  keinen  Anstand, 
dasselbe  für  ein  gequetschtes  Ei  zu  erklären ,  dessen  Theilungskugeln 
zerstört  worden   seien. 

Ich  habe  indessen  p.  23  meiner  Schrift  ausführlich  mitgetheilt, 
dass  ich  die  von  mir  aufgestellte  Ansicht  erst  nach  oftmals  wieder- 
holter Beobachtung  dieses  Stadiums,  nach  sorgfältigster  Berücksichti- 
gung aller  bei  dem  Auffinden  und  der  Behandlung  der  betreffenden 
Eier  stattgefundenen  Verhältnisse ,  endlich  auch  nach  Spaltung  oder 
Sprengung  der  Zona  und  genauester  Untersuchung  der  ausgetretenen 
Dottermasse,  ausgesprochen  habe,  sowie  dass  Prof.  Leuckart  ganz  mit 
mir  einverstanden  war,  dass  keine  zufälligen  und  nachtheiligen  Einflüsse 
an  den  betreffenden  Eiern  die  Dotterkugeln  zerstört  haben  konnten. 
Ich  habe  ferner  damals  schon  meine  analogen  Beobachtungen  beim  Ka- 
ninchen und  Hunde  erwähnt,  bei  welchen '  ich  auf  dem  analogen  Sta- 
dium ebenfalls  Eier  fand,  deren  Dotter  nach  Ablauf  der  Theilung  ein 
ganz  gleichartiges  Ansehen  darbot,  auf  welches  ich  aber  damals  kein 
besonderes  Gewicht  gelegt  hatte.  Später  kamen  meine  Beobachtungen 
bei  dem  liehe  hinzu,  bei  welchem  das  Ei  nach  Ablauf  der  Dottertheilung 
4^2  Monat  lang  in  diesem,  wenn  man  will,  amorphen  Zustande  des 
Dotters  verbleibt,  und  ich  zweifle  auch  nicht,  dass  ich  den  gleichen 
Zustand  ebenfalls  bei  dem  Fuchseie  beobachtete,  obgleich  hier  die  nicht 
mehr  ganz  frische  Beschaffenheit  des  untersuchten  Uterus,  mir  keinen 
so  bestimmten  Ausspruch  erlaubte. "(Vgl.  Sitzungsberichte  d.  bayer.  Aka- 
demie der  Wissenschaften   18C3,   Bd.   II,   1,  p.    50. J 

Wenn    wir    nun    ferner   bedenken,    dass    von    mehreren  Beobachtern 

17* 


132 

auch  bei  den  Eiern  anderer  Thiere,  z.  B.  von  Lereboullet  bei  Lymnaeus 
stagnalis  und  dem  Flusskrebs,  von  W.  Thomson  bei  Asterocantion  vio- 
laceus  nach  Ablauf  der  Dottertheilung  eine  Wiederverschmelzung  aller 
Dotterelemente  beobachtet  wurde;  dass  es  ferner  ganze  Thierklassen, 
Arachniden  und  Insecten  gibt,  bei  deren  Eiern  nach  übereinstimmenden 
Beobachtungen  die  Dottertheilung  ganz  fehlt  und  sich  der  Embryo  di- 
rect  aus  den  in  dem  Dotter  sich  bildenden  Zellen  oder  Protoplasten  auf- 
baut: so  wird  es,  wie  ich  denke,  Niemand  so  auffällig  wie  Reichert 
finden,  dass  sich  wahrscheinlich  auch  bei  dem  Säugethierei  ein  kurz 
vorübergehendes  Stadium  findet,  wo  sich  nach  vorausgegangener  Dotter- 
theilung, die  Dotterelemente  wieder  zu  einer  Masse  vereinigen,  aus  wel- 
cher dann  erst  die  eigentlichen  Bildungszellen  oder  Protoplasten  her- 
vorgehen. 

Alle  diese  Beobachtungen  stören  freilich  die  jetzt  zum  Dogma  er- 
hobene Lehre,  dass  alle  Zellen  in  der  Welt  von  einer  einzigen  Urzelle 
durch  Theilung  oder  endogene  Zellenbildung  abzuleiten  sind,  besonders 
wenn  man  einst  zugeben  wird,  was  man  eben  desshalb  auch  jetzt  noch 
hartnäckig  bestreitet,  dass  das  Ei  selbst  keine  Zelle,  sondern  ein  schon 
sehr  zusammengesetzter  Körper,  ein  Zellenderivat  ist.  An  und  für  sich 
aber  dürfte  schwerlich  etwas  „auffälliges"  in  der  aus  Beobachtungen 
abgeleiteten  Lehre  sein ,  dass  die  Dottermasse  nur  ein  Cytoblastem  ist, 
in  welchem  erst  nach  innigerer  Vermengung  seiner  Elemente  unterein- 
ander und  mit  dem  eingedrungenen  männlichen  Saamen,  durch  die  Thei- 
lung der  Zellenbildungsprozess  zum  Aufbaue  des  Embryos  oder  seines 
blasenförmigen  Keimes  beginnt.  Ich  sehe  mich  wenigstens  vorläufig  an 
der  Hand  meiner  und  Anderer  Beobachtung  veranlasst,  an  dieser  Lehre 
noch  festzuhalten,  und  dagegen  diejenige  aufzugeben,  welche  ich  früher, 
auf  noch  mangelhafte  Beobachtungen  gestützt,  zuerst  aufgestellt  habe 
und  die  Reichert  jetzt  gegen  mich  vertheidigt. 

Als  ein  interessantes  Beispiel  der  Art  und  Weise  wie  Reichert  die 
Beobachtungen  Anderer  gegen  die  Seinigen  abwiegt,  kann  ich  ferner 
nicht  unterlassen,  die  p.  119  vorkommenden  Aeusserungen  Reicherts 
über  die  von  mir  an  dem  Dotter  des  Kaninchen-  und  dann  auch  in  Ge- 
meinschaft mit  Leuckart  an  dem  des  Meerschweinchen-Eies  in  dem  ersten 
Drittheil    des  Eileiters    vor   der  Dottertheilung    beobachteten    Rotationen 


133 

zur  Sprache  zu  bringen.  Er  hat  diese  Rotationen  nicht  gesehen;  es 
wäre,  sagt  er,  allerdings  möglich,  aber  nicht  wahrscheinlich,  dass  die 
Cilienbekleidung  des  Dotters  eine  ganz  kurze  Zeit,  etwa  1  —  1 1/i  Stunden 
vorhanden  sei;  aber  sagt  er:  „ich  muss  darauf  dringen,  dass  man  diese 
in  Rede  stehende  Rotation  nicht  völlig  gleichstelle  mit  den  beiden  an- 
deren, die  mit  Sicherheit  nachgewiesen  sind ;  nämlich  mit  der  längst 
bekannten,  die  erst  im  spätem  Entwicklungsstadium  durch  Klimmer- 
zellen embryonaler  Anlagen  bewirkt  wird,  und  mit  den  bei  Hechteiern 
auch  zur  Zeit  des  Furchungsprozesses  schon  vorkommenden  Schwan- 
kungen, die  zu  Folge  meiner  Beobachtungen  durch  die  rythmischen 
Contractionen  des  Nahrungsdotters  entstehen."  Wenn  ich  nun  auch  in 
Beziehung  der  ersten  Klasse  dieser  Bewegungsphänomenen  nichts  gegen 
diese  Antithese  Reicherts  derselben  gegen  meine  Angaben  sagen  will, 
weil  sie  allerdings  durch  eine  sehr  grosse  Zahl  von  Beobachtern  all- 
seitig festgestellt  und  sehr  leicht  zu  constatiren  sind,  so  frage  ich  doch: 
Wesshalb  sind  meine  Angaben  beim  Kaninchen-  und  Meerschweinchen- 
Eie  nicht  völlig  gleichzustellen  mit  denen  C.  B.  Reicherts  beim  Hecht- 
ei?!  die  auch  Niemand  weiter  bis  jetzt  constatirt  hat?  Hat  Reichert 
ein  grösseres  Privilegium  der  Glaubwürdigkeit  als  ich?  Ist  dieses  nicht 
ein  Beispiel  jenes  Hochmuthes  ,  den  man  schon  früher  in  seinem 
Verfahren  kaum  verkennen  konnte?  Ist  es  ferner  nicht  bemerkens- 
werth,  dass  während  C.  B.  Reichert  es  sich  nicht  versagen  konnte,  in 
den  ersten  Zeilen  seiner  Einleitung  die  Bemerkung  zu  machen:  „Th.  Bi- 
schoff hat  seine  auf  Anregung  Leuckarts  und  zum  Theil  mit  ihm 
unternommenen  Untersuchungen  veröffentlicht",  er  jetzt  bei  dieser  Gele- 
genheit der  Rotationen  kein  Wort  von  Leuckart  sagt,  während  ich  doch 
pag.  18  ausdrücklich  angegeben  habe,  dass  dieser  gewiss  sorgfältige 
und  vorurtheilsfreie  Beobachter  an  dem  von  mir  aufgefundenen  betref- 
fenden Eie  diese  Rotationen  zuerst  sah?! 

Ich  komme  jetzt  zu  einem  Punkte,  in  welchem  ich  am  liebsten 
eine  ausführliche  und  gründliche  Belehrung  durch  C.  B.  Reichert  em- 
pfangen hätte,  nämlich  zu  der  Lücke,  welche  ich  in  meinen  Beobach- 
tungen über  die  Entwicklung  des  Meerschweincheneies  am  Ende  des 
sechsten  oder  Anfang  des  siebenten  Tages,  wie  ich  glaubte,  gelassen 
hatte.    Ich  hatte  am  4.   5.   und  6.   Tage  Eier  in  dem  Uterus  beobachtet, 


134 

welche  noch  nicht  an  ihre  bleibenden  Stellen  gelangt,  darin  noch  leicht 
als  Eier  zu  erkennen  waren,  dass  sie  noch  ihre  Zona  besassen,  und  der 
Dotter  entweder  in  Kugeln  getheilt  oder  diese  wieder  zu  einer  Masse 
zusammengeflossen  waren.  Doch  hatte  ich  bereits  erkannt ,  dass  die 
Zona  in  ihren  Umrissen  sehr  unbestimmt  geworden  war  und  ihrer  Auf- 
lösung nahe  geschienen.  Alsdann  hatte  ich  weiter  am  Ende  des  6.  und  im 
Laufe  des  7.  Tages  an  der  Epithelröhre  des  Uterus  eine  kleine  zapfen- 
artige Hervorragung  beobachtet,  von  welcher  die  Folge  lehrte,  dass  sie 
jedenfalls  das  Ei  war  oder  enthielt,  und  ich  hatte  aus  diesen  Beobach- 
tungen geschlossen,  dass  das  Ei  oder  vielmehr  sein  Dotter,  nachdem 
die  Zona  sich  aufgelöset,  in  einen  kleinen  Divertikel  oder  in  eine  Mün- 
dung einer  Uterindrüse  gerathen  sei,  in  welcher  es  sich  nun  festgesetzt 
und  in  eine  Fusion   mit  den  Zellen  der  Epithelröhre  getreten   sei. 

Da  ich  aber  bei  anderen  Säugethieren  beobachtet  hatte,  dass  deren 
Eier,  nachdem  sie  aus  dem  Eileiter  in  den  Uterus  gelangt  sind,  sich 
ehe  sie  sich  an  irgend  einer  Stelle  des  letztern  festsetzen,  in  doppel- 
wandige  kleine  wasserhelle  Bläschen  von  *fk — 2'u  Durchmesser  verwan- 
deln, so  ist  es  sehr  begreiflich,  dass  ich  auch  bei  dem  Meerschweinchen 
nach  einem  solchen  Stadium  der  Eibildung  suchte,  ehe  sich  dessen  Ei 
festsetzte.  Wirklich  glaubte  ich  auch  am  Ende  des  sechsten  Tages  kleine 
Bläschen  im  Uterus  gefunden  zu  haben,-  welche  diesem  Stadium  ent- 
sprächen, und  bildete  einige  derselben  Fig.  10 — 16  meiner  Entw. -Gesch. 
des  Meerschweinchens  ab.  Weil  ich  mich  aber  darin  nicht  sicher  fühlte, 
ob  diese  Bläschen  auch  wirklich  Eier  gewesen,  so  beklagte  ich  es,  dass 
auf  diesem  Stadium  meine  Untersuchungen  eine  Lücke  darböten,  wegen 
der  grossen  Schwierigkeit,  die  äusserst  kleinen  und-  durchsichtigen  Eier 
des  Meerschweinchens  in  dieser  Zeit,  kurz  vorher  ehe  sie  sich  festsetz- 
ten,  aufzufinden. 

Es  ist  sehr  begreiflich  und  war  sehr  zu  wünschen,  dass  C.  B.  Rei- 
chert seine  Aufmerksamkeit  und  Bemühungen  ganz  vorzüglich  dieser 
scheinbaren  Lücke  meiner  Beobachtungen  zuwendete.  Wirklich  versichert 
derselbe  auch,  die  vollständigste  Reihe  befruchteter  Eichen  von  dem  Ein- 
tritte in  die  Tuben  bis  zur  Einkapselung  in  die  Gebärmutter  zur  Ansicht 
erhalten,  dadurch  einen  sichern  Halt  für  seine  Beobachtungen,  der  mir 
gefehlt  habe,    gefunden,    und  zunächst  den  von  mir    begangenen  auffäl- 


135 

ligen  Irrthum    beseitigt   zu    haben,    dass  der  Dotter  sich  wieder  in  eine 
formlose  Masse  nach  dem   Ablauf  der  Theilung  umwandle  (p.    103). 

Ich  kann  versichern,  dass  ich  mich  aufrichtig  gefreut  haben  würde, 
wenn  ich  diese  Versprechungen  Reicherts  in  der  Einleitung  zu  seiner 
Schrift,  im  Verlaufe  derselben  erfüllt  gefunden  hätte.  Allein  wenn  gleich 
Reicherts  Untersuchungen  gewiss  dazu  beigetragen  haben  und  beitragen 
werden,  das  Bild  des  merkwürdigen  Entwicklungsganges  des  Meerschwein- 
cheneies fester  zu  stellen,  und  das  Schwankende,  welches  in  meiner 
ersten  Darstellung  desselben  wegen  seiner  Neuheit  und  Abweichung  von 
dem  bisher  Bekannten  geblieben  war,  wesentlich  zu  beseitigen,  so  muss 
ich  dennoch  offen  bekennen,  dass  dieses  keineswegs  durch  irgendwelche 
wesentliche  neue  Thatsachen  und  Beobachtungen,  sondern  nur  durch 
Berichtigung  einiger  unwesentlicher  Irrthümer,  hauptsächlich  aber  auch 
durch  Bestätigung  der  auch  von  mir  schon  angegebenen  Ver- 
hältnisse geschehen  ist. 

Dass  zu  diesen  Irrthümern  nicht  meine  Angabe  über  das  Ende  und 
Ziel  der  Dottertheilung  gehört,  habe  ich  schon  erörtert.  Denn  das  Sta- 
dium, um  welches  es  sich  dabei  handelt,  ist  von  mir  vollständig  und 
wahrscheinlich  öfter  als  von  Reichert  beobachtet  worden.  Die  Zahl  der 
von  mir  am  4.  5.  und  6.  Tage  untersuchten  Meerschweinchen  beläuft 
sich  jetzt  auf  18  bis  20.  Und  dass  auch  die  spätem  Stadien  keine  Be- 
rechtigung geben  zu  der  Behauptung  Reicherts,  dass  die  Bildungsdotter- 
zellen, welche  in  die  embryonale  Anlage  übergehen,  die  direkten  Nach- 
kommen der  zuerst  entstandenen  Furchungskugeln  seien ,  wird  noch 
weiter  zu  erörtern   sein. 

Wohl  aber  gehört  zu  den  von  mir  wenigstens  als  möglich  ausge- 
sprochenen und  von  Reichert  berichtigten  Irrthümern,  dass  die  eigen- 
thümlichen  bläschenartigen  Körper,  welche  ich  am  Ende  des  sechsten 
Tages  öfter  im  Uterus  sah  und  Fig.  10 — 16  abbildete,  Eier  sein  könn- 
ten. In  der  That  habe  ich  mich  neuerdings  wiederholt  überzeugt,  dass 
diese  Gebilde  nur  der  Schleimhaut  des  Uterus  angehören  und  eigenthüm- 
liche  Produkte  der  Elemente  derselben  sein  müssen;  denn  ich  fand  sie 
zugleich  mit  den  ausser  ihnen  vorhandenen  wirklichen  Eichen,  und 
ziehe  also  die  ihnen    als  möglich    beigelegte  Bedeutung  zurück.     Ob  sie 


136 

Ueberbleibsel  der  Decidua  und  Placenta  aus  vorausgegangenen  Schwanger- 
schaften sind,   wie  Reichert  p.   131   sagt,  weiss  ich  nicht. 

Allein  vergebens  würde  man  nach  den  von  C.  B.  Reichert  in  der 
Einleitung  und  an  anderen  Orten  gemachten  Aeusserungen  glauben,  dass 
er  Beobachtungen  über  Verhältnisse  und  Zustände  der  Eier  in  der  Zeit 
vom  Ende  des  6.  und  Anfang  des  7.  Tages  mittheile,  welche  mir  ent- 
gangen seien.  Pag.  115  sagt  er  selbst,  dass  er  nach  vielen  vergeblichen 
Bemühungen  nur  zweimal  so  glücklich  gewesen  sei,  die  Eichen  nach 
ihrer  Zerstreuung  in  dem  Uterus  zu  entdecken,  und  auch  da  nicht  alle, 
welche  nach  der  Zahl  der  Corpora  lutea  vorhanden  sein  mussten.  Eines 
derselben  hat  Reichert  in  seiner  Eig.  11  dargestellt;  es  zeigt  die  soge- 
nannte Brombeerform  des  Dotters  und  die  Zona  in  eine  dünne  Schichte 
eiweisartiger  Substanz  umgewandelt,  welche  er  für  ein  Residuum  der 
zum  grössten  Theile  aufgelösten  Zona  hält. 

Dieses  Stadium  habe  ich  aber  ebenfalls  gesehen,  und  ebenfalls  an- 
gegeben, dass  die  Zona  kaum  mehr  vorhanden  war,  und  es  ist  durchaus 
nicht  richtig,  wenn  Reichert  an  der  erwähnten  Stelle  p.  115  sagt,  ich. 
habe  die  wahren  Eichen  nach  erfolgter  Zerstreuung  und  Vertheilung  in 
dem  Gebärmutterhorn  gar  nicht  gefunden.  Ich  habe  sie  vielmehr  sehr 
oft  zu  dieser  Zeit  und  wenn  auch  nicht  immer  ohne  Abschaben  des 
Uterusepithels,  doch  zuweilen  auch  ohne  das  gefunden,  und  ihre  Be- 
schaffenheit gradeso  wie  Reichert  beobachtet  und  beschrieben  und  Fig.  9 
abgebildet,  nur  wie  ich  glaube,  noch  einen  Schritt  weiter,  den  er  nicht 
gesehen,  nämlich  wo  die  Brombeerform  des  Dotters  verloren  gegangen 
ist,  und  der  Dotter  sich  wieder  in  eine  homogene  Masse  verwandelt  hat. 

Auch  das  nächste  Stadium,  welches  alsdann  Reichert  gesehen,  be- 
schrieben und  Fig.  12  abgebildet  hat,  in  welchem  der  Dotter  schon  in 
der  Epithelröhre  des  Uterus  eingekapselt  liegt,  habe  ich  ebenfalls  oft 
gesehen,  ebenfalls  beschrieben  und  Fig.  17  genau  ebenso  wie  er  abge- 
bildet, so  dass  die  von  ihm  gegebene  Reihe  nicht  um  ein  Titelchen  voll- 
ständiger, ja  wie  ich  glaube  unvollständiger  als 'die  meinige  ist,  da  er 
dasjenige  Stadium,  wo  der  Dotter  wieder  eine  homogene  Masse  bildet, 
nicht  gesehen  hat. 

Allein  den  wesentlichen  Nutzen  habe  ich,  und  wie  ich  nicht  zweifle, 
auch  die  Wissenschaft  durch  diese  Bestätigung  und  Wiederholung  meiner 


137 

Angaben  durch  C.  B.  Reichert  gewonnen,  dass  es  nun  gewiss  ist,  dass 
zwischen  diesen  beiden  zuletzt  genannten  Stadien,  nämlich  dem  Ver- 
schwinden der  Zona  und  der  Einkapselung  des  Dotters  in  der  Epithel- 
röhre des  Uterus,  kein  wesentliches  Zwischenstadium  mehr  liegt,  wie 
ich,  wenn  noch  befangen  durch  die  bei  anderen  Säugethieren  beobach- 
teten Verhältnisse,  voraussetzte,  eifrig  suchte  und  schmerzlich  vermisste. 

Es  ist  sehr  wichtig  und  erfreulich,  dass  die  Bearbeitung  dieses 
Gegenstandes  durch  Reichert  gezeigt  hat,  dass  meine  Sorge  und  mein 
Glaube  nichtig  waren.  Es  fehlt  Nichts  in  dem  Gange  meiner  Beobach- 
tungen; allein  ebenso  gewiss  ist  es  auch,  dass  Reichert  keine  Lücke 
derselben  ausgefüllt  hat,  und  es  ist  eine  merkwürdige  Täuschung  von 
ihm,  wenn  er  pag.  104  seiner  Schrift  sagt:  die  Entdeckung  der  wahren 
Eichen  im  Uterus  am  G.  und  7.  Tage  nach  der  Befruchtung  seien  für 
die  Erfolge  seiner  langjährigen  Untersuchungen  über  die  Entwicklung 
der  Meerschweinchen  von  unberechenbarem  Werthe  gewesen ;  erst  seit 
diesem  Funde  hätten  seine  Beobachtungen  einen  sichern  Halt  gefunden, 
so  wie  es  andererseits  nicht  bezweifelt  werden  könne,  dass  die  Lücke 
in  meinen  Beobachtungen  den  wesentlichsten  Einfluss  auf  meine  Auf- 
fassung der  spätem  Bildungsvorgänge  gehabt  habe.  Wenn  letzteres  auch 
wirklich  der  Fall  war  und  ist;  wenn  es  auch  nothwendig  den  grössten  Ein- 
fluss nicht  nur  auf  meine  sondern  auf  eines  Jeden  Auffassung  der  spätem 
Bildungsvorgänge  des  Meerschweincheneies  haben  muss,  dass  bei  ihm 
jenes  Stadium  der  Eibildung,  welches  ich  vermisst  hatte,  fehlt,  so  hat 
doch  Reichert  eben  auch  Nichts  weiter  als  dieses  Fehlen  dieses  Stadiums 
bestätigt,  er  hat  durchaus  nichts  Positives  an  die  Stelle  des  von  mir 
Vermissten  gesetzt,  weil  in  der  That  Nichts  vorhanden  ist,  als  was  ich 
bereits  ebenfalls  gesehen  hatte.  Reichert  täuscht  sich  und  Andere  wenn 
er  glaubt  und  angibt,  es  sei  ihm  zu  beobachten  geglückt,  was  ich  nicht 
gesehen,  und  er  besitze  dadurch  einen  grossen  Vorsprung  vor  mir.  Er 
hat  nur  gesehen  und  bestätigt,  dass  hier  Nichts  weiter  zu  beobachten 
war  und  das  war  und  ist  allerdings  auch  von   Wichtigkeit. 

Ich  komme  nun  zu  der  Fixirung  und  Einkapselung  des  Eies  durch 
die  Uterinschleimhaut.  Ich  gebe  es  gerne  zu,  dass  Reichert  in  der  Er- 
kenntniss  und  Beschreibung  dieser  Uterinschleimhaut  und  des  Vorganges 
dieser    Einkapselung    in    einigen    Punkten    das    Richtigere    getroffen    hat, 

Abh.  d.  II.  Cl.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  X.  Bd.  I.  Abth.  1 8 


138 

als  ich.  Erstens  nämlich  hat  er  ganz  Recht,  dass  die  Drüsen  der  Ute- 
rinschleimhaut nicht,  wie  ich  gesagt,  nur  etwas  stärker  entwickelte  Fol- 
liculardrüsen  sind,  sondern  sie  sind  in  der  That  ganz  ordentlich  ausge- 
bildete Utriculardrüsen  wie  in  der  Uterinschleimhaut  anderer  Thiere. 
Reichert  hat  sie  auf  seinen  beiden  ersten  Tafeln  ganz  richtig,  nur  etwas 
zu  steif  und  zu  stark  contourirt,  abgebildet.  Von  ihnen  geht  auch  die 
gleich  weiter  zu  besprechende  starke  Entwicklung  der  Uterinschleimhaut 
zur  Decidua  aus,  obgleich  sie  sich  nicht  dabei  etwa  erweitern  oder  et- 
waige Zotten  des  Eies  aufnehmen. 

Zweitens  war  es,  wie  ich  jetzt  glaube,  auch  nicht  ganz  richtig  wenn 
ich  gesagt  hatte,  das  Ei  scheine  sich  mir  in  einer  Ausstülpung  der 
Epithelröhre  des  Uterus  oder  in  der  Mündung  einer  Uterindrüse  festzu- 
setzen und  zu  entwickeln.  Vielmehr  glaube  ich  jetzt,  dass  es  richtiger 
ist,  wenn  Reichert  sagt,  dass  sich  das  Ei  in  einem  durch  die  starke 
Entwicklung  der  es  umgebenden  Schleimhautparthie  abgekapselten  Theile 
der  ursprünglichen  Uterinhöhle  ausbildet.  Was  ich  als  „kegelförmige 
Ausstülpung  der  Epithelialröhre"  bezeichnete,  ist  in  der  That  keine  solche 
sondern  der  durch  die  eigenthümliche  Art  der  Wucherung  der  Uterin- 
schleimhaut um  das  Ei  herum  abgeschnürte  oder  abgekapselte  Theil  der 
ursprünglichen  und  von  ihrem  Epithel  überzogenen  Uterinhöhle,  es  ist 
Reicherts  „epitheliale  Kapsel  der  Decidua"  Fig.  12  De.  oder  vielmehr 
„Körper  der  epithelialen  Kapsel"  Fig.    16,    17,   19,  20.  Dec. 

Allein  Reichert  bemüht  sich  ganz  mit  Unrecht,  diese  Verschieden- 
heit meiner  und  seiner  Darstellung  pag.  138  als  eine  so  grosse  darzu- 
stellen, dass  es  ein  fruchtloses  bemühen  sei,  bei  so  differirenden  An- 
sichten auf  Spezialitäten  einzugehen.  Er  unterlegt  mir  die  Ansicht,  als 
wenn  ich  gesagt  hätte,  die  ganze  das  Ei  später  umgebende  Schleimhaut- 
kapsel sei  ein  Divertikel  des  Uterus  oder  eine  Uterindrüse,  und  meint 
abermals  meine  Präparationsmethode  sei  Ursache  einer  so  irrigen  Auf- 
fassung. Alles  dieses  sind  aber  selbstgeschaffene  Einbildungen.  Ich  habe 
überall  p.  27  und  28  klar  und  bestimmt  ausgesprochen,  dass  eine  starke 
lokale  Entwicklung  der  Uterinschleimhaut  das  Ei  als  Decidua  umschliesse, 
und  unter  Abschluss  von  der  übrigen  Höhle  des  Uterus,  einkapsele. 
Nur  darin,  dass  diese  abgekapselte  Stelle  ursprünglich  nicht  ein  Diver- 
tikel   der  Uterinhöhle,    sondern  ein    Theil    derselben    selbst    ist,    besteht 


139 

eine  Differenz  zwischen  meiner  und  Reicherts  Auffassung,  und  ich  gebe 
ihm  darin  Recht. 

Weit  wichtiger  dagegen  ist  nun  die  Frage  und  die  Differenz  un- 
serer Ansichten  in  der  Beantwortung  derselben,  wie  sich  das  Eichen  in 
dieser  abgekapselten  und  abgeschnürten  Stelle  der  Uterinhöhle  verhält, 
ja  Reichert  hat  dieselbe  und  ihre  Bedeutung  so  gut  wie  ganz  über- 
gangen. Das  Auffallende  und  Abweichende,  dass  sich  das  Eichen  hier 
nicht  in  der  Gestalt  eines  kleinen  1  oder  2  Linien  grossen  wasserhellen, 
die  abgeschnürte  Stelle  der  Uterinhöhle  erfüllenden,  im  Anfang  noch 
freien,  dann  aber  bald  mit  der  Uterinschleimhaut  in  eine  innige  Ver- 
bindung tretenden,  einfachen  oder  doppeltgeschichteten  Bläschens,  sondern 
nur  als  Dotterkugel  und  zwar  diese  in  der  innigsten  Verbindung  mit 
nur  einer  Stelle  der  abgekapselten  Uterinhöhle  findet,  dieses  Auffallende 
und  man  kann  wohl  sagen  Unerklärliche  in  dem  Verhalten  des  Meer- 
schweincheneies, hat  Reichert  gar  nicht  erörtert.  Unsere  Darstellungen 
und  Abbildungen  dieses  Verhaltens  sind  aber  ganz  übereinstimmend. 
Pag.  138  sagt  Reichert:  Es  (das  Ei)  liegt  hier  regelmässig  in  dem  ab- 
gerundeten Endstücke  des  Zapfens,  genau  dessen  Höhle  erfüllend,  und 
pag.  139  das  Eichen  liegt  so  fest  in  dem  Zapfen,  dass  es  mir  wenig- 
stens nicht  gelungen  ist,  dasselbe  ohne  Zerstörung  frei  herauszubringen. 
Meine  Fig.  17,  19  und  24  zeigt  dieses  Verhalten  ganz  genau  ebenso 
wie  Reicherts  Fig.  12,  in  deren  Beschreibung  er  Deu.  den  zapfen- 
förmigen  Vorsprung  der  epithelialen  Kapsel,  in  welchem  das  befruchtete 
Ei  liegt,  nennt.  Aber  wie  das  Ei  in  diese  Lage  kommt,  wesshalb  es 
nicht  frei  und  lose  in  dieser  Kapsel  liegt,  sondern  immer  nur  an  einer 
und  derselben  Stelle  und  zwar  fest,  davon  sagt  Reichert  kein  Wort. 
Und  doch  waren  und  sind  es  diese  Umstände,  die  mich  bewogen,  von 
einer  Einlagerung  des  Eies  in  die  Mündung  einer  Uterindrüse  und  von 
einer  Verschmelzung  oder  Fusionirung  des  Dotters  mit  einer  Stelle  der 
Uterinschleimhaut  zu  sprechen. 

Da  sonach  die  Thatsache  von  uns  Beiden  ganz  gleich  beschrie- 
ben feststeht  und  bestehen  bleibt,  Reichert  aber  für  dieselbe  gar  keine 
Erklärung  gibt,  so  finde  ich  gar  keinen  Grund  von  der  meinigen  abzu- 
weichen, und  bleibe  also  bei  meiner  Auffassung  dieses  eigenthümlichen 
Verhaltens,    dass  der  Dotter  des  Eies,    nachdem  die  Zona  verschwunden 

18* 


140 

ist,  sich  mit  einer  Stelle  des  Epithels  der  Uterinschleimhaut  auf  das 
innigste  vereinigt,  mit  ihr  verschmilzt  und  ihr  gewissermassen  die 
Fähigkeit  ertheilt,  sich  nun  weiter  zu  dem  Eie  und  Embryo  auszubilden. 

Ja  es  scheint  mir  jetzt  sogar  möglich  zwischen  dieser  Fixirung  des 
Meerschweincheneies,  an  einer  ganz  beschränkten  Stelle  der  Uterinhöhle, 
und  der  ersten  Fixirung  anderer  Säugethiereier  z.  B.  des  Hundes  und 
Kaninchens  in  dem  Uterus  eine  grössere  Uebereinstimmung  zu  erblicken, 
als  man  auf  den  ersten  Blick  glauben  möchte. 

Ich  habe  gezeigt,  dass  bei  den  genannten  beiden  Thieren  an  der 
Oberfläche-  der  bis  zu  einem  Umfang  von  2 — 3  Linien  ausgedehnten 
Zona  pellucida  die  ersten  Anfänge  der  Zotten  erscheinen,  welche  zu 
dieser  Zeit  die  Fixirung  des  Eies  im  Uterus  in  der  Art  bewirken,  dass 
die  Eier  jetzt  nicht  unverletzt  aus  dem  Uterus  herausgebracht  werden 
können,  auch  bei  der  grössten  Vorsicht.  Die  Uterinanschwellung,  wo 
die  Eier  liegen,  sinkt  bei  Eröffnung  des  Uterus  unter  Entleerung  einer 
gewissen  Menge  einer  wasserhellen  Flüssigkeit  zusammen,  und  an  dieser 
Stelle  findet  man  dann  frei  die  noch  ansehnlich  kleinere,  sehr  zarte  und 
vollkommen  durchsichtige  Keimblase.  Ich  habe  es  dann  für  möglich 
gehalten,  dass  sich  später  das  äussere  Blatt  dieser  Keimblase,  das 
animale  Blatt  oder  nach  Entwicklung  des  Embryo  und  des  Amnion, 
die  seröse  Hülle,  mit  dieser  mit  der  Uterinschleimhant  durch  die  Zotten 
in  Verbindung  getretenen  Zona  oder  Dotterhaut  vereinige ,  und  noch 
später,  wenn  auch  die  Allantois  an  die  Oberfläche  des  Eies  getreten  sei, 
mit  dieser  das  Chorien  bilde.  Doch  habe  ich  es  zugleich  unentschieden 
gelassen,  ob  man  sich  diesen  Vorgang  als  eine  Vereinigung  oder  als* 
eine  unmerkliche  Substitution  vorzustellen  hat,  wobei  das  ältere  Gebilde 
sich  auflöset,  während  das  jüngere  an  dessen  Stelle  tritt,  also  die  seröse 
Hülle  an  die  Stelle  der  Zona  oder  Dotterhaut,  und  das  Gefässblatt  der 
Allantois  an  die  Stelle  der  serösen  Hülle.  Nur  daran  habe  ich  festge- 
halten und  halte  fest,  dass  die  erste  Fixirung  der  Eichen  bei  Hunden 
und  Kaninchen  unter  Entwicklung  von  Zotten,  deren  histologische  Tex- 
tur ich  ganz  genau  beschrieben  und  abgebildet  habe,  erfolgt. 

C.  B.  Reichert  nun  hat  freilich  wiederholt  und  so  auch  jetzt  wieder 
p.  193  seiner  vorliegenden  Schrift  über  das  Meerschweinchen,  diese 
meine  Angaben  in  Abrede  gestellt,  und  beschuldigt  mich,  dass  ich  Nieder- 


141 

schlage  des  Excretes  der  auf  die  Zona  pellucida  des  schon  stillstehenden 
Eichen  ausmündenden  Uterindrüsen,  festere  Bestandteile  der  sogenannten 
Uterinmilch,  oft  Krystalle  und  gewöhnlich  keine,  oder  doch  nur  Reste 
zerstörter  Zellen  enthaltend,  für  solche  Zotten  gehalten  habe.  Diese 
starke  Zumuthung  weise  ich  einfach  mit  der  Ueberzeugung  zurück,  dass 
Reichert  eben  das  Stadium  in  der  Entwicklung  der  Hunde-  und  Kaninchen- 
Eier,  wo  diese  Zotten  auf  der  Zona  schon  hervorgekeimt  sind,  die 
Eichen  sich  aber  noch  lösen  lassen ,  nicht  beobachtet  hat.  Ich  habe 
dasselbe  oftmalen  und  neuerlich  wieder  bei  dem  Fuchs-Ei  gesehen,  An- 
deren gezeigt,  und  selbst  Reicherts  Zumuthung  einer  Verwechslung  mit 
Niederschlägen  in  Betracht  gezogen,  aber  dieselbe  nur  ganz  unbegründet 
finden  können. 

Wahrscheinlich  nun  aber  scheint  es  mir,  dass  die  bereits  in  der 
Auflösung  begriffene,  gewissermassen  klebrige  Zona  des  Meerschweinchen- 
Eies  benützt  wird,  um  dieses  sehr  kleine  Eichen  in  der  verhältniss- 
mässig  viel  weiteren  Uterinhöhle  zu  fixiren ,  und  dass  sich  jetzt  die 
Keimblase  unter  Beibehaltung  dieser  Fixirung  auf  Kosten  eines  Theiles 
des  Dottermateriales  entwickelt.  Ich  sehe  mich  um  so  mehr  veranlasst, 
an  dieser  Vorstellung  festzuhalten ,  da  sie  allein  die  Brücke  zu  dem 
Verständniss  der  nun  weiter  folgenden  Stadien  in  der  Entwicklung  bil- 
det, dessen  Schwierigkeiten  Reichert  ebenfalls  einfach  stillschweigend 
umgangen  und  sich  nur  wieder  an  solche  Punkte  gehalten  hat,  in 
denen  er  mir  widersprechen  zu  können  und  sie  nach  seinen  Theorien 
deuten  zu  können  geglaubt  hat. 

Ehe  ich  indessen  zu  jenen  weiteren  Pmtwicklungs-Zuständen  über- 
gehe, will  ich  zuvor  noch  bemerken,  dass  ich  gar  keinen  Grund  auf- 
finden kann ,  weshalb  Reichert  die  sich  verdickende  und  das  Ei  ein- 
kapselnde Uterinschleimhaut  als  Decidua  reflexa  bezeichnet.  Decidua 
oder  Decidua  vera  ist  nach  der  jetzt  und  auch  durch  Reichert  fest- 
gestellten Erkenntniss  der  Verhältnisse,  die  während  einer  Schwanger- 
schaft, ja  bei  dem  menschlichen  Weibe  auch  schon  während  einer  Men- 
struation 1),  entwickelte    innere   Schleimhaut-Oberfläche  des    Uterus ,    die 


1)  Bei  dieser  Gelegenheit  kann  ich  nicht  umhin,  folgende  Bemerkung'  einzuschalten: 

Herr  Professor  Pflüger  in  Bonn  hat  so  eben  in  einem  Hefte:    Untersuchungen   aus  dem 
physiologischen  Laboratorium  zu  Bonn  1865  pag.  52    einen  Aufsatz:    Ueber  die  Bedeutung 


142 

Membrana  uteri  interna  evoluta,    namentlich    auch  ihre  Drüsenschichte. 
Decidua  reflexa  ist  die  von  dieser  entwickelten  inneren  Oberfläche  des 


und  Ursache  der  Menstruation  veröffentlicht,  welcher  dem  Leser  die  unliebe  Alternative 
stellt,  ob  er  die  in  demselben  beobachtete  Haltung  als  eine  Folge  literarischer  Unwissen- 
heit, oder  als  einen  Versuch  absichtlicher  Beeinträchtigung  der  Leistungen  Anderer  be- 
trachten soll.  Ersteres  sieht  einem  deutschen  Professor,  wenigstens  früherer  Zeit,  ebenso 
unähnlich,  als  letzteres  der  traurigen  Art  deutscher  Charaktere  angemessen  ist,  welche  zu 
nichts  lieber  die  Hand  bieten,  als  die  Verdienste  eines  Landsmannes  zu  beeinträchtigen. 

Gleich  zur  Einleitung  seines  Aufsatzes  sagt  Hr.  Pfiüger.  Schon  Nägele  habe  eine  Be- 
ziehung der  Menstruation  zur  Brunst  der  Thiere  erkannt,  und  dann  hätten  erst  Negrier 
und  Andere?!!  den  Satz  ausgesprochen  und  begründet  (sie!),  dass  eine  spontane  Lösung 
der  Eier  aus  dem  Ovarium  auch  beim  Menschen  existire.  Mit  diesen  „Anderen"  wird 
denn  auch  mein  Anspruch  auf  den  Beweis  dieses  Satzes  abgefertigt,  so  dass  mein  Name  in 
dem  ganzen  Aufsatze  sich  kein  einzigesmal  erwähnt  findet. 

Was  meinen  verdienstvollen  alten  Lehrer  und  nachmaligen  Collegen  Nägele  betrifft, 
mit  welchem  ich  diese  Frage  öfter  besprochen,  so  machte  er  keine  Ansprüche  auf  die 
Priorität ,  nicht  einmal  der  Idee  der  Uebereinstimmung  zwischen  der  Brunst  der 
Thiere  und  der  Menstruation  des  Weibes,  denn  er  wusste,  was  Herr  Pflüger  nicht  zu 
wissen  scheint,  dass  schon  Aristoteles  und  nach  ihm  viele  Andere,  z.  B.  Mauricau,  Buffon, 
F.  Cuvier  etc.  denselben  Gedanken  geäussert  Was  aber  meinen  Anspruch  auf  den  Beweis 
der  Richtigkeit  dieses  Gedankens  gegenüber  den  neueren  Untersuchungen  von  Pouchet 
Duvernoy,  Negrier,  Kaciborsky,  Gendrin,  William  Jones,  R.  Lee,  Paterson  und  Anderer, 
welche  Hr.  Pflüger  ebenfalls  wenig  zu  kennen  scheint,  betrifft,  so  halte  ich  es  für  über- 
flüssig, darüber  ein  Wort  zu  verlieren,  da  schwerlich  das  Gedächtniss  anderer  Physiologen 
und  Aerzte  so  kurz  ist,  dass  sie  meine  Abhandlung  vom  Jahre  1844  bereits  vergessen 
haben. 

Allein  Herr  Pflüger  lässt  es  bei  diesem  gewissenhaften  Verschweigen  meines  Antheiles 
an  dem  endlichen  Verständniss  des  Wesens  der  Brunst  und  der  Menstruation  nicht  be- 
wenden ,  sondern  indem  er  sich  die  Mühe  giebt,  die  Hauptsache  zur  Nebensache,  und  die 
Nebensache  zur  Hauptsache  zu  machen ,  den  Vorgang  in  dem  Eierstock  als  etwas  Un- 
wesentliches, die  Veränderungen  der  inneren  Oberfläche  und  die  Blutung  in  dem  Uterus 
als  das  Wesentliche  der  Menstruation  hinzustellen,  macht  er  sogar  den  Versuch,  sich  die 
wahre  Einsicht  in  die  Bedeutung  dieser  Vorgänge  in  dem  Uterus  zuzuschreiben,  indem  er 
sie  als  eine  unabhängig  von  der  Befruchtung  vor  sich  gehende  Vorbereitung  des  Uterus 
zur  Aufnahme  des  Eies  darstellt.  Die  Menstruation  ist  demnach  nach  Hrn.  Pflüger:  „Der 
Inoculationsschnitt  der  Natur  zur  Aufimpfung  des  befruchteten  Eies  auf  den  mütterlichen 
Organismus."  So  gewissenhaft  wie  oben  Nägele  als  Autor  für  die  Idee  der  Ueberein- 
stimmung zwischen  Brunst  und  Menstruation,  nennt  hiebei  Herr  Pflüger  als  seine  Vor- 
gänger für  diese  Inspiration  den  feinsinnigen"  Aristoteles  und  Pouchet,  und  da  ihm  selbst 
alle  eigenen  Beobachtungen  fehlen ,  so  lässt  er  sich  von  seinem  Freunde  und  Collegen 
C.  Otto  Weber  berichten,  dass  derselbe  nach  seinen  zahlreichen  pathologisch-anatomischen 
Erfahrungen,  bei  jeder  Menstruation  eine  Decidua  gebildet  gesehen  habe.  Mit  diesen  ge- 
wissenhaften Citaten  und  Relationen  überhebt  sich  Hr.  Pflüger  der  lästigen  Erwähnung, 
dass  schon  in  der  alten  Bezeichnung  der  Decidua  als  „Nesthaut",  Nidamentum,  seine  glän- 
zende Entdeckung  ausgesprochen  war ;  dass  sodann  Coste,  Dr.  Meckel,  Ino  Dalton,  Janzer, 


143 

Uterus  ausgehende ,  das  Ei  selbst  umhüllende  Wucherung  derselben. 
Von  einem  Vorgange  letzterer  Art  ist  bei  dem  Meerschweinchen  gar 
keine  Rede.  An  jeder  Stelle,  wo  sich  ein  Ei  festsetzt,  tritt  eine  und 
zwar  sehr  starke  Entwicklung  und  Wucherung  der  Uterinschleimhaut 
und  ihrer  Drüsen  ein,  welche  das  Ei  gradezu  umgiebt  und  einkapselt. 
Dieses  ist  einfach  eine  Decidua  oder  Decidua  vera,  aber  keine  reflexa. 
Nach  einer  von  Reichert  p.  129  gemachten  Aeusserung  scheint  derselbe 
die  Bezeichnung  Decidua  vera  nur  für  eine  über  die  Uterinschleimhaut 
des  ganzen  Uterus  sich  ausdehnende  Verdickung  und  Wucherung  der- 
selben gestatten ,  eine  partielle  nur  das  Ei  einschließende,  aber  nur  eine 
reflexa  nennen  zu  wollen.  Allein  für  diese  Definition  ist  gar  kein  Grund 
vorhanden  und  sie  widerspricht  der  geschichtlichen  Entwicklung  und 
dem  eingeführten  Gebrauche  der  genannten  Bezeichnungen.  Es  muss 
zunächst  eine  Decidua  vera  geben,  ehe  es  eine  Decidua  reflexa  geben 
kann.  Letztere  findet  sich  in  der  That  mit  Ausnahme  vielleicht  der 
ebenfalls  einen  Uterus  simplex  besitzenden  Affen,  Fledermäuse  und 
Edendaten  nur  bei  dem  Menschen;  alle  mit  röhrenförmigem  Uterus  ver- 
sehenen Thiere  zeigen  nur  eine  partielle,  das  Ei  umgebende  Entwick- 
lung der  Uterinschleimhaut,  nur  eine  Decidua  vera  und  keine  reflexa. 
Bei  dem  Meerschweinchen  ist  diese  Wucherung  der  Uterin  Schleimhaut 
um  das  Ei  herum  ganz  besonders  stark,  und  ich  kann  dieselbe  hier 
nur  einfach  als  Decidua  oder  wenn  man  durchaus  eine  speziellere  Be- 
zeichnung will,  Decidua  vera  nennen. 

Ich  komme  nun  auf  den  Zustand    des  Eies    des    Meerschweinchens 
am   7.  Tage  an  der  durch  die  beginnende  Wucherung  der  Uterinschleim- 


Judee,  Tyler  Smith,  Raciborsky,  Maier  und  manche  Andere  über  das  Vorhandensein  einer 
Decidua  bei  jeder  Menstruation  discutirten,  und  dass  endlich  auch  ich,  durch  Mittheilung 
von  dreizehn  in  Henle's  und  Pfeufer's  Zeitschrift  N.  F.  Bd.  IV.  Hft.  1  p.  129,  1854  be- 
schriebenen und  genau  ausgeführten  Sectionen  von  während  der  Menstruation  verstorbenen 
Personen,  das  Verhältniss  dieser  Bildung  einer  Decidua  während  der  Menstruation  auf- 
geklärt habe. 

Alle  diese  Dinge  sind  noch  so  neuen  Datums  und  so  allgemein  bekannt,  dass  man  es 
bezweifeln  kann,  ob  es  der  Mühe  werth  gewesen,  ein  Wort  darüber  zu  verlieren.  Allein 
da  es  ernstlich  scheint,  dass  Hr.  Pflüger  neuerdings  seine  Entdeckungen  auf  dem  Gebiete 
der  Entwicklungsgeschichte  zu  machen  beabsichtigt ,  so  war  es  nöthig ,  ihn  daran  zu 
erinnern,  dass  er  dabei  mit  den  Arbeiten  Anderer  etwas  gewissenhafter  und  ehrlicher 
verfahren  muss. 


144 

haut  abgeschnürten  Stelle  der  Uterinhöhle  zurück.  Der  Dotter  liegt 
hier,  wie  wir  gesellen,  nach  meinen  und  Reicherts  vollkommen  überein- 
stimmenden Beobachtungen,  an  der  Spitze  einer  der  Mesenterialanheftung 
des  Uterus  gegenüberliegenden  kegelförmig  gestalteten  Stelle  oder  Ab- 
schnürung des  Epitheliums  der  Uterinschleimhaut  genau  befestigt.  Diese 
Stelle  wächst  nun  in  den  folgenden  Tagen  bis  zum  12.  und  13.  zu 
einem  etwa  zwei  Linien  langen  und  durchsichtigen  Cylinderchen  aus, 
welcher  an  seiner  Basis  angewachsen  ist,  durch  Blutgefässe  mit  den 
Gefässen  der  Decidua  in  Verbindung  steht,  und  bis  zu  der  genannten 
Zeit  den  Dotterrest  ziemlich  unverändert  an  seiner  Spitze  trägt.  Am 
14.  Tage  geht  der  Cylinder  unter  verhältnissmässig  stärkerem  Wachsthum 
in  ein  Bläschen  über,  welches  zur  Embryonalanlage  und  Amnion  wird. 
Der  Embryo  senkt  sich  allmählich  in  die  runde  Eiblase  hinein  und  auf 
dieser  verbreiten  sich  die  Nabel-  oder  Darmblasen-Gefässe,  während  die 
Allantois  die  Nabelgefässe  an  die  Stelle  trägt ,  wo  der  Cylinder  an 
seiner  Basis  mit  der  Uteriuschleimhaut  oder  vielmehr  mit  der  Decidua 
bereits  durch  Blutgefässe  verwachsen  war. 

Dieser  hier  kurz  dargestellte  Fortgang  in  der  Entwicklung  des 
Meerschweinchen-Eies  veranlasste  mich  nicht  nur,  sondern  er  zwang 
mich  zu  dem  Schlüsse ,  dass  der  genannte  von  einem  sehr  geringen 
Anfang  aus  sich  entwickelnde  zarte  und  hohle  Cylinder  das  E  i  sei,  dass 
er  das  Analogon  der  sogenannten  Keimblase  anderer  Säugethiereier  sei, 
die  sich  hier  nur  in  anderer  Weise  und  in  einer  eigenthümlichen  und 
sonderbaren  Verbindung  mit  dem  Epithelium  oder  der  Schleimhaut, 
resp.  Decidua,  des  Uterus  entwickele. 

Reichert  hat  nun  in  der  factischen  Darstellung  dieses  Entwicklungs- 
ganges, obgleich  er  ihn  nicht  so  weit  verfolgt  hat,  Nichts  Wesent- 
liches geändert;  er  hat  ihn  nur,  was  ich  abermals  sehr  willig  aner- 
kenne, in  einigen  Stücken  genauer  als  ich  verfolgt.  Dieses  betrifft 
namentlich  die  Art  und  Weise,  wie  der  erwähnte  Cylinder  an  seiner 
Basis  mit  der  Decidua  verwächst  und  die  Blutgefässe  an  ihn  übergehen. 
Er  hat  gezeigt,  wie  die  Decidua,  nachdem  sie  zuerst  vorzüglich  an  den 
Seiten  und  an  dem  freien  Rande  des  Uterus  sich  entwickelt  hat,  dann 
auch  von  der  Mesenterialseite  aus  stärker  wuchert,    die    Anfangs    noch 


145 

übrig  gebliebene  Parthie  der  Uterinhöhle  verschliesst,  den  oben  er- 
wähnten kegelförmigen  Zapfen  der  Epithelröhre  dieser  Stelle,  an  dessen 
Spitze  sich  der  Ei-Cylinder  mit  dem  Dotter  befindet,  Reicherts  Epithelial- 
Kapsel  der  Decidua,  verdrängt,  und  wenn  diese  Wucherung  an  die  Basis 
des  Cylinders  angelangt  ist,  auch  noch  eine  Strecke  weit  an  der  innern 
Oberfläche  derselben  fortwuchert  und  die  Blutgefässe  an  diese  Stelle 
führt.  Er  nennt  diesen  letzteren  Vorgang  das  „Hineinwachsen  eines 
lamellenartigen  Eortsatzes  des  Schleimhautsubstrates  der  Decidua  ins 
Innere  und  an  die  Innenfläche  des  Körpers  des  genannten  Cylinders. 
Seine  der  Natur  entnommenen  und  schematischen  Abbildungen  stellen 
diesen  Vorgang  genauer,  als  ich  ihn  geschildert  habe,  dar,  und  ich 
stimme  seinen  Angaben  im  Allgemeinen  bei,  obgleich  ich  glaube,  dass 
er  den  Vorgang  zu  sehr  schematisirt  hat. 

Allein  der  ausserordentlich  wichtige  Unterschied  zwischen  Reicherts 
und  meiner  Auffassung  des  hier  vorliegenden  Stadiums  ist  nun  der,  dass 
während  ich,  wie  gesagt,  den  erwähnten  Cylinder  für  das  Ei,  für  das 
Analogen  der  Keimblase  anderer  Säugethiere  erkläre,  Reichert  denselben 
nur  als  einen  zapfenförmigen  Fortsatz  der  epithelialen  flaschenförmigen 
Kapsel  der  Decidua  betrachtet,  in  dessen  Spitze  allein  das  befruchtete 
Eichen  liegt.  Merkwürdigerweise  hebt  Reichert  diesen  fundamentalen  Unter- 
schied zwischen  meiner  und  seiner  Auffassung  im  Ganzen  nur  wenig 
hervor.  Pag.  138  sagt  er:  „Die  von  Bischoff  so  genannte  Keimblase 
ist  meine  epitheliale  Kapsel  der  Decidua  reflexa.  Dass  dieselbe  keine 
Keimblase  ist,  auch  keine  Fusion  mit  dem  Ei  gemacht  hat ,  werde  ich 
in  der  Folge  auseinandersetzen."  Allein  einmal  ist  es  nicht  richtig,  dass 
das  Gebilde,  welches  ich  mit  der  Keimblase  anderer  Säugethier-Eier 
parallelisire,  Reicherts  „epitheliale  Kapsel"  ist,  sondern  es  ist  sein 
„Zapfen  oder  Fortsatz  der  epithelialen  Kapsel",  und  sodann  habe  ich 
überall  vergeblich  nach  der  „Auseinandersetzung"  gesucht,  durch  die 
meine  Ansicht  als  irrig  erwiesen  würde.  Er  wiederholt  nur  pag.  161, 
dass  ich  die  Entstehung  und  Bedeutung  der  epithelialen  Kapsel  seiner 
Decidua  reflexa  nicht  erkannt  habe  und  pag.  164  referirt  er  abermals 
meine  Ansicht  und  die  Gründe,  die  mich  zu  derselben  bewogen,  allein 
er  widerlegt  sie  nicht,  sondern  hängt  ihr  nur  den  Satz  an  ,  der  wohl 
vorzüglich  nur  durch  meine  Arbeiten  nachgewiesen  worden  ist,  dass  ,,die 

Abh.  d.  II.  Cl.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  X.  Bd.  I.  Abth.  1 9 


146 

Geschichte  gelehrt  habe,  dass  die  Fortschritte  in  Betreff  der  Bildungs- 
Geschichte  der  Säugethiere  sehr  wesentlich  davon  abhingen,  ob  man 
die  der  Gebärmutter  und  dem  Embryo  angehörenden  Theile  genau  von 
einander  zu  trennen  und  zu  unterscheiden  vermochte."  Auch  findet 
sich  daselbst  noch  die  Aeusserung:  „Die  auffällige  Erscheinung,  dass 
die  Decidua  reflexa  mit  ihrer  epithelialen  Kapsel  zum  Voraus  eine 
Form  ausbildet,  die  auf  diejenige  berechnet  ist,  die  der  Embryo  mit 
seinen  Dependenzen  später  einnimmt,  diese  Erscheinung  war  es,  welche 
Bischoff  und  auch  mich  früher  zu  der  Ansicht  verleitet ,  dass  die 
epitheliale  Kapsel  das  Ei  sei." 

Vergebens  aber  habe  ich  nach  Thatsachen  oder  auch  nur  nach 
einer  Erörterung  in  der  ganzen  Schrift  Reicherts  gesucht,  durch  welche 
es  erwiesen  würde,  dass  diese  meine  und  seine  frühere  Auffassung 
falsch  sei,  ja  es  findet  sich  in  der  That  nirgends  eine  Darlegung,  wie 
sich  denn  nun  nach  Reicherts  Meinung  die  Sache  eigentlich  verhält. 
Denn  dadurch,  dass  er  einfach  behauptet,  meine  Keimblase  sei  nur  ein 
Fortsatz  der  epithelialen  Kapsel  der  Decidua,  werden  meine  Gründe  für 
die  Natur  dieses  Gebildes  als  Keimblase  doch  nicht  beseitigt.  Sie  liegen 
ganz  einfach  darin ,  dass  dieses  Gebilde  sich  continuirlich  in  das  in 
späterer  Zeit  ganz  unzweifelhafte  Ei  umwandelt.  Vom  13.  bis  14.  Tage 
ab  geht  die  bis  dahin  cylindrische  Form  in  die  runde  über;  an  der 
freien  Seite  der  so  entstandenen  Blase  entwickelt  sich  der  Fruchthof 
und  der  Embryo ,  der  sich  bald  in  sie  einsenkt;  sie  trägt  an  ihrer 
inneren  Fläche,  so  weit  sie  nicht  angewachsen  ist,  das  Gefässblatt  und 
die  Ausbreitungen  der  Vasa  omphalo  mesenterica  und  die  sogenannte 
Vena  terminalis;  an  ihre  angewachsene  Seite  wendet  sich  die  Allantois 
mit  den  Nabelgefässen  und  bildet  die  Placenta,  kurz  sie  ist  in  späterer 
Zeit  unzweifelhaft  das  Ei  und  muss  also  auch  früher  als  Ei  betrachtet 
werden. 

Jn  mir  unverständlicher  Weise  wird  dieses  Alles  indirect  auch  von 
Reichert  anerkannt  und  zwar  durch  eine  genauere  Unterscheidung  und 
Bezeichnung  der  einzelnen  Theile  des  noch  cylindrischen  Eies  oder 
seines  Fortsatzes  der  epithelialen  Kapsel ,  die  ich  sehr  zweckmässig  und 
richtig  finde,  und  daher  bereitwilligst  annehme.  Er  unterscheidet  näm- 
lich zunächst  den  ersten  Abschnitt  oder  die  Spitze    des  Cylinders,    wo 


147 

der  bis  jetzt  noch  unveränderte  Dotterrest  liegt,  ganz  richtig  als  „die 
Zona  des  Fruchthofes'';  den  zweiten  Abschnitt  oder  den  mittleren 
Theil  des  Cylinders,  an  welchem  sich  später  die  Vasa  omphalo  mesen- 
terica  ausbreiten,  als  die  „Zona  des  Gefässhofes"  und  den  dritten 
untersten  Abschnitt,  mit  welchem  der  Cylinder  an  die  Decidua  ange- 
wachsen ist,  an  welchem  sich  jetzt  die  Gefässe  der  Decidua  und  später 
die  Nabelgefässe  der  Allantois  zur  Placenta-Bildung  ausbreiten,  als  ,,die 
Zona  der  Placenta";  aber  wie  Reichert  dieses  Alles  mit  seiner  An- 
sicht zusammenreimt,  dass  der  Cjlinder  das  Ei  selbst  nicht  sei,  darüber 
vermisst  man  jede  Erklärung.  Da  Keicherts  ganze  Darstellung  nur  bis 
zum  14.  Tage  geht,  von  wo  ab  die  Entscheidung  in  allen  diesen 
Dingen  eintritt,  so  war  oder  ist  es  vielleicht  seine  Absicht,  seine 
Gründe  und  Erklärungen  später  zu  geben.  Wir  werden  dieses  abwarten 
müssen;  allein  es  war  meiner  Meinung  nach  ganz  unthunlich,  eine  auf 
die  schlagensten  Verhältnisse  gebaute  Ansicht  ohne  Weiteres  an  die 
Seite  zu  schieben  und  eine  andere  an  die  Stelle  zu  setzen,  ohne  die 
Irrigkeit  ersterer  und  die  Richtigkeit  letzterer  irgendwie  nachzuweisen. 
Vielleicht  glaubt  Reichert  dieses  indirect  durch  seine  Aussprüche 
und  Abbildungen  über  die  Textur  unseres  Cylinders  gethan  zu  haben, 
indem  er  demselben  überall  die  Textur  eines  Epithels  zuschreibt,  ihn 
als  aus  deutlichen  uiit  Membranen  und  Kernen  versehenen,  polyponal  gegen- 
einander gedrängten  Zellen  bestehend  abbildet,  ja  ihm  sogar  in  Text  und 
Figuren  (besonders  Fig.  14)  Fortsätze,  die  Epithelial -Auskleidungen 
der  Uterindrüsen  der  den  Cylinder  einschliessenden  Decidua-Kapsel,  er- 
theilt.  Allein  ich  sehe  mich  genöthigt,  ihm  in  Alle  Diesem  zu  wider- 
sprechen. Schon  in  meiner  ersten  Schrift  habe  ich  gesagt,  dass  die  den 
Cylinder  zusammensetzenden  Zellen  nicht  scharf  begränzt,  sondern  un- 
ter einander  verschmolzen  seien.  C.  B.  Reichert  behauptet  p.  157  seiner 
Schrift  gerade  das  Gegentheil.  Er  glaubt  meine  Angabe  dem  Zusatz 
von  Wasser  zuschreiben  zu  können,  welches  in  Folge  von  Diffusion  die 
vollsaftigen  Zellen  sehr  leicht  zerstöre,  so  dass  die  Contouren  der  Zell- 
membranen nicht  mehr  aufzufinden  seien;  auch  Weingeist  zerstöre  die 
Zellen  leicht;  in  der  Inhaltsflüssigkeit  der  Kapsel  selbst  könnten  jedoch 
die  Zellen  unversehrt  erhalten  werden,  sie  seien  polyedrisch  begränzt, 
wie  beim  Epithelium  des  Uterus  etc. 

19* 


148 

Ich  habe  darauf  zu  erwidern,  dass  ich,  wie  ich  auch  schon  oft 
genug  angegeben  habe,  dergleichen  zarte  Texturverhältnisse  nie,  es  sei 
denn  zu  besonderen  Zwecken,  unter  reinem  Wasser  behandle  und  unter- 
suche, sondern,  wenn  ich  kein  Blutserum,  Amnion  oder  Allantois- 
flüssigkeit  oder  humor  aquetis  habe ,  mich  stets  einer  Mischung  von 
Wasser,  Eiweiss  und  Kochsalz  in  den  Verhältnissen  bediene,  dass  Blut- 
körperchen und  in  diesem  Falle  z.  B.  auch  die  schönen  Zellen  der 
Decidua  dadurch  nicht  verändert  werden.  Zweitens  erkläre  ich  es  für 
unmöglich,  den  hier  erwähnten  Eicylinder  vom  7.  bis  etwa  12.  Tage 
ohne  Zusatz  irgend  einer  künstlichen  Flüssigkeit  zur  Anschauung  und 
unter  das  Mikroskop  zu  bringen.  Das  Cylinderchen  ist  in  dieser  Zeit 
so  zart,  dass  wenn  man  nicht  unter  einer  Flüssigkeit  arbeitet,  dasselbe 
bei  Eröffnung  der  Decidua-Kapsel  gar  nicht  erkannt  und  noch  viel 
weniger  herausgefordert  und  unter  das  Mikroskop  gebracht  werden 
kann.  Selbst  in  viel  späteren  Zeiten ,  wenn  das  Ei  schon  ansehnlich 
grösser,  wird  es  nur  sehr  schwierig  gelingen,  einzelne  Fetzchen  der- 
selben ohne  eine  Zusatz-Flüssigkeit  zu  beobachten. 

Wenn  ich  nun  aber  einen  Eicylinder  des  8.,  9.,  10.,  11.  etc.  Tages  auf 
solche  Weise  unter  einer  Wasser-,  Eiweis-  und  Salzmischung  herausprä- 
parirt  und  mit  grösster  Vorsicht  möglichst  frisch  und  rasch  unter 
das  Mikroskop  gebracht  habe,  so  habe  ich  erstens  niemals  an 
demselben  irgend  einen  der  mir  von  der  Epithelröhre  des  Uterus 
sehr  wohl  bekannten  Epithel  -  Fortsätze  der  Uterindrüsen  sehen  können. 
Zweitens  ist  die  Textur  dieses  Cylinders  immer  ganz  ver- 
schieden von  dem  Uterus-Epithel.  Dieses  besteht  immer  aus  kleinen 
dicht  nebeneinanderstehenden  Cylinderchen,  an  denen  selbst  ein  Kern 
meist  nicht  zu  erkennen  ist.  Dagegen  ist  drittens  der  Cylinder  nicht 
aus  mit  Membranen  versehenen  Zellen,  sondern  aus  Protoplasten  zu- 
sammengesetzt, die  aus  einem  hellen  Kerne  und  einer  denselben  umgebenden 
ansehnlichen  feinkörnigen  gelatinösen  Plasmaschichte  bestehen.  Sie  und 
selbst  ihre  Kerne  sind  im  ganz  frischen  Zustande  sehr  schwierig  zu 
erkennen ;  erst  allmählig,  wenn  sie  sich  mehr  contrahiren ,  treten  Kerne 
und  Contouren  deutlicher  hervor,  zeigen  aber  immer  sowohl  im  Zu- 
sammenhang als  isolirt,  dass  sie  keine  umhüllenden  Membranen  besitzen, 
sondern  nur  dicht  gedrängt  nebeneinanderliegend  und  zusammenhaftend 


149 

den  Cylinder  darstellen.  Erst  wenn  man  heterogenere  Flüssigkeiten, 
Chromsäure,  Weingeist  u.  dgl.  zusetzt,  dann  bilden  sich  an  ihnen 
schärfere  Contouren  aus,  ohngefähr  so,  wie  Reichert  sie  abgebildet  hat. 
Ich  glaube  daher,  dass  seine  Darstellungen  und  Abbildungen  durch 
solche  Weingeist-Präparate  entstanden  sind,  und  dadurch  auch  die  Täu- 
schung über  Epithel-Fortsätze  an  dem  Cylinder.  Denn  bei  solchen  in 
Weingeist  erhärteten  Präparaten  bleibt  in  der  That  leicht  äusserlich  ein 
kleines  Coagulums  an  dem  Cylinder  bei  der  Herausbeförderung  aus  der 
weichen  und  saftreichen  Decidua-Kapsel  hängen,  welchem  man  fälschlich 
jene  Deutung  geben  kann. 

Ich  komme  daher  zu  dem  Schlüsse,  dass,  nachdem  ich  auf's  Neue 
durch  eine  grosse  Anzahl  von  Beobachtungen  meine  früheren  und  jetzt 
C.  B.  Reicherts  Angaben  sorgfältig  geprüft  habe,  ich  bei  meinem  früher 
gezogenen  Schlüsse  bleiben  muss,  dass  der  in  Bede  stehende  Cylinder 
wirklich  das  Ei  ist,  und  zwar  das  Analogon  der  sogenannten  Keim  blase 
anderer  Säugethier-Eier.  Während  dieselbe  aber  bei  diesen  auf  diesem 
Stadium  noch  frei  als  rundes  Bläschen  im  Uterus  liegt,  ist  sie  beim  Meer- 
schweinchen cylindrisch,  und  dieser  Cylinder  ist  an  seinem  einen  Ende 
mit  der  zur  Decidua  entwickelten,  stark  angeschwollenen  Uterinschleim- 
haut schon  sehr  früh  verwachsen. 

Ich  wende  mich  nun  zur  Betrachtung  und  Erörterung  der  Spitze 
unseres  Eicylinders  oder  der  Zona  des  Fruchthofes,  und  hier  ergeben 
sich  allerdings  abermals  sowohl  factische,  als  wie  schon  nach  dem 
Vorausgegangenen  nothwendig,  sehr  bedeutende  deductive  Unterschiede 
zwischen  meiner  und  Reicherts  Darstellung  und  Auffassung  der  Ver*- 
hältnisse. 

Nach  Reicherts  Ansicht  ist  der  dunkle  Körper  an  der  Spitze  des 
Cylinders,  wie  schon  erwähnt,  das  ganze  Ei,  der  in  eine  gewisse  An- 
zahl von  Kugeln  oder  vielmehr  Dotterzellen  zerlegte  Dotter,  nachdem 
sich  die  Zona  oder  Dotterhaut  aufgelöset  hat.  Er  liegt  in  einem  An- 
fangs kleinen,  später  sich  immer  mehr  und  mehr  cylindrisch  ausziehen- 
den Fortsatz  der  epithelialen  Kapsel  der  Decidua,  mit  welcher  er  aller- 
dings auch  nach  Reichert  so  genau  vereinigt  ist,  dass  es  ihm  nicht  ge- 
lang, beide  von  einander  zu  trennen.  Da  die  Dotterzellen  aus  den 
Dotterkörnchen  zusammengesetzt  sind,  so  bilden  sie  nach  Reichert  eine 


150 

dichtere  Masse;  die  Spitze  des  Cylinders  erscheint  daher  bei  durch- 
fallendem Lichte  dunkler,  und  die  Dotterkugel  lässt  sich  zu  jeder  Zeit 
auf  das  deutlichste  von  der  epithelialen  Kapsel  unterscheiden.  Vom 
8.  Tage  ab  soll  sich  dann  am  Mantel  des  Cylinders  unterhalb  der  den 
Dotter  umschliessenden  Spitze  eine  anfangs  seichte,  dann  aber  etwas 
tiefer  eindringende  kreisförmige  Furche  oder  Einschnürung  ausbilden, 
und  zugleich  daselbst  ein  Vorsprung,  wie  ein  queres  Septum ,  in  das 
Innere  der  Höhle  des  Cylinders  hineindringen  (pag.  154  und  155). 
Ob  ein  wirkliches  Septum  sich  ausbildet,  ist  nicht  bestimmt  zu  sagen; 
später,  am  11.  Tage,  ist  kein  solches,  sondern  nur  jener  Vorsprung  zu 
finden,  auch  die  circuläre  Einschnürung  verliert  sich  mehr  und  mehr 
(p.  171  und  p.  175).  Dieses  unvollständige  Septum  transversum  bildet 
Reichert  in  seinen  Figuren  24,  25,26,  29  und  vor  allen  Fig.  36  zf  auf 
das  bestimmteste  ab.  Vom  9.  Tage  ab  soll  sich  sodann  der  bis  dahin 
runde  Dotter  nach  und  nach  in  eine  blattartige  Schichte  an  der  innern 
Wand  der  Spitze  der  epithelialen  Kapsel  bis  zur  Gegend  des  Septum 
transversum  umwandeln  und  ausbreiten.  Schon  vom  10.  Tage  sondert 
sich  an  dieser  blattartigen  Schichte  des  Bildungsdotters  an  seiner  gegen 
die  Höhle  des  Cylinders  gerichteten  Oberfläche  histologisch  eine  einfache 
epitheliumartige  Zellenschichte  aus,  welche  an  der  circulären  Abschnü- 
rung des  Fruchthofes  bald  auch  auf  den  ringförmigen  Vorsprung  des 
Septum  transversum  sich  fortsetzt,  und  zuletzt  eine  völlige  Scheidewand 
von  der  übrigen  Höhle  der  epithelialen  Kapsel  hervorbringt.  Der 
Bildungsdotter  hat  sich  dann  in  ein  Bläschen  mit  zwei  ungleich  dicken 
Hälften  umgewandelt,  deren  dickere  nach  aussen  gerichtet  an  der  Innen- 
fläche der  Spitze  der  epithelialen  Kapsel  anliegt,  deren  innere  epithelium- 
artige die  Zona  des  Fruchthofes  von  der  Zona  des  Gefässhofes  ab- 
schliesst.  Das  Ei,  oder  wie  Reichert  meint,  richtiger  der  Embryo,  stellt 
nunmehr  ein  Bläschen  dar:  Die  dickere  nach  aussen  gerichtete  Schichte 
entwickelt  sich  zu  dem  Embryo,  die  feinere,  dünnere  ist  seine  von 
seinen  anderen  embryonalen  Untersuchungen  her  bekannte  Umhüllungs- 
haut, welche  daher  auch  hier  als  Stütze  für  das  sich  zu  dem  Embryo 
umbildende  Dottermaterial  dient.  Dass  dieses  Dottermaterial  und  der 
sich  aus  ihm  entwickelnde  Embryo  entgegengesetzt  zu  dieser  Um- 
hüllungshaut wie  bei  anderen  Embryonen  liegt,  nämlich  an  der  Aussen- 


151 

fläche  der  Umhüllungshaut,  anstatt  an  der  Innenfläche,  und  dass  sodann 
der  Embryo  auch  umgekehrt  wie  andere  Embryonen  schon  von  Anfang 
an  seinen  Kücken  gegen  die  von  dem  Ei  gebildete  Höhle  und  seinen 
Bauch  von  derselben  abgewendet  kehrt,  giebt  Reichert  ohne  Weiteres, 
aber  ohne  genauere  Beschreibung  der  hier  vor  sich  gehenden  Entwick- 
lungsstadien zu.  Durch  ein  weitläufiges  und  nichts  weniger  als  klares 
Räsonnement  (p.  195  u.  ff.)  glaubt  er  aber  dennoch  diese  fundamentalen 
Unterschiede  zwischen  der  Entwicklung  des  Meerschweinchens  und  der 
anderen  Säugethiere  grösstenteils  wegdemonstriren  zu  können.  Von 
der  Bildung  und  dem  Verhalten  des  Amnion  und  der  Allantois  ist  in  der 
Reichertschen  Schrift  nicht  die  Rede. 

Ich  stelle  es  auch  hier  nicht  im  Mindesten  in  Abrede,  dass 
Reichert  die  Umwandlung  des  in  der  Spitze  des  Eicylinders  liegenden 
Restes  des  Dottermateriales  in  ein  Bläschen  genauer  zu  verfolgen  ge- 
sucht hat  als  ich,  indem  ich  damals  froh  war,  dieses  Eactum  an  und 
für  sich  ermittelt  zu  haben,  und  die  Art  und  Weise  seiner  Entwicklung 
nicht  genauer  verfolgte.  Allein  einmal  das  Wichtigste,  nämlich  das 
Auftreten  eines  Bläschens  in  der  Spitze  des  Eicylinders  und  das  Ver- 
halten des  Embryo  zu  demselben,  habe  ich  ebenso  wie  Reichert  und  er 
nicht  anders  als  ich  gesehen;  in  den  Details  aber,  und  natürlich  noch 
mehr  in  der  Interpretation  des  Beobachteten  weiche  ich  auch  jetzt  noch 
auf  das  Wesentlichste  von  ihm  ab,  und  konnte  auch  bei  meinen  erneuer- 
ten und  sorgfältigsten  Beobachtungen  keinen  Grund  finden,  von  meinen 
früheren  Angaben  und  Anschauungen  wesentlich  abzugehen. 

Zunächst  muss  ich  Alles  Das,  was  Reichert  von  der  Entwicklung 
einer  Abschnürung  der  Spitze  des  Eicylinders,  seiner  Zona  des  Frucht- 
hofes,  und  von  der  Ausbildung  eines  wenn  auch  nur  unvollkommenen 
Septum  transversum  sagt,  für  irrige  Auslegung  einiger  allerdings  an 
dem  Eicylinder  wahrzunehmenden  Verhältnisse  erklären. 

Dass  sich  an  dein  Eicylinder  zwischen  Erucht-  und  Gefässhof  sehr 
leicht  eine  Einschnürung  ausbildet  und  bemerklich  macht,  geht  auch 
aus  meinen  früheren  Abbildungen,  z.  B.  Fig.  25  u.  28  hervor  und 
habe  ich  dieses  auch  bei  meinen  wiederholten  Beobachtungen  sehr  oft 
beobachtet.  Allein  ich  überzeugte  mich  dabei,  dass  diese  Abschnürung 
nur  eine  Folge  der  durch  die  Berührung  mit  der  Luft  und  zugesetzten 


152 

Flüssigkeit  hervorgerufene  Contraction  der  Protoplasten  des  ganzen  Ei- 
Cylinders  ist.  Dass  diese  Protoplasten,  sowie  alle  noch  lebendigen  Pro- 
toplasten contractu  sind,  d.  h.  dass  sie  sich  bei  ihrem  Absterben  und 
bei  Beinahrung  mit  heterogenen  Medien  zusammenziehen  und  das  Ge- 
bilde, welches  sie  zusammensetzen,  verdichten,  wird  nun  wohl  jetzt,  wo 
man  dieser  Contractilität  den  weitesten  Spielraum  überwiesen  hat,  von 
Niemandem  bezweifelt  werden.  Wer  sich  mit  embryonalen  Beobachtun- 
gen beschäftigt,  hat  unzähligemale  zu  seinem  Schaden  Gelegenheit,  diese 
Eigenschaft  zu  beobachten,  da  sie  die  Ursache  ist,  dass  viele  dieser 
zarten,  nur  aus  Protoplasten  zusammengesetzten  Gebilde  sich  zusammen- 
ziehen, verkleinern,  undurchsichtiger  werden ,  Falten  bilden  etc.  und 
dadurch  die  sichere  und  deutliche  Beobachtung  sehr  erschweren.  Sind 
die  Theile  von  verschiedener  Dichtigkeit ,  so  ziehen  sie  sich  auch  in 
verschiedenem  Grade  zusammen.  Dieses  ist  aber  gerade  an  der  Spitze 
unseres  Eicylinders  der  Fall,  in  welchem  das  übrige  dichtere  Dotter- 
material  liegt.  Daher  entwickelt  sich  hier  an  seiner  Gränze  eine  Ein- 
und  Abschnürung  von  dem  zarten  und  feinhäutigen  Cy linder.  Ich  habe 
mich  hievon  häufig  überzeugt,  wenn  ich  bei  ganz  frischen  Präparaten 
unter  einer  Stativloupe  unter  Flüssigkeit  (Wasser,  Eiweis  und  Salz)  die 
Decidua-Kapsel  öffnete  und  dem  Eicylinder  bioslegte.  Dann  war  im 
Anfang  jene  Einschnürung  nicht  vorhanden,  aber  sie  bildete  sich  unter 
meinen  Augen  immer  mehr  und  mehr  aus  und  war  mir  sehr  oft  hinder- 
lich bei  der  Zeichnung  des  Präparates  mit  dem  Prisma,  weil  sich  die 
Grössenverhältnisse  fortwährend  änderten.  Es  ist  begreiflich  ,  dass  am 
Weingeistpräparate,  an  welchem  Reichert  seine  Beobachtungen  vorzüg- 
lich machte,  solche  Ein-  und  Abschnürungen  sich  noch  stärker  heraus- 
gebildet haben  mussten.  Allein  ganz  frisch  finden  sie  sich  nicht;  der 
Dotter  liegt  in  der  Spitze  des  Cylinders,  dicht  vereinigt  mit  der  Zellen- 
oder Protoplasten- Schichte  des  Cylinders,  von  der  er  sich  zwar  aller- 
dings zu  jeder  Zeit  unterscheiden  lässt,  von  welcher  ihn  aber  auch 
Reichert,  wie  er  selbst  zugiebt,  zu  dieser  Zeit  nicht  ohne  Verletzung 
trennen  konnte. 

Es  findet  sich  aber  auch  zu  keiner  Zeit  weder  ein  unvollkommenes 
noch  vollkommenes  Septum  in  der  Spitze  des  Eicylinders,  welches  die 
Zona  des  Fruchthofes    von    der    des    Gefässhofes    abtrennte.     Ich  habe 


153 

diese  Frage  so  oft  und  so  genau  an  frischen  und  an  in  Weingeist  er- 
härteten Präparaten,  an  mit  feinen  Nadeln  behandelten  und  an  Durch- 
schnitten geprüft,  dass  ich  nicht  anstehen  kann,  die  gegentheilige  Aus- 
sage Reicherts  für  einen  entschiedenen  Irrthum  zu  erklären. 

Der  in  der  Spitze  des  Eicylinders  liegende  auf  den  ersten  Stadien 
noch  solide  Dotterrest  bildet  eine  kugelige  Masse  und  ragt  daher  mit 
seiner  einen  convexen  Hälfte  in  das  Innere  ^des  hohlen,  mit  einer 
Flüssigkeit  erfüllten  Cylinders  hinein.  Man  sieht  natürlich  die  Contour 
seiner  Gränze,  kann  diese  aber  nicht  für  eine  membranöse  Scheide- 
wand halten,  da  man  sie  mit  der  übrigen  Contour  der  Dotterkugel, 
welche  von  der  Spitze  des  Eicylinders  umfasst  wird,  in  ununterbrochener 
Contiunität,  deutlich  von  der  Membran  dieser  letzteren  verschieden, 
wenngleich  innigst  mit  ihr  vereinigt,  sieht,  wie  ich  dieses  schon  früher 
in  meinen  Fig.  25  u.  28  deutlich  dargestellt  habe.  Da  wo  die  Mem- 
bran des  Cylinders  die  Dotterkugel  zuerst  berührt ,  bildet  sich  die 
schon  vorher  erwähnte  Einschnürung  aus,  und  auf  dem  Durchschnitt 
betrachtet,  sieht  das  einigermassen  wie  ein  Vorsprung  nach  innen  aus, 
welches  Ansehen  noch  dadurch  vermehrt  wird,  dass  hier,  wo  die  Pro- 
toplasten des  Cylinders  die  Dotterkugel  berühren,  sie  in  der  That  etwas 
reichlicher  entwickelt  sind.  Allein  ein  selbstständiger  Vorsprung,  der 
als  ein   Septuni   bezeichnet  werden  könnte,  findet  sich  nicht. 

In  dem  darauf  folgenden  Stadium  verwandelt  sich  allerdings,  wie 
wir  gleich  weiter  sehen  werden,  der  Dotterrest  in  der  Spitze  des  Ei- 
Cylinders  in  ein  Bläschen,  und  der  sogenannte  Dotterhof  ist  dann  durch 
eine  zarte  Membran  ,  der  inneren  Hälfte  dieses  Bläschens,  gegen  die 
Höhle  des  Eicylinders  äbgegränzt.  Aber  diese  zarte  Membran  gehört 
dem  Bläschen  selbst  an,  und  wird  nicht  von  einer  zweiten,  ausser  ihr 
vorhandenen,  einem  Septum  im  Sinne  Reicherts  getragen,  wie  ich  mich 
auf  das  zuverlässigste  überzeugte ,  wenn  ich  Eier  dieses  Stadiums  mit 
zwei  feinen  Nadeln  unter  der  Loupe  zerlegte,  und  dabei  das  Verhalten 
jenes  Bläschens  in  der  Spitze   des  Eicylinders  genau  beachtete. 

Vom  12.  Tage  an  lässt  sich  dieses  Bläschen  aus  der  Spitze  des 
Eicylinders  auslösen  und  am  13.  Tage  tritt  durch  das  Auftreten  einer 
das  Gefässblatt  des  Eies  bildenden  Zellenschichte,  welche  ich  sogleich 
weiter  beschreiben  werde,  wieder  ein  Schein  und  eine  Möglichkeit  einer 

Abh.  d.  II  Cl.  d.  k  Ak.  d.  Wiss.  X.  Bd.  I.  Abth.         -  20 


154 

Annahme  einer  sich  ausbildenden  oder  vorhandenen  Scheidewand  auf. 
Allein  auch  hier  belehrt  die  genauere  Untersuchung,  dass  eine  solche 
nicht  vorhanden  ist.  Reichert  brauchte  aber  als  Träger  für  seine  so- 
genannte Umhüllungshaut,  welche  sonst  auf  eine  unbegreifliche  Weise 
quer  durch  den  Eicylinder  hätte  hindurchwachsen  müssen,  ein  solches 
Septum,  und  so  hat  er  Verhältnisse,  die  einen  Schein  eines  solchen 
darbieten,  zu  Gunsten  desselben  gedeutet,  während  es  sich  in  Wirklich- 
keit nicht  findet. 

Allein  auch  die  Veränderungen,  welche  sich  vom  12.  Tage  an  an 
dem  Dotterrest  selbst  ausbilden,  und  welche  Reichert  als  eine  membran- 
artige Ausbreitung  der  Dotterzellen  an  der  Innenfläche  der  Spitze 
seines  epithelialen  Fortsatzes  der  Decidua,  und  als  histologische  Son- 
derung eines  Theiles  derselben  an  der  Innenfläche  dieser  Schichte  als 
Umhüllungshaut  beschreibt,  sehe  ich  mich  auf  Grund  meiner  jetzt 
wiederholten  sehr  sorgfältigen  Beobachtungen  genöthigt ,  ganz  anders 
darzustellen  als  Er. 

Der  Dotterrest  bildet  vom  7.  bis  10.  Tage  in  der  Spitze  des  Ei- 
Cylinders  eine  etwas  dunklere  solide  Masse,  deren  histologische  Be- 
schaffenheit sich  schwierig  festsetzen  lässt,  weil  sie  von  der  Membran 
des  Eicylinders  umgeben  ist.  Im  Anfange  schien  sie  mir  eine  homo- 
gene Körnermasse  zu  sein;  später  aber  besteht  sie  aus  Protoplasten, 
d.  h.  aus  Kernen,  welche  von  einer  körnigen  Plasmaschichte  umgeben 
sind,  aber  ohne  trennende  Membranen.  Der  Unterschied  in  der  Dichtig- 
keit dieser  Dottermasse  von  dem  übrigen  Eicylinder  ist  nicht  so  gross 
wie  er  nach  Reicherts  und  auch  nach  meinen  Zeichnungen  erscheint. 
Reichert  hat  die  seinigen,  wie  es  scheint,  nach  Weingeist-Präparaten 
anfertigen  lassen,  wovon  die  Masse  geronnen  und  dichter  ist;  bei  den 
meinigen  ist  es  Fehler  der  Darstellung,  welche  aus  dem  Bestreben  nach 
Deutlichkeit  hervorgegangen.  Aber  gewiss  ist  diese  Masse  bis  zum 
10.  Tage  nicht  hohl. 

Am  10.  Tage  aber  fängt  diese  Dottermasse  an,  sich  in  ihrem 
Innern  aufzuhellen,  offenbar  durch  eine  mit  gleichzeitiger  Zunahme 
ihres  Durchmessers  begleiteten  Verflüssigung  in  ihrem  Innern,  während 
ihre  Peripherie  sich  mehr  consolidirt.  Diese  Verflüssigung  im  Innern 
erfolgt  aber  nicht  im  Centrum ,  sondern  mehr  in  und  an  der  gegen  das 


155 

Innere  des  Cylinders  gelegenen  Hälfte  der  Dotterinasse ,  so  dass  deren 
Resultat  genau  dasselbe  Ansehen  und  dasselbe  Product  liefert,  welches 
Reichert  in  seiner  Fig.  34,  auch  35  und  36,  aber  in  letzteren  wieder 
viel  zu  scharf  schematisirt  dargestellt  hat.  Der  grösste  Theil  der 
Dottermasse  ist  an  der  Oberfläche  der  Spitze  des  Cylinders  zu  einer 
Schichte  ausgebreitet,  während  der  gegen  die  Höhle  des  Cylinders  hin- 
gewendete sich  in  eine  feine,  jetzt  aus  wirklichen  kernhaltigen  Zellen 
bestehende  Membran  umgewandelt  hat.  Dieses  lässt  sich  auch  so  aus- 
drücken: der  Dotterrest  hat  sich  in  ein  Bläschen  umgewandelt,  dessen 
eine  dickere  Hälfte  nach  aussen  gerichtet  an  der  Innenfläche  der  Spitze 
des  Eicylinders  anliegt,  die  andere,  sehr  feine,  gegen  das  Innere  des 
Cylinders  hinsieht,  und  sich  quer  durch  denselben  hindurchzieht. 

Am  11.,  12.  und  13.  Tage  wächst  mit  dem  ganzen  Cylinder  auch 
das  in  seiner  Spitze  gelegene  Bläschen  ansehnlich ,  und  es  gelang  mir 
in  dieser  Zeit  jetzt  mehrmals,  dasselbe  von  dem  Cylinder  abzulösen, 
indem  ich  letzteren  mit  feinen  Nadeln  spaltete ,  sein  Inneres  darlegte, 
und  nun  das  Bläschen  von  innen  abtrennte.  Dieses  konnte  indessen, 
wie  ich  vom  12.  Tage  ab  bestimmter  erkannte,  nicht  anders  geschehen, 
als  indem  ich  eine  feine  Membran  zerriss,  welche  das  Bläschen  an  der 
innern  Oberfläche  des  Cylinders  festhielt. 

Als  ich  diese  Beobachtung  zuerst  machte,  glaubte  ich  es  mit  dem 

Septum  von  Reichert  zu  thun  zu  haben.     Allein    ich    überzeugte    mich 

bald,  dass  die  nach  Innen  gerichtete  Lamelle  des  Bläschens  ganz  einfach 

war  und  aus  einer  einfachen   Schichte  von  Zellen  bestand,  während  die 

das    Bläschen    festhaltende  Membran    von    dessen    Rändern    sich    längs 

der  Innenfläche    des    Cylinders     in    den    sogenannten    Gefässhof    weiter 

hinabzog.      Endlich  bewirkte  der  Zufall ,    dass    ich  ein  solches  Ei  einst 

erst   18   Stunden  nach  der  Tödtung  des  Mutterthieres  untersuchte.      Bei 

diesem  hatte  sich  nun  von  den  Rändern  des  in  der  Spitze  des  Eicylin- 

ders  liegenden  Bläschen  an,    von    der    Innenfläche    des    Cylinders    eine 

Strecke    weit    eine  zarte  Membran  ganz   abgelöst,    und  hieng  gewisser- 

massen  von  den  Rändern  des  Bläschens    frei    in    den    Cylinder    herein. 

Bei  Ablösen  des  Bläschens  aus  der  Spitze  des   Cylinders    sah    ich  jetzt, 

dass  diese  zarte  Membran  an  dem  Bläschen  sitzen   blieb,    und    in  seine 

obere  dickere  Lamelle  überging. 

20* 


Ich  beobachtete  dann  jetzt  auf's  Neue  wie  früher,  dass  vom  Ende 
des  13.  Tages  an  in  der  oberen  Schichte  des  Bläschens  sich  die  Em- 
bryonal-Anlage, anfangs  fast  rund ,  dann  mehr  birnförmig  bemerklich 
macht.  In  ihrer  Längenaxe  tritt  die  Primitivrinne  auf  und  mit  ihr  zu- 
gleich wuchert  das  untere  Ende  der  Embryonal-Anlage  über  die  Grän- 
zen  des  Bläschens  in  einem  Fortsatze  hervor,  der  sich  in  Zukunft  als 
die  Allantois  kund  giebt. 

Die  Embryonal-Anlage  selbst  begränzt  und  gestaltet  sich  rasch 
schärfer  zu  dem  Körper  des  Embryo,  in  welchem  man  Kopf  und 
Schwänzende,  Rücken-  und  Bauchfläche,  und  das  sich  entwickelnde  Me- 
dullarohr  mit  den  primitiven  Hirnblasen  und  die  Wirbelanlagen  unter- 
scheiden kann. 

Da  die  erste  Spur  der  bestimmter  als  solche  erkennbaren  Em- 
bryonalanlage, in  der  nach  Aussen  gerichteten  Hälfte  des  oft  genannten 
Bläschens  in  der  Spitze  des  Eicylinders  auftritt;  da  ferner  die  innere 
Hälfte  dieses  Bläschens  im  weiteren  continuirlichen  Fortgange  entschie- 
den das  Amnion  ist,  so  habe  ich  mich  früher  so  ausgedrückt,  dass  ich 
das  Bläschen  in  der  Spitze  des  Eicylinders  nach  der  v.  Baer' sehen 
Lehre  als  das  animale  Blatt  der  Keimanlage  bezeichnete,  welches  sich 
hier  bei  dem  Meerschweinchen  in  der  Form  eines  Bläschens  direct  aus 
dem  Dottermaterial   bildet.    . 

Ich  muss  an  der  Hand  der  Thatsachen,  soweit  sie  mir  zu  erkennen 
möglich  war,   bei  dieser  Anschauung  bleiben. 

Da  ferner  der  Embryo,  so  wie  er  etwas  schärfer  ausgebildet  ist, 
so  liegt ,  dass  er  seine  Rückenfläche ,  welche  seitlich  in  das  Amnion 
übergeht,  gegen  die  Höhle  dieses  Amnion  und  die  des  Eicylinders 
überhaupt  hingewendet  hat,  seine  Bauchfläche  aber  nach  Aussen,  wo 
die  äussere  Membran  des  Eicylinders  in  die  sich  entwickelnde  Visceral- 
höhle  des  Embryo  sich  fortsetzt,  so  sagte  ich,  dass  bei  dem  Meer- 
schweinchen die  Schichten  der  Keimanlage  in  Beziehung  zu  der  von 
ihnen  umschlossenen  Höhle  umgekehrt  liegen,  wie  bei  den  übrigen  bis 
jetzt  näher  bekannten  Säuge-  und  Wirbelthieren :  die  vegetative  Lage 
nämlich  nach  Aussen,  die  animale  nach  Innen.  Die  vegetative  bildet 
den  vom  7.  bis  zum  13.  Tage  das  Ei  allein  darstellenden  Cy linder. 
Die    animale    erscheint    während    dieser    Zeit    als    noch    unentwickelte 


157 

Dottermasse  in  der  Spitze  des  Cylinders  und  gestaltet  sich  sodann  so- 
gleich zu  einem  Bläschen,  dessen  eine  Hälfte  sich  zum  Körper  des 
Embryo,  die  andere  zum  Amnion  entwickelt.  Jetzt  habe  ich  mich  nun 
auch  noch  überzeugt,  dass  auch  die  dritte  Keimschichte,  das  sogenannte 
Gefässblatt,  sich  alsbald  mit  dem  Auftreten  der  Embryonalanlage  in 
dem  animalen  Blatte  ausbildet,  und  zwar  an  der  richtigen  Stelle ,  zwi- 
schen vegetativem  und  animalem  Blatte,  indem  es  von  den  Rändern  des 
animalen  Bläschens  aus  an  der  Innenfläche  des  vegetativen  Blattes 
immer  weiter  herabwächst ,  bis  zu  dessen  Anwachsungsstelle  an  der 
Decidua.  In  ihm  entwickelt  sich  denn  auch  sogleich  am  15.  Tage  die 
Area  vasculosa  mit  der  Vena  terminalis,  daher  ich  es  schon  oben  als 
ganz  begründet  erklärte,  wenn  Reichert  diesen  Abschnitt  des  Eicylinders 
als  Gefässhof  bezeichnete. 

Ich  deute  hienach,  wie  man  sieht,  die  an  dem  Meerschweinchen- 
Ei  thatsächlich  zu  beobachtenden  Verhältnisse  nach  wie  vor  im  Sinne 
der  v.  Baer'schen  Blättertheorie  des  Keimes. 

Kehren  wir  nun  zu  C.  B.  Reichert  zurück,  so  ist  zuerst  zu  bemer- 
ken, dass  sich  über  alle  zuletzt  erwähnten  Vorgänge  in  seiner  Schrift  bis 
jetzt  Nichts  findet.  Er  verfolgt  die  Entwicklung  des  Eies  nur  bis  zur 
Entwicklung  jenes  Bläschens  in  der  Spitze  des  Eicylinders.  Von  dem 
Auftreten  des  Embryo,  von  der  Entstehung  und  Bildung  des  Allantois 
und  des  Amnion  ist  nirgends  die  Rede.  Aber  er  anticipirt  doch  zur 
Deutung  der  Theile  und  der  Bestimmung  jenes  Bläschens  die  Verhält- 
nisse so  weit,  dass  er  die  umgekehrte  Lage  des  Embryo  zu  den  Ei- 
theilen  im  Vergleich  mit  anderen  Säugethieren  zugiebt.  Pag.  195  sagt 
er:  „Der  Rest  des  Bildungsdotters  liegt  beim  Hunde  und  Kaninchen  wie 
bei  allen  bisher  beobachteten  Wirbelthieren  an  der  Innenfläche ,  beim 
Meerschweinchen  dagegen,  wie  es  scheint,  an  der  Aussenfläche  der  Um- 
hülluugshaut."  Und  Pag.  197  wiederholt  er:  „Die  Hohlräume  des 
bläschenförmigen  Embryo  der  Meerschweinchen  und  der  übrigen  Säuge- 
thiere  haben  also  nicht  die  gleiche  Lage",  und  so  noch  an  mehreren 
anderen  Stellen.  Allein  indem  er  an  der  nach  Innen  gewendeten  Eläche 
meiner  Embryonal-Anlage  eine  epitheliale  Lage,  seine  Umhüllungshaut, 
sich  hat  ausscheiden  und  bilden  lassen,  die  auch  jetzt  wieder  die  Stütze 
und  der  Träger  für    den  sich   bildenden  Körper    und    Rücken    des    Em- 


158 

bryo  sein  würde,  so  glaubt  er,  dass  alle  diese  Verschiedenheiten  nicht 
viel  auf  sich  hätten,  sondern  der  Entwicklungstypus  auch  bei  dem  Meer- 
schweinchen gewahrt  und  bestätigt  sei. 

Ich  bin  nun  zwar  keineswegs  dieser  Ansicht.  Wäre  aber  die  Um- 
hüllungshaut, wie  Reichert  behauptet,  ein  Gegenstand  der  Beobachtung, 
so  könnte  man  sich  vielleicht  mit  ihm  vereinigen ,  denn  seine  Theorie 
ist  im  Ganzen  gar  nicht  so  verschieden  von  der  v.  Baer'  sehen,  und  ge- 
fällt sich  nur  in  anderen  und  nicht  sehr  deutlichen  und  verständlichen 
Redewendungen.  Allein  so  wie  früher  oft  schon  bei  Vögel-  und  Säuge- 
thier-Eiern,  so  habe  ich  mich  auch  jetzt  wieder  bei  diesen  Meer- 
schweinchen vergebens  bemüht,  die  Zellenschichte,  welche  den  peri- 
pherischen Theil  des  animalen  Blattes,  später  das  Amnion,  darstellt,  als 
ein  selbstständiges,  histologisch  gesondertes  Gebilde,  über  die  übrige 
Keimanlage  hinweg  zu  verfolgen.  Es  ist  mir  dieses  weder  mechanisch 
noch  optisch  gelungen.  Sowohl  an  frischen  Präparaten,  und  zwar  an 
diesen  ganz  vorzüglich,  als  auch  an  erhärteten  und  an  feinen  Durch- 
schnitten derselben,  ist  es  mir  nie  geglückt,  die  Zellenschichte  des  ani- 
malen Blattes  weiter,  wie  bis  an  den  Rand  der  Embryonal-Anlage  als 
solche  zu  verfolgen.  Hier  geht  sie  unmittelbar  in  das  Material  dieser 
Embryonal-Anlage,  welches  noch  nicht  aus  Zellen,  sondern  nur  aus 
Protoplasten  besteht,  über  und  ich  läugne  es  durchaus ,  dass  sich  über 
dieselbe  eine  noch  so  zarte  selbstständige  Zellenschichte  hinüberzieht. 

Man  kann  zwar  an  der  Embryonal-Anlage  und  vorzüglich  an  ihren 
parietalen  Rändern  eine  sie  nach  aussen  begränzende  und  in  die  peri- 
pherische Ausbreitung  des  animalen  Blattes  übergehende  Schichte,  von 
dem  ihr  zunächst  anliegenden  Material  der  Embryonal-Anlage  unter- 
scheiden; allein  diese  äussere  Schichte  ist  doch  untrennbar  mit  der 
Embryonal-Anlage  vereinigt,  und  gehört  zu  ihr  zum  Mindesten  ebenso, 
wie  die  Haut  zum  fertig  gebildeten  Körper  gehört.  Will  man  sie  ab- 
lösen, so  gelingt  dieses  nur  durch  Zusammenhangstrennung,  und  gegen 
die  Axe  des  Embryonalkörpers  zu  gar  nicht,  sondern  hier  reisst  das 
etwa  getrennte  Häutchen  unvermeidlich  ab. 

Man  muss  daher  glauben,  dass  allerlei  Täuschungen  an  gehärteten 
Präparaten  C.  B.  Reichert  zu  dieser  Annahme  einer  Umhüllungshaut 
Veranlassung  gegeben  haben,  z.   B.  Verwechselung  mit  dem  schon  sehr 


159 

früh  sich  entwickelnden  und  der  Embryonal-Anlage  anfangs  sehr  dicht 
anliegenden  Amnion.  Namentlich  hier  bei  den  Meerschweinchen  kann 
ich  mich  nicht  enthalten,  die  Vermuthung  auszusprechen,  dass  Reichert 
einen  solchen,  und  wie  ich  glaube ,  wirklich  sehr  verzeihlichen  Irrthum 
begangen.  Wenn  nämlich  die  Präparate  im  Weingeist  gehärtet  sind ,  so 
verschwindet  leicht  erklärlich  der  bläschenförmige  Zustand  des  animalen 
Blattes.  Die  geringe  Menge  Flüssigkeit  zwischen  der  Embryonalanlage 
und  dem  nach  Innen  gegen  die  Höhle  des  Eicylinders  gerichteten  zar- 
ten zelligen  Theile  oder  dem  Amnion  geht  verloren,  und  letzteres  legt 
sich  so  dicht  auf  die  Embryonal-Anlage,  selbst  wenn  diese  schon  ihre 
Rücken-Wülste  und  in  ihr  die  Wirbelanlagen  entwickelt  hat,  ja  es  zieht 
sich  dasselbe  mit  einer  feinen  Falte  in  die  noch  offene  Primitivrinne 
und  den  noch  nicht  geschlossenen  Medullar-Kanal  hinein,  dass,  wenn 
es  nun  durch  sehr  feine  und  vorsichtige  Manipulationen  gelingt,  dieses 
zarte  Blättchen  abzuheben,  oder  man  es  bei  Durchschnitten  über  die 
Embryonal-Anlage  sich  wegziehen  sieht,  man  vor  Täuschungen  nur  dann 
gesichert  ist ,  wenn  man  eben  die  ganze  Geschichte  gewissermassen  des 
Präparates  kennt,   und  es  unter  seinen   Händen  entstehen  lassen  hat. 

Ich  läugne  also  hier  wie  anderwärts  die  Existenz  von  Reicherts 
Umhüllungshaut,  und  glaube,  dass  ihre  Annahme  auf  einer  Täuschung 
beruht.     Und  hierin  stehe  ich  nicht  allein. 

Der  Berichterstatter  der  K.  Preuss.  Akademie  der  Wissenschaften 
über  die  im  Jahre  1842  eingelaufenen  Beantwortungen  der  von  der 
Akademie  gestellten  Preisfrage,  über  die  Entwicklungsgeschichte  des 
Embryo  der  Säugethiere  (wahrscheinlich  Joh.  Müller)  äusserte  in  seinem 
Referate  (Sitzungsberichte  im  Monat  Juli  1842  p.  218)  über  meine  ein- 
gesendete Arbeit:  es  scheine  noch  an  einem  hinreichenden  Beweise  zu 
fehlen ,  dass  sich  das  Centralnerven-System  als  eine  Ablagerung  im 
Innern  der  von  dem  Körper  des  Embryo  gebildeten  Primitivrinne  bilde. 
Hiezu  sei  eine  Revision  der  Beobachtungen  am  Frosche  nothwendig,  wo 
sich  wegen  der  schwarzen  Farbe  der  äussersten  Dotterschichte  allein 
das  Verhältniss  dieser  Schichte  mit  einiger  Sicherheit  zu  den  darunter 
liegenden  Gebilden  aufklären  lasse.  Wenn  diese  schwarze  Membran  über 
die  Leisten  weggehe,  welche  die  Kämme  begränzen,  wenn  es  richtig  sei, 
dass  der  die  Rinne  bedeckende  Theil  der  schwarzen  Haut  beim  Schliessen 


160 

zum  Kanal  mit  abgeschnürt  werde,  und  wenn  dieser  Rest  hernach  im 
Innern  des  hohlen  Rückenmarkes  gefunden  werde,  so  sei  damit  die  An- 
sicht der  Ablagerung  nicht  wohl  zu  vereinigen.  Unzweifelhaft  hatte  der 
Berichterstatter  dabei  zugleich  im  Sinne,  dass  eine  derartige  Beobach- 
tung auch  über  die  Existenz  der  von  dem  zweiten  Bearbeiter  der  Preis- 
frage, Reichert,  aufgestellten  Lehre  einer  Umhüllungshaut  entscheiden 
werde,  obgleich  er  dieses  nicht  ausdrücklich  angiebt. 

Diese  Entscheidung  ist  nun  aber  durch  alle  Angaben  späterer 
Beobachter  ,  mit  denen  ich  vollkommen  übereinstimme  ,  gegeben. 
Einer  der  unparteiischsten  Forscher,  Professor  Ecker,  sagt  in  der  Be- 
schreibung der  23.  Figur  der  23.  Tafel  seiner  Erläuterungstafeln  zur 
Physiologie,  welche  einen  Froschembryo  vom  13.  Tage  darstellt;  „Die 
Primitivrinne  ist  vollständig  geschlossen  und  zu  einem  Kanal ,  dem 
Wirbelrohr,  umgewandelt,  dessen  innerste  Lage,  das  Medullarrohr, 
sich  zum  Gehirn  und  Rückenmark  umwandelt."  Auch  Remak  (Entw. 
der  Wirbelthiere  p.  149)  und  Kölliker  (Entwicklungsgeschichte  p.  72), 
obgleich  sie  in  der  Statuirung  eines  sogenannten  Hornblattes  als  oberster 
Keimschichte  alle  Veranlassung  hatten,  den  Reichert'schen  Ansichten 
beizutreten ,  läugnen  sowohl  für  den  Frosch  -  als  auch  für  den  Hühnei'- 
Embryo  ganz  bestimmt  das  Eingeschlossenwerden  einer  epithelartigen 
Lage  in  die  Primitivrinne  und  das  Medullarrohr.  Am  allerbestimmtesten 
hat  aber  neuerdings  v.  Baer  (Selbstbiographie  p.  411)  gerade  beim 
Frosch  jenes  von  J.  Müller  aufgestellte  Kriterium  für  die  Reichert' sehe 
Umhüllungshaut  zurückgewiesen,  v.  Baer  bestreitet  die  frühere  Vor- 
stellung, als  bilde  sich  das  Rückenmark  durch  eine  Art  Gerinnung  in 
dem  Kanäle  der  Rückenplatten,  und  will  diese  Bildung  als  eine  Ab- 
lösung, gleichsam  eine  Abblätterung  von  der  inneren  Fläche  der  Rücken- 
platten beider  Seiten  aufgefasst  sehen.  Er  sagt:  ,,der  Beweis  dieser 
Entstehungs weise  lässt  sich  am  Embryo  des  Frosches  mit  Evidenz  zei- 
gen. Hier  ist  nämlich  die  ganze  Oberfläche  des  werdenden  Embryo 
schwarz  gefärbt.  So  sind  denn  auch  die  Rückenplatten,  die  im  Frosche 
wie  gerundete,  Anfangs  weit  von  einander  abstehende  Wülste  entstehen, 
von  beiden  Seiten  schwarz.  Sie  rücken  bald  näher  aneinander  und  ver- 
wachsen am  oberen  Rande.  Der  Kanal,  der  dadurch  gebildet  wird,  ist 
zuvörderst    ganz     schwarz    ausgekleidet.     Sehr    bald    aber    nimmt     die 


161 

Schwärze  ab,  und  durch  fortgehende  Umbildung  der  Kügelchen,  aus 
denen  die  ganzen  Seiteuplatten  bestehen,  wird  der  Farbestoff  mehr  ver- 
theilt.  Man  kann  nämlich  hier  bald  eine  innere  Schichte,  welche  auf- 
fallend grau  ist,  von  der  äusseren  Schichte  ablösen,  diese  innere  Schichte 
ist  nichts  Anderes  als  das  Rückenmark ,  das  erst  allmälig  durch  vor- 
gehende innere  Umwandlung   weiss  wird." 

Ich  würde  diesen  ganzen  Vorgang  der  Bildung  des  Medullarrohres 
in  der  Rinne  und  dem  Kanäle  der  Rückenplatten  als  einen  Process  histo- 
logischer Sonderung  und  Entwicklung  bezeichnen  ;  jedenfalls  aber  geht 
aus  diesen  übereinstimmenden  Angaben  hervor,  dass  Reicherts  Umhüllungs- 
haut als  eine  die  Rückeniiäche  der  Embryonal-Anlage  überziehende  epi- 
theliale Zelienschichte  nicht  existirt. 

Damit  fällt  denn  aber  auch  das  ganze  Räsonnement,  durch  welches 
Reichert  die  Verschiedenheit  und  Eigenthümlichkeit  in  dem  Entwicklungs- 
Gange  des  Merrschweinchen-Eies  und  Embryo  in  seinen  ersten  Stadien 
wegzudemonstriren  versucht  hat.  Wäre  aber  auch  seine  Umhüllungshaut 
und  die  Bestimmung,  welche  er  ihr  gegeben,  eine  Thatsache  der  Beob- 
achtung, so  werden  sich  die  Eigentümlichkeiten  des  Entwicklungs- 
Ganges  des  Meerschweinchen-Eies  nur  einfach  auf  diese  Umhüllungshaut 
übertragen,  sonst  aber  ganz  dieselben  bleiben.  Dem  ist  auch  gar  nicht 
dadurch  abgeholfen  ,  dass  die  Umhüllungshaut  gar  nicht  bei  dem 
Aufbaue  des  Embryo  benutzt  wird.  Der  Embryo  oder  auch  schon  der 
Keim  (die  Keimhaut,  Bildungsdotter,  nach  Reichert)  behält  dieselbe  ab- 
weichende Lage  zu  dem  Eie  wie  nach  meiner  Darstellung,  die  Rücken- 
seite ist  nach  Innen  ,  die  Bauchseite  nach  Aussen  gewendet.  Nur  die 
relativen  Verhältnisse  der  immaginären  Umhüllungshaut  sind  gerettet;  der 
Rücken  bleibt  ihr  zugewendet,  der  Bauch  von  ihr  abgewendet.  Darauf 
kam  es  Reichert  bei  seiner  Deutung  der  Verhältnisse  an.  Die  Um- 
hüllungshaut musste  gerettet  werden,  für  welche  freilich  nach  meiner 
Darstellung  gar  keine  Möglichkeit  mehr  übrig  war. 

Aus  allem  Gesagten  geht  also  hervor ,  dass  wenn  auch  Reichert 
einzelne  Vorgänge  in  der  Entwicklung  des  Meerschweinchen-Eies  etwas 
genauer  verfolgt  hat ,  er  doch  nichts  wesentlich  Anderes  und  Neues 
beobachtet  hat,  als  ich.  Allein  er  hat  das  Beobachtete  anders,  und 
natürlich  im  Sinne  seiner  früheren  Ansichten,  gedeutet.  Diese 
Abh.  d.  IL  Cl.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  X.  Bd.  I.  Abth.  2  1 


162 

Deutungen  aber  halte  ich  einestheils  für  willkührlich ,  anderen- 
teils für  geradezu  falsch.  Die  Reichert'sche  Schrift  leistet  daher 
nicht ,  was  sie  in  ihrem  Eingang  so  emphatisch  und  mit  so  vie- 
lem Vorwurf  für  meinen  Unverstand  verspricht.  Der  Unterschied 
in  der  typischen  primitiven  Anlage,  wie  Reichert  sich  ausdrückt ,  zwi- 
schen dem  Meerschweinchen  und  anderen  Säugethieren  bleibt  vorläufig 
noch  bestehen,  bis  etwa  ein  Anderer  glücklicher  nicht  nur  als  ich,  son- 
dern auch  als  Reichert,  ihn  durch  neue  Thatsachen  wegräumt ,  welche 
Reichert  nicht  geliefert  hat. 

Doch  kann  ich  nicht  umhin  ,  zum  Schlüsse  hier  einige  Sätze  der 
letzten  von  unserem  grossen  Embryologen  K.  E.  v.  Baer  erschienenen 
Abhandlung  über  Paedogenesis  zu  citiren,  welche  derselbe  in  Beziehung 
auf  „die  verschiedenen  und  oft  sehr  von  einander  abweichenden  Zeugungs- 
formen ausspricht.  Derselbe  sagt  p.  295:  „Wir  präsumiren,  dass  ver- 
wandte Thiere  auch  einen  sehr  ähnlichen  Entwicklungsgang  durch- 
machen müssen.  Haben  wir  mit  dieser  Annahme  Recht  oder  Unrecht? 
Mir  scheint,  wir  haben  mit  der  Annahme  selbst  Recht,  in  der  Anwen- 
dung aber  kommen  wir  in  Gefahr,  Unrecht  zu  haben.  Wir  haben  doch 
schon  eine  Menge  Abweichungen  von  dem   Verlaufe ,   der  Regel  zu  sein 

scheint,     kennen   gelernt Mir    scheint    daraus  hervorzugehen, 

dass  alle  diese  Verschiedenheiten  nicht  so  gross  sind,  als  sie  scheinen, 
und  dass  sie  nur  auf  die  Einleitung  der  organischen  Entwicklung  sich 
beziehen,  diese  aber  dann  nach  bestimmten  Typen  mit  geringen  Varia- 
tionen vor  sich  geht." 

Mir  scheint  es  sich  so  auch  mit  der  ersten  Entwicklung  des  Meer- 
schweinchen-Eies zu  verhalten.  Sie  ist  allerdings  merkwürdig  verschie- 
den von  der  anderer  Säugethiere  und  es  wäre  wohl  der  Mühe  werth 
zu  wissen,  welche  Gründe  dafür  vorhanden  sind.  Allein  diese  Verschie- 
denheiten betreffen  doch  vorzüglich  nur  die  Einleitung  zu  der  Entwick- 
lung, welche  sodann  in  so  vollständiger  Uebereinstimmung  mit  der  an- 
derer Säugethiere  fortschreitet,  dass  sehr  bald  selbst  das  ganze  Ei  fast 
gar  keine  Unterschiede  von  dem  anderer  verwandter  Thiere,  z.  B.  von 
dem  der  Kaninchen  darbietet. 


Beschreibung    der    Abbildungen. 

Tab.  VII— X. 


Ich  habe  die  nachfolgenden  Abbildungen,  sowohl  nach  der  Natur,  als  in  einer  schemati- 
schen Darstellung  gegeben ,  um  die  Umwandlung  des  Dotters  des  Meerschweinchen-Eies  in  seiner 
Verbindung  mit  der  Epithelröhre  des  Uterus  in  die  Keimblase,  so  wie  die  Entwicklung  des 
Dotterrestes  in  das  den  Fruchthof  und  das  Amnion  darstellende  Bläschen,  in  einer  noch  vollstän- 
digeren Uebersicht  zu  geben,  als  dieses  in  meiner  ersten  Schrift  geschehen  ist. 

Wer  die  Fig  I — VIII  A.  der  drei  ersten  Tafeln,  welche  ganz  naturgetreu  das  Object  in  zehn- 
maliger Vergrösserung  geben,  unmittelbar  nebeneinander  betrachtet,  für  den  kann  kein  Zweifel 
sein,  dass  das  ganze  Ei  Fig.  VIII  A.  aus  der  kleinen  runden  Hervorragung  an  dem  abgeschnürten 
Vorsprunge  der  Epithelröhre  in  Fig.  I  A.  hervorgegangen  ist.  Und  wer  ebenso  die  Figuren 
I — VIII  B.  u.  C.  und  IX  A.  und  B.  der  Reihe  nach  zusammenstellt,  der  wird  eine  Uebersicht  der 
Umwandlung  der  Dottermasse  von  Fig.  I  B.  in  das  die  Embryonal-Anlage,  den  Embryo  und  das 
Amnion  darstellende  animale  Bläschen  gewinnen  können ;  so  gut  wie  sich  diese  zarten  Entwick- 
lungsvorgänge bildlich  wiedergeben  lassen.  Die  Unbestimmtheit  und  der  dennoch  dabei  ganz  be- 
stimmte Charakter  der  Elementar -Zusammensetzung  dieser  zarten  Gebilde  bietet  zu  grosse 
Schwierigkeiten  für  die  künstlerische  und  technische  Darstellung,  als  dass  sie  sich  in  den  Abbil- 
dungen vollkommen  überwinden  liesen.  Diese  Darstellungen  sind  immer  plump,  rauh,  massiv 
und  steif  gegen  die  äusserste  Zartheit  des  natürlichen  Objectes.  Aber  ich  glaube,  dass  es 
dennoch  geglückt  ist,  zu  zeigen,  wie  der  Ei-Cylinder  und  die  Dottermasse  aus  Protoplasten  be- 
stehen ,  die  aus  einem  hellen  Kerne  und  ihn  umgebenden  körnigen  Plasmaschichte  ohne  umhül- 
lende Membranen  zusammengesetzt  sind.  Erst  in  Fig.  VII  B.  fängt  ein  Theil  dieser  Protoplasten 
an,  sich  mit  Membranen  zu  umgeben,  also  in  Zellen  überzugehen. 

Fig.  I  A.  stellt  ein  Stück  der  Epithelröhre  aus  dem  Uterus  eines  Meerschweinchen  vom 
siebenten  Tage  nach  der  Begattung  dar.  Durch  die  beginnende  Decidua- Anschwellung  der 
Uterinschleimhaut  ist  der  mittlere  Theil  dieses  Stückes  der  Epithelröhre  bereits  an  der  freien 
Seite  des  Uterus  zapfenartig  abgeschnürt  und  in  der  Spitze  des  Zapfens  sitzt  der  von  seiner 
Zona  schon  entblösste  Dotter. 

Fig.  I  B.  Ist  die  äusserste  Spitze  dieses  Zapfens  der  Epithelröhre  mit  dem  in  ihr  einge- 
schlossenen Dotter  400mal  vergrössert.  Der  Dotter  ist  umschlossen  von  den  hier  jetzt  stark 
wuchernden  Protoplasten  der  Epithelröhre  und  ist  mit  denselben  so  vereinigt,  dass  er  sich  nicht 
ohne  Zerstörung  der  Hülle  oder  des  Dotters  von  ihnen  trennen  lässt. 

21* 


164 

Fig.  IL  Zeigt  nur  das  gewöhnliche  Cylinder-Epithel.  aus  welchem  die  übrige  Epithelröhre 
des  Uterus  ausser  an  der  Stelle,  wo  der  Dotter  sich  festsetzt,  zusammengesetzt  ist,  woraus  schon 
ersichtlich  ist,  dass  die  Entwicklung  dieser  Stelle  zu  dem  nachherigen  Eicylinder  nicht  als  ein 
einfacher  Epithelfortsatz  betrachtet  werden  kann,  wie  Reichert  will. 

Fig.  III  A.  Stellt  diese  bereits  zu  einem  verhältnissmässig  langen  zarten  Cylinder  ent- 
wickelte Stelle  der  Epithelröhre  lOmal  vergrössert  vom  10.  Tage  dar.  Der  Cylinder  sitzt  noch 
auf  der  kegelförmig  durch  die  Wucherung  der  Decidua  abgeschnürten  Stelle  der  Epithelröhre 
des  Uterus.     Er  trägt  an  seiner  Spitze  den  Rest  der  Dotterkugel. 

Fio-.  III  B.  Zeigt  diese  Spitze  des  Eicylinders  mit  der  Dotterkugel  400mal  vergrössert. 
Die  Elemente  der  Dotterkugel,  kernhaltige  Protoplasten  mit  einer  körnigen  Plasmaschichte  ohne 
umhüllende  Membranen,  zeigen  noch  keine  besondere  Anordnung,  sondern  sie  sind  einfach  von  den 
den  Cylinder  selbst  zusammensetzenden  Protoplasten  umschlossen.  Der  Cylinder  ist  unterhalb 
der  Dotterkugel  etwas  eingeschnürt  in  Folge  der  Contraction  seiner  Elemente,  wodurch  hier 
allerdings  eine  Abtheilung,  die  man  als  den  Dotterhof  bezeichnen  kann,  hervorgebracht  wird. 
Allein    es  findet  sich  hier  durchaus  keine  Scheidewand,  kein  Septum,  wie  Reichert  angegeben. 

Fig.  IV  A.  ist  ein  Eicylinder  lOmal  vergrössert  vom  11.  Tage.  Er  ist  ansehnlich  gewachsen; 
die  kegelförmige  Abschnürung  der  Epithelröhre  des  Uterus,  auf  der  er  sass,  ist  durch  die  Decidua- 
Wucherung  der  Schleimhaut  des  Uterus  von  der  Mesenterialseite  her  verdrängt  worden.  Es  hat 
sich  von  dieser  Wucherung  aus  auch  eine  Protoplasten-Schichte  an  der  inneren  Eläche  des  Ei- 
Cylinders  vorgeschoben,  in  der  sich  auch  schon  Blutgefässe,  die  mit  denen  der  Decidua  zusammen- 
hängen, entwickelt  haben.  Die  Placentarzona  des  Eicylinders  ist  dadurch  bestimmt  und  von  der 
mittleren  oder  der  Zona  des  Gefässhofes  geschieden. 

Fig.  IVB.  Die  Spitze  dieses  Eicylinders  400mal  vergrössert.  Alles  verhält  sich  wie  früher; 
nur  bemerkt  man,    dass  die  Dottermasse  sich  in  der  Mitte  etwas  aufzuhellen  anfängt. 

Fig.  V  A.  Ein  wenig  älteres  Ei,  in  welchem  die  Isolirung  des  Eicylinders  von  der  kegel- 
förmigen abgeschnürten  Epithelröhre  des  Uterus  bis  auf  einen  fast  nur  aus  Blutgefässen,  welche 
hier  nicht  dargestellt  sind,  bestehenden  Stiel  fortgeschritten  ist.  Doch  sieht  man  auch  hier  die 
den  Placentarhof  bezeichnende  an  der  Innenfläche  des  Eicylinders  wuchernde  Protoplasten- Schichte. 

Fig.  V  B.  Zeigt  die  Spitze  dieses  Eicylinders  400mal  vergrössert,  an  welchem  es  mir  ge- 
lungen war,  mit  feinen  Nadeln  sowohl  die  äussere  Schichte  (das  zukünftige  vegetative  Blatt) 
über  den  Dotterrest  herüber  abzustreifen,  als  man  jetzt  auch  sehr  deutlich  erkannte,  dass  dieser 
Dotterrest  hohl  war  und  sich  in  eine  Blase  (das  zukünftige  animale  Blatt)  umzuwandeln  anfieng. 

Fig.  VI  A.  u.  B.  Bedürfen  kaum  einer  Beschreibung,  denn  sie  zeigen  nur  bei  10-  und 
400maliger  Vergrösserung  wie  sowohl  der  Eicylinder  fortwächst,  als  auch  der  Dotterrest  in  seiner 
Spitze  sich  allmählig  immer  mehr  in  eine  Blase  umwandelt. 

Fig.  VII  A.  u.  B.  zeigen  ein  Ei  vom  12.  Tage  lOmal  und  400mal  vergrössert,  wo  diese 
blasenartige  Gestaltung  des  Dotterrestes  nun  schon  sehr  ausgesprochen  war.  Ein  Theil  der 
Dotterprotoplasten  hatte  sich  zu  einer  der  Oberfläche  des  Cylinders  zugewendeten  dickeren  Schichte 
gestaltet,  welche  ein  eigenthümliches  gestreiftes,  wohl  nur  durch  die  Anordnung  der  Protoplasten 
hervorgebrachtes,  Ansehen  an  sich  trug.  Der  gegen  die  Eihöhle  hin  gerichtete  Theil  der  Dotter- 
protoplasten hatte  sich  dagegen  jetzt  mit  Membranen  umgeben,  und  bildet  eine  feine  Membran 
(das  zukünftige  Amnion).  Der  Dotterrest  hatte  sich  also  jetzt  zu  dem  blasenartig  gestalteten 
animalen  Blatte  umgewandelt ,  welches  an  seiner  gegen  die  Oberfläche  gewendeten  Hälfte  den 
Fruchthof,  oder,  wenn  man  will,  die  Embryonal-Anlage,  an  seiner  gegen  die  Eihöhle  hin  gerichte- 
ten Hälfte  des  Amnion  darstellt. 

Fig.  VIII  A.  B.  C.  zeigen  die  unmittelbare  Richtigkeit  dieser  Anschauungsweise  von 
Fig.  VII.     Denn  sie  stellen  Eier  vom  13.  Tage  dar,   wo  man  sich  direct  überzeugt,  dass  erstens 


165 

der  Eicylinder,  der  nun  schon  anfängt,  eine  rundliche  Blase  zu  werden,  wirklich  das  Ei  ist,  und 
zweitens,  dass  der  in  seiner  Spitze  gelegene  Dotterrest  sich  in  ein  Bläschen  verwandelt  hat,  in 
dessen  nach  aussen  gelegenem  Theile  sich  die  Embryonalanlage  mit  der  Primitivrinne  und  der 
bereits  hervorwuchernden  Allantois  befindet ,  während  der  nach  innen  gerichtete  Theil  eine  äus- 
serst zarte  Membran  darstellt,  welche  beide  unmittelbar  zusammenhängen  und  in  einander  über- 
gehen. Die  Seitenansicht  Fig.  VIII  B.  darf  nicht  missverstanden  werden.  Sie  soll  nur  zeigen, 
dass  auch  jetzt  noch  die  Spitze  des  Eicylinders  nicht  ganz  verstrichen  ist,  sondern  dass  das  sich 
hier  gebildet  habende  Bläschen  des  animalen  Blattes,  überzogen  von  der  Membran  des  Eicylinders 
selbst ,  noch  eine  Uhrglasförmige  Hervorragung  bedingt.  Fig.  VIII  C.  zeigt  die  Embryonal- 
Anlage  grade  von  oben  mit  der  Primitivrinne  und  der  Allantois-Wucherung  an  dem  untern  Ende 
20mal  vergrössert ;  der  Ring  in  der  Peripherie  der  Embryonalage  bezeichnet  die  Gränze  des 
Amnion. 

Fig.  IX  A.  Zeigt  nun  den  aus  der  Embryonalanlage  schon  deutlich  entwickelten  Embryo 
von  der  Aussen  fläche  des  Eies.  Man  sieht  von  hier  aus  in  die  Leibeshöhle  hinein,  während 
das  dieselbe  auskleidende  vegetative  Blatt  den  Kopf  und  Schwanz  des  Embryo  nebst  der  Allantois 
überzieht.  An  der  Innenfläche  des  vegetativen  Blattes  ist  bereits  der  Gefässhof  in  dem  Gefäss- 
blatt  sowie  im  Embryo  der  Herzkanal  in  der  Entwicklung  begriffen. 

Fig.  IX  B.  Zeigt  einen  Embryo  dieses  Stadiums  von  der  Innenfläche  der  Eiblase.  Man 
sieht  von  hier  den  Rücken  des  Embryo  mit  schon  geschlossener  Primitivrinne  und  sich  entwickeln- 
dem Medullarrohr  nebst  mehreren  sogenannten  Wirbelplättehen.  Der  Rücken  des  Embryo  ist 
von  dem  Amnion  bekleidet;  man  sieht  die  Ausdehnung  des  Gefässhofes  und  die  in  den  Zwischen- 
räume zwischen  vegetativem  und  Gefässblatt  einer-  und  Amnion  mit  Embryo  andererseits,  hinein- 
wachsende Allantois. 

Die  Figuren  der  vierten  Tafel  Tab.  X  stellen  schematische  etwa  5mal  vergrösserte  Durch- 
schnitte durch  den  Uterus  dar,  um  das  Verhalten  des  Eies  zu  der  Schleimhaut  des  Uterus  und 
der  sich  aus  ihr  entwickelnden  Decidua  darzustellen. 

I.  Ist  ein  Querdurchschnitt  des  Uterus.  Die  Schleimhaut  (blau)  ist  ansehnlich  dick  und 
zeigt  ein  gegen  die  Höhle  concentrisch  gerichtetes  gestreiftes  Ansehen  von  den  in  ihr  befind- 
lichen Uterindrüsen.  Die  Uterushöhle  bildet  nur  eine  enge  Spalte  und  in  dem  oberen  Winkel 
des  Durchschnittes  sitzt  das  Eichen,  welches  nur  hier  noch  immer  viel  zu  gross  erscheint,  da  es 
in  diesem  Zustande  keine  V25  Linie  misst,  also  hier  nicht  grösser  als   1/b  Linie  sein  dürfte. 

I  b.  Ist  ein  Längsschnitt  auf  demselben  Stadium.  Die  Uterinschleimhaut  ist  um  das  Ei 
herum  noch  nicht  verdickt,  die  Uterinhöhle  daher  hier  noch  nicht  verengend,  und  das  Ei  liegt 
noch  ganz  frei. 

Von  II — IV  sieht  man  aber,  wie  die  Schleimhaut  sich  an  der  Stelle,  wo  das  Ei  liegt,  immer 
mehr  und  mehr  verdickt  und  daher  das  Ei  in  einen  sich  immer  mehr  und  mehr  von  der  Uterin- 
höhle abschliessenden  Divertikel  der  Epithelröhre  zu  liegen  kommt.  In  II  liegt  das  Ei  noch 
ganz  in  der  unveränderten  Spitze  dieses  Divertikels  ,  welcher  wie  ein  kleiner  zapfenartiger  Vor- 
sprung der  Epithelröhre  erscheint. 

In  III  ist  dieser  Zapfen  nicht  nur  durch  fortschreitende  Abschnürung  durch  die  stärker 
entwickelte  Schleimhaut  grösser  geworden,  sondern  aus  seiner  Spitze  wächst  nun  der  Eicylinder, 
oder  die  aus  dem  vegetativen  Blatte  gebildete  Keimblase  (grün)  hervor,  welche  an  ihrer  Spitze 
den  noch  unveränderten  Dotterrest  trägt. 

Dieses  Alles  ist  in  IV  nur  weiter  fortgeschritten.  In  V  ist  die  Entwicklung  der  Schleim- 
haut zur  Decidua  schon  so  weit  vorgerückt,  dass  die  Uterinhöhle  an  dieser  Stelle  unterbrochen 
und  der  zapfenartige,  das  Ei  tragende  Ueberrest  des  Epithelröhre  schon  ganz  abgeschnürt  ist. 
Zugleich  fangt  die  Decidua  an ,  sich  von  der  Mesenterialseite  des  Uterus  mit  ihrem  Blutgefässe 
in  diesen  zapfenartigen  Ueberrest  der  Epithelröhre  hineinzubilden,  was  in  VI  schon  so  weit  fort- 


166 

geschritten  ist ,  dass  dadurch  der  Zapfen  verschwindet ,  die  Blutgefässe  aber  sich  jetzt  auch  in 
den  Cylinder  hineinzuziehen  beginnen. 

In  VII  ist  dieses  Alles  soweit  gediehen,  dass  der  der  Epithelröhre  angehörende,  das  Ei 
früher  tragende  Zapfen  ganz  verschwunden  ist.  Der  Eicylinder  ist  an  seiner  Basis  mit  der 
Decidua  verwachsen  und  trägt  eine  Strecke  weit  Blutgefässe;  in  seiner  Spitze  liegt  der  Dotter- 
rest, der  sich  jetzt  in  ein  Bläschen  umzuwandeln  beginnt.  Der  Eicylinder  zerfällt  dadurch  in  einen 
Fruchthof  (die  Spitze);  in  einen  Gefässhof  (die  Mitte)  und  einen  Placentarhof  (die  untere 
festgewachsene,  Blutgefässe  tragende  Basis). 

In  VIII  hat  der  Eicylinder  jetzt  eine  mehr  runde  Gestalt  angenommen.  Das  aus  dem  Dotter- 
rest entstandene  Bläschen  an  der  freien  Seite  erweiset  sich  als  dem  animalen  Blatte  der  Keim- 
blase entsprechend  ,  denn  in  seiner  nach  Aussen  gelegenen  Hälfte  ist  die  Embryonal-Anlage  mit 
der  Allantois  (gelb)  aufgetreten,  die  nach  Innen  gerichtete  Hälfte  ist  das  Amnion.  Zugleich  hat 
sich  auch  das  Gefässblatt  (ziegelroth)  an  der  Innenfläche  des  vegetativen  Blattes  zu  entwickeln 
angefangen. 

In  IX  ist  nun  schon  der  Körper  des  Embryo  deutlich  entwickelt.  Da  er  mit  seiner  Bauch- 
seite nach  Aussen  gerichtet  ist,  und  hier  die  äussere  Hülle  des  früheren  Eicylinders  in  ihn  zur 
Bildung  des  Darmes  übergeht,  so  wird  es  dadurch  entschieden,  dass  diese  äussere  Lage  des  Ei- 
Cylinders,  welche  sich  in  III  zuerst  zu  entwickeln  anfängt,  das  vegetative  Blatt  der  Keimanlage 
ist.  An  seiner  inneren  Seite  hat  sich  das  Gefässblatt  mit  den  Vasa  omphalo  mesenterica  weiter 
entwickelt ,  und  reicht  bis  an  die  Stelle ,  wo  der  Eicylinder  mit  der  Decidua  verwachsen  ist. 
Hier  entsteht  die  Vena  terminalis.  Der  Embryo  ist  nach  wie  vor  von  dem  Amnion  umschlossen 
und  die  Allantois  wächst  stark ,  um  alsbald  die  angewachsene  Stelle  des  Eies  zu  erreichen  und 
hier  die  Placenta  zu  bilden. 


Ueber  die 

geographischen  Verhältnisse 


der 


Lorbeergewächse 


von 


C.  F.  Meissner. 


Abh.  d.  II.  Cl.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  X.  Bd.  I.  Abth.  22 


Ueber  die 

geographischen  Verhältnisse 

der 

Lorbeergewächse 

von 

C.  F.  Meissner. 


Eine  natürliche  Pflanzengruppe  gewinnt  aus  selbstverständlichen 
Gründen  für  die  Pflanzen-Geographie  erst  dann  Interesse  und  Bedeutung, 
wenn  sie  eine  gewisse  Grösse  und  Ausdehnung  hat,  d.  h.  wenn  sie  in 
einer  namhaften  Zahl  von  Arten  oder  Individuen  oder  beider  zugleich 
und  in  einer  gewissen  räumlichen  Ausdehnung,  sei  es  zerstreut  über 
mehrere  Gegenden  der  Erde,  oder  aber  auf  einzelne  Theile  derselben 
beschränkt  und  mehr  concentrirt  auftritt,  und  ihre  Bedeutung  wird  eine 
um  so  grössere  sein,  je  mehr  sie  in  einer  oder  mehreren  dieser  Be- 
ziehungen ein  grösseres  Verhältniss  zeigt  und  dadurch  dem  speziellen 
Vegetationscharakter  eines  Landes  oder  Welttheils  einen  spezifischen  Zug 
verleiht.  Es  muss  daher  bei  dem  Studium  der  geographischen  Verhält- 
nisse einer  Familie  stets  die  Ausmittelung  des  numerischen  Verhaltens 
derselben,    d.  h.  der  Zahl  der  Arten,    der  quantitativen  Proportion  der 

22* 


170 

Individuen  und  des  Grades  der  Dichtigkeit  ihres  Vorkommens,  ob  spo- 
radisch, diffus,  oder  aber  gesellig  und  massenhaft  zusammengedrängt,  — 
also  das,  was  wir  die  statistischen  Verhältnisse  nennen  können,  — 
die  erste  Grundlage  und  den  Ausgangspunkt  der  Untersuchung  bilden. 
Natürlich  müssen  aber  die  Ergebnisse  unvollkommen  ausfallen,  so  lange 
noch  so  viele  und  grosse  Theile  der  Erde  nicht  einmal  geographisch, 
geschweige  denn  naturhistorisch,  erforscht  sind,  und  so  lange  wir  selbst 
von  solchen,  die  wir  zu  den  Bekannten  zu  zählen  pflegen,  doch  in 
letzterer  Hinsicht  nur  eine  mangelhafte  Kenntniss  besitzen,  indem  wir 
weder  die  absolute  Zahl  der  in  ihnen  vorkommenden  Arten  der  betref- 
fenden Familie,  noch  die  genauen  Grenzen  ihrer  Verbreitungsgebiete 
mit  Sicherheit  anzugeben  vermögen.  Wenn  wir  indessen  annehmen,  dass 
unsere  geographische  und  naturhistorische  Kenntniss  der  fünf  Welttheile 
in  jedem  einzelnen  —  Europa  ausgenommen  —  ungefähr  auf  gleicher 
Stufe  der  Vollkommenheit  (oder,  richtiger  gesagt,  der  Mangelhaftigkeit) 
stehe,  so  könnte  die  Annahme  gerechtfertigt  erscheinen,  dass  das  Er- 
gebniss  unserer  pflanzen-geographischen  und  statistischen  Untersuchungen 
doch  wenigstens  in  proportionaler  Beziehung  ein  annähernd  richtiges 
sein  werde ;  allein  diese  Folgerung  kann  dennoch  falsch  sein ,  denn  es 
ist  denkbar  und  —  wenn  auch  nicht  gerade  sehr  wahrscheinlich  — 
doch  immerhin  möglich,  dass  in  einem  Welttheile,  in  welchem  bis  jetzt 
nur  sehr  wenige  oder  gar  keine  Glieder  irgend  einer  Familie  gefunden 
worden,  dereinst  Gegenden  angetroffen  werden,  in  welchen  der  Natur- 
forscher durch  ein  ganz  unvermuthet  zahlreiches  Auftreten  derselben 
überrascht  wird.  Beispielsweise  möge  hier  daran  erinnert  werden,  dass 
Robert  Brown1)  im  Jahre  1818  es  als  beachtenswerth  hervorhob,  dass 
von  der  sonst  so  artenreichen  und  verbreiteten  Gattung  Begonia  und 
von  der  ganzen  Laurineen-Familie  (mit  einziger  Ausnahme  der  Gattung 
Cassytha)  noch  keine  einzige  Art  auf  dem  Festlande  von  Afrika  ge- 
funden worden,  während  doch  unter  den  diesem  Continente  nahe 
liegenden  Inseln  die  Canarischen  und  Mascarenischen  nebst  Madagascar 
mehrere  Laurineen  und  die  Letztgenannte  auch  einige  Begonien  auf- 


1)  Obs.  on  the  Herb.  etc.  of  Congo,  etc.     R.  Brown's  Verm.  Sehr.  1.  p.  290.     R.  Brown  Mise. 
Bot.  Works,  ed.  Ray-Society  1.  p.  150. 


171 

zuweisen  hätten.  Es  konnte  demnach  die  Abwesenheit  dieser  Pflanzen- 
formen als  ein  spezifischer,  obgleich  negativer,  Zug  in  die  phytogeo- 
graphische  Charakteristik  des  afrikanischen  Festlandes  aufgenommen 
werden.  Heute  aber  ist  dieser  Zug  nicht  mehr  gültig,  nachdem  zuerst 
in  Südafrika  durch  Drege  u.  A.  v)  und  später  auch  im  tropischen  West- 
Afrika  von  Currer  und  Mann  mehrere  Arten  sowohl  von  Begonia2)  als 
auch  von  Laurineen3)  (aus  den  Gattungen  Cryptocarya,  Mesphilodaphne 
und  Oreodaphne)  entdeckt  worden  sind.  Sehr  wahrscheinlich  werden 
auch  in  dem  tropischen  Ost- Afrika,  dessen  Flora  sich  schon  mehr  dem 
an  Begonien  und  Laurineen  reichen  Indien  nähert,  dereinst  noch  mehr 
Arten  aus  den  genannten  zwei  Gruppen  und  vielleicht  auch  aus  anderen 
Familien,  die  man  bisher  als  dem  Continent  von  Afrika  ganz  fremd 
betrachtet  hat,  aufgefunden  werden. 

Was  nun  speziell  die  Laurineen  betrifft,  so  ist  es  aus  mehrfachen 
Gründen  nicht  wahrscheinlich,  dass  die  nachstehenden  Angaben  über  die 
Vertheilung  und  Verbreitung  der  Gattungen  und  Arten  auf  der  Erde 
und  über  das  Verhältniss  der  Familie  zur  Landesflora  durch  künftige 
Forschungen  eine  wesentliche  Modification  erleiden  werden. 

Bis  zum  Anfang  des  gegenwärtigen  Jahrhunderts  waren  nur  so 
wenige  Lorbeergewächse  bekannt,  dass  sie  eine  der  kleinsten  Gruppen 
im  natürlichen  Systeme  bildeten.  Wie  bedeutend  aber  ihre  Zahl  seither 
angewachsen  ist,  mag  nachstehende  Uebersicht  der  ,von  den  hauptsäch- 
lichsten systematischen  Schriftstellern    aufgeführten  Lauraceen4)    zeigen. 


1)  Vgl.  DC.  Prodr.  XV,  1.  p.  384,  n.  297—299. 

2)  Ebendas.  p.  315,  n.  100  u.  p.  392,  n.  320. 

3)  Ebendas.  p.  74,  n.  28,  29;  p.  118  u.  510,  n.  31;  p.  130,  n.  88—90. 

4)  Wir  bemerken  ausdrücklich,  dass  unter  diesem  Namen  die  Familie  der  Lorbeergewächse 
auch  hier  vollkommen  in  dem  gleichen  Umfange  zu  verstehen  ist ,  wie  wir  sie  in  DC. 
Prodr.  XV,  1.  aufgefasst  und  dargestellt  haben,  d.  h.  mit  Einschluss  der  Gyrocarpeae  und 
Cassytheae,  nur  dass  wir  die  wenigen  seit  1862  hinzugekommenen  neuen  Arten  noch  ein- 
geschaltet haben. 


172 


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173 

So  sehen  wir  denn,  dass  die  Zahl  der  den  Botanikern  bekannt  ge- 
wordenen Laurineen  in  Zeit  von  hundert  Jahren  in  stetiger,  wenn  auch 
nicht  rascher  Progression  dergestalt  zugenommen  hat,  dass  diese  Familie, 
die  vor  60  Jahren  noch  zu  den  allerkleinsten  zählte,  nunmehr  als  eine 
Gruppe  mittleren  Ranges  oder,  genauer  ausgedrückt,  fünfter  Grösse 
erscheint.  *) 


1)  Zum  Behufe  einer  bestimmteren  Eintheilung  und  Rangordnung  der  Pflanzenfamilien  nach 
ihrer  Artenzahl  möchten  wir  etwa  folgendes  Schema  vorschlagen,  wobei  wir  grossentheils 
Lindley's  Schätzung  (Veg.  Kingd.  ed.  III,  p.  797  sq.)  zu  Grunde  legen,  obgleich  wir  die- 
selbe in  vielen  Fällen  und  besonders  in  der  Endsumme  für  bedeutend  zu  niedrig  halten. 
Da  die  Artenzahl  einer  Familie  wesentlich  von  dem  Umfange,  in  welchem  Letztere  auf- 
gefasst  wird,  abhängig  ist,  so  bemerken  wir  noch,  dass  wir  die  dicotyledonischen  Familien 
fast  durchgehends  in  der  in  DC.  Prodr.  gegebenen  Begrenzung  angenommen  haben. 

I.  Familien  1.  Grösse,  d.h.  von  mehr  als  6000  Arten,  z.B.  Compositae,  Leguminosae, 
Gramineae. 

II.  —  2.        —      ,  d.  h.  von  3000—6000  Arten,  z.  B.  Filices,  Orchideae,  Euphor- 

biaceae. 

III.  —  3.        —      ,  d.  h.    von    2000—3000    Arten,    z.   B.  Cyperaceae,    Labiatae, 

Rubiaceae. 

IV.  —  4.         —       ,  d.  h.  von  1000 — 2000  Arten,  z.  B.  Liliaceae,  Scrophulariaceae, 

Umbelliferae,    Rosaceae,    Myrtaceae,  Melastomaceae,    Caryo- 
phylleae,  Crucif.,  Ranunculac. 

V.  —  5.        —       ,  d.  h.  von  500 — 1000  Arten,  z.  B.  Irideae,  Piperaceae,  Amen- 

taceae,  Lauraceae,  Solaneae,  Apocyn. ,  Asclepiad.,  Ericaceae, 
Malpighiaceae,  Malvaceae  etc. 

—  ,  d.  h.  von  200 — 500  Arten ,    z.  B.  Scitamineae ,  Amaryllideae, 
Urticaceae,  Artocarpeae,  Rhamneae,  Anonac.  etc. 

—  ,  von  100 — 200  sp.,  z.  B.  Bromeliac,  Smilaceae,  Coniferae,  Me- 
nispermac,  Guttiferae  etc. 

—  ,  von  50 — 100  sp.,   z.  B.  Pandaneae,  Myristic,  Turnerac,  Au- 
rantiac.  etc. 

—  ,  von  10 — 50  sp. ,    z.    B.    Cycad. ,   Burmanniac. ,    Pontederiac, 
Elaeagneae  etc. 

—  ,  von    1 — 10  sp. ,    z.  B.   Butomeae ,    Nelumbiac. ,    Sarraceniac, 
Saurureae,  Ceratophylleae,  Rhizoboleae  etc. 


VI. 

— 

6. 

vn. 

— 

7. 

VIII. 

— 

8. 

IX. 

— 

9. 

X. 

10. 

174 

Die  Gesammtzahl  der  Lauraceen,  die  wir  gegenwärtig  unterscheiden, 
indem  wir  den  957  in  DC.  Prodr.  enthaltenen  Arten  noch  15  seither 
publicirte  hinzuzählen,  beträgt  also  972  1),  welche  sich  auf  die  drei 
Unterordnungen  und  55   Gattungen  also  vertheilen: 


1)  Es  ist  kaum  nöthig,  zu  bemerken,  dass  diese  Zahl  nicht  als  eine  absolut  zuverlässige,  fest- 
stehende betrachtet  werden  kann,  da  sie  wesentlich  von  dem  Grade  der  Vollständigkeit  und 
Genauigkeit  unserer  Kenntniss  der  Arten  und  von  unseren  Ansichten  und  Grundsätzen  für 
die  Abgrenzung  derselben  abhängen.  Das  aber  glauben  wir  hier  mit  Nachdruck  hervor- 
heben zu  müssen,  dass  die  Feststellung  der  Diagnostik  der  Gattungen  und  Arten  kaum  in 
irgend  einer  anderen  Familie  so  grosse  Schwierigkeiten  darbietet ,  wie  bei  den  Lauraceen, 
welche  in  der  That  eine  der  durch  die  unzweideutigsten  und  unveränderlichsten  Merkmale 
charakterisirten  und  daher  am  schärfsten  begrenzten,  acht  natürlichen  Gruppen  ausmachen. 
Die  Schwierigkeit  liegt  zunächst  darin,  dass  bei  dem  strengen  Festhalten  der  Familien- 
glieder an  dem  nicht  sehr  viele  Abwandlungen  zulassenden  Generaltypus  (klappig  auf- 
springende Antheren,  einsaamige  Frucht  mit  hängendem,  eiweisslosem  Saamen,  fleischige, 
plan-convexe  Saamenlappen ,  nach  oben  gerichtetes  Würzelchen ,  einfache ,  ganzrandige, 
stipellose  Blätter  etc.)  nur  wenige  und  untergeordnetere ,  meist  minutiöse  (an  trockenen 
Exemplaren  oft  schwer  zu  erkennende) ,  zuweilen  selbst  schwankende  Bauverschiedenheiten 
übrig  bleiben,  um  danach  die  Gattungen  und  Arten  zu  trennen;  ferner  auch  darin,  dass 
gewisse  wesentliche  Merkmale  meist  nicht  gleichzeitig  vorhanden  sind,  sondern  erst  in 
späteren  Lebensstadien  der  Pflanze  erscheinen,  wie  die  specielle  Beschaffenheit  des  Frucht- 
kelchs und  der  Fruchthülle ;  und  endlich  auch  in  dem  Umstände,  dass  sehr  viele  Laurineen 
diöeisch  sind  und  wir  in  den  Herbarien  sehr  oft  nur  Exemplare  des  einen  Sexus  antreffen, 
die  uns  folglich  nicht  sämmtliche  Charaktere  der  Species  darbieten  und  uns  somit  über 
die  Gattung,  zu  der  sie  gehört,  in  Zweifel  lassen.  Ja  einige  Fälle  scheinen  sogar  das  Vor- 
kommen eines  gewissen  Dimorphismus  der  Blüthen  und  Blätter ,  je  nach  dem  Sexus  der 
Individuen,  anzudeuten,  wodurch  für  die  Entscheidung  der  Frage:  ob  solche  Exemplare 
zur  gleichen  Art  gehören,  oder  nicht,  eine  Schwierigkeit  entsteht,  die  wohl  nur  mittelst 
sorgfältiger  und  wiederholter  Beobachtung  an  der  lebenden  Pflanze  zu  lösen  sein  dürften. 


175 


1. 

2. 

3. 

4. 

5. 

6. 

7. 

8. 

9. 
10. 
11. 
12. 


13. 
14. 
15. 
16. 
17. 
18. 
19. 
20. 
21. 
22. 
23. 
24. 
25, 
26. 
27 
28, 
29. 


Tribus  I.    Perseaceae. 

Cinnamomum  (nob.).  .  .  . 

Alseodaphne  Nees 

Pboebe  Nees 

Machilus  Rumph 

Persea  Gaertn 

Notbaphoebe  Blume.  .  .  . 

Haasia  Blume 

Beilscbmiedia  Nees 

Apollonias  Nees 

Hufelandia  Nees 

Nesodapbne  J.  D.  Hook   . 
Boldu  Feuill 


Subordo  I. 

Species 

65 


Trib.  II.    Cryptocaryeae. 

Icosandra 

Adenostemum  Pers 

Cryptocarya  R.  Br 

Cyanodaphne  Bl 

Caryodaphne  Bl 

Endiandra  R.  Br 

Dictyodapbne  Bl 

Ampelodaphne  nob 

Ajouea  Aubl 

Silvaea  Manso 

Acrodiclidium  Nees 

Aydendron  Nees 

Misanteca  Cb.  &  Scbl.   .  . 

Bihania  nob 

Mespilodapbne  Nees.    .  .  . 

Nemodaphne  nob 

Agatbopbyllum  Juss.    .  .  . 


41 

18 

51 

9 

16 
7 
2 
4 
2 
2 


225 

1 

1 

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3 

4 

6 

7 

3 

7 

1 
13 
38 

1 

1 
54 

1 

3 


Laurineae. 

Trib.  III.    Oreodaphneae. 


30.  Oreodaphne  Nees.  .  .  . 

31.  Gymnobalanus  Nees.    . 

32.  Strycbnodaphne  Nees  . 

33.  Camphoromoea  Nees.   . 

34.  Nectandra  Nees.    .  .  . 

35.  Pleurothyrium  Nees.    . 

36.  Dicypellium  Nees. .   .  . 

37.  Sassafras  Nees 

38.  Sassafridium  nob.  .  .  . 

39.  Goeppertia  Nees.    .  .  . 

40.  Sympbysodapbne  Rieh. 

41.  Synandrodaphne  nob.  . 


42. 
43. 
44. 
45. 

46. 


Trib.  IV.  Litsaeaceae. 

Snbtrib.  I.   Tjtranthareae. 

Tetrantbera  Jacq 

Cylicodaphne  Nees 

Dodecadenia  Nees 

Actinodaphne  Nees 

Litsaea  Juss 


Snbtrib.  II.   Daphnidieae. 

47.  Daphnidium  Nees 

48.  Polyadenia  Nees 

49.  Laurus  Tourn 

50.  Aperula  Bl 

51.  Lindera  Thumb 


Summa  Subordinis  1 924 


Subordo  IL  Gyrocarpeae. 

52.  Gyrocarpus  Jacq 

53.  Sparattanthelium  Mart 

54.  Bligera  Blume 


Subordo  III.  Cassytheae. 

55.  Cassvtha  L 


Summarium. 

I.  Laurineae 

H.  Gyrocarpeae 

III.  Cassytheae 


Species 

924 
19 
29 


972 


Species 

125 

7 

4 

9 
75 

8 

1 

2 

1 
14 

1 

2 
249 


94 
44 
1 
47 
29 


17 
1 
2 

16 

14 

265 


Species 

29 


1)  Die  allzu  zweifelhafte  C.  dubia  HBK.  ist  hier  nicht  mitgezählt. 
Abh.  d.  II.  Cl.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  X.  Bd.  I.  Abth. 


23 


176 


/ 


Diese  Uebersicht  zeigt,  dass  die  meisten  Gattungen,  nämlich  35, 
eine  sehr  geringe  Artenzahl  (unter  10,  ja  sogar  11  Gattungen  nur  eine 
Species)  und  nur  20  eine  grössere  (13  bis   125  sp.)  besitzen. 

Ueber  die  geographische  Vertheilung  und  Verbreitung  der 
Lauraceen,  sowohl  nach  den  fünf  Welttheilen,  als  nach  Haupt-Breitezonen, 
habe  ich  beiliegende  Tabelle1)  entworfen,  aus  welcher  sich  folgende 
Verhältnisse  ergeben,  die  wir  hier  besonders  hervorheben  müssen. 

I.   Vertheilung  nach  den  fünf  Welttheilen. 

1.  Europa. 

Unser  ' Welttheil  besitzt  nur  eine  einzige  Art,  Laurus  nobilis, 
welche,  wenn  auch  vielleicht  in  frühester  Zeit2)  aus  Kleinasien  einge- 
wandert, jetzt  wenigstens  im  Mediterraneischen  Gebiete  gänzlich  ein- 
heimisch geworden  ist. 

2.  Asien. 

Aus  diesem  Welttheil,  mit  Inbegriff  seiner  sämmtlichen  Inseln3), 
kennen  wir  27   Gattungen4),  zusammen  mit  445  Arten: 

Trib.  I.  Perseaceae:     Cinnamomum 64  Arten. 

*Alseodaphne 8        „ 

Phoebe 27 


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*Machilus 18 

*Nothaphoebe 9        ,, 

*Haasia 16        „ 

*Beilschmiedia 7        „ 

Apollonias 1        „ 

8   Gattungen  150  Arten. 

1)  Es  ist  hiebei  zu  bemerken,  dass  solche  Arten,  deren  Heimath  allzu  ungewiss,  wo  nicht 
ganz  unbekannt  ist,  natürlich  nicht  mitgezählt  wurden,  und  dass  hingegen  solche  Arten, 
welche  in  mehreren  Verbreitungsgebieten  vorkommen,  auch  in  jedem  derselben  einge- 
tragen wurden,  woraus  natürlich  folgt,  dass  die  Addition  der  Artenzahlen  einer  Gattung 
auf  der  Tabelle  oft  eine  höhere  Zahl  ergiebt,  als  die  wirkliche  Artenzahl  der  betreffenden 
Gattung  beträgt,  wie  z.  B.  bei  Persea,  Cryptocarya,  Oreodaphne,  Tetranthera  etc. 

2)  Er  kömmt  bekanntlich  schon  in  der  griechischen  Mythologie  vor  und  wird  schon  von 
Dioscorides  angeführt. 

3)  Wir  zählen  dazu  auch  das  sonst  gewöhnlich  zu  Australien  gerechnete  Neu-Guinea,  weil 
seine  Flora  von  derjenigen  des  Indischen  Archipels  nicht  zu  trennen  ist. 

4)  In  den  nachstehenden  Listen  bezeichnet  das  vor  den  Namen  gesetzte  Sternchen  diejenigen 
Gattungen,  welche  dem  betreffenden  Welttheil  eigenthümlich  sind. 


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37.  Sassafras     .     .     . 

38.  Sassafridium     .     . 

39.  Goeppertia  .     .     . 

40.  Symphysodaphne  . 

41.  Synaudrodaphne    . 

42.  Tetranthera      .     . 

43.  Cylicodaphne    .     . 

44.  Dodecadenia     .     . 

45.  Actinodaphne  .     . 

46.  Litsaea  .... 

47.  Daphnidium     .     . 

48.  Polyadenia  .     .     . 

49.  Laurus    .... 

50.  Aperula       .     .     . 

.51.  Lindera  .... 

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177 


Von  diesen  8  Gattungen  kommen  5  nur  in  Asien  vor,  während  es 
drei  mit  andern  Welttheilen  gemein  hat,  nämlich  Phoebe  mit  Amerika, 
Cinnamomum  mit  Australien  und  Apollonias  mit  den  Canarischen  Inseln. 

Trib.  II.   Cryptocaryeae.    Cryptocarya 21   Arten. 

*Cyanodaphne  3        „ 

Caryodaphne 2        „ 

Endiandra 1        „ 

*Dictyodaphne 7       „ 

*Bihania 1        „ 

35   Arten. 
Von  den  sechs  Gattungen  kommen  drei  ausschliesslich  nur  in  Asien, 
zwei  (Caryodaphne  und  Endiandra)  auch  in  Australien,  und  eine  in  allen 
Welttheilen  (ausser  Europa)  vor. 

Trib.  III.   Oreodaphneae,  fehlt  in  Asien  gänzlich. 
Trib.  IV.  Litsaeaceae.     Tetranthera 

*Cylicodaphne 
*Dodecadenia 
Actinodaphne 
Litsaea    . 
*Daphnidium 
*Polyadenia  . 

Laurus    . 

*Aperula  . 

Lindera  . 

250  Arten. 
Es    kommen    somit   fünf  Gattungen    ausschliesslich   nur    in    Asien, 
zwei  (Actinodaphne  und  Litsaea)  in  Asien  und  Australien, 
eine  (Laurus)  in  Asien,  Europa  und  den  Canarischen  Inseln, 
eine  (Lindera)  in  Asien  und   Nordamerika,    und 
eine  (Tetranthera)  in  Asien ,   Australien  und  Amerika  vor. 

Trib.  V.  (Subord.  II.)  Gyrocarpeae.     Gyrocarpus     2   Arten. 

*Illigera       .7        ,, 
Erstere  Gattung  hat  Asien  mit  Australien  ui\d  Amerika  gemein. 
Trib.  VI.  (Subord.  III.)    Cassytheae.     Cassytha  (1   Art),    welche 
Gattung  auch  in  Australien,  Afrika  und  Amerika  vorkömmt. 

23* 


84 

Arten. 

44 

?> 

1 

?> 

47 

?» 

27 

5» 

17 

m 

1 

5» 

1 

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16 

J» 

12 

»> 

178 


3.  Afrika. 

Sein  ganzer  Continent,  nebst  den  Canarischen  und  Mascarenischen 
Inseln  und  Madagascar ,  zählt  an  Lauraceen  8  Gattungen ,  zusammen 
mit  25  Arten: 

Trib.  I.  Perseaceae.  *)     Persea     .     .      1   Art  )  auf  den  Canarischen 

Apollonias         1      „     J  Inseln. 

„    II.  Cryptocaryeae.   Cryptocarya     2' Arten  in   Südafrika. 

Mespilodaphne   11  Art.,  auf  d.  Festlande  u.  d.  Inseln. 
*Agathophyllum    3  Arten,  nur  auf  Madagascar. 
„  III.  Oreodaphneae:  nur  Oreodaphne  3  Arten,  auf  d.  trop.  Festlande. 
„  IV.  Litsaeaceae,    nur  Laurus   1   Art,    auf  den  Canarischen  Inseln. 
„    V.   Gyrocarpeae,  bis  jetzt  in  Afrika  noch  nicht  gefunden. 
„  VI.   Cassytha  3   Arten. 

Afrika  hat  demnach  nur  eine  ihm  ausschliesslich  eigene  Gattung 
(Agathophyllum)  hingegen  zwei  mit  Asien,  Australien  und  Amerika 
gemein  (Cryptocarya  und  Cassytha),  zwei  mit  Asien  allein  (Apollonias 
und  Laurus),  und  drei  mit  Amerika  (Persea,  Mespilodaphne  u.  Oreodaphne). 


4.   Australien. 

In    Neuholland ,      Tasmania     und     den    Südsee  -  Inseln     zählen    wir 
10   Gattungen,  zusammen  mit   56  Arten,  nämlich: 
Trib.     I.   Perseaceae. 


Cinnamomum 
*Nesodaphne    . 


„       II.   Cryptocaryeae.    Cryptocarya  . 

Caryodaphne . 
Endiandra 

(„  x    III.   Oreodaphneae,     fehlen  gänzlich.) 
„      IV.  Litsaeaceae.  Tetranthera    . 

Actinodaphne 
Litsaea 


.    1 

Art. 

2 

15 

10 


V.  Gyrocarpeae. 
VI.  Cassytheae. 


3   Arten. 


17 


Gyrocarpus  3     ,, 

Cassytha 24     ,, 


27 


56  Arten. 


1)  Die  allzuzweifelhafte  Hufelandia  ?  thyrsiflora  von  Madagascar  ist  hier  nicht  mitgezählt. 


179 

Australien  hat  somit  nur  eine  ihm  eigentümliche  Gattung  (Neso- 
daphne),  dagegen  fünf  mit  Asien  gemein  (Cinnamomum ,  Caryodaphne, 
Endiandra,  Actinodaphne  und  Litsaea),  zwei  mit  Asien,  Afrika  und 
Amerika  (Cryptocarya  und  Cassytha),  zwei  mit  Asien  und  Amerika 
(Tetranthera  und  Gyrocarpus). 


5.  Amerika, 

mit  Inbegriff  der  Westindischen  Inseln,  besitzt 

an  Lauraceen  32 

!  Gattungen, 

zusammen  mit  447  Arten : 

Trib.  I.  Perseaceae.     Phoebe 

14 

Arten 

Persea  .     ... 

50 

?} 

Hufelandia 

3 

■)) 

*Boldu    .     .     . 

2 

j> 

69 

Arten. 

,,       II.  Cryptocaryaee.    *Icosandra 

1 

j) 

*Adenostemum 

1 

;  j 

Cryptocarya    . 

8 

11 

*Ampelodaphne 

3 

>) 

*Ajouea  . 

7 

>1 

*Silvaea 

1 

)  j 

*Acrodiclidium 

.     13 

>) 

*Aydendron 

38 

)? 

*Misanteca  . 

1 

jy 

Mespilodaphne 

.     43 

1t 

*Nemodaphne  . 

1 

11 

117 

j> 

„     III.  Oreodaphneae.   Oreodaphne 

122 

ii 

*Gymnobalanus 

7 

ii 

*Strychnodaphne 

4 

ii 

*  Camphoromoea 

9 

ii 

*Nectandra  . 

75 

3 ; 

*Pleurothyrium 

8 

ii 

*Dicypellium    . 

1 

ii 

*Sassafras   . 

2 

)> 

*Sassafridium  . 

1 

ii 

*Goeppertia 

14 

ii 

*Symphysodaphne 

1 

ii 

*Synandrodaphne 

2 

ii 

246 

ii 

432 

Arten. 

180 

Transp.   432  Arten. 
Trib.  IV.  Litsaeaceae.  Tetranthera     .     .        4  Arten. 

Lindera      ...        2     ,, 

6        „ 
„      V.  Gyrocarpeae.   Gyrocarpus     .      .        1      ,, 

*Sparattanthelium        7     ,, 

"  8       „ 
„     VI.  Cassytheae.      Cassytha 1        „ 

447  Arten. 
Amerika  besitzt  unter  allen  Welttheilen  die  grösste  Anzahl  ihm 
ausschliesslich  eigener  Gattungen,  nämlich  22,  oder  mit  Hufelandia  23, 
wenn  nämlich  die  sehr  zweifelhafte  Hufelandia  ?  thyrsiflora  Nees,  wie 
zu  vermuthen,  nicht  zu  dieser  Gattung  gehört.  Mit  Asien  hat  es  zwei 
Gattungen  gemein,  Phoebe  und  Lindera;  mit  Afrika  drei  Gatt.,  Persea, 
Mespilodaphne  und  Oreodaphne;  mit  Asien  und  Australien  zwei  Gatt., 
Tetranthera  und  Gyrocarpus;  mit  Asien,  Afrika  und  Australien  zwei 
Gatt.,  Cryptocarya  und  Cassytha. 

Amerika  zeichnet  sich  ferner  dadurch  aus,  dass  in  ihm  sämmtliche 
Unterordnungen  und  Tribus  der  Lauraceen  vertreten  sind,  während  in 
Asien  und  Australien  die  Oreodaphneae  und  in  Afrika  die  Gyrocarpeae ]) 
gänzlich  fehlen.  In  der  Zahl  der  Gattungen  und  Arten  stehen  sich 
Amerika  und  Asien  ziemlich  gleich  und  nehmen  den  ersten,  Afrika 
hingegen  den  letzten  Rang  ein,  wenn  wir  nämlich  von  Europa  ganz 
absehen,  das  mit  seiner  einzigen  Lorbeerart  hier  um  so  weniger  in 
Betracht  kommen  kann,  als  dieselbe  vielleicht  keine  ursprünglich  ein- 
heimische ist. 2) 

Vergleichen    wir  nun    die  Gesammtzahl    der  Lauraceen    eines   jeden 
einzelnen  Welttheils  mit  derjenigen  der  ganzen  Familie,  so  erhalten  wir 
folgendes  Ergebniss: 
Es  verhalten  sich  die  Lauraceen  zur   ganzen  Familie   (972   Spec.) 

Asiens  (445  species)  —   1  :  2,22  .  .  . 

Afrikas         (25  species)  =   1  :  38,9  .  .  . 

Australiens  (56   species)  —   1  :  17,4  .  .  . 

Amerikas     (447   species)  =   1  :    2,22  .  . 


1)  Es  ist  indessen  wahrscheinlich ,  dass  im  tropischen  Ostafrika  und  den  seiner  Küste  nahe 
liegenden  Inseln  dereinst  noch  Gyrocarpeae  und  vielleicht  auch  Arten  von  Oreodaphne  und 
Tetranthera  werden  entdeckt  werden. 

2)  Dass  manche  Laurineen-Arten  in  grosser  Anzahl  von  Individuen  vorkommen  und  wohl 
auch  einen  namhaften  Bestandtheil  der  Wälder  ausmachen,  leidet  keinen  Zweifel ;  hingegen 
ist  uns  nicht  bekannt ,  dass  irgend  welche  als  eigentliche  plantae  gregariae  auftreten  und 
allein  ganze  Wälder  oder  Gebüsche  bilden. 


181 

Das  Verhältniss  der  Tribus  in  den  einzelnen  Welttheilen  zu  der 
Gesammtzahl  der  Lauraceen,  sowohl  in  jedem  Welttheile,  als  auch  zu 
der  Summe  der  ganzen  Familie  zeigt  uns  nachstehende  Tabelle. 


Es   verhält   sich   d 

ie   Artenzahl 

der  Tribus 

in  den  einzelnen 
Welttheilen 

zu  der  Summe 

der  ganzen 

Tribus 

zu  der  Totalsumme 

d.  Welttheile 

d.ganz.Famil. 

I.  Ferseaceae 

von 

Asien    (150  sp.) 

=  1:1,50 

=  1:2,9... 

=  1:6,5... 

/ 

»> 

Afrika     (2  sp.) 

=  1:  112,50 

=  1  :  12,04 

=  1:486,0 

» 

Australien    (3  sp.) 

=  1  :75,0 

=  1 :  6,2 

=  1:324,0 

n 

Amerika    (69  sp.) 

=  1:3,3... 

=  1:6,5... 

=  1:14,11.. 

II.  Cryptocaryeae 

von 

Asien    (35  sp.) 

=  1:5,3... 

=  1:  12,5 

=  1:27,74.. 

»i 

Afrika    (16  sp.) 

=  1:11,4... 

=  1 :  1,5  . . . 

=  1:60,75 

»» 

Australien  (17  sp.) 

=  1:10,9... 

=  1:3,3... 

=  1:57,3... 

11 

Amerika  (157  sp.) 

=  1:1,4... 

=  1:3,33... 

=  1:8,3... 

III.  Oreodaphneae 

von 

11 

Asien      — 
Australien     — 

1) 

Afrika    (3  sp.) 

=  1:83,0 

=  1:8,... 

=  1:324,0 

11 

Amerika  (246  sp.) 

=  1:1,76... 

=  1:1,53... 

=  1,14:3,15 

IV.  Litsaeaceae 

von 

Asien    (250  sp.) 

=  1:  1,1 

=  1:1,52... 

=  1:3,8... 

ii 

Afrika    (1  sp.) 

=  1:265,0 

=  1:25,0... 

=  1:972 

ii 

Australien   (9  sp.) 

=  1:29,4... 

=  1:6,1... 

=  1:108,0 

ii 

Amerika    (6  sp.) 

=  1:44,0... 

=  1:74,0 

=  1:162,0 

V.  Gyrocarpeae 

von 

ii 

Asien     (9   sp.) 
Afrika       — 

=  1:2,1 

=  1:49,5... 

=  1:108,0 

ii 

Australien   (3  sp.) 

=  1:6,1... 

=  1:8,1... 

=  1:324,0 

ii 

Amerika    (8  sp.) 

=  1:2,2... 

=  1:55,9... 

=  1:121,50 

VI.  Cassytheae 

von 

Asien     (1  sp.) 

=  1:29,0 

=  1:445,0 

=  1:972,0 

ii 

Afrika     (3  sp.) 

=  1:9,3... 

=  1:8,1... 

=  1:324,0 

ii 

Australien  (24  sp.) 

=  1:1,20 

=  1:2,33... 

=  1:40,50 

ii 

Amerika  (1  sp.) 

=  1:29,00 

=  1:447,00 

=  1:972,00 

182 


lt.   Vertheilung   nach  den   Hemisphären. 

Die  östliche  Halbkugel  (Europa,  Asien  und  Afrika  mit  ihren 
Inseln,  nebst  Neuholland  und  Neuguinea)  besitzt  30  Gattungen,  zusam- 
men mit  518  Arten,   nämlich: 


I. 

Perseaceae, 

8 

Gattungen, 

149 

Arten, 

IL 

Cryptocaryeae 

8 

>•> 

71 

n 

in. 

Oreodaphneae 

1 

ii 

3 

)> 

IV. 

Litsaeaceae 

10 

ii 

256 

y> 

V. 

Gyrocarpeae 

2 

>? 

11 

5) 

VI. 

Cassytheae 

1 

ii 

28 

)» 

Von  obigen  30  Gattungen  gehören  21  ausschliesslich  der  öst- 
lichen Hemisphäre  an,  nämlich  Alseodaphne,  Machilus,,  Nothaphoebe, 
Haasia,  Beilschmiedia ,  Apollonias,  Nesodaphne,  Caryodaphne,  Cyano- 
daphne,  Endiandra,  Dictyodaphne,  Bihania,  Agathophyllum,  Cylicodaphne, 
Dodecadenia,  Litsaea,  Daphnidium,  Polyadenia,  Laurus,  Aperula  und 
Illigera. 

Die  westliche  Halbkugel  (Amerika  mit  seinen  Inseln  und  die 
Südsee-Inseln)  besitzt  36   Gattungen,  mit  459  Arten. 


I. 

Perseaceae 

7 

Gattungen, 

74  Ar 

II. 

Cryptocaryeae 

11 

n 

117        , 

III. 

Oreodaphneae 

12 

ii 

246 

IV. 

Litsaeaceae 

3 

>5 

12 

V. 

Gyrocarpeae 

2 

» 

s     ; 

VI. 

Cassytheae 

1 

11 

2 

en. 


Von  diesen  36  Gattungen  kommen  25  nur  in  der  westlichen  Hemi- 
sphäre vor,  nämlich  Nesodaphne  bloss  in  Neu-Seeland;  Persea,  Hufe- 
landia, Boldu,  Icosandra,  Adenostemum,  Ampelodaphne,  Ajouea,  Silvaea, 
Acrodiclidium ,  Aydendron ,  Misanteca ,  Nemodaphne ,  Gymnobalanus, 
Strychnodaphne,  Camphoromoea,  Nectandra,  Pleurothyrium,  Dicypellium, 
Sassafras,  Sassafridium,  Goeppertia,  Symphysodaphne,  Synandrodaphne 
und  Sparattanthelium ,  nur  in  Amerika.  Die  übrigen  10  Gattungen 
hingegen  kommen  in  beiden  Hemisphären  vor,  nämlich: 

Cinnamomum,  Phoebe,  Actinodaphne  und  Lindera  auch  in.  Asien; 
Tetranthera   und    Gyrocarpus   auch   in   Neuholland;    Mespilodaphne    und 


183 

Oreodaphne  auch  in  Afrika ;  Cryptocarya  und  Cassytha  auch  in  Asien, 
Afrika  und  Neuholland.  Es  zählt  also  die  westliche  Halbkugel  5  Gat- 
tungen mehr  und  hingegen  60  Arten  weniger,  als  die  östliche,  und 
während  in  Letzterer  die  Oreodaphneae  auf  ein  Minimum  gesunken  sind, 
bilden  dieselben  in  Ersterer  die  stärkste  Tribus  und  halten  der  arten- 
reichsten Abtheilung  "der  östlichen  Hemisphäre,  nämlich  den  Litsaeaceae, 
das  Gegengewicht,  welche  hingegen  in  der  westlichen  Halbkugel  nur 
äusserst  schwach  vertreten   sind. 


III.  Vertheilung  nach  den  Continenten  und  Inseln.1) 

Die    Verhältnisse    der    continentalen    und    insularen  Vertheilung  der 
Lauraceen  haben  wir  in  den  folgenden  Tabellen  zusammengestellt. 


Continent  von 

I 

n  s  e  ] 

L  n 

V   0 

11 

Asien: 

Afrika: 

Australien : 

a 
cd 

°co 

< 

cd 

M 

Ö 
CD 

'S 

CO 
1 

cd 

M 

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CD 

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3 

s 
a 

3 

CO 

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a 
o 

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5<i 

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a 
a 

3 
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3   b 

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CO 

3 

CD 

(25 

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a 
a 

3 
CO 

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'■S^ 

CD     ■ 

■ig 

CD 

"es  J2 
CS    od 

a~ 

3 
CO 

Perseaceae 

47 

0 

3 

65 

115 

9 

10 

71 

90 

2 

0 

2 

1 

2 

3 

10 

105 

Cryptocaryese 

8 

3 

17 

110 

138 

0 

2 

27 

29 

1 

12 

13 

0 

0 

— 

9 

51 

Oreodaphneae 

0 

3 

0 

234 

237 

0 

0 

0 

— 

0 

0 

— 

0 

0 

— 

22 

22 

Litsaeaceae 

77 

0 

4 

7 

88 

15 

24 

145 

184 

1 

0 

1 

5 

1 

6 

0 

191 

Gyrocarpeae 

2 

0 

3 

8 

13 

0 

6 

0 

6 

0 

0 

0 

0 

0 

— 

0 

6 

Cassytheae 

1 

3 

24 

1 

29 

0 

1 

1 

1 

0 

1 

1 

1 

0 

1 

0? 

1 

135 

9 

51 

425 

620 

24 

43 

244 

310 

4 

13 

17 

7 

3 

10 

41 

376 

1)  Neuholland  wird  als  Continent  angenommen,  nicht  bloss  seiner  Grösse  wegen,  sondern 
auch  weil  es  in  seinen  klimatischen  und  Vegetations-Verhältnissen  mehr  einen  continen- 
talen als  einen  insularen  Charakter  zeigt 

Abh.  d.  II.  Cl.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  X.  Bd.  I.  Abth.  24 


184 


Es  verhalten  sich  demnach  die 


Perseaceae 

Cryptocaryeae 

Oreodaphneae 

Litsaeaceae 

Gyrocarpeae 

Cassytheae 


Contineniales 

zu  den 

Insulares 


in  Asien 
=  1,00:2,00 

=  1,00:3,51 


=1,00:2,65 
1,00:3,00 
=  1,00 :  29,00 


Afrika 
0:2,09 

1:4,09 

3,0:0,0 

0,0:1,0 

3,0:1,0 


Australien 
1,54:1,65 
17,0:0.0 


1,00:1,50 

3,0:0,0 
24,0:1,0 


Amerika 
6,50:1,00 

12,05:1,00 
10,75:1,00 
7,0:0,00 
8,00:0,00 
.1,00:0,00? 


Aller  Continente 

zu  denen 

aller  Inseln 

=1,25:1,06 
=  2,5:1,00 
=  10,75 : 1,00 
=  1,00:2,50 
=2,00:1,00 
=  29,0:1,0 


sämmtliche  Lauraceae  Continentales  zu  den  sämmtlichen  Insulares  nahezu  =  1,30:1,10. 

Als  vorherrschend  continentale  Gattungen  sind  zu  bezeichnen: 
in  Asien:  Machilus,  in  Amerika:  Phoebe,  Persea,  Acrodiclidium,  Ayden- 
dron,  Mespilodaphne  und  sämmtliche  Oreodaphneae;  als  ausschliess- 
lich continentale:  für  Asien:  Dodecadenia  und  Polyadenia,  für  Ame- 
rika: Boldu,  Icosendra,  Adenostemum,  Ampelodaphne,  Ajouea,  Silvaea, 
Misanteca  und  Sparattanthelium. 

Vorherrschend  insulare  Gatttungen  sind:  in  Asien:  Cinna- 
momum,  Alseodaphne,  Phoebe,  Nothaphoebe,  Haasia,  Cryptocarya,  Dictyo- 
daphne,  sämmtliche  Litsaeaceae  (ausgenommen  Dodecadenia  und  Polya- 
denia) und  Illigera;   in  Amerika  keine. 

Ausschliesslich  insulare  Gattungen  sind:  in  Asien:  Cyano- 
daphne,  Caryodaphne,  Bihania;  in  Amerika:  Nemodaphne  und  Sym- 
physodaphne. 

Von  einigen  Gattungen  kommen  einzelne  Arten  sowohl  auf  dem 
Festlande  als  auf  den  Inseln  vor  *),   nämlich 


1)  Da  diese  Arten  auf  der  Tabelle  sowohl  bei  den  Continenten  als  den  Inseln  mitgezählt,  die 
Arten  von  ungewissem  Vaterland  hingegen  weggelassen  sind ,  so  stimmt  natürlich  die 
angegebene  Totalsumme  der  einzelnen  Tribus  mit  der  wirklichen  absoluten  Artenzahl 
derselben  nicht  genau  überein. 


185 


in  -A-sien 

von   Cinnamomum 

5  Sp. 

Alseodaphne 
Phoebe 

1    — 

4   — 

Machilus 

3  — 

Cryptocarya 
Tetranthera 

2   — 

7  — 

Cylicodaphne 
Actinodaphne 
Litsaea 

2   — 
4  — 
2   — 

Gyrocarpus 
Cassytha 

1   — 
1    — 

in  .A-merika 

von   Persea  1  Sp. 

Mespilodaphne  1  — 

Oreodaphne  1   — 

Gymnobalanus  1    — 

Nectandra  3   — 

Goeppertia  1    — 

Cassytha  1   — 


9  — 


32   — 

Diese  Thatsache,  dass  in  Asien  eine  mehr  als  dreimal  grössere  Zahl 
identischer  Arten  sowohl  auf  dem  Festlande,  als  auf  den  Inseln  vor- 
kömmt,  als  in  Amerika,  kann  nicht  überraschen,  wenn  man  bedenkt, 
dass  ein  grosser  Theil  des  tropischen  Continents  von  Asien  aus  Küsten- 
gebiet und  Halbinseln  besteht  und  sich  daher  klimatisch  wenig  oder 
gar  nicht  von  den  zunächst  liegenden  Inseln  unterscheidet,  zwischen 
welchen  und  dem  nahen  Festlande  überdiess  die  Uebertragung  von 
Früchten  und  Sämereien  durch  die  Wellen,  Winde  und  Vögel  sehr 
begünstigt  ist.  Daher  rührt  denn  auch  ohne  Zweifel  die  bekannte 
grosse  Uebereinstimmung  der  Flora  der  Halbinsel  Malacca  mit  derjenigen 
der  Sunda-Inseln,  und  der  Flora  des  südlichen  Theils  der  vorderen 
Halbinsel  mit  derjenigen  von  Ceylon. 

Dass  endlich  hinsichtlich  des  continentalen  und  insularen  Vorkom- 
mens der  Lauraceen  Asien  und  Amerika  sich  entgegengesetzt  ver- 
halten, indem  bei  Ersterem  die  überwiegend  grössere  Artenzahl  auf  die 
Inseln,  bei  Letzterem  hingegen  auf  den  Continent  fällt,  erklärt  sich 
einfach  aus  dem  weit  grösseren  Verhältniss,  in  welchem  in  Asien  das 
Gesammtareal  der  Inseln  zum  Festlande  steht,  als  diess  in  Amerika  der 
Fall  ist. 


24* 


186 


IV.   Vertheilung   nach  den   Breiten-Zonen. 

Da  das  Verbreitungsgebiet  der  Lauraceen ,  soweit  wir  es  kennen, 
in  beiden  Hemisphären  nicht  über  den  40°  oder  43°  N.  B.  und  den  45° 
S.  B.  (Chiloe)  hinausreicht,  so  ist  die  ganze  arktische  und  antarktische 
und  selbst  der  nördlichste  Theil  der  temperirten  Zone  vollständig  davon 
ausgeschlossen.  Wir  nehmen  darin  5  Zonen  an,  deren  Grenzen  wir  in 
specieller  Rücksicht  auf  die  Lauraceen  folgendermaassen  bestimmen.. 

1.  Die  Aequatorial-Zone,  in  Amerika  zwischen  0 — 18°  N.  B.  und 
5°  S.  B.  liegend,  also  23  Breitegrade  umfassend,  in  Asien  aber  von 
0 — 18°  N.  B.  bis  11°  S.  B.  reichend  und  29  Breitegrade  einschliessend. 
Es  umfasst  also  diese  Zone  in  Amerika  das  ganze  Gebiet,  welches 
Grisebach1)  unter  dem  cisäquatorialen  Südamerika  und  äquatorialen 
Brasilien ,  nebst  dem  nördlichen  Theile  seines  „tropisch  -  südamerikani- 
schen Anden -Gebietes"  begreift,  mithin  Central-Amerika,  Columbien, 
Venezuela,  die  Guyanas,  das  ganze  Gebiet  des  Amazonenstroms,  Ecuador 
und  das  nördliche  Peru.  In  Asien  gehören  zu  derselben  der  südliche 
Theil  der  vorderen  Halbinsel  nebst  Ceylon,  Hinter-Indien  bis  ungefähr 
zum  südlichen  China,  die  Halbinsel  Malacca  und  der  ganze  indische 
Archipel  mit  Neu -Guinea  und  den  Philippinen,  also  ungefähr  Grise- 
bachs2)  „Asiatische  Aequatorial-Flora".  —  Afrika  dürfen  wir, 
da  es  uns  erst  drei  Laurineen  aus  dieser  Zone  geliefert  hat,  füglich  hier 
ausser  Acht  lassen. 

2.  Die  nördliche  äussere  tropische  Zone,  zwischen  dem 
18  und  23°  N.  B.  liegend,  besteht  in  Amerika  aus  einem  continen- 
talen  Theil  oder  dem  Mexicanischen  Florengebiete  und  aus  einem 
insularen,  dem  Westindischen  Reiche3),  in  welchem  wir  auch  die 
südlichsten  Inseln,  selbst  Trinidad,  mitbegreifen,  obgleich  letztere,  wie 
Grisebach  sehr  richtig  bemerkt,  schon  eine  grosse  Uebereinstimmung 
mit  der  Flora    von  Venezuela   und  Guyana    zeigt.      In  Asien   hingegen 


1)  Die  Vegetationsgebiete   der  Erde,  übersichtlich  zusammengestellt    von  Prof.  A.  Grisebach. 
in  Petermann's  Geogr.  Mittheilungen,  1866,  II,  p.  51. 

2)  Griseb.  a.  a.  0.  p.  48. 

3)  Griseb.  ä.  a.  0.  p.  50. 


187 

ist  diese  Zone  fast  rein  Continental  und  umfasst  den  grösseren  Theil 
von  Vorder-Indien,  die  nördliche  Hälfte  der  Halbinsel,  Bengalen,  Silhet, 
das  Birmanische  Reich  mit  dem  südlichen  Theil  von  China  nebst  Hong- 
kong. *) 

3.  Die  südliche  äussere  tropische  Zone  zwischen  5  und 
20°  S.  B.  fällt  für  Asien  ganz  weg  und  begreift  in  Amerika  den 
grössten  Theil  von  Brasilien  (bis  zur  Provinz  St.  Paul)  nebst  Bolivien 
und  dem  südlichen  Peru,  also  Grisebach's  2)  „transäquatoriales  Brasilien" 
und  theilweise  sein  tropisch-südamerikanisches  Anden-Gebiet;  von  Afrika 
gehören  hieher  Madagascar  und  die  Mascarenen ;  von  Australien  die 
nördliche  Hälfte  Neuhollands  bis  ungefähr  zur  Breite  der  Moreton-Bay. 

4.  Die  südliche  aussertropische  Zone,  zwischen  23  und 
40 — 43°  S.  B.,  fällt  in  Asien  ebenfalls  weg;  in  Amerika  besteht  sie  aus 
zwei  sehr  verschiedenen  Gebieten,  dem  cisandinischen  (Südbrasilien 
und  den  La  Plata-Staaten)  und  dem  transandinischen  (Chile,  bis 
Chiloe);  in  Afrika  aus  dem  Kaplande  bis  Natal,  und  in  Australien  begreift 
sie  Neu-Seeland,  Tasmanien  und  Süd  -  Neuholland  ungefähr  bis  zur  Breite 
der  Moreton-Bay. 

5.  Die  nördliche  aussertropische  Zone,  zwischen  23  und 
40  bis  vielleicht  43°  N.  B.,  fällt  für  Australien  und  vielleicht  auch  für 
den  Continent  von  Afrika  weg  (bis  jetzt  wenigstens  hat  Letzterer  aus 
dieser  Zone  noch  keine  einheimische  Lauracee  geliefert).  Es  gehören 
hieher  die  Azorischen  und  Canarischen  Inseln  mit  Madeira;  ferner  in 
Asien  Nepal  und  Kamaon  bis  an  den  Himalaya,  Bootan,  Khasya,  Assam, 
der  ganze  östliche  Theil  von  China  nördlich  von  Canton,  und  die  Japa- 
nische Inselgruppe;  von  A.merika  die  nördliche  Hälfte,  vou  Californien, 
Texas  und  Florida  an  bis  zum   südlichen  Canada.  3) 

Wir  müssen  hier  ausdrücklich  daran  erinnern,  dass  diese  Zonen- 
Eintheilung  keineswegs  durchgehends  als  eine  durch  bestimmte  Breiten- 


1)  Wir  vereinigen  hier  die  von  Grisebach  mit  Recht  unterschiedenen  Gebiete  des  trockenen 
und  des  feuchten  Indischen  Monsuns,  weil  sie  uns  hinsichtlich  der  Laurineen  keinen 
bestimmten  Unterschied  zeigen. 

2)  a.  a.  0.  p  47. 

3)  Wir  fassen  also  hier  die  von  Grisebach  a.  a.  0.  p.  49  getrennten  drei  Gebiete  der  Wälder 
und  Prairien  und  Californiens  in  Eines  zusammen. 


188 

grade  und  parallel  laufende  Linien  scharf  abgegrenzte  gedacht  werden 
darf,  sondern  dass  die  einzelnen  Vegetations-Zonen  grösstentheils  durch 
allmählige  Uebergänge  in  einander  üiessen  und  unter  verschiedenen 
Längengraden  oft  Gürtel  von  sehr  verschiedener  Breite  darstellen. 
Mehr  als  durch  die  blosse  Entfernung  vom  Aequator  wird  der  Vege- 
tationscharakter einer  Zone  durch  die  Configuration  des  Landes  und  die 
verschiedenen  sein  Klima  bedingenden  Verhältnisse  (Höhenlage,  Entfer- 
nung vom  Meere,  Reichthum  oder  Armuth  an  Gewässern,  herrschende 
Winde  u.  s.  f.)  bestimmt,  so  dass  innerhalb  einer  und  derselben  Breiten- 
zone oft  mehrere  Gebiete  nebeneinander  liegen,  deren  Klima  und  Vege- 
tationscharakter  weit  von  einander  abweichen,  wie  z.  B.  das  Hoch-  und 
Tiefland  von  Mexico  und  die  nordwestlichen  Theile  von  Südamerika, 
während  hingegen  zwei  aneinander  grenzende  Breitenzonen  in  beiden 
Beziehungen  oft  kaum  einen  merklichen ,  wenigstens  keinen  schroffen 
Unterschied  darbieten,  wie  z.  B.  in  Neuholland  und  Südamerika,  wo 
hingegen  die  Floren  des  westlichen  und  östlichen  Theils  einer  und 
derselben  Breitenzone  (z.  B.  von  Swan  River  und  Port  Jackson,  Peru 
und  Brasilien,  Chile  und  Buenos  Ayres)  in  hohem  Grade  differiren. 

So  interessant  und  wichtig  indessen  die  Unterscheidung  und  Ver- 
gleichung  bestimmt  definirter  Gebiete  in  Beziehung  auf  ihre  Gesammt- 
flora  ist,  so  erscheint  sie  dagegen  hinsichtlich  der  speciellen  Verbreitung 
einzelner  Familien  oft  von  geringem  Werth  und  oft  auch  kaum  durch- 
führbar. Ganz  besonders  gilt  diess  von  den  Lauraceen.  Bei  der  grossen 
Einförmigkeit  ihres  Typus  lassen  sie  von  einer  Zone,  von  einer  Region 
zur  andern  nur  untergeordnete,  durchaus  nicht  auffällige,  den  Charakter 
nicht  wesentlich  modificirende  Abänderungen  .wahrnehmen  und  scheinen 
in  den  einzelnen  Gebieten  mehr  der  Zahl  als  der  Art  nach  eine  ver- 
schiedene Rolle  zu  spielen.  Immerhin  mögen  die  Ergebnisse  unserer 
Untersuchungen  über  diese  Verhältnisse  übersichtlich  zusammengestellt 
hier  Platz  finden.  *) 


1)  Wir  können  nicht  umhin,  hier  an  die  grosse  Urigenauigkeit  und  Oberflächlichkeit  zu  er- 
innern, mit  welcher  fast  alle  früheren  und  leider  auch  noch  manche  neuere  Sammler  und 
Autoren  bei  Angabe  der  Fundorte  verfahren  sind,  indem  sie  meist  nur  das  Land  (z.  B. 
Brasilien,  Guyana,  Peru  etc.,  oder  gar  nur  „America  austr.,  Indiaoccid.  oder  Orient."  u.  s.w.) 
nennen,  aber  von  dem  speciellen  Fundort  (Höhenlage,  Wald-  oder  Flur-,  Sumpf-Gegend  u.  dgl.) 
gar  nichts  sagen.     So  lesen  wir  z.  B.  auf  den  Zetteln  der  aus  Kunth's  Herbar  herrührenden 


Zonen 

Summa 
der 

Tropisch 

e. 

Äussert 

ropische. 

I. 

Aequator. 

0-18°  N.B 
0-5-11°  S.B. 

II. 

Nördliche. 

18-23° 
N.B 

III. 
Südliche. 

5  od.  11-23" 

s.u. 

IV. 
Südliche. 

23-40-43" 
S.B. 

V. 

Nördliche. 

23-40-43° 
N.B. 

Tropisch. 

Ausser- 
tropischen. 

von 

Amerika  . 

232 

105 

134 

47 

8 

471 

55 

Asien .  .  . 

.306 

89 

— 

— 

80 

395 

80 

Afrika   .  . 

4 

— 

12 

5 

4 

16 

9 

Australien 

— 

— 

25 

33 

— 

25 

33 

542 

194 

171 

85 

92 

907 

177 

Es  verhalten  sich,  demnach : 

Die  drei  tropischen  Zonen  (zusammen  907  Sp.)  zur  Summe 

aller  Zonen  (1084) =   1:1,226. 

Die   drei   tropischen  Zonen    zur  Summe    beider    ausser- 

tropischen  Zonen =   1  :  5,8. 

Die  Aequatorial-Zone  zur  Summe  aller  drei  tropischen  Zonen  =   1:1,13. 

Die  Aequatorial-Zone  von  Amerika  zu  der  von  Asien      .  =    1:1,33. 

Die  drei    tropischen   Zonen    von  Asien    zu    denselben    von 

Amerika =  1:1,26. 

Die   beiden    südlichen    Extra- Aequatorial- Zonen    zu 

beiden  nördlichen ..•-..=   1:1,16. 

Die  südliche  Extra-Aequatorial-Zone  allein  zur  Aequatorialen  =   1  :  2,18. 

Die  nördliche  Extra-Aequatorial-Zone  allein  zur  Aequa- 
torialen     =   1  :  1,57. 

Sellow'schen  Pflanzen  (und  noch  dazu  nicht  einmal  von  Sellow's  eigener  Hand  geschrieben) 
bloss  die  Angabe  ,, Brasil,  trop."  oder  „Brasil,  merid.",  oder  ,, Brasil,  trop.  et  merid.",  so 
dass  es  ganz  ungewiss  bleibt,  ob  die  betreffenden  Pflanzen  ausserhalb  oder  innerhalb  des 
Wendekreises  oder  der  Aequatorial-Zone  gesammelt  wurden.  Wir  haben  solche  Arten  nach 
Wahrscheinlichkeitsgründen  eingereiht,  können  aber  für  die  Kichtigkeit  unserer  Annahmen 
natürlich  nicht  unbedingt  einstehen.  Leider  mussten  wir  daher  auch  von  dem  vergeblich 
angestellten  Versuche  abstehen,  die  Lauraceen  in  die  enger  begrenzten  „Florenreiche" 
einzureihen,  die  von  Schouw,  Bentham  u  A.  und  am  naturgemässesten  von  Martius  (Hist. 
Palmar.)  aufgestellt  worden  sind. 


190 


In   Amerika 

besitzen   die   einzelnen   Zonen: 

G  e  n 

e  r  a 

Tropische. 

Aussertropisch. 

endemica. 

non  endemica. 

I. 

Aequator. 

IL           III. 

Nördliche !  Südliche. 

rv. 

Südliche. 

V. 

Nördliche 

Phoebe 

5 
20 

2 

3 
3 
3 

6 

25 

6 
9 
1 

5 
3 

2 
18 

4 

4 

1 

12 

9 

2 
9 

2 

-    1 

1 

1 

1 

1 

Boldu 

Icosandra  

Adenostemum.  .  . 

Cryptocarya.  .  .  . 

Aydendrou   .... 

•"••••••»« 

1 

1 
53 

7 
10 

2 
1 

1 
3 

(1) 
0) 

26 

15 
2 
1 

33 
2 

4 
(1) 

8 

11 
1 

1 

8 
1 

1 

2 

2 
2 

Mespilodaphne   .  . 

17 

69 
6 
1 
2 

45 
8 
1 

1 
9 

1 

1 

3 

.1 

Oreodaphne .... 

Symphysodaphne  . 
Synandrodaphne    . 

Sparattanthelium  . 

Tetranthera .... 

Lindera  

Gyrocarpus  .... 

232 

105 

134 

47 

8 

Anmerkung.     Manc 
und  wurden  d? 
5  Mespilodaphi 
summe  nicht  ii 

he  Arten  kommen  sowohl  innerhalb  als  ausserhalb  der  Wendekreise  vor, 
iher  in  mehreren  Zonen  eingetragen,  so  z.  B.  4  Persea,  6  Oreodaphne, 
le,    1  Aydendron.     Es   stimmt    daher  in    diesen  Tabellen    die  Additions- 
:nmer  mit  der  wirklichen  Artenzahl  der  betreffenden  Gattung  überein. 

191 


In 

besitzen  die 


Asien 

einzelnen  Zonen: 


Genera 


Tropische. 


Aussertropisch 


endemica. 


non  endemica. 


I. 

Aequator. 


II. 

Nördlich. 


in. 

Südliche. 


IV. 

Südliche. 


V. 

Nördlich. 


Alseodaphne 


Machilus  .  .  . 
Nothaphoebe  , 
Haasia  .  .  .  . 
Beilschmiedia . 


Cyanodapbne 


Dictyodaphne . 
Bihania .  .  .  . 


Cylicodaphne 
Dodecadenia 


Daphnidium 
Polyadenia  . 


Aperula . 
Dligera  . 


Cinnamomum , 
Phoebe  .  .  . 


Apollonias    .... 
Cryptocarya.  .  .  . 


Caryodaphne  .  .  . 
Endiandra 


Tetranthera . 


Actinodapbne . 
Litsaea  .... 


Laurus 


Lindera  

Gyrocarpus  .... 


Cassytha 


35 
8 

21 
4 
8 

16 
5 
1 

18 
3 
2 
1 
7 
1 

60 

35 

32 

25 
4 


13 

1 
5 
1 


306 


14 

(1) 
6 
9 

1 


21 
6 

9 
6 
7 
1 

1 

(1) 

2 

1 


89 


17 
5 


12 

1 
1 
9 
6 
5 

1 

3 

11 


80 


Anmerkung.  Einzelne  Arten  kommen  sowohl  innerhalb  als  ausserhalb  des  Wendekreises  vor 
und  sind  daher  auch  in  beiden  Zonen  mitgezählt,  z.  B.  3  von  Cinnamomum,  3  von 
Machilus,  5  von  Tetranthera,  1  Cylicodaphne,  2  Actinodaphne,  1  Litsaea,  2  Daphnidium 
und  wahrscheinlich  noch  mehrere  andere. 


Abh.  d.  II.  Ol.  d.  k.  b.  Ak.  d.  Wiss.  X.  Bd.  I.  Abth. 


25 


192 


In    Afrika 

besitzen   die   einzelnen  Zonen: 

Genera 

Tropische. 

Aussertropisch. 

endemica. 

non  endemica. 

I. 

Aequator 

IL 

Nördlich. 

m. 

Südliche. 

IV. 

Südliche. 

V. 

Nördlich. 

Persea 

Apollonias  .... 
Cryptocaiya    .  .  . 
Mespilodaphne  .  . 

Oreodaphne  .... 

3 
1 

— 

9 
3 

2 
1 

2 

1 
1 

1 
1 

4 

— 

12 

5 

4 

In   Australien 

besitzen  die  einzelnen  Zonen: 

Genera 

Tropische. 

Aussertropisch. 

endemica. 

non  endemica. 

I. 

Aequator. 

n. 

Nördlich. 

in. 

Südliche. 

IV. 

Südliche. 

V. 

Nördlich. 

Nesodaphne .... 

Cinnamomum 

— 

— 

1 

5 
2 
5 
4 
1 
1 
3 
3 

2 
5 

1 
1 

1 

23 

— 

Cryptocaiya 
Caryodaphne 
Endiandra    . 
Tetranthera . 
Actinodaphne 

Gyrocarpus  . 

— 

— 

25 

33 

— 

Anmerkung.     Sehr  auffallend  ist  es,  dass  in  der  sonst  so  ungemein  reichen  Flora  von  Süd- 
West-Australien  (Swan  River  und  King  Georges'  Sound)  noch  keine  einzige  Lauraceen- 
Gattung   bis   jetzt    gefunden    wurde,    als    Cassytha,    und   diese   hingegen    in   vielfach 
stärkerer  Artenzahl  als  in  irgend  einem  anderen  Lande. 

193 

Unter  der  Bezeichnung  „genera  endemica"  sind  in  den  vorstehen- 
den Tabellen  alle  diejenigen  Gattungen  zu  verstehen,  deren  sämmtliche 
Arten  ausschliesslich  nur  in  einem  Welttheile  einheimisch  vorkommen.  *) 
Einige  Gattungen  erscheinen  als  beinahe  endemisch  (ich  möchte  sagen 
per  anomaliam  nicht-endemisch)  indem  ihre  Arten  bis  auf  1 — 3  durch- 
aus nur  einem  Welttheil  angehören,  so  z.  B.  die  Asiatischen  Gattungen 
Cinnamomum  und  Actinodaphne  mit  je  einer  einzigen  Australischen  Art 
(C.  pedatinervium  nob.  und  A.  multiflora  Benth.  von  den  Viti-  oder  Fejee- 
Inseln)  Persea  mit  einer  Canarischen  Art  (P.  Indica  Spr.)  und  die  so  arten- 
reiche Gattung  Oreodaphne  mit  drei  Tropisch-Afrikanischen  Arten,  die 
obendrein  noch  dubii  generis  sind.  Als  endemisch  im  engeren 
Sinne  wären  dagegen  nur  diejenigen  Gattungen  zu  bezeichnen,  die  mit 
allen  ihren  Arten  auf  ein  engeres  Verbreitungsgebiet,  auf  ein  einzelnes 
Land  oder  Florenreich,  eingeschränkt  sind,   nämlich: 


Nothaphoehe  Bl. ,  im  Indischen  Archipel 
(mit  einer  zweifelhaften  Art  aus  Assam.). 

Haasia  Bl.,  ehen  so,  jedoch  mit  1  Art 
aus  der  vorderen  Halbinsel  und  1  aus 
Ceylon. 

Nesodaphne  Hook,  fil.,  in  Neu-Seeland. 

Boldu  Feuill  | 

lcosandra  Philippi  \  in  Chile. 

Adenostemum  Pers.  I 

Cyanodaphne BL,  im Malayischen  Archipel. 

Ampelodaphne  nob.l  in  Brasilien  und 

Ajouea  Aubl.  }         Guyana. 

Silvaea  Manso,  in  Brasilien. 

Misanteca  Cham.  &  Schi.,  in  Mexiko. 

Bihan-ia  nob.,  in  Borneo. 


Nemodaphne  nob.,  in  Cuba. 
Agathophyllum  Juss.,  in  Madagascar. 
Camphoromoea  Nees,    in  Brasilien  und 

Guyana. 
Dicypellium  Nees,  in  Brasilien. 
Pleurothyrium  Nees,    in   Peru,    Maynas 

und  Columbien. 
Sassafras  Nees,  in  Nord-Amerika. 
Sassafridium  nob.,  in  Costarica. 
Symphysodaphne  Rieh.,  in  Cuba. 
Synandrodaphne   nob.,    in   Jamaica   und 

Columbien. 
Dodecadenia  Nees,  in  Nepal  bis  Bootan. 
Polyadenia  Nees,  in  Nepal  bis  Silhet. 
Sparattanthelium  Mart.,  in  Brasilien. 


Die  nachstehende  Tabelle  giebt  eine  Uebersicht  des  Antheils,  welchen 
die  einzelnen  Hauptfloren  von  Amerika  an  der  Lorbeerfamilie  haben. 
Eine  solche  Uebersicht  auch  von  den  andern  Welttheilen  zu  geben, 
erscheint  überflüssig,  da  sie  schon  in  den  Zonen-Tabellen  (S.  189,  191 
u.  192)  enthalten  ist. 


1)  Wir  zählen  zu  denselben  auch  Hufelandia.  obgleich  Nees  auch  eine  Madagascar'sche 
Avt ,  die  aber  sehr  wahrscheinlich  nicht  zu  dieser  Gattung  gehört ,  den  drei  ächten  ameri- 
kanischen Arten  zugesellt  hat. 

25* 


194 


09    C  43 

a  -  a 
ä    £ 

eä 

a 
3 

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I    1 

S  =  es 
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6 

i 

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3 

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1 

a 
< 

C3 

SS 

6 

3 

[  1.  Phoebe    .  .  . 

1 

1 

1 

3 

3 

3 

I. 
Perseaceae. 

.  .     24 

— 

8 

12 

6 

3 

1 

2 

3.  Hufelandia    . 

25 

1 

1 

1 

9 

1 

— 

— 

10 

16 

7 

1 

2 

/  4.  Cryptocarya  . 

5.  Arapelodaphne 

6.  Ajouea    .  .  . 

.       5 
.       2 
.       4 

2 
1 
3 

1 

IL 

7.  Sylvaea  .  .  . 

8.  Acrodiclidium 

1 
.       5 

5 

_ 

5 



Cryptocaryeae. 

9.  Aydendron    . 
10.  Misanteca  .  . 

.     20 

8 

6 

1 

1 

3 

— 

, 

11.  Mespilodaphne 

.     34 

6 

4 

3 

— 

1 

— 

~ ~ * 

71 

25 

10 

4 

1 

U2.  Nemodaphne 

• 

10 

~~i 

13.  Oreodaphne  . 

14.  Gymnobalanus 

15.  Strycb.nodaphn( 

16.  Camphoromoea 

17.  Nectaudra  .  .  . 

.     89 
.       3 
3  .        3 
.       8 
.     47 

13 
2 
1 
2 

11 

11 

2 

1 

18 

12 
2 
1 

15 

8 

1 

7 
16 

7 

1 

o 

i/ 

— 

— 

III. 
Oreodaphneae. 

18.  Pleurotliyrium . 

19.  Dicypellium  .  . 

20.  Sassafras    .  .  . 

.       4 
.       1 

1 

6 

2 

— 

21.  Sassafridium .  . 





1 







2 

— 

22.  Goeppertia    .  . 

.       9 

4 

1 
37 

— 

2 

164 

33 

23.  Symphysodaphi 
.24.  Synandrodapbn 

ie    — 

— 

1 

— 

— 

1 
1 

— 

35 

21 

IV. 

(25.  Tetranthera  .  . 
\26.  Lindera  .  .  .  . 

.    — 

— 

— 

— 

2 

—         1 

— 

Litsaeaceae. 

2 

— 

V. 
Gyrocarpeae. 

J 27.  Gyrocarpus    .  . 
|28.  Sparattantheliu 

m       7 

— 

1 

1 

1        o 

— 

VI.  Cassytheae. 

29.  Cassytha    .  .  . 

.      1 

1 

1 

1 

— 

— 

— 

268 

60 

57 

57 

30 

38 

6 

3 

195 


V.   Verhalten   zur   Meereshöhe. 

Die  verhältnissmässig  wenigen  Angaben,  die  wir  über  die  Meeres- 
höhe des  Vorkommens  von  Laurineen  besitzen,  und  welche  grossentheils 
mehr  auf  ungefährer  Schätzung  als  auf  wirklicher  Messung  zu  beruhen 
scheinen,  setzen  uns  nicht  in  den  Stand,  bestimmte  Gesetze  daraus  ab- 
zuleiten. Sehr  verdienstlich  sind  zwar  die  von  Dr.  J.  D.  Hooker  und 
T.  Thomson  in  Britisch-Indien  gesammelten  Data,  allein  für  die  andern 
Gebiete  Asiens  und  für  Amerika  sind  wir  nur  auf  sehr  wenige  Notizen 
beschränkt.  Die  grösste  Höhe,  auf  welcher  noch  Laurineen  vorkommen, 
scheint  für  die  Neue  Welt  ungefähr  10,000'  (Tetranthera  Neesiana,  im 
Gebiete  von  Orizaba,  etwa  19°  Nördl.  Br.)  und  für  die  Alte  Welt 
12,000'  (Daphnidium  pulcherrimum,  in  Khasya,  und  Lindera  Sikkimensis, 
in  Sikkim,  25 — 26°  N.  Br.)  zu  seyn.  Die  Mehrzahl  der  Laurineen  aber 
dürfte  wohl,  und  zwar  in  allen  Welttheilen,  auf  das  heisse  Tiefland 
und  nur  bis  zu  solchen  geringen  Höhen  eingeschränkt  seyn,  die  noch 
keine  namhaft  niedrigere  Temperatur  noch  überhaupt  eine  wesentliche 
Veränderung  des  Klimas  bedingen.  Der  Einüuss  der  Meereshöhe  hängt 
zunächst  wesentlich  von  der  geographischen  Lage  ab  und  wird  daher 
zwischen  zwei  Punkten  um  so  stärker  hervortreten,  je  weiter  diese  von 
einander  oder  vom  Aequator  entfernt  liegen.  Innerhalb  der  Wendekreise 
und  ganz  besonders  der  äquatorialen  Zone  stimmt  im  Allgemeinen  eine 
Meereshöhe  von  4 — 6000',  ja  von  8 — 10,000'  das  Klima  noch  keines- 
wegs zu  einem  temperirten  herab,  daher  wir  denn  auch  viele  der  Indi- 
schen Laurineen  vom  Meeresstrande  an  bis  zu  solchen  Höhen  sich 
erstreckend  antreffen,  wie  z.  B.  Tetranthera  laurifolia  in  Bengalen, 
Gurwhal,  Silhet  von  0 — 3000',  T.  glauca  in  Silhet  und  Sikkim  von  0 — 
4000',  T.  monopetala  in  Moulmein  und  Sikkim  von  0 — 2000',  Cylico- 
daphne  oblonga  in  Assam  und  Khasya  von  0 — 5000',  Actinodaphne 
obovata  in  Khasya  und  Sikkim  von  0 — 5000',  und  viele  andere  Arten 
(aus  den  Gattungen  Cinnamomum,  Phoebe,  Machilus,  Tetranthera,  Cylico- 
daphne,  Dodecadenia,  Litsaea,  Daphnidium)  deren  Verbreitungsgebiete 
zwischen  10  und  26°  N.  Br.  liegt,  auf  Höhen  von  3000 — 7000'  ü.  M. 
Ausserhalb    der   Wendekreise    hingegen    kommen    mehrere    Arten    auf 


196 

oder  bis  zu  beträchtlichen  Höhen  vor,  wie  z.  B.  Cinnamomum  obtusi- 
folium  in  Sikkim  von  1 — 4000',  Phoebe  glaucescens,  pallida,  angusti- 
folia  in  Nepal  von  2 — 5000',  Machilus  odoratissimus  in  Sikkim  bis  zu 
8000',  Tetranthera  elongata,  polyantha,  sericea,  Sikkimensis  in  Sikkim 
zwischen  5000'  und  9000',  Lindera  heterophylla  und  Sikkimensis  in 
Sikkim  zwischen  8  und  12,000',  also  in  Regionen,  die  in  klimatischer 
Hinsicht  mehr  oder  weniger  der  temperirten  entsprechen.  In  der 
Aequatorial-Zone  Asiens  finden  sich  Laurineen  bis  zu  ansehnlichen  Höhen, 
wie  z.  B.  in  Java  Machilus  rimosa  und  odoratissima  bis  6 — 8000', 
Daphnidium  acuminatum,  Caryodaphne  densiflora,  Beilschmiedia  Javanica, 
die  drei  Dictyodaphne  -  Arten  und  Aperula  confusa  zwischen  3000  und 
6000';  in  Ceylon  mehrere  Cinnamomum,  Haasia  oppositifolia,  Crypto- 
carya  membranacea,  Tetranthera  laeta.  Litsaea  fuscata  und  orbicularis 
zwischen  2000  und  8000'.  In  Amerika  endlich  werden  zwar  manche 
Laurineen  als  Bergbewohner  genannt,  aber  leider  meist  ohne  Höhen- 
angabe; in  der  tropischen  Zone  erreichen  einige  eine  ansehnliche  Höhe, 
nämlich  in  Mexico  die  schon  oben  erwähnte  Tetranthera  Neesiana  circa 
10,000',  Phoebe  Mexicana  3000',  in  Columbien  Persea  Mutisii,  sericea, 
ferruginea  und  macropoda  6000 — 8000',  Phoebe  Granatensis  und  Gymno- 
balanus  latifolius  und  Hufelandia  Tovarensis   5000 — 6500'. 

Durch  diese  Fakta  wird  jedoch  der  Satz,  dass  die  Lauraceen  bis 
auf  wenige  Ausnahmen  eine  hohe  und  wenig  veränderliche  Jahrestempe- 
ratur als  Lebensbedingung  fordern,  nicht  nur  nicht  umgestossen,  sondern 
vielmehr  bestätigt. 

VI.   Verhalten   zu   den   lokalen   Einflüssen. 

Ueber  die  speciellen  Standorte  und  deren  lokale  Verhältnisse  fehlt 
es  uns  bei  den  meisten  Laurineen  an  irgend  welchen  Nachrichten.  Nur 
bei  den  Brasilianischen  sind  dieselben,  besonders  von  Martius,  gehörig 
beachtet  und  gewürdigt  worden  und  es  hat  hienach  dieser  Forscher x) 
für  die  ganze  Brasilianische  Flora  eine  Reihe  von  »Regiones«  aufgestellt, 


1)  In  den  Beiblättern  zur  Flora  oder  Regensburg.  Botan.  Zeitung  für  1B37.  Band  XX,  beson- 
ders pag.  57  u.  f.,  und  dann  in  seiner  Flora  Brasiliensis  selbst. 


197 

die  zwar  sowohl  durch  ihre  lokale  Beschaffenheit,  als  auch  durch  ihren 
Pflanzenwuchs  bestimmt  charakterisirt,  aber  doch  zugleich  durch  Zwi- 
schenglieder und  Uebergänge  mit  einander  verbunden  sind,  nämlich: 
1)  die  aus  sertropische,  oder  die  Napaeae,  ein  niedriges,  ziemlich 
trockenes  und  massig  bewaldetes  Gebiet;  2)  die  Region  der  Hügel, 
Campos  und  niedrigen  Berge  oder  die  Oreades,  ebenfalls  von  mehr 
trockener  Beschaffenheit,  mit  vorherrschender  Flur-,  Gras-  und  Gebüsch- 
Vegetation  und  zerstreuten,  lichteren  Waldflecken;  3)  die  Region  der 
Bergwälder  oder  die  Dryades,  hauptsächlich  der  Küste  folgend  und 
daher  feuchter  und  mit  vorherrschendem,  dichterem  Baumwuchs;  4)  die 
trocken-heisse  Region  oder  die  Hamadryades,  und  5)  die  feucht- 
heisse  Region  oder  die  Najades,  jene  grossentheils  aus  offenem  Land 
mit  magerer,  oft  fast  wüstenartiger  Vegetation  bestehend,  diese  hingegen 
fast  ganz  mit  Urwald  bedeckt  und  die  grösste  Ueppigkeit  und  Pracht 
des  Pflanzenwuchses  entfaltend. 

Von  den  Laurineen  Brasiliens  gehören  ungefähr  gleichviel  (aber 
meist  andere)  Arten,  nämlich  je  50 — 60,  der  zweiten,  dritten  und  fünften 
dieser  Regionen,  die  übrigen  (mit  durchschnittlich  10  Arten)  den  beiden 
andern  Hauptregionen  und  den  gemischten  oder  Zwischen-Gebieten  an. 
Wir  dürfen  es  nicht  wagen,  nach  blosser  Muthmaassung  die  Vertheilung 
der  Lauraceen  auf  solche  oder  ähnliche  Regionen  auch  bei  den  andern 
Ländern  durchzuführen,  können  aber  kaum  zweifeln,  dass  das  Ergebniss 
ein  sehr  ähnliches  sein  würde. 


198 


ß  ti  c  k  b  1  i  c  k. 

Die  Hauptergebnisse  vorstehender  Untersuchungen  lassen  sich  in 
folgende  Sätze  zusammenfassen: 

1.  Die  Lauraceen  (972Species)  erscheinen  als  eine  Familie  mittlerer 
Grösse  oder  5.  Ranges  (vgl.   S.  173). 

2.  Sie  sind  über  alle  fünf  Welttheile  verbreitet  und  haben  ihr 
Maximum  in  Amerika  (447  Sp.)  und  Asien  (445  Sp.)  —  dann  folgen 
Australien  mit  56,  Afrika  mit  25  und  Europa  mit  1    Species. 

3.  Die  östliche  Halbkugel  übertrifft  die  westliche  um  60  Arten,  hat 
aber  5  Gattungen  weniger;  in  der  östlichen  macht  die  Tribus  der 
Litsaeaceae  (mit  256  Sp.)  und  Perseaceae  (149  Sp.),  zusammen  mit 
405  Sp.,  in  der  westlichen  die  Tribus  der  Oreodaphneae  (246  Sp.) 
und  Cryptocaryeae  (117   Sp.)  die  Hauptmasse  aus. 

4.  In  Amerika  sind  alle  6  Abtheilungen  (Tribus)  der  Familie 
vertreten,  während  in  Asien  und  Australien  die  Oreodaphneae  und  in 
Afrika  die  Gyrocarpeae  fehlen. 

5.  Amerika  besitzt  sowohl  absolut  als  relativ  die  grösste  Zahl  von 
Gattungen,  nämlich  32,  wovon  23  ihm  ganz  eigenthümliche. 

6.  Die  Lauraceen  sind  eine  überwiegend  tropische  Familie,  welche 
von  den  Wendekreisen  gegen  die  Pole  hin  sehr  rasch,  und  zwar  in  der 
nördlichen  Hemisphäre  mehr  als  in  der  südlichen,  an  Artenzahl  abnimmt 
und  von  der  kälteren  temperirten,  der  hoch-Alpinen  und  der  arktischen 
und  antarktischen  gänzlich  ausgeschlossen  ist.  Die  ganze  tropische 
Zone  (aller  4  Welttheile)  besitzt  907  Arten;  nach  Abzug  der  aequa- 
torialen  Zone  (mit  538)  bleiben  für  den  Rest  der  tropischen  Zone  365  Sp. 
Die  nördliche  aussertropische  Zone  hat 88  Sp. 

„    südliche  „  „      „ 85    „ 

zusammen  173   Sp. 

Bei  Ausschluss  des    äquatorialen  Antheils   (d.  h.  etwa  vom   10°  an) 

zählt  die  ganze  übrige  nördliche  Hemisphäre 282   Sp. 

„  „  „        südliche  „  ...      .     ■  256    „ 

beide  zusammen  538  Sp. 


199 

7.  In  Amerika  fällt  die  Mehrzahl  der  Arten  (406)  auf  das  Fest- 
land und  nur  41  auf  die  Inseln;  in  Asien  hingegen  auf  die  Inseln 
(310,  —  wovon  nur  24  aussertropische)  und  nur  135  auf  das  Festland. 
(Vgl.   S.  184  u.  ff.) 

8.  Alle  Species  sind  endemisch,  in  dem  Sinne,  dass  eine  jede 
nur  in  einem  Welttheile  und  meist  auch  nur  in  einem  seiner  beson- 
deren Florengebiete  vorkömmt.  Dasselbe  gilt  auch  von  der  Mehrzahl 
der  Gattungen ,  nämlich  mit  Ausnahme  von  Phoebe ,  Persea,  Apollonias, 
Cryptocarya,  Caryodaphne,  Endiartdra,  Mespilodaphne,  Oreodaphne,  Te- 
tranthera ,  Actinodaphne ,  Litsaea ,  Laurus ,  Lindera ,  Gyrocarpus  und 
Cassytha.     (Vgl.   S.    195.) 

9.  Die  Mehrzahl  der  Lauraceen  scheint  in  den  Wäldern  des  heissen 
Tieflandes  und  zwar  vorzugsweise  in  feuchten  Gegenden  zu  leben, 
dann  zunächst  im  trockeneren  Hügellande,  in  niedrigeren  Gebirgen  und 
in  schattigen  Bergwäldern  der  Küstenstriche.  In  eigentlich  alpine  Re- 
gionen scheinen  sich  nur  sehr  wenige  zu  erstrecken.  (Vgl.  S.  198  u.  ff.) 
In  der  tropischen  Zone  aber  treten  manche  in  Gebirgshöhen  auf,  deren 
klimatische  Verhältnisse  sich  denjenigen  der  Arktisch -Alpinen -Region 
nähern. 

10.  In  Beziehung  auf  die  Geschichte  der  organischen  Schöpfung 
ist  zu  bemerken,  dass  die  Laurineen  eine  der  ältesten  Pflanzenformen 
sind,  indem  sie  schon  unter  den  frühesten  Dicotyledonen ,  zwar  nicht 
unter  den  allerfrühesten  der  Kreide,  aber  doch  schon  im  Mittel-Eocen, 
und  dann  zahlreicher  in  der  Molasse  des  oberen  Miocen  auftreten 
(z.  B.  in  Oeningen),  so  dass  sie  in  den  tertiären  Waldungen  keine  un- 
bedeutende Rolle  gespielt  zu  haben   scheinen. 

Stellen  wir  schliesslich  eine  Vergleichung  der  Lauraceen  mit  an- 
deren Familien  in  Beziehung  auf  ihre  geographischen  Verhältnisse  an, 
so  finden  wir  keine,  mit  der  sie  in  so  vielfacher  Weise  und  in  so  hohem 
Grade  übereinstimmten,  wie  die  Myrtaceen.  Auch  diese  sind  von 
Europa  beinahe  und  von  der  arktisch-alpinen  und  antarktischen  Re- 
gion ganz  ausgeschlossen ,  hingegen  in  grosser  Zahl  (und  ähnlicher 
Einförmigkeit)  in  der  tropischen  Zone  Amerikas  und  Asiens  (sowohl  des 
Continents  als  der  Inseln)  concentrirt,  nächstdem  aber  in  der  südlichen 
aussertropischen  Zone  stärker  als  in  der  nördlichen,  und  ebenfalls  mehr 
Abh.  d.  II.  Ol.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  X.  Bd.  I.  Abth.  2  6 


200 

in  Australien,  als  in  Südafrika  vertreten,  u.  s.  f.  Die  Myrtaceen  weichen 
indessen  darin  ab ,  dass  sie  mit  Ausnahme  von  Eucalyptus  seltener  als 
hohe  Bäume  und  in  Australien  in  weit  grösserer  Zahl  der  Gattungen 
und  Arten  und  zwar  in  Neuholland  in  mehreren  ihm  ganz  ausschliesslich 
eigenen  Gattungen  auftreten,  während  sie  in  der  tropischen  Zone  eine 
grössere  Zahl  von  solchen  Gattungen  darbieten,  welche  sowohl  in  der  alten 
als  in  der  neuen  "Welt  vorkommen,  wie  z.  B.  Myrtus,  Eugenia,  Psidium, 
Jambosa  u.  a.  m.  Es  ist  auffallend,  dass  zwei  so  eminent  aromatische, 
übrigens  aber  höchst  verschiedene  Eamilien  wie  die  Myrten-  und  Lor- 
beergewächse ein  so  ungemein  ähnliches  geographisches  Verhalten  zeigen. 
Die  Lauraceen  verhalten  sich  übrigens  in  mehreren  der  obenerwähnten 
Beziehungen  auch  noch  mit  einigen  anderen  Familien  analog,  z.  B.  mit 
den  Araliaceen,  Piperaceen,  Aroideen,  also  mit  Pflanzen  von  höchst 
disparater  Natur,  während  sie  hingegen  mit  denjenigen  Gruppen,  die 
ihnen  in  Bau  und  Physionomie  am  nächsten  stehen,  wie  z.  B.  die  Poly - 
goneen,  Santalaceen,  Thymelaeen,  in  geographischer  Beziehung  weit  ab- 
weichen. 


Helligkeits-Messungen 

an  zweihundert  und  acht  Fixsternen. 


Angestellt   mit    dem    Steinbeil' sehen    Photpmeter 


in  den  Jahren  1852—1860 


Ludwig  Seidel  und  Eugen  Leonhard. 


26' 


Helligkeits-Messungen 
an  zweihundert  und  acht  Fixsternen. 

Angestellt  mit  dem  Steinheil' sehen  Photometer  in  den  Jahren  1852—1860 


von 


Ludwig  Seidel  und  Eugen  Leonhard. 


Die  nachf olgenden  Blätter  enthalten  die  Zusammenstellung  der  Ori- 
ginalmessungen, welche  meiner  1862  publicirten  Abhandlung  ,, Resultate 
photometrischer  Messungen  an  208  der  vorzüglichsten  Fixsterne" 
(Denkschriften  der  II.  Classe  der  k.  Akad.,  Bd.  IX.,  Abth.  III.)  zu  Grunde 
liegen,  —  insoweit  dieselben  nicht  bereits  in  der  Beilage  zu  meiner 
früheren  Abhandlung  vom  Jahre  1852  (1.  c.  Bd.  VI.,  Abthl.  III.)  ver- 
öffentlicht worden  sind,  —  und  geben  also  die  Fortsetzung  der  letzt- 
gedachten Publikation. 

Diese  mit  dem  Steinheü" sehen  Objectiv-Photometer  angestellten  Be- 
obachtungen, an  welchen  bis  zu  seiner  im  Herbst  1858  erfolgten  An- 
stellung als  Gymnasialprofessor  in  Hof  (und  in  den  Ferienmonaten  sogar 
noch  nach  derselben)  mein  verehrter  Freund  Eugen  Leonhard  auf- 
opfernden Antheil  genommen  hat,  bilden  bekanntlich  die  erste  und  zur 


204 

Zeit  noch  die  einzige  Messungsreihe,  welche  die  Sterne  der  Einen  Hemi- 
sphäre bis  zu  einer  bestimmten  Helligkeit  herab  (nehmlich  einschliess- 
lich der  Argelander' sehen  Classe  3.4)  systematisch  und  vollständig  um- 
fasst,  während  sie  auch  die  hellsten  bei  uns  sichtbaren  der  südlichen 
Halbkugel  und  eine  Anzahl  von  schwächeren  der  nördlichen  (darunter 
den  grössten  Theil  der  Argelander'schen  Sterne  4.3)  mit  aufgenommen 
hat.  In  Betreff  der  grossen  Mehrzahl  der  beobachteten  Objecte  sind 
also  ihre  Data  für  die  Zukunft  die  älteste  aus  wirklicher  Messung  her- 
stammende Quelle :  ein  Umstand,  der  ihre  Bedeutung  nothwendig  erhöht, 
und  häufiger,  als  wohl  sonst  der  Fall  eintreten  würde,  Anlass  geben 
mag,  auf  diese  Aufzeichnungen  zurückzugreifen.  Ich  glaube,  dass  hier- 
durch die  Veröffentlichung  durch  den  Abdruck  motivirt  ist,  auch  ohne 
dass  es  nöthig  wäre,  sich  auf  den  in  dieser  Hinsicht  sehr  weit  gehenden 
Usus  der  modernen  Astronomie  zu  berufen. 

Aus  meiner  Eingangs  citirten  Arbeit  ist  den  Fachmännern  bekannt, 
dass  unter  den  208  von  uns  photometrisch  bestimmten  Fixsternen  etwas 
mehr  als  der  dritte  Theil,  nehmlich  72  l),  in  ein  grosses  Netz  gezogen 
worden  sind,  dessen  Glieder  wir  durch  möglichst  zahlreiche  directe  Ver- 
gleichungen  einzelner  Sternpaare  sehr  vielfach  verbunden  haben;  das 
Verzeichniss  dieser  Sterne  findet  sich  p.  (463)  45  der  gedachten  Ab- 
handlung, und  als  Register  über  ihre  Beobachtungen  dient  die  Zusammen- 
stellung daselbst  p.  (513)95  —  (536)  118;  für  die  übrigen,  deren  Hellig- 
keiten nur  durch  je  Einen  Vergleichsstern  bestimmt  und  an  das  Ganze 
der  Beobachtungen  angeknüpft  sind,  gibt  die  Tafel  p.  (553)  135  ff.  (wenn 
man  will ,  zusammengehalten  mit  dem  alphabetischen  Catalog  p.  (604) 
186  dortselbst)  den  Nachweis  der  Journal -Nummer  der  betreffenden 
Messung.  2) 

Ueber  unser  Beobachtungslokal  auf  dem  nordwestlichen  Eckthurme 


1)  Inzwischen  noch  ein  paar  mehr. 

2)  Will  man  z.B.  für  A  Orionis  die  Originalbestimmung  nachsehen,  so  gibt  die  alphabetische 
Tafel  für  diesen  Stern  den  Helligkeitslogarithmus  8.642,  und  neben  dieser  Zahl  findet 
man  p.  137  bei  dem  Namen  des  Sterns  die  Nummer  626  seiner  Messung,  nehmlich  der 
Vergleichung  vom  11.  März  1860  mit  ?  Orionis,  welcher  letztere  zu  den  Sternen  unseres 
Netzes  gehört,  und  (wie  p.  113  f.  ersichtlich)  im  Ganzen  durch  9  Beobachtungen  bestimmt 
ist,  welche  ihn  in  directe  Verbindung  setzen  mit  8  verschiedenen  anderen  Sternen  des  Netzes. 


205 

des  Wilhelminischen  Gebäudes,  sodann  über  das  Instrument,  die  Art 
seiner  Benützung  und  die  Regel ,  nach  welcher  aus  den  unmittelbaren 
Ablesungen  das  Ergebniss  der  einzelnen  Messung  abgeleitet  wird,  ent- 
halten meine  verschiedenen  älteren  Veröffentlichungen  jeden  erforder- 
lichen Nachweis.  In  Betreff  des  zuletzt  gedachten  Punctes  beziehe  ich 
mich  namentlich  auch  auf  das  Zahlenbeispiel  in  §.  3  meiner  „Unter- 
suchungen^über  die  Lichtstärke  der  Planeten  Venus,  Mars,  Jupiter  und 
Saturn,"  abgedruckt  in  den  Monumentis  saecularibus  der  Akademie  von 
1859.  Was  sonst  noch  zum  Verständniss  der  Copie  des  Beobachtungs- 
journales  erforderlich  ist,  wird  in  den  ihr  vorangestellten  Erläuterungen 
besprochen.  Keine  Vergleichung  zwischen  zwei  Fixsternen  ist  in  dieser 
Copie  unterdrückt;  die  in  der  Reihenfolge  der  Nummern  ausgelassenen  Be- 
obachtungen betreffen  Körper  des  Sonnensystems.  Keine  Journalnummern 
führen  die  zur  Ermittlung  des  Durchsichtigkeitsverhältnisses  der  Gläser 
regelmässig  angestellten  Vergleichungen  eines  leuchtenden  Objectes  mit 
sich  selbst;  als  nothwendig  für  die  Reduction  der  Fixsternbeobach- 
tungen sind  diese  hier  wiedergegeben,  auch  wenn  sie,  wie  des  ruhigen 
Lichtes  wegen  häufig  geschah,  an  Planeten  gemacht  sind.  (Ueber  sie 
vergleiche  speciell  §.  2  meiner  am  Eingange  erwähnten  neuesten  Ab- 
handlung.) 

Seidel. 


206 


Erläuterungen. 


Die  zu  jeder  Sternvergleichung  gehörigen  Aufzeichnungen  sind  in 
drei  Columnen  geordnet ;  in  der  ersten  die  Uhrzeit  (welche  durch  alge- 
braische Beifügung  der  bei  dem  Tage  angesetzten  Correction  der  Uhr 
„C.  d.  U."  verwandelt  wird  in  Münchner  mittlere  Zeit);  in  der  zweiten  die 
Ablesung  des  Schlittens,  der  die  Objectivhälfte  A  trägt  (in  Pariser  Li- 
nien, deren  Zehntel  geschätzt  sind,  an  einer  Scala  von  willkührlichem 
Nullpunct),  und  in  der  dritten  die  ähnliche  Ablesung  für  Schlitten  B. 
Von  den  beiden  verglichenen  Sternen  ist  immer  derjenige  voran  ge- 
nannt, welcher  durch  die  Gläser  (Prisma  und  Objectivhälfte)  A  gesehen 

wird. 

Bei  den  Vergleichungen  eines  Sternes  mit    sich  selbst,    welche    zur 

Elimination  des  Einflusses  verschiedener  Durchsichtigkeit  der  Gläser  ge- 
macht sind,  fällt  die  Notirung  der  Zeit  als  überflüssig  weg. 

Mit  Ausnahme  von  ganz  wenigen  zufällig  unterbrochenen  Beobach- 
tungen zerfallen  die  zu  einer  jeden  gehörigen  Aufzeichnungen  in  zwei 
durch  eine  leer  gelassene  Zeile  getrennte  Sätze;  der  Eine  enthält  die 
Einstellungen  „über  dem  Bild"  (d.  i.  bei  Verkürzung  des  Fernrohres 
gemacht),  wo  die  Ablesung  beider  Schlitten  kleiner  als  60  sind,  der 
Andere,  für  welchen  die  Zahlen  beiderseits  grösser  als  60  sind,  die 
Einstellungen  ,, unter  dem  Bild"  (d.  i.  bei  Verlängerung  des  Fernrohres 
gemacht). 

Diejenige  Stellung  des  einen  oder  anderen  Schlittens,  in  welcher 
die  betreffende  Objectivhälfte  den  Stern  möglichst  deutlich  als  Punct 
zeigt,  findet  sich  sehr  häufig  angemerkt  und  zwar  mit  der  Bezeichnung: 
,,Bild."  Sie  ist  nicht  ganz  unveränderlich,  weil  das  Ocular  des  Fern- 
rohres in  ein  besonderes  Rohrstück  eingesetzt  ist,  welches  in  dem 
Hauptrohr  verschiebbar  ist,  und  bei  anhaltendem  Gebrauch  des  Instru- 
mentes seine  Stellung  durch  ein  langsames  Gleiten  verändert;  die  jedes- 
malige Stellung  dieses  „Ocular -Stutzens"  kann   an   einer   besonderen  in 


207 

Pariser  Linien  getheilten  Scala  abgelesen  werden,  und  findet  sich  öfter 
bei  der  Angabe  des  Orts  des  Bildes  mit  angeführt;  ihre  Zahlen  wach- 
sen, wenn  der  Ocular-Stutzen  herauswärts  gezogen  wird;  der  Nullpunct 
ist  auch  hier  ein  willkührlicher.  —  Für  die  Berechnung  der  Beobach- 
tungen ist  übrigens  die  Kenntniss  des  Orts  des  Bildes  nur  in  seltenen 
Fällen  nothwendig,  weil  man,  wenn  auf  beiden  Seiten  desselben  („über" 
und  „ unter"  ihm)  beobachtet  ist,  das  Helligkeitsverhältniss  besser  aus 
den  ganzen  Verschiebungen  ableitet,  welche  die  beiden  Objectivschlitten 
von    der  Einen   Seite  bis   zur    anderen    erhalten  haben. 

Wenn  ein  Stern  von  hinreichender  Helligkeit  mit  einem  bedeutend 
schwächeren  verglichen  ist,  so  findet  sich  gewöhnlich  der  Schlitten, 
welcher  die  den  helleren  zeigende  Objectivhälfte  trägt,  bis  an  das  Ende 
des  Schlitzes  verschoben ,  in  welchem  er  läuft.  In  diesem  Falle  ist  in 
der  betreffenden  Columne  statt  einer  Zahl  ein  Strich  ( — )  gesetzt;  die 
Zahlenablesungen,   welche  dieser  Strich  vertritt,   sind  folgende: 

Objectivschlitten  A.  Objectivschlitten  B. 

Beobachtung  über  dem  Bild:      15,98  15,  9<S. 

„  unter  dem  Bild:    109,17  109,23. 

Während  der  wiederholten  Einstellungen ,  welche  auf  Einer  Seite 
des  Bildes  auf  gleiche  Helligkeit  der  zwei  Lichtflächen  gemacht  sind, 
behält  fast  immer  der  Eine  der  beiden  Schlitten  seine  Stellung  unver- 
rückt bei.  Dieselbe  ist  dann  nicht  zu  jeder  neuen  Einstellung  des  an- 
dern Schlittens  auf's  Neue  abgelesen  und  angeschrieben,  sondern  findet 
sich  nur  neben  der  ersten,  oder  (was  bei  den  neueren  Beobachtungen  die 
Regel  ist)  neben  der  ersten  und  wieder  neben  der  letzten  Ablesung  des 
zweiten  Schlittens  notirt.  Die  beiden  Ablesungen,  welche  im  letzteren 
Falle  angeschrieben  sind,  können  um  1  oder  2  Zehntel  einer  Linie  ver- 
schieden sein,  obgleich  sie  sich  auf  dieselbe  Stellung  des  Schlittens  be- 
ziehen; diese  Differenz  rührt  von  der  nicht  ganz  übereinstimmenden 
Schätzung  der  Zehntels-Linien  her. 

Wenn  die  Lichtfiäche  des  Einen  Sternes  dadurch  verkleinert  wor- 
den ist,  dass  durch  theilweise  Schliessung  des  zu  seiner  Objectivhälfte 
gehörigen  „Quadratschubers"  die  Oeffnung  dieser  Hälfte  verengt  wurde, 
so  ist  dies  durch  das  Zeichen  D  angezeigt.  Wenn  dasselbe  in  der  Co- 
lumne ohne  eine  darin  vorausgehende  Zahl  allein   steht,  so  befindet  sich 

Abh.  d.  II.  Cl.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  X.  B.  I.  Abth.  2  7 


208 

der  zugehörige  Objectivschlitten  an  der  Grenze  seiner  Verschiebbarkeit. 
Ist  die  Oeffnung  besonders  stark  verengt  worden ,  so  ist  das  Zeichen 
DD  gesetzt.  Das  Zeichen  §  bedeutet,  dass  der  vorher  theilweise  ge- 
schlossene Quadratschuber  wieder  ganz  geöffnet  worden  ist. 

Die  Zeichen  >  oder  <  finden  sich  den  Ablesungen  dann  beigefügt, 
wenn  nach  dem  augenblicklichen  Gefühl  des  Beobachters,  welcher  die 
Einstellung  machte,  die  eingestellte  Zahl  eher  zu  gross  als  zu  klein  (im 
ersten  Falle),  und  eher  zu  klein  als  gross  (im  zweiten)  sein  möchte.  — 
Da  diese  Zeichen  doch  nur  dann  gebraucht  worden  sind,  wenn  der  Be- 
obachter eine  Verrückung  des  Schlittens  auf  eine  andere  Zahl  immer- 
hin für  misslich  hielt,  so  haben  die  Ablesungen,  bei  welchen  sie  stehen, 
in  meiner  Reduction  dasselbe  Gewicht  erhalten  wie  die  übrigen. 

Die  beigefügten  Anfangs-Buchstaben  der  Namen  der  beiden  Beob- 
achter, s  und  1,  unterscheiden  die  Einstellungen  eines  jeden  bei  den  ge- 
meinschaftlich angestellten  Messungen. 

Die  Bemerkungen,  welche  im  Original-Journal  über  meteorologische 
Umstände  beigefügt  sind,  wurden  da,  wo  sie  unnöthig  weitläufig  schienen, 
in  vorliegender  Copie  gekürzt,  so  dass  sie  sich  hier  nicht  immer  wört- 
lich, aber  doch  getreu  dem  wesentlichen  Inhalt,  wiedergegeben  finden. 
Ebenso  wurden  manche  ausführlichere  Notizen,  die  im  Journale  über  die 
Constellationen  um  die  beobachteten  Sterne  etc.  beigefügt  und  zum  Theil 
mit  Figuren  erläutert  sind,  hier  weggelassen,  soferne  über  die  Identität 
dieser  Sterne  kein  Zweifel  mehr  bestehen  kann;  diese  Notizen  wurden 
ursprünglich  von  dem  unter  den  kleineren  Sternen  noch  nicht  genug- 
sam orientirten  Beobachter  nur  beigefügt,  um  sich .  nachträglich  mit 
mehr  Müsse  die  erforderliche  Sicherheit  zu  verschaffen ,  dass  der  rich- 
tige Stern  sich  im  Rohre  befand;  wo  dieser  Zweck  erreicht  ist,  haben 
sie  keine  weitere  Bedeutung. 


209 


1852  März  7. 


C.  d.  U.  =  0m 


Nachmittag  und  Abend  ganz  reine  Luft. 
Nach  (•)  Untergang  starker  schwarzer  Dunst 
am  Horizont  in  S.  und  S\V.  ,  der  sich  später 
wieder  verliert. 


Nr. 

112      Sirius   und  Capella. 

8U     8m 

□  36  7  s 

10 

36.8  1     Mondhelle     fängt    an 

merklich  zu  werden. 

12 

□  83  2  s 

14 

86.6  1     Sirius  flammt  etwas. 

15 

86  6  s 

IG 

86  2  1 

Capella  mit  sich   selbst  verglichen. 
12h   QQrn      i£  flammt  etwas.    Heller  Mondseh. 


26.6 
24.2 

25.85 
25.8 

s 
1 
s 

1 

23.7 

103.5 
102.3 

s 

1 

102.4 

103.6 

1 

102.4 

Nr.  114      Wega  u.  Capella. 
12h  52m   98.45     93.9     s     W.  flammt  zieml.  st. 


13       0 


14 


91.4  1 

94.15  s 

90.7  1 

93.7  s 

91.1  1 


C.  flammt  jetzt  auch. 


27.6 


20 


23.7  : 
19.0  <  1 
24.2  >  s 
21.9     1  27.6 


1852  März  8. 


C.  d.  XJ.+  0m,9. 


Prachtvolle    Nacht.      Viel    weniger    Hori- 
zontal-Dunst als  gestern. 


Nr.  119. 

7k   58m 


Rigel  und  Capella. 


24.4 


11 

13 


27.4  s 
29.3  1 
28.2  s 
30.0  >  1 


100.8     s       102.7 
99.9  <  1    102  7 
98.0     s 
99.7     i 


Nr. 

120. 

Beteigeuze  und  Capellm. 

8l>    20' 

n 

90.9     s 
95.3     1 

— 

24 

90.9     s 
92.3     1 

26 

88.4  <s 
91  7     1 

D 

30.3  <  s 

— 

36 

30  2     1 

38 

32.1  >s 

41 

31.8     1 

Procyon   mit   sich. 

23.6  ">  i 

i     21.4 

23.6     1 

20.9     s 

206     1 

102.9  <  s 

104.7 

103.9     1 

104  7 

102.4    s 

104.6     1 

1852  März  9.  C.  d.  IT.  +  lmi. 

Nr.  122.     Sirius  und  Capella. 
7h   15m  5       _  39.ß     3 
D  39.2  > 

36.0    Farbe  stört. 
36.7 
21  37.3 

—  86.3  < 
86.0  > 
25  85.8  > 

84.6 


Nr. 
16 


124. 


Procyon  und  Capella. 

33.9  >  s  28.5 
32.4  1 
Beobachtung  muss  abgebrochen  werden, 
weil  das  Licht  Procyon's  plötzlich  geschwächt 
wird.  Dunst  und  Höfe  um  die  ^fj^f;.  Orion 
fast  glanzlos.  —  (Vorher  war  nichts  Verdäch- 
tiges bemerkt ;  (•)  Untergang  war  wie  gestern.) 


Sirius  mit    sich 

Das   Licht   des    $i   wechselt    beständig    in. 

Folge  des  Zustandes  der  Luft.) 

19.3  s 

21  4  1 

22.3  s 

20.8  1 


19.7 


19.7 


27; 


210 


93.4 

104.9 
102.2 
105.0 
104  4 
106.8 


104.2 


A.  B. 

62.25     1         61.9 
61.5       s         61.4 

Wolkenbildung  beginnt. 


Bild: 


1852  März  12. 


C.  d.  U.  +  3m,8. 


Nr.  126.    Procyon  und    Capella 
7h    54m  24.3     s       19.2 

Gleich  darauf  Capella  nicht  mehr  sicht- 
bar. Zustand  des  Himmels  war  schon  vorher 
etwas  verdächtig  erschienen  wegen  Spuren 
von  Höfen  um  die  tfc  ^  deren  Dasein  jedoch 
nicht  ganz  sicher  constatirt  werden  konnte. 

Rild:     60  8     s  61.2 


Sirius  mit  sich. 


32.7     s 
32.9  < 

93  3 
95.9 


31.3  Wallt  sehr  st, 


95.9 


Um  8h  8m  Alles  bedeckt.  (Am  Nachmit- 
tag und  Abend  ,  bis  nahe  au  (•)  Untergang 
oder  noch  länger,  war  der  Himmel  bedeckt 
Erst  um  71/*  Uhr  war  der  Beobachter  über- 
rascht, ihn  hell  zu  finden.) 


1852  März  14.  C.  d.  U.  +  5m,  5. 

Tag  heiter,  aber  sehr  kalt 
Nr.  128.     Procyon   und    Capella. 
7h    5im 


20.6 
23.6 
21.8 
23.5 
22.2 
223 


Sehr  schön  ruhig. 


102.4  >  s 
104.6     1 
103.4  >  s 
103  3     1 


Nr. 

129. 

Big 

el   und  Capella. 

gh     12m 

99.4 
103.7 

98.7 
101.2 

97.3 

99.6  j 

s       103.3  R.  wallt  etwas. 

1 

<  s 

1      R   grünlich.  C.  gelb- 

s                           röthlich 
|«t  1   103.3 

29 

24.1 
20.0 
22.4 
23.4 
21.2 

s         18.8 
1 
<  s 

1     gut 
1       18.75 

C; 

1  p  e  1 1 : 

i    mit    sich. 

103.7 
104.7 
102.4 
100.1 

1        104.8 

s 

1 

s 

19.4 
18.8 
19.3 
19.6 

s       19.35 

1 
s 
1 

1852  März  18.  C.  d.  ü.  +  5n>,5. 

Tag  ganz  wolkenlos  ,  Himmel  für  die 
Jahreszeit  sehr  tiefblau.  Nach  (•)  Untergang 
unten  am  Horizont  schwarzrothe  Nebelwolken 
und  etwas  höher  hinauf  schwarzer  Dunst,  der 
sich  gleich  jenen  mehr  und  mehr  verliert. 
Ausgezeichnet  schöne  Nacht. 

Nr.  133.     Sirius   und  Capella. 


7h    37m 


38  0  > 
35.0  s 
37.3     1 


35.8 
36  8 


1 


45 


—  87  85  s 

□  S8.4    1 

89.0     s 

88.4     1 


1     Beide  sehr  ruhig. 

Färb  -  Unterschied 

stört  sehr. 
(Violet  und  gelb.) 


gut 


81» 


Nr. 


134.     Rigel   und  Capella. 

96.2  s       101.4 

96.8  1 

92.2  s 

95.4  s 


14 


22.5  s 

24.6  1 
22.9  s 
21.2  1 


18  7 


211 


Nr.  135.     Procyon  und    Capeila, 


8h    18m 

23.8 

s 

18.7 

23.4 

1 

gut.       Die    Fixstern- 
Vergl.     gehen 

08.1 

s 

103.7  heute  vorzügl. 

99.9 

1 

gut  wegen  des 

97.6 

s 

ganz    ruhigen 

30.5 

98. 4 

1 

Lichtes. 

Nr. 

137. 

Regu 

lui 

i   und    Capella. 

gh     5  in 

32.4 

8 

D 

31.6 

1 

31.9 

s 

34.0 

1 

90.8 

s 

D 

89.8 

1 

91.2 

s 

90.3 

1 

18.5 

P 

rocyon    mit    sich. 

96.9 

s 

102.4 

104.5 

1 

100.2 

s 

106,2 

1  Nach  dem  Urtheile  von 

102.0 

s 

s  ist  in  dieser  Stel- 

101.7 

1 

lung  das  /\  um  et- 
was, aber  nicht  um 
viel,  zu  dunkel. 

21.2 

s 

19.4 

21.0 

1 

210 

s 

19.1 

1 

1852  März 

19. 

C.  d.U.-f  5^,5. 

Nicht  völlig  so  schön  wie  gestern.  Tag 
hell;  gleich  nach  (•)  Untergang  bilden  sich 
Wolken,  besonders  in  Ost,  die  sich  nach  kaum 
einer  halben  Stunde  rasch  wieder  auflösen. 

Nr.  139.     Beteigeuze  und  Aldebaran. 


38'" 


52 


103.7 

s 

102.8 

1 

101  6 

s 

103.8 

1 

22.3 

s 

21.0 

1 

19.9 

s 

22.3 

1 

99.6 


24.2 


Nr.   140. 

Beteigeuze  u 

im 

29.3     s     — 

340  >  1 

32.8     s     gut 

34.0     1 

31.7  <  s 

32.2     1 

89.4     s     — 

92.3     1 

21 


92.9     1 
90.4  <T  s 
89.9     1 


Mars 

mit 

sich. 

100.2 
103  3 
100.3 
101  5 

s 

<  1 
s 

1 

102.0 

20.0 
21.9 

23.5 
23.5 

s 

1 

s 

<  1 

20.1 

1852  März  20.  C.  d.  ü.  +  7m,4. 

Tag  war  ganz  hell. 

Nr.  145.     Sirius  und  Capella. 

8h    5im  _  88.7  >  s 

86.9     1 

S.  flammt   sehr  st. 


61 


86.1 

s 

88.8 

1 

87.1 

s 

89.4 

1 

—  35.0 

s 

35.6 

1 

35.4 

s 

37.8 

1 

34.4 

s 

36.1 

1 

Procyon    mit    sich. 

23.3  s  20,4 

22.6  1 

23.25  s 

22.3  1 

101.6  <  s     105.2 
106.4     1 
105.4     s 


212 


Bild: 


105.6 

1 

105.2 

104.1 

s 

104.3 

1 

A. 

B. 

02.0 

1 

61.9 

61.0 

s 

61.1 

62.3 

1 

61.8 

612 

s 

60.7 

62.6 

1 

61.8 

60.9 

s 

60.9 

1852  März  22 


Cd.  ü.  -f  10m,7. 


Heute  der  Würfel  mit  den  Prismen  abge- 
schraubt, die  Gläser  möglichst  gut  von  Staub 
gereinigt,  dann  die  Prismen  neu  berichtigt. 
Luft  heute  sehr  gut. 

Nr.   148.     Rigel  und  Capella. 

7^    55m             101.8  s  — 

100.4  1  R.  flammt  etwas. 

98.2  s 

99.1  1  gut 

22.1  s     — 

20.4  1 

21.4  s 

8     6  ungefähr.  23.6  1 


Nr.  150.     Polarstern  und  Aldebaran.- 
29.5 


47 


95.7 

s 

98.3 

1 

96.7 

s 

95.0 

1 

30  7 

8 

_„ 

29.6 

1 

31.4  < 

3 

28.7 

> 

1 

29.4 

S 

29.3 

1 

Capella 

mit 

sich. 

22.2 

s 

22.1 

24.0 

1 

22.6 

s 

23.7 

1 

22.4 

s 

24.6 

1 

24.8 

1 

22.0 

105.6  1 
103.4     s 
105.9     1 
103.0  >  s 
106.3     1 

105.7  s 


105.4 


1852  April  13. 


C.  d.  U.  +  2m,3. 


Nr.  154.     Sirius   und   Capella. 

Schwierig  einzustellen,  wegen  Verschieden- 
heit der  Farbe  und    starken   Wallens   von  Si- 
rius. 
7h    54m        _     90.6     s 
91.0    1 

—  34.1  1 
34.25  s 
34.3  s 
34.3    1 

—  90.0  >  s 
8       3                  90  7  <  1 

Bei  zunehmender  Dunkelheit  werden  jetzt 
die  ifi  $i  des  Hundes ,  beträchtlich  unter  Si- 
rius, gut  sichtbar. 


Nr.  155.     Aldebaran  und  Capella. 

10  85.9  >  s     — 

87.4  gut  s 
83.7  <  s 

86.6     1       A.  flammt  etwas. 

NB.     48.4  <T  s  —    NB.  Statt  48  ist 
NB.     48.3    1       ohne  Zweifel  zu  le- 

40.0     s      sen  38. 

37  6    1      Nach  der  3.  Ablesung 

41.5  s      (40,0)  dies  bemerkt. 
36                  40.3  >  1 

Wenn  versuchsweise  Schlitten  A  auf  48 
gestellt  wird ,  ist  das  Lichtphantom  von  Al- 
debaran viel  zu  hell. 

Sehr  schöne  Nacht. 


1852  April  16.  Cd.  17+  lm,6. 

Nr.  157.     Sirius  und  Cape.Ha. 

8h    14m       _     33.4  s 

34.3  1     Zunehmendes  Wallen 

32.5  s         von  Sirius. 

32.9  1 


213 


—     92.3  s 

93.7  1 

95.4  s 

92.9  1 

Unter  Sirius  sind  ^  %  von  nur  der  halben 
Höhe  gut  sichtbar.  So  auch  Rigel,  der  noch 
weniger  als  halbe  Höhe  hat. 


Mars  mit  sich. 

21.7  s         22.6 

23.7  1 

24.7  s 

23.3  1         22.6 

101.2  <  s   101.9 

101.7  1 

102.3  s 

101.8  1        101.9 


Nr.  159.     Wega  und  Capeila. 
(Beobachter  s  allein.) 

Hh    23"      —     1003 

98.7 

97.8     C.  flammt  ungemein  st. 

97.6 

—    25.9 
25  4 
28,0  < 
38  27.6 


Nr.  165a.     Capeila    und    Arcturus. 


Bild:     (Jupiter)  61.0 


60.7 


1852  April  17.  C.  d.  U.  +  9m,2. 

Nr.   163,     Sirius    und   Capella. 

7*    50.5       —     34.2  s 

35.2  >  1 

37.8  s 

35.4  1 

328  s 

Das  Flammen  von  Sirius  sehr  störend. 

—     91.3  s 

92.2  1 

90.0  s 

8       0  92.0  1 


8h    48m 


98.6  1       101.4 

99.3  s 

100.4  1 
99.1 


8    59 


20.2  1 

20.9  s 

21.4  1 

21.5  s 


101.3 
18.9 


Nr.  165b.     Arcturus  und  Capella. 


9t    8m 


28 


25.6     s 

23.0 

25.4     1 

22.9     s 

23.6     1 

101.0<    s 

102.5 

105.1     1 

102.7     s 

104.3     1 

101.9     s 

103.8     1 

102.4 

Nr.  168.     Spica  und  Arcturus. 


12h    öiiii 


13     13 


92.9     s     - 
96.2     1 
91.6  <  s 
95.9     1 

93.4  s 

97.2  1 

29  0     s 
32.6  <  1 

28  0     s 

30.3  1 

29.5  s 
30.3     1 


Diese  Vergleichung  ist    durch    die   rothe 
Farbe  des  Arcturus  sehr  erschwert. 


1852  April  21. 


C.  d.  U.  —  lm,o. 


Nr.  173. 
11h    58m    97.8 


Wega    und    Arcturus. 


94.8     s 

94.2     H  *      Mit    H    sind    die 
93.1     s       Einstellungen  eine3 
93.4    s      besuchenden  Freun- 
des (Professor  Harless)   bezeichnet.     [Bei    der 
Reduction    sind    dieselben    nicht    mit    aufge- 
nommen.] 


214 


12     11 


24.G      26.6  s 

22.8  H 

26.4  s 

25.3.  s 

24.5      28.7  H 


Heute  etwas  starker  Dunst  am  Horizont. 


1852  April  22. 


C.d.U.— 0m,8. 


Nr.  178.      Procyon    und    Capeila. 

Sli    48m  26.3  s         21  7 

25.5  1 

27.5  s 

24.8  1 

96.0     s       101.3 
96.0     1 
95.7     s 
100.3     1       zu  gross,  wie  nach- 
94.0  <Z  s  her    erkannt.     [Ge- 
9     12  96.7     1      wicht  V*  bei  der  Re- 

ductil 


Mars   mit    sich. 

27.3  >  s     23.6 

22.4  1 
25  3     s 

24.7     1 

99.5  s       101.6 
100.4     1 

100.0     s 
100.9     1 

Zuletzt  werden  die  Einstellungen  schwie- 
riger für  heide  Beobachter,  wahrscheinlich 
wegen  Ermüdung  der  Augen. 

(Es  sind  vorher  auch  Beobachtungen  an 
Planeten  und  am  C   gemacht.) 


1852  Mai  15.  C.  d.U.  —  3m,4. 

Prächtige  tief  schwarze  Nacht. 

Nr.  187       Spic^i    und    Arcturus. 

12ii    cm  31.2     s     — 

28.3     1    gut 
30.3     s 
30.6     1 

Sp.   flammt   etwas. 


94.9  s     — 

95.6  1 

92.2  s 

90.8  1 


Nr.    188.     Wega    und    Arcturus. 
Farbeunterschied  stört  heute  sehr  wenig. 


12h    27m 

24.1     27.9 

s 

27.4 

1 

gut 

28  1 

s 

28.3 

1 

100.3     92.3 

s 

95  6 

1 

944 

s 

12     45 

93.5 

1 

93.4 

1 

Arcturus  mit   sich. 

22.8 

s 

213 

21.2 

1 

22.4 

s 

218 

1 

24.2 

s 

. .  .  ("schnell  gemacht.) 

22  1 

1 

21.2 

100.9 

s 

102.4 

102.4 

1 

100.3 

s 

102.3 

< 

1 

103.6 

s 

101  4 

1 

102.4 

Nr.   190.     Antares   und   Arcturus. 


13     43 


14       0 


42.4     s 

— 

41.3     1 

43.2     s 

413     1 

s  flammt 

sehi 

81.4     s 

gut 

81.0     1 

81.4     s 

n 

S1.6     1 

215 


1852  Mai  18.  C.  d.  U.  +  7^,0. 

Feuchte  Luft.  —  Wetterleuchten  in  W. 
Wolkenbänke  fast  rings  am  Horizont;  vor 
der  nachstehenden  Beobachtung  rücken  Wol- 
ken von  N.  rasch  bis  in  die  Gegend  von  Cas- 
siopeja  und  dem  Schwan,  ziehen  sich  aber  wie- 
der zurück.  Himmel  tief  schwarz.  Sterne 
glanzvoll  und  funkelnd. 

Nr.  194.     Spica  und  Arcturus. 
Sp.  flammt  ausserordentlich  stark.       Auch 
Arcturus  etwas.     Unter  der   Jungfrau   ist  der 
Horizont  freier  als  in  anderen  Azimuten. 


11h    4im.5 

30.7 

s     - 

30.6 

1 

32.8 

s 

34.2 

1 

35.2 

:  :  s 

[Halbes  Gewicht  b. 

32.3 

1 

der  Reduct.] 

Das  Flammen  von  Spica  nimmt  immer 
mehr  überhand  und  lässt  kaum  einen  Moment 
etwas  ruhig. 

78.7     s     — 

89.0*)  1       Gegend  von  Spica 
12       0  85.2     s  wird    jetzt     ver- 

dächtig. 

*)  1  findet  nachher  Sp.  bei  dieser  Stellung 
viel  zu  dunkel. 

Weniger  als  eine  Secunde  nach  der  letzten 
Einstellung  ist  Sp.  verdeckt  durch  ein  losge- 
rissenes Wölkchen,  welches  vom  Löwen  her- 
über zog.  Nach  3  Minuten  ist  sie  wieder 
frei.  [Die  3  Einstellungen  unterm  Bild  b 
der  Reduction  ausgeschlossen.]*) 


Jupiter  mit  sich. 
Ganz  ruhiges  Licht. 


105.3 

1 

103. 

7 

104  2 

s 

Das  von  Pris- 

105.4 

1 

ma  B  erzeugte 

105  2 

s 

Bild   ist  mehr 

104.3 

1 

röthlich.    von 

104.2 

s 

103.6A  n:   In-    M-:'mi- 

lieh. 

*)  Die  Ablesung  des  Bildes  war: 

für  s:     61.20  60  89 

„     1:     62.20  61.64 

Abh.  d.  II.  Cl.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  X.  Bd.  I.  Abth. 


19.7  1 

21.4  s 

20.6  1 

23.9  > 

234  1 

20.0  s 

21.1  1 
23.6  s 


21.1 


21. 


1852  Mai  21. 


C.  d.  U.  +  2m,5. 


Nach  (5)  Untergang  etwas  Regen,  und 
fernes  Gewitter.  Zwischen  9  und  11  Uhr 
wird  der  Himmel  hell.  Unten  am  Horizont 
ferne  Wolken.     Wetterleuchten  in  NW. 

Arcturus   mit  sich. 


99.6 

1 

97  3 

96  3 

s 

98.4 

1 

98.0 

s 

98.7 

1 

94.6 

s 

97  2 

20.7 

1 

21.6 

23.2 

s 

21.8 

1 

21.8 

s 

D 

22.4 

1 

D 

21.4 

D  s 

§ 

21.3 

Ül 

gut. 

Nr.  196. 

Arcturus 

und   Wega. 

12h    13m 

26.4 

s 

21.6 

27.2 

1 

24.6 

s 

25.2 

1 

94.8  <  s 

102.0 

96  2 

1 

29 

968 

96.85 

s 

■  1 

Luft  scheint    äussert  klar.     Himmel    ganz 
voll  kleiner  ^  %. 


1852  Oktober  14.      C.  d.  U.  —  17^,7. 

Nr.  203      Attair  und  Wega. 


8h    43™ 


32.3  — 
31.2  < 
33.7 
31.5 


s.  allein. 
Beide  flammen. 


28 


216 


8k    55m 


93.2     —     Schlitten    geht   auf 

91.7  dieser  Seite  schwer. 
91.4         Flammen  bei  A  nimmt 

91.8  <  zu. 


Bild: 


622 
G1.6 


fil  4. 

,,,  ß     [Beobacht.  s] 


Die  hohen  Gegenden  des  Himmels  sehr 
klar.  Nahe  dem  Horizont  einzelne  horizon- 
tale "Wolkenstreifen. 


Wega  mit  sich. 
24.3 


24.9 
20.8 
24.Ü 
25.8 

103.0 
103.9 
103.4 
103.6 


D 
24  4 

104.6  □ 


104.6 


Nr.  204.     Attair  und  Deneb. 


gh    2m 


40.5 


21.7 
24.8  < 
22.8     gut. 
22.9 

102.1 
100.6 
101.4 
101.0 


In  NO.  sind  die  Wolken  höher  heraufge- 
rückt. —  Am  Tage  war  der  Himmel  etwas 
streifigr. 


1852  Oktober  17, 


C.  d.U. -2m,8. 


Himmel  Nachmittags   ganz  rein.      Scheint 
auch  jetzt  völlig  klar. 

Attair  mit  sich. 

25.85    24.6     s 

26.7     1 

25.7     s 

24.3     1 

24.75  s 
25.85   25.1     1 


97.7 

97.0 

1 

97  7 

1 

94  6 

s 

96.4 

s 

96.4 

1 

96.6 

s 

96.8 

1 

97.7 

956 

s 

Nr.  206. 

Dene 

b  und  Polarstern. 

7h    45m       . — 

32.1 

>  s 

32.1 

>    8 

31.1 

1 

34.7 

S 

34.2 

1 

90.9 

S 

91.0 

1 

90  75 

s 

89.5 

1 

Nr.    207.     Fomalhaut  und   "Wega. 

8h    24™  43.7  s    —    F.  flammt  stark. 

43.6  1 

43.9  s    gut    □ 

42.3  1 

Zeit  verloren  mit  neuem  Aufsuchen   der  ^  3fc 


8     46 


55.5 


80.5  s        § 

81.8  1 

81.3  s      DD 

82.0  1 


Distanz  91o.8.  —  Umstände  wohl  so  gut 
als  sie  bei  dem  südlichen  %  zu  hoffen  sind. 
Flammen  war  leidlich. 


1852  November  4. 


C.d.U.  — 7m,8. 


Nr.    208.     Fomalhaut  und  Wega. 
s  allein.     F.  flammt  stark. 

7h    57m  44.7  <    Q 

45  6  Einstellung    An- 

44  4  §     fangs    beschwer- 

42.7  gut  □□  lieh,  bis  das  Auge 
43.6  gut  sich  gewöhnt. 

77.4  § 

78  2 

78.'3  >  DG 
77.6  < 
80.6      "    □ 
8     18.5  79.3 


217 


F.  ziemlich  nahe  stehen  am  Horizont  Wol- 
kenstreifen, die  sich  während  der  Beobach- 
tung mehr  entfernen  und  verlieren.  Die  hohen 
Gegenden  des  Himmels  von  herrlicher  Klar- 
heit. 


Beobachtungen   wieder   aufgenommen   1855. 
1855  April  19.  C.  d.  ü  +  3m,o. 

Nr.  212.     Beteigeuze  und  Aldebaran. 
8h    15m 


Bild: 

62.4              61.3 

Nr.  209. 

Wega  und   Ca2Jella. 

8h    28m    26.9 

30.2 

30.1         Farben  sehr  störend. 

28.8  < 

26.85 

29.8      Flammen  von  C.  stört 

sehr. 

99.3 

96.0 

96.3  > 

95.6 

42.5  99.3 

95.7 

L 

>eneb   mit  sich. 

99.3 

97.3 

97.5  < 

102.1           Nicht  zu  verwerfen. 

97.5 

96.7 

96.6  □ 

96.3 

95.0 

99.35 

98.4 

21.6 

19  7  <  D 

22.0  > 

23.2 

22.4  >    § 

21.3 

21.8 

D 

20.1  > 

22.2            Auge    schon    etwas 

21.3           ermüdet. 

41 


26.0 

29.7     s  Bet.  flammt. 

29.6    1 

30.7  >  s 

30.7     1     gut 

94.2     s 

89.4 

90.6     1 

93.7    s 

Hiernach  Zeitverlust, 

weil  B.  aus  dem  Feld 

98.05 

verloren  war. 

.00.4 

Flammen  jetzt  beide 

sehr  stark 

Nr.   213.     Regulus    und    Capeila. 


52 


90.7  s     — 

97.4  1 

90.9  s     gut 

94.0  1 

92.7  s     □ 

91.8  1 

33.4  s     □ 

35.0  1 

34.2  s 

33.4  1 


Beide  ruhig. 


Capella  mit  sich. 


NB.     Schlitten  B   geht  nicht  recht  leicht. 

Während  der  hiernach  folgenden  Beobach- 
tung Nr.  210  (Saturn  und  Wega)  ist  der  vor- 
her so  schöne  Himmel  ganz  überraschend 
schnell  sehr  stark  dunstig  und  nebelig  ge- 
worden. 


Bild:     $ 


31.3 

s 

29.3 

32.4 

1 

30  8 

s 

32.0 

1 

29.4 

s 

31.6 

1 

29.35 

95.9 

s 

98.6 

9C.2 

1 

94.6 

s 

98.6 

1 

97.0 

s 

9S6 

1 

96.5 

s 

98.9 

1 

97.4 

s 

D 

96.3 

1 

98.6  □ 

62.85  s     6 

2.6 

C     62.55  s     62.0 

64.0    1     63.3 

63.7     1     62.9 

63.4     s     6 

2.6 

62.2    s  g.  61.85 

63.6     1     63.3 

63.6     1     63.3 

28* 

218 


1855  August  1.  C.  d.  IL  —  5^,5. 

Nr.  216.     Areturus  und   Wega. 

9h    18m    32.3      22.1   nD       -^   nammt'  etwas. 
20  9     □ 
21.6 

32.4  21.2  DD 

93.5  101.2  OD 
102.9      § 
101.3     Q 

35.5  101.4 


Attair  mit   sich. 


27.1 

24.6 

25.3 

24.5 

27.2 

24.0 

102.5 

104.7 

102.5 

102.3 

103.6 

102.5 

1046 

Bild: 


65.8      65.5 


Ein  einziger  langer  bogenförmiger  Wolken- 
strich  hat  sich  in  W.  gebildet.  Geht  (um 
10h  30m)  bis  auf  7*  der  Höhe  von  Aretur 
herauf.     Spannweite  fast  180°. 

Im  übrigen  die  Nacht,  wie  der  Tag,  sehr 
schön.  (Bei  Tage  das  Gebirge  schwach  sicht- 
bar.) 


Beobachtungen  neu  aufgenommen  1857. 
1857  Februar  19.  C.  d.U.  — 0. 

Rigel    mit    sich. 

102.0     s       104.1 
102.0     1 

100.3  s 

99.0    1    Weil  R.  etwas  flammt, 
jetzt  statt  seiner: 

Saturn  mit  s ich. 

99.3  s        □ 

100.0  1 

100.2  s 

101.4  1       104.1 


(Die  Beobachtungen  über  dem  Bilde  folgen 
hernach.) 


Nr.  224.     Sirius  und  Rigel. 

•»    5m  —     33.4  s 

36  5  1 

34.3  s       Flammen  vonS. 

36.4  1       nirt  sehr. 
□     36.9  s 

34.4  1     gut. 


17 


21 


□     91.8     s 
93.4     1 
§     91.6  >  s 
90.8    1 
92.3  <  s 
93.7     1 


Distanz  am  Kreis  abgelesen:    24".  1. 


Saturn   mit 

sich. 

(Fortsetzun 

e-) 

28.9     s 

20.8 

25.0    1 

30  9     s 

26  65  1 

27.0     s 

27.5     1 

27.8     s 

27.7     1 

26.1  >  s 

266     1 

20.8 

Bild:       66.0     s 

65.35 

67.0     1 

66.6 

1857  Februar  20.       C.  d.  U.  -f  3m,3. 

J up i ter  mit  sich, 
(s  alllein.) 

102.6     — 

105.3 

104.4 

104.9 

104.2 

104.4 

102.8 

104.4     > 

23.2     — 
23.6 


219 


25.1 

22.5  gut. 
22.6 
22.6 
21.3 
24  8 


Nr.   228.     Aldebaran   und  Beteigeuze. 

7h    50m  27.0  <  s     — 

23.3  1        Zu  schwach.  Licht. 
360  >  s 

22.4  <  1 

Jetzt  Schlitten  B  anders  gestellt,  weil  das 
Licht  zu  schwach  war. 


43.3 
43.2 
42.0 
42.0 

< 
1 
s 
1 

s     36.05 

89.0 
90.0 
89.4 
89.1 
89.1 
88  8 

s 
1 

8 
1 
S 
1 

93.6 

Noch   immer  schwer 
einzustellen      wegen 
schwachen      Lichtes, 
und    weil   das   Auge 

8    2.5 
5.5 


von  Laternen  etc.  geblendet  ist. 
Distanz  abgelesen     20°.  1 


Bild:       66  4     s 


66.0 


1857  Februar  23.       C.d.U.— 10m,5. 

Nasskalt.  —  Himmel  ganz  rein. 
Jupiter   mit    sich. 

21.3     — 

19.8 

19.5 

21.4 

21.0 

21.5 

102.6    — 

105  4 

103.3 

104.3 

103.5 

104.4 


104.9 

— 

104.5 

Nr.  230. 

Procy 

on   und  Bellatrix. 

7h    20™ 

—     97.9 

NB.    Strassen -Laterne 

94.7 

blendet  sehr. 

97.0 

Procyon  flammt  etwas. 

94.1 

gut 

(Bis  hierher  s  allein.) 

28 

95.2 

1 

95.7 

1 

97.4 

1 

32 

97.9 

>1 

35.5 

—     32.0 

s 

31.0 

1 

33.9 

s 

29.0 

1 

32.5 

s     gut. 

29.7 

1 

26.9 

s 

338 

1 

31.7 

s 

7     54 

31.0 

1 

Distanzkreis:    34o.l. 


Nr.  231.     Procyon    und    Rigel. 

&>■    15m  23.7  <  s    —    Beide  flammen 

26  3  1  stark. 

26.3  s 

27.8  1 

27.8  s 

26.9  1 
30  5  s     Flammen  augenblick- 


21.7 
21.3 


23 

24.6    1    fflii 

25.5 

100.6     s     — 

98.9     1 

101.6     s 

99.5     1 

98.7  <  s 

100.9     1 

101.2  >  s 

37.5 

101.3     1 

Distanzkreis:     39o.9. 

Bild: 

66.0     s         i 

66.2 


220 


1857  Februar  26.      C.  d.  TL  —  6m ,0. 

Nr.    233.      Sirius    und    Stern    im    Gürtel 
des    Orion.     [C  Orionis.] 

Ein  anderer  ifi  von  nahe  gleicher  Hel- 
ligkeit und  gleicher  Distanz  von  Sirius,  höher 
als  der  erste,  ist  bei  der  Stellung  auf  das 
Bild  zugleich  im  Feld. 

7h    33m       —     81.1     s         S.  flammt  sehr  st. 
78.5     1 

—    49.9    s 
39  50.0 

Aeusserst  schwer  einzustellen  wegen  grossen 
Helligkeits-Ünterschiedes  und  starken  Flam- 
mens.  Die  Beobachtung  nur  gemacht,  weil 
der  ^  zufällig  in's  Rohr  gebracht  wurde. 

Distanzkreis    stand    auf   22o.7.     Correction 
seines  Nullpunctes  —  lc05. 

V*  Stunde    später   befindet    sich  Sirius    in 
Dunst. 


Nr.    235.      Sirius    und    Rigel. 


Procyon  mit  sich. 

103.0  s    — 

104.6  1 

102.4  >  s 

103.8  1 

25.2  >  s     — 
24.0     1 

24.2  s     gut 

23.3  1 


Bild:     66.6     1 


66.0 


1857  März  17.  C.  d.U—  2m, 5. 

Yenus   mit  sich. 


25.0 

— 

22.2  < 

24.3 

LI 

25.0 

102.9 

D 

105.0 

103.1     > 

§ 

104.8 

s  allein. 


7ti    31m.5     —     37.25 
37.7 

□  36.6 

□  91.3 
§     87.9 

90.4 
41.5  89.6 


S.  flammt  sehr  st. 


Instrument  war  auseinandergenommen  wor- 
den.    Gläser  gereinigt. 


1857  April  20. 


Bild:    64.0 
63.0 


C.  d.  U.  —  0. 

63.0      In  A  Sirius, 
62.35    in  B  Venus. 


Nr.  239.     Procyon    und    Capella. 

C.  flammt  etwas,  P.  noch  stärker.  —  Heute 
im  Ganzen  schwer  einzustellen,  weil  die  %  ^ 
stark  funkeln. 

104.7 


104.1; 


8     45.5 

100.6     s 

100.3     1 

50.5 

98.6     s 

99.0     1 

52.5 

26.8     s 

26.7     1 

28.9     s 

25.9     1 

9       0 

27.7  > 

2 

28.3     1 

22.0 


Saturn  mit  sich. 


25.4    s 

22.0 

24.4     1 

26.8  >  s 

28.7     1 

23.9     s 

24.4     1 

22.0 

23.9     s 

21.4 

26.0  >  1 

214 

101.1     s 

102.0 

100.0     1 

99  9     s 

101.8    1 

100.5     s 

100.4     1 

101.9: 

Nach  dem  Gefühl  der  beiden  Beobachter 
werden  die  heutigen  Messungen  nicht  beson- 
ders gelungen  sein. 


221 


1857  Mai  14. 


C.  d.  U.  0. 


Nr.  272.     Regulus  und  Spica. 


Vormittag  wolkig;  gegen  Abend  ganz 
rein.  Nach  (•)  Untergang  rosa  Schein  um  den 
Horizont.  Purpurrothe  Abendröthe  tief  unten 
in  W. 

Arcturus    mit   sich. 


8h    29m 


34.9     s 

34.0        Noch 

36.0     1 

hell. 

34.8     s 

35  1     1 

34.1 

28.9  >  s 

25.0 

25.5     1 

24.3  <  s 

A  gelblich,  B 

25.6     1 

26.0    s 

26.35  1 

27.0    s 

29.3  >  1 

27.1     1 

sehr 


Die  Beobachtungen  unter  dem  Bild  s.  her- 
nach. 


Nr.  241.     Pollux  und    Castor. 

9l>    35m.5  31.7     s        32.8    Flamm,  beide 

stark,  ganz  besonders  Pollux. 
32.7  1 
31.6  s 
33.65  1 
33.6  s 
42.5  34.6    1 


ruhiger. 

C.  erscheint  grünl. 

neben  P  (Prisma?) 

32.8 


46 


55  ungef. 
Bild: 


102.5 

104.2 

101.2 

103.2 

103.75 

105.7 


s        101.67 

1 

s 

1 


Zuletzt  ruhiger  als 
vorher. 


63.0 
63.9 


1        101.7 

s         62.7 
1         63.0 


Distanz  4".5. 


Arctur   mit  sich. 
(Fortsetzung.) 


99.6  s 
103.0  1 
100.95  s 
102.6  <  1 

100.0  >  s 
103.2     1 

99.6     s 

103.1  1 


101.5 


10h    20m 

27.5 
33.5 


29.5 
30.3 
31.2 

28.8 

s 

1 
s 

1 

22.0 
22.0 

Flammen  st. 
S.    erscheint 
grünlich,  11. 
röthl. 

96.8 
95.6 
95.65 
94.6 

s 

1 

< 

1 

103.1 

s 

1857  Mai  15. 


C.  d.  U.  —  0m,6. 


Tag  sehr  schön.      2fc$i  flammen    viel   we- 
niger als  gestern 


11h    i5ui 


Jetzt 


Spica 

mit 

sich. 

103.0 

s 

105.2 

104.1 

1 

100.3 

s 

Auge  geblendet 

1049 

1 

vorher. 

103.3 

s 

102.2 

1 

104.5 

s 

102.6 

1 

105.2 

Arcturus  mit  sich. 

104.0 

s 

105.2 

105.15 

1 

24.25 

s 

20.1 

23.95 

1 

22.6 

s 

23.6 

1 

23.8 

s 

23.2 

1 

20.05 

Nr.   243.     Wega  und  Ras  Alhague. 
Stellung  etwas  unbequem. 

IIa    55m.5     _     440     s 
45.0     1 
43.63  <  s 
47.0    >  1 
44  2     s 
45.4     1 


12 


101.6 


81.65  >  b 
80.0    1 
80.6  <  s 
80.2     1 
80.0     s 
81.0     1 


222 


Nr.  244.     Arcturus  und   Gemma. 

12h    32m.5     _    43.5  >  s 
42.3    1 


43 


Nr.  246.     Denebola  und  Regulus. 


54.5 


41.9 

<     8 

43.8 

1 

46.0 

S 

44.1 

>1 

82.3 

s 

84  0 

1 

82.7 

>  s 

83.2 

1 

80.3 

s 

84.5 

1 

81.5 

s 

82.2 

1 

Nr.   245.     Arcturus    und    Wega. 


13b      3m    94.7    100  0  s 

98.2  1 

99.6  s 

96.9  1 

100.7  s 

97.0  1 

98.8  s 

12     94.66      98.8  1 


Farbe  sehr  hinder- 
lich. 


9h    20m  .5 

96.0  gut  s  —     R.  flammt  sehr 

96.4     1                  stark. 

92.4     s       nicht  zu  verwerfen. 

95  0    1 

95.7     s 

29 

96.0    1 

31 

33.4  <[s    R.  jetzt  etw.  ruhiger. 

32.4     1 

35.2     s 

31.0    1 

35.4     s 

39.5 

31.9  >  1 

Nr.  247.     Arcturus  und    CUrsae  major. 

9h    49m  .5     _    40.2  s       A.  ist  zieml.  ruhig. 

39.8  1 

42.1  s 

39.6  1 

57.5        —     83.8     s 

82.0    1       Das,/\,  welches  von 

Q     84.2     s      dem  kl.  Nachbar  von 

84.5     1       £kerrührt,vermischt 

•  sich  nicht  mit  dem  von  f. 


14.3  31.15 


20 


24.2  >  s 

26.3  1 

22.0  nicht  <  s 
23.7     1 

24.4  s 
22.0     1 


1857  Mai  21 


C.  d.  U.  +  0m,2. 


Seit  gestern   reiner   Himmel.  —  Tag  über 
wenige  Wolken.  —  Unten  in  W.  Wolkenbank. 


Arcturus    mit  sich. 


8h    38 


47.5 


53  5 


31.9     s 

30.0     #  fl    etwas. 

31.5     1 

Wegen  Dämmerung 

32.4     s 

noch   schwer  einzu- 

32.2    1 

stellen.     —     Farb- 

31.6  < 

s  unterschied  d.  Pris- 

32.3    1 

men    ziemlich    stö- 

nd.     (A  bräunlich    B  bläulich.) 

102.0     s 

103.4     □ 

101.2     1 

101.75  s 

102.8     1 

102.4     s 

103.3     1 

103  4 

Nr.   248.     f  Ursac    majoris    und    y  Ursac 
maj  oris 

10h    13m 


20 


22.5 


30 


95.6 

s 

92.4 

99.9 

1 

98.5 

s 

98.3 

1 

92.4 

27.6 

s 

32.8 

31.5 

1 

29.2 

s 

31.8 

1 

Lage  des  Auges  et- 

28 9 

s 

was  unbequem. 

34.9 

1 

32.85 

Nr.  249.     y  Ursac  maj.    und  «Ursac   maj. 
10h    37m 

41 
44 

49.5 


309 

s 

24.6 

30.7 

1 

32.9 

s 

32.8 

1 

24  7 

97.4 

s 

101.6 

96.4 

<  1 

96.0 

s 

94.9 

1 

101  7 

223 


Nr.  250.     y  Ursae  maj.  und  ß  Ursae  maj. 


Nr.  254.     y  Ursae  majoris  und  Wega. 


10h    53'"  5 

97.3 

s 

99.2 

96.9 

1 

97.7 

s 

59 

9G.2 

1 

99.3 

11       1.5 

31.2 

s 

25.1 

29.0 

1 

30.0 

s 

5.3 

28.5 

1 

25.0 

Alle  %  $i  flammen  ziemlich  stark. 
Nr.  251.     y  Ursae  maj.    und  cf  Ursae   maj. 


12.5 

31.2 

40.0  s 

40.4  1    Geht  etwas 

40.2  s    seh  wer,  we- 

22 

31.25 

40.3  1    gend  schw. 
Lichtes. 

24.5 

91.6 

80  4  s 
79.9  1 
80.2  s 

29.5 

91.5 

80.4  1 

Nr.    252.     y  Ursae    majoris     und    t  Ursae 
maj  oris. 


36.5 

45 
47.5 

52.5 


31.3 

s 

28.4 

1 

35.3 

s 

32  8 

1 

33.8 

s 

34.5 

1 

88.6 

s 

89.3 

1 

88  2 

s 

91.5 

1 

NB.  Geblendet  vom 
Aufstecken  einer 
neuen  Kerze. 


101.1 


101.2 


Nr.  253     y  Ursae  maj.  und  j;  Ursae  major. 


12 
12 


56.5 

0 
3 


86.2     s 
85.5    1 
86.0  >  s 
87.0     1 


96  4 

96.25 
29.2 


40.8     s 

40.5     1 

40.5     s 

8  41.6  >  1      29.2 

Abh.  d.  II.  Cl.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  X.  Bd.  I.  Abth. 


12h  14'" 


20 


48  0  s 

50.4  1     Unbequeme  Stellung. 

48.3  s  □ 

48.1  1 

48.3  s 

48.8  1     flammen. 


22.5 


31 


76.95  s 

78.7  1 

77.1  s 

79.5  1 

77.0  s 

76.7  1 


D 


Ungeachtet  des  Flammens  der  $Üfi  möchten 
die  heutigen  Beobachtungen  im  Ganzen  gut 
sein. 


1857  Juni  17. 


C.  d.  ü.  0. 


Arcturus  mit   sich. 
Zustand  der  Luft  scheint  ganz  normal. 


101.6 

s 

103.3 

9S.3 

1 

A  bräunl.,    B  bläul. 

99.5 

s 

Dieser  Färb- Unter- 

101.8 

1 

schied   ist   sehr   ge- 

101 9 

s 

nant. 

101.25 

1 

100.9 

s 

100.7 

lg 

ut  103:25 

23  4 

s 

20.55 

23.4 

1 

24  5 

s 

24.9 

1 

21.4 

s 

24.0 

1 

23.0 

s 

19.2 

1 

20.55 

Nr.  235. 

Weg 

a    und    Arcturus. 

9    58 

22.0  < 

s     24.4 

239 

1 

20  0 

09  Q 

s 
l 

21.8 

i 
s 

10     5 

24.6 

1 

24.4 

9 

100.6 

s 

96.9 

101.7 

1 

100.3 

s 

102.6 

1 

103  0 

a 

20.3 

101.0 

1 

96.95 

29 

224 


Nr.  256.     jSUrsae    minoris    und    yürsae 


32.8 


maj  or  is 

10*  30™  5 

35.2     s 

35.0     1 

36.6  <  s 

37.3 

36.0    1 

41 

90.9     s 

92.2     1 

94.9  >  s 

91.4    1 

91.3  <  s 

52 

92.3     1 

32.9 


92.7 


92.8 


Nr.  257.     Deneb  und  Polarstern. 
Stellung  etwas  unbequem. 

11     7.3  —  96.3  >  s 

92.8  1 

93.1  s 

95.8  1 

90.7  s 

—  94.4  1 


16.3 
18.2 


27 


32.7  > 

31.3  1 
33.6  s 
32.2     ] 

33.4  < 
35.0     1 


Nr.    258.       Deneb  und    /Cygni. 


34.4 


39 


43 


52.5 


D 


D 


35.0 

s 

36.6 

1 

33.5 

s 

35  6 

1 

87.8 

<  s 

90.5 

1 

91.5 

s 

90.0 

1 

89.7 

<s 

912 

1 

Nr.  259.     Attair    und    ^Aquilae 
□ 


12     6 


23.5 


78.4  s  Schw.  ein- 

78.8  1     zustellen 

§  77  0  s  weg.  gros- 

77.8  1   sen  Hellig- 
78.0  s  keitsunter- 

77.9  1   schiedes. 


Licht  des  Att.   fängt  an  unruhig   zu   werden. 

12h  27'"  0  _  47.9  s 

50.2  1 

49.3  s  relativ  gut. 
48.7  1  gut. 

□  49.7  s 

35  47.7  1 

(NB.     Die  vorher  beobachteten  •$£%  waren 
frei  von  Funkeln.) 


1857  Juni  24. 


C.  d.U.  —  0m,5. 


Arcturus  mit  sieh. 

32.3  31.9     s 

Noch    sehr  hell,   und  deshalb    schwer    einzu- 

30.8  1    stellen. 

32.9  >  s 
30  2     1 

31.3     s   Wird  jetzt 
32.2  31.85  1    schonbess. 

Hierauf  eine  Mondbeobachtung  gemacht. 
Darnach  die  folgenden  Einstellungen  unter 
dem  Bild: 

102.9     s       105.9 

105.0    1 

103.0     s   A  flammt  jetzt  stark. 

Himmel  bedeckt  sich  mit  ausserordentlicher 
Geschwindigkeit  mit  sich  bildenden  Wolken, 
hinter  welchen  Arctur  verschwunden  ist.  Da- 
rum jetzt 

Spica:  104.0     1 

Antares:      104.0     s 

105.4    1 


Wega: 


10  22 


103.1  s 

105.7  1 

22.3  s 

27.8  1 

26  1  s 

27.0  1 


105.8 


22  4 


22.4 


Bild:     A: 


63.4     s 
64.0    1 

63.3     s  B:  62.5     s 


225 


Nr.  261.     Arcturus    und    Wega. 


10ii  33™ 


38.5 


27.0  >  s 
27.4     1 

25.6  <  s 
24.45  1 
26.4     s 

24.7  1 


—    Flammen. 


Himmel,  der  vorher  vorübergehend  fast 
ganz  bezogen  war,  ist  jetzt  wieder  anschei- 
nend völlig  klar. 


10  40.5 


46.0 


100.5  s 

102.2  1 
101.5  s 

101.3  1 


Nr.  262.   12  Canum  venatic.  und  /Ursae 
majoris. 

53.5  35.0  25.4    s  , .  .  .  Geht 

schwer,    wegen   des  schwachen   Lichtes.  %  ^ 
flammen  auch  etwas. 

28.7     1 

27.4  >  s 

30.9     1 

29.6     s 

32  4     1 

28.4    s 
11   10.5  29.3 


13.5 


23.5 


87.4 


87.4 


93  0  s 
903  1 
89.7  s 
87.6  1 
89.4  < 
92.4     1 


Himmel  ist  nicht  zuverlässig,  wie  sich  jetzt 
bei  der  Betrachtung  der  Gegend  von  « Ceph. 
zeigt,  welcher  ^  ohne  sichtbare  Wolken  erst 
fast  ausgelöscht  erscheint,  und  gleich  darauf 
hell  zu  sehen  ist. 


1857  Juni  25.  C.  d.  ü.  —  0m,8. 

Himmel    noch   um  6h    Abends  streifig,  um 
9h    anscheinend  ganz  klar. 

Arcturus    mit   sich. 

23.0     s         22.7 
25.0     1 
25.3     s 


25.9 

1 

24.8 

s 

26.0 

1 

100.5 

s 

98.9 

1 

100.6 

>  s 

100.6 

1 

99.1 

s 

100.5 

1 

22.65 


103.1 


103.15 


Nr.  264.     Weg-a  und  Deneb. 


10h  14m 5 


25 


31.5 


D 

D 


89.1 

s 

86.8 

1 

88.0 

s 

87.7 

1 

87.7 

8 

87.6 

1 

36.9 

S 

34.8 

1 

33.7 

s 

35.8 

1 

36.2 

> 

33.7 

1 

Nr.  265.     Ras  Alhague  und  ce  Serpentis. 


40.5 

23.9 

32.0 

s 

32.2 

1 

37.1 

s  Nicht  aus- 

30.7 

1    zuschliess. 

35.6 

s 

31.2 

1 

33.0 

s 

58 

23.8 

28  9 

1 

11     2.5 

99.85 

90.4 

s 

89.3 

1 

88.6 

s  Flam.  etw. 

13.5 

99.9 

89  9 

1 

Nr.  266.     Deneb    und    #Cephei. 

[Es  war  eigentlich  die  Absicht  a  Cephei 
zu  messen,  es  ist  aber  ohne  Zweifel  statt  des- 
sen &  beobachtet,  für  welchen  die  eingestellte 
Distanz  ebenfalls  passt.  Vergleiche  Notiz  bei 
Nr.  290a.) 


18 


76.0     s    .  .  .  Geht 
schwer   wegen    Kleinheit  des   A  vom  %  des 
76.0     1     Cepheus. 

29* 


226 


11  27 


43 


D 

§ 

D 


75.4 

75.4 


Bild: 


1 


63.4 
64.0 


63.4 
64.0 


50.0  <  s 
48.4     1 
48.9     s 
47.0     1 


Folge   der   ^JJfv    des  grossen  Bären,    der 

Helligkeit  nach,  nach  Urtheil  des  freien  Auges: 

t       t]       £       «       y      ß       cT      .     .     .      s 

riitayßd...\ 

£  und  >?,  und  y  und  ß  sind  wenig  verschieden. 


1857  Juni  28. 


C.  d.  U.  0. 


3.    Himmel  den  Tag  über  ganz  rein. 

Nr.  267.     Arcturus    und   Wega. 

9h  15m 


22 
24.5 

35.5 


23.5     s 

— 

21.6     1 

Wallen  etwas 

22.8    s 

23  3     1 

24.1  <  s 

22.8     1 

103.0     s 

— 

104.7     1 

103.6     s 

105.0     1 

103  5     s 

104.3     1 

Nr.  268.     Wega   und    Arcturus. 


41.5 


50 


53 


62.5 


105.0  s      Flammen 

103.4  1     nimmt  zu. 

104.5  s 
103.3  <  1 

103.6  s 

103.1  1 

20.6  s 
18.8  1 
20.8  s 
21.5  1 
20.25  s 

20.7  1 


[Hier  folgt  im  Journal  eine  Notiz,  durch 
welche  constatirt  wird,  dass  beide  Beobachter, 
wenn  Arcturus  im  Gesichtsfelde  steht,  die 
grössere  Helligkeit  des  Feldes  auf  derjenigen 
Seite,  welche  den  dem  Monde  näheren  Theil 
des  Himmels  zeigt,  deutlich  wahrnehmen.  Die 
Erscheinung  der  ungleichen  Erleuchtung  des 
Feldes  war  zuerst  aufgefallen;  ihre  Erklärung 
hat  sich  erst  nachher  gefunden,  weil  bei  der 
Drehung  des  Bildes  durch  die  Spiegelung  etc. 
die  Beziehung  auf  den  Mond  nicht  gleich  zu 
erkennen  war.] 


Nr.   269.     Arcturus    und    Deneb. 


10h  39m  5 

51 

54 

11     5 


D 

D 


93.1 

s 

94.0 

1 

91.7 

s 

94.6 

1 

93.9 

s 

93.7 

1 

29.3 

s 

30.0 

1 

32.3 

s 

31.1 

1 

30.7 

s 

30.6 

1 

Nr.  270.     Deneb  und  Wega. 


11   13 

17.5 
19.5 

24 


39.2 

s 

39  2 

1 

38.4 

< 

s 

39.8 

1 

87.8 

s 

89.3 

1 

88.6 

s 

90.9  < 

1 

D 


D 


Rangfolge  der  Bären-Sterne  für  das  blosse 
Auge: 

t       tj       C       tt       ß       y       S      .     .     .      a 

rj  und  f,  und  ß  und  y  sind  wenig  verschieden. 


227 


Nr.  271.     Deneb    und    Attair. 


i  34m 

100.9     s 

101.3     1 

99.0  <  s 

40 

100  9     1 

42.5 

2G.9     s 

■ 

24.8     1 

28.2  >  s 

46.5 

26.1     1 

Nr.  272      Gemma    und    €   Bootis. 

54  31.6  37.9  s     Sehr   un- 

bequeme   Stellung.   —  Flammen   etwas.  —  C 

36.1  1    ist  unterge- 
39.9  ^>  s  gangen. 


12     6 


$1.7 


34.5  1 
33.8  s 
3G.9  1 


9.5  94.1  87.3  >s    ..    Nach- 

dem es  jetzt  völlig  dunkel  geworden  ist,  zeigt 
sich  die  Nacht  in  prachtvollem  Glänze.  ("Auch 
83  3  1        folgender 
85.9  s         Morgen 
14.5  94.0  81.1  1     ganz  rein.) 


99.5  1 

101.0  s 

100.3  1 

100.6  s 

101.2  1 

99.2  s 

24.45  1 

22.3  s 
23.8  1 
24.5  s 
21.5  1 
21.3  s 
24.7  1 
23  2  s 


A  bräunl. ,    B  lila- 
lich. 


101  3 

21.3     flammt  etw. 

Jetzt  scheint  mir  A 
lila-lich  und  B  gelb- 
lich. Leonh.  findet  A 
mehr  bräunlich,  B 
mehr  weiss. 
21.3 


Nr.  273.     Gemma  und  i  Bootis. 


gh  47m  5 


30.8 


434  >  s 

39.4     1 

42.2  >  s  Die  erste 
und  dritte  Einstellung  sollte  vielleicht  etwas 
vermindertes  Gewicht  erhalten.     [Bei  der  Re- 

38.9    1  ductionGe- 

38.9  s  wicht  V*.] 
10     4.5  30.8  40.3     1 


14.5 


92  6 


92.6 


825  >  s 
81.6     1 
82.6     s 
81.8    1 


1857  Juli  14. 


C.  d.  U.  —  0m,3. 


Tag    ausserordentlich    schön    und    warm, 
wie  schon  der  gestrige  Nachmittag. 


Bild: 


63.2       s 
64.2       1 


62.8 
63.8 


Nunmehr  die  beiden  Prismen  abgenommen: 

64.35  1  64.3 

63.1  s  63.3 

63.7  1  64.0 

63.56  s  62.7     gut. 

Ocular-Stutzen  steht  auf  34.45.    Die  Pris- 
men jetzt  wieder  vorgeschraubt: 

63.45     s        63.2 
64.5       1        64.2 


Arcturus  mit  sich. 

87.1     1  85.8 

100.5     s        101.3 


Nr.  274.     Deneb  und  ß  Herculis. 


25 

D 

83  5 

s 

84.6 

1 

82.7 

s 

84.6 

1 

D 

41  2 

s 

43.1 

1  Vorher  Zeit 

49.5 

45.0 

<[  s   verlor. 

51.5 

42.2 

1 

Nr.  275.     Deneb  und  ß  Ophiuchi. 

11    1  D 


8.5 
11.0 


D 


43.6  s 

42.3  1 

42.2  s     gut. 

41.4  1 

80.1     s 
80.1  <  1 


228 


18.5 


82.2 
81.7 


Nr.  276.     Deneb  und  y  Draconis. 


11h    28">5 

33 
36 


D 


D 


87.6  >  s 
85.6  <  1 
S4.6  <  s 
87.2     1 


37.4  s 

36.9  1 

37.8  s 

34.4  1       <     nach 
nachträglicher  Meinung  des  Beobachters. 

36.6  s 

44  35.7  1 


Nr.  277.     Deneb   und   n  Herculis. 

[Es  sollte  eigentlich  n  Dracon.  genommen 
werden,  statt  dessen  der  beobachtete  ifc  ins 
Feld  kam.  Die  Helligkeit,  Distanz  und  der 
erwähnte  Nachbarstern  (?  Herculis)  lassen 
keinen  Zweifel,   dass   n  Herc.  beobachtet  ist.] 

Mit  dem  ^  in  B  befindet  sich  gleichzeitig 
ein  etwas  schwächerer  im  Felde. 


12     1 


9.5 


13  5 


20.0 


ü 


D 


45.6  >  s 
444  <  1 
43.6  <  s 
44.95  1 

79.0     s 

78  4    1 
77.2  <  s 
78.9     1 


Distanzkreis  steht  auf  40  25 ;  bei  wieder- 
holter Einstellung  auf  39.2  (Kreis  schlägt  et- 
was). Dazwischen  für  den  schwächeren  Nach- 
bar gestellt  auf  38.4.  Nach  dem  Visiren  am 
Prisma  B  zeigt  dasselbe  auf  n  und  (>  Her- 
culis. 


1857  Juli  15. 


C.  d.  U.   0  m. 


Tag   ebenso   schön    wie    gestern.     Himmel 
völlig  rein. 

Wega  mit  sich. 

26.1     s         24.05  Anfangs  (et- 
wa 9  Uhr)   Dämmerung  noch  sehr  hell. 


27.4 

1 

24.7 

s 

25.4 

1 

25.9 

s 

n 

fl.  ein 

wenig. 

26  25<1 

24.05 

102.2 

s 

103.1 

n 

99  3 

<r  l 

100.6 

s  D 

ie  vers 

ohied. 

Farben 

1027 

1  geniren. 

Hier 

unter 

dem  Bild    scheint  mir    A 

reiner 

weiss 

als  B. 

103.0 

s 

§ 

102.9 

<1 

98.8S 

1    s 

102  8 

1 

103.1 

Nr.  278.     Arcturus   und   Antares 


9t  29m                — 
flammt  sehr  lebhaft. 

35 

87.4  ^>  s    Antares 
85.7     1     gut. 
83.3  <  s 
85.6     1 

37                    < 

42.5 

42.7     s 
41.7     1 
43.3  >  s 
444     1 

Nr.    279.     Arcturus    und    Spica 

9  46  —  43.0  >  s    Spica  fl. 

439     1 
43.9  >  s 
41.2     1 


51.3 
54 

57 


81.8  >  s 
81.45  1 
79.S     s 
81.4     1 


Nr.  280.     Deneb   und    >;  Draconis. 

10     8  D  lon  7     s  •     Hier  ist 

ohne  Zweifel  das   untere  Ende   des  Schlittens 
statt  des  oberen  abgelesen.     Lies  daher  82.5. 
85.2     1 
81.1  <  s 
15  83.0     1 


18 


22.5 


D 


40.5  <  s 
41.2  gut  1 

42.6  >  s 
41.4  >  1 


229 


Nr.  281. 

Dene 

b 

und   ß  Draconis. 

Nr. 

10h  31m5 
38.5 

D 

43.2  >  s 
41.4     1 
40.0     s 
41.8  <  1 

12h   19m5 

28 

46 
51 

D 

81.2     s    Vorher  et- 
80.9     1    was     Zeit 
81.7     s     verloren. 
81.0     1 

30 

40.5 

Nr.  285.      Deneb  und  ß  Cephei. 


□ 


82.3 

s 

Lichter 

83.0 

1 

blenden. 

81.6 

s 

81.9 

1 

44.9 

s 

Wie  oben 

40.6 

1 

41.9 

s 

39.5 

> 

1 

43.3 

> 

s 

42.4 

gut 

1 

Nr.  282.     Deneb   und   «Cygni. 

11     6  □  39.4  s       Fernes 

38.2  1  W  etterleuch- 
40.2  >  s  ten. 

13  41.0  1 

15.5  □  84.3  >  s 

83.7    1 

83  0     s 
20  85.8    1 


Nr.  283.     Deneb  und  d  Cygni. 


11  28 


38 


D 


41 


46 


83.4  s 
85.3  1 

85.5  >  s 
86.8  1 
83.1  s 
84.3  1 

393  >  s 

40.5  1 

398  >  s 

38.8  1 


1857  Juli  20. 


C.  d.U.  +  0m,5. 


Tag  zum  Theil  wolkig.     Um  (•)  Untergang 
lösen  sich  die  .Reste  auf. 

Wega  mit  sich. 

103.0     s    103.6    Flammt  ziem- 


Bild: 


101  6 

1 

lieh  stark. 

101  4 

8 

101.3 

1 

102.6 

S 

102.6 

1 

103.6 

23.6 

s 

2155 

22  0 

1 

22.6 

s 

25.2 

1 

22.7 

s 

25.6 

1 

21.55 

63.9 

s 

62  8 

63.9 

1 

63.5 

63.7 

s 

62.3 

Nr.  284.     Deneb  und   Polarstern. 


56 


D 


30.7     s    Gestern  u. 

30.25  1    heute  sehr 

30.2    s  viele  Stern- 

12     4  31.2     1  Schnuppen, 

die  meist  im  grossen  Bären  verschwinden. 


D 


12.5 


92.05  s 
93.7     1 

92.3  s     gut. 

92.4  1 


Nr. 286.  yUrsae  major,  undyürsae  minor. 

9  52  30.5  36.4     s    y  U.  maj. 

flammt.  Mit  y  U.  min.  ist  noch  ein  kleiner  % 
35.3     1       im  Feld. 
36.8     s 
59  30.5  35.3    1 

10     3.5  91.45  87.2     s    Tief  im  N. 

Wolkenstreif.     Sonst  scheint  der  Himmel  rein. 

83.95  1 

85.0     s 
15.5  91.45  84.7    1 


230 


Nr.  287.     Deneb  und  ß  Cygni. 


10h    28"> 

D 

80.1     s 
80  8     1 
82.35  s 

37  5 

DD 

80.0     1 

40.5 

DD 

42.6     s 
42  8     1 

§  D 

45.3     s 

47.5 

44.0     1 

Nr.  288.     Deneb  und  «  Cephei. 

11     2  —  37.9  s 

33.4  1 

37.6  s 

34  7  1 


11 


13 


21.5 


D 


D 


34.7  <  s 
34.6     1 

89.3  >s 
88.05  1 
879  <  s 
88.0     1 


Nr.  289.     y  Aquilae  und  ß  Aquilae. 

11   315  47.1  □       47.3  <s  Geht  äus- 

serst schwer,  wegen  schwachen  Lichtes. 
47.2     1 
§  47.4  ::  s 

47.05  47.6     1 


45.5 

84  9 

77.7     s    Laternen 
77.0     1  genir  sehr. 

51.5 

83.6 

77.05  s 

53.5 

83.6 

77.6     1 

58  43.3  50.9  <s  Von  Wol- 

49.'.)     1     ken  in  der 
50.6     s     Gegend 
12     5.5  43.3  48.6     1     nichts  zu 

sehen,  wohl  aber  im  südl.  Horizont  dunstig. 
Der  südl.  tiefere  Th.  der  Milchstrasse  scheint 
heute  nicht  den  vollen  Glanz  zu  haben.  [Bei 
der  Reduction  die  vier  ersten  Einstellungen 
verworfen,  weil  sie  nicht  mit  den  folgenden 
und  auch  nicht  mit  dem  Augenscheine,  dasa 
ß  viel  schwächer  als  y  ist ,  übereinstimmen, 
und  also  zu  vermuthen  ist,  dass  y  geschwächt 
war.] 


Nr.  290.      y  Aquilae  und  £  Aquilae. 

12li  12m  35.8  31.7  <s       In  SW. 

nimmt  Dunst  von  unten  herauf  zu. 
32.7     1 
34.4     s 
17  33.9     1 

19  82  2  84  4     s    Seit  l/i  St. 

hat  sich  Wind  erhoben.  Früher  zuweilen  Wetter- 

83.4  1       leuchten. 
85.1     s 

81.5  1 
81.9     s 

28  82.2  82.3    1 


Nr.  290a.     Deneb  und  ,9-  Cephei. 

Zur  Verifieation  zu  Nr.  266  gehörig.  Di- 
stanzkreis war  auf  18.1«  gestellt,  wie  für 
«Cephei;  es  ergibr  sich,  dass  bei  dieser  Stellung 
ausser  u  auch  noch  der  hier  beobachtete  $i 
das  Feld  passirt ,  welcher  ohne  Zweifel  die 
Verwechslung  bei  Nr.  266  veranlasst  hat 
—  77.0     s 

75.0     1 
Im  S.  nehmen  Wolken    überhand,    die   um 
12h    38m   schon  bis  in  die  Gegend   des  Adlers 
reichen 


1857  Juli  24. 


C   d.  U.  Om. 


Himmel  gegen  Abend  ganz  rein  geworden, 
nur  tief  am  Horizont  dunstig. 

Bild:       s       63.2  {%)  62.67  (C)  beide  gut 

Arcturus   mit  sich 

31.0<  s       29.7  Himmel  noch 

33.2     1  etwas  hell. 

31.5     s 

276     1 

31  2     s  Flammt  ziemlich. 

30.05  1 

32.4     s 

31.0     1         29.8 

102.4  >  s    103.6 
104.3    1 

102.3  <  s 

102.4  I 

101.5  s 
104.0  1 
101.9  s 

103.9     1        103.7 


231 


Nr.  291. 

Wega 

und    Arcturus. 

Nr. 

29i 

).     Deneb 

i  und  £ 

Cygni. 

9h    21'" 
24.5 

102.7 
100.05 
100.2 
100.0 

s 

1 
s 

1 

11h    l8m 
25.6 

§ 

80.7 
80.6 
78.0 
81.4 

>  s 

1 

s 

1 

27 
34 

21.2 
21.4 
22  2 

22.6 

s 

1 

s 

1 

28.5 
35.0 

D 

46.7 
47.0 
47.3 
48.9 

s 

1 

s 

1 

Bild: 

64.15 
5 tutzen : 

1 

64.0 

34.4 

Ocular-S 

Nr.  296. 

Po 

larstern 

und  ß\] 

rsae  minor. 

44  23.6 


Nr.  292.     «  Ophiuchi  und  ^Ophiuchi. 

46  23.9  39.7  s 

32.2  1 

36.2  s 

57  23.9  35.0  1 


12     0 


10     2                  102.6             90.2  s 
( 

89.3  s 

11.5                102.6             93.0  1 


1 '  i  >  3  95.4 

10  95.4 


27.5 

s 

32.5 

1 

27.5 

s 

28.2 

< 

1 

31.7 

> 

s 

35.1 

1 

29.9  > 

s 

28.3 

1 

87.0 

s 

Fl. 

zieml. 

87.6 

1 

St., 

beson- 

87.8 

s 

ders  ß. 

89.9 

1 

Nr.  293.     Deneb  und  y  Lyrae. 
23.5  □ 


36  D 

45.5 

Nr.  294.     Deneb  und  £  Draconis. 


79.9 

s 

81.3 

<1 

79.9 

s 

79  75 

1 

42.2 

s 

39.3 

1 

42.6 

s 

42.9 

1 

Nr.  297.     /i  Pegasi  und  Deneb. 


12  39                    83.8  s  Q 
86.0  1    Strassenlaterne  blen- 

33.5  79  75  1  85.2  s     det  sehr. 

49.5  85.75  1 

51.5  39.9  s  □ 

40.7  1 

41.2  s 

44.4  1 
39.9  <  s 

13  3.5  43.7  1 


10  53  □  44.1     s 

4i.i    l  1857  Juli  25.  C.  d.  U.  0. 

43.9     s 
H     l  49  r     i  Horizontal- Dunst.   —   In  N    Wolkenbank 

unten;  auch  etwas  höher,  bis  etwa  9",  Wolken- 
il    4.5  □  81.7<s  StnCh- 

80.7     1  Bild:     s:     63.33  (#)     62.7  (C) 

82.2     s 

gj  5     i  Beide  Prismen   stark  mit  dem  Pinsel  ab- 

gestäubt.     [Diess    ist    später    gewöhnlich   ge- 
schehen, ohne  besondere  Aufzeichnung.] 


10 


Abh.  d.  II.  Cl.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  X.  Bd.  I.  Abth.  30 


234 


25.3 

22.2 

19.5 

23.1 

19  6 

23.0 

20.7 

23.0 

25.2  > 

64.5 

63.95 

64.5 

63.75 

1857  August  25. 


C.d.U.  0. 


Bild: 


„Flammen  so  stark,  dass  die  Einstellungen 
nur  als  rohe  Näherungen  zu  betrachten  sind. 
—  Im  Süden  starkes  Gewitter.  Viele  Stern- 
schnuppen ohne  bestimmte  Richtung." 


Instrument  auseinander  genommen.  Su- 
cher und  Photometer  (Bild  A)  in  gehörige 
Uebereinstimmung  gebracht,  und  zugleieh  be- 
wirkt, dass  die  Bilder  von  den  beiden  Objectiv- 
hälften  (fast  genau)  zur  Coinc'denz  gebracht 
werden  können. 

Arcturus   mit  sich. 

105.0  104.2 

104.5 
104.8 
106.3 
105.3 


Nr.  306.     Gemma  und  y  Herculis. 


9h     Um 

32.35 

48.5 
48.7 
47.3 

21 

49.1 

24 

0B.8 

78.0 
79.5 
79.0 

32.5 

78.5 

Nr.  307. 

Gemma 

und    6'  Herculis. 

10     14 

101.4 

86.3 

88  7 
89.6 

24 

92  8 
90  2 

30.5 

26.0 

36.0 

370 

35.0 

40 

36.0 

44 

35.5 

Höchst  unsicher  wegen  heftigen  Flammens, 
und  Blendens  der  Lichter  von  unten. 

Die  heutigen  Messungen  zu  wiederholen. 
Dieselben  sind  auch  dadurch  beeinträchtigt, 
dass  das  Instrument  nicht  gehörig  berichtigt 
war,  wesshalb  es  auseinander  genommen  wer- 
den soll. 


Bild: 


22.4 


63.9 


21.2    St.  Flammen. 

2175 

20.3 

21.4 

19.1 

63.8 


Nr.  308.     Gemma  und  $  Herculis. 

Bei  dieser  und  der  folgenden  Beobachtung 
stört  das  Licht  dreier  Strassenlaternen. 


10 


i     52m 

95.0 

94.1 

90.1 

92.4 

)     13 

92.7 

18.5 

31.8 

33.75 

34.0 

30  0 

35 

29.0 

Nr.  309.     Gemma    und    y  Herculis. 

50 

84.5    s.  Bemerkung 

84.3  bei  Nr.  308. 

85.6 

)       1 

84.5 

6 

40.75 

40.5 

39.0 

18 

41.8 

235 


Nr.  310.     fiemma  und  rj  Herculis? 

Distanz  18o.8.  [Der  Beobachter  hat  das 
Fragezeichen  beigefügt.  Wenn  jedoch  hier 
statt  >]  ein  falscher  J^:  beobachtet  wäre,  so 
müsste  er  heller  als  ij  gewesen  sein.] 

(Anfangs  Zeit  verloren,  weil  die  Aufschrei- 
bung der  Stellung  des  Einen  Schlittens  ver- 
gessen wurde.) 


Hh    0'» 


12.5 
17 

22 


34 


94.0 
96.9 
94.7 
97.5 
95.9 

30.0 
29.8 
29.3 
29.0 


Nr.  311.     <f  Draconis  und  Deneb. 

12  37  44.0  — 

43.3  D 

44.0 

13  3  45.2 

8  82.5 

82.5 
82.35 
83.3 

Heute  bei  Tage  zum  Theil  wolkig;  seit 
Mittag  rein.  — ■  3fc^  besonders  hell.  Trotz 
des  Flarnmens  würde  die  Nacht  viele  gute 
Beobachtungen  erlauben,  wenn  nicht  der  Be- 
obachter nach  dem  [für  ihn  anstrengenden] 
Ablesen  der  Scala  immer  geraume  Zeit  ge- 
blendet wäre. 


1857  August  26. 


C.d.U.  0. 


Nr.  312      Gemma  und  jj  Herculis. 
Distanz  18».8. 


8h     48m 


G 


85.8 
85.3 
84.75 
85.7 


9h    gm 

D 

41.7 
43.0 
42.3 

28 

41.0 

Wega   mit 

sich. 

19.2 



19.7 

18.1 

18.1 

19.1 

17.7 

107.65 

— 

107.7 

108.0 

107.8 

107.7 

108.0 

Bild: 

64.3 

63.75 

64.0 

63  5 

Nr.  313.     Deneb   und  >z  Pegasi. 


11     40 


12      0 


12       4  5 


83  25 
80.3  < 
82.5 
81.5 
82.0 

42.0 
44.7 
42.9 
43.7 
44  0 


Nr.  314.      «  Andromedae    un  d   ß  An- 
dromedae. 


12     51.5 


13 


98.0 
99.8 
98.2 
983 

23.7 
23.5 
22.4 
24.0 


236 


Nr.  315.     a  Andromedae   und  y  Andro- 
medae. 

1311    56m  — 


14       6 
14     10 


Wega  mit  sich. 


18 
23 

28 


Himmel  rein  und  klar,   $i$i  ohne  Flamm. 

1857  August  27.  C.  d.  U.  0. 

Nr.  316.     y  Aquilae   und    A  Aquilae. 


108.1 

— 

101.7 

108.1 

101.55 

107.8 

102  0 

108.3 

100.3 

18.2 

—    Flammen  be- 

23.1 

18.25 

ginnt    einzu- 

22.7 

17.7 

treten. 

28.0 

(23  ?) 

17.95 

23.2 
19.8 

Bild: 

64.6 

64.0 

19.8 

Auge 

ermüd. 

10     18.5 

36 

46.8 


92.1 


35.3 


87.6 
85.25 
86.3 
86.9 

38.5 
40.0 
39.8 
41.0 


Nr.    317.     (y  Aquilae    und    £   Aquilae?? 
Distanz  7°.55.) 

[Müssen  falsche  ^  ^  gewesen  sein,  weil 
die  Distanz  nicht  zutrifft.  Wahrscheinlich 
statt  C  ein  anderer.  Vergleiche  Nr.  323  und 
auch  die  Notiz   vor  Nr.  701] 


11 


91.1 


19 


87.9 
S6.8 
87.8 
S6.0 


[Die  noch  gemachten  Einstellungen  über 
dem  Bild  sind  unbrauchbar,  weil  die  Ablesung 
des  Schlittens  A  versäumt  wurde.] 

Um  40m  Wolken  gekommen.  Sonst  die 
Nacht  der  Beobachtung  sehr  günstig;  ifc  ifc 
ohne  Flammen.,  wie  Tags  zuvor. 


1857  August  30. 


C.  d.  U. 


0m.6. 


Nr.  318.     Deneb  und  Polarstern. 


9h    25m  5 


36.5 


41 


10     13.5 

17 
22 


95.0 
93.0 
92.8 
94.0 
94  0 
94.0 
93.85 

35.0 

32.8 

31.85 

33.7 

35  9 

32.3 

35.0 

32.95 

34.9 

34.0 

93.7 
94.7 
940 


Deneb  mit  sich. 


100.95 
1009 
100  0 
99.0 
100.7 
100.0 
100.75 
101.0 

19.5 
21.3 
20.15 


101.75 


19.3 


237 


19.8 

19.0 

19.8 

19.3 

22.0    beginnt  zu  flammen. 

19.1 

19.25 


Nr.  319.     Deneb  und  Fomalhaut. 

Hh    26"  5  —  98.0 

98.1 

97.4 

99.5 

40  96.7 

44  —  27.0 

25.75 
30.9 
28.8 
28.6 

Fomalhaut  flammt  ungemein,  doch  dürfte 
die  Beobachtung  zu  den  gelungenen  zu  zählen 
sein. 


Nr.  320.     «  Pegasi  und   *  Pegasi. 


12     37 


51 


86  3 
87.8 
86  0 

87.7 


1857  September  17.      C.  d.  U.  -f  0m,3. 

Nr.  321.     Gemma  und  y  Herculis. 
Distanz  I80.8. 

QU    22m  22  3  40.4 

43  3 
42.15 
34,5  39.9 

41.5  103.4  83.3 

84.9 
84.6 
83.0 
Schwierige  MeRssung. 


Nr. 

322. 

Dene 

b 

un 

d  Polarstern. 

9     10 

n 

95.2 
94.0 
93.1 

19 

95.0 

24 

— 

30.9 

30.75 

31.9 

36 

. 

32.5 

Deneb  mit  sich. 

108.0  — 

107.75 

107.8 

107.45 


13       0 


14 

27.5 

32.5 


D 


38.1 

36.95 

39.45 

40  9 

41.3 

41.7 


► 


Distanz  20°.4.  —  Ungemein  heftiges  Flam- 
men, „e  Pegasi  auch  im  starken  Sinken."  — 
Messung  zu  wiederholen.  [Die  mit  Anfüh- 
rungszeichen versehene  Bemerkung  scheint 
nicht  wohl  zu  passen  zur  berechneten  Zenit- 
distanz 46°.8  von  f  Pegasi.] 


35.9  —     Hier    ist    bei 

A  das   untere  Ende    des  Schlittens    statt   des 

oberen  abgelesen,    daher  die  Ablesungen    um 

373  18.1  zu  ver- 

35.7  mind.    sind. 

36.1 


Bild: 


64.4 
64.0 


63.5 
63.7 


Nr.  323.     y  Aquilae    und    C  Aquilae. 
Distanz  IO0.8 

96.3 


10     30 


92.3 
94.8 


238 


92.8 

42» 

92.3 

47.5 

38.3 

37.3 

34.45 

59 

35.3 

63 

39.5 

32  75 


Geht    sehr    schwer  wegen  Blendung  durch 
Strassen-Laternen. 


Nr.  324.     y  Aquilae    und    y  Lyrae 


11     21 

36.5 
42 

58 


93.0 


34.2 


91.9 
91.9 
91.2 
92.7 

32.8 
33.7 
33.95 
33.0 


Nr.   325.     «  Andromedae    und    cf  Andro- 
medae. 


12     16 


26 


O*) 


32 


39.5 


83.0 

84.0 
83.5 
85  0 

40.9 
39.1 
40.8 
39.0 


*)  Der  □  Schuber  A  fand  sich  nicht  ganz 
offen,  und  wurde  erst  bei  der  folgenden  Ein- 
stellung geöffnet.  Die  vorigen  Beobachtungen 
sind  wahrscheinlich  sämmtlich  unter  diesem 
Einflüsse  gemacht,  da  der  Beobachter  sich 
nicht  erinnert,  ihn  berührt  zu  haben. 


Von  nun  an  wieder  beide  Beobachter. 
1857  September  20.    C.  d.  U.-0m,7. 

Prachtvolle  Nacht. 

Wega    mit    sich. 

97.65  1  —  (Die  erste  u. 

107.4    s  dritte    Ables. 

sind  wahrscheinlich  um  10   Linien  zu   klein.) 
98.65  1 


102.0     s 

104.0 

104.7     1 

103.2     s 

103.45  1 

25.3     s 

22.6 

24.1     1 

25.4     s 

23.7     1 

26.2     s 

25.0    1 

22.5 

Nr.  326.     Gemma  und  n  Herculis. 

[Die  Beobachtung  ist  gemacht  in  der 
Meinung,  dass  der  mit  «Cor.  verglichene  ^ 
<f  Herculis  sei.  Die  Bemerkung  wegen  des 
Nachbars,  der  bei  ä  fehlt,  macht  es  aber  un- 
zweifelhaft, dass  n  beobachtet  wurde,  obwohl 
die  Distanz  für  diesen  um  Oo9  grösser  als  für 
d  ist.  (Vielleicht  der  Kreis  um  lo  falsch  ge- 
stellt?) Auch  die  Helligkeit  passt  für  n  und 
nicht  für  <f.] 


8h    8ra 
13.5 


97.45  □ 


82  0  s 

80  9  1 

81.4  s 

81.3  1 


„Ausser  cfH.  ist  noch  ein  etwas  schwä- 
cherer %  des  II  im  Felde,  welcher  etwas 
stört." 
8     16 


24  7 


19 

23 

27.5 


24.8 


40.3 
36.9 
43.6 
41.9 
44.0 
407 


Jetzt  eine  Pause  gemacht. 


Nr.  327.     Deneb  und   y  Andromedae. 
10     40.5  QD 

D 


51.5 
53 

59 


D 


343 

s 

36.5 

1 

33.4 

s 

34.1 

1 

32.6  <  s 

34.5 

1 

89.5 

S 

90.5 

1 

90.2 

s 

90.6 

1 

239 


Nr.  328.     «  Pegasi    und    *  Pegasi. 


Hh     15m 

24.1 

44.7 

s  Geht  schw. 

44.9 

1  wegen   ge- 

43.95 

>  s     ringer 

24.5 

24.0 

43.0 

1    Helligkeit. 

30 

96.9  □ 

78.6 

s 

80.6 

1 

78.6 

s 

39.7 

97.0 

79.1 

1 

Nr.  329.     Deneb   und   Polarstern 


49.4 


59  5 
12       2 


Nr.  330.     «Andromedae  und    /Cassio- 
pejae. 


13.S 

24.0 

23.0     s 
24.25  1 
26.3     s 

18.5 

24.0 

23.0     1 

20.6 

102.6 

100.6     s 

99  3     1 

101.25  s 

26 

102.8 

101.75  1 

Bild: 

62.9 

s         62.9 

64.2 

1         64.0 

Ocular-Stutzen 

steht  auf  34.55, 

1857  September  23.       C.d.U.  —  0m,7. 

Sehr  schöne  Nacht. 

Wega  mit  sich. 

103.65  s       104.8 
105.3     1 
105.7     s 
105.3     1 
104.9     s 

Abh.  d.  II.  Cl.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  X.Bd.  I.  Abth. 


104.9     1 

101.7  <^s    Nicht  zn  verwerfen. 

104.9     1        104.9 


20.4  s 
23.9  >  1 

23.5  s 
23.3  1 
23.3  s 
24.75  1 
22.45  s 

23.3     1    20.6 


20.55 


Nr.   331.     Wega    und    «Andromedae. 


— 

94.6 

s 

93.5 

1 

10 

20.7 

90  2 

<s 

93.0 

1 



31.0 

s 

30.4 

1 

30.3 

32.0 

s 

33.2 

s 

32.9 

D 


D 


41.2 


43.3 

s 

44.7 

1 

43  95 

s 

43.4 

1 

42.8 

s 

42.3 

1 

82.7 

s 

82  6 

1 

82.25>s 

82,9 

1 

82.2 

s 

81.35 

1 

Nr.  332.     Deneb  und  /Pegasi. 
10    49.7 


56.5 
59.1 

11       4.7 


D 

D 
§ 


84.6 

s 

86.0 

1 

86.3 

s 

86.0 

1 

39.4 

s 

39.8 

1 

41.2 

s 

40.0 

1 

11 


Nr.  333.     Wega  und  Capella. 

9  20,4  24.4    s    gut. 

Beide  flammen  etwas. 
22.0     1 
23.9    s 
23.0    1 
23.6<s 
23-0  20.4  22.0     1 

25.85  103.95  100  3     s 

100.3     1 

31 


240 


100.4     s 

98.1     1 

100  9     s 

llh  33m.7 

97.7     1 
102.0     s 

36.2 

104.0 

99.0     1 

Nr.  334. 

Deneb 

und    «Perse'i. 

42.6 

— 

96.0     s 
96.25  1 
94.95  s 

49.4 

98.5     1 

5165 

— 

247    s 
25.4    1 
25.0  >s 

56.0 

27.7     1 
26.85  s 

89 

26.3     1 

Nr.  335.    Deneb  und  y  Cassiopejae. 
12       4.6  — 


9.5 
12.8 

18.5 


28.2  s 
28.0  1 
27.95  s 
29.5    1 

93.9    s 

94.5  1 
94.65  s 

96.6  1 


Nr.  336.     Deneb   und  Capeila. 


22.2 

91.7<s 
92.9    1 

— 

90.3    s 

D 

29 

91.0    1 

31.5 

35.25  s 
37.8  >  1 

D 

35.2     s 

§ 

37.2 

34.1     1 

35.7    s 

D 

39.5 

34.9     1 

1857  September  24.     C.  d.  U.  — 0m,7. 

Deneb    mit    sich. 


23.95 

s 

23.4 

1 

24.5 

s 

24.5 

] 

20.25 

103.6 

s 

105.0 

104.8 

1 

104.25 

s 

105.6 

1 

103.0 

s 

104.1 

1 

105.0 

Am  westlichen  Horizont  werden  Wolken  - 
streifen  bemerklich.  Der  untere  (helle)  Theil 
der  Milchstrasse  ist  nicht  sichtbar.  Auch  in 
SW.  und  N.  Wolken,  doch  nur  nahe  dem 
Horizont. 


Nr.  337.     y  Cassiopejae  und  «Cassio- 
pejae. 


11     19.65 

35.0 
37.7 

47.8 
52.5 


Nr-  338.     j/Cassiopejae  und  ^Cassio- 
pejae. 


22.6 

s 

20.9 

1 

19.6 

s 

25.9 

1 

20.3 

s 

23.1 

1 

gut 

107.1 

> 

s 

102.0 

1 

97.4 

S  1 

;sic) 

99  0 

1 

99.6 

s 

gut 

101.8 

1 

98.45 

s 

100.8  1  gut 

12       1.1 


13 


17 


24.7 


102.2 


102.2 
23.7 


23.7 


100.0  s 
97.8  1 
9G.7  <  s 

95.1  1 

95.8  s 
95.35  1 

25.0  <  s 

26.9  1 

27.2  >  s 
27.7  1 


21.6    s 
24.5     1 


203    Geringes  Fl. 


Bei  den  heutigen  Beobachtungen  die  Vor- 
sicht gebraucht  (welche  auch  später  oft  an- 
gewendet wurde),  Kopf  und  Instrument  mit 
einem  dunkeln  Tuch  zu  umhängen. 

Himmel  hatte  sich  Abends  gegen  6h  stark 
mit    Federwolken    bedeckt,     die     gegen     die 


241 


Dunkelheit  hin  wieder  verschwanden,  oder 
vielleicht  nur  unsichtbar  wurden.  Vielleicht 
rühren  von  ihren  Resten  die  heute  vorkom- 
menden stärkeren  Differenzen  in  den  Einstel- 
lungen her?  —  Sonst  Luft  trocken  und  zum 
Beobachten  geeignet. 


1857  September  27.    C.  d.  U.  +  Om,i. 

3.  Am  Nord-Horizont  nm  ©Untergang 
etwas  streifig  und  milchig  getrübt.  —  Sonst 
anscheinend  rein.  —  Zuerst  s  allein. 


8h    12"U5 


18.8 


99.4  79.95  s 

82,5  1 

□  80.7  s 

99.45  80.1  1 


Nr.  341.     Deneb   und  Polarstern. 
8    29.5  — 


22.75 

20.0    Fla 

,mmt  st. 

23.5 

23.3 

23.5 

D 

21.7 

22.8 

20.0  □ 

102.7 

103.95n 

Einstel- 

lungen   gelingen    ziemlich    leicht. 

trotz    des 

Flammens,  welches  übrig« 

jns  nachlässt. 

102.2 

102.8 

103.9 

§ 

102  0  < 

104.0 

103.95 

35.0 
37.2 

41.2 


92.6     s    Flammen. 
92.45  1 
92.3  >  s 

94.3  1 

34.8     s 
36.25  1 

33.4  s 

34.95  Uetzt  Pause. 


Nr.  342.     et  Pegasi  und  #  Pegasi. 


10     54.3 

28.95 

42.1     s 

3  ist  fast 

47  0  > 

1    unter- 

D 

44.1     s 

gegangen. 

11       6.0 

29.0 

41.1     1 

10.5 

97.25  □ 

82.3     s 
80.5     1 

§ 

80.5     s 

20.3 

97.25 

81.2     1 

Nr.  339.     y  Cassiopejae  und    d    Cassio- 


Nr.  343.     et  Pegasi    und    et  Aquarii. 


peja< 

3. 

11 

29.2 

24.65 

37.8    s 
37.85  1 

7     42.7 

99.85 

89.25  s 

D 

37.6     s 

88.7    1 

38.9 

24.5 

38.6  >  1 

87.7     s 

48.5 

99.9 

89.0     1 

42.4 

94  OD 

81.1  <  s 
83.5     1 

51.0 

28.2 

38.2  >  s 

§ 

82.8    s 

37.2     1 

49-8 

94.0 

82.0    1 

55.0 

36.2  <  s 
36.5     1 

28.2 

Nr     SdA 

et   P  e  a  a  s  i 

und     v  Annarii. 

Nr.  340.     y  Cassiopejae  und  i  Cassio- 
pejae. 

8       1.4  27.7  42.65  sGehtschwer 

beim  3 Schein,  wegen  Schwäche  des  Lichtes. 
45.0    1 
42  8     s 
9.4  27.7  43.4     1 


Geht  sehr  schwer  wegen   geringer  Hellig- 
keit von  y. 


12       2.4 

8.9 
11.3 


42.9  s 
40  85  1 
39.6  s 
41.6    1 

82.0     s 

31* 


242 


12h    22^.2 


86.0  1 

82.4     s 

85.1  1 


Nr. 

345. 

rc  Pegasi 

und    ß  Ceti. 

32.0 

103.8 

102.4  s     ß  fl.  stark. 

102.5  1  gut 
99.0  <  s 

42.0 

103.9 

98.9    1 

46.3 

23.4 

25.8    s 
19.1     1 
22.0     s 

56.3 

20.1     1 

25.25  s 

62.9 

23.5 

22.3     1 

1857  Oktober  18.  Cd. U.  — 0*5. 

Wega  mit  sich. 


20.0     s 

18.2  ^$flammen 

20.45  1 

etwas. 

19.1     s 

20  45  1 

21.1     s 

21.0     1 

18.1 

10«25     s 

106.27 

105.3  <1 

104.55  s 

104.9     1 

105.3     s 

103.9     s 

106.2 

Nr.  346.     «  Pegasi  und  ß  Aquarii. 
Stellung  in  hohem  Grad  unbequem. 


26.3 

93.25 

82.7     s 
82.9     1 
82.4     s 

34.5 

93.3 

83.3    1 

38.4 

27.3 

40.0     s 
41.6     1 
39.5  >  s 

46.4 

27.3 

37.1     1 

Gegen  Ende  dieser  Beobachtung  wird  die 
Luft  nebelig.  8h  scheint  der  Nebel  wieder 
zu  schwinden.     Höhe  rein. 


Nr.  347. 

W 

ega 

un 

d 

y  Casseopejae- 

8h     2"> 
7.3 

D 

44.2     s 
45.7     1 
44.35  s 
45.1     1 

9.7 
14.5 

D 

80.9     s 
81.3     1 
80  6     s 
80.0    1 

Beendigt  wegen  der  am  Horizont  herum- 
ziehenden Nebel.  In  der  Höhe  scheint  der 
Himmel  noch  schön  rein.  —  Später  nehmen 
Nebel  zu  und  werden  sehr  dicht. 


1857  Oktober  19. 


Cd.  ü.  —  0m6. 


Wega  mit  sich. 

104.7  104.6  s      Farb- 

105.0  105.45  1  Verschie- 

103.9  s     denheit 


NB.     Ablesungen  sind  so  103.0  1 

richtig  notirt,  u.  nicht  103.4  s 

etwa  die   Colnmii.  ver-  103.0  1 

wechselt.  104.2  s 

105.0  102.9  1 


stört. 


23.25 


23.3 


19.6 

21.9 
22.75 
231 
23.6 

22.0 
23.0 
24.4 


»[><]' 


Nr.  348.     y  Cassiopejae  und  ijCassio- 
p  ej  a  e. 

Distanzkreis  3o.l.  Der  beobachtete  %i  ist 
nicht  etwa  d,  sondern  Stellung  passt  auf  rj. 
—  Sehr  unbequeme  Lage. 


24.1 

32.7 
37.0 

45.6 


19.0  □ 

19.0  D 
103.4  □ 

103.45Q 


43.2  s 

41.9  1 

42.0  s 

41.6  1 

84.2     s 
83  15<1 
83.0  >  s 
83.25  1 


243 


Nr.  349.     7  Cassiopejae  und  ?  Cassio- 
pejae. 

Kreis  gestellt  auf  60  9.  Der  beobachtete 
J-fc  ist  der  hellste,  welcher  in  dieser  Gegend 
durchs  Feld  geht.  Verwechslung  mit  ß  oder  t 
ist  unmöglich.  Der  beobachtete  (?)  hat  noch 
einen  kleinen  Nachbar  bei  sich. 


7h     58m 0 

21.7  D 

44.8    s 
44.7  >  1 
45.4  >  s 

8       4.4 

21.8 

43.1     1 

/ 

8.7 

100.15  Q 

81.7     s 
80.1     1 

13.9 

80.55  s 
78.5    1 
79.9     s 

16.8 

100.1  □ 

78.9     1 

Nr.  350.     «  Pegasi    und    rf  Aquarii. 


8    237 

102.4 

85.0    s 

87  8     l 

<?  flammt 

85.4    s 

sehr  st. 

31.7 

102.45 

88.9     1 

33  95 

22.4 

40.45  s 
38.2    1 

39.9     s 

41.6 

22.4 

38.2     1 

Hiernach 
Pause. 

Nr.  351.     a  Persei  und   y  Persei. 

10       8.2  — 


12.4 

15.4 

10     17.4 

25.0 


D 


D 
8 


36.25  s 

35.3    1 

35  35  s 

38.3     1 

36.8     s 

gut. 

38.8    1 

gut. 

87.15  s 

86.8    1 

88.2     s 

gut 

87,0    1 

Nr.  352.     Wega  und   Capella. 

31.75  103. 5  100.5     s      Wega  fl. 

ausserordentlich  stark;    Capella  viel   weniger. 
99.0     1 


1010     s 

10h    36"  6 

103.55 

99.7     1 

39.4 

20.6 

21.7     s 
22.75  1 
21.7     s 

44.7 

20.75 

21.7     1 

Nr.  353.     et  Persei    und  <f  Persei. 


49.1 

53.5 

55.65 

63.5 


35.05  <  s 

38.0  1 
36.05  >  s 

36.1  1 

93.05  >  s 
90.0     1 
86  4     s 
90.5     1 
85.4  <  s 
89.0    1 


1857  November  19.      C.d.Ü.  — 5m8. 

Tag  war  nebelfrei.  Himmel  scheint  ganz  rein. 
Wetter  kalt,  noch  ohne  Schnee.  —  [Folgen- 
der Morgen   dunstig.]     Beobachter:     s  allein. 


Wega  mit  sich. 


Bild: 


63.45  gut; 
100.95 


100.95 
25.4 

25.4 


62  8 

99.9 

101.6  A  bläulich. 
102.4  Bmehrorange. 
103.5 

99  0     %  fl.  etwas. 

99.7 
101.3 
100.95 

22.6 

23.55 

23.2 

24.4 

240 

23.55 


Nr.  355.     a  Persei   und    f  Persei. 
7     30.5 


D 


39.2  (etwa  Gew.  Va) 
35.3 


244 


7h     40>n 

43.5 
52 


D 


35.7 
34.4  < 

89.6  < 
90.3 
90.4 
89.95 


104.3 


Nr.  356.     a  Persei    und    *  Persei. 
8       1  D 


8.6 
12.0 

21 


D 


90.25 
89.6 
88.7  < 
89.6 

30.25 
33.6 
33.3 
31.2 


Nr.  357.     «  Andromedae    und    u  Arietis. 
33  — 


41 


44 


49 


23.0 
26.0 

23.7  Unbequeme 

23.8  <  Stellung  er- 
schwert genaues  Einstellen. 

99.2 
101.5 
100.4 
101.6 


1857  Deceinber  17.    C.  d.  ü.  —  0m,i. 

Beobachter  1  allein. 
Nr.  358.     «  Andromedae   u.nd  c.  Ceti. 


7  56 

8  8.5 
18.7 

30 


103.6  94.5 

90  0 

93.1  Heftiges  Wall. 
95.9 

23.5  32.0 

35.0 
33.7 
35.0 


Deneb  mit  sich. 

21.4  20.0 

19  85   Heftiges  Fl. 


103.1 
102.9 


1858  Januar  5.  C.  d.U.  +  lm,4 

Nr.  359.     Deneb   und   «  Pegasi. 

D 


7h    4m  .5 


87.0    s  allein. 

88.8  Beide  Jfc  % 
flammen,  besonders  Deneb. 

86  6 

88.8  ^>  Auge  muss 
nach  jeder  Ablesung  erst  etwas 
ruhen,  um  wieder  gut  zu  sehen. 


§ 

88.7 

18.7 

89.0      Flammen 
nimmt  zu. 

21.0 

— 

38.2  < 
37.2  > 
39.7 

D 

35.8  > 
35.4 

30.0 

33.5 

33 

§ 

37.2 

Jupiter    mit    sich. 

(Capella,  welche  ich  zuerst  mit  sich  ver- 
gleichen wollte,  flammt  allzu  stark,  trotz  ihres 
hohen  Standes.) 


Bild: 


22.0 

19.35 

23.9 

22.0 

22.6 

22.1 

24.7 

19.33 

62.6 

62.8 

103.2 

103  6 

102.3 

104.0 

102.9 

102.3 

102.5 

103.6 

NB.  Tag  (ziemlich  kalt)  war  nicht  ganz 
rein,  sondern  Himmel  abwechselnd  überzogen; 
auch  cirrhusartige  Streifen.  Bei  Beginn  der 
Beobachtungen  scheint  der  Himmel  sehr  klar, 
gegen  Ende  der  Vergleichung  von  Jupiter 
mit  sich  (etwa  7h  45m)  wird  er  aber  in  S., 
auch  SO.  und  SW.,  offenbar  dunstig,  ziemlich 


245 


hoch  herauf,  auch  ist  um  diese  Zeit  |S  Orionis 
abwechselnd  hell  und  wieder  verhüllt.  Beob- 
achtung ist  daher  erst  noch  durch  eine  spä- 
tere zu  verificiren. 


1858  Februar  2.         C.  d.  U.  +  3m  ,4. 

Nachmittag  hell,  aber  Himmel  zum  Theil 
milchig  gestreift.  Jetzt  scheint  er  ganz  rein. 
Anfangs  s  allein. 


Nr.  362.     f  Orionis    und    ß  Aurigae. 


Capella  mit  sich. 


103.3 

99.6 
100.2 
100.6  > 

98.6  < 
101.6  gut 

22.7 

22.3.  .  . 
22  0 
243 
22.6 


103.1 


A  bläulich, 
B  orange. 


Zodiacal-Schein  ? 


103.7 

21.8 
Bei    dieser  Stellung 
scheint    mir  B  mehr 
bläul.,  A  mehr  orange. 

21.8 

welcher 


Ziemlich  scharfer  Wind  aus  SW 
Wasser  in  die  Augen  treibt. 


Nr.  360.     *  Orionis    und   Capella. 
7h     24°» 

29.5 
31.0 


41.5 

— 

40.5 

41.0 

39.4  < 

D 

85.0 

D 

85.4 

85.2 

§ 

84.0 

Distanz  47o. 

7h  58'i.7 

24.3  s 

25.6  1 

22.7  >  s 

21.4 

8   6 

26.8  1  gut 

21.45 

9 

102.1 
98.5 
101.0 
100.8 
100.4 

100-4 

16 

99  3 

100.2 

Heute  ruhiges  Licht  sämtlicher  ^  ^, 
selbst  Sirius  flammt  wenig.  —  Am  Schlüsse 
der  Beobachtungen  sieht  der  Himmel  völlig 
klar  und  rein  aus;  später  {U1/*  Uhr),  bei 
C  Schein,  zeigen  sich  jedoch  einzelne  zer- 
streute Wölkchen.    Folgenden  Morgen  Schnee. 


1858  Februar  18.        C.  d.  ü.  +  im,3. 

Wolkenbank  tief  in  SW.  Mehr  nördlich 
die  rothgrauen  Horizontal-Dünste.  —  Unver- 
dächtig. 


Jupiter  mit  sich. 

21.6    s  20.45 

24.0  s  Jetzt  Saturn,  weil 
Jupiter  zu  hell  ist. 
23.8 
20.9 
23  4 
23.2 


104.6  s 
102.9  s 

103.7  1 

104.0  s 

105.1  1 


20.45 
104.4 

104.45 


Nr.  361.     (f  Orionis  und   Capella. 


38.5 


47 


48.5 


79.0 
80.3 

80.15     gut 
80.3 

52.5  s 

48.0  1 

45.2  s    gut 

46.7  1 

44.7  s 

44.5  1 


D 


□  Bis  hierher 
heute  s  al- 
lein. 


Nr.  364.     Capella  und  ß  Aurigae. 
8    23.0  — 


296 
30.1 

35.0 


D 
D 


40.7 

s 

39.0 

1 

39.4 

s 

40.5 

1 

85.2 

s 

84.0 

1 

86.3 

s 

86.2 

1 

246 


Nr.  365.     zOrionis  und  Procyon 
9h    2m3 


9.7 


10.75 


15.4 


82.7     s  □        Die  ^^J 

81.3    1     flammen   stark,    pas- 
83.9    s     sen   aber    der  Farbe 
83.1     1     nach    gut    zur   Ver- 
gleichung  (silberweisa.) 


43.2  s 

44.0  1 

42.2  s 

42.7  1 


D 


Nr.  366.     Pollux   und    Capella 
9     23.0 

29.5 

9 

31.8 
40.3 


1858  Februar  19.    3     C.d.ü.+ lm,3. 

Wolkenbank  tief  in  SW.  Mehr  nördlich 
die  rothgrauen  Horizontal-Dünste.  — ■  Unver- 
dächtig1. 


35.2f 

i  s 

36.5 

1 

36.0 

s 

37.0 

> 

1 

89.8 

s 

92  2 

1 

88.9 

s 

89.8 

< 

1 

88.3 

s 

90.9 

1 

Jupiter  mit 

sich. 

102.25  1 

102.9 

102.9     s 

100.3     1 

101.3    s 

102  1     1 

100.9     s 

102.9 

24.4     1 

20.8 

24.55  s 

24.6    1 

23.4    s 

23.2     1 

23.4     s 

20.8 

Nr.  367      Rigel   und  Capella. 

47.7  23.4  <  s    R.  flammt  sehr  st. 

25.5     1 


23.3  >  s 

27.9     1 

25.5     s  gut 

53.5 

24.95  1           20.25 

56.2 

104.3  >  s     105.0 

101.2     1     gut 

100,6  <  s 

102.9     1     gut 

102  25  s     gut 

62.4 

103.0     1          105.0 

Nr.  368.     ß  Tauri  und  Capella. 

7     10.7  106.7*)  s  □     *)  Lieshie- 

88.8  1  für  88.4,  indem  ohne 
Zweifel  durch  Versehen  das  untere  Ende  des 
Schlittens  statt  des  oberen  abgelesen  ist 

88.0    s  .    (unteres  Ende  steht 

87.3  1      106  25) 
Beide  flammen  etwas 

35.9  s  □ 
39.8    1 

39.4  >  s 
39.2     1     gut 


17.3 


20.7 


25.8 


Nr.  369.     #Aurigae  und   Capella. 
Schwierig  wegen  Kleinheit  des  /\  von  #. 

D 


33.25 

42.0 

77.1     s 
78.7     1 
79.0    s 
78.0     1 

44.1 
47.2 

46.6  <  s 
49.9     1 
48.35  s 
48.5     1 

Nr.  370.     /JCanis  majoris  und  COrionis. 

7  54.6  34.9     s  24.8    Beide  flam- 

39.95  1     men    sehr  stark,    be- 
35.0  ]>  s  sonders  ß. 

8  0.0  36.3     1  24.9 

3.0  90.25  sgut  101.15 

88  8     1 

90  0     s 
7.8  96.8    1 

90.2    s     gut 
11.2  93.7    1  101.1 


247 


Um  llu  rasche  Bildung  zerstreuter  Wölk- 
ehen. Prisma  B  zeigte  sich  etwas  verunrei- 
nigt durch  Schmutz,  der  nicht  entfernt  wurde. 


1858  Februar  22.         C.  d.  ü.  +  1™  7. 

1   allein.    —    Prismen   mit  dem  Pinsel  ge- 
reinigt. 

Nr.  371.     Aldebaran   und   Beteigeuze. 


8h  13ra25 

20.5 
24.75 

30.5 


105.1 
103.6 
102.5 
102.8 

26.0 
26  9 
26.2 
25.35 


—       Heftig.  Fl. 


,,Mit  Capeila   wegen   Mondnähe  kein  Ver- 
gleich möglich.1" 


Sirius    mit    sich. 


23.8 
23.8 
22  2 
24.0  19.95 


19.95     Heftig.  Fl. 


104.7  106.45 

105.0 

104.6 

105.2  106.5 

Himmel  rein  und  klar,  nur  in  der  Nähe 
des  Horizontes  ringsum  ein  weisser  Wolken- 
teppich, der  sich  im  S    etwas  höher  erhebt. 


1858  März  21.  C.  d.  ü.  +  2m,6. 

Nr.  373     Sirius  und  Capeila. 

7     23.6  —  90.35     1  allein. 

92.2 

95.5     Heftiges    Fl. 
30.5  94.0 

Atmosphäre  scheint  sich  mit  Nebel  erfüllen  zu 

33.2  —  34.8  wollen. 

34.95 
37.6 

38.3  35.0 
Beobachtung  etwas  unsicher. 

Abh.  d.  II.  Cl.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  X.  Bd.  I.Abth. 


Cape  IIa  mit  sich. 

25.9  25.85 

28.75 

28.9 

28.0 

102.3  101.7 

101.95 
100.95 
99.0 

Atmosphäre  dunstig  und  nebelig;  Gegen- 
stände auf  dem  Maximilians- Platz  nicht  zu 
erkennen. 


1858  März  24. 


Cd.  U.  +  0m,l. 


3.     Luft  scheint  ganz  normal.     In  W.  am 
Horizont  die  bekannten  röthlichgrauen  Dünste. 

Nr.  374.     fCanis    majoris    und    COrionis. 


7 

28.45 
34.5 

39.9 
40.1 
40.2 
39  2 

s 
1 

s 

1 

33.3   3  hinderlich. 
Sonst     %  % 
sehr  ruhig. 

33.25 

37.7 
43.7 

87.1     s 
86  5     1 
8D.95  s 
87.45  1 

89.95 

Nr. 

375. 

tTCanis  majoris    und   fOrionis. 

7 

59.3 
5.0 

43.4 

8 

32.4 

8 

42.9 
43.4 
43.2 

i 

s 

1 

32.3 

8.2 
12.5 

81.0 

829 
83.5 
80.0 

s 

1 

s 

1 

91.35 

91.3 

Bild: 

63.2 

s 

63.0 

Nr 

.  376 

>]  Canis  m 

ajoris  und  COrionis. 

8t 

21'« ', 
30.0 

r 

77.1 
80.2 
76.15 
79.1 

s 
1 
s 

1 

92.7  □     Unsicher 
wegen  schwachen 
Lichtes  und  Klein- 
heit des  /\  von  ij 

32.4 

41.5 

49.6  <  s 
49.3     1 
47.65  <  s 
4!>.4     1 

32.7  □ 
32.85 

32 

248 


NB.  Unter  dem  Bild  ist  die  Lage  der  A  A 
verkehrt  gegen  die  Stellung  der  Q  Schuber. 


Nr.  377.     Capella    and    JOrionis 
8*>  52m. 3  — 


9       1.5 
9       3.3 

9.0 


D 


D 


42.8  s 

44.8  1 

40  9  s 

43.6  1 

41.8  s 

42.9  1 

84.1  s 

84.0  1 

84.25  s 

82.95  1 


Capella    mit    sich. 


105.0     s 

104.2 

102.2     1 

103.0  <  s 

104.9     1 

104  4     s 

104  6 

104.2 

21.7    s 

20.0 

23.0     1 

22.85  s 

22.9     1 

24.7     s 

23.9 

20.0 

1858  März  28.  C.  d.  U.  +  0m,5. 

Luft  scheint  ganz  normal.  —  Q  in  0. 

Jupiter  mit  sich. 

22.25  s         20.67 

23.0    1 

222     s 

24.75  1 

22  7     s 

22.2     1 


107.85  s 
106.2  1 
104  6  s 
103  95  1 
105.1  s 
106.9    1 


20 


107.2 


107.2 


Nr.   378.     Capella   und  Beteigeuze. 

7h  48m  o  —  92.5     s     Fl.  etwas. 

97.9     1    (etwa  Ge- 
91.1     s     wicht  V») 
93.35  1 
□  92.65  s 

56.0  91.0    1 

7  57.3  □  34  45  s 

37.0  1 

34.3  s 

30.7  1 

§  33.0  s 

8  5.3  35.0  1 


Nr.  379. 

Capella 

und    Polarstern. 

8     10.2 

— 

44.45  s 
46.1     1 
440  <  s 

18.5 

43.1     1 

21.2 

D 

83  7     s 
83.9     1 

§ 

83.7  >  s 

26.6 

82.3    1 

Nr.  380 

Capell 

a    und    i^Tauri. 

37.7 

— 

88.4    s 
89.9    1 

D 

88.6     s 

41.2 

88.5     1 

43.35 

D 

39.4     s 
40.6    1 

§ 

39.8     s 

47.0 

37.0    1 

Nr.  381.     Procyon  und  aHydrae. 
8     57.5  — 


9       5.5 
7.75 


—                43.8  s 

45  0  1 

Q                 44.0  s 

46.0  1 


D 


81.2     s 

82.25  1    NB.  «Hy- 
drae  steht  dem   C  etwas  nahe  (vielleicht  auf 
§  80.3     s     etwa  47°). 

15.9  83.5    1 


Bild: 


63.7   s   63.15 
64.75  1   63.95 


249 


1858  April  14. 


C.  d.  ü.  +  Om,9. 


Nr.  384.     jSTauri  uud   ß  Aurigae. 


Luft  rein,  nur  gehen  in  S.  die  Horizontal- 
Dünste  etwas  höher  herauf  als  gewöhnlich. — ■ 
Anfangs  Beobachter  s  allein. 

Procyon  mit  sich. 

19.8  >         17.9 

18.3 

20.4 

20  7 

22  4  Pr.  flammt  etwas ,  des- 
halb jetzt  statt  seiner  Saturn  ins  Feld  ge- 
nommen. Nach  diesem  Wechsel  scheint  mir 
die  letzte  Ablesung  zu  gross.     [Gewicht  Va] 

20.0 

21  7  < 

19.25  17.9 


103.2 
104  4 
104.2 
104.6 
103.8  1 
104.4     s 


105.25 


Bis  hierher  s  allein' 


105  2 


Nr.  382.     ,*Tauri  und  JTauri. 


8>>     25.7 

— 

42.0    s       Geht  et- 

was  schwer 

wegen  Lichtschwäche. 
361     1 

D 

37.85  s 
38.6    1 

33.7 

36.9     s 

37.0 

D 

86.9  <  1 
89.3  >  s 

§ 

87.25  1 

42.2 

86.2    s 

Nr.  383.     ß  Tauri  und  i  Aurigae. 


47.8 

— 

84.8  s 
85.8    1 

D 

86.6  < 

53.5 

84.2     1 

56.3 

D 

39.6  s 
41.2     1 

§ 

41.6     s 

9       3.0 

41.0     1 

9h  8"  5 


18.5 


21.4  s 
26.8  1 

22.5  s 
25.75  1 

19.7  s 
22.1  1 

21.8  <  s 
241  1 


21.37 


21.25 


21.4  101  7  s  104.8  Himmel 

scheint  jetst  auch  im  tiefen  Süden  schön  rein. 

104.5  1 

104.3  s 

101.9  1 

100.3  s 

32.0  103.0  1        104.8 


Nr.  385.     ß  Aurigae   und   «Aurigae. 
40.15  — 


47.0 
49.8 

55.6 


D 
D 


41.7  > 

38.2  1 

41.0  s 

41  8  1 

84.4  s 
87.85  1 

85.2  s 

86.2  1 


Nr.  386.     ß  Aurigae  und  /xGeminorum. 


10     9.05               — 

D 

14.7 

83.0     s     Stellung 
83.9     1   etwas  un- 
83.7     s     bequem. 
82.0    1 

17.7               □ 
24.0 

44.6     8 
43.6     1 
43.35  ]>  s 
44.0     1 

Sehr  klare  Nacht, 

%  %  sehr  ruhig. 

1858  Mai  4. 

C.d.ü.  +  lm7. 

Arcturus  mit  sich. 

21.3 
20.65 
20.2 
21.1 

19.6 
Bis  hierher  s  allein. 

32* 

250 


101.8  s 

102.6  1 
101.5  s 
101.05  1 
1018  s 

100.7  1 


103.8 


103.9 


Nr.  387. 
10h  34m  95 

44 
46.3 

52.0 


Regulus  und   y  Leonis. 


D 


91.9     s 

R.  flammt 

89.7     1 

ziemlich 

93.3     s 

stark. 

92.1     1 

90.4  > 

s 

89.2     1 

34.4 

34.95 

31.8 

34.2 

34.2 

33.5 

Nr.  388.     Regulus   und   &  Leonis. 

11       1.4               Q                34  95  s  Flammen 

34 .7  1  von  R. 

36.8  s  nimmt  zu. 
7.0                                     32.9     1 

9.3  Q  91.8    s 

91.0    1 

90.75  s 

15.1  91.0    1 


Nr. 

389. 

Arcturus    und 

S 

pica. 

21.7 
26.0 

—                95  4 
96.8 
95.7 
94.4 

s 
1 

s 

1 

S.  flammt 
sehr  stark. 

27.8 
31.4 

—                 28.2 
29.9 

28.7 
28.6 

s 

1 

s 

1 

NB.  Himmel  den  Tag  über  rein:  nach 
(•)  Untergang  zerstreute,  leichte,  anscheinend 
wohl  begrenzte  Wölkchen.  Um  10h  scheint 
es  ganz  rein ,  doch  flammen  ^  tf{  stark.  Im 
Laufe  der  Beobachtungen  einmal   in  S.,  nahe 


dem  Horizont,  einen  wenig  ausgedehnten 
Wolkenstreif  entdeckt.  (Morgens  darauf  Himmel 
dünn  bezogen.) 


1858  Juni  5. 


C.  d.  U.  0. 


Heute  bei  Tag  Himmel  ganz  rein.  Um 
9h  nur  im  tiefen  W.  streifige  Wölkchen,  tief 
im  S.  mehr  nebelartige  Schicht. 


Ma  r s  mit 

sich. 

23.7     s 

21.15 

22.5     s 

23.75  s 

22.2     1 

22.9  >  1 

22.0     1 

21.15 

103.15  s 

105  75 

102.3     1 

104.5     s 

103  8    1 

104  6    s 

102.0    1 

105.75 

[Es    wi 
notirt  107.75.     Ohne  Zweifel  Schreibfehler.] 


9h    35m    Venus  tief  in  W.  funkelt   stark;  sie 
spielt  dabei  besonders  in  Roth. 


Nr.  391.     ß  Leonis  und  Arcturus. 

9h  47m  0              46  8     s  —         A.  flammt 
stark.    —    Geht  etwas   schwer   wegen  grossen 

443  <C  1  Unterschiedes. 

46.2     s  [] 
49.0  >  1 

46  0  <C  s  Wetterleuchten  tief 

46.0     1  in  S. 


53.5 
56  0 
58.0 


10 


82.4     s 
82.9    1 
80.3  >  s 
81  95  1 


D 


Nr.  393.     fVirginis   und  ß  Leonis. 

10     33  41.8  <  s      27.0 

42.3     1 
418  >  s 
39.3  40.2     1  27  0 

Etwas  Zeit  verloren. 

84.7      s         99  7 


251 


50.5 

86.8 

s 

56.5 

84.0 

s 

58.5 

88.1 

1 

86.3 

1 

61.5 

85.1 

1 

99.7 


Nr.  394    ^Ursae  maj.  und  yürsae  major. 


fa  lim  2 

85.3     s 
S2  7     1 
82.7     s 

98  0 

17 

83.3    1 

98.05 

20.3 

42.1     s 
43.5    1 
40.97  s 

25.27 

27.5 

42.7     1 

25.3 

Nr.  395.     «Draconis    und  yürsae  maj. 


38.1 

40.2  <    s 

42.0     1 

42.05  >  s 

44.7 

43.0     1 

47  4 

83  7     s 

83.5     1 

84.0     s 

52.2 

85.0     1 

D 


Himmel  in  S.,  obgleich  in  der  Tiefe  be- 
ständig Wetterleuchten,  von  ausserordentlicher 
Klarheit.  Milchstrasse  ungemein  deutlich  in 
ihren  verschiedenen  Verzweigungen;  desglei- 
chen ganz  tiefe  $i$i  im  SO.  vom  Scorpion. 
—  Fixsterne  funkeln  heute  stark. 


1858  Juni  6. 


C.  d.U.  +0m,l. 


Tag  vorzüglich  rein;   Himmel  völlig  klar; 
3fc  ^J  funkeln  ziemlich. 

Nr.  396      Capeila  und  Wega. 

9     34.5  88.6    s  —  Flammen 

beide  stark,  besonders  C.     Diese  zeigt  im  Su- 
cher ein  brillantes   Farbenspiel  in   Roth    und 
89.7:  1  Grün. 

89.9  >  s 
87.8    1 
86.6  <  s 
40.5  89.7     1 


42  4 

36.8     s 

— 

37.5     1 

W.  flammt  fast 

37.0     s 

ebenso   stark  als  C. 

37.0    1 

37.1     s 

48.0 

35.0    1 

Arcturus  mit  sich. 

25.3     s 

21.8     Schönes  ru- 

24.0    1 

higes  Licht. 

23.5     s 

24.0     1 

24.0  <  s 

23.7     1 

21.9 

104.4  <s 

104.8 

104.5     1 

102  8     s 

105.0     1 

102.8     s 

105.0    1 

104.8 

Nr.  397.  #  Ursae  major,  undy  Ursae  major. 


10h  15m  4 

42.9 

s 

27.5 

42.5 

1 

43.4 

s 

19.2 

41.4 

1 

27.5 

22.2 

86.9 

s 

102.1 

86.2 

1 

85.6 

s 

27.0 

84.7 

1 

102.1 

Nr.  398.     (UÜrsae    maj.    und  y  Ursae  maj. 


36.4 

78.3     s 
78.0  >  1 

90.8 

79.4  >  s 

D 

42.0 

80.25  1 

90.85 

46.4 

44  6     s 
45.9     1 
44.6     s 

29.75  Q 

51.0 

47.0     1 

29.8 

Nr.  399.     Gemma    und    f  Bootis. 
11     3.0  D 


10.5 


41.1     s 
38.95  1 
□  41.6     s 

39  5     1 


252 


13.8 
22.2 


D 


82.95  s 

83.3  1 

84.5  s 

84.8  1 


Nr.  403.     Gemma  und  tf  Bootis. 


Nr.  400.     Arcturus    und  Gemma. 


11h  28m 0 

33.5 
37.6 
39.3 

44.0 


83.55  s 


D 


D 


82.1 

1 

32.35 

s 

80.7 

1 

83.4 

s 

83.1 

1 

41.8 

>  s 

42.7 

1 

40  05 

s 

43.75 

1 

3fCr£  funkeln  heute  weniger  als  gestern: 
auch  Wega  ist  jetzt  ganz  ruhig.  Milchstrasse 
heute  bei  weitem  nicht  so  klar.  [Luft  wahr- 
scheinlich weniger  feucht] 


J858  Juni  7.  C.  d.  ü.  +  0m,5. 

Tag  ebenso  schön  wie  gestern;  völlig  wolkenfrei. 
Nr.  401.     Spica  und  y  Virginis. 


D 


D 


9     43.1 

48.5 
51.05 

55.3 


Nr.  402.     d  Virginis  und  ß  Leonis. 


43.9 
43.7 

45.1 
43.75 

s 
1 

s 

1 

Sp  flammt 
sehr  stark. 

82.4 
82.3 
81.75 
81  5 

s 

1 

3 

.0     375 

84.4 

8 

D 

84.7 

1 

87.4 

3 

13.5 

83.3 

1 

19.45 

42.85 

3 

G 

43.8 

1 

Geht    schwer  wegen 

43.4 

S 

schwachen  Lichtes. 

25.3 

447 

1 

Auch  stören  Later- 

nen von  unten. 

10     32.9 

41.6 
44.45 

48.6 


D 


D 


39.4  s 

40.0  1 

39.6  s 

39.1  1 

84  2  s 

84.7  1 
85.25  s 
86,2 


D 


Nr.  404. 

/U 

rsae  majoris 

Hh   img 

77.0     s 
79.2     1 
78.6     s 

7.6 

79.0 

10.6 

48.8     s 
49.3     1 

48.7     3 

16.6 

48  45  1 

D 


Nr.  405.  yUrsae  majoris  und  xDraconis. 
37.0 


42.0 
44.6 


31.95  □  47.0  s 
48.4  1 
46.85  s 

31.95  □      45-9     l 


93  45 


78.1  3 

79.1  1 

77.3  s 

50  5                  93.55            80.0  1 
Distanz  abgelesen  16°,6  Corr.  d.  Nullp.  -4-0°,15. 
Bild:              63.35     s     63.3 
63.55     s     62.97 


Arcturus  mit  sich. 

20.8  s     19.0 

22.0  1 

21.0  s 

21.6  1     19.0 

10465  s     104.2 
104.75   1 

101.95  s  Funkeltjetzt. 

104.0     1 
103.4    s 
103.6     1     104.1 
Himmel  wie  gestern.  Vielleicht  funkeln  ^f^fj 
etwas  mehr. 


253 


1858  Juni  8. 


C.  d.  U.  +  Om.7. 


Tag  ähnlich  wie  gestern,  jedoch  heute  um 
9V*h  Abd.  am  N.  Horiz.  einzelne  streifige 
Wolken,  die  sich  gegen  NO.  etwas  mehr  er- 
heben     In  W.  tief  Wolkenbank. 

Arcturus  mit  sich. 


22.0 
22.1 
23.3 
21.5 

s 

20.2        $i  flammt 
etwas. 

D 

20.2 

103.3 
101.55 
102.35 
103.3 

103.7  □ 

§ 
103.6 

Bis  hieher  s 

allein. 

Nr.  406. 

Spica 

und  Wega. 

gh    40^15 
45.0 

92  0 
91.4 
91.05 
93.5 

s 
1 
s 
1 

—         Sp.  flammt 
sehr  stark. 

47.8 

35.0  < 

s  —    Flamme  von 

51.7 


33.0     1         Sp.  wird  immer 
32.8     s         stärker. 
34.6    1 


Nr.  407.     »jVirginis  und  jSLeonis. 


10 


59.45 


7.5  ■ 


12.3 


20.5 


44.5  s     □    Sehr  unsicher 

45.2  1  wegen  schwa- 
41.1  s  chen  Lichtes. 
42.0  1 

853  s     □ 

83.3  1 
82.85  s 
81.8  1 


Nr.  408.     <f  Serpentis  und  Gemma. 
32.45 


41.5 


44.1  s     □ 

45.0  1 

44.5  s 

43.0  1 


44.5 


50.3 


82.8 

s 

m 

Strassenla- 

83.0 

1 

terne  stört 

82.3 

s 

sehr. 

82.9 

Nr.  409.     ß  Serpentis  und  ?  Coronae. 

(Es  war  die  Absicht  ß  S.  mit  «  Cor.  zu 
vergleichen,  der  beobachtete  tft  war  aber  zu 
schwach  für  diesen  Abgelesene  Distanz  am 
Kreise  des  Instruments  llo,95). 


Hh  imo  40.0    s      22.6      Geht  schwerer 

9  48.0     1       40  6  als  vorher.  (Au- 

15.65  38.3     s       25.2  ge  ermüdet?) 

Geht  zu  schwer,  desshalb  abgebrochen. 
Bild:  65.0     1       64.1 

64.35   s       63.25 


Nr.  410.     Gemma  und  y  Coronae. 

[Es  war  ursprünglich  notirt:  G.  und  ß 
Coronae,  und  auf  Distanz  2o,8  gestellt.  Aber 
nach  bestimmter  Erinnerung  von  Juni  9  war 
der  ^  in  B  ein  Gemma  nachfolgender. 
Zur  Controle  die  Beob.  Nr  415  gemacht,  de- 
ren Erfolg  mir  keinen  Zweifel  lässt,  dass  auch 
hier  y  statt  ß  gemessen  ist.] 


28.55  — 


35.0 


41.0     s 

44.8  1  Strassen-La- 
41.6  ^>  s  terne  unge- 
42.4     1    mein  störend. 


37.3 


41.5 


83.1 

84.4 

s  gut. 
1 

84.7 
84.8 

s    gut. 

1 

Nr.  411.     ß  Serpentis  und  Gemma. 

Distanz  abgelesen  11  o  6 

53.15             43.1  <C  s  —     Himmel  scheint 

40.2  1  jetzt  auch  in  N. 

41.0  <C  s  ganz  rein. 

12     2.5  41.2  1 

5.8  82.2  <  s  — 

80.8        1 

84.7         s  nicht  schlecht. 
11.3  82.1         1 


254 


1858  Juni  12. 


C.  d.U.  +lm,0. 


Gegen  Abend  zerstreute  Wolken,  die  sich 
um  (5)  Untergang  nach  und  nach  lösen.  Um 
9V<  solche  nur  noch  in  N.,  etwa  bis  auf  18o 
Höhe:  in  S.  W.  dunstig. 

Arcturus  mit  sich. 

20.65  <     s     21.2     flammt  etwas. 

24.1 

23  5 

22.7 

23  25 

21.4    <  21.2 


101.8  s 
102.25  s 

102.9  s 
101.0  1 
102.0  s 
102.8     1 


103.2 


Bis  hieher  s 
allein. 


103.15 


Nr.  412.    yürsae  majoris  und  Gemma 


44m 

32.3    s 

34.6 

33.3 

27.5  s  allein 

53.5 

31.4 

27.6 

56.6 

96.1 
97.0  < 
94.5 

100.25 

Beide  fl 

61.5 

96.7 

100  3  ziemlic 

Norden  ist  jetzt  fast  ganz  rein  geworden. 


49.0 


55.4 


23.15  s 
22.0  1 
24.25  s 
20.8     1      27.85 


100.2 


104.3 

102.3  1 

108.2  s 

104.0  1 

107.65  s 

68.0  108  5  1      100.15 

Beide  3fc3fc  flammen  zwar,  aber  nicht  eben 
auffallend.  Stellung  ist  ganz  bequem.  Die 
Veränderlichkeit  des  Helligkeits- Verhältnisses 
während  der  Einstellungen  fällt  schon  bei  der 
Beobachtung  auf. 


Nr.  415.     Gemma  und  y  Coronae. 

(Beob.  gemacht  zur  Feststellung  der  Iden- 
tität des  %  bei  Nr.  410.  Die  berechnete  Di- 
stanz 2 08,  welche  ß  von  u  hat,  wurde  am 
Kreis  eingestellt,  aber  für  einen  «  nachfol- 
genden ^f:.  Der  hier  beobachtete  kommt 
wirklich  in  das  Feld,  wiewohl  nicht  ganz  in 
die  Mitte.  Nachdem  er  in  die  Mitte  gebracht 
ist,  steht  Dist  Kr.  auf  2o0.  Da  auch  die  Ein- 
stellungen mit  denen  bei  410  stimmen,  bleibt 
kein  Zweifel  an  der  Identität ) 


111» 


IS»  8 
19  5 

21.6 
23.7 


42  7     s 
41.45   1 


86.0 
84.0 


Nr.  413.     Gemma  und  t  Herculis. 


10     15.4 

20  4 
22.9 

29.0 


D 


D 


43.8  s 

43  2  1 

43  0  s 

42.6  1 

83  4  s 

84.0  1 

84.7  >  s 
83.1 


Nr.  414.  yUrsae  maj.  u.  12  Canum  venat. 

36.3  23.7     s       27.8 

18.9    1 


Nr.  416.     Gemma  und  ^Coronae. 
(fJ  geht  «  voran) 


313 

42.5 
46.0 

53.0 


42.0  s 
39.9  1 
42.2  s 
42  3  1 

85.37  s 

85.8  1 

85.25  s 

86.1  1  Dist.  Kr.  2  0,8. 


Himmel  scheint  jetzt  ganz  rein,  ifc  ife  fun- 
keln zwar,  aber  nicht  übermässig. 


255 


Nr.  417.     Polarstern    und  Deneb. 

Nach  directer  Betrachtung  scheint  mir  heute 
P.  sehr  hell. 


13"  .6 

94.27  s 

92.4    1 

90.0  <  s 

18.7 

90.7     1 

20.3 

37.0  <  s 

34.4    1 

35.45  s 

26.9 

33.0    1 

D 


1858  Juni  13. 


C.  d.  U.  +  lm,7. 


Nachmittag  wie  gestern:  Um  (•)  Untergang 
klärt  sich  auf.  Am  W.  Horiz.  dunstige  Wol- 
kenbank, die  sich  im  S  höher  hinauf  zu  ziehen 
scheint,  hier  aber  auf  dem  dunkleren  Himmels- 
grund nicht  so  kenntlich  ist. 

Arcturus  mit  sich. 


20.8    s 

20.35 

22.4 

22.3 

21.2  > 

21.6 


20.0 


19.95 


Die  Beob.  unter  dem  Bild  s.  sogleich. 


Arcturus  mit  sich. 

(Zwischen  vorstehende  und  nachfolgende 
Einstellungen  fällt  eine  Vergleichung  von  Mars 
mit  Wega.) 


100.65  s 

101.0    1 

99.1     s 

1000    1 

99.95  s 

98.15  1 


100.55 


100.55 


Nr.  419.    12  Canum  venaticorum  und 
y  Ursae  majoris. 


10    4.25 


87.95  s 
90.0  1 
89.25  s 
90.25  1 


93.4 


10.2  90.25  1  93.3 

Abh.  d.  IL  Cl.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  X.Bd.  I.  Abth. 


13.2 


19.0 


33.0  s            22.0 

31.0  1 

33.8  s 

29.8  22.0 


Nr.  420.     Ras  Alhague  und  Gemma. 


101»  33». 15 


44.5 


24.8  s  22.5 

24.8  1 

27.8  s  nicht  schlecht. 

25.0  1 

26.0  s 

27.8  1  n.  schl.  22.6 


42.7  102.0  s  98.2 

[Muss  wohl  heissen  47m.7.] 

100.2  1 

98.9  s 

56.5  100.2  98.2 


Nr.  421.    ÄDraconis  und  y  Ursae  majoris. 

Etwa  seit  llh  7m  hat  Wolkenbildung  be- 
gonnen: erst  in  S  ,  jetzt  auch  in  N.  Höhere 
Regionen  sind  noch  frei. 


11     22.2 

49.7  s 
47.4  1 

22.8 

48.2  < 

s     schwierig   wegen 
schwachen  Lichtes. 

29.5 

46  2  1 

22.75 

32.65 

78.0  s 

99.8     Die  ## 

76.5  1 

flammen  jetzt. 

79.6  s 

41.0 

79.3  1 

99.75 

Um    45m 

ist    y  U. 

fast    ausgelöscht    von 

Wolken. 

Beobachtung 

wird  indess  schwerlich 

entstellt  i 

sein 

1858  Juli  5.  C.  d.  ü.  +  0m,8. 

L.  allein. 
Nr.  422.     Gemma  und  y  Serpentis. 

10    34.5  — 


44.25 
47.5 

54.5 


40.2     Flammen 
40.35  sehr  stark. 
39.5  Kaumeinzu- 
40.7  stellen  mög- 
lich. 
86.1 
86.1 
86.8 
86.8 


33 


256 


Arctnrus  mit  sich. 


1858  August  4. 


C.d.II.  +  lm,3. 


106.0 
105.0 
106.0 
1043 

23.5 
24.2 
25.0 
25.6 


106.0 


21.3 


1858  Juli  18. 


C.  d.  U.  +  2m3. 


3.  Himmel    war  Abends   ganz    rein :    jetzt 
steht  aber   in  N.  eine  ziemlich   grosse  Wolke. 


Nr.  423    Wega  und  Attair. 


10h   17ni.9 


25.4 


27.2 


D 


D 


31.2  s  A.  flammt 

29.0  1  etwas. 
28.8   s 

29.1  1 

30.3  s 
310>1 


31.5 


94.9    s 

95  3    1    sehr  gut. 
95.4    s 
93.3    1 
94.8    s 
34.2  95.6    1 

Wolke,  welche  vorher  nur  etwa  Cassiopeja 
von  unten  berührte,  ist  jetzt  höher  und  zu- 
gleich gegen  0.  gerückt,  und  nähert  sich  dem 
Schwan.  S.  und  W.  scheinen  rein  :  Milchstrasse 
klar. 


Wega  mit  sich. 

104.55  104.15 1 

105.15  s 

102.75  1  Flammen 
nimmt  rasch  zu,  während  zugleich  Wolken- 
bildung in  N.  sich  ausbreitet. 

105.2    s 

103.0    1 

104.5  104.4    s 

20.0     1  18  9 

219  s 
22.4  1 
23.35  s 
20.7     1 

21.2     s  18.9 

Wolke   hat  jetzt  (11  h)  auch   den  Schwan 
bedeckt.     N.  Horizont  ist  wieder  frei. 


Nachmittag  schön  klar.  Um  (•)  Untergang 
ein  paar  kleine  streifige  Wölkchen,  die  nach 
etwa  Y*h  unsichtbar  geworden  sind.  Scheint 
jetzt  ganz  rein. 

Wega  mit  sich. 


21.9 
19  9 
22.8 
24.2 
22.3 
24.3 


104.55  s 
103.85  1 
106.0  >  s 
106.0  1 
105.2  s 
103.5     1 


20.4 


20.3 


105.6 


105.4 


Nr.  424.     Gemma  und  i  Herculis. 

9I1  4om.7  21.05  43  6<s  [Gewicht 

V*]     Geht  schwer  wegen  schwachen  Lichtes. 

46.6    1 
47.0    s 
46.5  21.0  46.1    1     gut. 


54.5 


106.7 


82.05  s  Flammen 
82.2    1    etwas. 
81.35  s 
60.6  106.8  82.2    1 

Distanzkreis  steht  auf  31°.0. 


Nr.  425. 

Gemma  und 

fj.  Herculis. 

10     19.0 

19.23 

41.0    s    Strassen- 
40.0   1     laternen 
42.2    s    sehr  hin- 

25.5 

19.25 

42.3    1    derlich. 

29.35 

103.5 

81.9    s 
83.8    1 
82.25  s 

36.0 

103.6 

83.8   1  Abgeles. 
Dist.  29°.2. 

Nr.  426.     y 

Cassiopejae 

und  y  Cephei. 

46.85 

— 

86.4    s 
84.651 
86.8    s 

55.0 

84.9    1 

1^57 


50.0 


65.0 


36.5    s 

40  7    1 
39  3  > 

38.75  1 


Nr.  427.     Attair  und  Deneb. 


11h    lQm.8 


15.2 


18.1 


25.7 


21.15 

•  s 

A 

flammt 

21.2 

1 

stark. 

22.8 

s 

22.8 

1 

102.8 

s 

99.6 

1 

101.6 

s 

99.6 

1 

101.7 

s 

99.9 

1 

1858  August  11. 


C.  d.U.  +  0m,8. 

Abend    rein. 


Tag    schön;    feuchte    Luft 
^  3fc  funkelnd. 


Nr.  428.     Arcturus  und  Attair. 


8     36.3 

48.65 
49.6 


103.0  s  P'lammen 

98.3  1  beide  sehr 

103.2  s  stark. 

101.7  1 

100.5  s 

100.9  1 


—  24.7    s    gut. 

25.7    1    gut 
25.0  >s    Farbe 
stört  nicht,  wohl  aber  das  lebhafte  Flammen. 
55.5  217    1 

22.6    s 
60.0  25.9    1 


106.8     1 

101.6     s       W.  ziemlich  ruhig. 

104.3  105.5 


Nr.  429.     Gemma  und  r  Herculis. 


9h  35«"  .35 


26.4 


45.9  s  Dist.  21°.3 
47  8  1  am    Kreis. 
46.2  s 
42.5  25.3*)  45.6  1 

[*)  Ist    wohl    zu   lesen   26.3.     Notirung  im 
Original  nicht  ganz  deutlich.] 

45.7  99.7  80.2  s 

79.0  1 

□  80.6  s 

54.0  99.8  81.1  1 


Bild: 


64.4    s 
64.15  1 


63.4l0kular-St.utzen 
63.8/  steht  auf  34.2. 


Nr.  430.     y  Cassiopejae  und  [£  Draconis?] 

[Wahrscheinlich    falscher   ^ ,    zu    schwach   H 
für  £.     Eingestellte   Distanz   ist    notirt    49°. 2 . 
Berechnung    für    g    gibt   48.9.     Vgl     übrigens 
die  Beobachtung  Nr.  696  von  £.] 


10     19.25 


30.3 


33.3 


D 
§ 
D 


D 


50.7  s  A  sehr 
50  1  1  klein,  weg. 
50.0  s  Schwäche 
52  2  1  des  #. 


73.9  s 
75.5  <  1 

75.0  s 
47.5  76.5  1  vorher  et- 

was Zeit  verloren. 
Dist.    abgelesen  49°. 2:    anderer  ^  in  Dist. 
48.8    von  nahe    gleicher   Helligkeit,    doch   an- 
scheinend etwas  schwächer,  auch  etwas  höher 
als  der  gemessene  des  Drachen. 


Wega  mit  sich. 


Schlitten  AI  21.6     s 

20.15 

eibt   stehen.  (21.6    1 

22.01    Schl.B  stehen 
22.1  f    geblieben. 

10 

58.15 

24.7     s 

23.8     1 

20.0  | 

22.1     s 

wie  oben. 

23.1     1 

19.7  J 

11 

5.0 

105.33  s 

105.5 

104.9     1 

7.3 

103  4  <  s 

Nr.  431.     Wega  und  Deneb. 


34  55  s 


34.0 
36.0 
36.0 
34.6 
35.0 

89.2 
89.5 

33* 


258 


13 

Distanz  abgelesen  23°,7. 


88.25  s  gut. 
89.5    1 
89.2   s 
88.2    1 


Bild:  63.7  s  63.15 

64.4  1  63.8 

Licht    der   3fc  ►£    zuletzt    schön    ruhig. 
Heute  viele  und  helle  Sternschnuppen. 


1858  August  16. 


C.  d.  U.  -f-  Om,6. 


Um  ©Untergang  noch  einzelne  zerstreute 
kleine  Wölkchen.  Scheinen  sich  aufgelöst  zu 
haben. 

Nr.  432.     a  Ophiuchi  und  72  Ophiuchi. 

9h  33m  .4  _ 


39.5 
41.5 

46.0 


D 

D 
§ 


43.3  s 

44.4  1 

43.0  s 

42.7  1 

83.2  s 

85.3  1 

81.8  <  s 

85.6  1 

Nr.  433.     Gemma  und  Deneb. 


52.7 


57.5 


59.3 


10       9.0 


37.15  s 

— 

36.0     1 

34.2  >  s 

36.8    1     ## 

heute   ziemlich 

ruhig 

88.65  s 



95.1     lsic 

87  8     s 

91.1     1 

. 

87.8    s 

89.9    1 

90.25  s 

D 

92.3    1 

Nr.  434.     x  Ophiuchi  und  a  Ophiuchi. 


10     25.5 


95.9  s 
88.6  1 
86.1     s 


87.0    1 
36.3  85.0    s 

x  ziemlich    unruhig.     Stellung    sehr    unbe- 
quem. 


40.0 


47.0 


43  4    1 

41.7  s 
40.4  1 
40.75  s 


D 


Nr.  435.     «  Ophiuchi  und  Deneb. 


10h  53". 15 


11 


0 
30 

9.5 


35.6  s 

35.2  1 

36.0  >  s 

32.1  1 

90.9  s 

90.3  1 
90.5  s 
90.25  1 


D 


Nr.  436.     d"  Aquilae  und  y  Aquilae. 


17  5 

26.5 
29.7 

39.0 


34.0 

34.0 

87.9 

88.0 


28.3    s 

26.0   1   Schwach. 
31.6    s   Licht. 
27.25  1 

90.3  <  s 
93.3    1 
95.0   s 
92.2    1 


D 


Attair  mit  sich. 

104  8  s  107.2 

105.0  1 

104.S  s 

108.0  1  107.1 

105.25  s 

106.5  1 

21.25  s  211 

230     1 

24  0     s     gut. 

22.6     1 

21.1     s 

22.6     I  21.0 

Einstellungen  sind  heute  beiden  Beobachtern 
etwas  schwer  gegangen.  —  [Folgenden  Morgen 
klar  und  rein.] 


259 


1857  August  17.  C.  d.  U.  +  Om,6. 


Nr.  439.     «  Ophiuchi  und  a  Herculis. 


Luft  scheint  ganz  normal.    C  dem  1.  Viertel 
nahe,  steht  aber  tief,  bei  Antares. 

Nr.  437.     Wega  und  Arcturus. 

gh  27"  .6  _  22.55  <s    Flam- 

24.8    1  men  stark. 
24.2    s 
22.4   1 

24.6   s    Jetzt   ist 
W.  ziemlich  ruhig,  aber  A.  flammt  sehr  stark. 
35.5  21.7    1 


38.4 


43.5 


100.4  s 
99.8  1 
99.0    s 

100.5  1 
101.15  >  S 
100.1    1 


9t  37". 65 

— 

86.3    s 
87.45  1 

D 

85.6    s 

43.5 

§ 

86.8   1 

46.35 

D 

40.7    s  Flammen 

§ 

39.7   1  etwas. 
39.9    s 

51.5 

38.0   1 

Wetterleuchten  in 

so. 

Nr.  440.     y  Aquilae  und  ß  Delphini. 


10       1.6 


27.3 


34.8  s 
35.3    1 

42.9  s)  Sicher 
11.0              27.5                 33  1    l|  derselbe 

ifi  von  beiden  Beobachtern  genommen. 


Wega  mit  sich. 


104.0    s 

104.7' 

104.3     1 

104.6    s 

105.25  1 

104.7     s 

105.17  1 

104.8 

20.9     s 

18  5 

22.0    1 

23.5     s 

22.6     1 

22.0    s 

23.1     1 

18.4 

Nr.  438.     Gemma  und  y  Cassiopejae. 

9     7.75  27  85  27.3  >  s     G.   ist 

ziemlich  ruhig,  aber  y  Cass.  flammt  stark. 

22.1    1 


14.0 
20.8 


99.65. 

D 

99.75 


86.4   s 
89.0   1 

85.85  s 
89.4    1 


Nr.  441.     Polarstern  und  Deneb. 


28.6 

94.6  >  s 

— 

P.  flammt 

91.7    1 

etwas. 

95.7     s 
97.3    1 

D 

34  6 

91.1  <  s 
93.7     1 

36.65 

34.4  >  s 
32.3     1 

D 

34.5  >  s 
34.4    1 

§ 

43.0 

31.95  <  s 
34.7    1 

30.0    s 

22  751 

Nr. 

442. 

ß  Lyrae  und  Deneb. 

26.4  <  s 

17.0               27.95 

25-0    1 

10    51.1 

47.4  s 
42.8  1 

[Gewicht  l/2.] 

21.2               98.47 

98.1    s 

47.1  s 

D 

98.1    1    Sehr 

gut. 

58.5 

48.3  1 

984    s 

* 

96.9    1 
97.6    s 

11       1.75 

78.1  s 
79.8  1 

D 

30.0               98.6 

98.7    1 

77.9  s 

§ 

Im  Ganzen  zuletzt  das  Licht  ruhiger. 

9.5 

79.3  1 

260 


•       Nr.  443. 

We»a 

Uli 

d 

«  P egasi 

111'    16m  .45 

D 

47.9    s 
49.0    1 
48.75  s 

22.0 

50.2    1 

23.1 

D 
§ 

78.5  s 

78.6  1 
79.85  s 

26.9 

77.9    1 

An  einem  Abende  Ende  August  (wahr- 
scheinlich )  oder  Anfang  September  1858  haben 
Herr  Professor  Schwerd  von  Speier  und 
dessen  Sohn  das  Observatorium  besucht.  Es 
wurden  dabei  von  ihnen  und  den  hiesigen 
Beobachtern  folgende  Einstellungen  versuchs- 
weise gemacht,  die  man  vergleichen  kann  mit 
den  bei  ziemlich  ähnlicher  Stellung  der  Sterne 
gemachten  Nr.  423  oder  464.  Die  nachsteh- 
enden bilden  aber  keine  wirkliche  Messung, 
weil  der  Himmel  durchaus  nicht  rein  war: 

Attair  und  Wega. 

30.0  Prof.  Schw. 
30  4  Schw.  jun. 
31.3  s 
30.0  1 

93.0  s  — 

Unterbrochen  durch  die  Wolken. 


1858  September  1.       C.d.U.  — 0m,i. 

Nachmittag  zerstreute  Wolken ,  die  sich 
zwischen  7  und  8h  gelöst  haben.  Jetzt  nur 
noch  Wolkenbank  am  Horizont,  die  in  SO. 
etwas  höher  geht,  aber  auch  dort  in  Auflösung 
begriffen  scheint. 

D  eneb  mit  sich. 

105.85  s         103.97 
104.6     1     A.  bräunlich,  B.  bläu- 
lich.    Dieser  Untersch.  ist  ziemlich  störend. 
102.67  s 

101.8     1         103.95 
102.96  s 
103.4    1 


21.66  <  s       18.35        Farb- 

20.9     1     unterschied  wie  oben. 

22.1  >  s 

24.5     1 

22.05  s 

23.4     1  18.27 


Nr.  444.     y  Aquilae  und  y  Del p hin i. 
gh  49111.4  29.6 


9       1.0 
3.6 

17  5 


D 
29.6  § 

99.2 

D 
99.2 


44.2  s 

42.4  1 

45  0  s 

45.5  1 

82.6  gi 

lt  s 

84.4  1 

84.8  s 

Flammen 

84.8  1 

merklich. 

Nr    445.     y  Aquilae  und  t  Delphini. 


23.9 

100  2 

83  3    s    gut. 
83  9    1 

D 

85.0    s 

29.0 

100.2 

85  1    1 

31.9 

25.6 

43  75  s  Flamm 
genirt. 
35.9    1     sie. 
39.7    s     y  Aq. 

scheint  mir 

jetzt 

sehr  schwach. 

41  6 

35.8*) 

39.0    1 

[*)  Wird  zu  lesen  sein  25.8  nach  Vgl.  mit 
der  ersten  Ables.  und  mit  den  Einstellungen 
über  dem  Bilde] 

Trübung  des  Himmels  wird  bemerkt ,  die 
schon  ziemlich  weit  um  sich  gegriffen  hat, 
und  dem  Adler  sehr  nahe  gerückt  ist.  Einige 
Minuten  nach  der  letzten  Ablesung  hat  sie 
den  Adler  offenbar  geschwächt.  Um  48m  ist 
fast  der  ganze  Himmel  überzogen. 


Bild: 

63.7  s 

63.4    |   Ocular- 

(17 Urs.  maj.) 

64.6  1 

64.15  |  Stutzen 
steht  auf  34.05 

„Von  der  letzten  Beob.  werden  die  Ein- 
stellungen ü.  d.  B.  wohl  zu  verwerfen  sein, 
[Geschehen  bei  der  Reduction]  Die  vorletzte 
(Nr.  444)  möchte  unverdächtig  sein.'' 


261 


1858  September  10.     C.d.U.  +  lm,0. 

Tag  rein  und  klar.     Alles  scheint  normal. 
Wega  mit  sich. 


103.95 

101.0:  G.     [aus- 

geschlossen.] 

G.  bezeichnet  die  Einstellungen,  welche  von 

Hrn.  Gusse w   aus  Wilna 

bei   seinem  Besuche 

gemacht  worden  sind. 

101.0    1 

104.4    s 

104.75  G. 

101.9    1 

103  271 

102.6   1 

103-7    1 

20.3 

19.5    1 

21.7    s 

18.6    1 

20.9    s 

19.0    1 

20.3 

20.7    s 

Nr.  440.     y  Cassiopejae  und  Deneb. 

8h  30m. 

D 


39.8 


41.35 


50.0 


31.8  s 

34  0  G. 

36.6  1: 

34.4  s 

34.7  G. 

33.9  1 

92.9  s 

90.8  G. 

93.8  1 

91.2  s 

93  0  G. 

93.8  1 

gut. 


D 


Nr.  447.     y  Aquilae  und  [e  ?]  Delphini. 

[,,Der  ifc  war  wahrscheinlich  nicht  f,  da  er 
mir  gleich  zu  schwach  erschien ,  sondern  ein 
anderer,  der  bei  der  eingestellten  Distanz  ins 
Feld  kam.  Vielleicht  von  etwas  grösserer 
Distanz  als  *  von  y  Aq.,  denn  bei  der  Drehung 
des  Rohrs  kamen  mehrmale  auch  $i  %  vom 
Viereck  des  Delphins  ins  Feld."  Notiz  vom 
11.  Sept.  1858.  —  Wahrscheinlich  x  Delphini: 
zwar  berechnet  sich  für  diesen  die  Distanz 
von  y  Aq.   12"59',  während  sie  für  t  nur  11°.5 


ist,  aber  für  den  an  y  Aq.  nächsten  %  des 
Vierecks,  nehmlich  ß,  ist  sie  noch  grösser  als 
für  x  (luhmlich  13°. 3).  Vermuthiich  war  der 
Kreis  falsch  gestellt.] 

9t     öra.O  30.5  52.6  s 

6.5  28.6  50  8  1 

Abgebrochen  wegen  allzu  unbequemer  Stellung- 


Nr.  448.     Deneb  und  Wega. 


34.0 

38.8 

44.5 

48.2 


36  5  1 

37.6  s 
36  6  1 
36  6  s 

92.7  1 
88.3  <  s 
90.85  1 

89.8  s 


Nr.  449.     y  Aquilae  und  *  Delphini. 
(Diesmal  der  richtige  %.) 


9     56.1 

31.7 

44.5    s 
49.151 
43.95  >  s 
42.7    1 
43.97  s 

10       7.7 

31.7 

44.3    1 

10.4 

94.5 

83.1    s 
83.1    1 

» 

82.8    s 

18.0 

94.5 

83.2    1 

Nr.  450.     «  Pegasi  und  Deneb. 


294 

34.5 
36.6 

39.5 


87.5  s 

87.7  1 

87.8  s 

90.9  1 

38.7  s 
40.3  1 
39.0  >  s 
38.7  1 


Nr.  451      a  Pegasi  und  t,  Pegasi. 


50.1 


36.45  s  Stellung 
36.0    1  unbequem 
34.4    s 


262 


59.0 
11h     6™  .2 


17.7 


30  8  1 

39.1  >  s 
36.6  1 

91.2  s 
90.5  1 
90.4  s 
93.0  1 


Nr   452.     Wega  und  Capella. 

23.2  106  45  101.1  s 

103.9  1 
101.2  s 
99.8  <  1 
101.6  s 
31  3  106.55  102.1  1 

Beide  flammen  stark,  besonders  aber  C.  in 
ungemein  raschem  Wechsel,  wie  zitternd. 


11     34.7 


43.2 


19.45 


19.45 


23.0  <  s 
21.8  1 
22.6  s 
23.3  1 
24.6  <  s 
22  8  1 


1858  September  11.      C.d.U.  +  0m,5. 

Ebenso    rein   wie   gestern,    ^  ^  flammen 
aber  etwas  mehr. 


Attair 

mit 

sich. 

21.4 

s 

22.0 

23.5 

1 

21.35 

s 

22.8 

1 

21.4 

s 

230 

1 

23.35 

s 

24.8 

1 

22.0 

103.15 

s 

103.4 

104  2 

1 

1014 

s 

104.3 

1 

101.15 

s 

103.7 

1 

1018 

s 

103.5 

1 

103.45 

Nr.  453.     yAquilae  und  Attair. 


79.3    s 

D 

9.6 

77.5     1 

11.5 

48.3  s 
51  7     1 

D 

48.2     s 

§ 

15.8 

50.45  1 

gut. 

Nr.  454. 

ß  Pegasi  un 

d  Deneb. 

27.5 

45.05  s 
455    1 

— 

43.7     s 

D 

33.0 

45.5     1 

352 

83.2  s 
848     1 

D 

S3.45  s 

§ 

40.0 

84.8    1 

Nr.  455.     Polarstern  und  Deneb. 


9h  45m  .4 

90.95  s 
93  9    1 

— 

92.6     s 

D 

50.5 

94  75  1 

53.1 

34.95  s 
35.9    1 

D 

31.1     s 

gut.     § 

35.5     1 

34.0    s 

29.9     1 

gut. 

60.1 

32  9     s 

• 

0.5 


79.3  s 
79.8  1 


Nr.  456.     jx  Pegasi  und  «Pegasi. 
10      9.8 

21.4 
23.7 

32.2 


Bild:  63.85  s  63.35 

64.7    1  64.1 


43.6  s 

26.2 

46  0  1 

42.3  <  s 

46.5  1 

42.3  s 

D 

45.1  1 

26  2 

83  2  s 

102.15    □ 

84.0  1 

82.3  s 

§ 

84.0  1 

102.1 

263 


Nr.  457.     Capella  und  Wega 


10h   41m.4 

101.8    s 
101.7     1 
98  3     s 
104.7     1 
101  25  <  s 

—     C.  flammt 
stark. 

52.7 

101.6    1 

55.6 

23.35  s 
22.6    1 

24.8     s 
25.2     1 
25.67  s 

62.5 

23.5    1 

Nr. 

458. 

Capella 

UI 

id  Attair. 

11     10.7 

1042  s 
105.4  1 
104.4  s 

98.5 

19.0 

105  5  1 

98.5 

Starkes 

Fh 

immen   von 

C. 

sehr  hinderlich. 

Auch  A.  flammt  ziemlich  stark. 

11     22.5 

23.0  s 
19.9  1 
23.0  s 

29.1 

27.7 

22.8  1 

29.1 

1858  September  12.     C.d.U.  +  0m4. 

Morgen  war   nebelig,  Nachm.   und  Abend 
ganz  rein. 

Nr.  459      aPegasi  und  Attair. 


10     15.9 
20.0 

44.4     s 
44.9     1 
41.2    s 
42.1     1 

—      Stellung 

unbequem. 
□    ^^  flamm. 

22.0 

27.0 

29  8 

86.4  s 

84.5  1 
84.85  s 
8175  1 
83.7     s 
84.0    1 

D 
§ 

Bild: 

63.85  s 

63.27 

Nr.  460.     «  Pegasi  und  a  Andromedae. 

42.3  27  85  s  — 

28.3     1 
Abh.  d.  II.  Cl.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  X.  Bd.  I.  Abth. 


29.2     s 

48.6 

30.9     1 

29.75  s 

52.0 

30.6    1 

56.2 

100.7    s 

1036     1 

99.0  <  s 

102.3     1 

101.8    s 

68.7 

103.0    1 

Deneb  mit  sich. 

104.1  s  104.05 

104.4  1 

1049  s 

104.9  1 

102.35  s 

102.9  1  104.0 

20.65  s  20.05 

20.0    1 
22.0    s 

22.2  1 
22.95  s 

23.3  1    Linkes  Auge  stellt  auf 
etw.  grössere  Ablesung  als  das  rechte. 

s  macht  die  Wahrnehmung,  dass  ihm  von 
den  2  Lichtphantomen,  wenn  sie  sehr  nahe 
gleich  hell  gemacht  sind,  bei  Betrachtung  mit 
dem  rechten  Auge  das  rechts  stehende  heller 
erscheint.  Wird  es  durch  Bewegung  am  Distanz- 
kreis auf  die  linke  Seite  gebracht,  so  scheint 
es  schwächer. 


1858  September  13.    C.  d.  U.  +  0m,3. 

Vollkommen  klar. 

Wega  mit  sich. 


21.9     s 

22.1 

21.75 

25.0 

23.1 

n 

24.2 

23.0 

22.1 

102.95  106.27  □    Die  ge- 

strige Bemerkung  über  den  Einfluss  der  Stel- 
lung rechts  oder  links  im  Gesichtsfeld  bestä- 
tigt sich  auch  hier. 

103.6 

103.6 

34 


264 


105.15  § 

103.75 

104.6  106.25 


12.2 


18.8 


95.0    s 
96.3    1 

94.0  >  s 

96.1  1 


D 


R 

as  Alha 

g 

ue 

und  Attair. 

Nr.  461. 

Nr.  465. 

a  Andromed 

ae 

und  Deneb. 

7h  47m  .2 
55.1 

97.0    s 
88.5     s 
90.0    1 
88.0    s 
87.7    1 

—     Ohne 
□    fei  zu 
87.0. 

§ 

Zwei- 
lesen 

23.6 
31.2 

92.0    s 
94.0    1 
93.3     s 
93.7     1 

D 

56.7 
62.1 

40.95  s 
38.7    1 

39.05  s 

38.6  1 

D 

34.4 
41.5 

30.95  s 

31.4  1 
30.75  >  s 

33.5  1 

D 

Nr.  462.     yAquilae  und  e  Pegasi. 


10.7 

31.1     s 
36.0    1 
35.4  <  s 
360    1 

28.91 

20.15 

34.85  s 

29.0 

23.75 

100.3     1 
94.45  s 
96.6     1 
94.0    s 

99.5 

34.5 

97.4    1 

99.4! 

Nr.  466.     »?Aquarii  und  ce  Pegasi. 

Am  Horizont  etwas  Nebel,  von  Gaslicht 
beleuchtet  Jedoch  sind  sehr  tief  stehende 
%i  %  noch  schön  rein. 

9h  53m  .5  44.1     s  — 

43.3     1 
43.9     s 
10      2.7  43.9     1 

Nebel  hat  eine  Art  Bank  in  W.  und  NW. 
gebildet,  ist  auch  sichtlich  auf  d  benachbarten 
Platz:  übrigens  in  Bewegung. 


10       5  4 

82  55  s 

81.6:  1 

Nr.  463 

.     yCassiopej 

ae  und  Wega. 

16.0 

83.1     s 
85.9     1 

45.1 

81.6     s 

—  Gehtschwie- 

rig  wegen  des  grossen  Unterschiedes. 

«a.y    i 
81.1     s 

DD 

Nr.  467. 

£  Aquarii 

und  a  Pegasi. 

49.8 

82.2    1 

26.8 

82.4  s 

—    Luft  jetzt 

51.4 

46.3  <s 
47.6     1 
46.45  s 

DD 

84.9  1 
82.8  s 

etw.  nebelig.  — • 
%  %  schön. 

§ 

34.4 

87.5  1 

56.7 

47.4    1 

37.0 

42  5  s 
39.0  1 
40.3  s 

— 

Nr. 

464.     Attair 

and  Wega. 

41.25 

44.8  1 

1.9  31.5     s  — 

29.8    1 

32.95  s  D 

7.0  35.1     1 

32.55  s    gut. 
10.0  30.7     1 


Nr.  468.     y  Pegasi  und  a  Andromedae. 

47.65  36.45  s  —    Diese    Aci- 

32.1     1      mute  scheinen  ganz 

nebelfrei.     Nur  unten  Luft  etwas  dunstig. 


265 


10t  52m  .9 
55.6 

60.0 


30.5  s 
34  0  1 

96.8  s 
96.7  1 
91.4  s 
91.2  1 


1858  September  29.    C.  d.  U.  +  lm,0. 

Tag  ganz  klar:  Luft  scheint  völlig  normal. 
Attair  mit  sich. 


22.0  s 

20.1 

20.15 

19.3 

20.95 

20.9 

22.1 

20.1 

105.23 

106.25 

104.4 

10485  > 

104.36 

104.95 

104.2 

Nr.  471.    Wega  und  Capella. 


10     20                    — 

24.7    s 

C.fiammt 

21.6    1 

stark,  W. 

21.8    s 

weniger. 

23.5    1 

22  45  s 

Gin  NO, 

26.5 

25.2    1 

tief. 

38.35*)            — 

104  25  8 

[Ohne  Zweifel  zu  lesen 

105.5    1 

28.35.] 

105.25  s 
103.6   1 
103.8    s 

36.4 

103.3   1 

Nr.  472.     ß  Arietis  und  a  Andromedae. 


43.5 

51.5 
57.0 


29.2  s 
30.7  1 
28.55  <  s 
34.1  1 
30.15  s 
34.0    1 


58  6 

93.3     s 
98.0     1 
95.95  s 
99.0    1 
94.75  <  s 

Hh   iom 

93.4    1 

Nr.  473. 

y  Arietis  und 

a  Andromedae. 

15.15 

82.0    s 
80.6     1 

— 

81.63  s 

D 

21.5 

81.8    1 

23.8 

41.9     s 
47.5     1 
43.55  s 
46.0     1 

D 

44  95<  s 

§ 

36.7 

46.7    1 

Bild: 

63.85  s 

63.67 

Von  jetzt  an  sind  die  Messungen  von  Seidel 
allein  fortgesetzt,  nachdem  Leonhard  in  Folge 
amtlicher  Versetzung  abgereist  ist. 


1858  Oktober  4.  C.d.U.  — 7m0. 

Nr.  477     Wega  und  Capella. 


10     38 

105.8  >  W.  flammt 
105.8       etwas. 
104.85  < 

43.5 

106.15 

45.5 

— 

19.7 
21.4 
20.55 

48.7 

20.1 

Deneb 

mit  sich. 

23.8 

21.65 

23.7 

25.0 

25.0 

21.65 

104.5 

102.95 

102.95 

gut. 

104.3 

102.5 

102.95 

Unt.  d. 

B.  steht  Phantom  A  rechts. 

34* 


266 


Nr.  478.     «  Piscium   und   «  Andromedae. 


Hh  22m 

80.9 
79.9 

— 

82.1 

D 

30.0 

82.4 

32.5 

43.1 
43.4  > 

D 

43.95     gut. 

§ 

41.5 

45.23 

Nr.  479.     «fCeti  und  «Andromedae. 
52.0 


59.0 
12       2.4 

13.3 


48.85 
50.2 
47.95 
46.95 

80.35 
80.65 
79.95 
79.8 


D 

D 
§ 


Tag  war  ganz  rein,  am  Anfang  d.  Beob. 
standen  jedoch  am  W.  Horizont  (tief)  ein  paar 
Wolkenstreifen,  die  später  sich  mehr  nach  N. 
zogen  und  sich  da  auflösten.  Beobb.  halte  ich 
für  ganz  unverdächtig. 


1858  Oktober  7. 


C.  d.  U.  —  8m,4. 


Tag  vollkommen  schön  und  klar:  Alpen- 
kette deutlich  sichtbar,  doch  nicht  besonders 
„nahe". 

Nr.  482.     Wega  und  Capeila. 

Horizont  unter  C.  scheint  ganz  rein. 

7     43  —  30.3     Obwohl    C. 

stark  flammt,  gelingt  es  doch,  leidlich  ruhige 
Augenblicke  dazwischen  zu  erhaschen,  so  dass 
die  Messung  im  Ganzen  gut  sein  wird. 

30.7  > 
29.4  < 
29.6 
30.7 
51.5  27.0 


54 


97.4 
95.4 

95.8 


62 


95.7 
95  4 
96.8 


Wega  mit  sich. 


103.6 

103.0 

102.0 

102.0 

103.0 

101.8 

101.4 

103.0 

20.9 

20.85 

22.6 

23.7 

23.5 

22.6 

23.7 

20.85 

Pause. 


Nr.  483     Wega  und  Capella 


10h   45m 

18.0 

20.0    Beide  #  # 
20.95    flammen 
21.8    stark. 

50.4 

18.0 

20.6 

53.5 

104.6 

100.9 
100.3 
100.7 

56.5 

104.6 

100  65 

Nr.  484.    y  Ceti  und  a  Andromedae. 


11    40 

83.7 
81.3 

— 

82.35 

D 

46.4 

83.9 

11     49.0 

40.5 
40.0 

D 

42.2 

§ 

56.0 

44.0 

Nr.  485.    aAndromedae  und  Capella. 
12      3.5 


10 


41.6 
42.3 
42.4  < 
41.3 


D 


267 


12.5  84.1  D 

84.6     Beide  unruhig,     a  And. 
scheint  mir  etwas  röthlich  neben  Capeila. 

84.05  § 

17.5  85.1 


1858  Oktober  14. 


C.  d.  ü.  -  5m,9. 


Tag  schön,  doch  mit  etwas  Wolken.  Um 
(•)  Unterg.  in  W.  eine  ausgebreitete  bis  über 
d.  Zenit  reichende  Trübung,  die  sich  später 
allmählig  auflöst.  —  Um  9h  scheint  der  Him- 
mel ganz  rein  und  sehr  klar.  Grosse  Menge 
kleiner  i$i  $;;  Milchstrasse  schön;  übrigens 
feuchte  Luft.  Himmelsgrund  noch  ziemlich 
hell,  wahrscheinlich  noch  vom  Cj  der  aber 
während  der  nächsten  Messung  untergeht. 

Deneb  mit  sich. 


105.3 
103.85 
104.65  < 
104.15 
103.8 
104  25 

21.2 

21.45 

19.8 

20.2 

22.0 

19.2 


105.2 
Sehr  ruhiges  Licht. 


105.15 


18.8 


18.85 


Nr.  486.     Capeila  und  Wega. 

9h  59m  25.3  —       Farbunter- 

schied stört  sehr  (gelblich  und  violet).  Flam- 
men auch  stark. 


10 


22.2 

24.63 

3.5 

22.7 

5.4 

105.7 

1010 

103.8 

.0.5 

104.4 

Nr.  487.     a  Trianguli   u.    «  Andromedae. 

10    20.2  82.6  —  1  [Haben  Gew. 

82.2  >  /V*  erhalten.] 

85.0  □    Jetzt  das  bis- 

her blendende  Licht  von  unten  verdeckt. 


28.5 
30.5 

33.5 
40.0 


85.3 

84.25     gut.      § 


42.7 
41.0 
43.25 
40.9 


D 


Nr.  488.     ß 

T 

rianguli  u. 

er  Andromedae. 

10h  45»  .0 

36.4  < 

—      Stellung 

36.0   gut. 

zieml.  unbequem. 

35.7 

D 

50.5 

38.1 

53.0 

89.3 
90.55 

D 

87.4 

§ 

58.5 

88.7 

Nr.  489.     «Andromedae  und  «  Persei. 


11     12 
17.5 

101.95 

99  4 
100.1     gut. 

98.6 

102.0 
102.05 

21.0 
26.0 

24  05 
27.6 

26.0    gut. 
26.95 

22.97 
22.97 

Bild: 

64.0 

64.0    Ocular-St. 
33.95. 

Nr.  490.    Wega  und  Capella. 


39.5 

20  0 

—    Farbe   stört 

23.6 
19.65 

jetzt  wenig. 

45.5 

20.4 

47.2 



—     Ordentlich 

102.4 
102.65 
104  3 

105.8  eingestellt. 
Flammen  massig. 

56.0 

102  1 

105.7 

Ziemlich  schwache  }fc  %  weit  unter  Wega 
gut  sichtbar.  [Folgenden  Morgen  der  Him- 
mel stark  bezogen.] 


268 


1858  Oktober  16. 


C.  d.  U.  —  8m,0. 


Schöner  Tag:  viel  wärmer  als  die  letzten. 
Nach  (5)  Untergang  wenig  nebelig:  gegen  9h 
ifi  ifc  schön,  nur  Luft  noch  ein  wenig  dunstig. 
—  Heller  3  Schein. 

Wega  mit  sich. 


Während  der  letzten  Einstellung  nimmt 
plötzlich  rasche  Bildung  von  mehr  consistentem 
Nebel  überhand.  C  steht  schon  in  starkem 
Dunst.  Desshalb  abgebrochen.  (Bald  darauf 
C  und  ^  3ff  in  West  schon  wieder  ziemlich 
frei).  —  Nach  dem  unmittelbaren  Eindruck 
halte  ich  die  heutigen  Beobachtungen  für  gut. 


105.2  10575 
104.2 

106.3  Schlitten  B,  der  nicht 
ganz  fest  geklemmt  war,  und  nach  der  2  Ab- 
lesung an  das  Ende  d.  Schlitzes  gesunken 
war,  wieder  gestellt  auf  105.75. 

106.2 
105  6 
104.8 


23.9 
23.1 

23  35  < 
23.6  > 


21.2 


21.1 


Nr. 

491. 

et  Arietis 

und  Capella. 

10li      2m 

45.2 

45.7 

— 

46.0 

D 

7.5 

44.1 

11 

81.95 
81.25 

D 

80.0 

§ 

16.5 

81.0 

1858  November  25. 

Nachmittag  etw.  dunstig :  noch  um  xlil  Uhr 
am  ^  hellen  Himmel  deutlich  umherziehende 
Nebel  wahrnehmbar.  Nach  8h  scheint  es  mir 
rein,  nur  Luft  unten  noch  etwas  dunstig. 

Jupiter  mit  sich. 

22.2  19.75     Ocular  be- 

schlägt jeden  Augenblick,  obgleich  die  Kälte 
sehr  massig  ist. 

20.95 

19.95 

21.95 

19.97 

214  19.75 

105.45  105.1     Jetzt   steht 

105.4  A  rechts  oben  im  Felde. 

105.3 

105.4  105.1 


Dunstwolken    verhindern   die  Fortsetzung 
der  Messungen. 


Bild :  63.6  63.55 

Nebel  hat  sich  insoweit  verdichtet  und 
gesenkt,  dass  der  benachbarte  Thurm  der 
protest.  Kirche  mit  der  obern  Hälfte  heraus- 
ragt.    Jedoch  veränderlich. 


1858  Dezember  17.      C.  d.  ü.  —  6m,2. 

Seit    Mittag    klare   Luft;    etwas    kalt.    — 
Heller  C  Schein. 


Nr.  492.     yPegasi  und  ßPegasi. 


Nr.   493.     Deneb  und  Capella. 


39.2 

34.2 
35.6 
34.8 

36.8 

46.6 

34.95 

36.8 

50.0 

95.8 
97.0 
98.0 

96.0 

60.0 

97.7 

96.0 

im  .5 

90.05 
90.4 

— 

92.35 

D 

8.5 

92.2 

11.5 

33.95 
32.05 

D 

31.9 

§ 

"* 

16.7 

33.9 

D.  flammt; 

doch  massig. 

269 


Nr.  494.     Aldebaran  und  Deneb. 
D.  erscheint  schön  bläulich  neben  A. 


7h  28m 

28.6 

25.0 

27.2 

Helles  Feld,  weil  C  ziem- 

27.6 

lich  nahe  bei  A. 

36 

26.5 

25.0 

39.6 

100.4 

98.7 

102.1 

9S6 

Farbunterschied  ist 

47.6 

101.3 

102.2          störend. 

Nr.  495.     «Andromedae  und  Aldebaran. 


58.6 


1000 
98.85 
98.9     gut. 
67.0  100.3 


8     10.5 


17.5 


26.6 


34  25 

35.6 

36.0 

34.95  26.6 


Gesichtsfeld  ist  merklich  heller  bei  d.  Beob. 
über  d.  B.  als  unter  d.  B.  —  [Ist  allgemein  so.] 


Jupiter 

mit 

sich. 

19.6 

20.55 

22.3 

22.7 

21.2 

21.1 

gut. 

22.55 

20.55 

104.8 

104.9 

103.95 

1024 

104.3 

104.7 

104.45 

104.85 

Nr.  496.    y  Cassiopejae  und  Capella. 


1 

82.75 

n 

83.4 

83.6  < 

.0 

83.7 

D 

49.6  43.2  □ 

43.95 

42.3 
57  43.8  >  □ 

Himmel  scheint  vollkommen  rein. 


1859  Januar  9. 


C.  d.  ü.  +  8m,4. 


Empfindlich  kalt  (etwa— 11°  R.).  —  SW., 
wo  die  C  Sichel  steht,  ist  in  der  Nähe  des 
Horizontes  dunstig ;  SO.  und  die  hohen  Re- 
gionen scheinen  aber  klar. 

Nr.  497.    a  Arietis  und  Aldebaran. 

811  38m.5*)  33.25  Einstellung  erschwert, 

*)  Muss  jedenf.  32.7  weil    die    Mikrometer- 

heissen  33.5.  Schraube   am  Dist.-Kr. 

38.5  33.25  nicht  zieht. 

42.5  93.35 

91.3 
46.0  92.5       Farbunterschied   nicht 

auffallend. 


Nr.  498.     Aldebaran  und  Halcyone. 

Licht  der  andern  Plejaden  ^  t^t  mischt 
sich  nicht  mit  dem  von  r) ,  doch  stören  sie 
etwas  durch  ihre  Gegenwart  im  Felde. 


8  59.4 

9  4 


87.4 
87.6  < 
87.3  > 


D 


8  43.2  □       Auf   dieser 

42.2         Seite  stören  die  Nach- 
bar %  $i  mehr  als  auf  der  andern. 
44  7 
15.5  41.4    gut. 

Ueber    d.  Bilde  steht  Aldebaran   rechts   im 
Feld. 


Bild: 


64.2 


63.65 


Unbequeme  Einstellung. 


[NB  Bei  dieser  Aufzeichnung  sind  ent- 
weder die  beiden  ^  ^  in  der  Ueberschrift  in 
verkehrter  Ordnung  genannt,  oder  die  beiden 
Columnen  für  A  und  B  verwechselt  Die  über- 
wiegende Wahrscheinlichkeit,  namentlich  auch 
auf  die  Notiz  über  die  Stellung  im  Felde  be- 
gründet ,  und  auch  meine  Erinnerung  (aufge- 
zeichnet Apr.  14)  über  die  Umstände  der  Be- 
obachtung sprechen  für  die  2.  Alternative.] 


270 


Nr.  499.     yAndromedae  und  Capeila 
9h  31m.7 


45.67 
45  85 
35.5  46.7 


39 


Stellung 
□  Q    ziemlich  un- 
bequem. 

D 


81.7 
79.95 
42  80.7 

y  scheint,   obwohl   etwas    in  W. ,    in  ganz 
reiner  Luft  zu  stehen. 


Nr.  500.     Aldebaran  und  Capella. 

Vollkommen    ruhiges    Licht:    Farbe    stört 
gar  nicht. 


48  5 

91.3 

90.15 

92.4 

gut. 

54.5 

89.2 

D 

10 

0.3 

37.6 

38.2 

D 

36.4 

gut. 

§ 

5.2 

37.3 

Capella  mit  sich. 

23.2  19.7     „Ganz  auf- 

22.8      fallend   ruhiges  Licht." 

21.7 

22  8 

22.65  19.7 

102.95  102.4 

103.6 

102.6      Unter   dem  Bild  steht 

101.25    Phantom  A  rechts. 

104  2 

102.4 


103.0 


Himmel  schien  zuletzt  auch  in  W.  klarer 
als  im  Anfang  :  vielleicht  weil  nach  C  Unter- 
gang die  Dünste  nicht  mehr  beleuchtet  sind. 
—  ^  3fc  überhaupt  heute  vorzüglich  ruhig; 
selbst  Sirius. 


1859  Januar  21. 


C.  d.  U.  —  6m,6. 


Heute  schwach  dunstig  in  W.  und  S.,  doch 
scheinen  die  höheren  Regionen ,  namentlich 
um  Orion   und    Stier  (SO.)   vollkommen   klar. 


(Nachmittag   war   Himmel   klar,    jedoch    von 
matter  Farbe.) 

Nr.  501.    Ä  Tauri  und  Aldebaran. 

7h  56m  .5  49.85  Q 

[Diese  Zeit  ist  jedenfalls  irrig  notirt.] 
45.4 
46.6 
54  45  6 

57  79.0  □     Geht    etwas 

78.1  schwer  weg.  schwach. 

80  95  Lichtes  u.  unbequemer 

81.8  Stellung. 


Nr.  502      Bellatrix  und  Capella. 


8    27.5 

87.8 
85.4 
87.4 

D 

32.5 

87.7 

35.0 

38.1 
39.3 
39.1 

D 

40.0 

39.2 

Schönes   ruhiges  Licht. 

Nr.  503.     «  Persei  und  Capella. 


8     47 

53 
54.5 

59 


44.4  > 
44.65 

44.3  < 
43.6    gut. 

85.3 
84.6 
83.9 

83.4  < 


D 


D 


Capella  mit  sich. 

105.0  105.4 

10375 

103.4 

104.8 

104.8 

104.45 


23.25 
24.15 
23.9 


105.4 
22.45 


271 


23.4 

22.85 

23.0 

64.55 


22.5 


Bild:  64.55  64.2     Okul.-St.: 

33.8. 
Um  97*  Uhr,  beim  Nachhause- Gehen ,  ist 
nebeliger  Dunst  um  den  Horizont  kennbar, 
besonders  in  0. ,  wo  er  vom  aufgehenden  C 
beleuchtet  ist  und  sich  bis  etwas  über  a  Leonis 
herauf  verfolgen  lässt.  —  Jedoch  ist  parterre 
nichts  mehr  von  Nebel  zu  spüren,  was  An- 
fangs in  geringem  Grade  der  Fall  war.  — 
"Wetter  ziemlich  mild;  etwas  feucht. 


1859  Februar  4. 


C.  d.  IL  —  lm,o. 


Bei  Tag  Thauwetter ,  Himmel  meist  be- 
deckt, dazwischen  (•)  Schein.  Abends  sehr  schön 
klar  :  ich  finde  keine  verdächtigen  Anzeigen. 
—  Luft  noch  feucht. 

Nr.  504.     Capella  und  ß  Aurigae. 


8>i  43"' .5 

48.0 
50.0 

52.7 


D 


D 


94  7 

(Muss    ohne 

85.9 

Zweifel  heis- 

85.9 

sen  84.7.) 

86.0 

40.3 

> 

41.0 

40.7 

40.2t 

Nr.  505.     Capella  und  ß  Tauri. 


0 

4.7 
6.5 

11.3 


D 


D 


370 
37.8  > 
37.0 
36.4 

88.1 
88.4 
87.25 
88.25 


Nr.  506.     ß  Aurigae  und  #  Geminorum. 


23.5 
30.0 


D 


84.0 
S2.8  > 
819 

84.55 


32.5 

G 

44.1 
44.6 
44.95 

37.5 

44.8 

Saturn 

mit  sich. 

22.4 

21.25 

22.0 

21.45 

22.6 

23.7 

23.3 

21.2 

102.6 

103.0 

101.75 

104.4 

103.8 

102.6 

102.7 

103.0 

Bild: 


64.05 


63.65 


Zuletzt    etwas    kalt.      Folgender    Morgen 
kalt  und  klar. 


1859  März  7.  C.  d.  ü.  -  3m,3. 

Nr.  507.    ß  Aurigae  und  >j  Geminorum. 


1  45111 

□                  43.35 

46.1 

44.45 

49.5 

45  35 

51.5 

D                  83  4 

84.8 

82.2 

56.5 

83.25 

Dist.-Kr. 

steht  auf  22°.  97. 

Bild: 


63.8 


64.4 


Abh.  d.  II.  Cl.  d.  k  Ak.  d.  Wiss.  X.  Bd.  I.  Abth. 


Es  zeigt  sich,  dass  mit  der  eingestellten 
Distanz  auch  noch  ein  anderer  %  durch's  Feld 
passirt  Um  sicher  festzustellen,  welcher  eigent- 
lich beobachtet  war,  werden  an  beiden  noch 
weitere  Einstellungen  gemacht  (Sie  stehen 
nicht  weit  von  einander,  höchstens  etwa  um 
2  X  Durchmesser  des  Gesichtsfeldes.)  Jeder 
wird  mit  ß  Aurigae  verglichen.  [Die  Original- 
Aufzeichnung  enthält  umständlichere  Angaben 
über  Lage  des  Instrumentes  etc  ,  welche  nach- 
träglich zur  Feststellung  der  Identität  geführt 
haben,  so  wie  im  Folgenden  kurz  angesetzt  wird.] 

35 


272 


/SAurigae  mit 
ad  Nr.  508)  ,uGeminorum  8*  2">      D 

Nr.  507a.)  ijGeminorum         4.7     D 


io.o   D 

13.0 
Nr.  508.  <uGeminorum         19.0     D 

26 

27.5     □ 

30.7 


85.2 

83.1 
83.3 
81.7 

44.8 
46.4 
44.4 

39.1 
44.3 
39.8 
42.4 

87  0 

86.8 
85.2 


Nr.  509.     /JAurigae  und  yGeminorum. 


8h  42">.5 

25.75 

21.8 

22.0 

23.95 

26.5 

24.1 

51.0 

24.4 

24.1 

53.0 

103.7 
101.1 
101.8 
102.8 

101.55 

58 

101.8 

101.5 

[Im  Journal  folgen  hier  zunächst  zwei  Ver- 
gleichungen  zwischen  Saturn  und  Capeila,  mit 
Umtausch  der  Gläser-Systeme  zwischen  beiden, 
welche  zugleich  zur  Bestimmung  des  Durch- 
sichtigkeits  -  Verhältnisses  derselben  gedient 
haben! 


Nr.  511.     jSAurigae  und  tGeminorum. 

(Nach  Pollux  [soll  wohl  heissen:  Castor] 
der  hellste  ^,  der  mit  der  berechueten  Distanz 
von  ß  Aur.  durch's  Feld  passirt.] 


10     11 

17 


D 


85.25 
85.6 

84.8 
86  8 


19.8 


25.0 


D 


38.0 

41.65 

41.4  Zuletzt  Auge 

41.0  ermüdet. 


Tag  war  rein  und  klar:  milde  Frühlings- 
luft. Nacht  prachtvoll,  besonders  seit  C  Unter- 
gang :  sehr  weit  hinab  ganz  klar :  3fc  3fc  ziem- 
lich ruhig. 


1859  März  10. 


C.  d.  U.  +  4m,6. 


Seit  Mittag  hell.  Jetzt  klar  und  rein.  — 
3fj  ^t  im  Allg.  ziemlich  ruhig.  —  Heller  C 
Schein. 

Nr.  512.     Sirius  und  Procyon 

7h  38m  _  39  95  Beide  flam- 

men, doch  leidlich.  —  Sirius  im  Rohr  violet- 
lich,  Procyon  gelblich. 

40.9 

DD  40.o 

43  41.7 


45 
50 


DD 


85.2    Beugungs- 
84.6  linien  stören. 
84.95     gut. 
81.1  < 


Nr.  513.  Capella  und  f  Orionis. 


7  57 

8  3 
5 


D 
D 


85 


87.35 

87.0 

84.6 

85.65     gut. 

42.8    gut. 

41.2 

39.0  <  [Gew.  V».] 

42.0 


Nr.  514.     Castor  und  Capella. 


24.5 

31.5 

8     33 

37.5 
Bild: 


38.4 

40.95     Ganz  ruhiges  Licht. 

38.2 

38.0 


89.25 
89.0 
87.7 
89.1 

64.8 


D 
D 


64  0 


273 


Nr.  515.     rfGeminorum  und  ^Aurigae. 


8>>     2'"  .5 


<)h       im 

43.9 
46.05 

— 

43.1 

D 

7.5 

42.5 

9 

82.5 
81.5 

D 

82.3 

§ 

15.0 

85.8 

nicht 

schlecht. 

Saturn 

mit 

sich. 

Bild: 

64.7 

64.1  ;     Okular- 
Stutzen  33.7. 

24.85 

22.8 

25.05 

24.0  < 

25.6 

26.15 

25.8 

22.65 

1015 

102.6 

101.4 

101.7 

100  0 

101.0 

101  1 

102.55 

Ich  halte  die  heutigen  Beob.  für  gut.  — 
Wetter  ziemlich  trocken:  etwas  weniger  warm 
als  März  7. 


1859  März  11.  C.  d.  U.  —  2m,6. 

Tag   ganz    klar.     Abend  vorzüglich  schön. 

Bild  (Jupiter):     63.!)5  63.77 

Nr.  517.     Sirius  und  Procyon. 

7     52.0  —  44.2      Zuckendes 

Flammen  bei  Sirius,    aber  doch  heute  relativ 
ruhig. 

43.7 

D  40.8 

40  8 

§  3!).7 

60.5  41.0     gut. 


D 


85.1 
84.9 
85.7 
85.6 


Nr.  518.     Beteigeuze  und  Capeila 
13 


20.0 
22.5 

25.5 


90.8 
88.4 
92  6 
91.0 

35.9 

35.0 
35.4 
36.2 


—     Farbe    stört 
nicht  besonders. 

D 


D 


Saturn  mit  sich. 


23.5 

21.0 

23.3 

22.45 

22.7 

23.0 

23.4 

210 

102.7 

101.95 

101.4 

1010 

101.15 

101.6 

101.5 

102.0 

Okular-Stutzen  steht 

auf  33.75 

Anfangs  war  es  unten  ein  klein  wenig  nebel- 
haft dunstig.  Jetzt  gar  nicht  mehr.  Die  tiefen 
?}:%,  z.  B  vom  gr.  Hund,  sehr  klar  und  re- 
lativ ruhig. 


1859  März  18. 


Cd.  IL  +  2m,4. 


Tag  rein  und  klar.  Abend  ebenfalls,  doch 
flammen  ■$£  $i  stark,  und  ich  kann  mich  nicht 
völlig  überzeugen,  ob  nicht  um  C  (Vollmond) 
schwacher  Dunst  (am  Anfang  d.  Beob.). 

Saturn  mit  sich. 

104.4  105  1 

103.0 

103  05 


274 


103.0 

104.6 

103.6 

105.15 

22.9 

21.8 

26.1     sie 

24.34 

23.95 

24  7 

25.0  < 

21.75 

Nr.  519.     Procyon  und  Regulus. 

8h  40>u  —  32.0    Beide  flam. 

gut:    32.1     sehr   stark. 
31.85  Gesichtsfeld 
45.5  □  31.0       hell  vom 

O  Schein. 


D 

94.1      Auf  dieser 
96  2  Seited. Bilds 

§ 

93.9  Felddunkler. 

52.5 

95.4 

Nr. 

520. 

Procyon 

und  Pollux. 

58.5 

— 

96.4  > 
93.3 

D 

94.7 

9       3.5 

94.1 

5.5 

D 

32.7 
320 

§ 

31.0 

9.5 

33.0 

Beide  Beob.  möchten  trotz  des  Flammens 
nicht  schlecht  sein. 

NB.  Beim  Nachhause-Gehen  in  halber  Höhe 
des  C  ein  paar  leichte  Wölkchen  bemerkt. 
Um  llh  ist  der  grösste  Theil  des  Himmels 
mit  milchiger  Trübung  überzogen. 


1859  März  21. 


C.  d.  ü.  +  2m,4. 


Seit  Nachmittag  schön  klar.    ^  $;  flammen 
ziemlich  stark. 


Nr.  521.     Procyon    und  ß  Canis   minoris. 


8     26.5 


48.4  <Pr.  flammt 
50.0       stark. 


DD  40.3  > 

32  48.9 

Kleiner  ifc  in  der  Nähe  von  ß  mischt  sein 
Licht  nicht  mit  dem  von  ß. 


35 


40 


D 


79.75  < 
80.6  > 

78.7 
79.2 


Nr.  522.     Regulus  und  e  Leonis 
8h  50™. 0  — 


55.0 
58.0 

63  0 


D 
D 


46.7 
47.4 
46.7 
46.2 

83.0 

81.8 
82.2 

81.7     R.    flammt, 
doch  massig. 


Nr.  523.     Regulus  und  i;  Leonis. 
Mondlicht  im  Felde  fängt  jetzt  an  zu  geniren. 


9       9.5 

D 

47.05 
48  8 
48.9 

15 

48.0 

18 

D 

78.8 
80.5 
80.3 

23 

78.95 

S; 

atum 

22.0 

24.75 

23.4 

24.3 

23.3 

mit 

sich. 
22.3 

22.35 

104.6  104.15 

104.5 

103.7 

101.95 

104.7 

103.2  104.1 

Am  Horizont  in  d  Nähe  d.  C  Spuren  von 
kl.  Wölkchen.  Sonst  schön  klar,  auch  die  tiefen 
%  $i  z.  B.  des  gr.  Hundes. 


1859  April  4. 


C.  d.  U.  -|-  2m,4. 


Um  61'  5  war  der  Himmel  noch  grossen 
Theils  überzogen,  milchig.  Scheint  aber  jetzt 
in  S.,  W.  und  0.  klar  (rfc  3fc  flammen  wenig): 
nur  am  N.  Horizont  stehen  noch  dunstige 
Wolken,  nach  oben  verwaschen  auslaufend. 

Nr    524.     Regulus  und  f  Hydrae. 


gh    JOni 


19.5 


8    21.2 


27.5 


D 


D 


80.75 

79.8 

80.2  Stark.  Wind 

81  3  aus  SW. 

45.4 
48.4 
470 
43.3 


Nr.  525.     Regulus  und  «Hydrae. 

Ein  etwas  schwächerer  3f;  kommt  fast  zu- 
gleich  mit  e  H.    in's    Feld.     [Ohne  Zweifel  £.] 


33.2 

40.0 
42.5 

47.5 


D 
D 


48.0 
49.0 
47.8  > 
48.3 

78.0 
79.0 

78.2 
78.9 


Nr.  526. 

Regulus 

und  Alphard.j 

8     56 

37.0 
41.7 
37  4 
37.6 

9       4.5 

— 

34.8 

7 

— 

88.65 

87.0 

86.75 

12.5 

87.1  < 

, 

Nr.  527.     f  Leonis  und  Regulus. 

Mit  £  L.  sind  noch  2  Nachbar  3fc  3Jj  zugleich 
im  Feld. 


35 


42.5 


79.9 
79.1 
77.7 
79.4 


□     Der  heftige 
Wind  stört. 


275 

45 

49  4                 □  Auge  ermüdet. 

47.9 

48.4 

52.5 

49  3     Dist.  abgelesen  11°  8. 

Saturn  mit  sich. 


102  2 

104.0 

101.75 

105.4  <C  sie 

103.85 

104.2 

102.1  gut. 

104.0 

24.3 

22.8 

26.0 

25.5     gut. 

25.35 

246 

23.55 

22.7 

Dunst  in  N.  hat  sich  zuletzt  zu  einer  wohl- 
begrenzten Wolkenbank  consolidirt,  über  wel- 
cher jetzt  der  Himmel  auch  in  N.  schön  klar 
erscheint. 


1859  April  6. 


C.  d.  U.  +  2m,5. 


Schöner  Tag,  jedoch  gegen  Abd.  streifig. 
Nach  (•) Untergang  scheinen  die  Streifen,  in 
3  Beleuchtung  noch  sichtbar,  sich  rasch  auf- 
zulösen. Etwa  V4*1  vor  dem  Anfang  derBeob. 
verliere  ich  den  letzten  Streifen  aus  den  Augen. 
—  Mondhell. 


Saturn  mit 

sich. 

25.15 

22.85 

23  0 

24.7 

25.0 

26.15 

25.8 

22.8 

104.3 

104.6 

102.5 

103.2 

104.4 

103  2 

103.1 

104.6 

276 


Nr.  528.     Kegulus  und  #Leonis. 


1859  April  7. 


C.  d.  ü.  +  2m,6. 


8«  20™ 

— 

82.1     R.  etwas 

26.3 

D 

83  3     unruhig. 

82.7 

81.6 

28.5 

D 

48.7  < 
47  9 

35.0 

§ 

47.2  > 
47.7 

N.  529.     Pollux  und  40  Lyncis. 


46.5 

D 

47.9 
48.2 
47.0 

52  5 

46.55 

Licht 

des 

schwachen 

* 

ist  unruhig. 

55 
60 

D 
§ 

810  < 

80.0 
78.2 
79.8 

Anderer  % ,  im  Phot  Rohr  etwas  höher 
als  40  L. ,  welcher  bei  der  eingestellten  Di- 
stanz   ebenfalls   das    Feld  passirt : 

Nr.  529  a)  —  77.4     [Dieser    % 

ist  nach  Stellung  etc.         38  Lyncis.] 


Nr.  530.     Regulus  und  Pollux. 


Tag  ganz  klar:  nach  (•)  Untergang  einige 
streifige  Wölkchen.  In  N.  sind  um  81»  noch 
ziehende  Streifwölkchen  sichtbar;  später  scheint 
Alles  vollkommen  klar. 

[Durchsichtigkeitsverhältniss  der  Gläser  ist 
heute  durch  Umlegen  zwischen  Saturn  und 
Capella  bestimmt.] 

Nr.  534.     Capella  und  y  Ursae  majoris. 

9h   18«»  .5 


23 


25 


29 


83.0 

84.3 

D  D  86.0 

84  2 


DG 


430 

44  4 

43.1  Capella  nicht 

44  2  vollk.  ruhig. 


Nr.  535.     y  Ursae  majoris  und  Pollux. 


44 

36.3 
37.6 

— 

37.0 

D 

48.5 

35.6 

50.5 

89.0 

D 

93.2 

< 

Unbequeme  Stellung. 

96.3 

§ 

58  0 

92.4 

gul 

;          Zuletzt  windig. 

16.5 

104.3 
102.4 
102.3 

101.8 

22  0 

102.8 

101.8 

24 

26.7 

28.2 
26.7 

26.4 

27.0 

gut. 

27.3 

30.5 

26.2 

26  4 

Bild: 

64.2 

64.0     Okular- 
Stutzen  33.6, 

Himmel  scheint  während  der  Beob.  voll- 
kommen klar:  nur  der  tiefe  Horizont  etwas 
dunstig. 


Sirius,  seinem  Untergange  ganz  nahe, 
zum  letztenmale  vom  Thurme  aus  mit  unbe- 
waffnetem Auge  (NB.  mit  Brille)  gesehen  um 
10«  13m.5  UZ.;  er  hatte  die  Gränze  des  Hori- 
zonts noch  nicht  ganz  erreicht,  als  er  dem 
Auge  verloren  ging.  —  [Wahre  Zenitdist.  ohne 
Refraction  =  8:)°33'.4] 


1859  April  21. 


C.  d.  U.  +  0m,4. 


Tag  ganz  klar.  Um  (•)  Untergang  bilden 
sich  milchige  Streifen,  die  sich  bald  wieder 
lösen :  Anfangs  verräth  noch  die  ungleiche 
Färbung  des  Himmels  ihre  Spur.  Später  nichts 
Verdächtiges  mehr  wahrnehmbar.  —  Schöne 
Nacht. 


277 


Saturn  mit  sich. 

Unter   d.  Bild   ist  Phantom  A   mehr   gelb- 
bräunlich, B  mehr  violetlich. 


525 


58.0 


84.8 
84.4 
84.6 
86  0 


102  6 

105.25 

103.3 

103  2 

Nr. 

539. 

ß 

Leouis   un 

d  y  Ursae  majoris. 

103.8  > 

104.05 

iöi> 

6m  5 

105.2 

100.9 

103.8 

105.2 

99  6 
99.95 

22.5 

19.8    lieber  dem 

11.5 

105.33 

99.8 

23.4 

Bild   kein   Farbunter- 

23.1 

schied. 

14.5 

23.0 

25.2 

22.05 

27.2  Ueberd  Bild 

20  8 

Phant.  B. 

rechts   oben  im  Feld. 

22.6 

19.85 

20.5 
Bild: 

22.95 
64.1 

26.9  > 

28.7 

63.6 

Nr.  536. 

/JLeonis  und  #Leonis. 
35.05 

8h  51"i  .5 

36.35 

Nr. 

540. 

y 

Ursae   maj 

.    und   o  Ursae  maj. 

D 

34.6    Stell,  wenig 

9       0.0 

34.8    bequem. 

10 

45.5 

38.6 

38.4      Ermüdung 

2.5 

D 
§ 

88.7 

90  0     Messung 

89.8     geht  etwas 

55 

D 

37  2  d.  Auges  wird 
34  8  sensibel. 

10.0 

90.0  >  schwer. 

56.5 

D 
§ 

87.3 
90.0 
89.3 

62.5 

89.05 

Nr.  537. 

Pollux  und  xGeminorum. 

16  5  78.6     P.  ziemlich 

77.7     unruhig. 
D  78.4 

23.5  80.0 

Dreieck  von  x  klein.    Beugungslinien  darin 
nicht  auffallend 


25.0 


32.0 


DD 


48.3 

48.2 

48.0     Auch  das 

50.0     Licht  vonx 

nicht  ganz  ruhig. 


Okular -Stutzen   stand   auf   32.7.     Er   wird 
jetzt  gestellt  auf  35.0 


1859  Mai  12. 


C.  d.  U.  +  0m,9. 


Morgens  bedeckt,  Nachmittag  wolkig,  Abend 
klar.  —  3fc  *^J  funkeln  :  Capeila,  die  schon  etwas 
tief  steht,  kommt  mir  heute  auffallend  röth- 
lich  vor  (um  9h  45m).  —  Heller  0  Schein. 


Nr.  538.     /SLeonis  und  /JVirginis. 
42.5  — 


49.2 


—  42.6     Licht  von 

43.5     unten  blen- 

D  42.2  >    det. 

43.0 


Si 

ilurn 

mit 

sich. 

20.5 

20.6 

22.0 

26  0 

22.2 

22.5 

22.4 

20.6 

278 


103.5 

104.4 

23.6 

22.15 

102.6 

21.8 

103.7 

24.2 

103.7 

24.2 

102.6 

21.1 

102.5 

104.4 

22.8 

22.2 

Nr.  541.     y 

Ursae   m 

aj- 

und  x  Ursae  maj. 

Nr. 

543. 

ß  L  e  o  n  i  s 

und  Wega. 

10h  15"»  .5 

34.8 

46.9    Mondschein 
46.1  <[    genirt. 
46.3 

9h 

21m 

44.8 
46.2  > 
43.95 

D 

21.8 

34.9 

46.6 

26 

44.75 

25.5 

91.3 

78.4 
78.7 
79  8 

9 

28  2 

79.2 

78.7 
77.4 

D 

§       Beide  #  % 

32.5 

91.4 

78.8 

35.0 

79.1     unruhig,  besond  W.sehr. 

Nr.  542.     /Ursae  maj.  und  i  Ursae  maj. 


Nr.  544.     ^Leonis  und  CVirginis. 


37.0 


435 


91.33*) 


91.35*) 


80.6  *)  Noch  un- 
81.5  verrückt  die 
81  2  Stellung  von 

79.7  Nr.  541. 


Die  frühere  Bemerkung ,  wornach  ich  mit 
dem  rechten  Auge  rechts  im  Felde  etwas  heller 
sehe  als  links,  hier  wieder  bestätigt. 


48.5 


56.0 


34.9  42.4 

43.6 
45.6 

34.95  42  2 


Bei  den  beiden  Messungen  war  die  Stel- 
lung etwas  unbequem,  auch  der  helle  C  Schein 
störend.  —  Nacht  scheint  völlig  klar. 


1859  Juni  6. 

Vollkommen    klar. 
Viertel:  bei  Regulus. 


C.  d.  U.  -f  0m,5. 

nahe    dem    ersten 


Arcturus  mit  sich. 

99.7  100.95      Dämmer- 

ung noch  sehr  hell.  —  Licht  nicht  ganz  ruhig. 
99.1 
97.9 

100.2  > 
99.3 
99  6  100.9 


40.5 

31.65 

46.3 
46  3  > 
47.7 

45 

31  65 

46.2 

47.5 

100.8 

82.1 
83.0 
82.8 

52.5 

1008 

84.9 

Nacht   auch   noch   später  von  vorzüglicher 
Klarheit. 


1859  Juni  28.  C.  d.  ü.  0. 

Tag  und  Nacht  vollkommen  klar. 
Nr.  545.     Gemma  und  ßLeonis. 


9     42.5 

103.0 

99.35 
101.2 
102.9 

50.0 

103.1 

101.6 

53.0 

22.95 

27.6  jSL.  ziemlich 
24.95  unruhig. 
26.9 

59.5 

22.9 

25.8 

279 


IC»  22™  .5 

87.3 

87  8 

29.5 

89.8 

31.5 

90.3 

34.5 

37.3 

39.7 

39.4 

42.6 

38.2 

Nr.  546.    A  Ursae  maj.   und  y  Ursae   maj. 

—    NB.  A<> 

D 


D 

§    X  nicht    ganz 
ruhig. 


Nr.  547.     Wega  und  Gemma. 
51.2  — 

58  D 

i  D 

§ 


1859  Juli'l. 


C.  d.  U.  +  lm,7. 


11 


44.1 

40.6 

< 

41.3 

42  0 

81.0 

80.75 

81.7 

81.0 

Nr.  548.     ßSerpentis  und  «Serpentis. 


20.5 

28.5 
31.0 

40.5 


316 

31.5 
96.8 

96.6 


39.0 
41.65 
42.4 
39.3 

85.7 

85.2 
85.1 
87.8 


Wega  mit  sich. 

24.1  21.2     Unruhig 

23.45     trotz  d.  hohen  Standes. 

22.7 

22.7 

23.75 

23.3  21.2 


Bild: 


103.8 
102.2 
103.0 
103.6 
102.6 
103.3 

63.6 


104.2     Jetzt    steht 
Phantom  A  rechts. 


104.2 
62.95 


Nacht  scheint  vollkommen  klar:  Beobb.  sind 
mir  jedoch  etwas  schwer  gegangen. 

Abh.  d.  II.  Cl.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  X.Bd.  I.  Abth. 


Seit  Nachmittag  hell,  mattblaue  Himmels- 
farbe     Abend   klar;    Horizont   etwas  dunstig. 

Arcturus  mit  sich. 


101.3 

103  8  Nicht  ganz 

101.95 

ruhig. 

100.5 

101.6 

102.4 

102.5 

103.8 

20.0 

20.6 

20.35 

22.25 

22.75 

22.9 

21.1 

20.65 

Nr.  549.     Arcturus  und  Wega. 


62  6 


Bild: 

62.95 

91»  36n> 
42 

24.0 
22.55 
23.35 
21.9 

43.5 

48 

100.65 
101.15  < 
101.9 
102.6 

Nr.  550.     12  Canum  venaticorum  und 
e  Virginis. 


57 

10       9.5 
12.5 

20  2 


91.15 

88.1 

87.2 

87  85 

91.1 

88.0 

32.7 

37.6 

40.7 

39.2 

32.67 

38.7 

Nr.  551.     Gemma  und  «Serpentia. 


27.2 
35 


31.0 
32.67 
312 
31.4 

36 


280 


37 
44.5 


90  9  > 

95.6 

94.05 

94.8 


Nr.  554.     Deneb  und  Arcturus. 


Nr.  552.     Ras  Alhague  und   /Ursae  ms 


54 

11h     om.5 
3.5 

9.5 


23.85 

23.95 
98.4 

98.45 


30.7 
32.25 
33.55 
29.0  < 

93.1 
91.4 
93  75 
91  2 


Nr.  553.    j/Ursae  maj.  und  y  Cassiopejae. 


11     16 


24 


25 


51.2 


23.1  — 

26.2  Auge  ermüdet.  Auch 
20.0  Stellung  etw  unbequem 
24.2 

97.35  — 

100.9 
99.6 
99.1 


Auch  am  Schluss  d.  Beobb.  Alles  unver- 
dächtig. Milchstrasse  schön,  doch  nicht  von 
auffallender  Klarheit.  ^  rfc  heute  nicht 
ganz  ruhig. 


1859  Juli  2. 


C.  d.  ü.  +  2m,4. 


Aehnlich    wie    gestern.     Horizont   weniger 
dunstig. 

Arcturus  mit  sich. 


104.5 

106.0 

104.9 

104.1 

103.5 

103.7 

104  1 

106.0 

23  55 

22.15 

22.4 

24.6 

25.15 

22.5 

22.5 

22.2 

9h  34"  .5 

35.3 

—    Farbe  etwas 

36.1 

hinderlich. 

36.1 

D 

39 

32.6 

nicht  schlecht. 

41.5 

88.0 
89.4 

D 

90.8 

§     . 

45.5 

88.25 

Nr.  555.    Arcturus  u.  12  Canum  venaticor. 


51 

58.5 
10       0 


D 
D 


47.9 
46.8 
47.8 
46.05 

78.6* 

77.7 

77.75 

78.0 


Nr.  556.     y  Ursae  maj.    und  ß  Ursae  min. 


13 

25.45 

23.0  Stellung  un- 
24.6  <[  bequem. 
25.2     gut. 

20 

25.55 

23.9 

23 

101.85 

101.8 
104.0 
99.95 

30 

101.85 

103.0 

Nr.  557.    y  Ursae  majoris  und  Deneb. 


35.5 

89.0 

88.75 

— 

89.6 

D 

41.0 

88.4 

42.5 

37.0 

37.35 

D 

39.4 

§ 

47.0 

41.4 

48.5 

37.1  < 

281 


Nr.  558.     Arcturus  und  Ras  Alhague. 


Nr.  560.     Ras  Alhague  und  ^Herculis. 


53°> 

— 

84.8 
84.0 

52 

— 

82  2 
81.25 

D 

85.2 

D 

83  2 

57.5 

83.9 

85.2 

58.5 

D 

44.0 
42.3 

101»     o«i.5 

D 

43.6  Geht  schwer 
44.2     auf  dieser 

§ 

43.0 

§ 

42.0    Seite. 

61.5 

41.2 

6.5 

42.75 

iji  ^  nicht  ganz  ruhig.  —  Beobb.  werden 
im  Ganzen  gut  sein. 


1859  Juli  3. 


C.  d.  U.  +  3m,0. 


Tag  rein.  Gegen  Abend  ein  paar  zerstreute 
Federwölkchen,  die  wieder  ohne  Spur  ver- 
schwunden sind.  Nur  Horizont  etwas  dunstig, 
besonders  in  S. 


$;  mit 

sich. 

102.4 

103.3 

101.2 

102.3 

10195 

101.1 

101.0 

103  25 

22.3 

21.2 

23.7 

22.65 

23.95 

23.8 

23.6 

21.25 

Nr.  559.     Wega  und  Arcturus. 

9     31  19.55  20.8    Farbe  stört 

22  8    nicht. 
22  15 
36.5  19.6  22.5 

39  106.85  101.95 

100.65 

100.35 
42.5  106.9  103.4 


Nr.  561.     Gemma  und  ^Librae. 


15.5 

20.5 
23.5 

29.5 


95.6 
93.2 
9355 
94.4 

28.2 
29.0 
32.2 
29.0 


Nr.  562.     Gemma  und  y.  Bootis. 

36  —  46.6     Unsicher 

wegen  Kleinheit  des  £\  von  ,u.  —  Auch  stört 
Laterne  von  unten  sehr. 


45.6 

D 

45  25 

43.5 

44.7 

45.5 

D 

80.0 
81.1 

§ 

78.2 

50 

79  0 

Nr.  563.     Arcturus  und  Attair. 
10     53  — 


57 

58 


62 


103.0 

Farbe  stört 

nicht    — 

#tf 

ruhig. 

102.3 

102.75 

> 

99.8 

22.1 

< 

23.0 

22  6 

23.75 

Nacht  scheint  ganz  normal. 


36; 


282 


1859  Juli  6. 


C.d.U.-f  Om,9. 


Klar.  Am  Horizont  Wolkenbank,  oben 
etwas  verwaschen,  gegen  SO.  etwas  mehr  an- 
steigend, von  der  einzelne  Ausläufer  etwas 
höher  gehen  als  Antares  steht  (um  911  25m). 
C  nahe  dem  1.  Viertel. 

Bild:  C        63.25  62.2 

Arcturus  mit  sich. 

19.85  18.6       A  mehr 

grünlich   gelb,   B  mehr   violet:   dieser  Unter- 
schied stört. 

21.2 

21.6 

20  3 

20.3 

19.9  18  55 


18.5 


24 


D 


42.0 
42.1 
43.0 

42.8 


„Nahe  bei  ß  [soll  heissen  72]  ein  anderer 
3fc ,  etc."  [Folgen  nähere  Notizen  über  die 
Constellation,  welche  auf  72  und  nicht  auf  ß 
passen.] 


Schon  während  der  Beob.  Nr.  564  Wolken 
in  Neubildung  und  Bewegung,  doch  erschienen 
mir  die  Regionen  der  beobb.  ^  ^  unver- 
dächtig. Jetzt  scheint  die  Wiederauflösung 
vor  sich  zu  gehen,  so  dass  der  Zustand  des 
Himmels  wieder  ungefähr  so  ist  wie  am  An- 
fang.    ^;  3fc  waren  ruhig. 

Nr.  566.     Attair  und  Gemma. 


104.0 

104.15 

104.4 

105.55 

104.8 

105.2 


105.6 


105.6 


Nr.  564.     jSHerculis  und  aSerpentis. 


9h  47m 

87.8 
87.5 
88.0 

87.2 

53.5 

87.8 

87.35 

57.5 

36.1 
35.6 
36.05 

33.15 

62.5 

35.0 

33.1 

Nr.  565.     «  Ophiuchi  und  72  0phiuchi. 

[Die  Absicht  war  eigentlich,  ß  Oph.  mit  a 
zu  vergleichen :  bei  der  nahe  gleichen  Distanz 
ist  statt  desselben  72  beobachtet  worden.  Die 
Einstellungen  bei  Nr.  585  a  und  b,  dann  587 
und  587  a  und  die  Notiz  hier  unten  lassen 
keinen  Zweifel  über  die  Identität.] 


10     10.5 


16 


D 


83.9 
83.8  > 
84.6 
83.7 


10h  37m  .5 
43 

D 

36.9 
38.4 
37.4 
37.65 

44.5 
52.5 

D 
§ 

89.5      Die  #  # 
88.05  etwas  un- 
88  8    ruhig. 
89.0 

Himmel  jet 

et  sehr  klar. 

Nr.  567. 

Attair 

und  y  Aquilae. 

11       1 

7 

D 

78.35 
78.6 
80.8 
80.3  > 

8 

D 

46.6 

12 


47.4 
46.6 
47.4 


Zuletzt  wieder  etwas  Wolkenbildung  in 
SW. ,  aber  nicht  bis  zur  halben  Höhe  von 
Attair  herauf. 


1859  Juli  7. 


C.  d.  U.  +  lm,8. 


Himmel  klar,  indess  eine  wenig  hohe  Wol- 
kenbank in  W.  und  SW.;  in  S.  mehr  ver- 
waschen verlaufend. 


283 


Are  tu  r  us  mit  sich. 


105.0 

106.77 

Flammt 

104.5 

stark. 

104.5 

105.3 

104.1 

104.3 

106.75 

21.1 

20.7 

22.0 

23.2 

23.05 

21.95 

23.6 

20.7 

Nr.  568. 

Wega  und 

y  Draconis. 

9h  43™. 5 
49 

DD 

48.1 
48.0 
47.0 
47.8 

Schwierig 
wegen    des 
gr.    Unter- 
schiedes. 

51.5 

DD 

77.0 
76.9 

§ 

76.7 

56.5 

76.6 

Nr.  569.     Gemma  und  ß  Herculis. 
10       1.5  — 


8 
10.5 

17.5 


95.1 
93.0 
94.6 
92.9 

35.1 
34.6 
32.15 
33.6 


Nr.  570.     Polarstern  und  ß  Draconis. 

[Es  war  die  Absicht,  yDrac.  mit  Pol.  ^f; 
zu  vergleichen ,  statt  dessen  ist  aber  ß  beob- 
achtet worden,  der  sehr  nahe  dieselbe  Distanz 
vom  Polar  %i  hat.  Nr.  588  a  und  584,  der 
Verification  wegen  gemacht,  lassen  hierüber 
keinen  Zweifel.] 


29 


35  5 


28.2 
29.65 
28.3 
30.8 


101'  37"' .5 


43 


91.0 
93.9 
93.3 
92.7 


Nr.  571.     Gemma  und  y  Aquilae. 


48 

54 
58.5 

65 


90.6 
91.7 
90.0 
91.5 

32.7 
33.35 
32.0 
31.9 


Am   Schluss    vorzüglich   klar.     ifc  %  ziem- 
lich ruhig. 


1859  Juli  13. 


C.d.U.  +  Om.,8. 


Tag   und  Abend   klar.     Wenig   Dunst    am 
Horizont.  —  Mond  fast  voll:  steht  tief. 


Arcturus 

mit 

sich. 

102.1 

104  0 

102.6 

103.0 

103.0 

102.95 

103.95 

23.35  21.9 

24.25  Geht   auf   dieser   Seite 

24.95  schwerer,     wegen    des 

23.75  helleren  Felds. 

23  6  21.8 


Nr.  572.     yürsae  majoris    u.    y Draconis. 


9     30 

97.6 

94.4 
95.0 
95.05 

39 

97.7 

95.8 

41 

30  4 
32.4 
34.4 

33.0 

47.5 

33.2 

33.0 

284 


Nr.  573.     Ras  Alhague  und  yLyjae. 


Nr.  575.     Wega  und  Gemma 


0n'.5 

102.8 

85.2 

85.85 

87.4 

13 

102  9 

86.4 

17.5 

27.3 

38.0 
40  85 
41.05 

26 

27.25 

37.5 

Die  beiden  Vergleichungen  durch  den  vom 
C  Licht  hellen  Grund  erschwert. 


Nr.  574.     Attair  und  Arctur. 

Beide  unruhig,  besonders  Arct.   Auch  Farbe 
stört. 


33 

27.2 

27.25 

< 

28.1 

38 

25.6 

39 

95.5 

97.3 

> 

97.6 

43.5 

99.5 

Himmel  um  C  her  stark  erleuchtet,  aber  mit 
etwas  mattem  Schein,  welches  vielleicht  auf 
dunstige  Beschaffenheit  deutet? 


Bild:  C=       63.0 


63.0       Okular- 
Stutzen  34.9. 


1859  Juli  17. 


C.  d.  U.  +  3m, 5. 


Wega  mit 

sich. 

102.4 

104.0 

101.25 

102.7 

103.1 

102.0 

101.9 

104.0 

19.6 

18.5 

21.2 

21.2 

20.2 

19.3 

21.0 

18.55 

9h  43m 

— 

47.05 
47.4 

DD 

46.3 

48 

45.65 

49.5 

D 

80.15 
79.2 

§ 

79.2 

54  5 

78.6 

Nr.  576.     yAquilae  und  Deneb. 
10       2 


7.7 


45.2  <C  —  Von  y  kleine« 

46.2  ^\;  schwaches  Licht. 

44.5  □ 
44.65 


10 

81.5 
80.8 

D 

80.6 

§ 

21.5 

81.0 

Nr.  5 

77. 

f  Serpentis 

und  Gemma. 

31.7 

83.2 
82.6 

— 

82.75 

D 

40 

83.8 

42.5 

41.5 
41.2 

D 

44.0 

§ 

49.5 

44.0 

Nr.  578.     yLyrae  und  Ras  Alhague. 


11 


.8.2 

35.3 

38.2 

— 

37.15 

n 

5 

37.3 

7 

90.2 
89.95 

D 

90  3 

§ 

3 

89.1 

Luft    klar,    ^f;  $i    ruhig,    C  Schein    stört 
wenig. 


285 


1858  Juli  31. 


C.  d.  U. 


lm,9. 


Tag  völlig  klar,  Abend  ebenso,  nur  tief  in 
NW.  ein  paar  wohl  begrenzte  Wolkenstreifen. 

Wega  mit  sich. 


103.1 

105.2 

104.9  > 

104  4 

104.0 

102.95 

103.6 

105.2 

21.0 

19.07 

22.0 

20.8 

19.5 

20.15 

21.2 

19.1 

Nr.  579.     «Serpentis  und  «Ophiuchi. 


9h  35™  .5 

33.6 

— 

Stellung  un- 

34.9 

bequem. 

35.0  < 

n 

43.0 

34.0 

45.5 

90.4 
92.7 

D 

S9.65 

§ 

55 

90.9 

Nr.  580.     ß  Serpentis  und  Gemma. 
10       6.5 


13.5 


84.0 
82.5 

39.5 
43.5 


D 
D 


Ausser  Gemma  kommt  bei  der  eingestellten 
Distanz  kein  anderer  ^  der  Krone,  der  so 
hell  als  ß  S.  wäre,  durch  das  Feld.  [Bemerkung 
bezüglich  auf  Nr.  409.] 


36  5 


43 


D 


89.7 
93.75 
89.8 
88.6 


Nr.  581a.     «Ophiuchi  und  yHerculis. 
10h   52>n  _  43.2 

53.5  —  82.3 


Nr.  582.     «Ophiuchi  und  ßHerculis. 


11       0.5 

11 
12 

17.5 


D 
D 


33.0 

33.75  > 
34.0 
34.0 

90.05 

92.3 

91.7 

89.8 


Nr.  583.     yAquilae  und  ^Lyrae. 


26 

33.6 

32.5 
33.7 
34.1 

36 

33.5 

36.6 

NB. 

Nichts 

Verdächtiges  bei  y  L. 

40 

918 

90.3 
92.2 
91.95 

45.5 

91.9 

89.9 

Nacht  prachtvoll ,  $i  %  im  Allgem.  schön 
ruhig,  obwohl  Arctur  stark  flammt.  —  Beobb. 
sind  mir  dennoch  ziemlich  schwer  geworden, 
woran  vielleicht  z.  Th.  der  Umstand  Schuld 
trägt,  dass  das  Licht  in  der  für  die  Ablesungen 
gebrauchten  Laterne  zu  hell  war.  —  Folgenden 
Morgen  bezogen. 


Nr.  581.     Ras  Alhague  und  yAquilae. 


27 


35 


D 


34.8 
36.6 
36.8  > 
35.3 


1859  August  2. 


C.d.Ü.  +  lm,l. 


Tag  heiter,  doch  mit  Wolken.  Abend  klar, 
aber  in  S.  und  O.  geschichtete  Wolken  unten, 
bis  zur  Höhe  von  Antares  (um  8h  40m)  un- 
"  "ar. 


286 


Arcturus  mit  sich. 


103.7 

104.75 

Etwas  un- 

103.0 

ruhig. 

102.8 

103  3 

103.0 

104.75 

22.8 

22.0 

23.8 

23.4 

23.45 

23.2 

22.0 

Nr.  583a.     Polarstern  und  /SDraconis. 

[Diese  und  die  folgende  Beob.  sind  gemacht 
zur  Versicherung  darüber,  dass  Nr.  570  wirk- 
lich ß  statt  y  Drac.  gemessen  wurde.] 

—  29.4 

Dist.-Kreis  38°.3 
gh     7m  5  _  91.3 


55 


59 


90.0 
92.2 
91.95 
89  95 


Wolken  in  S.  und  auch  im  W.  haben  wie- 
der zugenommen  und  gehen  jetzt  höher  als 
vorher. 


Nr.  585a.      a  Ophiuchi   und   72  Ophiuchi. 

[Diese  und  die  unmittelbar  folgende  Beob. 
sind  gemacht,  weil  die  Vermuthung  entstanden 
war,  dass  der  Nr.  565  beobachtete  $i  72  Oph. 
statt  ß  war.    Diese  Vermuthung  bestätigt  sich.] 


101»     711 


86.0 


46.0: 


i$i  ifi  ausgelöscht  von  Wolken.  Distanz 
war  eingestellt  8°,3:  bei  dieser  Distanz  kommt 
auch  ß  durch  das  Feld,  welcher  heller  ist,  als 
der  beobachtete.  —  Luft  entschieden  feucht. 


Nr.  584.     Polarstern  und  yDraconis. 

14  —  99  8 

97.9 
98.3 

—  98.3  S.  noch  her- 
nach. 

—  26.0 
28.8 
24.5 

—  23.9 


20 
21.5 

26.5 
30.0 
33 


100.3 
23.6  > 
99  25 
26.8  <   Dist.-Kr. 


39.0 ;  bei  dieser  Einstellung  geht  auch  ß  Drac. 
durch  das  Feld 

Wolken  in  S    jetzt  grossentheils  aufgelöst: 
Scorpion  und  Schütze  frei,  in  schönem  Glanz. 


Nr.  585.     Gemma  und  yLyrae. 


43 


53 


35.0 
34.8 
32.6 
31.7 


Nr.  585b.     «Ophiuchi  und  jSOphiuchi 

Angefangen ,    weil    die    ifc  $i    wieder    frei 
scheinen : 


10     33 


89.45 


ß   gleich    darnach    schon    wieder    ausgelöscht 
[Vgl    übrigens  Nr.  587.] 


1859  August  3. 


C.  d.U.  +  im 9,. 


Tag    und    Abend    völlig    rein:    nur    etwas 
Horiz.  Dunst. 

Wega  mit  sich. 


103.0 

105.0 

102.8 

103.8  > 

103.85 

103.8 

105.0 

20.0 

19.65 

23.3 

21.6 

21.25 

21.6  gut. 

19.65 

287 


Nr.  586.     Ras  Alhague  und  Arcturus. 
8h  54m 


59.2 
9       1 

4.7 


83.2  —  Arct.  etw.  un- 

82.6  ruhig.    R.  A.  gleichfalls. 

83.0  □ 
82.9 


43.0 
43.2 
43.2 
43.65 


D 


Nr.  587.     Ras    Alhague   und  ß  Ophiuchi. 


11.5 

— 

89.6 
91.5 

D 

91.9 

18.5 

90.2 

20.0 

D 

38.7 
36.0 

§ 

37.6 

23.7 

38.7 

Nr.  587c.     Gemma  und  t  Herculis. 

53  23.7  45.2 

57  99.1  80.6     Dist.-Kr. 

19M 

Nr.  588.     Ras  Alhague  und  Gemma. 

Diese  Vergleichung  ist  gemacht,  weil  mir 
bei  den  beiden  vorausgehenden  Gemma  im 
Photometer  etwas  schwach  vorkam. 


10h     1">  .5 

6 
7.5 

11.5 


21.2 

23.0  >  [Gew.  7s] 

21.5 

21.7 

105.2 
106.4 
103.8 
105.2 


[Vergl.  auch  Nr.  585  b.] 


Nr.  587a.    Ras  Alhague  und  72  Ophiuchi. 

Ohne  Verstellung  am  Distanzkreis  kann 
durch  Drehung  des  Rohrs  um  die  nach  R.A. 
gerichtete  Axe  auch  dieser  ^f;  in's  Feld  ge- 
bracht werden. 


9     31 


82.0 
44.0 


Nr.  589.     jSUrsae  minoris  und  Deneb. 


16.5  87.8 

86.5 
86.6 

20.5  87.4 


D 


21.6  37.2  □ 

37.0 

37.9  § 

26.5  37.8 


Nr.  587b.    Gemma  und  i  Herculis. 

Dist.-Kr.  wird  auf  19°. 0  gestellt.  Bei  dieser 
Stellung  können  2  Sterne  des  Hercules,  ij  und 
e ,  durch  das  Feld  geführt  werden ,  welche 
wegen  etwa  früher  möglicher  Verwechslung 
nach  einander  beobachtet  werden. 


Nr.  590.     Wega  und  Deneb. 


44.5 


46.5 


110.2 


20.3 


77.9 


46.0 


Dist.-Kr.  steht  auf  18°. 6,  wenn  >]  durch  die 
Mitte  des  Feldes  kommt. 


10    30.5 

37 
38.2 

41 


D 

D 
§ 


37.0    Sehr  ruhig. 
36  6 
33.1 
35  2 

912 

90.0 

88.8 
89.35 


Luft  normal,  aber  nicht  so  auffallend  durch- 
sichtig wie  neulich. 


Abh.  d.  II.  Cl.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  X.  Bd.  I.  Abth. 


37 


288 


1859  August  7. 


C.d.U.  +  4m,2. 


Nr.  593.     Gemma  und  cfHerculis. 


Nachmittag   und  Abend   rein ,    C  iml.  V., 

49.5 

99.0 

84.2 

bei  Antares. 

D 

83.37 
84.6 

Bild:  C 

:      63.15 

62.7 

56.0 

99.0 

84.6 

Wega  mit 

sich. 

10h     0m 

23.0  □ 

36.8 

104.75 

105.2     Nicht  ganz 

§ 

36.3 

36.0     Geht  üb.  d. 

103.9 

ruhig. 

6.5 

23.0 

36.7    B.  schwerer 

103.7 

als 

1  u, 

d.  B.,  wegen  Helle  des  Feldes. 

103.4 

104.2 

105.15 

20  5 

20  0 

Nr.  594. 

R: 

is  Alhague 

und  £  Herculis. 

20.4 

21.8 

15.5 

26.6 

46.7 

22.05 

48.2 

21.95 

20.05 

22  5 

25 

D 

26.80 
106.8  □ 

47.0 
47.25 

Nr.  591. 

Gemma  und  »zHerculis. 

81.0 

82.9 

8h  54m.5 

99.45 

79.65     Stellung 

§ 

82.0 

79  4    nicht  bequ. 

34 

106.75 

81.8 

D 

99.45 

81.1 
81.0 

9       1.5 

5.5 

23.65  □ 

44.5 

Nr.  595 

Ras  Alhague 

und  »jHerculis. 

45.0 

§ 

44.35 

40.7 

107.0 

82.2 

13.0 

23.67 

44.95     Dist.-Kr. 
18°.95 

47.5 
51.0 

D 

107  0 

28.7  □ 

83.15 

83.0 

82.95 

47.1 

Nr.  592. 

Gemma  und  s  Herculis. 

47.3 

§ 

48  6 

Im  Bild  s 

cheint  mir  t 

gegen  G.  an  Hellig- 

56.5 

28.6 

47.6 

keit  mehr  zurückzustehen 

alS    ';• 

18.5 


2462 


45.2  i  [Die  drei 
44.0  \  ersten 
45.95  >  Einstel- 
lungen mussten  cassirt  werden,  weil  die  zu- 
gehörige Stellung  von  Schlitten  A  wegen  Nicht- 
Uebereinstimmung  der  zwei  Ablesungen  zwei- 
felhaft bleibt.] 

26.5  22.95 

22.95  □ 


Nr.  596.    Ras  Alhague  und  cfHerculis. 


34.5 


37 


42.5 


22.95 
100.0 

D 

100.0 


45.6 
43.9 
45.1 
44.0 


77.0 
76.1  > 
79.5 

80.75  Dist.-Kr. 
19°.3. 


11 

0.5 

28.67 

42.95 
44.7 

D 

42.95 

6.5 

28.67 

43.15 

11 

10.0 

107.15  □ 

87.7 
89.7 

§ 

85.1 

15.5 

107.15 

87.3 

Nr.  596a.  Ras  Alhague  in  Gläsern  A,  Dist.- 
Kreis  gestellt  auf  8°.  4.  Es  wird  constatirt, 
dass   von  den   beiden   $i  $i    ß  Ophiuchi  und 


289 


72  Ophiuchi,  welche  bei  dieser  Stellung  des 
Kreises  durch  das  Feld  geführt  werden  kön- 
nen,  ß  ein  einzelner  ifc  ist,  während  72  sich 
in  solcher  Constellation  befindet ,  wie  bei 
Nr.  565  aufgezeichnet  war. 

Nach  Untergang  des  3  Milchstrasse  schön 
klar.  —  Luft  scheint  normal.  » 


1859  August  8. 


C.   d.  U.  +4m,8. 


Tag  rein ,  doch  haben  sich  gegen  Abend 
am  Horizont  rundum  Wolken  in  leichten  Bänken 
gelagert.  Dieselben  sind  z.  Tb.,  wieder  gelöst, 
aber  ihre  Spuren  noch  etwa  bis  auf  das  3fache 
d.  scheinb.  Höhe  desThurmes  d.  prot.  Kirche 
wahrnehmbar. 

Wega  mit  sich. 


105.45    Etwas  un- 
ruhig. 

105.45 


103.6 

102.4 

105.0 

102.6 

102.7 

20  75 

20.0 

21  1 

20.6 

21.55 

19.8 


19.8 


Nr.  597.     Ras  Alhague  und  |  Herculis. 

£  hat  auf  etwa  3/i  Durchm.  des  Gesichts- 
feldes Distanz  einen  etwas  schwächeren  Nach- 
bar #  M- 


10^    43m. 

2            97.1 

77  25 
77.45 

D 

76.95 

49.5 

97.1 

78.7 

52.5 

20.6  □ 

47.0 
47.0 

§ 

46.2 

58.5 

20.65 

46.2 

Messung 

schwierig  wegen 

schwachen  Lichtes. 

Nr.  598.     Ras  Alhague  und  oHerculis. 

Auch  dieser  ^;  geht  durch  das  Feld  bei 
gleicher  Distanz  und  Einstellung  wie  £.  o  ist 
der  nachfolgende  von  beiden. 


9.5 

101.6 

80.0 

81.4 

D 

82.0 

15.5 

101.6 

82.9 

22.5 

21.2  □ 

44.8 
44.2 

§ 

44.77  < 

28.5 

21.2 

44.0 

Nr.  599.     Ras  Alhague  und  9  Herculis. 

[Im  Original  nähere  Notiz  mit  Diagramm 
beigefügt  zur  Versicherung  üb.  die  Identität 
des  %.] 


Hh    42m                    21.2 

D 

49.6 
47.0 

48.2 

50                  21.2 

47.75 

Geht  schwer  wegen 

schwachen  Lichtes. 

53                 102.6 

77.9 

78.2 
79  15 

60.5              102.6 

77  85     Dist.-Kr. 
25.05 

Nr.  600.     Attair  und  «Andromedae. 


19 

— 

34.8 
37.55 

□ 

35.75 

24 

34  2 

25.5 

D 

90.5  > 
90.4 

§ 

87.6 

29.5 

89.5 

Am  Schluss  d.  Beobb.  unten  weniger  Wol- 
kenspuren als  Anfangs.  Milchstrasse  nach 
C  Unterg.  sehr  schön. 


Nr.  597a.     Ras  Alhague   und   v  Herculis. 

11       15  20  65  □         50  2 

Distanz   von  R.  A.  (am  Kreis)  für   £  17°.4, 
für  v  etwas  grösser. 


1859  Oktober  30. 


C.d.U.  — 3m2. 


Bei  Tag  stürmisch  und  bewölkt :  Abend  un- 
erwarteter Weise  rein.  Umstände  sind  jedoch 
nicht  befriedigend:  Horizont  etw.  weit  herauf 

37* 


290 


dunstig  trüb :  Nacht  nicht  besonders  schwarz, 
obwohl  Luft  sehr  feucht :  die  gr.  ifc  ^  sehen 
etwas  verwaschen  aus.  Es  wäre  kaum  beob- 
achtet worden ,  wenn  nicht  diese  Umstände 
erst  auf  dem  Thurm  so  sichtbar  gewesen  wären. 

Nr.  601.     Attair  und  f  Pegasi. 

Diese  Beob.  ist  vielleicht  am  meisten  unter 
den  heutigen  verdächtig,  weil  Att.  nicht  sehr 
weit  vom  trüben  Dunst  steht.  Doch  ist  er 
anscheinend  rein :  um  ihn  her  kleine  3fi  $i 
sichtbar. 


Bild. 


64.0 


63.97 


8*  31m. 5 

36  5 

38 

41.5 
Bild: 


D 
D 


42.6    Beide   sehr 

42.0  unruhig, 

41.2  Stellung  un- 

44.3  bequem. 

81.6  Lichtscheibe 

82.4  von  A.  nicht 
83.4  recht  scharf 

81.1  begrenzt. 


63.6  gut ;       63.8 


Nr.  602.     Deneb  und  «Pegasi. 


Um  911  42m  ist  der  ganze  Himmel  sehr  stark 
getrübt,  nur  NO.  noch  zum  Theil  frei. 

Capella  mit  sich. 

24.2  20.8 
25  2 

26.1 

25.3  20.8 
Unterbrochen    weil   auch  Capella  verdeckt 

wird.    —  Nicht   lange   darauf  hellt    sich   der 
Himmel  wieder  auf. 


1859  November  3.        C.  d.  U.  —  3m,5. 

Nachmittag  und  Abend  etw.  streifig.  Spuren 
davon  in  den  untern  Gegenden  d.  Himmels 
noch  zu  erkennen.  Umstände  wenig  befriedi- 
gend :  nicht  viel  besser  als  neulich ,  nur  ist 
die  Luft  trockner.  —  3fc  3fc  ziemlich  ruhig.  — 
Heller  3  Schein. 

Nr.  604.     Attair  und  t  Pegasi. 


52.5  —  43.0  ( imBild  etw. 

42.4  röthlich. 
□  43.9 

59.0  41.0  A,  wenn  links 

und  oben,  erscheint  mir  schwächer  als  rechts 
mehr  unten. 

9       1  n  83.7 

85.6 
§  85.0    D.  etw.  un- 

85.3  ruhig:    £  ist 
jetzt  ruhiger  als  vorher. 

NB.  Auch  mit  freiem  Auge  erscheint  mir 
Attair  nicht  viel  heller  als  Deneb.  (Attair  ge- 
schwächt?) 


Nr.  603.     et  Persei  und  Deneb. 


23 

30.0 
29.6 

— 

27.2 

D 

30.2 

33.0 

nicht 

schlecht, 

32.5 

101.0 

97.7 

D 

95.5 

> 

37 

99.4 

6*1    30m. 2 


34  5 
37 


38.5 


43 


D 


D 


42.8 
45.7 
46.3 
47.2 
45  3 

82  2 
82.5 
80.0 
81.0 


Feiner  Wolkenstreif  nahe  unter  3. 


Wega  mit  sich. 


Bild: 


24.0 

25.0 

26.6 

24.4    gut. 

22.85 

24.95 

636 

103.1 


21.9  Licht  etwas 
unruhig. 


21.9 
63.2 


104.3  Unter d. Bild 
steht  Phantom  A  rechts. 
104.2     nicht  schlecht. 
103.25 


291 


104.1 

104.3  < 

105.1  gut.      104.33 


Bild:  C=      63.2 


63.0 


1859  November  13.      C.d.U.  +  Oml. 

Kalt  ohne  Schnee.  Bei  Tage  klar,  scharfer 
Wind  aus  0. ,  aber  Himmel  etwas  matt  und 
dunstig  von  Farbe. 

Nr.  608.      Ras    Alhague   u.  y  Cassiopejae. 


Nr.  605.     Wega  und  cc  Persei. 


7h    Um 

— 

83.8  > 
82.2 

D 

83.1  > 

15 

82.9 

17 

D 

45.6     Jetzt    a  P. 
44  9     rechts  oben 

§ 

44  6    im  Feld 

21 

43.0 

Nr. 

606. 

t  Pegasi 

und  Deneb. 

7     27.5 

40.55 
42.4 

— 

40.5 

D 

33 

40.9 

34.5 

84.15 
83.6 

D 

84.05 

§ 

39 

83.7 

6h    10m 

16.2 
18.0 

22.2 


21.8 
23.4 
17.7 
22  7 

98.0 
94.2 
94.6 
97.5 


—  et  Oph.  unten, 
y  Cass.  oben  im  Feld. 

—  Licht  etw.  un- 
19.9  ruhig. 

101.85 


102.85 


Beobachtung  etwas  gewagt,  bei  den  heu- 
tigen Umständen ,  weil  B,.  A.  schon  etwas  tief 
steht. 


Nr.  609.    yAquilae  und  ySagittae 


32.5 

39.5 
44.0 

49.5 


37.05 


37.0 


88.85 


45  0  Schwierig 

46.0  wegen  schw. 

42.7  Lichtes. 
46.0 

81.0 

82.35 

81.77 
82.1 


Nr.  607.     jäCygni  und  yLyrae. 


In  N.  jetzt  verwaschne  fliegende  Feder- 
wolken, vom  aufgehenden  C  beleuchtet.,  bis 
zu  Capeila  herauf. 


49 


54 


57 


62  5 


Streifige  Trübung  unten,  die  um  die  Mitte 
der  Beobb.  sich  mehr  gegen  den  Horizont 
zurückgezogen  zu  haben  schien,  hat  sich  wieder 
in  die  Höhe  mehr  ausgebreitet  und  kann  bis 
fast  zum  C  verfolgt  werden.  In  S.  und  SO. 
höher  als  in  W. 


43.8 
44  67 
45.0 
43.6  < 

43.95 
43.95 

87.8 
88.25 
87.45 
87  9 

87  6    Jetzt  ß  Cyg. 
rechts  im  Feld. 

87.5 

Wega  mit  sich. 

Farb-Unterschied   der  zwei  Phantome  auf- 
fallend und  störend:     A  röthlich,  B  grünlich. 


Bild: 


23-4 

22.4 

25.4 

25.3 

24.8  < 

25  6 

26.05 

22.35 

63.0 

6335 

102.8  101.7      A  jetzt 

rechts,  violetlich,  B  grünlich. 
104.0    nicht  schlecht. 


292 


101.65  Es  scheint  mir,  dass 
ich  bei  der  Beobachtung  auf  beiden  Seiten  des 
Bildes  geneigt  bin,  beim  ersten  Ansehen  Schlit- 
ten A  weiter  von  der  Bildstellung  zu  entfernen, 
als  bei  längerer  Betrachtung.  —  Den  Farb- 
Unterschied  würde  ich  zuletzt  so  bezeichnen: 
A  weissblau,  B.  gelblich. 

102.55 

103.0 

103.55  i  101.7 


7h      4m  .5 

100.6 

—  Jetzt  C.  links 

96.6 

unten  im  Feld. 

98.3 

10 

97.35 

—     A    am  un- 
ruhigsten. 

Nr.  612.     «  Pegasi  und  s  Pegasi. 


18.5                 — 

28  8       Dist.-Kr. 

20°.  4. 

Bewegung  und  Neubildung  von  Ausläufern 
in  den  Wolken.    Es  mu'ss  geschlossen  werden. 

Schirm   aufgestellt  gegen 

40  0  sie.  [Gew.1/*] 
28.8        Vorher 
die    blendende  La- 

terne  von  unten. 

30.9 

28.5                 — 

27.7 

1859  November  14. 

C.  d.  U.  +  0m,l. 

Licht  ziemlich  ruhig. 

Tag  und 

Abend  sehr 

ähnlich  wie  gestern: 

32.5                  — 

103.2 

Ansehen  des 

Himmels  etwas  staubig. 

97.9 

99.2 

Nr.  610.     t 

Pegasi  un 

d  «Andromedae. 

38                    — 
39.5                 — 

94.0 
97.9 

7h    45m 

28.9 

—  a  flammt  sehr 

32.3 

stark. 

42                     — 

26.8 

28.8 

D 

46.5                 — 

26.2 

49.5 

31  6 

Stelle  ich  Schi.  B.  jetzt 

auf  40.0,  so  ist  das 

Phantom  von  t  offenbar  zu  hell. 

52 

99.2 

□     %  #  jetzt 

94.9 

etwas  ruhiger. 

48  5                  — 

28.7 

90  9 

§ 

50.5                 — 

30.3 

55 

88.1     nicht  schlecht. 

97  0 

D 

59 

91.7 

§ 

«,  direct  betrachtet,  erscheint  mir  etwas 
röthlich.  Abgebrochen  wegen  Verhinderung, 
ohne  dass  etwas  speciell  Verdächtiges  zum 
Vorschein  gekommen  wäre.  Doch  schienen 
mir  die  Umstände  im  Ganzen  nicht  besser  als 
gestern. 


1859  November  21.      C.  d.  ü.  +0m,6. 

Nebelwolken  haben  sich  seit  Mittag  zer- 
theilt.  Abends  Luft  in  den  Strassen  nebelig: 
die  höheren  Gegenden  des  Himmels  sehr  klar, 
%  3fj  überaus  glänzend.     Stark  feucht. 

Nr.  611.     Attair  und  Capella. 

6  58  24.0  —  Flammen  um 

27.0  die  Wette. 

24.2    Okular  beschlägt  schnell. 

7  2.5  24.6  — 


Indem  Sucher  und  Prisma  A  auf  a  ge- 
richtet bleibt,  und  die  Einstellung  am  Dist.- 
Kr.  beibehalten  wird,  drehe  ich  das  Rohr  um 
die  nach  a  gerichtete  Axe,  um  zu  untersuchen, 
ob  ausser  «  noch  irgend  ein  $i  durchs  Feld 
kommt,  der  etwa  früher  statt  t  beobachtet 
worden  sein  könnte.  Ziemlich  nahe  bei  t  findet 
sich  Einer,  der  aber  viel  zu  schwach  ist,  um 
gemessen  zu  werden;  ferner  folgender  in 
grösserer  Entfernung,  dessen  Identität  Nov.  22 
aus  der  noch  frischen  Erinnerung  von  der 
Stellung  des  Rohres  und  den  desshalb  im 
Original  -  Journal  gemachten  umständlichen 
Angaben  nach  der  Karte  in  der  Uranometria 
nova  festgestellt  wurde  : 

Nr.  613.     «Pegasi  und  Anonyma  Pegasi, 
Piazzi  Hora  XXI  Nr.  321. 


7     59 


8       6.5 


D 


D 


50.7  Geht  schwer: 
51.5  auch   stören 
51.1  Laternen. 
518 


293 


lim  .5 


16.5 


D 


D 


73.95    Laternen 
76.0    angebracht. 
75  9 


Dist.Kr.  steht  auf  19°.8,  wenn  %  durch  d. 
Mitte  des  Feldes  geht  [gerechnet  19°52']. 


53.5  96.2  94.8    y  ebenso. 

99.0 

95.2  Jetzt  Schirm 
62.5  96.1  92.4    aufgestellt: 

in  Folge  dessen  sind  die  2  letzten  Einstel- 
lungen besser  als  die  vorausgehenden.  [Ge- 
wicht 2.] 


Nr. 

614.     Deneb  und  /SAurigae. 

41.5 

—                 29.6 

34.8  > 

30.9 

45 

—                 30.0 

Auge  ermüdet. 

47.5 

—                 95.0 

98.35 

97.8 

51.5 

—                 97.2 

Deneb  mit  sich. 

101.9              101.25 

104.0 

104  2 

103.6 

101.55 

101.6               101.32  Fl.  etwas. 

27.05              26.75 

29.0 

29.5       Auf  dieser  Seite   steht 

27.85     A  links. 

26.25 

28.4                26.7 

Luft  reiner  am  Schluss  als  am  Anfang. 


1859  November  22.       C.  d.  U.  -f  0m,9. 

Sehr  schön  klar.  Nur  auf  grössere  Ent- 
fernungen ist  parterre  die  etwas  dunstige  Be- 
schaffenheit der  Luft  wahrnehmbar. 

Nr.  615.     yAquilae  und  #Aquilae. 

34.2 


6    41 
50 


34.8    Schwaches 
37.8   Licht. 
38.3  &  nicht  ganz 
37.0  ruhig. 


Deneb  mit 

sich. 

292 

26.5 

30.6 

29.3 

27.9  < 

28.6 

30.8 

26.5 

100.05  gut 

99.05 

99.15 

101.7 

101.2 

100.5 

100.4 

99.05 

Nr.  616.     Wega  und  Capeila. 

Beide  unruhig,  besonders  W.  —  Farbe  stört 
wenig. 


29m. 5 

20.05 

24.4 
24.2 
23.45 

34.5 

20.05 

22.6 

36.5 

102.8 

99.3 
101.4 
100.45 

41.5 

102.85 

99.8 

Nr.  617.     j/Lyrae  und  /SAurigae. 

Licht  etw.    schwach,    aber   ohne   störende 
Unruhe. 


47.5 

54 
55.5 

61.5 


39  2 
41.25 
3805 
36.3 

85.8 
85.9 
87  2 
88.1 


D 

D 
§ 


294 


Nr.  618.     Deneb  und  ß  Arietis. 

[Es  war  die  Absicht ,  «  Ar.    zu   messen ,    e 
ist  aber  kein  Zweifel,  dass  der  beob.  ifi  ß  war, 
welcher  bei   derselben  Stellung  des  Dist. -Kr. 
in's  Feld  kommt.] 

81»     9m  —  36.6 

40.05 
DD  37.6  > 

14  39.0 

fA  von  Deneb    etwas  kleiner  gemacht  als 
das  von  ß  Ar.) 

17  DD  85.35 

85.0 
§  86.9 

24.5  87.8 


In  den  Strassen  zuletzt  merklich  dunstiger 
als  Anfangs.     Oben  aber  schön  rein. 


1860  Januar  10. 


C.  d.U.  +  1^,3. 


Umstände  gar  nicht  befriedigend.  Himmel 
gegen  (•)  Unterg.  streifig,  auch  in  den  Strassen 
Anfangs  dunstig.  Oben,  besonders  gegen  N. 
scheint  der  Himmel  mir  klar. 

Nr.  619.     yCassiopejae  und  ß  Aurigae. 

6    46.5  25.2  —    Licht  gut. 


52.7 
56.5 

63 


25.2 
22.6 
22.1 
22.1 


106.1  — 

102.0  Stellung  etw.  unbequem. 

103.6  Dunst  unten   hat  zuge- 
104.8  —    nommen. 


Capeila  mit  sich. 


21.6 

18.7    Etwas    un- 

22.15 

ruhig. 

20.0 

18  2 

21.8 

21.1 

18.7 

105.1 

103.72     A  rechts 

104.85 

unten  im  Feld, 

105.0 

102  8 

103.0 

102.2  103.7 

Nachdem  jetzt  C  Schein  sich  geltend  macht, 
zeigt  sich  d.  Himmel  bis  hoch  hinauf  dunstig 
getrübt. 


1860  Februar  15.        C.  d.  U.  +  2m,  i. 

Instrument  war  wegen  Reparaturen  zerlegt. 
—  Prisma  B  ist  seit  den  letzten  Beobb.  einmal 
beregnet  worden. 

Nr.  620.     f  Orionis  und  yOrionis. 


7h     2m 

26.67               —    Licht   etwas 

28.3        schwach:    d.    Himmel 

27.3         ist  nehmlich  nicht  sehr 

10.5 

24.0         dunkel,  weil  die  dun- 

stige Luft  erleuchtet  ist. 

13 

101  7                 —  Geht  leichter 

21.5 

103.4                  auf  dieser  Seite. 

104.67 

27 

104  4 

Nr.  621.     C  Orionis  und  tOrionis. 


38.5 

25.6 

38 1  Schwächere 
37.7  Nachbar## 
38.6     von  i  Or. 

45.5 

25.55 

41.2  stören. 

49 

102.9 

84.0  Auf  dieser 
83.4  Seite  sind 
85.8     obige  ^Hfr 

58 

102.9*) 

87.8  aus  dem  Feld 
gebracht. 

*)  War 

verschoben  worden,  und  ist  wieder 

so  gestellt. 

Capella 

mit  sich. 

20.9 

19.05        r>B 

22.2 

A<T 

223 

21.6 

21.2 

19.05 

102.3 

103.3 

102.4 

102.0 

B<L 

101.8 

D>A 

101.7 

103.3 

295 


Die  2  A  A  können  nicht  ganz  aneinander 
gelegt  werden,  weil  die  Berichtigung  des  In- 
struments noch  unvollkommen  ist. 

Luft  am  Tag  schön  klar,  aber  Abd.  nicht 
nebelfrei.  Um  die  Zeit  des  Schlusses  von 
Beob.  Nr.  620  und  Anfang  von  621  scheint 
die  Nebelbank  gegen  Orion  zu  scharf  begrenzt, 
nachher  aber  mehr  verwaschen  und  näher  an 
Or.  kommend  Anfangs  der  letzten  Messung 
(Cap.  mit  sich)  ist  Rigel  entschieden  geschwächt. 


1860  M4irz  1. 


C.  d.  ü.  -f  lm,7. 


Tag  rein.     Abend   schön   klar,   ^  ^  weit 
hinab  rein.     Etwas  feucht,  und  wenig  kalt. 

Nr.  623.     COrionis  und  Procyon. 

7h  29«i  .5 


34.5 


36.5 


40.7 


37.0  — 

39.5  > 

36.3  □ 

38.1 

Beide  ^  ^  etwas  unruhig. 


90.0  > 
91.2 

88.6 
91.45 


D 


Jupiter  mit  sich. 


24.6 
23.2 
25.6 
25.3 


21.0 

Beugungslinien   sehr 
stark. 
23.05       A  bläulich,  B  röthlich. 


23.45 


21.05 


100.85  101.2 

99  4  Jetzt  A  röthlich,  B  bläu- 
lich ,  aber  Unterschied  nicht  so  prononcirt 
wie  oben. 

99.4 
100.05 

100.2     Beugungslinien  auch  hier 
99.7  101  2  sehr  stark. 


Bild:  Jupiter:      64.0 
C:      63.5 


63.0 
63.1 


1860  März  11. 


Cd.  U.  +  5m,l. 


Morgens  Schnee,  Nachmittag  ©Schein,  Abd. 
schön  klar.  Luft  vorzüglich.  Trockne  Kälte 
(Morgen  darnach  —  13°  R.). 


Jupiter 
21.05 

mit  sich. 

Nr.  624. 

C  Orionis 

und  x  Orionis. 

18.6 

20.6 

50.5 

29.55 

30.9     x 

ziemlich 

21.8 

33.2     unruhig. 

21.8 

35.2 

21.3 

54.5 

29.55 

34.0 

22.6 

18.6 

58.0 

100.15 

94.0 
96.6 
93.7 

101.1 
102.0 
101.0 

104.0 

62.5 

100.2 

92.6  < 

101.9 
101.3 

102.8 

104  0 

Nr.  fi"2K 

8     10 

15 
17 

21 


25.35 
28.6 
26.4  < 

D 

101.8 
100.5 
103.0  > 
100.0 

D 
§ 

Nr.  626.     C  Orionis  und  A  Orionis. 

Dieser   der   hellste   von   etwa  4  ^  ifc ,  die 
fast  zugleich  in's  Feld  kommen. 


7h  40m 
53 


20.15 

D 
20.3 


Abb..  d.  II.  Cl.  d.  k  Ak.  d.  Wiss.  X.  Bd.  I.  Abth. 


42.7 
44.0 
41.9 

42.9     Vorher 
Zeit  verloren. 

38 


296 


56 

104.05  n 

84.2 
83.95 

§ 

82.2 

61.5 

104.2 

86.6 

Nr.  627.     Aldebaran  und  ß  Tauri, 
8h     8«>  .5  24  7 


14 
15.8 

17.5 
21.5 


247 


101.3 


101.25 


Dem  blossen  Auge  erscheint  Aid.  gar  nicht 
viel  heller  als  ß  T.  —  Beobb.  können  nicht 
fortgesetzt  werden,  weil  bei  der  Kälte  das  Oel 
am  Instrum.  so  steif  geworden  ist,  dass  der 
Dist.-Kr.  gar  nicht  mehr  zu  bewegen  ist. 


1860  März  20. 


C.  d.  U.  +  9m, 6. 


Instrument  seit  den  letzten  Beobb.  noch- 
mals auseinander  genommen  und  in  Ordnung 
gebracht.  Bei  dieser  Gelegenheit  beide  Pris- 
men gereinigt. 


Jupiter  mit  sich. 

22  0                 20  0 

20.75 

21.25 

21.95 

22  2 

22.6                 20  0 

Bild: 

62.2                61.4 

102.1               102.6 

103.0 

102.2    Unt.  d.  Bild  steht  A  rechts. 

102.55 

103.15 

103  0              102.65 

Nr.  628. 

y  Orionis  und  «  Persei. 

7     20 

104.6                98.9 

99.0 

97.8 

24.5 

104.75              98.67 

26.6 


32.5 


17.05 


17.0 


25.0       B  rechts 
22.2     oben. 
23.15 
21.9 


22.6     Ist  so  rich- 

38.5 

27.3     tig  notirt. 

28.9 

27.3 

43.5 

24.7 

46.0 

98.7 

97  2 

97.2 

52.0 

99.25 

Nr.  629.     fOrionis  und  y  Cassiopejae. 

—  102.0 
100.9 
102  1 

—  99.8 


23.2 
20.8 
26.0 
24.7 


Nr.  630.     C  Orionis  und  <j  Orionis. 


8h      ßm 

— 

83.0 
82.8 

D 

84  5 

11 

82.1     Wind  hat 
hat  sich  erhoben. 

13.5 

D 

40.0 
40.0  > 

§ 

41.6 

19 

41.7  < 

Nr.  631.     ß  Tauri  und  et  Persei. 


27 


31 


33.5 


37.5 


23.2 


23.4 


104.2 


104.1 


25.0 
27.5 
27.2 
26.4 

97.9 
95.3 

98.6 
97.9 


Vorzüglich  klare  Luft ,  %  %  weit  hinab 
sehr  schön  Vielleicht  etwas  starker  Wasser- 
gehalt. Venus  erleuchtet  ein  wenig  den  Him- 
mel um  sich :  so  auch  Jupiter. 


1860  April  16. 


C.  d.  U.  4-  0m,4. 


Seit  Nachmittag  sehr  schön ;  rein  und  völlig 
klar.  —  Um  Venus  und  Jupiter  ist  jedoch  der 
Himmel  deutlich  etwas  erleuchtet.  Luft  scheint 
etwas  feucht. 


297 


Nr.  632.     Aldebaran  und  Arcturus. 

8h  25m  4o.o  —     Aid.   flammt 

ungemein   stark  im  schnellsten  Takt. 
39.8 

40.0  □     Farbe   nicht 

30  39.7     auffallend.     Licht  jetzt 

etwas  ruhiger. 


D 


32.5 

85.35 

83.95 

84.4 

37.4 

83.6 

Nr.  633.     ß  Aurigae  und  ß  Leonis. 


48.5 

24.35 

26.15 

25.3 

28.45 

55 

24.35 

23.9 

Ruhiges  Licht. 

57.5 

105.4 

100.8  Jetzt  ß  Leon. 
101.05  links  oben. 
100.6 

62 

105.4 

101.2 

Nr.  634. 

ß  Aurigae 

und  &  Aurigae. 

9       9 

27.2 

36.3  Nicht  voll- 
36.2    kom.  ruhig 

D 

37.85 

16 

27.2 

36.9 

9     19 

97.0  D 

88.0  Jetzt £ rechts 
89.25  oben. 

§ 

89.3 

24.5 

97.05 

89.25 

Saturn  mit  sich. 

103.0  102.2     Auge  schon 

102.9  etwas  ermüdet.   [Es  sind 

102.35  vorher   noch   zwei  Ver- 

101.3  gleich,  von  Saturn   mit 

102.0  %  %  gemacht.] 
101.75  102.25 

27.55  24.1 

26.3 
28.0 
26  0 
25.85 

26.05  24.05 

Ende  IC   15  ">.     Um  11  Uhr  wolkig. 


1860  Mai  4.  C.  d.  U.  —  0m,l. 

Umstände  scheinen  am  Anfang  normal. 
Jupiter  mit  sich. 


24.15 

21.55 

Sehr  schön. 

24.05 

Licht. 

25.0 

24.4 

23.85  < 

21.5 

103.55 

103.0 

Nunmehr  A 

104.85 

rechts. 

104.0 

104.2 

102  2 

103.0 

637a)  Wenn  der  Dist.-Kr.  auf  43°.8  ge- 
stellt ist,  und  Capella,  in  A,  in  Mitte  des 
Feldes  sich  befindet,  so  kann  nicht  nur  der 
Polarstern  in's  Feld  gebracht  werden,  sondern 
auch  ein  anderer,  merklich  tiefer  stehender 
und  schwächerer  $i :  vermuthlich  y  Cephei. 
[Diese  Notiz  hat  Bezug  auf  Beob.  Nr.  82.] 


Nr.  638.     Pollux  und  ß  Leonis. 

8h  50«i  100.0  89.95  Feld  etwas 

89.2    hell 
89.85 
55  100.0  91.7 

8     57.5  25.2  35.0  Jetzt  ist  A 

35.4  links  oben. 

33.2  3  Schein 

61.5  25.25  34.8  wirkt  jetzt. 

Beobb.  müssen  beendigt  werden,  weil  sich 
jetzt  eine  stark  unreine  Beschaffenheit  der 
Luft,  namentlich  in  S.  und  O.,  herausstellt. 
Die  letzte  Beob.  ist  desshalb  nicht  unver- 
dächtig. 


1860  Mai  6.  C.  d.  ü.  +  0m,2. 

Umstände  anscheinend  normal. 
Nr.  639.     /3  Aurigae  und  yürsae  majoris. 


8     42 


49 


101.25  96.5  ßkur.  rechts 

97.2  unt.imFeld. 

97.3  Stell,  nicht 
101.3                95.0  <  bequem. 

38* 


298 


52 


58.5 


25  17 


25.2 


24.8  ß  etwas  un- 

27.05  >  ruhig. 

29.6 

26.55 

30.35     nicht 

schlecht. 


18(>0  Mai  17. 


Um  Venus  und  Jupiter  sind  jetzt  schwache 
Lichtscheine  bemerklich. 


C.  d.  U.  +  lm,4. 


Tag  schön:  Abend  seit  6  Uhr  ganz  rein 
(vorher  Cirrhi).  Am  Westhoriz.  ist  jedoch  auf 
d.  Thurme  eine  lange  bankartige  Wolkenmasse 
sichtbar,  und  über  ihr  zerstreute  dünne  Schleier- 
streifen, die  ich  um  8h  bis  auf  etwa  0.35  der 
Höhe  von  Venus  verfolgen  kann. 

Venus  mit  sich. 


Nr.  640.     ßLeonis  und  oLeonis. 


Bild: 


63.0 


61.97 


9h  20m 

104.0 

D 

80.6 
80.2 
81.1 

26 

104.0 

82  0 

28.5 

29.25 

D 

44.7 
45.6 

§ 

45.7 

< 

34.5 

29.22 

46.3 

Prismen  vorher  sorgfältig  abgestäubt. 


Nr.  641.     Pollux  und  Wega. 


—    Licht,  beson- 
ders   von   P., 

□  in  zitternder 
Unruhe.  Passt  sonst 
gut  zur  Vergleichung. 


41.5 

39.7 

39.4 

38.1 

45.0 

39.4 

46.5 

85.65 

85.9 

86.65 

51.5 

88.4  < 

Saturn  mit  sich. 


26.15 

22.1  A  links  unt., 

25.2 

B  rechts  oben. 

25.4 

25.5 

25  75 

22.15 

99.75 

101.9    Jetzt  umge- 

.00.65 

kehrte  Stellung. 

100.0 
99.4       Prismen    waren    heute 
99.6  <         101.8     nicht,  wie 
sonst,  abgestäubt  worden. 
Gegen  den  Schluss,   wo    d.  Vollmond  dem 
Aufgang  nahe  ist,  zeigt  der  Himmel  ein  sehr 
ähnliches  Licht  wie  gestern  (matt  metallischen 
Glanz).   Doch  ist  heute  nichts  eigentlich  Ver- 
dächtiges zum  Vorschein  gekommen. 


1010 

102.4     Himmels- 

101.85 

grund  noch  sehr  hell. 

101.5 

102  27 

101.25 

102  4 

102.45 

23.4  > 

22.6      Jetzt  B 

22.95 

rechts  unten. 

24.62 

A 

mehr  röthlich   gelb, 

25.0 

B 

mehr  lila. 

24.1 

23.95 

22.65 

Nr.  642.     Capella  und  Wega. 


37"i  .5 


44 


90.0 
90  3 
89.6 
89.0 


94.05  Beide  flam. 
sehr  stark. 

94.05 


46 


25.0  JetztC.  links 
unten. 


32.25 

32.0 

32.8 

52  34.05  25.0 

Zunehmendes    heftiges  Flammen  kann   die 

Beob.  beeinträchtigt  haben. 

Schleierstreifen  unter  Venus  sind  noch  etw. 
über  die  Höhe  von  Procyon  zu  erkennen. 
Gegend  von  Capella  ist  daher  nicht  ganz  un- 
verdächtig. 


Nr.  643.     Arcturus  und  Regulus. 

3  —  92.25     R.  nicht 

92.8     ganz  ruhig. 
90.05  Farbe  nicht 
störend. 

8  —  92.25  R.  links  unt. 


299 


gii   iQm 


15 


DD 


33.6 
34.0 
34  05 
32.0 


1860  Mai  18. 


C.  d.  U.  +  0m,6. 


Nr.  644.    Castor  und  12Canum  venaticor. 


23.5 


29 


30 


34  — 

Gegend  um  Castor  nicht  ganz  unverdächtig, 
denn  die  nahe  (tiefer)  stehende  Venus  erleuchtet 
deutlich  einen  Theil  des  Himmels  um  sich. 

Schöne  helle  3fc  Schnuppe  in  röthlich  gelbem 
Licht  von  der  Mitte  der  Cassiopeja  abwärts 
etwas  nach  links  gehend  (ungefähr  9h  35m  5). 


92.6 

89.35 

91.1 

12 

C.    links 

90.85 

im 

Feld. 

34.8 

34.9 

34  35 

< 

32.2 

Nr. 

645. 

S-  Leonis 

und  tLeonis. 

44  5 

88.35 

79.4 

80  3       Etwas 

80.7  >  schwierig 

54 

88.2 

82.2      wegen  ge- 
ringer Helligkeit. 

56 

37.2 

43.6  < 

44.7 

45.4 

61.0 

37.3 

44.0 

10       8.5 


13.7 


Nr.  646.     Spica  und  Wega. 

93.0  —     Stellung  un- 

91.0  bequem. 

92  5  □    Beide   %  % 

93.0  unruhig,  besonders  Sp. 


14.5 


17.5 

Bild: 


33.7 
35.9 
35.15 
3315 

63  4 


D 


62.45   Okular.-St. 
35.2. 
Umstände   heute   im  Ganzen  wenig  befrie- 
digend, obgleich  sie  von  unten  als  vorzüglich 
erschienen  waren. 


Umstände  ziemlich  ähnlich  wie  gestern : 
vielleicht  eher  etwas  günstiger.  —  Prismen 
sehr  sorgfältig  abgestäubt. 

Venus  mit  sich. 

97.3  96.2      Phant.  B 

96.9  steht  links  oben. 

97  05  Gesichtsfeld  ist  rechts 
unten  heller  als  links  oben:  wohl  in  Folge 
der  Dämmerung. 

97.3 

96  2 

97.0     gut       96  2 


Bild: 


62.8 

26.9 

26.65 

26.6 

26.0 

25.1     gut. 

26.0     gut.      25.9 


61.95 

25.85      A  mehr 
röthlich. 


[Folgen  zunächst  2  Planeten-Beobachtungen.] 
Nr.  649.     Pollux  und  Polarstern. 
8h  54">.5  102.05 


58.5 
9       0.5 

6.5 


102.05 
22.6 

226 


89.2       Pollux 
88.0      flammt. 
90  0 
91.2 

33.25    Feld  noch 
37.6     zieml.  hell, 
34.0  was  d.  Beob. 
33.2  erschwert. 
31.6 


Nr.  650.    Denebola  und  tfCorvi. 

Der  hellere  von  zwei  J£  $i,  die  gleich  nach 
einander  durch's  Feld  kommen. 


9     13.5 
18.5 

100  55 

D 

100.5 

83.8 
86.2 
84.5 
84  4 

9     21.5 

26.0  □ 

38.6  < 
40.4 

300 


9h  26">.5 


§ 
26.0 


39.25 

38.0 


Nr.  654.    Denebolau.  12  Canum  venaticor. 


Um  Venus  sind  jetzt  Spuren  feiner  Schleier 
bemerkbar. 


Nr.  651.     Pollux  und  Deneb 

Pollux  scheint  mir  heute,  direct  betrachtet, 
etwas  röthlich.  Vielleicht  in  Folge  seines  Flam- 
mens  und  der  nicht  ganz  reinen  Luft. 

39                  99.55  101.8    Beide  #  ^ 

96.0  flammen,  besonders  P. 
100.25 

44                  97.3  10175 

46  28.2  24.2 

29.55 

29.6 

49.5  30  7  24.2 

„Dieser  ganzen  Beob.  wäre  wohl  nur  d.  Gew. 

1J2  zu  geben."    [Bemerkung  v.  gleichen  Abend.] 


Schein  um  Venus  und  im  Sucher  auch  um 
Jupiter  bemerkbar,  daher  die  Gegend  von 
Pollux  nicht  ganz  unverdächtig.  —  [Um  ll3/* 
Himmel  sehr  schön  klar,  Grund  etwas  hell, 
ganz  übersät  mit  kleinen  %  »j».] 


1860  Mai  22. 


C.  d.  U.  +  0m,l. 


Morgen  regnerisch,  Nachm.  bewölkt.  V2^  Uhr 
zeigt  sich  gegen  die  Erwartung  der  Himmel 
hell.  Doch  nicht  ganz  befriedigend  %  $i 
haben  ein  etwas  verwaschenes  Ansehen. 

Nr.  653.     Capella  und  Spica 


9     12 

102.7 

101.3     C.   überaus 
98.35  unruhig,  Sp. 
98.15  leidl.  ruhig. 

16.5 

102.55 

98.2 

18.8 

21.35 

25.1      Jetzt  Sp. 
rechts  unten. 

21.8*) 

25.1    *)  War  neu 

gestellt. 
26.0  <  Flammen 

25.0 

21.75 

24.6  von  C.  immer 

heftig 

er,  auch 

von  Sp.  zuletzt  stark. 

33.5 

108  05 

95.2     D.  rechts 
98.95  oben  im 
96.8    Feld. 

40.0 

108.0 

97.55 

42.5 

— 

26.9 

28.2     Um    Venus 

28.2        Schleier 

475 

25.55  wahrnehmb. 

Saturn  mit  sich. 


25.45 

22.25 

25.05 

B  rechts  oben. 

24.55 

24.25 

26.6 

25.05 

22.25 

102.97 

101.8 

102.9 

101.35 

102.0 

101.6 

101.9 

101.67 

Nr.  655.     Spica  und  Denebola. 


101'     8">.5 


13 


14 


18  5 


D 


D 


90.0  Sp  (auf dieser 

88.7  Seite   rechts 

92.8  oben)    leidl. 
90.6  ruhig. 

34.6  > 
35.0  < 
34.3  < 
34.25 


Etwas  eigentlich  Verdächtiges  ist  nicht 
zum  Vorschein  gekommen.  Um  121'  hat  der 
Himmel  aber  ein  unreines  Ansehen.  —  Luft 
war  sehr  entschieden  feucht. 


Mai  25.     Bild     03  0    sehr   gut;    02.0    minder 
gut;  Okular-Stutzen  35.15. 


1800  Juni  5. 


C  d.U.  +  lm,l. 


Morgen  regnerisch.  Nachm  hell  mit  Wolken. 
Abd.   noch  um  1/i8  Uhr   consolidirte  Wolken, 


301 


später  schön  klar,  nur  noch  am  SO.  Horizont 
grössere  Wolkenbank.  Himmel  im  Dämmer- 
ungslicht schön  grün,  unten  fein  orange. 

Zuerst  Planetenbeobachtungen.  Auch  das 
Durchsichtigkeitsverhältniss  der  Gläsersysteme 
ist  heute  durch  Umwechseln  zwischen  Saturn 
und  Regulus  bestimmt. 

Nr.  661.     Regulus  und  Deneb. 

9h  38m                 99.1  100.4  D.  unt.  mehr 

97.4  links,  R.  oben  mehr 

97.4  rechts. 

43  5               95.95  100.4 

Nach  dem  Wechsel  R.  im  Feld  plötzlich 
durch  antretendes  Wölkchen  verdeckt.  Sehr 
bald  wieder  anscheinend  frei,  flammt  aber  nur 
noch  stärker  als  er  schon  that. 

49  5  27.2  22.95 

25.9  Unt  R.,  aber  in  Distanz, 

27.6  grössere   dunstige  Wol- 

53  29.2  22.9     kenmasse. 


Beobachtungen  heute  anstrengend  wegen 
Kopfschmerz.  —  Abgebrochen  wegen  Wolken- 
bildung. 


1860  Juli  7. 


C.  d.  IL  +  lm,3. 


Nachdem  der  Himmel  lange  bedeckt  und 
regnerisch  war ,  heute  schön  klar.  Umstände 
scheinen  normal. 

Arcturus  mit  sich. 

Bild:  62.52  62.25 

88.2  89.0    Noch    sehr 

89.0  hell.  —  Licht  nicht  ganz 

88.1  ruhig. 
88  6 

88.0     Phant.  A.  rechts. 
89.25  89.0 


29.0 

29.4 
29  35 
28  2 
28  4 

28  8 


26.4 


26.37 


Nr.  662.     Spica  und  Deneb. 

9h  23™  95.4  98.9      Falscher 

Lichtschein  im  Rohr. 
96  6  Jetzt  beseit. 
9695 
36  5  95.3  96.45  <  Sp.  nicht 

ganz  ruhig. 

39.5  31.85  28.05    Auf  dieser 

28.25  Seite  steht 
26.2  <   Phantom 

44  31.8  26  8     v.  Den.  ob. 


Nr.  663.     «Ophiuchi  und  «2Librae. 

(Der  hellere  von  den  beiden  Sternen  cc  L. 
Das  Licht  des  schwächeren  ist  als  ganz  unbe- 
deutend gegen  das  des  andern  anzusehen.) 


9     5G.5 

32.7 

36.3    Auge  etwas 

34.2  geblendet. 

10       4.5 

DD 

34.2 

7.0 

DD 

90.25 

89  0     Jetzt  a  L. 

§ 

88.2      links  im 

11.0 

87.95  Felde. 

Nr.  664      a  Ophiuchi  und  /JLibrae. 


15 

— 

94  9 
95.3 

D 

95.8 

20 

95.0 

23 

D 

28.0 

Grund  wird 

28  8 

jetzt   etwas 

§ 

26.8 

hell,   wegen 

30 

30.8 

C  Aufgang. 

Nr.  665. 

Arcturus 

und  s] 

Bootis. 

38 



44  5 

Licht  nicht 

44.8 

ganz  ruhig. 

DD 

46.0 

42.5 

44.0 

44.0 

DD 

79.9 
79.0 

302 


49.0 


78.35 
78.45 


[Am   folgenden  Morgen  Himmel   bezogen.] 


2.5 


7.5 


22.8  D 


22.8 


34.8  Ueb.  d.  B.  ist 

34.7  Phantom    B 

32.8  >  rechts 
36.2        oben. 


1860  Juli  8.  C.  d.  U.  +  lm,4. 

Umstände  sehr  ähnlich  wie  gestern. 

Nr.  660.     Spica  und  Attair. 

9h   15'»  90.8  96.0     Beide  sehr 

89  0  >  unruhig,  besonders  Sp. 
89.25 
19.5  91.2  95.9     Sp.  rechts 

unten  im  Feld. 


22 


27.5 


30.5 
32.8 
32.7 

29.8 


23  45 
23.45 


Arcturus  mit  sich. 


24.85 

21.85 

Leise  U 

25.02 

ruhe. 

25.05 

25.0 

26  05 

24.8 

21.85 

103  02 

105.0 

Jetzt  A 

104.1 

rechts. 

103.3  < 

104.8 

103.3 

104.8 

105.0 

Nr.  667.  a  Ophiuchi  u.  12  Canum  venaticor. 

[Dieser  ifc  wurde  in's  Feld  gebracht  und 
gemessen  statt  t  Virginis,  den  ich  ursprünglich 
beobachten  wollte.  Distanz  von  a  Ophiuchi 
ist  dieselbe  bis  auf  0°.2.] 


9 

54.5 

101.2 

90.1 

88.1 

D 

92.7 

0 

0 

101.2 

90.0 

Nr.  668.     £  Bootis  und  Deneb. 


19 

77.1 

—      Schwierig 

76.9 

wegen  Klein- 

76.6 

□  □  heit  des  <]  v. 

26 

77.3 

ß  u.  unbequemer  Stell. 

28.0 

49.0 

47.4 

DG 

49.4 

§ 

33 

49.05 

Nr.  669.     Arcturus  und  Polarstern. 


39.5 

44.5 
45.5 

50 


D 
D 


41.1 
42.05 
42.8 
42.0 

82.7 
85.3 
85.05 
83.8 


In  S.  jetzt  ziemlich  tief  ein  paar  lange 
schmale  Wolkenstreifen.  Mars  steht  etwas  im 
Dunst.  —  Milchstrasse  gut  kenntlich,  obwohl 
der  Grund  etwas  hell  ist. 


Nr.  670.     s  Bootis  und  yürsae  majoris. 


10Q   58m 

11       3 

5 


94.45 
94.0 
93.6 
93.85 

33.95 
33.8 
35.1 
32.2 


97.8 

97.8 
28.25 

28.2 


Nr.  670a.    34Bootis  und  yürsae  majoris. 

(Der  kleine  Nachbar  %  von  s  Bootis.) 
11     12  55.55  28.2 


55.55 
56.0 


303 


23 


70.8 
69.9 


97.8 


Der  3fc  ist  viel  zu  schwach,  um  eine  leid- 
liche Messung  zu  gestatten  :  sein  /\>  ganz  klein. 
(Distanz  von  s  etwas  grösser  als  der  Radius 
des  Gesichtsfeldes.) 

Wolkenbildung  in  S.  hat  sich  jetzt  stark 
ausgebreitet.  In  Zeit  von  V4  St.  nach  dem 
Schluss  der  Messungen  der  grösste  Theil  des 
Himmels  mit  milchiger  Trübung  bedeckt.  Die 
Beobb.  werden  kaum  davon  afficirt  sein. 


1860  Juli  9. 


C.  d.  U.  +  lm,6. 


Schön    klar.      Nur    tief   im    S.     gethürmte 
Wolkenbank. 

Nr.  671.     Arcturus  nnd  Wega. 
9h     5m 


10.5 
13 

17.5 


95  4 
94.3  < 
94.9 
96.8 


101.8     Farbunter- 
schied stört. 

101.8  A.  etwas  un- 
ruhig. 


29.8  gut.  23.05  A  jetzt  ziem- 
29.0  lieh  ruhig,  ausser  bei 
29.3  d.  letzten  Einstellung. 
28.25  23.05 


Arcturus  mit  sich. 


25.1 

23.05 

25.4 

24.75 

25.5 

24.75 

< 

26  2 

23.05 

100.2 

101.8     Jetzt  A 

101.0 

rechts  oben. 

102.0 

101.4 

101.5 

101.7 

101.8 

Nr.  672.     e  Bootis  und  Denebola. 


9     38 


94.2 
92.9 
95.15 
93.8 


96.25     D.  stark 
unruhig. 


43  93.8  96.35 

Abh.  d.  II.  Cl.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  X.Bd.  I.  Abth. 


9h  46">  32.95  30.0      Jetzt  D. 

rechts. 
32.9       Ueber  dem  Bilde  stört 
32.4      Helligkeit  d.  Grundes. 
51  31.67  30.0 


Nr.  673.     «Ophiuchi  und  rcHerculis. 
10       2  — 


—  860 

84.6 

□  86.2 

85.4 


11 


17 


D 
§ 


38.8      Jetzt  n 
41.1  >  rechts  ob. 
40.9 
38.4 


Nr.  674.     «Ophiuchi  und  eHerculis. 
Schwächerer  Nachbar^  von  n. 


19 

30.5 
32 

36.5 


D 

D 
DD 


48.9     Schwierig 
45.2  wegen  schw. 
47.4  Lichts 
47.2 

78.0 

77.35 

79.35 

77.45  eetw.röthl. 


Nr    675.     «Ophiuchi  und  q  Herculis. 


47 


52.5 


56 


62 


D 


D 


46.2 
46.3 
44.9 
44.3 

78.9 

80.35 

79.0 

81.8 


Zuletzt  Spuren  von  Wolkenbildung  in  leichten 
zerstreuten  Flocken.  —  ^f;  ife  waren  heute  un- 
ruhiger als  gestern.  Folgenden  Morgen  Him- 
mel überzogen. 


39 


304 


1860  Juli  15. 


C.  d.  U.  +  lm,6. 


Tag  und  Abend  schön,  jedoch  Umstände 
kaum  ganz  normal.  —  Dunst  am  Horizont, 
besonders  in  S.,  geht  etwas  höher  als  gewöhn- 
lich :  ^  ifc  funkeln  stark. 

Arcturus  mit  sich. 

102.8  104.25     Störende 

101.0  Unruhe  des  Lichts. 

101.6     A  rechts  oben. 

102.0 

102.2 

103.85  104.25 


23.6  gut. 

25.25 

24.5  > 

24.35 

22.2 

23.2 


21.2 


21.2 


10h  99m 


106.2 
106.2 


73.9 
73.0 


Nr.  679.     12  Canum  venaticor.  u.  cfCygni 

Distanz  ist  hier  nur  etwa  V*  Grad  grösser 
als  für  y  Lyrae,  so  dass  der  ^  bei  der  gleichen 
Stellung  des  Kreises  durch's  Feld  geht. 


41 

50 
53 

61 


99.0 

98.6 

97.4 

99.15 

99.05 

100  2 

23.2 

24.0    Jetzt  &  C. 

rechts  oben  im  Felde. 

19.0  sie. 

21.4 

23.25 

20.0 

Nr.  676.     aOphiuchi  und  Deneb. 
91»  32"' 


37.5 
40.5 

46 


33.4 
33.8 
35.3 
31.7 

93.4 
93.45 
92.15 
94.0 


D 

D 
§ 


Nr.  677.     12  Canum  venaticor.  u.  yLyrae. 
10       0 

5.5 

8.7 

14.5 


Nr.  678.    12.  Canum  venaticor.  u.  ALyrae. 

(Der  hellste  von  d.  Nachbarsternen  von  y  L.) 

21  17.0  51.15 

51.2 

Schwierig  wegen  Kleinheit  des  A  von  A  L. 


28.7 

33.55 

33.35 

32  8 

28.75 

33.5 

8995 

85.9 

87.7 

86.8    Jetzt  steht 

90.0 

86.0     12  Canum 

rechts  oben  im  Feld. 

Nr.  680.     72  0phiuchi  und  tOphiuchi. 
35.2 


11     17.5 

27.5 
30.0 

36 


35  2 


90.1 


90.05 


42.0 
42.35 
38.9 
41.4 

82.1 

82.4 
811 
82.8 


Auf  etwa  0.8  Durchm.  des  Gesichtsfeldes 
Distanz  vom  beobachteten  t$i  steht  ein  hellerer 
(x) ,    dessen  Distanz  von  72  etwas  kleiner  ist. 

Milchstrasse  sehr  hell.  Um  Mars  dunstiger 
Schein.  Stark  feucht :  Aussehen  des  Himmels 
dem  entsprechend.  Zuletzt  Auge  ermüdet.  — • 
Beobachten  ging  mir  etwas  schwer,  vielleicht 
weil  mehrere  schwache  ifi  $i  gemessen. 


1860  Juli  21. 


C.  d.  ü.  —  0m,3. 


Tag  schön.  Horizont  in  S.  vielleicht  etwas 
weiter  herauf  dunstig ,  als  sonst.  —  Tief  im 
W.  schmaler  Wolkenstreif. 


Arcturus  mit  sich 
Bild :  63.5 


62.7      Okular- 
Stutzen  34.8. 


305 


101.6 

103.55  A  recht! 

101.5 

Unruhig. 

99.5 

101.05 

> 

101.8 

10105 

103.6 

25.6 

23.8 

24.5 

26.0 

25.7 

25.6 

26.1 

23.8 

28 


94.7  sie. 


Nr.  681.     Arcturus  und  y  Cassiopejae. 


9h   23m.3 

— 

80.9 
81.1 

DD 

82.05 

28 

82.3 

29.5 

DD 

43.45 
43.2 

§ 

43  35 

35.7 

43.0 

Nr.  682.     Gemma  und  «Serpentis. 


49 

— 

43.85     Schwierig 
42  9     weg-,   schw. 

D 

42.0    Lichtes. 

56 

40.95     Gemma 
links  unten. 

58.5 

D 

84.75 
86.4 

§ 

82.0 

10     3.5 

83.0 

Nr.  683.     Gemma  und  rfHerculis. 

Die  Distanz  von  Gemma   ist  für  <f  Hercul. 
ebenso  wie  für  £  Serpentis  =  22°. 6. 


8.5 

14.7 
20 

26.5 


D 
D 


87.65 

Gemma 

89.05 

rechts 

unt. 

916 

91.8  < 

29.6 

27.7 

31.0 

33.4 

Wolkenbildung  vom  W.  Horizont  aus  herauf 
gerückt.  Himmel  jetzt  prächtig.  Milchstrasse 
sehr  hell. 


Nr.  684.     yLyrae  und  «Lyrae. 

Diese  Beobachtung  wird  noch  riskirt,  weil 
die  ifc  %  sich  sehr  nahe  sind.  —  Die  zwei 
3fc  %  von  s  Lyrae  geben  2  AA>  die  zum 
Theil  übereinander  greifen:  die  Helligkeit 
dieses  gemeinschaftlichen  Theiles  wird  mit 
der  von  y  Lyrae  verglichen  ,  so  dass  also  der 
Gesammtglanz  des  Doppelsternes  bestimmt 
wird. 


10h    4Q.n  .5 


34.25 


49  34.3 

Die  Mischfigur  von 
males    Aussehen    (ihr 


46.0 

45.05 

43.2 

44.7 
t  zeigt  ein  etwas  ano- 
deutlicher    Umriss     ist 


wegen  Lichtschwäche  nicht  zu  erkennen):  hier- 
durch ist  die  Messung  erschwert. 


51.5 


91.1 


78.6 
79.1 
77.05 
Wolkenbildung   löscht   t  L.    im  Felde    aus, 
bringt  auch   Wega   zum   Verschwinden,   ohne 
dass    dort   etwas   von   den   Wolken    zu    sehen 
wäre.    Gleich  darauf  scheinen  beide  wieder  frei : 
58  5  91.1  78.5 


Der  ganze  Himmel  jetzt  fleckig  von  zer- 
streuten Wolken,  darunter  auch  solchen,  die, 
ohne  selbst  kenntlich  zu  sein,  sich  durch  das 
Fehlen  der  von  ihnen  bedeckten  ifc  ^  ver- 
rathen.     Alles  in  rascher  Bewegung. 


1860  August  8. 


C.d.U.-0m,i. 


Schöner  Tag  und  Abend.  Horizont,  be- 
sonders in  N.,  etwas  dunstig.  Nachdem  gegen 
Schluss  der  Beobb.  das  C  Licht  stärker  ge- 
worden, zeigt  der  Himmel  einen  etwas  matten 
Glanz.     ^  ife  ziemlich  ruhig. 


Nr.  685.     CUrsae  majoris  und  Deneb. 

8     42.5 

92.05 

D 
39* 


47.5 


93.6  < 
92.05 
92.75 
95.2 


306 


49.5 


32.2 
31.77 
32.2 
32.7 


52.5 
Alcor  bei  t,  stört  nicht. 


□  Jetzt  D.  rechts. 
§ 


Arcturus  mit  sich. 


19.95 

19  95     Flar 

22.05 

22.4  < 

B  rechts  oben. 

23.9 

24.0 

23.8 

19.9 

102.2 

104  0 

102.0 

101.95 

10365 

103.15 

102.35 

104  0 

Nr.  686.     72  Ophiuchi  und  yAquilae. 


9^   19m.2 

24 
27.7 

34 


86.35 
87.05 
85.95 
86.1 


95.2      72   scheint 
mir  etwas  röthlich. 

95  2 


43.6  35.0  Heller  Grund 

45.45  stört  auf  dieser  Seite 

43.8  des  Bilds. 

43.9  35.0 


Nr.  686a.  Constatirt,  dass  cfHerculis  keinen 
Nachbar  %  hat,  als  ganz  schwache. 
—  (Bezieht  sich  auf  Beob.  Nr.  326.) 


Nr.  688.     Wega  und  Bas  Alhague. 

15.5  — ■  45.15    Beugungs- 

linien bei  keinem  der  beiden  ►£  ^  auffallend. 

44  2 
□  D  44.9      Auch  jetzt 

22  45.1  nicht  auffal- 

lend bei  W. 

23  5  OD  81.5 

81.1 

§                  81.0  Auf  dieser 

28                                         81.0  Seite   in  d. 

Stellung  §  bei  W.  auffallender. 


Nr.  689.     Ras  Alhague  und  i  Pegasi. 

Letzterer    entschieden    röthlich.      Im    Bild 
scheint  er  mir  recht  hell. 


37.5 

43.5 
45.6 

54.5 


27.2 
30.4 
28.6 
30.2 

95.0 
93.0 
94.2 
97.0 


Die  nun  folgenden  Messungen,  von  August  25 
an  bis  Ende  September  1860,  sind  wieder  von 
den  beiden  Beobachtern  gemeinschaftlich  ge- 
macht. 


1860  August  25. 


C.  d.  U.  —  0m,2. 


Arcturus  mit  sich. 


101.4 

1 

100.35      Phant.  A 

99.4 

s 

steht  oben  etwas 

Nr.  687. 

y  L  y  r  a  e 

und  y  Draconis. 

99.4 

1 

rechts. 

97.9 

s 

ifc  flammt    ziemlich 

53.5 

89.4 

97.7 

98.9 

1 

stark. 

89.4 

100.1 

s 

89.95 

59 

90.6 

97.7 

22.2 

21.8 

1 

s 

220 

10       1.5 

36.2 

22.05  Jetzt  steht 

23.55 

1 

35.0 

y  Drac.  rechts. 

25.0 

s 

35.1 

22.6 

1 

8.5 

35.9 

22.05 

23.35 

s 

22.0 

307 


Nr.  691.     Attair  und  y  Cassiopejae. 


Nr.  695.     Wega  und  Polarstern. 


9h   19m  .7  _  35.4    s 

35.4    1 
D  34.2    s 

29.8  32.35  <  1 

C  Schein  hinderlich.    Beide  Beobb.  finden, 
dass  die  Einstellungen  ziemlich  unsicher  sind. 

35.6  <s 
35.0  34.6    1 


36.6 


43.2 


D 


88.2    s 
89.5    1 

87.8  >s 
88.25  1 


Nr.  692.     y  Cassiopejae  und  aCephei. 


52.4 

94.95 

90.0    s 
89.2    1 
89.9    s 

59.0 

94.9 

90.0    1 

10 

0.9 

31.0 

36.0   s 
34.651 
33.5    s 

9.1 

310 

33.0    1 

Nr.  693.     y  Cassiopejae  und  /SCephei. 


L0     14.6 

31.0 

41.4    s 
41.0    1 
40.55  s 

21.5 

31.0 

41  951 

24.0 

101.1 

86.5    s 
89  2    1 

D 

88.9    s  nicht  schl. 

30  0 

101.15 

87  0    1 

Nr.  694.    Ras  Alhague  und  a  Pegasi. 

42.1  28.1  31.3    s  UmCjetzt 

30.8  1  schwacher 
31.5    s   Wolken- 

49.1  28.1  29.2    1    streif. 

Helligkeit   des  Grundes    erschwert  die  Be- 
obachtung. 

51.7  97  7  94.1    s  Jetztsteht 

94.75  1    a  Oph. 

92.9  s  rechts. 
61.5               97.6                93.0   1 


llh     8m. 3  81.0  s  Schönes 

82.0  1  starkes 

□  81.2  s  Licht.  — 

17.2  82.2  1  P.   röthl., 

W.  grünlich:    dieser  Unterschied  stört  etwas. 


19.6 

D 

43.8    s 
44  15  >1 

§ 

44.2    s 

25.6 

44.7    1 

Um  C  her  hat  sich  streifige  Trübung  con- 
solidirt,  etwa  bis  ß  Ophiuchi  reichend,  die 
sich  nach  und  nach  aufwärts  verbreitet.  Wega 
hoch  oberhalb. 

Tag  war  sehr  schön.  Am  Anfang  d.  Beobb. 
kam  mir  die  Gegend  um  <£  etwas  matt  metal- 
lisch glänzend  vor,  als  ob  da  leichter  Dunst 
sein  könnte:  Leonhard  hält  sie  für  unver- 
dächtig. —  Die  3fc  %  Beobb.  sind  schwerlich 
in  Verdacht  zu  ziehen ,  doch  sind  die  Einstel- 
lungen uns  beiden  nicht  recht  leicht  gegangen, 
wahrscheinlich  wegen  C  Lichtes. 

Um  12h  30m  nichts  mehr  von  Trübung  zu 
merken. 


1860  September  12.    C.  d.  U.  +  0m,7. 

Seit   Nachmittag    hell    und    ziemlich    kalt. 
Nacht  schön  klar  und  dunkel. 


^  mit  sich. 

102.0  s  101.1       • 

104.8  1      A  rechts  oben  grün- 

98.75  s     lieh ,    B  links   unten 

100.0  1      röthlich. 

99.2  s 

103  35  <  1 

99.2  s 

102.25  1 

23.25  s  23.5 

28.0    1 

23.75  s  Ungleichheit  in  der 
Farbe  stört :  doch  erscheinen  mir  die  Nuancen 
nicht  constant  auf  dieselbe  Art. 

23.6    1 

27.0     s 

27.8     1      gut. 

25.05  s 

24.6  1  23.5 


308 


Nr.  696.     E  Draconis   und    y  Cassiopejae. 

(Diese  Beob.  ist  gemacht,  weil  bei  der 
früheren  Nr.  430  ein  falscher  ifi  statt  J  ge- 
messen zu  sein  scheint.  Der  heute  beobachtete 
}fc  ist  sicher  E.  Er  ist  auch  für  das  blosse 
Auge  schwach.) 


Nr.  699.     Polarstern  und  Deneb. 


8h  47m.6 

80.75  s 
79.75  1 

— 

82.9     s 

D 

79.9     1 

§ 

81.75  s 

D 

9       8.5 

80.0    1 

D 

10.6 

46.0  s 

47.1  1 

D 

46.15  s 

§ 

17.7 

49.55  1 

10     19.3 


25.5 


26.8 


31.5 


93.6     s 

— 

94.2    1 

Dem  freien  Auge  von 

91.2     s 

s     erscheint    Polaris 

95.5    1 

—  etw.  schwach. 

38.1  > 

s        — 

33.4    1 

34.75  s 

35.85  1 

329     s 

34.9     1 

— 

Jetzt  wieder  Deneb  in  den  Sucher  und 
Gläser  A  genommen,  mit  der  Distanz  45°.  1 
gehen  durch's  Feld  der  Polarstern,  auf  welchen 
die  einzelne  Einstellung  gemacht  wird 

—  89.1    s 

und  der  obige  ^f;  der  Cassiopeja. 


Nr.  697.     ^Herculis  und  «Cephei 
24.5 


Nr.  699a.     Deneb  und  «Cassiopejae. 


33.7 
38.2 

44.8 


41.95  s 
44.0  1 
43.95  s 
45.3     1 

80.35  s 
80.0    1 

81.7     s 


35.9        Farb- 
verschiedenheit. 

35.9 

89.2     Auge,  war 
vorher  stark  ge- 
blendet. 


r9.0  <T  1     89.15 


Nr.  698.     Deneb  und  «Cassiopejae. 

(Es  war  die  Absicht ,  D.  mit  Polar  ifc  zu 
vergleichen:  da  bei  der  eingestellten  Distanz 
statt  des  letztern  der  hier  beobachte  ^f:  zuerst 
in's  Feld  kam,  so  wurde  dieser  gleich  ge- 
messen. Seine  Identität  ist  aus  Stellung  des 
Instruments,  Distanz  und  Constellation  nach- 
träglich constatirt.) 


9     53.3 

— 

46.1  s 

46.2  1 

D 

45.6  gut  s 

59.0 

48.27  1 

10       1.1 

D 

80.45  s 
81.1    1 

§ 

80.3    s 

9.2 

78.9    1 

41.0 


48.0 


80.2  s 
82.6   1 

43.75  s 

45.3  1 


Nr.  700.     «  Persei  und  Algol. 


llh     8'u.9 


17.0 


11     18.0 


23.6 
26.6 


25.5 


25.5 


100.75 


100.6 


26.4    s 

27  351 

30.9  > 

s 

28.8    1 

27.2    s 

95.55  s 

99.05  1 

98.1    s 

100.3    1 

94.7    s 

nicht  schl. 

97.0    1 

gut. 

Nacht  sehr  schön.  —  Tiefere  %  $? ,  wie 
Anfangs  Arctur  und  später  auch  Capella,  z. 
Th.  stark  funkelnd,  aber  die  beobachteten 
ziemlich  ruhig. 


1860  September  13.     C.  d.  U.  +  0m,7. 

Morgens  bezogen,  Nachmittag  klar  Doch 
sind  ^  ifc  heute  auch  in  grosser  Höhe  un- 
ruhig.    Am  Horizont  herum  etwas  nebelig. 


309 


Mars  mit  sich. 

103.45  s  gut  103.9  Phantom  A 
oben,  B  unten.  Beide  erscheinen  mir  rechts 
heller  als  links,  ziemlich  scharf  nach  d.  Dia- 
gonale abgegrenzt. 


102.1 

1 

100.8 

s  wie  oben. 

105.1 

1 

103.4 

s 

103.9 

1 

102.2 

s 

104.9 

1 

104.0 

21.4 

s 

21.9 

22.1 

1 

22.65 

s 

24.27 

1 

gut. 

23.2 

s 

gut. 

23.8 

1 

24.3 

s 

22.05 

1 

21.95 

Notiz  bezüglich  auf  Nr.  317  :  y  Aquilae 
in  Sucher  und  Gläser  A  gebracht.  Dist. -Kr. 
gestellt  auf  7°.55.  Ich  kann  bei  dieser  Stel- 
lung in  Gläser  B  keine  anderen  %  ^i  von 
einiger  Helligkeit  bringen,  als  zwei  nahe  gleich 
helle  mit  einander  (Distanz  etwa  0.4Durchm. 
des  Felds  nach  Erinnerung),  die  mir  aber 
auch  zu  schwach  erscheinen  für  die  Beobach- 
tung. —  [Vielleicht  «  und  ß  Sagittae  ?] 


Nr.  701.     yLyrae  und  #  Herculis. 

[Im  Original  nähere  Notizen  beigefügt, 
durch  welche  die  Identität  des  tfc  constatirt 
ist,  der  sonst  wegen  der  fast  gleichen  Distanz 
mit  £  Herculis  verwechselt  werden  könnte.] 


8'»  27"  .8 


35.2 


37.9 


45.0 


90.3 


90.3 


36.8 


36.8 


80.25  s 
78.4  1 
77.7  s 
80.9    1 


48.4  s 

49.7  1 
48.0  s 

45.8  1 


Nr.  702.     yLyrae  und  oHerculis. 


51.75 


85.2 


80.0    s 
78.751 


78.8    s 

59.0 

85.3 

77.4    1 

9h      lm.0 

37.8 

47.6  s 
44.951 

45.7  s 

9.2 

37.8 

43.5    1 

Nr.  703.     y  Lyrae  und  £  Herculis. 


12.6 

19.3 
24.5 

26.9 

32.5 


93.8 


81.6  s  £  hat  neb. 
86  8  1   sichd.Be- 

81.7  s  gleiter  v. 
88.1  1  Selbst  die 
83.6  s  hier  beob. 

84.8  1     schwach. 
^t  $i  sind  nicht  ganz  ruhig. 


93  8 


40.7 


40.6 


48.15  s 
50.0  1 
49.6  s 
50.2    1 


Nr.  704.     /Lyrae  und  v  Herculis. 
t 
Der   schwächere  Nachbar   von  f.  —  Beob. 
geht   sehr   schwer  wegen  Kleinheit  seines  £\. 


34.2 

40.6 

54.0    s 
52.4  >  1 
51.85  s 

43.0 

40.65 

52.2    1 

44.3 

86.55 

74  7    s 
75.0    1 
73.8    s 

49.8 

86.55 

76.1    1 

Nr.  705.     «Ophiuchi  und  «  Persei. 


59.0 


10      8.0 
10     10.6 

18.5 


26.3 

s 

— 

Flammen 

25.7 

1 

n 

beide  sehr 

29.5 

s 

8 

stark. 

26  8 

1 

100.35  s  — 

101.3    1 

101  4     s       Flammen  erschwert 
die  Messung  sehr. 
102.2     1  _ 


310 


Nr.  706      a  Draconis  und  ß  Cephei. 
10b  28'«. 9 


Nr.  708.     j'Lyrae  und  ?  Cephei. 


35.9 
39.4 

46.3 


43.8  s 
46.0  1 

44.3  s 
40  1  1 

83.4  s 
81.0  1 
82.8  <  s 
84.4  1 


33.8  Auge  etwas 
ermüdet. 

D 

33.85 

97.9  □ 

97.95 


%  ^  zuletzt  ruhiger  als  Anfangs.  —  Luft 
feucht.  —  Zuletzt  nichts  mehr  vom  nebeligen 
Ansehen  des  Horizonts. 


1860  September  14.    C.d.ü.  +  0m,8. 

Tag  wärmer  als  die  letzten,  aber  Luft  nicht 
ganz  rein.  —  Dunst  vom  Horizont  etwas  höher 
herauf  als  gewöhnlich.  —  ^  ^t  ruhiger  als 
gestern. 

Mars  mit  sich. 

103.1  s         104.25 

103.5  1 

103.0  s     gut. 

105.0  1 

103.55  s 

103.75  1         104.2 

21.55  s  20.55 

22.0     1      gut. 

23.5  s 

24.6  1      gut. 
2105  s 

22.3     1  206 


Nr.  707.     yLyrae  und  rj  Cephei. 


8       9.5 

87.05 

82.0    s 
82.6    1 
813    s 

18.7 

87.0 

83.7    1 

25.2 

38.9 

42.3    s 
43.9    1 
43.95 >s  Wetter- 

32.0 

38.9 

43.0    1    leuchten 
am  W.  Horizont. 

47m.  1 

58.2 
1.3 

7.1 


83.05 

83.0 
37.9 

37.9 


78.9  s  Constella- 
76.75  1  tion  veri- 
77.95  s   ficirt. 

77.8  1 

46.75  s 

40.9  1 
44.9  s 
43.0   1 


In  S.  schmaler  Wolkenstreif  oberhalb  Mars. 
Horizont  ist  dunstig. 


Nr.  709.     j/Lyrae  und  tCephei. 


19.0 

86.35 

8105  s 

Constel- 

79.75  1 

lation  ve- 

80.9    s 

rificirt. 

24.7 

86.4 

82.8   1 

27.7 

37.9 

43.35  s 

Jetzt  i 

41.2    1 

rechts  ob. 

44.0    s 

36.8 

39.1    1 
43.6    s 

40.0 

37.95 

40.8    1 

Nr.  710.     «Persei  und  Algol. 

47.0  27.0  32.0    s   Flammen 

27.3    1     stark. 
28.45  s     Wolken 

55.0  27.0  31.7    1  habensieb, 

gelöst.     Capella  steht  jedoch  etwas   in  Dunst. 


571 

102.95 

98.7  s 

96.8  1 
97.0    s 

10 

4.5 

102.95 

100.2    1 

Nr.  711.     Wega  und  Attair. 

10  4  —  95.8  <  s  Flam- 

men. —  W.  rechts. 
95.4  <  1 
□  □  94.1    s  A  von  W. 

17.7  92  2    1     kleiner 

gemacht  als  das  von  A. 
Farb-Verschiedenheit  stört  etwas. 


311 


10b  20™  .3  DD  30.35s 

30.0  gut  1     Jetzt 
§  29.8    s    ziemlich 

27.9  29.8    1    ruhig. 

Um  12  Uhr  Himmel  zum  Theil  mit  Wolken 
gedeckt.  —  Folgender  Morgen  klar. 


1860  September  23.  C.  d.  U.  +  0m,8. 

Umstände  scheinen  ganz  normal  am  An- 
fang :  später  kommt  mir  doch  Horizont  etwas 
dunstiger  vor  als  sonst,  und  der  Glanz  des 
Himmels  in  den  tiefen  Gegenden  um  C  her 
etwas  matt. 

Weffa  mit  sich. 


1043     s 

103.75 

Leise  Un^ 

102.2     1 

ruhe 

102.8    s 

A  rechts. 

100.0     1 

101.1     s 

102.45  1 

102  6    s 

101.1     1 

103.75 

24.3     s 

22.2 

24.8    1 

25.05  s 

24.8    1 

24.4    s 

24.4    1 

22.15 

31.6 


G 

97.9 


88.95  s 
91.0    1 


Mit   der   eingestellten  Distanz    kann   auch 
Deneb  durch's  Feld  gebracht  werden. 

35.15 


23.75  □ 

31.0    s 

25.5    1 

§ 

31.8    s 

30.2    1 

DD 

29.0    s    A  von  a 

23.7  § 

33.0    1  Androm. 

41.8 

kleiner  gemacht  als  das  von  «  Cephei. 


Nr.  714.     «Pegasi  und  y  Cassiopejae. 

tk 

8*>  52m.4  37.8    s  33.1 

45.1  1  38.1  Aus  Versehen 

42.2  s  auf  beiden  Seiten 
39.7    1  verstellt. 

9       4.7  41.8    s  38.1 

C  Schein,  der  auf  die  Hand  trifft,  ziemlich 
hinderlich. 


7.1 
17.3 


91.0     s  94.1 

88.75  1   < 
91.0    s 
88.2     1  94.15 


Nr.  712.     a  Cephei  und  ß  Cephei 
7     30.9  93.0 


Nr.  715.     Algol  und  y  Cassiopejae. 


45.1 


48.1 


62.0 


D 

93.0 
29.82  □ 


29.75 


84.8  s  Flammen 
88.2  lu.C Schein 
85  2    s  erschwert 

84.0  1  die  Beob- 
84.55  s   achtung. 

85.1  1 

40.2  s  nicht  schl. 
35.6    1    B  steht 

jetzt  rechts. 

38.6  s 

37.8  1  Gesichts- 
40.0    s  feld  links 

35.7  1  heller  als 
rechts  und  unten. 


Nr.  713.    aAndromedae  und  «Cephei. 

8     14.9  97.85  90.25  s 

89  851  Zeit  verlor. 
Abh.  d.  IL  Cl.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  X.  Bd.  I.  Abth. 


32.4  29.4  s 

26.4  1 

29.5  s 
36.2               28.8  1 

Stellung  unbequem. 


38.5  102.75  s 

98.1     1 

101.9     s 

46.0  105.9     1 

99.4    s 

50.5  101.0    1 


25.7    Beide   #  # 
ziemlich  unruhig. 

25.78 


101.1    Jetzt  Algol 
rechts  unten. 


101.2 


Nr.  716.     Algol  und  aPersei 
57.0  102.8     s         103.7 


10 


102.8     s 

100.7    1 

101.2     s 

2.4  102.95  1         103.8 

40 


312 


5.4 


11.7 


30.2 

s 

26.0 

1 

31.0 

s 

28.8 

1 

24.1 


24.1 


Jetzt  a  P. 
rechts. 


Mit  blossem  Auge  finde  ich  «  sehr  merk- 
lich heller  als  ß. 

Beobachtungen  sind  heute  etwas  schwer 
gegangen ,  wahrscheinlich  wegen  Mondschein. 
—  Um  12  Uhr,  nach  C  Untergang,  zeigt  sich 
Himmel  ausserordentlich  prachtvoll ,  %  % 
scheinen  ungewöhnlichen  Glanz  zu  haben. 


1860  September  24.    C.  d.  U.  +  0m,8. 

Tag  und  Abend  ebenso  schön  wie  gestern, 
Horizont  vielleicht  noch  reiner ,  %  tfc  jedoch 
noch  unruhiger.  Beobachten  geht  uns  heute 
entschieden  leichter. 


Wega  mit  sich. 


22.8  s 
23.05  1 

23.9  s 
24.9  1 
23.8  s 
25.0     1 


101.0 
102.6 
1010 
102.9 
100.8 
101.7 


21.05     B  steht 
rechts. 


21.1 

102.27  Unruhe  des 
$i  u  ungleichartiges 
Aussehen  d.  2  Licht- 
Phant.  erschwert. 
Relativ  gut. 

1023 


Bild:  C 


63.65  s 
64.65  1 


63.35 
64.05 


Nr.  717.     Wega  und  «Cephei. 
7h  34m. 1 

41.6 

44.9 
48.9 


DD 

79.05  s  AvonW. 
79.7    1   noch  etw. 

79.3    s     kleiner 

DD 

79.251   gemacht 
als  das  von  a  C. 

DD 

48.2    s  Jetzt  «  C. 
49.0    1   rechts. 

48.0    s 

DD 

48.7    1 

Nr.  718.     «  Andromedae  und  Wega 

71»   57m.5 


1.8 
3.7 

110 


80  97  s 

82.8  1 

81.3  s 

82.3  1 

45.4  s 

46.5  1 
43.2  s 
45.25  1 


□  □  Beide  un- 
ruhig, besonders 
a  Andr. 

DD 

□  D      Jetzt  W. 

rechts  oben. 

DD 


Nr.  719.     Wega  und  Deneb. 

15.8  DD  35.1    s  W.unruh. 

36.7    1 

36.2    s  AvonW. 

20.5  DD  34.0    1     kleiner 

gemacht  als  das  von  D. 

22.9  DD  90.4    s 

86.7  <  1 
89.85  s 

26.6  DD  88.6    1 


Nr    720.     « Persei  und  Attair. 

8     32.75  87.6  >  s     □  □      «  Persei 

flammt  sehr  stark. 

90.3  s     Auch  hier,  wie  heute 

87.9  1     überhaupt    bei    Ver- 

38.4  88.0  s     gleichung  sehr  heller 

i$i  ^  mit  schwächeren,  dem  hellen  so  viel  Licht 

abgeschnitten ,    dass  sein  A  entweder  kleiner 

oder   doch   nicht   sichtbar  grösser  ist  als  das 

des  andern. 


40.1 


45  0 


39.6  s 
395  1 

40.7  >  s 
37.4  1 


DD 


Nr.  721.     «Persei  und  «Cephei. 


51.1 

59.0 
2.1 

7.85 


34.2 

34.2 
95.5 


36.4  s 

40.2  1 

39.2  s 
41.0  1 

87.67  s 

86  4  1 

87.8  s   gut. 

87.3  1 


Folgender  Morgen  mit  Wolken. 


313 


Von  hier  an   ivieder  der   Eine   Beobachter 
(s)  allein. 


1860  Oktober  23. 


C.  d.  U.  +  3m,2. 


Umstände  nicht  die  bessten:  Himmel  hat 
im  3  Schein  ein  etwas  mehliges  Ansehen,  und 
zeigt  um  den  Mond  her  den  bekannten  matten 
Glanz  Doch  nichts  eigentlich  Verdächtiges 
zu  sehen 

Wega  mit  sich. 


27.6 

24.2 

27.5 

27.7 

27.3 

27.35 

24.2 

101.7 

101.3   Nunmehr  A 

102.1  < 

rechts.  Starker  Farb- 

1014 

Unterschied;  A  röth- 

101.1 

lich. 

101  7 

101.25 

Nr.  722.     Wega  und  Deneb. 

71»  20«>. 5  —  35.4  )  Stellung 

34.0  J  unbequem. 

□  □  35.2     Vorher   In- 

36.8  strumentans 

andere  Fenster  gebracht. 

A  von  W.  kleiner  gemacht  als  A.  von  D. 

—  Phantom  B  (von  Deneb)  war   rechts    oben 

im  Feld.  —  Luft  wird  nebelig. 


33 


37.2 
39 


DD 

89.85 
90.05 

§ 

87.7 

89.2  Okular  öfters 

88.9    abgewischt, 

weil 

es 

ein 

wenig  beschlägt. 

Nr.  723.     Wega  und  Deneb 


42.6 

96.05 

82.2 
82.1 

DD 

82.7  > 

48.3 

96.0 

82.0 

50.2 

29.0  DD 

42.8 

43.45 

§ 

42.8 

54.8 

290 

41.05 

Nr.  724.     Wega  und  Deneb. 

58.5  40.0  50.0  >  AvonD. 

ist  bei  dieser  Stellung  sehr  klein. 

50  0 

DD  49.4     ##  nicht 

8h     3». 2  49.0  vollkommen 

ruhig. 

7.0  86.0  □  □      77.0 

76.7 
§  76. 1 

12.0  86.0  76.25 


Nr.  725.     Wega  und  Deneb. 


13.8 


19.0 

DD 

22.0 

DD 

26.1 

§ 

Bild: 

63.7 

86.35 
88.0 
88.7 
88.75 

35  0 
36.0 
36.9 

35.95 

63.2 


25.2 
26.5 
26.7 
26.45 

93.1  > 
91.45 
915 
91.6 

Nr.  726.     «Persei  und  y  Cassiopejae. 
35.1  24.9 

41  24.8 

42  9  95.0 

47.7  95.65 

Nebelspuren  sind  vergangen.  Zuletzt  be- 
schlägt auch  Okular  nicht  mehr.  Himmel 
vielleicht  etwas  reiner  am  Schluss  als  am  An- 
fang, doch  zeigt  der  Himmel  noch  immer  in 
der  Nähe  des  C  den  Glanz  wie  von  matter 
Politur. 


1860  November  2.       C.  d.  U.  +  0m,3. 

In  der  Höhe  scheint  die  Luft  schön :  tiefer 
ist  sie  dunstig.    Mars  scheint  nicht  ganz  rein. 

40* 


314 


Nr.  727.     Attair  und  Wega. 


Nr.  729      Attair  und  Wega. 


6h  10"» 
15.2 
17.5 
22.1 


33.9  —    W.  rechts 

33.2  oben  im  Feld. 

34.6  □     Okular  muss 

32.6  wegen   Beschlagens 
häufig  abgewischt  werden. 

92.0  D 

96  3  Nebel  wird  merkl.  in  den 

93.1  §      Strassen. 
92.8 


Wega  mit  sich. 

104.2  105.23  A  (rechts  im 

Feld)  gelb-grünlich,  B  röthlich-violet 
105.0 


104  2 

Sehn 

eil  eingestellt. 

104.2 

1046 

gut. 

104.9 

105.28 

25.4 

23.8  Nunmehr    B 

25.0 

(rechts)röth- 

25.75 

lich,  Aweiss- 

26.8 

bläulich.  Ich 

2467 

bin  übrigens 

26.75 

23.8  über  die  Be- 

lennung    der    Farben 

unsicher :    im  Wesent- 

liehen scheinen  mir  A  u.  B  die  Farben  jetzt 
gegen  die  erste  Stellung  getauscht  zu  haben, 
so  dass  die  Farben  ihre  Stelle  auf  der  Retina 
behalten  hätten. 

Nebel  erlaubt  keine  Helligkeitsmessung  mehr. 


8h     0™  .7 


5.0 


6.7 


10.7 


93.9 
92.5 
94.7 
93.6 


34.6 
35.1 
35.3 
35.5 


DD 


DD     A  von  W. 
kleiner  gemacht   als 
§     das  von  A. 


Luft  am  Himmel  noch  immer  etwas  dun- 
stig. —  In  N.,  ziemlich  tief,  sind  jetzt  im  C 
Schein  selbst  dünne  Wolkenstreifen  zu  er- 
kennen. —  Beobb.  können  nicht  für  ganz  zu- 
verlässig gelten. 


1860  November  4.        C.  d.  ü.  +0m,6. 

Oben  scheint  der  Himmel  klar,  aber  tiefer, 
namentlich  in  NO.,  sind  Wolkenspuren.  Auch 
abwärts  von  Attair,  etwa  in  halber  Höhe  des- 
selben, ist  ein  schmaler  Streif  zu  erkennen. 

Nr.  730.     Attair  und  Wega. 

7     35 


38.7 
410 

45.1 


54.2 

48.0 

53.2 

53.7 

DD 

53.6 

73.2 

78.7  □□  Schwie- 

72.0 

rig  weg.  Kleinheit  d.  /\. 

72.4 

§      A.  rechts  ob. 

75.2 

78.0  Licht    nicht 

ganz  ruhig. 

Später    scheint    die   Luft   wieder    ziemlich 
nebelfrei : 

Nr.  728.     Attair  und  Wega. 


Nr.  731.     Attair  und  Wega. 


47.5 

91.0 

— 

7     49 

49.67 

39.95  Licht  nicht 

91.7 

49.4 

ganz  ruhig. 

95  2 

DD 

49.45 

DD     A   von  W. 

94.6 

53.0 

48.2 

39.95  rechts  oben 

92  2 

§ 

im  Feld. 

53.7 

94.7 

7     55.0 

78.7 
78.7 

86  0  □ 

55.0 

34.95 
34.4 

— 

78.8 

§ 

35.4 

D 

59.3 

78.2 

86.0 

58.0 

34.4 

315 


Nr.  732.     Wega  und  Attair. 


8h     3". 5 

- — 

32.4 
32.8 

DD 

29.8 

8.7 

31.0 

10.8 

DD 

94.6    Jetzt  W. 
94.0    rechts. 

§ 

91.3 
91.2 
93  9  §    Es    zeigt 

18.8 

DD 

90.4       sich,  dass 

noch    von 

vorher   DJ  Schuber  B.    nicht    ganz 

offen  war. 

Okular 

muss  öfters 

abgewischt  werden. 

Nr.  733.    Wega  und  «Andromedae. 


9*   10<n.O  □  40.5     Jetzt   steht 

40.0  «  Ar.  rechts 

37.8  im  Felde. 

15.8  32.0  sie.     Diese 

Einstellung  langsam  gemacht  nach  Zeitverlust 

durch  Unsicherheit   des  Auges.     Die   folgende 

rasch.    [Die  erstere  hat  Gewicht  V*  erhalten.] 

38.0 
18.0  38.0 

Messung  vielleicht  beeinträchtigt  durch  Er- 
müdung des  Auges.  —  Okular  hat  fortwährend 
häufiges  Abwischen  erfordert. 

In  NO.  zeigt  sich  jetzt  nach  C  Aufgang 
dunstige  Trübung  ziemlich  weit  herauf.  Bald 
darnach  consolidiren  sich  die  Dünste,  und  er- 
zeugen weit  von  S.  her  gegen  0.  aufwärts 
laufende  Streifen  (Einer  bis  über  die  Plejaden). 
Die  heutigen  Beobb .  sind  hienach  ziemlich 
verdächtig. 


24.6 

28.8 
31.0 

34.6 


DD 


D 


82.1 
82.2 
83.4 
82.4 

43.6 
'43.4 
42.0 
43.2 


Nr.  734.     a  Pegasi  und  t  Pegasi. 


43.8 

49.0 
51.7 

57.3 


36.6 

36.6 
94.2 

94.2 


41.2 

39.95 

40.35     Laterne 

42.2     unt.  stört. 

86.7 
85  6 

86.8 
84.2 


1860  November  5.       C.  d.  U.  -f  0m,7. 

Nr.  736.     «Ophiuchi  und  Capeila. 
7  —0.7 


+4.2 
6.0 

10.0 


44.25 
46.0 
43.8 
43.4 

82.2 
83.1 
82.6  > 
81.2 


—       Beide  un- 
ruhig, besondC.  stark. 
DD     Okular   be- 
schlägt. 

DD 
§ 


Sollte  die  Gegend  eines  der  ifc  %  nicht 
ganz  rein  sein,  (was  aber  nicht  erkannt  wurde) 
so  möchte  am  ersten  die  von  a  Oph.  ver- 
dächtig sein. 


Nr.  737.     Deneb  und  Wega. 


Nr.  735.     Deneb  und  a  Arietis. 

(Der  hellere  von  zwei  sich  ziemlich  nahen 
%  %,  die  nach  einander  bei  gleicher  Stellung 
des  Distanz-Kreises  durch's  Feld  gehen.)  [Der 
schwächere  ist  ohne  Zweifel  ß  Arietis.] 


8.7 


D 


93.2 

90.2  Auge   etwas 

92.9  ermüdet. 

94.15 


7     15.2 


22.8 


24.8 


89.2  —  Stellung  etw. 

88.75  unbequem, 

90.6  □□   auch   stört 

90.8  ein  Farbunterschied. 


DD 


38.1 

38.6  Milchstrasse 

35.15  §      im    Schwan, 

29.8               39.7  zwischen  a  u. 

kommt   mir  heute  ungewöhnlich  hell  vor. 


316 


Nr.  738.     Attair  und  Deneb. 


7*  34m. 8 

— 

24  0  Att.'amHim- 
23.95  mel    zieml 

DD 

22.0  unruhig;  im 

40.8 

18.4    Photometer 

§  D 

20.4  nicht  viel  da- 

43.7 

24.2  von  zu  merk. 

46.0 

— 

102.0 
102.8 

DD 

105.0 
105.9 

§ 

102.9 

52.0 

102.2 

Wega  mit  sich. 


98.5 

98.0 

97.25 

98.0 

97.4 

25.35 

27.4 

26.6 

27.2 

27.6 

26  1  gut. 


98.8  A  rechts  ob. 


98.8 


24  6 


24.6 


Nr.  739.     «Arietis  und  «Pegasi. 

8     16.8  31.6  32.2     Zwischen 

30.9  seiner  1.  u.2. 
32.9    Ables    hat 

22.6  33  2  33.8    sich  Schlit- 

26.7  33.2  33.8  ten    A,    der 
nichtg  anz  fest  geklemmt  war,  etwas  verschoben. 


29.3 


34.1 


95.6 


95.6 


93.4 
95.0 
94  7 
933 


Nr.  740.     Wega  und  Capeila 
40.6  103.35 


45.0 


101.0     Beide  un- 
ruhig, besonders  C. 
100.8 

102.4  W.  im  Felde 
100  67  rechts  ob. 


46.6 


52.0 


21.6 


21.5 


24.8 
25.0 
24.2  > 
23.4 


Umstände  waren  heute  viel  besser  als 
gestern.  Himmel  sehr  schön  klar:  nichts 
Verdächtiges  bemerkt;  nur  ifc  $Z  etwas  un- 
ruhig.  —  (Folgenden   Tag    nebelig   bezogen.) 


1860  November  10.       C.d.U.  +  0m8. 

Nachmittag  ziemlich  wolkig.  Um  61/2  Uhr 
unerwarteter  Weise  anscheinend  rein.  —  Okular 
muss  heute  oft  abgewischt  werden  wegen  Be- 
schlagens. 

Nr.  741.     u  Persei  und  Algol. 

Vergleichung  gemacht,  weil  schon  für  das 
blosse  Auge  die  Lichtschwäche  von  Algol 
aufgefallen  war. 


7h  21ra.3 

— 

36.25 

37.8 

DD 

34.0 

26.1 

33.95 

28.4 

DD 

91.5 
91.8  > 

§ 

90.2 

33.2 

91.6 

Nr.  741a.     Wega  und  Attair. 

A.  sehr  unruhig:  auch  W.  nicht  ruhig. 

42.6  —  94.9 

96.0 
D  94.7 

48.6  90.0 

50  8  92.0 

Spuren   fortschreitender   Trübung   um    die 
beobb.  ^  ife    her.     Unter   dem   Einflüsse   der- 
selben jetzt  Att.  ziemlich  ruhig. 
54  □  35.7 

34.6 
Trübung  jetzt  auffallend  am  ganzen  W. 
Himmel  bis  Deneb  herauf:  i£  ^  waren  schon 
vorher  glanzlos  geworden.  Die  Beobachtung 
hat  sehr  wenig  Werth:  vielleicht  ist  sie  ganz 
zu  cassiren.  —  [Bei  der  Reduction  nur  die 
zwei  Einstellungen  über  dem  Bild  verworfen.] 


317 


Capeila  mit  sich. 


26.2 

23.2 

25.9 

27.9 

29.0 

27.0 

24.6  > 

23.3 

101.1 

98.6 

100.25 

101.0 

100.6 

99.65: 

98.5! 

23.2  B  rechts  mit. 


Letzte  Einstellung  unsicher,  weil  gleich 
darauf  Capella  fast  bis  zum  Verlöschen  ge- 
schwächt ist. 

Gleich  darnach  der  ganze  Himmel  einge- 
sponneh. 

Ich  hoffe  trotz  der  nachher  eingetretenen 
verdächtigen  Umstände,  dass  die  Beob  Nr.  741 
von  Algol  gut  sein  wird.  Auch  hat  sich  die 
Gegend  von  Perseus  und  Fuhrmann  später 
als  die  von  Adler  und  Leier  überzogen,  so  dass 
ich  noch  am  Beginn  der  Vergleichung  von 
Capella  mit  sich  selbst  die  Hoffnung  hatte, 
nach  derselben  die  Beobachtung  von  Algol  zu 
wiederholen. 


1860  November  15.       C.  d.  ü.  +  0m,8. 

Luft  parterre  etwas  nebelig,  scheint  jedoch 
reiner  zu  werden.  Auf  dem  Thurm  glaube 
ich  oberhalb  des  Nebels  zu  sein,  doch  sind 
die  tiefen  Gegenden  des  Himmels  etwas  dun- 
stig. Die  höheren  sehr  schön  klar.  Wetter 
nass  und  ziemlich  warm. 

Nr.  742.     «Persei  und  i?  Per  sei. 

7h     9m.5  —  48.3  ij  der  einzige 

49.0  messbare  3fc 
14.2  □  49.2    unter   meh- 

reren, die  durch's  Feld  geführt  werden  können. 
Schwierig  wegen  schwachen  Lichtes. 
15  □  77.1 

76.9 
22.1  §  78.4  A  steht  jetzt 

rechts  unten. 


Nr.  743.     «Persei  und  v  Persei. 
71»  31m  2 
37.6 


39.7 
44  0 


D 

D 


79.4 
80.6 

80.2 


46.7  Jetzt  v  rechts 
47.0  unten. 
45.85 


v  hat  ziemlich  nahe  einen  sehr  schwachen 
Nachbar  $;. 


Nr.  744.     «Persei  und  Alarol. 


49.6 

54.9 
57.2 

61.3 


23.95 

239 
97.15 

97.2 


24  0  Algolrechts. 

29.8 

26.0 

23.85 

95.9 
93  2 
95.2 

95  1 


Lange  nebelige  Wolkenbank  hat  sich  in 
W.  gelagert:  reicht  bis  ziemlich  nahe  an 
den  Adler.  Perseus  und  Umgebung  scheint 
noch  ganz  frei. 


Deneb  mit  sich. 


103.85 

101.9  A  rechts. 

101.1 

101.4 

100.4 

101.0 

101.9 

26.1 

25.45 

26.2 

26.8 

26.05 

28.55 

25.4 

Um  sich  greifende  Wolkenbildung  erlaubt 
keine  weitere  Messung. 


Taf.D. 


)/t/lh. />/ii',y.  CT.  flher. u.Steindachner  Fijcke 

L.  Hctos  altifrons,  n .  Z.  Her.  Siehol(3ii,ii,    •>■  Acara   coenileopunctata ,  n . 

- 


Taf.  III 


tfath  pk¥s.  O  X.  /.  rCaer  u.stnmkwhmr.  _  Fische 

* 

l.  Eleofris  picta.n.    2.   Engraulis   macrolepidota,  n.    3.   En§r.   Pocyi,  n 


Tai'.  IV. 


Valh.pht/A:  Cl.  XI. 


ffner  u \,i'te> 


i  Loras    '"I!      ü    2,  Saccodon  Hfagueri ,  n.    3.  Chalceus 


Tai'.Y 


tfath.phus.  Ct.  X.  f .  Rher  //  Steindachner   Fische,. 

Pseudochalceus  lineatus,  n .  2.  Chalcmopsis  striatulus,n.  3.  Ch.  c  hagren  sis.ii  . 


' 


Ja. 


W 


Kher 


tl,i//i.j,h,f.y  a.x.i 

L .  Trichomvcterus    taem;i.n.     2  .  Trirti.  laticeps,  n      3.  Loricaria   iiTacanl 


Tni'.vnr. 


K 


^ 


4 
I 


^ 


s 


71       f  i 


Taf.EL 


Fiff.8.A. 


Fia.  8.  ( '■ 


Fia.  8.B. 
-/o 


-- 


V~ 


\ 


Fig.9.A. 


-V  - 


r-. 


/y^.  «0.^. 


"//  phifs  CZ.X.I. 


ISischo/F:  EntmicTtfungscfeschicAte  des  .J£eersc7imeincftens. 


Neue  Gattungen  und  Arten  von  Fischen  aus  Central- Amerika ;  gesammelt  von 
Moritz  Wagner,  beschrieben  von  Prof.  Rudolf  Ener  und  Dr.  Franz  Stein- 
dachner  in  Wien.  Mit  sechs  Tafeln  Abbildungen •       • 

Ueber  die  hydrographischen  Verhältnisse  und  das  Vorkommen  der  Süsswasserfische 
in  den  Staaten  Panama  und  Ecuador.  Ein  Beitrag  zur  Zoogeographie  Amerika's 
von  Moritz  Wagner 

Neue    Beobachtungen    zur    Entwicklungsgeschichte    des    Meerschweinchens.     Von 

Dr.  Th.  L.   W.  Bischoff 115 

Ueber  die  geographischen  Verhältnisse  der  Lorbeergewächse  von  C.  F.  Meissner  .     167 

Helligkeits-Messungen  an  zweihundert  und  acht  Fixsternen.  Angestellt  mit  dem 
Steinheil'schen  Photometer  in  den  Jahren  1852-1860  von  Ludwig  Seidel 
und  Eugen  Leonhard ^ 


4 


^K~e^&$k? 


Akademische  Buchdruckerei  von  F.  Straub. 


ABHANDLUNGEN 


DER 


MATHEMATISCH-PHYSIKALISCHEN  CLASSE 


DER  KÖNIGLICH  BAYERISCHEN 


AKADEMIE  der  WISSENSCHAFTEN. 


ZEHNTEN   BANDES 

ZWEITE  ABTHEILUNG. 

IN  DER  REIHE  DER  DENKSCHRIFTEN  DER  XXXVII.  BAND. 


MÜNCHEN, 

1868. 

VERLAG    DER   K.    AKADEMIE, 

IN  COMMISSION  BEI  G.  FKANZ. 


:»>— üff^lS^G^toc— -oe; 


-*"*■  *■* — 


ABHANDLUNGEN 


DER 


MATHEMATISCH-PHYSIKALISCHEN  CLASSE 


DER  KÖNIGLICH  BÄTERISCHEN 


AKADEMIE  der  WISSENSCHAFTEN. 


ZEHNTEN   BANDES 

ZWEITE  ABTHEILUNG. 


ABHANDLUNGEN 


DER 


MATHEMATISCH-PHYSIKALISCHEN  CLASSE 


DER  KÖNIGLICH  BAYERISCHEN 


AKADEMIE  der  WISSENSCHAFTEN. 


ZEHNTEN    BANDES 

ZWEITE  ABTHEILUNG. 

IN  DER  REIHE  DER  DENKSCHRIFTEN  DER  XXXVII.  BAND. 


ÜNCHEN, 

1868. 


VERLAG    DER   K.    AKADEMIE, 

IN  COMMISSION  BEI  G.  FEANZ. 


Inhalt. 


Seite 

Versuche  über  die  Wasserverdunstung  auf  besätem  und  unbesätem  Boden.    Von 

August  Vogel 320 

Das   Cbronoskop,    Instrument   zur   Bestimmung   der  Zeit   der   Polhöhe   ohne 

Kechnung.    Von  C.  A.  v.  Steinheil.    Mit  2  lithogr.  Tafeln  und  6  Tabellen     357 

Die  Grosshirnwindungen  des  Menschen  mit  Berücksichtigung  ihrer  Entwick- 
lung bei  dem  Fötus  und  ihrer  Auordnung  bei  den  Affen.  Neu  unter- 
sucht und  beschrieben  von    Dr.  Th.  L.  W.  Bischoff.    Mit  sieben  Tafeln     388 

Beiträge  zur  Kenntniss  der  Procän-  oder  Kreide-Formation  im  nordwestlichen 
Böhmen  in  Vergleichung  mit  den  gleichzeitigen  Ablagerungen  in  Bayern 
und  Sachsen.     Von  C.  W.  Gümbel 499 

Beiträge  zur  Foraminiferenfauna  der  nordalpinen  Eocängebilde.  Von  C.  W.  Gümbel. 

Mit  4  Tafeln 577 


Versuche 


über  die 


Wasser  Verdunstung 

auf  besätem  und  unbesätem  Boden. 


Von 


August  Vogel. 


Abh.d.II.Cl.d.k.Ak.d.Wiss  X.Bd.II.Abth.  41 


Versuche  über  die  Wasserverdunstung 

auf 

besätem  und  unbesätein  Boden. 


Von 

August  "Vogel. 


Die  Wasserverdunstung  durch  die  Vegetation,  d.  h.  die  Quantität 
der  Verdunstung  durch  verschiedene  Pflanzengattungen  auf  verschiedenen 
Bodenarten,  ist  für  die  Beurtheilung  des  vegetabilen  Lebens  von  grosser 
Bedeutung.  Wenn  dessenungeachtet  über  diesen  Gegenstand  noch  keine 
zahlreichen  und  erschöpfenden  Versuche  angestellt  worden  sind,  so  liegt 
die  Erklärung  darin,  dass  derartige  Versuche  gewissermassen  doch  immer 
nur  allgemeine  Anhaltspunkte  und  im  Vergleiche  richtige  Resultate 
ergeben  können,  indem  gerade  hier  mehr,  als  sonst  irgendwo,  es  unver- 
meidlich ist,  von  den  exakten  im  kleineren  Maasstabe  ausgeführten 
Versuchen  auf  die  Verhältnisse  im  Grossen  und  Ganzen  Schlüsse  zu 
ziehen. 

Zum  Verständniss  meiner  über  diesen  Gegenstand  ausgeführten 
Versuche  erscheint  es  nothwendig,  einiger  einleitender  Beobachtungen 
Erwähnung  zu  thun,  welche  zum  Zwecke  haben,  den  Unterschied  der 
Wasserverdunstung  verschiedener  Bodenarten  im  Vergleiche  zur  Wasser- 
verdunstung einer  Wasseroberfläche  festzustellen. 

I. 

Von  einem  bei  100°  C.  getrocknetem  lockeren  Torfpulver  wurden 
20  Grmm.    in    einem  Becherglase    mit  50  CC.  Wasser  benetzt,    so  dass 

41* 


322 

die  Oberfläche  des  benetzten  Torfes  nur  wenige  Linien  unter  dem  Rande 
des  Becherglases  stand.  In  einem  zweiten  Becherglase  befanden  sich 
50  CC.  Wasser,  dessen  Oberfläche  ebenfalls  nahezu  den  Rand  des  Glases 
berührte.  Beide  Gläser  standen  nebeneinander  in  einem  Lokale  von  15° 
bis  20°  C.  durchschnittlich.  Der  Versuch  begann  am  28.  Februar  und 
schloss  am  10.  März.  Die  Oberfläche  beider  Gläser  war  genau  gleichgross 
und  betrug  3,lü". 

In  den  11  Versuchstagen  waren  von  den  50  CC.  Wasser  durch  den 
Torf  35,8  CC. ,  von  der  Oberfläche  des  offenen  Gefässes  17,3  CC.  ver- 
dampft worden.  Die  Wasserverdampfung  der  Wasseroberfläche  zur  Wasser- 
verdampfung des  benetzten  Torfes  steht  somit  in  dem  Verhältniss  von 
100:206,  —  oder  letztere  beträgt  etwas  mehr,  als  das  Doppelte  der 
ersteren. 

Selbstverständlich  war  in  der  zweiten  Hälfte  des  Versuches  der 
Abstand  der  Wasseroberfläche  von  dem  Rande  des  offenen  Gefässes 
wesentlich  vermehrt  worden,  so  dass  also  der  Einfluss  der  Ventilation 
in  diesem  Falle  bedeutend  verringert  sein  musste  und  schon  aus  diesem 
Grunde  sich  eine  geringere  Verdunstung  der  Wasseroberfläche  im  Ver- 
gleiche zum  benetzten  Torfe,  bei  welchem  dieses  Verhältniss  wenigstens 
nicht  in  dem  Maasse  eintreten  konnte,  voraussetzen  Hess.  Hierin  liegt 
überhaupt  eine  grosse  Schwierigkeit  der  Beurtheilung  der  Wasserver- 
dampfung bei  derartigen  Versuchen  und  der  Umstand,  dass  dieser  Faktor 
nicht  immer  die  gehörige  Berücksichtigung  fand,  dürfte  wohl  bisweilen 
die  noch  weit  grösseren  Differenzen,  welche  sich  bei  früheren  Versuchen 
in  dieser  Richtung  ergaben,  zu  erklären  im  Stande  sein. 

Von  welchem  Einflüsse  die  Ventilation  auf  die  Verdunstung  ist, 
diess  zeigt  folgender  Versuch,  in  welchem  diese  Bedingung  bei  ver- 
schiedenen Verdampfungsoberflächen  möglichst  gleichgestellt  war.  Hiezu 
dienten  3  ganz  flache  Porzellanschalen,  in  deren  eine  25  CC.  Wasser,  in 
die  2.  bei  100°  C.  getrockneter  Thonboden,  in  die  3.  bei  100°  C. 
getrocknete  schwarze  Gartenerde  gebracht  worden  war.  Von  den  beiden 
Erden  befanden  sich  in  den  2  Porzellanschalen  gleiche  abgewogene 
Mengen,  welche  je  mit  25  CC.  Wasser  benetzt  wurden.  Das  Wasser  war 
gänzlich  in  die  Erde  eingedrungen,  so  dass  kein  Wasser  über  den  Erden 
stand.    Die  Oberflächen  der    3   Schalen    waren    genau  gleich  gross.     Die 


323 

Schalen  standen  unmittelbar  neben  einander  in  einem  Räume  von  16° 
bis  22°  C.  Der  Versuch  umfasste  7  Tage.  Als  Resultat  der  einzelnen 
Wägungen  ergibt  sich  die  Verdampfung  von  der  Wasseroberfläche  zur 
Verdampfung  von  den  beiden  benetzten  Erdoberflächen  im  Verhältnisse 
von  100:  136.  Die  Unterschiede  der  Verdampfung  sind  somit  bedeutend 
geringer  in  diesem  Versuche,  wobei  eine  grössere  Uebereinstimmung  der 
Ventilationseinwirkung  hergestellt  war,   als  in  dem  vorigen. 

Um  endlich  die  Bedingungen  der  Verdunstung  einer  Wasserober- 
fläche mit  verschiedenen  Erdoberflächen  absolut  gleich  herzustellen, 
wurde  noch  folgender  Versuch  ausgeführt.  Hiezu  dienten  3  Glasflaschen 
von  ganz  gleichem  Inhalte  und  gleich  grossen  Oeffnungen.  Letztere 
betrug  bei  allen  15  Millimeter.  In  die  eine  der  Flaschen  Nr.  I  wurden 
35  CC.  Wasser  eingemessen,  in  zwei  anderen  gleiche  abgewogene  Mengen 
Erde  mit  35  CC.  Wasser  benetzt  gebracht  und  zwar  in  Nr.  II  Thonboden, 
in  Nr.  III  Gartenerde.  Nach  einem  Vorversuche  waren  die  Mengen  der 
Erden  gerade  hinreichend,  um  die  zugesetzte  Wassermenge  zu  absorbiren, 
so  dass  also  keine  Wasseroberfläche  über  den  Erden  stand.  Diese 
3  Flaschen  befanden  sich  in  einem  Lokale  von  10°  bis  12°  C.  offen 
nebeneinander  stehend.  Der  Versuch  umfasst  45  Tage.  Die  Verdampf- 
ung betrug  bei : 

Nr.   I      (Wasser) 2,1    Grmm. 

Nr.   II    (benetzter  Thonboden)      3,5        ,, 
Nr.  III  (benetzte   Gartenerde)       2,8        ,, 

Es  ergibt  sich  hieraus ,  dass  die  Wasserverdampfung  bei  einer  be- 
schränkten Oberfläche  überhaupt  nur  eine  sehr  geringe  ist,  dass  indess 
doch  ein  Unterschied  zwischen  der  Wasseroberfläche  und  den  benetzten 
Erden  bemerkbar  wird.  Die  etwas  vorwaltende  Wasserverdampfung  von 
Nr.  II  findet  ihren  Grund  in  dem  Umstände ,  dass  aus  den  im  Thon- 
boden ruhenden  Keimen  sich  einige  Pflanzen  während  dieser  Zeit  ent- 
wickelt hatten. 

II. 

Die  im  Folgenden  zu  beschreibenden  Versuche  beziehen  sich  auf 
zwei  ganz  verschiedene  Erdarten,  nämlich:  1.  auf  einen  fetten  Thon- 
boden von  gelblicher  Farbe  (Gegend  von  Straubing)  2.  auf  einen  Kalk- 


324 

und  humusreichen  Boden  von  schwarzer  Farbe  l  Gegend  zwischen  Dachau 
und  Schlei'sheim). 

Die  chemische  Analyse,  welche  indess  in  ihren  Specialitäten  für  die 
Frage  der  Wasserverdunstung  nur  von  sekundärer  Bedeutung  sein  kann, 
charakterisirte  die  erstere  Erdart  als  ein  Thonsilikat  mit  einem  Gehalte 
von  70  proc.  Kieselerde,  Spuren  von  Kalk  und  Eisen,  nebst  einigen 
Procenten  Phosphorsäure  und  Alkalien,  die  zweite  Erdart  als  einen 
humusreichen  Kalkboden.  Die  Erfahrung  hat  ersteren  Boden  als  einen 
.  sehr  fruchtbaren,  den  anderen  als  einen  überaus  unfruchtbaren,  —  nur 
für  eine   Haferernte  geeigneten  dargethan. 

Es  musste  zunächst  Aufgabe  sein,  die  Unterschiede  der  Wasserver- 
dunstunof  durch  die  Oberfläche  dieser  beiden  Bodenarten  auf  das  Ge- 
naueste  kennen  zu  lernen.  Zu  dem  Ende  wurden  2  Blechkästen  von 
gleichgrosser  Oberfläche  und  Tiefe  mit  diesen  Erden  gefüllt  und  eine 
jede  mit  der  für  eine  Vegetation  geeigneten  Wassermenge  behandelt. 
Der  Versuch  umfasste  8  Tage  ohne  Begiessen ,  wobei  beide  Kästen  in 
einem  Lokale  von  18°  bis  22°  C.  nebeneinanderstanden.  Als  Resultat 
der  einzelnen  Wägungen,  deren  specielle  Aufzählung  ich  hier  übergehe, 
ergab  sich,  dass  lD'  Thonboden  in  diesem  Zeiträume  591  Grmm.,  d.  i. 
74  Grmm.  per  Tag,  lD'  Kalkboden  680  Grmm.  Wasser,  d.  i.  85  Grmm.  per  Tag 
verdunstete.  Der  Thonboden  verdunstet  somit  in  einer  bestimmten  Zeit 
ohne  Zufuhr  von  Aussen  weniger  Wasser,  als  der  Kalkboden  und  zwar 
in  dem  Verhältniss  von  100:  115.  Bei  der  Annahme  eines  ursprünglich 
ffleichsrrossen  Wassergehaltes  beider  Bodenarten  ist  daher  der  Thonboden 
nach  8  Tagen  ohne  Regen  um  ein  Beträchtliches  reicher  an  Wasser,  als 
der  Kalkboden,  —  ein  Umstand,  der  für  die  Erklärung  der  grossen 
Differenzen  in  der  Fruchtbarkeit  beider  Bodenarten  als  ein  sehr  wesent- 
licher Faktor  zu  betrachten  sein  dürfte. 

Berechnet  man  die  hier  erhaltenen  Resultate  auf  1  Morgen  Landes 
(40,000  O')?  so  würde  ein  Morgen  Thonboden  während  8  Tagen  ohne 
Regen  23,640  Kilogrmm. ,  ein  Morgen  Kalkboden  27,000  Kilogrmm. 
Wasser  abgeben,  natürlich  unter  Voraussetzung  der  beobachteten  Tem- 
peratur. 

Nachdem  in  dieser  Art  der  Unterschied  beider  Erdarten  in  der 
Wasserverdunstung  festgestellt  war,  erübrigte  es  noch,   die  Verschiedenheit 


325 

in  der  Wasserabsorption  aus  feuchter  Luft  durch  die  beiden  Boden- 
arten kennen  zu  lernen.  Zu  dem  Ende  wurden  10  Grmm.  von  jeder  der 
beiden  Erden,  nachdem  sie  durch  künstliches  Trocknen  auf  den  gleichen 
Trockenheitsgrad  gebracht  worden  waren,  über  eine  Fläche  von  25D  Cen- 
timeter  auf  Glasplatten  gleichmässig  ausgebreitet  und  sodann  3  Tage 
lang  auf  Glasdreifüssen  unmittelbar  über  die  Wasseroberfläche  einer 
mit  Wasser  gesperrten  Glasglocke  gestellt.  Die  durch  mehrmaliges 
Wägen  der  Erden  gefundene  Gewichtszunahme  ergab  die  Mengen  des 
absorbirten  Wassers    bei    der    im  Räume    herrschenden   Temperatur. 

I.  Versuch,   3  Tage  (17.  bis   20.  Dezember) 
Mittlere  Temperatur  18°  C. 

a)  Thonboden,    Wasseraufnahme  0,3      Grmm. 
bj  Kalkboden,  „  0,64        „ 

II.  Versuch,  3  Tage  (21.  bis   24.  Dezember) 
Mittlere  Temperatur  22°  C. 

a)  Thonboden,    Wasseraufnahme  0,52   Grmm. 

b)  Kalkboden,  „  0,93        „ 
III.  Versuch,   3  Tage  (7.   bis   10.  Januar) 

Mittlere  Temperatur   11°  C. 

a)  Thonboden,   Wasseraufnahme  0,19   Grmm. 

b)  Kalkboden,  ,,  0,37        „ 

,  Von  welchem  Einflüsse  die  Flächenausbreitung  auf  die  Wasserauf- 
nahme ist,  zeigt  ein  weiterer  Versuch,  wobei  die  gleiche  Menge  der 
Erden  nicht  in  dünnen  Schichten,  sondern  auf  Uhrgläsern  von  40  Mil- 
limeter Durchmesser  sich  unter  denselben  Verhältnissen  wie  in  den  oben 
beschriebenen  Versuchen  4  Wochen  bei  der  Durchschnittstemperatur  von 
16°  C  befanden.     Die  Wasserabsorption  betrug  in  diesem  Falle: 

a)  Thonboden  4,4  proc. 

b)  Kalkboden    8,1      ,, 

Es  war  somit  bei  beschränkter  Oberfläche  in  4  Wochen  durchaus 
keine  verhältnissmässig  gi'össere  Menge  Wassers  absorbirt  worden. 

Man  ersieht  aus  den  mitgetheilten  Beobachtungen,  dass  das  Ab- 
sorptionsvermögen des  Kalkbodens  das  des  Thonbodens  durchschnittlich 
um    etwas    mehr    als    das  Doppelte    übersteigt,    —    allerdings    nur    eine 


326 

geringe  Compensation  für  den  Nachtheil,  welcher  dem  Kalkboden  aus 
der  schnelleren  Verdunstung  des  Wassers  im  Verhältniss  zum  Thonboden 
erwächst.  Die  grosse  Uebereinstimmung,  wie  sie  sich  aus  den  augeführten 
Versuchszahlen  ergibt,  lässt  immerhin  eine  bestimmte  Gesetzmässigkeit 
der  beiden  Bodenarten  in  dieser  Beziehung  erkennen,  so  wie  auch  ein 
gewisser  Zusammenhang  der  Wasseraufnahme  mit  der  Temperatur  bemerk- 
bar ist,  obschon  der  Einfluss  letzterer  auf  die  Wasserverdampfung  weit 
geringer  erscheint,  als  man  erwarten  sollte. 

Endlich  will  ich  noch  einige  Versuche  erwähnen ,  welche  über  das 
Wasseraufsaugungsvermögen  (Capillaranziehung)  dieser  Bodenarten  an- 
gestellt worden   sind. 

Glasröhren  von  100  Centimeter  Länge,  2  Centimeter  Höhe  und 
2  Centimeter  Durchmesser,  in  ihrer  ganzen  Länge  in  Zehntel-Centimeter 
eingetheilt,  wurden  am  unteren  Ende  mit  feiner  Leinwand  verschlossen 
durch  Darüberschieben  eines  genau  passenden  Messingringes,  und  unter 
gelindem  Aufklopfen  nach  und  nach  mit  den  durch  das  gleiche  Sieb 
geschlagenen  trockenen  Erden  gefüllt.  Die  so  vorgerichteten  Glasrohre 
standen  nun  senkrecht  vermittelst  eines  Halters  befestigt  mit  ihrem 
unteren  durch  Leinwand  verschlossenen  Ende  genau  15  Minuten  in 
einem  Gefässe  mit  Wasser.  Nach  dieser  Zeit  wurde  die  Höhe  der  auf- 
gestiegenen Flüssigkeit  abgelesen  wie  folgt: 

a)  Thonboden   15. 

b)  Kalkboden   19. 

Zu  einem  Versuche  in  umgekehrter  Weise,  um  das  Eindringen  der 
Feuchtigkeit  von  oben  nach  unten  zu  bestimmen,  dienten  unten  geschlos- 
sene graduirte  Glasrohre,  auf  gleiche  Höhe  mit  den  beiden  Bodenarten 
gefüllt.  Das  Aufgiessen  von  10  CC.  Wasser  geschah  mittelst  einer 
Pipette.  Nachdem  beide  Rohre  gleich  lange  Zeit  in  senkrechter  Stellung 
gestanden  hatten,  wurde  der  Punkt,  bis  auf  welchen  das  Wasser  einge- 
drungen, abgelesen.  Als  Resultat  wiederholter  Versuche  ergab  sich,  dass 
das  Eindringen  des  Wassers  in  den  Thonboden  und  in  den  Kalkboden 
im  Verhältniss  von  4,4  :  8,1   steht. 

Auch  in  diesen  Verhältnissen  ist  ein  wesentlicher  Unterschied 
zwischen  beiden  Bodenarten  nicht  zu  verkennen. 

Zur    Bestimmung    der  Wasserabsorptionskraft    beider  Erden    durch 


327 

Benetzen  bediente  ich  mich  viereckiger  Zinkkästen,  17  Centimeter  hoch 
und  im  quadratförmigen  Durchmesser  2,5  Centimeter  weit,  deren  sieb- 
förmiger  Boden  abgenommen  werden  kann,  um  ihn  mit  einem  feinen 
befeuchteten  Leinwandstück  zu  bedecken.  Nachdem  der  Apparat  gewogen, 
wurden  die  getrockneten  und  gesiebten  Bodenarten  partieenweise  in  die 
Zinkkästchen  gebracht  und  jedesmal  durch  gelindes  Aufklopfen  ein 
dichtes  und  gleichförmiges  Zusammensitzen  der  Bodentheilchen  bewirkt, 
bis  zuletzt  das  ganze  Kästchen  mit  Erde  angefüllt  war.  Man  stellte 
nun  die  Apparate  mit  dem  siebförmigen  Boden  in  Wasser  und  Hess  die 
Erden  von  unten  auf  sich  vollsaugen,  bis  nach  mehrmaligen  Wägen 
nur  höchst  unbedeutende  Gewichtsdifferenzen  zu  bemerken  waren.  Als 
Resultat  zahlreicher  sehr  nahe  übereinstimmender  Versuche  ergab  sich, 
dass  der  Thonboden  64,2  proc. ,  der  Kalkboden  32,4  proc.  Wasser 
absorbirt. 

III. 

Nach  dieser  allgemeinen  Charakteristik  des  Thon-  und  Kalkbodens 
gehe  ich  auf  die  Versuche  über,  welche  den  Vergleich  der  Wasser- 
verdunstung auf  besätem  und  unbesätem  Boden  zum  Gegenstande 
haben. 

Vier  Blechkästen  von  gleichgrosser  Oberfläche  und  Tiefe  waren,  —  2  mit 
Thonboden,  2  andere  mit  Kalkboden  gefüllt  worden;  durch  ein  länger 
fortgesetztes  Trocknen  bei  100°  C.  befanden  sich  beide  Erden  genau  im 
gleichen  Trockenheitsgrade.  Das  Benetzen  der  Erden  in  jedem  der  Kästen 
geschah  durch  Zusatz  von  80  CC.  Wasser,  wodurch  der  normale  Zustand 
für  die  Vegetation  der  Kresse,  welche  zunächst  als  Versuchsmaterial  ver- 
wendet wurde,  hergestellt  war.  Am  20.  Eebruar  wurde  der  eine  mit 
Thonboden  und  der  eine  mit  Kalkboden  gefüllte  Kasten  mit  gleichen 
Mengen  abgewogener  Kressensamen  gleichmässig  besät  und  alle  4  Kästen 
gewogen.  Die  4  Kästen  standen  während  der  Versuchsperiode,  welche 
28  Tage  umfasste,  nebeneinander  in  einem  Lokale  von  durchschnittlich 
16°  bis  23°  C.  Temperatur.  Am  24.  Eebruar  war  der  Keimprozess 
vollendet,  am  20.  März  hatten  die  Pflanzen  durchschnittlich  4"  bis  5" 
Höhe  erreicht.  Jeder  Kasten  hatte  vom  20.  Eebruar  bis  20.  März  in 
Abh.  d.  II.  Cl.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  X.  Bd  II.  Abth.  4  2 


328 

einzelnen  gleichmässigen  Gaben  400  CC.  Wasser  erhalten,  d.  i.  per  Tag 
14,3  Grmm. 

Als  Resultat  der  am  20.  März  vorgenommenen  Wägung  ergibt  sich, 
dass  in  den  28  Versuchstagen  nicht  nur  die  400  CC.  zugesetzten 
Wassers  gänzlich  verdampft  worden ,  sondern  auch  theilweise  die  ur- 
sprünglich zur  Befeuchtung  verwendeten  80  CC.  Wasser.  Die  Ver- 
dampfung des  mit  Vegetation  bedeckten  Bodens  ist  in  beiden  Fällen 
grösser,  als  die  des  unbesäten  Bodens  und  zwar  beim  Kalkboden  (die 
Verdampfungsmenge  des  unbesäten  Bodens  =  100  gesetzt)  im  Verhält- 
niss  von  100:  116,  beim  Thonboden  (die  Verdampfungsmenge  des 
unbesäten  Bodens   =    100  gesetzt)  im  Verhältniss  von   100:111. 

Vergleicht  man  die  Wasserverdampfungsmenge  per  24  Stunden  mit 
der  während  24  Stunden  erhaltenen  Wassermenge,  so  ergibt  sich,  dass 
in  allen  4  Versuchen  die  Menge  des  verdampften  Wassers  grösser  war, 
als  die  des  erhaltenen  und  zwar  beim  besäten  Kalkboden  um  2,4,  beim 
unbesäten  Kalkboden  um  2,0,  beim  besäten  Thonboden  um  2,0,  beim 
unbesäten  Thonboden  um  1,8,  und  dass  daher  die  Verdampfung  des 
besäten  Bodens  die  des  vegetationslosen  in  dem  angegebenen  Verhält- 
nisse übersteigt. 

Nachdem  durch  die  bisherigen  Mittheilungen  der  Unterschied  der 
Wasserverdampfung  zwischen  verschiedenen  Bodenarten,  sowie  zwischen 
besätem  und  vegetationslosem  Boden  dargethan  worden ,  versuchte  ich 
es,  noch,  den  Unterschied  in  dieser  Beziehung  zwischen  verschiedenen 
Pflanzengattungen  zu  zeigen.  Hiezu  wurden  5  Topfgewächse  gewählt: 
1.  Pelagonium  zonale,  II.  Pelagonium  odoratissimum,  III.  Reseda  odorata, 
IV.  Sedum  Syboldi,  V.  Aloe  arborea.  Diese  5  Pflanzen  befanden  sich 
in  hölzerne  mit  dünnem  Zinkblech  überzogene  Kästen  mit  gewöhnlicher 
Gartenerde  gefüllt  eingesetzt,  in  einem  6.  Kasten  befand  sich  zur  ver- 
gleichenden Beobachtung  dieselbe  Erde  ohne  Pflanze.  Die  Erde  hatte 
in  allen  6  Versuchen  ursprünglich  denselben  Feuchtigkeitsgrad.  Der 
Versuch  umfasste  30  Tage,  während  welcher  Zeit  die  G  Kästen  sich 
unter  ganz  gleichen  Verhältnissen  in  einem  Lokale  von  16°  bis  23°  C. 
aufgestellt  befanden.  Die  Kästen  waren  sämmtlich  von  gleichem  Umfange 
und  zwar  jeder  von    1358Ü'"  Oberfläche  und    1'  Tiefe.  Die  Vegetations- 


329 

Oberfläche  ergab  sich  nach  vorgenommener  Messung  in  den  5  Versuchen 
durchschnittlich  von  gleicher  Grösse,  so  viel  diess  ihrer  Natur  nach 
bei  so  verschiedenen  Pflanzenspecien  überhaupt  möglich  erscheint. 
Jedenfalls  war  mit  Ausnahme  von  Nr.  V,  Aloe  arborea,  die  gesammte 
Oberfläche  mit  einer  Vegetationsschichte  bedeckt. 

Während  der  30  Versuchstage  hatte  jeder  Kasten  in  verschiedenen 
gleichmässigen  Gaben  1700  CC,  d.  i.  56  CC.  Wasser  per  Tag  erhalten. 
Die  Gewichtsdifferenz  zwischen  der  Wägung  sämmtlicher  Kästen  vom 
29.  Januar  und  28.  Februar  ergab,  dass  nicht  nur  die  5  Pflanzen, 
sondern  auch  die  Erdoberfläche  ohne  Pflanze  mehr  Wasser  verdampft 
haben,  als  während  dieser  30  Tage  zugesetzt  worden  ist,  so  dass  also 
der  Boden  ungeachtet  des  Wasserzusatzes  von  1700  CC.  trockner  ge- 
worden sein  muss,  als  er  ursprünglich  beim  Beginne  des  Versuches 
gewesen,  wenn  man  nicht  annehmen  will,  dass  sowohl  Pflanze  als  Boden 
aus  der  Atmosphäre  Wasser  aufgenommen  habe.  Ferner  ergibt  sich, 
dass  die  Wasser  Verdampfungsmengen  in  allen  Fällen  durch  die  Vege- 
tation, im  Vergleiche  zur  Wasserverdampfungsmenge  des  Bodens  allein, 
wesentlich  vermehrt  worden  war.  Setzen  wir  die  Wasserverdampfung 
des  vegetationslosen  Bodens  =  100,  so  ergibt  sich,  das  Wasserverdam- 
pfungsverhältniss  der  einzelnen  Pflanzen  wie  folgt : 

I.     100  :  142.  II.     100  :  183.  III.     100  :  140. 

IV.     100  :  157.  V.     100  :  264. 

\  Vergleicht  man  den  durchschnittlichen  Wasserverlust  für  24  Stunden 
mit  dem  täglichen  Wasserzusatz,  so  ergibt  sich  dass  alle  Kästen  täglich 
mehr  Wasser  verdampften,  als  sie  erhalten  hatten  und  zwar: 

I.    mehr  um  4,4   Grmm. 


II. 

)               55 

5,7 

III. 

)               » 

3,4 

IV. 

>               » 

3,9 

V. 

n         )> 

8,1 

VI. 

>>         11 

3,1 

Endlich  zeigt  diese  Versuchsreihe  noch,  dass  die  Natur  der  Pflanzen- 
species  auf  die  Menge  des  verdampften  Wassers  von  grösstem  Einflüsse 
ist.  Vergleicht  man  z.  B.   Nr.   V  mit  Nr.  III,   so  ergibt  sich  die  Wasser- 

42* 


330 

Verdampfung  bei  Nr.  V  fast  doppelt  so  gross,  als  bei  Nr.  III,    nämlich 
in  dem  Verhältnisse  von  66  :  35. 

Es  ist  hier  der  Ort,  nachträglich  noch  eines  Versuches  zu  erwähnen, 
welcher  zum  Zwecke  hatte,  die  Menge  des  verdampften  Wassers  auf 
besätem  und  unbesätem  Boden  durch  Messung  zu  bestimmen.  Zwei 
Gläser  von  gleichem  Inhalte  und  gleicher  Grösse  wurden  mit  zwei  nach 
unten  tellerförmig  ausgebogenen  Drahtgittern  bedeckt.  Jedes  der  beiden 
Drahtgitter  war  mit  35  Grmm.  trocknen  Torfpulvers  bestreut  und  auf 
letzteres  so  viel  destillirtes  Wasser  aufgegossen  worden,  bis  die  Wasser- 
oberfläche im  untenstehenden  Gefässe  das  Drahtgitter  berührte.  Die  ab- 
gelaufene Menge  betrug  in  jedem  der  beiden  Gläser  350  CC.  Das  eine 
Drahtgitter  wurde  mit  Kressensamen  besät.  Nach  6  Tagen  hatten  sich 
21  Pflanzen  entwickelt,  deren  Wurzeln  durch  das  Gitter  hindurchge- 
drungen mit  dem  Wasser  in  Berührung  standen.  Der  Versuch  hatte 
am  10.  März  begonnen;  am  18.  April,  da  die  Pflanzen  keine  weitere 
Entwicklung  zeigten,  wurde  das  Wasser  gemessen.  Die  Wassermenge 
betrug: 

I.  Unbesäter  Boden  291   CC. 
II.  Besäter  Boden       278     „ 

Hieraus  ergibt  sich  die  Menge  des  verdampften  Wassers : 
I.  Unbesäter  Boden   59   CC. 
II.   Besäter  Boden        72     „ 

Es  ist  aus  diesen  Zahlen  ersichtlich,  dass  die  Wasserverdampfung 
des  mit  Vegetation  bedeckten  Torfbodens  grösser  ist,  als  die  des  unbe- 
säten  und  zwar  (die  Verdampfungsmenge  des  unbesäten  Bodens  =  100 
gesetzt)  in  Verhältnisse  von  100  :  121,  was  mit  dem  S.  328  beschriebenen 
Versuche  (100:  116)  ziemlich  nahe  übereinstimmt. 

IV. 

Zu  den  folgenden  Versuchen,  resp.  Vegetations- Wasserverdunstungs- 
versuchen, wurden  die  beiden  S.323  näher  bezeichneten  Bodenarten,  nämlich 
ein  fetter  Thonboden  und  ein  humusreicher  Kalkboden  verwendet.  Nach- 
dem beide  Bodenarten  mehrere  Wochen  künstlich  getrocknet  worden 
waren,  ergab  die  Wasserbestimmung  des  Thonbodens   5  proc,  des  Kalk- 


331 

bodens  7  proc.  Die  Masse  der  beiden  Erdarten  wurde  hierauf,  jede 
für  sich  in  einem  geräumigen  Gefässe,  vor  dem  Einfüllen  in  die  einzelnen 
Kästen  mit  einer  entsprechenden  Menge  Wassers  benetzt,  um  den  Boden- 
raum in  den  Zustand  eines  gewöhnlichen  fruchtbaren  Ackers  zu  versetzen. 
In  diesem  für  die  Vegetation  vorbereiteten  Zustande  enthielt  der  Thon- 
boden  55  proc,  der  Kalkboden  57  proc.  Wasser.  Die  Erden  wurden 
nun  gleichmässig  in  12  mit  Zinkblech  ausgeschlagenen  Holzkästen  von 
gleicher  Grösse,  nämlich  von  lG'  Oberfläche  und  1'  Tiefe,  vertheilt  und 
mit  der  gleichen  Menge  Samen  besät.  Dieser  Versuch  umfasste  folgende 
Pfianzengattuugen:  I.  Weizen,  II.  Roggen,  III.  Hafer,  IV.  Gerste,  V.  Klee. 
Die  Körner  waren  aus  einer  grösseren  Menge  Samen  ausgesucht  und  bei  der 
Aussaat  das  Verhälfcniss  der  im  Betriebe  grösseren  landwirtschaftlichen 
üblichen  Menge,  nämlich  1  Schäffel  (2  bis  3  Centner)  auf  1  Tagwerk 
( 40,0000')  eingehalten  worden.  Auf  jeden  Kasten  waren  daher  von 
den  Cerealien  ä  2,5  Grmm.  gesät  worden,  von  dem  Kleesamen  die 
doppelte  Menge.  Die  Aussaat  war  am  21.  April  1866  vorgenommen 
worden.  Das  Begiessen  geschah  mit  destillirtem  Wasser  und  zwar  nach 
Bedürfniss  jeden  Tag  oder  nach  2  bis  3  Tagen.  Die  Menge  des  Begiessungs- 
wassers  war,  um  eine  möglichste  Gleichmässigkeit  zu  erzielen,  für  jeden 
Kasten  stets  dieselbe  und  wurde  jedesmal  notirt.  Es  ergab  sich  hieraus, 
wie  viel  Wasser  eine  Pflanzengattung  in  einer  Vegetationsperiode  erhalten 
hatte  und  durch  die  von  Zeit  zu  Zeit  vorgenommenen  Wägungen  die 
Verdunstung  des  Wassers  in  jedem  einzelnen  Falle.  Die  Angaben  der 
mittleren  Temperatur  sind  das  Resultat  von  drei,  täglich  Morgens,  Mittags 
und  Abends,  angestellten  Beobachtungen. 

Ich  kann  nicht  umhin ,  zu  bemerken ,  dass  ich  es  auf  Grund  sehr 
zahlreicher  früherer  Versuche  *)  in  dieser  und  ähnlicher  Richtung  geradezu 
für  unmöglich  halte,  bei  Vegetationsversuchen  in  kleinerem  Maassstabe, 
bei  theilweise  geschlossenem  Räume,  —  sie  mögen  mit  noch  so  grosser 
Sorgfalt  angestellt  sein ,  —  der  Vegetation ,  der  Cerealien  wenigstens, 
normale  Bedingungen  zu  erzielen.  Bei  derartigen  künstlichen  Vegetations- 
versuchen   wird    es    nie    gelingen ,    den    Einfluss    der    Ventilation ,    der 


1)  Die  Aufnahme  der  Kieselerde  durch  Vegetabilien.  1866. 


332 

Witterung  und  Insolation  den  natürlichen  Verhältnissen  auf  freiem  Felde 
ganz  gleich  zu  stellen.  Diess  hat  sich  denn  auch  im  Erfolge  dieser  Ver- 
suche herausgestellt.  Bei  den  Cerealien  zeigte  sich  zwar  eine  ziemlich 
üppige  Aehrenbildung,  aber  ein  wirklicher  Körnerertrag  im  Sinne  einer 
den  landwirtschaftlichen  Begriffen  entsprechenden  Ernte  konnte  nicht 
erzielt  werden.  Von  Anfang  August  begannen  die  Spitzen  der  die  Aehren 
begleitenden  Blätter  gelb  zu  werden  und  zu  vertrocknen ,  so  dass  von 
einer  ferneren  Aufnahme  von  Nahrungsstoffen  aus  dem  Boden  durch 
Vermittlung  des  Wassers,  so  wie  überhaupt  von  einer  weiteren  lebendigen 
Entwicklung  nicht  mehr  die  Rede  sein  konnte.  Besonders  die  Klee- 
pflanzen, obwohl  nicht  geradezu  vertrocknet,  zeigten  schon  von  Mitte 
Juli  an  keine  weitere  Entwicklung  und  begannen  gelb  zu  werden.  In 
wiefern  ein  von  der  völlig  gesunden  Entwicklung  in  mancher  Hinsicht 
etwas  abweichender  Zustand  der  hier  verwendeten  Pflanzen  auf  die  Menge 
der  Wasserverdunstung  von  Einfluss  sein  könnte,  möchte  wohl  schwierig 
auf  experimentellem  Wege  zu  entscheiden  sein.  Von  theoretischer  Seite 
aus  betrachtet  würde  aller  Wahrscheinlichkeit  nach  die  Wasserverdun- 
stung bei  völlig  normaler  Entwicklung  der  Pflanze,  wie  sie  meiner 
Ansicht  nach  nur  im  Freien  stattfinden  kann,  etwas  bedeutender  aus- 
fallen dürfen. 

Vor  der  Mittheilung  der  ei'haltenen  Versuchszahlen  in  tabellarischer 
F'jrm  mögen  nur  noch  einige  Bemerkungen  über  die  Entwicklungs- 
erscheinungen der  einzelnen  Pflanzen   vorausgeschickt  werden. 

Am  23.  April  hatte  der  Klee  zu  keimen  begonnen,  am  5.  Mai 
waren  die  Pflanzen  vollständig  entwickelt,  indess  kaum  2"  hoch.  Eine 
vollkommen  normale  üppige  Entwicklung  war  aber  während  der  ganzen 
Vegetationsperiode  mit  dem  Klee  nicht  zu  erzielen,  wahrscheinlich  weil 
die  Aussaat  nach  dem  oben  angegebenen  Verhältniss,  5,0  Grmm.  auf 
den  D' ,  für  diese  Kleesorte  etwas  zu  dicht  stattgefunden  hatte.  Die 
Blätter  waren  weit  kleiner,  als  bei  natürlich  im  Freien  gewachsenem 
Klee.  Hieraus  erklärt  sich  wohl  auch  die  verhältnissmässig  geringe 
Wasserverdunstung. 

Die  Keimentwicklung  der  4  Cerealien  lag  mit  ganz  geringen  Unter- 
schieden zwischen  dem  28.  April  und  2.  Mai.  Am  8.  Mai  hatten  die 
Pflanzen  im  Durchschnitte  sämmtlich  eine  Höhe  von   V2'  erreicht. 


333 

Der  leichteren  Uebersicht  wegen  sind  die  Resultate  der  einzelnen 
Wägungen  auf  den  Wasserverlust  von  24  Stunden  in  Grammen  berechnet 
und  in   der  folgenden  Tabelle  A  zusammengestellt  wurden. 


Tabelle    A. 
Mittlere  Wasserverdunstung  von    !□'  für  24  Stunden  in  Grammen. 


I. 

II. 

III. 

IV. 

- 

21.  April  bis  18.  Mai 

Mittlere  Temperatur 

11,2»  C. 

18.  Mai  bis   14.  Juni 

Mittlere  Temperatur 

15»  C. 

14.  Juni  bis  6.  Juli 

Mittlere  Temperatur 

18»  C. 

6.  Juli  bis  6.  August 

Mittlere  Temperatur 

16,2»C. 

A. 

Thon- 
boden. 

B. 

Kalk- 
boden. 

A.          B. 
Thon-    Kalk- 
boden,   boden. 

A. 

Thon- 
boden. 

B. 

Kalk- 
boden. 

A. 

Thon- 
boden. 

B. 

Kalk- 
boden. 

1)  Unbesäter  Boden 

2)  Klee     .... 

55 
75 

57 

80 

64 
168 

68 
198 

73 
210 

82 
219 

70 
212 
277 
271 
259 
236 

75 
217 

3)  Hafer  .... 

4)  Weizen 

5j  Roggen                 .  | 

6)  Gerste       .      .      .  : 

i 

109 
103 

98 
100 

114 
112 
110 
110 

189 
186 
182 
180 

198 
195 
190 

187 

225 
221 
216 
218 

230 
225 
222 
223 

301 
296 
290 
291 

In  der  folgenden  Tabelle  B  findet  sich  die  in   108  Vegetationstagen 
verdampfte  Wassermenge  eines  □'  der  besäten  und  unbesäten  Bodenarten     , 
zusammengestellt. 


334 


Tabelle    B. 

Wasserverdunstung  von   lD'  für   108  Vegetationstage  in  Grammen. 

Mittlere  Temperatur  vom   21.  April  bis   6.   August:     15,2°C. 


A. 

B. 

Thonboden. 

Kalkboden. 

1)  Unbesäter  Boden   . 

7044 

7561 

2)  Klee    

17828 

19299 

3)  Hafer       .... 

21692 

22919 

4)  Weizen     .... 

20169 

22627 

5)  Roggen    .... 

20439 

22084 

6)  Gerste      .... 

19772 

22056 

Endlich  ist  noch  in  Tabelle  C  die  für  lD'  in  den  Versuchen 
gefundene  Wasserverdunstung  für  1  Morgen  (40,000G')  in  Litern  be- 
rechnet worden. 

Tabelle    C. 

Wasserverdunstung  von  1  Morg.  (40,000n')für  108  Vegetationstage  in  Litern. 

Mittlere  Temperatur  vom  21.   April  bis   6.   August:     15,2°C. 


A. 

B. 

Tbonboden. 

Kalkboden. 

1)  Unbesäter  Boden    . 

280,000 

300,000 

2)  Klee    

712,000 

772,000 

3)  Hafer       .... 

860,000 

920,000 

4)  Weizen     .... 

804,000 

900,000 

5)  Roggen    .... 

816,000 

880,000 

6)  Gerste     .... 

788,000 

880,000 

335 

Als  Resultat  dieser  Versuchsreihe  ergibt  sich  zunächst,  dass  in  der 
Wasserverdunstung  zwischen  den  4  Cerealien  :  Hafer,  Weizen,  Roggen,  Gerste, 
kein  wesentlicher  Unterschied  stattfinde.  Hafer  ist  offenbar  unter  den 
hier  zum  Versuche  verwendeten  Pflanzen  diejenige ,  welche  am  meisten 
Wasser  verdampft,  daher  am  meisten  Feuchtigkeit  bedarf.  Durch  alle 
Versuche,  ohne  Ausnahme,  ist  ersichtlich,  dass  die  Verdampfung  von 
dem  Kalkboden  aus  geringer  ist,  als  vom  Thonboden,  wie  diess  schon 
früher  S.  324  gezeigt  worden  ist.  Dass  das  Verhältniss  der  Wasserver- 
dampfungsunterschiede  in  beiden  Versuchsreihen  nicht  genau  überein- 
stimmt, findet  wohl  darin  seine  Erklärung,  dass  die  erste  Versuchsreihe 
bei  einer  weit  höheren  Durchschnittstemperatur,  als  letztere  vorgenommen 
worden  ist.  Was  endlich  den  Klee  anbelangt,  so  glaube  ich,  wie  schon 
oben  bemerkt,  dass  bei  seiner  in  diesem  Versuche  von  dem  normalen 
Zustande  abweichenden  Entwicklung  die  gefundenen  Versuchszahlen  zu 
niedrig  sind  und  daher  kein  klares  Bild  von  der  Wasserverdampfung, 
resp.  von  dem  Wasserbedarfe  eines  Kleefeldes  im  Vergleiche  zu  einem 
mit  Cerealien  besäten  Acker  zu  liefern  im  Stande  sind. 

Berechnet  man  mit  Zugrundelegung  der  für  die  4  Cerealien  erhal- 
tenen Versuchszahlen  (3,   4,   5,   6,  Tabelle  C)  die  durchschnittliche  Wasser- 
verdunstung  in    108  Vegetationstagen    eines    Morgens    auf  die    Wasser- 
verdunstung eines  □'  mit  Cerealien  bewachsenen  Landes,   so  ergibt  sich: 
A.  B. 

Thonboden  Kalkboden 

20,4  Liter  22,4  Liter 

d.h.  lD'  Thonboden  mit  Cerealien  bewachsen,  bedarf  täglich  188  Grmm. 
Wasser,  lDy  Kalkboden  mit  Cerealien  bewachsen,  bedarf  täglich  207  Grmm. 
Wasser. 

Ich  kann  diese  aus  meinen  Versuchen  gezogenen  Resultate  nicht 
verlassen,  ohne  zum  Schlüsse  eine  Bestätigung,  welche  ihrer  Richtigkeit 
von  einer  ganz  anderen  Seite  zu  Theil  geworden,  hier  noch  anzuführen. 
Nachdem  nämlich  die  Versuchsreihe  abgeschlossen  war,  versuchte  ich 
es,  von  rein  praktischer  Seite  über  diesen  Gegenstand  einigermassen 
Aufschluss  zu  erhalten  und  benützte  dazu  die  Erfahrung  eines  im  land- 
wirtschaftlichen Betriebe  ergrauten  durch  Intelligenz  ausgezeichneten 
Vorarbeiters  eines  Landgutes.  Auf  die  gestellte  Frage,  wie  viel  nach 
Abh.  d.  II.  Cl.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  X.Bd.  II.  Abth.  4  3 


336 

seiner  Meinung  ein  mit  Cerealien  bebauter  Acker  zum  Gedeihen  Wasser 
bedürfe,  bat  er  sich  einige  Tage  Bedenkzeit  aus  und  kam  dann  mit  der 
ganz  bestimmten  und  entschiedenen  Antwort  hervor,  ,,dass  auf  20Ö'  Ve- 
getationsland zum  guten  Wachsen  (wie  er  sich  ausdrückte)  täglich  3 
bis  4  Liter  Wasser  treffen  dürften."  Diess  entspricht  insoferne  meinen 
Versuchen,  als  nach  denselben  für  2f)D'  Thonboden  mit  Cerealien  be- 
wachsen 3,76  Liter,  auf  20Ö'  Kalkboden  mit  Cerealien  bewachsen 
4,14  Liter  täglich  kommen.  Da  der  Befragte  von  den  Resultaten  meiner 
Versuche,  weder  Kenntniss  noch  Verständniss  hatte,  so  gereichte  es  mir 
zur  überraschenden  Genugthuung,  eine  solche  gewiss  nicht  zufällige 
Uebereinstimmung  meiner  Resultate  mit  einer  mehr  als  fünfzigjährigen 
Erfahrung  zu  finden. 

Als  Ergänzung  zu  dieser  Versuchsreihe  will  ich  noch  einer  Beob- 
achtung Erwähnung  thun,  welche  nach  meinem  Dafürhalten  zur.  Auf- 
klärung der  Wasserverdampfungsfrage  durch  Vegetabilien  einen  Beitrag 
zu  liefern  im   Stande  ist. 

Drei  zusammenhängende  Haferpflanzen  1  '/V  hoch  auf  freiem  Felde 
gewachsen,  wurden  mit  den  Wurzeln  und  der  daranhaftenden  Erde  in 
eine  zur  Hälfte  mit  Wasser  gefüllte  Flasche  gebracht  und  deren  enge 
Oeffnung  um  die  herausragenden  Pflanzen  herum  mit  Baumwolle  mög- 
lichst hermetisch  verstopft.  Die  Flasche  mit  den  Pflanzen  stand  am 
offenen  Fenster  vom  2.  bis  18.  Mai.  Die  mittlere  Temperatur  betrug 
während  dieser  Zeit  14°  C.  Die  Wägung  geschah  täglich  des  Morgens 
und  es  ergab  sich  eine  durch  Wasserverdunstung  bedingte  Gewichts- 
abnahme in  den  16  Versuchstagen  von  57,6  Grmm.,  d.  i.  für  eine  Hafer- 
pflanze 1,46  Grmm.  durchschnittlich  in  24  Stunden.  Am  11.  Mai  war  an 
den  drei  Pflanzen  vollkommene  Aehrenbildung  eingetreten,  am  18.  Mai 
zeigte  sich  an  den  Spitzen  Vertrocknung,  weshalb  der  Versuch  nicht 
weiter  fortgesetzt  werden  konnte.  Es  ergibt  sich  indess  hieraus,  dass 
die  einzelne  Haferpflanze  während  der  Periode  der  Aehrenbildung  täglich 
ungefähr  1,4  Grmm.  Wasser  verdunstet.  Nach  zahlreichen  Untersuchungen 
stehen  auf  lD'  Feld  circa  100  Haferpflanzen,  welche  somit  per  Tag 
140  Grmm.  verdampfen  würden  oder  per  Morgen  in  108  Vegetations- 
tagen 604,800  Liter,  in  runder  Zahl  600,000  Liter.  Diess  stimmt  mit 
den  früher  mitgetheilten  Versuchen   sehr  nahe  überein,  nach  welchen  8 


337 


bis  900,000  Liter  sich  ergeben  haben.  Aus  der  S.  323  aufgeführten 
Versuchsreihe  geht  hervor,  dass  die  Wasserverdanipfuug  aus  einem  Ge- 
fässe  mit  verhältnissmässig  kleiner  Üeffnung  verschwindend  gering  ist; 
da  nun  überdiess  hier  die  von  den  Pflanzen  gelassenen  Zwischenräume 
möglichst  verschlossen  waren,  so  dürfte  wohl  die  gefundene  Zahl  der 
Wasserverdunstung  ausschliesslich  auf  Rechnung  der  lebenden  Pflanze 
zu  schreiben  sein.  Das  Plus  der  Mehrverdampfung  in  der  Versuchsreihe 
S.  329  erklärt  sich  offenbar  aus  der  von  den  vegetationslosen  Boden- 
räumen ausgehenden  Verdampfung.  Die  Tabelle  A.  S.  333  zeigt,  dass 
die  Wasserverdampfung  in  den  einzelnen  Vegetationsperioden  eine  etwas 
verschiedene  ist.  Somit  kann  es  eigentlich  nicht  mit  vollem  Rechte 
gestattet  sein,  die  einzelne  Vegetationsperiode  (2.  bis  18.  Mai)  der  Be- 
rechnung von  108  Versuchstagen  zu  Grunde  zu  legen.  Ich  habe  dess- 
halb  im  darauffolgenden  Jahre  die  Versuche  in  der  Art  wiederholt,  dass 
die  4  Cerealien  zu  drei  verschiedenen  gleichzeitlichen  Perioden  aus  dem 
Boden  genommen  und  in  enghalsigen  Gefässen  mit  Wasser  der  Beob- 
achtung unterstellt  wurden;  die  einzelne  Beobachtungsperiode  wurde 
stets  so  lange  ausgedehnt,  bis  die  im  Wassergefässe  befindliche  Pflanze 
hinter  der  im  Freien  stehenden  Vegetation  wesentlich  und  überein- 
stimmend zurückgeblieben  war.  Die  Fortsetzung  des  Versuches  geschah 
alsdann  mit  neuen ,  dem  Boden  entnommenen ,  im  Freien  gewachsenen 
Pflanzen,  die  zum  Versuche  dienenden  Pflanzen  waren  nahegelegenen 
Ackerfeldern  entnommen. 

In    der    folgenden  Tabelle    finden    sich    die  Resultate    der    einzelnen 
Wägungen   zusammengestellt. 


Tabelle  D. 


r. 


6  Pflanzen 

6.  Mai  bis  2.  Juni 
117,6  Grmrn. 


Wasserverdanipfuug  der  einzelueu  Pflanze 

A.    Hafer. 

III. 

4  Pflanzen 

18.  Juni  bis  12  Juli 


II. 

3  Pflanzen 

2.  Juni  bis  18.  Juni 
74,46  Grmm. 


1  Pflanze  per  Tag  j  ]  Pflanze  per  Tag 


0,7  Grmni. 

1  Pflanze  in  28  Tg. 
19,6  Grmm. 


1,46  Grmm. 

1  Pflanze  in  17  Tg. 
24,82  Grmm. 


92,0  Grmm. 

1  Pflanze  per  Tag 
1,12  Grmm. 

1  Pflanze  in  25  Tg. 
28,0  Grmm. 


Wasserverdampfung   einer  Hafer- 
pflanze in  einer  Vegetationsperiode 
von  70  Tagen: 
72,42  Grmm. 


Wasserverdampfung  eines  Morgens 

Haferfeldes : 

290,000  Liter. 

43* 


338 


I. 

5  Pflanzen 
105,0  Grmm. 

1  Pflanze  per  Tag 
0,65  Grram. 

1  Pflanze  in  28  Tg. 
19,2  Grmm. 


I. 

4  Pflanzen 
71,68  Grmm. 

1  Pflanze  per  Tag 
0,61  Grmm. 

1  Pflanze  in  28  Tg. 
17,08  Grmm. 


IL 

3  Pflanzen 
66,3  Grmm. 


B.    Weizen. 
III. 

2  Pflanzen 
54,5  Grmm. 


1  Pflanze  per  Tag 


1,3  Grmm. 

1  Pflanze  in  17  Tg. 
22,1  Grmm. 


II. 

3  Pflanzen 
65,6  Grram. 


1  Pflanze  per  Tag 


1,09  Grmm. 

1  Pflanze  in  25  Tg. 
27,2  Grmm. 

C.    Roggen. 
III. 


1  Pflanze  per  Tag 
1,27  Grmm. 


3  Pflanzen 

82,5  Grmm. 

1  Pflanze  per  Tag 
1,1  Grmm. 


1  Pflanze  in  1 7  Tg.  1  Pflanze  in  25  Tg. 
21,59  Grmm.  27,5  Grmm. 


5  Pflanzen 
87,12  Grmm. 

1  Pflanze  per  Tag 
0,6  Grmm. 

1  Pflanze  in  2  8  Tg, 
17,4  Grmm. 


IL 

3  Pflanzen 
63,75  Grmm. 


D.    Gerste. 
III. 

3  Pflanzen 
71,25  Grmm. 


1  Pflanze  per  Tag    1  Pflanze  per  Tag 
1,25  Grmm.  0,95  Grmm. 


1  Pflanze  in  17  Tg. 
21,25  Grmm. 


1  Pflanze  in  25  Tg, 
23,75  Grmm. 


Wasserverdampfung  einer  Weizen- 
pflanze in  einer  Vegetationsperiode 
von  70  Tagen : 
68,5  Grmm. 

Wasserverdampfung  eines  Morgens 
Weizenfeldes : 
277,000  Liter. 


Wasserverdampfung  einer  Roggen- 
ptianze  in  einer  Vegetationsperiode 

von  70  Tagen: 

66,17  Grmm. 

Wasserverdampfung  eines  Morgens 
Eoggenfeldes : 
260,000  Liter. 


Wasserverdampfung  einer  Gersten- 
pflanze in  einer  Vegetationsperiode 
von  70  Tagen : 
62,4  Grmm. 

Wasserverdampfung  eines  Morgens 
Gerstenfeldes : 
250,000  Liter. 


Man  erkennt  zunächst  aus  dieser  Zusammenstellung  der  Versuchs- 
zahlen, dass  die  Zugrundelegung  der  für  eine  einzelne  kürzere  Vege- 
tationsperiode gefundenen  Wasserverdampfungsmenge  wie  diess  S.  33G 
(2.  bis  18.  Mai)  geschehen  ist,  etwas  zu  hohe  Resultate  ergibt;  es  war 
entschieden  nothwendig,  die  Beobachtungen  über  eine  längere  Vegetations- 
periode und  zwar  stets  mit  erneuten  Pflanzen  auszudehnen,   wie  diess  in 


339 

der  zuletzt  beschriebenen  Versuchsreihe  stattgefunden  hat.  In  dieser 
Weise  aber  gewährt  nach  meinem  Dafürhalten  der  Versuch  ein  anschau- 
liches Bild  von  der  durch  die  Pflanze  selbst  mit  Ausschluss  des  Bodens 
bewirkten   Wasserverdampfung'. 

Ferner  ergibt  sich  aus  der  Betrachtung  der  Resultate,  dass  zwischen 
den  Cerealien  in  Betreff  der  Wasserverdampfung  allerdings  ein  Unter- 
schied,  wenn  auch  kein  wesentlicher  stattfindet,  wie  diess  zum  Theil 
bereits  die  S.  335  zusammengestellten  Versuche  gezeigt  haben.  Bei  der 
Berechnung  der  Wasserverdampfung  auf  einen  Morgen  Getreidefeld 
musste  natürlich  von  einer  bestimmten  Anzahl  Pflanzen  auf  lD'  aus- 
gegangen werden.  Für  Hafer  kann  ich,  wie  schon  oben  angegeben, 
mit  ziemlicher  Bestimmtheit  die  auf  lD'  stehende  Pflanzenmenge  durch- 
schnittlich auf  meinen  Beobachtungsfeldern  wenigstens  nur  mit  geringen 
Schwankungen  zu  100  festsetzen;  das  Gleiche  ist  der  Fall  mit  Gerste. 
Weizen  und  Roggen  dagegen  dürften  bei  gleicher  Aussaat  wohl  etwas 
dichter  stehen,  da  bekanntlich  das  Weizenkorn  6  bis  7  Halme,  das  Hafer- 
korn 3 ,  niemals  über  4  Halme  treibt.  Da  aber  bei  der  Aussaat  diesen 
Verhältnissen  in  der  landwirtschaftlichen  Praxis  Rechnung  getragen 
wird,  so  dürfte  bei  der  Annahme  von  100  Pflanzen  per  □'  auch  für 
die  übrigen  Cerealien  keine  wesentliche  Abweichung  von  der  Wahrheit 
im  Allgemeinen  bedingt  werden.  Selbstverständlich  können  diese  Zahlen- 
angaben nur  als  Anhaltspunkte  für  die  Praxis  im  grösseren  Maasstabe 
dienen  unter  der  Voraussetzung  einer  verhältnissmässig  gleichdichten 
Bestellung  des  Feldes,  wie  (^enn  überhaupt  letztere  Angaben  sich  speciell 
auf  meine  Versuchsfelder  beziehen. 

Endlich  ist  es  auch  noch  versucht  worden,  die  Wasserverdampfung 
des  Laub-  und  Nadelholzes  nach  dieser  Weise  in  den  Kreis  der  Beob- 
achtung zu  ziehen.  Nach  zahlreichen  Erfahrungen  in  dieser  Richtung 
scheint  es  keinen  anderen  Weg  zu  geben,  als  einen  einzelnen  Baum  mit 
der  Wurzel  und  einer  bestimmten  Blätter-  oder  Aesteanzahl  zum  Gegen- 
stande der  Beobachtung  zu  machen,  um  von  hier  aus  auf  eine  grössere 
Waldstrecke  wenigstens  einen  annähernden  Schluss  zu  ziehen.  Allerdings 
können  der  Natur  der  Sache  nach  nur  verhältnissmässig  kleine  Bäume 
von  geringem  Umfange  hiezu  angewendet  werden ,  dafür  gestattet  aber 
auch    dieses  Verfahren    absolut   genaue  Wägungen ,    so    dass    der  Fehler 


340 

nur  auf  der  Uebertragung  dieser  Verhältnisse  auf  den  grösseren  Maas- 
stab beruhen  kann.  Zugleich  ist  die  Verdampfung  des  Bodens  nach 
dieser  Methode  gänzlich  ausgeschlossen;  die  gefundenen  Resultate  be- 
ziehen sich  somit  nur  auf  die  von  den  Blättern,  im-  anderen  Falle  von 
den  Nadeln  ausgehende  Wasserverdampfung.  Endlich  ist  nach  dieser 
Untersuchungsweise  auch  noch  ein  öfterer  Wechsel  des  Baumes  gestattet, 
so  dass  also  die  Beobachtung  sich  nicht  nur  auf  wenige  Wochen,  sondern 
auf  längere  Vegetationsperioden  des  im  frischen  Zustande  befindlichen 
Untersuchungsobjektes  erstrecken. 

Zum  Gegenstände  der  Beobachtung  sind  die  beiden  Hauptrepräsen- 
tanten des  Laub-  und  Nadelholzes,  — -  die  Buche  (Fagus  sylvatica)  und 
die  Fichte  (Abies  excelsa)  —  gewählt  worden.  Was  die  Ausführung  des 
Versuches  selbst  betrifft .  so  fand  diese  ganz  nach  dem  S.  336  mitge- 
theilten  Verfahren  statt,  welches  bei  Beobachtung  der  einzelnen  Cerealien- 
pflanzen  versucht  worden  war.  Die  frisch  dem  Walde  entnommenen 
Bäume  wurden  mit  der  Wurzel  und  anhängender  Erde  in  eine  Flasche 
gebracht,  deren  Boden '  mit  derselben  Walderde  und  Wasser  bedeckt 
war.  Der  Verschluss  der  Mündung  geschah  auf  das  Sorgfältigste.  Sobald 
an  den  Blättern  des  Laubholzes  sich  Spuren  der  Verwelkung  zeigten 
oder  von  der  Fichte  die  Nadeln  bei  leiser  Berührung  abfielen ,  so  dass 
also  die  Bäume  nicht  mehr  als  lebensfähig  zu  betrachten  waren,  wurden 
sie  mit  neuen  Exemplaren,  möglichst  von  gleicher  Grösse  und  gleichem 
Umfange  demselben  Walde  entnommen  vertauscht.  Dieser  Zeitpunkt 
pflegte  bei  der  Buche  gewöhnlich  nach  3  Wochen,  bei  der  Fichte  schon 
etwas  früher  einzutreten.  In  dieser  Weise  sind  die  Versuche  vom  2.  Mai 
bis  25.  September  mit  geringen  Unterbrechungen  fortgesetzt  worden. 
Die  zum  Versuche  verwendeten  Buchen  trugen  60  bis  70  ausgebildete 
Blätter,  die  Fichten   6   Seitenzweige  ä   xji '  lang. 

Als  Resultat  der  Wägungen,  deren  Einzelnheiten  ich  hier  als  uner- 
heblich der  Kürze  wegen  übergehen  darf,  hat  sich  die  Wasserverdam- 
pfung der  Buche  im  Durchschnitte  täglich,  d.  h.  in  24  Stunden,  zu 
15  Grmm.,  der  Fichte  zu  12  Grmm.  ergeben.  Man  kann  hiernach  wenig- 
stens auf  das  Bestimmteste  annehmen,  dass  die  Wasserverdampfung  des 
Laubholzes  zum  Nadelholze  im  Verhältnisse  von  5  :  4  stehe.  Um  aber 
neben    diesem    sicheren  Resultate    aus    den  Versuchen    einen  Schluss  auf 


die  Wasserdampfung  von  einer  grösseren  Waldoberfläche  zu  ziehen ,  ist 
es  unerlässlich ,  auf  die  Verhältnisse  des  forstlichen  Betriebes  der 
Wälder,  welchen  die  Versuchsexemplare  entnommen  sind,  im  Allgemeinen 
einzugehen. 

Für  die  hier  in  Betracht  kommenden  Waldungen  findet  durchgängig 
ein  144 jähriger  Betrieb  statt.  Nach  eigenen  Erhebungen  und  den  mir 
vom  kgl.  Forstbureau  zur  Disposition  gestellten  genau  geführten  Listen 
einer  grossen  Anzahl  von  Revieren  stellt  sich  in  Beziehung  der  Baum- 
zahl eines  Morgens  Waldes  (40,000D')  folgendes  Resultat  heraus. 

A.  Buchenwaldung. 

1)  144 jähriger  Betrieb:      180   bis      190  Stämme. 

2)  117        „  „  504      „       510        „ 

3)  108        „  „  420     -„       430 

4)  78        „  „  603     „       620        „ 

5)  20        „  „  2350      „     3000        „ 

6)  4  Jahre  nach  der  Aussaat:    10  bis   12,000  Pflanzen. 

7)  1   Jahr       ,,         ,,  „  circa  40,000  ,, 

B.  Fichtenwaldung. 

1)  144jähriger  Betrieb:      228  bis      235  Stämme. 

2)  120        „  „  .  246      „       254 

3)  108        „  „  260     „       280 

4)  90        „  „  428     „       436        „ 

5)  20        „  „  1926     „     2000        „ 

6)  4  Jahre   nach  der  Aussaat:   9   bis   10,000  Pflanzen. 

7)  1   Jahr       „         ,,  „  circa  40,000  „ 

Die  zu  den  beschriebenen  Versuchen  verwendeten  Bäume  waren 
Waldungen  von  dem  Stande  A.  6  und  B.  6  entnommen,  wobei  indess 
zu  bemerken  ist,  dass  der  Stand  7  nicht  von  selbst  in  den  Stand  6 
übergeht,  wozu  ohne  Hülfe  ein  Zeitraum  von  vielleicht  10  Jahren  nöthig 
wäre,  sondern  dass  der  Stand  6  durch  Versetzen  der  zweijährigen 
Pflanzen  erreicht  worden  ist. 

Nehmen  wir  nun  in  runder  Summe  die  Anzahl  der  Bäume  in  einer 
Buchenwaldung  auf  einem  Morgen  zu   12,000,  in  einer  Fichtenwaldung 


342 

zu  10,000  Stück  Pflanzen  an,  so  ergibt  sich,  dass  ein  Morgen  Buchen- 
waldung bezeichneten  Standes  in  5  Monaten  27,000  Liter,  ein  Morgen 
Fichtenwaldung  desselben  Standes  in  f>  Monaten  18,000  Liter  Wasser 
verdampfen  würde. 

Vergleicht  man  diese  Resultate  mit  den  auf  Getreidefeldern  in  dieser 
Beziehung  erhaltenen ,  so  ergibt  sich  ein  überaus  grosser  Unterschied. 
Es  bestätigt  sich  hiedurch  die  hohe  Bedeutung  der  Wälder  für  die  An- 
sammlung und  dauernde  Erhaltung  von  Feuchtigkeit. 

Selbstverständlich  können  sich  die  Resultate  nur  auf  einen  Morgen 
Waldung  von  dem  angegebenen  Stande  beziehen.  Ob  man,  ohne  einen 
grossen  Fehler  zu  begehen,  diese  Zahlen  auch  für  Waldungen  von  län- 
gerem Betriebe  mutatis  mutandis  annehmen  dürfe,  —  wobei  durch 
Verminderung  der  Stämmeanzahl  die  Höhe  des  Baumes  und  der  Umfang 
seiner  Krone  zunimmt,  —  vermag  ich  vorläufig  mit  Sicherheit  nicht  zu 
entscheiden. 

Ich  kann  nicht  umhin,  hier  noch  einer  Versuchsreihe  Erwähnung 
zu  thun,  welche  von  dieser  Arbeit  unabhängig  von  meinem  Freunde 
Dr.  W.  Fleischmann ])  ausgeführt  auf  anderem  Wege  eine  Bestätigung 
meiner  vorstehenden  Angaben  zu  liefern  im  Stande  sein  dürfte.  Die 
Versuche  betreffen  ausschliesslich  die  Hopfenpflanze.  Die  Ranken  eines 
Hopfenstockes  wurden ,  nachdem  das  Erdhäufchen  über  der  Wurzel 
beseitigt  war,  hart  am  Boden  mit  schiefem  Schnitte  abgeschnitten,  rasch 
durch  bereit  gehaltene  durchbohrte  Korkstöpsel  geführt  und  in  Glas- 
kolben bis  zu  einer  Marke  mit  Wasser  gefüllt  gesetzt.  Hierauf  wurden 
die  Korke  an  den  Ranken,  welche  auf  dem  Boden  der  Gläser  aufstanden, 
heruntergeschoben ,  auf  den  Gläsern  befestigt  und  die  Zwischenräume 
zwischen  Ranken  und  Kork  fest  mit  Baumwolle  verstopft.  Nachdem 
alles  in  beschriebener  Weise  vorbereitet  war,  überdeckte  man  die  Gläser 
mit  der  vorher  weggeschafften  Erde  wieder  vollständig.  Die  einzelnen 
Ranken  fingen  an  zu  saugen  und  das  aufgesogene  Wasser  wurde  mittelst 
einer  Bürette  von  Zeit  zu  Zeit  wieder  ersetzt.  Als  Resultat  ergab  sich, 
dass  die  3   Ranken  des  Hopfenstockes  während  6  Stunden  bei  heiterem 


1)   F.  Nobbe's  landw    Versuchsstationen.     Bd.  IX.     S.   178.     1867. 


343 

Wetter  nahezu  1  Liter  in  sich  aufgenommen  hatten.  Diese  Wasserauf- 
nahme ist  natürlich  eine  viel  geringere  bei  Regenwetter,  indem  in 
diesem  Falle  die  wasserleitenden  Theile  der  Ranken  mit  Wasser  gesättigt 
waren  und  somit  ein  Stocken  des  Saftes  stattfand.  Wir  dürfen  daher, 
um  beiläufig  die  Wassermenge,  welche  ein  Hopfenfeld  während  einer 
längeren  Vegetationsperiode  verdunstet,  festzustellen,  die  erhaltenen  Zahlen 
nicht  unbedingt  zu  Grunde  legen.  Nach  angestellten  Berechnungen  beträgt 
die  Verdunstungsfläche  einer  völlig  entwickelten  Hopfenpflanze  1 1  □  M. 
Der  wechselnden  Witterung  während  eines  Sommermonates  Rechnung 
tragend  und  unter  der  Annahme,  dass  während  der  Nacht  keine  Ver- 
dunstung stattfinde,  kann  wohl  die  Wasserverdunstung  einer  Hopfen- 
pflanze von  3  Ranken  für  12  Stunden  in  runder  Summe  zu  1  Liter 
festgestellt  werden.  Von  einem  Morgen  Landes,  auf  welchem  1600  Hopfen- 
stöcke stehen,  würden  demnach  in  einer  Vegetationsperiode  von  3  Monaten 
circa   150,000  Liter  Wasser  verdampft  werden. 

Berücksichtigt  man,  dass  die  von  dem  Boden  ausgehende  Wasser- 
verdampfung ausgeschlossen  ist,  dass  ferner  die  hier  beschriebenen 
Versuche  sich  auf  eine  von  den  Wurzeln  getrennte  Pflanze  beziehen, 
wodurch  eine  wesentliche  Verringerung  in  der  Wasseraufnahme  und 
somit  in  der  Wasserverdunstung  noth wendig  bedingt  erscheint,  so 
stimmen  im  Allgemeinen  diese  Resultate  mit  meinen  früher  angegebenen, 
wie  ich  sie  bei  den   Cerealien  erhalten  habe,   sehr  wohl  überein. 

V. 

Es  ist  nicht  zu  verkennen,  dass  die  bisher  mitgetheilten  Versuche 
in  Kästen ,  wenngleich  von  ziemlich  umfangreichen  Dimensionen ,  der 
Vegetation  nicht  die  vollkommen  normalen  Bedingungen  des  freien  Feldes 
gewähren  konnten.  Vor  Allem  ist  zu  berücksichtigen,  dass  obschon  die 
meisten  der  erwähnten  Versuche  nicht  in  geschlossenen  Räumen ,  son- 
dern am  offenen  Fenster  ausgeführt  sind,  doch  immerhin  nur  ein  verhältniss- 
mässig  beschränkter  Luftzutritt  stattfand,  —  wesentlich  abweichend  von 
dem  Einflüsse  der  Ventilation,  welchem  die  Pflanze  auf  freiem  Felde 
unterliegt.  Aehnlich  ist  der  Fall  bei  den  Versuchen,  welche  die  Wasser- 
verdampfung von  einer  einzelnen  Pflanze  ausgehend  zum  Zwecke  hatten. 
Somit  schien  es  wünschenswerth ,  meine  Beobachtungen  auf  das  freie 
Abh.  d.  II.  Cl.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  X.  Bd.  II.  Abth.  44 


344 

Feld  auszudehnen,  um  auch  hier  wenigstens  annähernd  die  Wassermenge 
zu  bestimmen,  welche  von  einer  mit  Cerealien ,  mit  Wiese  u.  s.  w. 
bewachsenen  Oberfläche    in    einem    gewissen  Zeiträume  verdampft    wird. 

Es  sind  sehr  zahlreiche  Versuche  angestellt  worden,  um  durch 
Aushebung  verschieden  bewachsener  Bodenarten  und  von  Zeit  zu  Zeit 
wiederholte  Wägungen  u.  s.  w.  auch  den  Verhältnissen  im  Freien  Rech- 
nung zu  tragen,  sie  alle  haben  mich  überzeugt,  dass  auf  diesem  Wege 
durchaus  kein  Resultat  zu  erzielen  ist.  Das  Ausstechen  einer  gemessenen 
Bodenfläche  in  gewisser  Tiefe,  wenn  auch,  was  natürlich  der  günstigste 
Fall  ist,  nur  eine  compakte  Wiese  hiezu  benutzt  wird,  das  Wiederein- 
setzen des  Stückes  in  einem  Tuche  oder  Drahtgitter  eingeschlossen  u.  s.  w., 
ist  mit  so  grossen  Destruktionen  der  Vegetation  und  überhaupt  mit 
derartigen  Verlusten  und  Hindernissen  verbunden,  dass  von  der  Erlangung 
nur  einigermassen  zuverlässiger  Resultate,  nach  meinen  bisherigen  Er- 
fahrungen wenigstens,   keine  Rede  sein  kann. 

Ich  habe  es  versucht,  ein  von  der  direkten  Wägung  gänzlich  ver- 
schiedenes Princip  in  die  Behandlung  dieses  Gegenstandes  einzuführen; 
der  Weg,  den  ich  mit  einiger  Aussicht  auf  Krfolg  angebahnt  zu  haben 
glaube,  ist  das  System  der  Hygrometrie  und  Atmidometrie. 

Die  Methoden  der  Hygrometrie  gehen  bekanntlich  darauf  hinaus,  die 
Quantität  des  Wassergehaltes  der  Atmosphäre  absolut  oder  relativ  zu 
bestimmen.  Durch  diese  Versuche  erhält  man  aber  stets  nur  Werthe, 
welche  lediglich  den  Zeitraum  der  Beobachtung  selbst  umfassen,  so  dass 
erst  mit  Durchschnittsberechnungen  einer  grösseren  Anzahl  einzelner 
Beobachtungen  ein  für  grössere  Zeiträume  geltendes  Resultat  erzielt 
werden  kann.  Da  es  sich  bei  meinen  Versuchsreihen  darum  handelte, 
die  Menge  von  einer  Bodenfläche  verdampften  Wassers  für  längere  Perioden 
in  ihren  Wechselbeziehungen  aufzufassen ,  so  konnte  diese  Methode  der 
Hygrometrie  selbstverständlich  immerhin  nur  Resultate  von  sekundärer 
Bedeutung  ergeben.  Dass  indess  in  dem  Wassergehalte  der  Atmosphäre 
Unterschiede  stattfinden  je  nachdem  die  Luft  in  Betreff  ihres  Feuchtig- 
keitgrades auf  einem  bewachsenen  oder  vegetationslosen  Felde  untersucht 
wird,  zeigt  sich  durch  folgende  mit  dem  bekannten  August'schen  Hygro- 
meter auf  verschiedenen  Feldern  vorgenommenen  Beobachtungen. 

In  Betreff  des  Instrumentes  ist  noch  zu  bemerken,    dass  ich  mich 


345 

bei  allen  meinen  zahlreichen  Versuchen  ausschliesslich  der  Psychrometer 
nach  der  Lamont'schen  Modifikation  bedient  habe.  Diese  Einrichtung 
besteht  darin,  dass  neben  den  beiden  Thermometerskalen  noch  2  Skalen 
aufgetragen  sind  nach  der  Formel 

F  — 0,000892  (t  —  t')  6, 
so  dass  man  nur  die  Ablesung  des  feuchten  Thermometers  von  der 
Ablesung  des  trocknen  abzuziehen  hat,  um  den  Dunstdruck  zu  erhalten. 
Der  Beobachter  ist  dadurch  in  den  Stand  gesetzt,  den  Druck  der  in 
der  Luft  enthaltenen  Wasserdünste  unmittelbar  ohne  Hülfe  von  Tabellen 
anzugeben,  —  ein  Vortheil,  der  namentlich  bei  so  zahlreichen  und  gleich- 
zeitigen Versuchen  sehr  hervorgehoben  zu  werden  verdient.  Die  Berech- 
nung der  Dunstsättigung,  sowie  der  Dunstmenge,  d.  i.  der  absoluten 
Feuchtigkeitsmenge  in  1  rheinländischer  Cub'  nach  Lothen  ist  aus  dem 
Dunstdruck  nach  den  bekannten  Formeln  vorgenommen   worden. 

Zu  diesen  Versuchen  erscheint  wohl  nicht  leicht  eiu  Flächenraum 
geeigneter,  als  ein  Torffeld,  welches  theil weise  cultivirt  und  bebaut  oder 
brachliegend,  theils  nur  für  den  Wiesenbau  entwässert,  theils  ganz 
uncultivirt,  in  solcher  Weise  Oberflächen  von  den  verschiedensten  Be- 
schaffenheiten   in    nicht   zu   grosser  Entfernung    von  einander  darbietet. 

Die  hygrometrischen  Beobachtungen  umfassen  folgende  vier  ungefähr 
V-2  Stunde  von  einander  entfernt  liegende  Versuchsfelder: 

1)  Ein  Haferfeld  (cultivirtes  Wiesenmoor). 

2)  Eine  Wiese  (entwässertes  Wiesenmoor). 

3)  Ein  brachliegender  Acker,  welcher  im  vorhergehenden  Jahre 
Hafer  getragen  und  umgeackert  worden  (cultivirtes  Wiesen- 
moor). 

4)  Ein  Torfwiesenmoor  mit  Typha  bewachsen,  sumpfig. 

5)  Ein  Kleefeld. 

Die  .Beobachtungen  einer  jeden  Reihe  sind  alle  gleichzeitig  auf  den 
verschiedenen  Feldern  angestellt  worden ,  und  zwar  stets  möglichst  in 
der  Mitte  eines  jeden  Feldes ,  so  dass  im  Umkreis  von  circa  ]A  Stunde 
dieselbe  Natur  der  Oberfläche  dargeboten  war. 

In  den  Versuchen  I,  II,  III  und  IV  waren  die  Haferpfianzen  sehr 
üppig  entwickelt,  durchschnittlich  l1/^'  hoch,  die  Grashalme  1'  hoch 
und  zwar   kein  sogenanntes  saures  Gras ,    sondern  kleeartige  Gewächse. 

44* 


346 

Das  Brachfeld  zeigte  sich  nur  dünn  mit  Unkraut  bedeckt.  Die  Hygro- 
meter wurden  unmittelbar  über  den  Pflanzenspitzen,  auf  dem  Brachfelde 
unmittelbar  über  den  Boden  angebracht. 

Es    folgen    nun    die   Zahlen,    wie    sie    die    ersten    3  Versuchsreihen 
direkt  ergeben  haben  nebst  den   betreffenden   Berechnungen. 

I.  Versuchsreihe.  (4.  Juli  1866.) 


A. 

B. 

C. 

D. 

Brachfeld. 

Haferfeld. 

Wiese. 

Torfmoor. 

1)  Dunstdruck  . 

0,40 

4,70 

4,75 

5,09 

2)  Dunstsättigung  . 

0,825 

0,881 

0,891 

0,955 

3)  Dunstmenge. 

0,01865325 

0,01991941 

0,02014551 

0,02159255 

II.  Versuchsreihe.  (5.  Juli  1867.) 

1)  Dunstdruck   . 

4,60 

4,79 

5,00 

5,25 

2)  Dunstsättigung  . 

0,630 

0,664 

0,681 

0,726 

3)  Dunstmenge  . 

0,018963 

0,02002640 

0,020774 

0,02185260 

III.  Versuchsreihe.  (8.  Juli  1867.) 

A.                            B. 

Brachfeld.              Kleefeld. 

1)  Dunstdruck    ...     4,9                              5,3 

2)  Dunstsättigung    .     .     0,734                         0,746 

3)  Dunstme 

mge    . 

0,02051998 

0,02K 

»70 

Auf  meine  Veranlassung  sind  noch  folgende  Felder  einer  anderen 
Lage  hygrometrisch  geprüft  worden:  Haferfeld,  Wiese,  Roggenfeld,  Kar- 
toffelfeld, Mohrfeld,  Torfmoor.  Die  aufgeführten  Zahlen  beziehen  sich 
auschliesslich  auf  den  Wassergehalt  eines  Cubikmeters  in  Grammen, 
indem  durch  Versehen  die  übrigen  Versuchsresultate  mir  nicht  mit- 
getheilt  wurden,  eine  nachträgliche  Ermittlung  war  aber  nicht  möglich. 


IV.  Versuchsreihe.  (10.  Juli  1867.) 

A. 

B. 

Haferfeld. 

Wiese.                ß°g 

9,6. 

10,9. 

c. 

Roggenfeld  (5Tagevorder 
6  6  Ernte). 

9,0 


347 

D.  E.  F. 

Kartoffelfeld.  Moorfeld.  Torfmoor. 

10,1.  9,0.  11,1. 

Es  folgen  hier  endlich  noch  einige  schon  früher  von  einem  andern 
Beobachter  (Herrn  M.  Fuchs)  auf  meine  Veranlassung  ausgeführte  Ver- 
suche. Die  Resultate  sind  zu  leichterer  Vergleichung  mit  den  vor- 
stehenden auf  die  Wassermenge  in  einem  Cubikmeter  nach  Grammen 
berechnet. 

V.  Versuchsreihe.  (13.  April  1867.) 
A.  B. 

Brachfeld  (hinter  der  Bavaria).        Saatfeld,   schwach. 
6,2.  7,1. 

(20.  April  1867). 
A.  B. 

Kiesboden  (am  Judenkirchhof).         Wiese  (am  linken  Isarufer). 
10,3.  11,6. 

Ein  flüchtiger  Blick  auf  diese  Resultate  zeigt,  dass  offenbare  Unter- 
schiede in  der  Dunstspannung  zwischen  den  verschiedenen  Vegetations- 
oberfiächen  bestehen.  Sie  sind  allerdings  gering,  allein  doch  bezeich- 
nend, indem  nicht  ausser  Acht  gelassen  werden  darf,  dass  der  Psy- 
chrometer das  in  der  Luft  schwebend  enthaltene  Wasser  nicht  anzuzeigen 
vermag,  sondern  in  seinen  Angaben  sich  nur  auf  das  in  der  Atmosphäre 
gelöste  Wassergas,  —  den  Dunstdruck  —  sich  bezieht.  Die  Berechnung 
der  absoluten  Dunstmenge  aus  dem  psychometrischen  Dunstdrucke 
beruht  aber  bekanntlich  auf  einer  Hypothese.  Wir  wissen,  dass  in 
künstlich  befeuchteten  Lokalen  der  Psychrometer  keineswegs  die  erwar- 
teten Wasserzunahmen  anzeigt,  was  wohl  auch  mit  der  schwierigen 
Diffussion  des  Wasserdunstes  zusammenhängt.  Ich  habe  schon  bei  einer 
anderen  Gelegenheit  gezeigt,  dass  die  Angaben  des  Psychrometers  durch- 
aus in  keinem  constanten  Verhältnisse  zu  den  direkten  Feuchtigkeits- 
bestimmungen in  der  Atmosphäre  stehen  und  also  diese  nicht  direkt 
aus  jenen  abgeleitet  werden  können.  So  erklärt  es  sich  denn  auch,  dass 
unter    den    zahlreichen    mir    vorliegenden   Versuchen    einige    vereinzelte 


348 

mit  entgegengesetztem  Resultate  vorkommen.  So  lieferte  z.  B.  ein  auf 
der  Pullacher  Höhe  am  23.  April  1867  ausgeführter  Versuch  die  Wasser- 
menge der  über  einer  Kiesfläche  befindlichen  Atmosphäre  um  0,3  Grmm. 
höher,  als  in  der  Atmosphäre  eines  Saatfeldes.  Diess  schliesst  nach  den 
obigen  Auseinandersetzungen  keineswegs  aus,  dass  letztere  dessenunge- 
achtet mehr  schwebende  Wassertheile  enthielt,  als  erstere  u.  s.  w.  Auf 
das  Bestimmteste  erkennt  man  aber  aus  diesen  Versuchen,  dass  das  in 
der  Luft  enthaltene  Wasser  auch  in  dem  Zustande ,  wie  es  der  Psy- 
chrometer anzeigt,  seiner  Menge  nach  ebenfalls  von  der  Natur  der 
Vegetationsdecke  wesentlich  beeinflusst,  —  speziell  durch  eine  üppige 
Vegetation  erhöht  —  werde.  Versuche  mit  einem  besonders  zu  diesem 
Zwecke  construirten  Haarhygrometer,  welche  aber  leider  in  diesem 
Sommer  nicht  zum  Abschlüsse  gelangen  konnten,  werden  im  Stande 
sein,  diese  vergleichenden  Unterschiede  noch  deutlicher  zu  machen. 

Nach  Mittheilung  dieser  nur  nebenher  erwähnten  hygrometrischen 
Resultate  gehe  ich  zur  Beschreibung  der  atmidometrischen  Versuche 
über.  In  Beziehung  auf  das  hiezu  benützte  Instrument  darf  ich  auf  die 
früher   gegebene    ausführliche   Beschreibung    des  Apparates    verweisen.1) 

Lässt  man  eine  flache  Schale  mit  Wasser  in  irgend  einem  geschlos- 
senen Räume  oder  im  Freien  unbedeckt  stehen,  so  wird  das  Wasser 
verdampfen  und  daher  die  in  der  Schale  befindliche  Wassermenge  nach 
und  nach  veringert  werden.  Diese  Verdampfung  des  Wassers,  welche 
schneller  oder  langsamer  vor  sich  geht,  ist  von  den  3  Faktoren :  Tem- 
peratur, Ventilation  und  Luftdruck  abhängig.  Die  mit  dem  Atmido- 
meter  gewonnenen  Zahlen  sind  somit  das  Resultat  dieser  3  Faktoren 
und  geben  die  von  allen  meteorologischen  Momenten  influencirte  Total- 
wirkung von  dem  Augenblicke  der  Aufstellung  bis  zu  dem  der  Beobachtung 
an.  Die  Unterschiede,  welche  sich  in  der  Beobachtung  auf  verschiedenen 
Oberflächen  ergeben,  müssen  caeteris  paribus,  d.  h.  bei  Identität  jener 
3  Faktoren,  nothwendiger  Weise  durch  die  Natur  und  Beschaffenheit 
des  Bodens  bedingt  sein. 

Zur    Ausführung     der     Versuche     wurden     Glasschalen ,     jede    von 


1)   Bayer.  Kunst-  und  Gewerbeblatt.     April  1856. 


349 

6,6  Centimeter  Durchmesser  und  45  CC.  Wasserinhalt  auf  dem  Atmido- 
meter  durch  Eintröpfeln  von  Wasser  genau  eingestellt,  an  die  verschiedenen 
Punkte,  welche  zur  Beobachtung  dienten,  gebracht  und  in  Zwischen- 
räumen wieder  auf  dem  Atmidometer  in's  Gleichgewicht  gesetzt.  Man 
erhielt  hiedurch  die  Menge  des  verdampften  Wassers  in  bestimmten 
Zeiträumen. 

Die  Vornahme  atmidometrischer  Versuche  kann  der  Natur  der  Sache 
nach  nur  bei  trocknem  Wetter  stattfinden ,  indem  jeder  Regenfall  eine 
Ueberschwemmung  der  Schale  veranlasst.  Die  Oberfläche  der  Schalen, 
um  diess  zu  verhindern,  mit  einer  Art  spitzigen  Daches  zu  bedecken, 
wie  ich  es  mehrmals  versucht  habe,  ist  insofern  ungeeignet,  als  hiedurch 
die  Resultate  wegen  theilweiser  Abhaltung  der  Ventilation  zu  wesentlich 
beeinflusst  werden.  Einige  speciell  zu  diesem  Zwecke  ausgeführte  atmi- 
dometrische  Versuche  liefern  einen  sehr  entscheidenden  Beitrag  zur 
Beurtheilung  dieses  Verhältnisses. 

Zwei  Atmidometer -Schalen  wurden  Morgens  7  Uhr,  die  eine  auf 
einem  Blumenbrette  vor  dem  Eenster,  die  andere  am  Fenster  innerhalb 
des  Zimmers,  beide  nur  V2 '  von  einander  entfernt  aufgestellt.  Es  war 
somit  die  Temperatur  und  Zeit  der  Insolation  für  beide  ganz  dieselbe, 
nur  blieb  von  der  im  Zimmer  stehenden  Schale  die  Einwirkung  der 
Ventilation  nicht  gänzlich,  —  da  das  Eenster  während  der  ganzen  Ver- 
suchsperiode offen  blieb,  —  sondern  nur  theilweise  abgehalten.  Nach 
10  Stunden  betrug  die  Verdampfungsmenge  im  Freien  5,1  CC,  im  Zimmer 
0,75  CC.  In  einem  zweiten  länger  andauernden  Versuche  betrug  die 
Verdampfung  im  Freien  9,5  CC. ,  im  Zimmer  1,8  CC.  Man  erkennt 
hieraus  den  mächtigen  Einfluss,  welchen  die  Ventilation  unter  sonst 
ganz  gleichen  Verhältnissen  und  Umständen  auf  die  Verdampfung  einer 
Wasseroberfläche  auszuüben  im  Stande  ist. 

Um  die  Anwendbarkeit  der  atmidometrischen  Methoden  auf  die 
Bestimmung  der  Wasserdampfungsverhältnisse  nachzuweisen,  mögen  hier 
noch  die  Resultate  einiger  Vorversuche  Platz  finden. 

2  Atmidometer- Schalen  wurden,  die  eine  a  über  einer  Wasserober- 
fläche, die  andere  b  in  geringer  Entfernung  von  der  ersteren  und  in 
gleicher  Höhe  auf  einem  Brette  aufgestellt.  Die  Messungen  zu  verschiedenen 


350 

Zeitabschnitten  vorgenommen  ergaben  folgende  Unterschiede  in  der 
Wasserverdampfung. 

I.  II.                  III. 

a)  10,1  3,6                   G,0 

b)  12,4  4,5                   7,4. 

Nach  den  im  Durchschnittsverhältnisse  berechneten  Zahlen  ergibt  sich 
somit  die  Wasserverdampfung  von  einer  Wasseroberfläche  zu  einer 
trocknen  Oberfläche  wie   100  :  124. 

Ebenso  wurden  2  Atmidometer-Schalen  auf  die  beiden  zu  den 
früheren  Versuchen  benützten  Erden ,  Thon-  und  Kalkboden ,  —  in 
gleicher  Weise  befeuchtet  —  aufgestellt.  Die  Messungen  zu  3  ver- 
schiedenen Zeitabschnitten  vorgenommen  gaben  folgende  Resultate : 

I.  II.  III. 

Thonboden     8,1  6,3  8,5 

Kalkboden     6,9  5,7  7,4. 

Nach  den  S.  324  beschriebenen  direkten  Verdampfungsversuchen  ver- 
dampft der  Thonboden  weniger  Wasser  als  der  Kalkboden  in  bestimmter 
Zeit  und  zwar  in  dem  Verhältnisse  von  100  :  115.  Die  über  dem  Kalk- 
boden stehende  Atmosphäre  muss  hiernach  auch  in  diesem  Verhältnisse 
feuchter  sein,  als  die  über  dem  Thonboden  stehende.  Der  atmidome- 
trische  Versuch  ergibt  auch  in  der  That  dem  durch  den  direkten  Versuch 
erhaltenem  Verhältnisse  sehr  nahe  stehende  Zahlen  und  zwar  nach  der 
durchschnittlichen  Berechnung  der  3  Versuche: 

Kalkboden  :  Thonboden 
100  :  114. 
Hiebei  ist  natürlich  vorausgesetzt,  dass  durch  gleichmässiges  Begiessen 
die  beiden  Bodenarten  während  der  Versuchsperiode  in  einem  überein- 
stimmenden Feuchtigkeitsgrade  erhalten  werden ,  da  beim  gänzlichen 
Eintrocknen  die  Verhältnisse  insofern  sich  ändern,  als  der  Thonboden 
noch  länger  feucht  bleibt,  wenn  der  Kalkboden  schon  ganz  ausgetrocknet 
ist,  wie  ich  diess  S.-324  gezeigt  habe  und  als  trockne  Oberfläche,  somit 
als  beförderndes  Moment,  auf  die  atmidometrische  Verdampfung  einwirkt. 

In  gleicher  Weise  wurden  diese  beiden  Bodenarten  in  besätem  und 
unbesätem  Zustande  vergleichungsweise  atmidometrisch  untersucht.     Die 


a){ 


351 

Vegetationsdecke  der  mit  dem  Ausdrucke  „besäter"  Boden  hier  bezeich- 
neten Oberfläche  bestand  in  beiden  Fällen  aus  einer  dichten  Linaria- 
Pflanzung. 

I.  II.  III. 

Thonboden  besät        7,5  10,3  8,7 

Thonboden  unbesät    8,4  11,5  9,9 

Kalkboden  besät         4,5  8,1  6,2 

Kalkboden  unbesät     5,4  10,0  7,2. 

Nach  den  S.  328  beschriebenen  direkten  Verdampfungsversuchen 
hat  sich  die  Wasserverdampfung  des  unbesäten  Thonbodens  zum  besäten 
im  Verhältnisse  von  100:  111,  des  unbesäten  Kalkbodens  zum  besäten 
im  Verhältniss  von  100:116  ergeben.  Die  Durchschnittsberechnung 
der  Atmidometerzahlen  ergibt  das  Verhältniss  wie  folgt: 
a)   Thonboden  unbesät  :  Thonboden  besät 

112  :  100 
b)  Kalkboden  unbesät  :  Kalkboden  besät. 
120  :  100. 

Man  erkennt  hieraus  die  nahe  Uebereinstimmung  der  atmidometrischen 
Messungen  mit  den  direkten  Wägungen.  Es  bedarf  wohl  kaum  der 
besonderen  Erwähnung,  dass  die  atmidometrischen  Zahlen  für  die  eigent- 
liche von  der  Oberfläche  ausgehende  Wasserverdampfung  im  umgekehrten 
Sinne  zu  verstehen  sind;  wenn  z.  B.  in  dem  oben  mitgetheilten  Ver- 
suche beim  Vergleiche  einer  trocknen  und  einer  Wasseroberfläche  sich 
das  Verhältniss  wie  124:100  ergeben  hat,  so  heisst  diess  natürlich 
nichts  anderes,  als  dass,  die  Verdampfung  der  trockenen  Fläche  zu  100 
angenommen,  die  Verdampfung  der  Wasseroberfläche  124  beträgt. 
Ebenso  wenn  die  atmidometrischen  Zahlen  für  besäten  und  unbesäten 
Kalkboden  sich  wie  100:120  herausgestellt  haben,  so  bedeutet  diess 
selbstverständlich:  die  Wasserverdampfung  des  unbesäten  Kalkbodens 
=  100  gesetzt,  beträgt  die  Wasserverdampfung  des  besäten   120  u.  s.w. 

Nach  diesen  vorläufigen  die  atmidometrische  Methode  charakteri- 
sirenden  Versuchen  gehe  ich  zu  den  auf  freiem  Felde  angestellten 
Beobachtungen  über. 

Die  gleichzeitige  Aufstellung  der  Atmidometer  -  Schalen   geschah   in 

Abh  d.II.Cl.d.k.Ak.d.Wiss  X.Bd.II.AUh.  45 


352 

der  Art,  dass  die  Schalen  sich  unmittelbar  über  der  Vegetationsdecke 
frei  aufgehängt  befanden,  da  die  Versuchsfelder  auf  einem  ungefähr 
300  Morgen  umfassenden  Flächenraume  beinahe  aneinander  gränzend 
lagen,  so  standen  die  Atmidometer-Schalen  genau  unter  demselben  Ein- 
fluss  der  Faktoren:  Wärme,  Luftdruck,  Ventilation;  die  Unterschiede 
in  der  Menge  der  Wasserverdampfung  können  sich  daher  ausschliesslich 
nur  auf  die  Natur  der  Oberfläche  des  Aufstellungsortes  beziehen.  Die 
Temperaturverschiedenheiten  der  mit  Vegetation  bedeckten  Oberflächen 
durch  Wärmestrahlung  hat  sich  bei  gleichmässiger  und  geeigneter  Auf- 
stellung der  Atmidometer-Schalen  ohne  wesentlichen  Einfluss  auf  die 
Verdampfung  herausgestellt. 


Wasserverdampfiing  in  CC. 


I. 

11. 

III 

Wiese. 

Klee. 

Hafer. 

Dauer  des  Versuchs. 

a. 

b. 

a.              b. 

a. 

b. 

schwach. 

üppig. 

schwach,     üppig. 

schwach. 

üppig 

1)     8.  Mai  1867  24  St.    .  . 

13 

12 

11          — 

16 

— 

2)     9.     „        „      12  St.    .   . 

11,25 

9 

9,5      — 

19 



(6h  Morgens  bis  8h  Abends) 

3)  29  Mai  1867      6  St.     .   . 

— 

3 

—         — 

9 

— 

(6h  Morgens  bis  12h  Mittags) 

4)   12.  Juni  1867    18  St,  .   . 

— 

11 

10 

— 

15 

(6h  Morgens  bis  12h  Nachts) 

5)   13.  Juni  1867    12  St.  .   . 

— 

8 

—          — 

— 

14 

(6b  Morgens  bis  12b  Abends) 

6)  22.  Juni  1867    12  St.  •> 

— 

10 

—            9,5 

— 

11 

7)  28.     „         „      12  St. 

<! 

CO 

'S 

— 

10 

—          11 

— 

14 

8)   12.  Juli        „      12  St. 

o 

— 

15 

—          — 

— 

— 

9)   13.     „         „      12  St.. 

— 

14 

—  ,       — 

— 

— 

Selbstverständlich  sind  bei  weitem  mehr  als  die  hier  angegebenen 
Versuche  angestellt  worden ,  indem  ein  grosser  Theil  derselben  wegen 
plötzlich  eintretenden  Regens,  Umfallen  der  Schalen  u.  s.  w.  unbrauch- 
bar  gemacht   worden    ist.      Der  Ueberblick    dieser   durch    den    direkten 


353 

atmidometrischen  Versuch  erhaltenen  Zahlen  ist  meines  Dafürhaltens 
sehr  instruktiv  in  Beziehung  auf  die  Wasserverdampfungsmenge  durch 
die  einzelnen  Pflanzengattungen. 

Der  verschiedene  Grad  der  atmosphärischen  Feuchtigkeit,  bedingt 
durch  Wasserverdampfung  der  Pflanze,  dieser  Faktor  unter  möglichster 
Elimination  der  Wärmestrahlungsverschiedenheiten  ist  es  allein,  welcher 
diese  Unterschiede  veranlasst.  Dass  zwischen  Wiese,  Kleefeld  und  Hafer- 
feld in  der  Wasserverdampfung  Unterschiede  stattfinden,  ergibt  sich  aus 
dem  Vergleiche  der  Durchschnittszahlen  I  :  II :  III   =    10,6  :  10,1  :  14. 

Allerdings  darf  nicht  vergessen  werden,  dass  diese  Zahlen  vor- 
läufig nicht  die  auf  eine  Pflanzengattung  treffende  wirkliche  Menge 
des  verdunsteten  Wassers  ausdrücken,  —  sie  sind  natürlich  nur  bezeich- 
nend für  das  Verhältniss  dieser  Verdampfungsmengen,  in  dieser  Be- 
ziehung gewähren  sie  aber  ein  anschauliches  Bild  von  den  Unterschieden 
zwischen  den  einzelnen  hier  zum  Versuche  benützten  Pflanzengattungen. 
So  geht  z.  B.  aus  den  Versuchszahlen  deutlich  hervor,  dass  eine  Wiese 
mehr  Wasser  verdampft,  als  ein  Haferfeld  und  zwar  in  dem  Verhältniss 
von  70 :  53.  Der  Hauptvorzug  der  atmidometrischen  Methode  liegt 
eben  darin,  dass  sie  sich  nicht  auf  künstlich  behandelte  Vegetations- 
objekte in  kleinerem  Maasstabe  zu  beschränken  hat ,  sondern  dass  sie 
gestattet ,  die  Vegetationsverhältnisse  im  Ganzen  und  Grossen ,  —  im 
natürlichen  Zustande  unter  dem  Einflüsse  aller  Faktoren  aufzufassen. 
Die  hier  erhaltenen  Zahlen  sind  daher  wahre  Naturzahlen,  wie  sie  uns 
die  unmittelbare  Beobachtung  der  im  grossen  landwirtschaftlichen 
Betriebe  stehenden  Felder  darbietet. 

Der  Vergleich  des  Versuches  vom  8.  Mai  mit  den  übrigen  zeigt, 
dass  die  Hauptsumme  der  Wasserverdunstung  in  den  Tagesstunden  liegt ; 
die  geringe  Differenz  des  verdampften  Wassers  in  24  Stunden  und 
12  Nachtstunden  führt  zu  der  Annahme,  dass  während  der  Nacht  nicht 
nur  kein  Wasser  verdampft  sondern  sogar  Wasser  aufgenommen  werde ,  — 
Verhältnisse,  die  indess,  da  es  sich  vorläufig  hier  nur  um  die  Menge 
der  Wasserverdunstung  während  grösserer  Vegetationsperioden  handelt, 
bei  dieser  Betrachtung  zunächst  nicht  berücksichtigt  werden  können. 

Obgleich  nicht  mehr  in  das  Bereich  meiner  Arbeit  gehörend,  will 
ich  doch  noch  die  Beobachtungen  über  die  Regenmengen  anführen,  um 

45* 


354 

daraus  einen  Vergleich  mit  den  durch  meine  Versuche  gefundenen  Ver- 
dunstungsmengen herzustellen.  Es  sind  während  der  108  Versuchstage 
(S.  334),  welche  den  Verdunstungsversuchen  zu  Grunde  liegen,  ungefähr 
1,300,000  Liter  Regen  und  Thau  auf  40,0000'  gefallen,  auf  lD'  daher 
32,5  Liter.  Da  nun  als  Hauptresultat  (S.  335)  ein  mit  Cerealien  bewach- 
sener Thonboden  (I)  in  dieser  Zeit  per  □'  20,4  Liter,  ein  mit  Cerealien 
bewachsener  Kalkboden  (II)  22,4  Liter  Wasser  verdampft,  so  erreichte 
das  aus  der  Atmosphäre  gebotene  Wasser  allerdings  die  Menge  des 
verdunsteten.  Die  Differenz  beträgt  hiernach  für  I  12,2  Liter,  für  II 
11,1  Liter.  Gewöhnlich  nimmt  man  an,  —  ob  mit  Recht  vermag  ich 
nicht  zu  entscheiden ,  —  dass  die  Hälfte,  3/4  oder  4/ö  des  meteorischen 
Wassers  durch  Abfluss  u.  s.  w.  für  die  Vegetation  verloren  gehe.1) 
Unter  diesen  Voraussetzungen  würden  auf  den  O'  nur  16,2,  8,1  oder 
6,1  Liter  während  der  108  Tage  treffen,  die  Regenmenge  erreichte  dem- 
nach durchschnittlich  nur  einen  Theil  des  verdunsteten  Wassers.  Wollen 
wir  aber  auch  die  eine  oder  andere  Annahme  der  Betrachtung  zu  Grunde 
legen,  soviel  ergibt  sich  aus  dem  angestellten  Vergleiche  mit  Sicherheit, 
dass  die  Regenmenge  in  jedem  Falle  unter  der  Verdunstungsmenge  steht, 
so  dass  die  Pflanze  ihren  Bedarf  noch  aus  einer  anderen  Quelle  zu 
nehmen  hat.  Ob  diess  durch  Condensation  der  in  der  Atmosphäre 
schwebenden  Feuchtigkeit  oder  durch  Aufnahme  von  Wasser  aus  der 
Tiefe  des  Bodens  u.  s.  w.  geschieht,  hierüber  fehlen  mir  bis  jetzt  alle 
auf  Versuche  gegründeten  Anhaltspunkte. 

Es   erübrigt,    einige   Hauptpunkte    der    gewonnenen   Resultate   zu- 
sammenzustellen. 

1)  Die  Wasserverdunstung  des  Thonbodens  zum  Kalkboden  steht  im 
Verhältniss  von   100  :  115. 

2)  Die  Wasserverdunstung  des  unbesäten  und  besäten  Thonbodens  steht 
im  Verhältniss  von  100  :  111,  des  unbesäten  und  besäten  Kalk- 
bodens im  Verhältniss  von   100:116. 

3)  Die  Wasserverdunstung  des  unbesäten  und  besäten  Torfbodens  steht 
im  Verhältniss  von  100  :  121. 


1)   Nach  Berghaus  und  Studers  für  Rhein  und  Weser  ausgeführten  Berechnungen. 


355 

4)  Die  Natur  der  Pflanzenspecies  ist  auf  die  Menge  des  verdampften 
Wassers  von  wesentlichem  Einflüsse. 

5)  In  der  Wasserverdunstung  zwischen  den  4  Cerealien :  Hafer,  Weizen, 
Roggen  und  Gerste,  findet  kein  wesentlicher  Unterschied  statt. 
Hafer  bedarf  unter  denselben  am  meisten   Feuchtigkeit. 

6)  Die  Wasserverdampfung  des  Laubholzes  zum  Nadelholze  steht  im 
Verhältniss  von  5  :  4. 

7)  Die  Dunstspannung,  wie  sie  der  Psychrometer  angibt,  wird  wesent- 
lich von  der  Natur  der  Vegetationsdecke  beeinflusst,  speciell  durch 
eine  üppige  Vegetationsdecke  erhöht. 

8)  Die  atmidometrische  Beobachtung  gibt  für  die  Wasserverdunstung 
des  Thon-  und  Kalkbodens  im  besäten  und  vegetationslosen  Zustande 
sehr  nahe  mit  dem  direkten   Versuche  übereinstimmende  Zahlen. 

9)  Die  atmidometrische  Beobachtung  gewährt  einen  Anhaltspunkt  für 
die  Beurtheilung  des  Wasserverdunstungsverhältnisses  verschiedener 
Vegetabilien  im  Freien,  so  wie  im  grossen  Maasstabe. 

10)    Die  Regenmenge  einer  Vegetationsperiode  ist  geringer,  als  die  Menge 
des  durch  die  Pflanze  während  derselben  verdunsteten  Wassers. 


Das 


Chronoskop 

Instrument  zur  Bestimmung  der  Zeit  und  der  Polhöhe 

ohne  Rechnung. 


Von 


C.  A.  Steinheil. 


Mit   2    litho^r.    Tafeln    und   0   Tabellen. 


Das  Chronoskop. 

§1. 

Ich  werde  zeigen,  dass  man  die  Zeit  bestimmen  kann  durch  Con- 
struiren  des  Stundenwinkels.  Die  Construction  ist  solcher  Art,  dass 
damit  zugleich  die  Orientirung  gegen  den  Meridian  erzielt  wird.  Da 
nun  alle  Zeitbestimmung  auf  Feststellung  dieser  zwei  Elemente  beruht,  er- 
langen wir  den  Zweck  durch  eine  dem  Princip  nach  sehr  einfache  Methode, 
die  so  gut  als  keine  Rechnung  fordert  und  daher  Vielen  zugänglich  sein 
dürfte.  Das  Chronoskop  beruht  auf  Einstellung  des  Sonnenbildes  durch 
Drehung  um  zwei  Axen.  Die  Axen  sind  die  Stundenaxe  und  die  Vertical- 
axe.  Vorher  muss  die  Gesichtslinie  auf  die  Declination  der  Sonne  ein- 
gestellt sein.  Man  sieht,  dass  dieser  Anforderung  ein  berichtigtes 
Aequatorial,  welches  noch  im  Azimut  drehbar  wäre,  entsprechen  würde. 
Es  soll  jedoch  das  Instrument  möglichst  einfach  werden,  kein  Fernrohr 
benöthigen  und  direkt  die  wahre  Sonnenzeit  zeigen,  wie  das  Sonnenbild 
eingestellt  ist. 

Betrachten  wir  jetzt  den  nähern  Vorgang. 


Denken  wir  uns  am  Himmel  3  Punkte :  Zenit,  Pol,  Sonne  durch 
grösste  Bogen  verbunden.  Die  Bogen  Zenit-Pol,  Pol-Sonne  schliessen 
den  Stundenwinkel  S  ein.  Können  wir  also  am  Instrument  diese  2  Bogen 
nachbilden  und  den  Bogen  Pol-Sonne  drehbar  machen  um  den  Pol,  so 
entstünde  in  Einer  Lage  desselben  ein  ganz  gleiches  sphärisches  Dreieck 
Abh.  d.  II.  Cl.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  X.  Bd.  II.  Abth.  4  6 


360 

zwischen  den  3  Zielpunkten  des  Instrumentes:  Verticalaxe,  Stundenaxe 
und  Gesichtslinie,  wie  das  am  Himmel.  Könnten  dann  die  beiden 
Dreiecke  zur  Deckung  gebracht  werden,  so  wäre  das  Instrument  auch 
orientirt  und  damit  die  Aufgabe  gelöset,  wenn  der  Stundenwinkel  direkt 
am  Instrumente  abzulesen  wäre.  Diess  können  wir  bewirken.  Denn 
indem  wir  die  Verticalaxe  senkrecht  stellen  d.  h.  den  Fuss  des  Instru- 
mentes nivelliren,  fällt  die  verlängerte  Verticalaxe  mit  dem  Zeitpunkt 
am  Himmel  zusammen.  Stellen  wir  nun  das  Instrument  auf  die  Polhöhe 
des  Beobachtungsortes,  so  wird  der  Bogen  zwischen  Pol  und  Zenit  gleich 
mit  dem  Bogen  am  Instrumente  zwischen  Verticalaxe  und  Stundenaxe. 
Stellen  wir  dann  die  Gesichtslinie  am  Instrumente  ein  auf  die  Declination 
d.  i.  die  Poldistanz  der  Sonne,  so  wird  auch  der  Bogen  Pol-Sonne  gleich 
dem  Bogen  am  Instrumente  Stundenaxe-Gesichtslinie. 

Drehen  wir  jetzt  diesen  Bogen  um  die  Stundenaxe,  so  ist  nur  Eine 
La^e,  bei  welcher  der  Stundenwinkel  des  Instrumentes  gleich  wird, 
dem  am  Himmel.  Nehmen  wir  an,  dies  sei  bewirkt,  obschon  man  noch 
nicht  sieht,  wie  es  bewirkt  werden  kann,  so  sind  offenbar  die  beiden 
Dreiecke  gleich;  denn  wir  haben  2  Bogen  und  den  eingeschlossenen 
Winkel  gleich  gemacht.  Allein  die  2  Dreiecke  haben  nur  Einen  Punkt  — 
den  Zenitpunkt  gemeinschaftlich.  Dreht  man  aber  das  Instrument  um  die 
Verticalaxe,  also  auch  das  Dreieck  des  Instrumentes  um  den  Zenitpunkt 
bis  die  Gesichtslinie  auf  die  Sonne  trifft,  dann  sind  2  Punkte  —  Zenit 
und  Sonne  den  beiden  gleichen  Dreiecken  gemeinschaftlich  und  folglich 
auch  der  3.  Punkt  der  Pol  d.  h.  beide  Dreiecke  decken  sich  und  der 
Stundenwinkel  am  Instrumente  stimmt  überein  mit  dem  am  Himmel. 
Ist  der  Stundenwinkel  des  Instrumentes  abzulesen  auf  einem  zur  Stunden- 
axe normalen  Kreise,  der  in  24  Stunden  getheilt  und  so  gedreht  sein 
soll,  dass  er  Null  zeigt  wenn  die  Gesichtslinie  im  Meridian,  so  ist  die 
Aufgabe  gelöset. 

Es  folgt  hieraus,  dass  eine  Drehung  um  die  Stundenaxe  nöthig  ist, 
um  die  Dreiecke  gleich  zu  machen,  gleichzeitig  aber  eine  Drehung  um 
die  Verticalaxe,  um  sie  zur  Deckung  zu  bringen.  Wenn  also  unter  An- 
nahme der  richtigen  Bogen  Sonnen-Pol,  Sonne -Zenit  diese  Drehungen 
gleichzeitig  bewirkt  werden,  bis  die  Sonne  eingestellt  erscheint  auf  den 
Punkt  Gesichtslinie,   so  ist  damit  das  Instrument  auch  orientirt. 


361 


§3. 

In  der  bisherigen  Betrachtung  ist  die  wahre  Poldistanz  der  Sonne 
nicht  unterschieden  von  der  scheinbaren.  Letztere  ist  aber  kleiner, 
weil  die  Refraktion  die  Zenitdistanz  verkleinert.  Wenn  wir  nicht  Fehler 
von  der  Ordnung  der  Refraktion  in  der  Zeitbestimmung  begehen  wollen, 
müssen  wir  diesen  Umstand  in  Rechnung  bringen. 

Nehmen  wir  zuerst  an,  man  stelle  den  Declinationskreis  auf  die 
wahre  Poldistanz  der  Sonne,  so  wie  sie  in  den  Jahrbüchern  angegeben 
ist,  so  wird,  weil  die  Absehnslinie  auf  den  scheinbaren  durch  Refraktion 
gehobenen  Mittelpunkt  der  Sonne  zielt,  sowohl  der  Stundenwinkel  als 
das  Azimut  des  Instrumentes  nicht  mit  denen  am  Himmel  überein- 
stimmen. 


die  wahre  Zenitdistanz 

die  wahre  Poldistanz 

die  scheinbare  Zenitdistanz 

die  scheinbare  Poldistanz 

der  wahre  Stundenwinkel 

der  am  Instrumente  eingestellte. 


was  dadurch  geschieht,    dass    man    mit  der    wahren  Poldistanz  auf  den 
scheinbaren  Mittelpunkt    der  Sonne  s'    einstellt,    so    wird    der  Stunden- 

46* 


Sei  ZS 

= 

z 

PS 

— 

V 

ZS' 

= 

z' 

PS' 

= 

p' 

ZPS 

= 

s 

ZP'S' 

= 

s' 

Setzt 

man 

noch 
BS' 

Pl 

364 


oder  was  dasselbe  ist  auf 

tf'  =  fr+B*) 
einstellt,  wo  R  die  der  Zenitdistanz  entsprechende  mittlere  Refraktion 
bezeichnet.  Allerdings  kennt  man  die  Zenitdistanz  nicht.  Allein  sie 
lässt  sich  leicht  aus  einer  Tafel  entnehmen ,  welche 
,B  für  ein  gegebenes  <p  die  Relation  zwischen  J  t  und  z 
gibt.  Eine  solche  habe  ich  berechnet  und  am  Schlüsse 
beigefügt.      S.  Tafel   31  \ 

Sei  wieder  Z  der  Zenitpunkt,  P  der  Pol,  S  der 
wahre  Mittelpunkt  der  Sonne,  S'  der  scheinbare  um 
die  Refraktion  im  Vertical  gehobene  also  PS'  =  p' 
so  findet  sich  der  Stundenwinkel  s  um  ds  zu  klein, 
während  das  Azimut  co,  also  die  Orientirung  des  In- 
strumentes gleich  bei  der  Einstellung  richtig  wird. 
ds  ist  aber  hier  immer  nur  ein  Bruchtheil  der  Refraktion 
Die  Correction  ds  findet  sich 

_      4  R  Sin  s  Cos  y  (3) 

Sin  z  Cos  d' 
Hier  ist  die  Refraktion  R  in  Bogenminuten,  die  Correction  ds"  aber 
in  Zeitsekunden  ausgedrückt.      Statt  d'  ist  cF  +  R  einzusetzen. 

Wir   geben    wieder   in    einer    kleinen  Tafel   die  Stundenwinkel    und 
ihre    Correctionen  ds   für   £  =  80°,   70°,   60°,   50  und  J«    —20—10. 
0  +  10  +  20,  für  (p  es  48  berechnet. 
Es  ist  für  tp  =  48°. 

Tafel    2. 


2 

6  —  20° 
s         ds 

6  —  10° 
s         ds 

J  =  0 
s         ds 

J+  10 

s         ds 

c?  +  20 
s         ds 

Refr. 
B 

80 
70 
60 
50 

3    8'  11.16 
1  14      2.52 

4  16   12.96 
2  57      5.28 
1     9      2.14 

4  59'  13'.86 
3  57     6.36 
2  46      3.38 

5  44    14.52 
4  43      7.14 
3  43      4.27 
0  59      1.21 

6  29    15.12 
5  27      7.86 
4  27     4.97 
3  22      2.74 

ö'.  2  7 
2.62 
1.66 
1.14 

*)  Richtig  wäre  auf  rf'  =  d  -j-  R  Cos  r  einzustellen,     r  ergibt  sich  aus  Sin  r  = 


Sin  s  Cos  cp 
Sin  z 


365 

Hier  sind  die  Abweichungen  viel  kleiner  als  in  Tafel  1  und  so  regel- 
mässig, dass  sie  leicht  aus  Tafel  4  interpolirt  werden  können,  wenn 
man  d  und  t  als  gegeben   annimmt. 

In  den  meisten  Fällen  beträgt  die  Verbesserung  von  s  nur  wenige 
Sekunden.  Wie  dieser  Correction  Rechnung  getragen  wird,  werden 
wir  bei  der    schematisirten  Vorschrift  für  die  Beobachtungen  zeigen. 

§4. 

Untersuchen  wir  jetzt,  welche  Fehler  in  den  Beobachtungen  zu 
erwarten  stehen,  wenn  wir  bestimmte  Fehlergrenzen  der  Einstellung  des 
Instrumentes  annehmen. 

Da  das  Instrument  sehr  einfach  werden  soll,  so  ist  ein  Fernrohr 
ausgeschlossen.  Für  Beobachtungen  ohne  Fernrohr  ist  wohl  eine  Bogen- 
Minute  das,  was  sich  bei  einmaliger  Einstellung  als  Grenze  der  Sicher- 
heit annehmen  lässt. 

Sehen  wir  daher  welchen  Einfluss  eine  solch  Aenderung  von  z,  J1 
und  <p  auf  s  ausübt. 

Dazu  dient  uns  die  Gleichung: 

Cos  2  =   Sin  (p.   Sin  $  +  Cos  cp  Cos  d  Cos  S.  (4) 

Differenziren  wir  diesen  Ausdruck,  indem  wir  alle  Grössen  als 
variabel  betrachten,   so  ergibt  sich: 


ds   =        dz. 


Sin  z 


Cos  cp  Cos  d*  Sin  s 
Tg* 


(5) 


Setzen  wir  nun  beispielsweise 

cp=         48°     8' 
d=   —    7       2 
8  ==         69     13.5 
s  =  —47     41 


366 

Wo  5  aus    Gleichung  (1)  §  3  abgeleitet  ist,  so  findet  sich 
ds  =  —  7.7  dz  —  3.4  d(p  —  5.6  dd. 

Hier  sind  dz,  d(p,  dd  in  Minuten,  der  Werth  von  ds  in  Zeitsekunden 
zu  verstehen. 

Fehlten  daher  die  Einstellungen  auf  z  (Stundenbogen),  cp  und  J1  je 
1  Minute  und  wirkten  alle  Fehler  im  selben  Sinne,  so  wäre  ein  Fehler 
von  16  Sekunden  in  der  Zeitbestimmung  möglich.  Der  wahrscheinliche 
Fehler  ist  natürlich  viel  kleiner. 

Die  Betrachtung  zeigt,  dass  wenn  die  Unsicherheit  der  Einstellungen 
wirklich  so  gross  ist,  als  wir  angenommen  haben,  auch  keine  scharfe 
Zeitbestimmung  bis  zur  einzelnen  Sekunde  zu  erwarten  steht.  Dieses 
Resultat  kann  durchaus  nicht  befremden,  weil  jede  Beobachtung  mit 
freiem  Auge  auf  eine  Grösse  dieser  Ordnung  unsicher  bleibt. 

Wir  gehen  jetzt  über  zur 

•       §5. 

Construction  des  Chronoskop's. 

Ein  Fuss  mit  3  Stellschrauben  bildet  die  Büchse  für  die  Verticalaxe. 
Diese  ist  mit  einer  Klemme  für  den  Meridianbogen  verbunden.  Auf 
dem  Klemmstücke  sitzt  ein  Niveau,  womit  die  Axe  senkrecht  gestellt 
wird.  Mit  dieser  Berichtigung  soll  zugleich  die  Klemme  in  eine  Vertical- 
ebene  kommen.  Die  unter  dem  Dreifuss  hervortretende  Verticalaxe  ist 
hier  mit  Feder  und  Gegen  schraube  gehalten  und  kann  damit  festge- 
klemmt werden.  In  der  Klemme  bewegt  sich  der  massive  Meridianbogen. 
Er  ist  als  voller  Ring  bearbeitet  und  getheilt,  dann  erst  so  ausgeschnitten, 
dass  die  Sonne  in  seiner  Ebene  stehend  auf  den  Stundenring  scheinen 
kann  und  zwar  bei  allen  Declinationen  der  Sonne.  Dieser  Meridianbogen 
trägt  die  Stundenaxe,  die  ihn  diametral  durchdringt. 

An  der  Stundenaxe  sitzt  der  Stundenring ,  der  an  der  Stundenaxe 
gedreht  wird  und  also  in  dieselbe  Ebene  mit  dem  Meridianbogen  gebracht 
werden  kann.  In  der  innern  Fläche  des  Stundenringes  ist  die  Stunden- 
axe ausgeschnitten ,  so  dass  sie  nur  2  Zapfen  bildet ,  die  am  Stunden- 
ring  festsitzen   und  im  Meridianbogen  entsprechende  Büchsen  finden. 


367 

Auf  dem  obern  Ende  der  Stundenaxe  sitzt  normal  der  Stundenkreis. 
Er  kann  auf  dieser  gedreht  und  durch  den  randrirten  Kopf  (zur  Dreh- 
ung der  Axe)  in  jeder  Lage  festgesetzt  werden.  Der  Nonius  zur  Ab- 
lesung des  Stundenkreises  sitzt  fest  auf  dem  Stundenbogen  und  kann 
nicht  verstellt  werden,   da  der  Kreis  zum  Verstellen  ist. 

Diametral  zum  Stundenring  und  senkrecht  zur  Stundenaxe  ist  die 
Absehnslinie  in  dem  Stundenringe  angebracht.  Sie  wird  gebildet  durch 
eine  runde  Oeffnung  in  der  innern  Eläche  des  Stundenringes ,  durch 
welche  die  Sonnenstrahlen  einfallen  und  auf  einer  diametral  gegenüber- 
stehenden Platte  im  Stundenring  das  Sonnenbild  zeigen.  Die  Oeffnung 
ist  in  einer  conischen  ausgedrehten  Büchse  angebracht ,  welche  sich  in 
den  Stundenring  einsetzt.  Sie  kann  herausgenommen  und  dagegen  eine 
andere  ähnliche  Büchse  mit  genau  centrirter  äusserst  dünner  Linse  von 
der  Brennweite  des  Abstandes  der  Kreuztafel  ersetzt  werden.  Die  Linse 
gibt  ein  4  Sonnenscheine  helles  scharf  begrenztes  Bild.  Beide  Büchsen 
schieben  sich  im  Stundenring  noch  etwas  tiefer  als  die  innere  Eläche 
desselben,  genau  so  viel  tiefer,  als  die  Platte  mit  dem  Kreuze  über  die 
innere  Ringfläche  vorsteht.  Beide  Büchsen  sind  innen  conisch  ausgedreht 
und  nach  aussen  erweitert,  damit  die  Sonnenstrahlen  auch  beim  höchsten 
und  tiefsten  Stand  der  Sonne  direkt  auf  die  Oeffnung  treffen. 

Die  Platte  für  das  Sonnenbild  trägt  ein  auf  Neusilber  gezogenes 
Doppelkreuz.  Der  Abstand  der  Linien  ist  nahe  gleich  dem  Durchmesser 
des  Sonnenbildes.  Diese  Platte  ist  befestigt  an  dem  Declinations-Nonius, 
der  sich  auf  dem  Stundenrim>e  verschieben  lässt. 

Die  einfallenden  Sonnenstrahlen  bilden  mit  dem  inneren  Durchmesser 
des  Stundenringes  Peripherial-Winkel.  Die  Theilung  auf  dem  Ringe  für 
die  Declinationen  der  Sonne  ist  desshalb  in  Peripherial-Winkeln  also 
gleich  der  halben  Zahl  der  Centralgrade  aufgetragen.  Der  Nonius  gibt 
unmittelbar  Minuten  der  Peripheiäal-Winkel  und  lässt  noch  Vs  Minute 
schätzen.  Fig.  1  gibt  die  Durchschnittszeichnung  des  Chronoskops  in 
wahrer  Grösse  in  der  Verticallage  der  Stundenaxe.  Fig.  2  gibt  die  Ab- 
bildung in  der  Richtung  senkrecht  darauf. 

Dieses  in  obigem  beschriebene  Instrument  würde  nur  sehr  mangel- 
hafte Bestimmungen  liefern,  wenn  wir  nicht  darauf  ausgingen  jetzt  alle 
Fehlerquellen  zu  studiren  und  mechanisch  zu  berichtigen.  Ihre  numerische 
Abh.  d.  II.  Cl.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  X.  Bd.  II.  Abth.  4 7 


368 

Bestimmung  ist  hier  nicht  Aufgabe,  weil  das  Resultat  direkt  und  ohne 
Rechnung  gefunden  werden  soll.  Diese  Berichtigung  des  Instrumentes 
braucht  natürlich  nicht  bei  jeder  neuen  Messung  vorgenommen  zu 
werden,   sondern  kann  für  lange  Zeit  gelten. 

§6. 
Berichtigung  des  Instrumentes. 

Das  berichtigte  Instrument  muss  folgende  Bedingungen  erfüllen : 

1)  muss  die  Verticalaxe  senkrecht  stehen,  sowohl  in  der  Ebene  des 
Meridianbogens  als  senkrecht  darauf, 

2)  soll  der  Meridianbogen  an  seinem  Nonius  90°  zeigen,  wenn  die 
Stundenaxe  senkrecht  steht, 

3)  muss  der  Meridianbogen  oder  besser  die  Stundenaxe  in  jeder 
Lage  des  Meridianbogens  in  einer  Verticalebene  liegen, 

4)  soll  die  Absehnslinie  oder  die  Gerade,  welche  die  Mittelpunkte 
der  Oeffnung  für  das  einfallende  Licht  und  des  Doppelkreuzes 
der  Bildtafel  verbindet,  senkrecht  stehen,  wenn  die  Stundenaxe 
horizontal  liegt. 

Dabei  soll 

5)  der  Declinationsnonius  des  Stundenringes  Null  zeigen  in  der 
Ebene  des  Meridianbogens  und 

6)  soll,  wenn  die  Gesichtslinie  in  einer  normal  zum  Stundenkreis 
gestellten  Verticalebene  liegt,  der  Nonius  des  Stundenkreises  0h 
zeigen, 

7)  muss  der  Abstand  der  Lichtöffnung  und  der  Abstand  der  Bild- 
platte,  beide  vom  Mittelpunkt  des   Stundenringes  gleich  sein, 

8) '  darf  sich  das  Bild  der  Sonne  nicht  verstellen ,    wenn  der  Conus 
mit  der  Lichtöffnung  um   seine  Axe  gedreht  wird.1) 
Die  Ausführung    dieser  Berichtigung    fordert  3  Libellen.     Niveau   1 
sitzt  fest  an  der  Klemme  des  Meridianbogens  und  dreht  mit  diesem  um 


1)  Die  Untersuchung  der  Excentricitäten  der  Theilungeh  kann  füglich  unterlassen  werden, 
da  alle  Kreise  auf  der  Theilmaschine  vor  dem  Theilen  mit  Fühlhebel  genau  centrirt 
wurden. 


369 

die  Verticalaxe.  Niveau  2  ist  zum  Aufsetzen  auf  den  Stundenkreis  in 
horizontaler  Lage  mit  Füssen  versehen.  Niveau  3  steht  normal  zu  einer 
Axe,  die  in  Spitze  endigt  und  sich  (nach  herausgenommenem  Lichtconus) 
durch  dessen  conische  Oeffnung  einschieben  lässt.  Dabei  kömmt  die  Spitze 
der  Axe  in  den  Mittelpunkt  des  Doppelkreuzes  der  Bildtafel.  Das  Niveau  3 
zeigt,  ob  die  Gesichtslinie  senkrecht  steht. 

Wir  wollen  jetzt  diese  Berichtigungen  am  Instrumente  selbst  vor- 
nehmen. 

Berichtigung. 

Untersuche,  ob  die  3  Fussschrauben  ohne  todten  Spielraum  gleich 
streng  gehen,  wo  nicht,  bewirke  es. 

Prüfe,  ob  die  Verticalaxe  oben  und  unten  in  ihrer  Büchse  anliegt, 
durch  Wanken.  Zeigt  sich  das  kleinste  Wanken,  so  ermittle,  ob  der 
Drehpunkt  oben ,  unten  oder  in  der  Mitte  liegt.  Dieser  Fehler  muss 
durch  Einschleifen  entfernt  werden.  Schabe  dazu  etwas  feinen  Schleif- 
stein ab,  menge  ihn  mit  Oel.  Bringe  eine  kleine  Quantität  davon  an 
die  Stelle  der  herausgenommenen  Axe,  die  den  Drehpunkt  bildet.  Führe 
die  Axe  so  in  die  Büchse,  dass  die  bestrichene  Stelle  zuletzt  berührt. 
Nach  10 — 15  Windungen  hin  und  her  reinige  Büchse  und  Zapfen  sorg- 
fältig und  versuche,  ob  das  Wanken  einen  andern  Drehpunkt  gewonnen 
u.  s.  f.  bis  keine  Spur  von  Wanken  mehr  zu  finden  ist.  Jetzt  muss 
die  Axe  auch  ganz  ohne  Oel  oder  Schmiere  leicht  und  sanft  sich  drehen. 
Spanne  die  untere  Feder  so  weit,  dass  das  Azimut  sich  nicht  verstellt, 
wenn  die  Stundenaxe  gedreht  wird.  Diess  und  ein  sanfter  Gang  der 
Axen  sind  wesentliche  Bedingungen  des  richtigen  Einstellens. 

Untersuche  jetzt,  ob  die  Klemme  und  die  Verticalaxe  durch  die 
untere  Zug-  und  -Druckschrauben  fest  mit  einander  verbunden  sind,  wo 
nicht,  so  spanne  mit  diesen  Schrauben. 

Prüfe  nun,  ob  der  Meridanbogen  in  den  beiden  Endpunkten  der 
Klemme  anliegt.  Von  oben  in  die  etwas  gelüftete  Klemme  gedrückt, 
darf  er  durchaus  nicht  in  der  Ebene  seines  Bogens  wanken.  Die 
2  Schlussschrauben  der  Klemme  werden  zum  Einstellen  des  Bogens  erst 
leise  angezogen,  so  dass  der  Bogen  sich  noch  mit  der  linken  Hand  ver- 
schieben lässt,  während  die  rechte  Hand  die  Loupe  hält,  die  den  Nonius 

47* 


372 


die  man  einstellen  will,  dagegen  von  der  Ablesung  abzuziehen 
(mit  Rücksicht  auf  Zeichen) ,  wenn  man  aus  der  Ablesung  die 
richtige  Zahl  finden  will. 


*&' 


Berichtigung  der  Declinationsgrade. 

Da  die  Declinationstheilung  in  Peripherialgraden  aufgetragen,  ist 
sie  nur  richtig,  wenn  die  Oeffnung  für  das  einfallende  Licht  genau  in's 
Centrum  der  Theilung  trifft.  Man  kann  diesen  Satz  auch  so  ausdrücken: 
Die  Peripherialgrade  sind  richtig,  wenn  die  Lichtöffnung  und  die  Tafel 
für  das  Bild  der  Sonne  gleichen  Abstand  vom  Centrum  des  Stunden- 
ringes haben. 

Es  ergibt  sich  daraus  gleich  eine  mechanische  Prüfung.  Denn  sind 
die  beiden  Abstände  gleich,  so  müssen  auch  ihre  Chorden,  gemessen  an 
der  innern  Cy linderfläche  des  Stundenringes ,  gleich  sein.  Durch  eine 
Lehre  von  Messingblech  kanm  man  diess  sehr  leicht  und  genau  unter- 
suchen. 

Indessen  ist  es  auch  leicht  den  Werth  der  Declinationsgrade  aus 
Beobachtungen  zu  bestimmen.      Misst    man    nämlich    einen  Höhenwinkel 


*ö 


nur  mit  dem  Meridianbogen,  wobei  der  Declinationsnonius  auf  Null 
gestellt  ist,  dann  aber  indem  der  Declinationsnonius  auf  eine  grössere 
Declination  —  etwa  20°  gestellt  wird,  so  kann  der  Unterschied  der 
beiden  Messungen  nur  daher  kommen,  dass  20°  davon  durch  die  Decli- 
nationstheilung gemessen  sind. 

Da  man  aber  das  Chronoskop  nur  auf  die  Sonne  einstellen  kann, 
und  diese  zwischen  den  Beobachtungen  ihre  Höhe  ändert,  muss  man  in 
gleichen  Zwischenzeiten  die  Messungen  vornehmen  und  zwar  abwechselnd 
in  ungerader  Zahl,  damit  das  Mittel  der  Zeiten  z.  B.  der  1.  und  3.  Be- 
obachtung mittels  des  y-Bogens  zusammenfällt  mit  der  Zeit  der  2. 
Beobachtung  bei  verstelltem  Declinationsnonius. 

In  solcher  Weise  wurden  nachstehende  Beobachtungen  gemacht. 

München   1868.     Febr.   16. 
Der  Nullpunkt  des  Declinations-Nonius  ist 

=    +    6'. 


373 


Der  Declinations-Nonius  wird  um   10°  verstellt. 


Pendeluhr 

<f-Bog. 

$ 

<P 

,,_,y 

21°42'  13" 

69°24' 

+ 

0°  6' 

46  29 

58  57 

— 

9°  54 

68° 58' 

68°57' 

50  45 

68  32 

+ 

0   6 

68  32 

68  31.5 

55   0 

58   6 

— 

9  54 

68   5.5 

68  6.0 

59  16 

'67  39 

+ 

0   6 

68°3i:8      68°31.'5 

Die  (T-Grade    sind    also    auf   eine  nicht   zu    verbürgende    Grösse  0!3 

grösser  als  die  (p-Graäe.  D.  h.  die 
Ablesungen  müssen  um  den  ent- 
sprechenden Theil  vergrössert, 
die  Einstellungen  eben  so  viel  ver- 
kleinert werden. 

Wenn  der  Unterschied  beträcht- 
lich wäre,  dürfte  die  Differenz  nicht 
dem  Winkel  proportional  gesetzt 
werden.  Der  strenge  Werth  für 
jedes  $  ergibt  sich,  wie  folgt: 

Sei  AB  =  2  r  der  innere  Durch- 
messer des  «^-Ringes. 
A  die  Dicke,    um    welche    die  Tafel    näher    als    die  Oeffnung   beim 
Centrum  ist,  so  hat  man,  wenn  d  die  Declination  der  (•)  bezeichnet 


(6) 
(6') 


r  Sin  $  =  Sin  (<?  +  2  dcT)  (r  —  a) 

r  Sin  (5" 

A  =  r 


oder 


Sin  (d  +  2  dS). 
Da  3  und  dd    aus    den  Messungen  bekannt    und  r   —    17'"  ist. 


so 


findet  sich  hiernach  A  und  damit  dd  für  jeden  Werth  von  d. 


Beispiele  der  Anwendung  des  Chronoskop's. 
Zeitbestimmung . 
Die  Einstellung  des  Instrumentes  fordert  die  Kenntniss  von  2  Zahlen- 


374 

werthen.  Der  erste  dient  zur  Einstellung  der  Polhöhe  und  fordert  die 
Kenntniss  der  Correction  des  y-Nonius.  Der  2.  wird  erfordert  zur  Ein- 
stellung der  Delination  der  Sonne.  Zur  Declination,  wie  sie  im  astron. 
Jahrbuche  für  den  wahren  Mittag  in  Berlin  angegeben,  kömmt  die  Aen- 
derung  bis  zur  Zeit  der  Beobachtung,  dann  die  Refraktion  und  die  Correction 
des  Nullpunktes  des  Declinationskreises.  Wir  wollen  jede  dieser  beiden 
Zahlen  durch  eine  Gleichung  geben,  damit  kein  Zweifel  über  ihre  Bildung 
bleibt. 

Sei 

E9  die  Einstellung  des  Meridianbogen 

(p  die  Polhöhe  des  Beobachtungsortes 

dcp  die  Correction  des  Nullpunktes    des  c/>-Bogens  d.  h.    die  Zahl 

Av — 90°,    die  man  am  <y-Bogen  abgelesen  hat,  als  die  Stun- 

denaxe  senkrecht  stand  und  der  Nonius  hätte  90°  zeigen  sollen. 

Es  ist  also  ,  jQJ 

ckp  _=  A*  —  90° 

EV^y  +  dcp  \ 

E    sei  die  Einstellung  des  Declinationsnonius. 

(T  sei  die  Declination    der  ®  im  Berliner  wahren  Mittag. 
dd  die  stündliche  Aenderung  der  Declination. 

t  die    Stundenzahl    wahrer    Zeit    bis    zum    wahren    Mittag    der 


*o 


Beobachtung. 


V   die  Meridiandifferenz  von  Berlin  in  Zeitstunden  für  westliche 

Orte  positiv. 
R  die  aus  Tafel  3  nach  t  und  d  interpolirte  Refraction. 
A    die  Ablesung  des  J-Nonius ,    wenn  bei  Berichtigung  Niveau  3 
einstellt.    Dann  ist 

Eä  =  d  +  t'dd  +  tdi  +R  +  Aä  (8) 

Zur  Ermittellung  ,  der    mittleren  Zeit    MZ    aus    der  Ablesung    des 
Stundenkreises  Ast  hat  man 

MZ  =  ^1/St-  4-  G  +  t'dG  4-  tdG  —  Ast-  +  ds  (9) 


375 


Hier  ist: 

ÄSi-  die  Ablesung  des  Stundenkreises. 
G  die  Zeitgleichung-  im  Berliner-Mittag. 
V  wie  oben  die  Meridiandifferenz  von  Berlin  in  Stunden. 
dG  die  stündliche  Aenderung  der  Zeitgleichung. 

t  in  Stunden  der  Abstand  vom  wahren  Mittag. 
Ast-  die  Angabe  des  Stundenkreisnonius  statt  0  bei  Berichtigung. 
ds  die  Correction  des  Stundenwinkels  aus  Tafel  4. 

Man  kann  sich  die  Gleichungen  (8)  und  (9)  vorher  schematisch  an- 
setzen und  die  Werthe  für  die  ganzen  Stunden  vor  und  nach  der  beab- 
sichtigten Zeitbestimmung  berechnen. 

So  wird  für  die  Zeitbestimmung  vom  2.  März  1868  Morgens  zwischen 
8h  und  9\ 

Für  d 


1868 

6 

dS 

f 

t 

tdS 

B 

A* 

E* 

März  2 

—  6°       59'.27 
t'dd  +  0.07 

6.95 
Für 

0'.08 

mittl 

—  4 

—  3 

sre  Ze 

—  3'.8 

—  2.8 

sit 

+  3'.  6 
+  2.4 

0 
0 

—  6   59.4 

-  6        59.20 

—  6   59.6 

G 

dG 

f 

t 

tdG 

—  ^'st- 

ds 

MZ-ÄSU 

+  12  '  15.77 
t'dG+    0.04 

-O'.'öO 

0'.08 

—  4 

—  3 

+  2".0 
+  1.5 

+  19".0 
+  19.0 

—  6.6 

—  5.0 

12' 30.21 

+  12     15.81 

12  31.31 

<4'st-   ergibt  sich  im  Mittel  aus  den  Beobachtungen. 

Diese  setzen  voraus,     dass  das  Instrument  berichtigt  sei;      die  Be- 


richtigung ergab: 
Abh.d.II.Cl.d.k.Ak.d.Wiss.X.Bd.II.Abth. 


48 


376 


A*  =  90  0.0  also  d(p  =  0, 


A*  =  0  O'.O 

^St.==_19'; 

^  48°8'.5 

Man  stellt  also  den  </>-Bogen  auf  48°  8!5.  Die  Declination  nach 
dem  Schema  —  6°  59.'5.  Dann  erst  stellt  man  das  Chronoskop  im 
Sonnenscheine  bei  fester  Unterlage  auf  und  nivellirt  die  Verticalaxe.  Jetzt 
bringt  man  den  y-Bogen  ohngefähr  in  die  Richtung  des  Meridians  und 
dreht  Stundenkreis  und  Ring,  letztern  bis  in  seine  Schattenebene.  Das 
Bild  der  Sonne  wird  als  helles  Scheibchen  von  0'."3  Durchmesser  sichtbar 
auf  der  innern  Cylinderfiäche  des  Stundenringes.  Es  steht  aber  das 
Sonnenbild  höher  oder  tiefer  als  das  Kreuz  der  Bildtafel.  Indem  man 
jetzt  das  Instrument  um  die  Verticalaxe  dreht  und  dabei  den  Stunden- 
ring in  seiner  Schattenebene  erhält,  sieht  man  das  Sonnenbild  im  Ringe 
steigen  oder  sinken.  Man  dreht  also  im  Azimut  bis  das  Sonnenbild 
zwischen  den  Doppelfäden,  die  quer  durch  den  Ring  gehen,  einsteht. 
Erst  jetzt  dreht  man  nur  um  die  Stundenaxe  bis  das  Bild  auch  zwischen 
den  Längenstrichen  steht. 

Am  sichersten  stellt  man  ein  durch  Benutzung  der  für  die  Niveau- 
Spitze  gebohrten  runden  Oeffnung  im  Mittel  der  Kreuzfäden.  Diese 
Oeffnung  bildet  einen  schwarzen  Kreis,  über  den  das  Sonnenbild  nur 
mit  schmalem  Ringe  hervorsieht.  Ist  dieser  Lichtring  ringsum  gleich 
hell,  (was  man  sicherer  sieht  als  seine  Breite,)  so  ist  eingestellt.  Um 
in  der  Höhe  recht  sicher  einzustellen ,  dreht  man  wenig  nur  um  die 
Stundenaxe.  Dadurch  entsteht  ein  mondförmiger  Lichtbogen  auf  einer 
Seite  der  schwarzen  Scheibe  und  wenn  die  beiden  Hörner  dieses  Mondes 
parallel  zum  Stundenring  übereinander  stehen ,  dann  ist  die  Höhenein- 
stellung möglichst  gut.  Durch  Benutzung  einer  Loupe  gewinnt  man 
nicht  an  Genauigkeit,  weil  der  Rand  des  Sonnenbildes  für  die  Vergrösserung 
nicht  scharf  genug  ist. 

Noch  ist  zu  bemerken ,  dass  der  Nonius  des  Stundenkreises  um 
10"  zu  lang  ist.  Da  er  5  Zeitminuten  umfasst,  so  ist  von  allen  Angaben 
über  5,  10,  15'  etc.  per  Minute  2  Sekunden  abzuziehen,  was  bei  den 
folgenden  Beobachtungen  schon  angebracht  ist. 


377 


Beobachtungen. 


Pendeluhr 

Chronoskop 

Ä<BL 

Abweich. 

vom  Mittel 

2     h   ,   „ 
—68  8  20  31 
22  21 

20  8'  o" 

2ö" 

9  30 

5 

35  44 

23  0 

12 

37  28 

24  40 

8 

40  14 

26  56 

24 

42  39 

29  30 

13 

44  30 

31  16 

18 

46  18 

33  23 

1 

47  48 

34  55 

3 

8  50  18 

20  37  20 

1 

Mittel  8  38  47,1 

20  25  51 

11.1 

MZ-ÄSi  =  0M2  30.7 
ÄSi—20  25  51.0 
31Z=  20  38  21.7 

Pendeluhr  =20  38  47.1 
Pendeluhr  —  25.4  : 

2 
—  1868   20h  38' 


MZ 


bürgerlich  Datum 

Mittlerer  Fehler  jeder  Beobachtung  +11" 
„  „        der  Zeitbestimmung  +     4". 

Aus  obigen  Beobachtungen  sehen  wir ,  dass  der  zufällige  Be- 
obachtungsfehler kleiner  ist,  als  man  erwartet  hatte.  Wir  wissen  aber 
nicht,  ob  nicht  constante  Fehler  in  den  Angaben  liegen,  die  das  Re- 
sultat viel  unsicherer  machen  als  nach  der  Uebereinstimmung  zu  ver- 
muthen. 

Um  darüber  eine  Controle  zu  erlangen,  haben  wir  nur  eine  genaue 
unabhängige  Zeitbestimmung  nöthig. 

Wir  wählen  Höhen  der  Sonne,  die  sich  ebenfalls  am  Chronoskop 
messen  lassen  und  werden  aus  diesen  den  Uhrstand  ableiten. 

48* 


378 

Höhenmessung. 

Die  Beobachtungen  sind  in  folgender  Weise  angestellt.  Der  Decli- 
nationsnonius  ist  auf  J  =  0  gestellt.  Dann  wird  der  Meridianbogen  in 
der  Klemme  verschoben  bis  das  Sonnenbild  auf  der  Bildtafel  den  gleich- 
hellen  Lichtringi  bildet.  Für  diesen  Moment  ist  die  Uhr  notirt.  Der 
Stundenkreis  zeigt  0h  d.  h.  beide  Ringe  liegen  in  derselben  Verticalebene. 
Die  Verticalaxe  wird  genau  senkrecht  erhalten. 

In  dieser  Weise  wurden  gleich  nach  den  Chronoskopbeobachtungen 
der  Zeitbestimmung  folgende  Zenitdistanzen  beobachtet,  die  das  Instru- 
ment, in  dieser  Art  benutzt,  direkt  gibt: 

P.-Uhr  Z 

2  °      ' 

1868  -f    20h  57'   31"       69   46 
o 

21       0  17  69   23 

2  20  69      9 

3  51  68   57 
5  45  68  40 

21*     1     56.8      69    11.0 
Refr +     2.5 


3' =  69    13.5;   y  =  48°8:5  d  =   —  7°  IS* 

Nach  Formel  (1)    §  3    ergibt  sich,    wenn  man  den  von  Refraktion 
befreiten  Werth  z'  statt  z  einsetzt 

s  =  -3h   10'   45" 
die  wahre  Zeit  also   =   20     49     15 
Zeitgleichung +     12     17 


21       T   32"    =   Mittl.  Zeit. 

Uhrzeit  war 21       1     56.8 

Pendeluhr  —  24'.'8    =   MZ.  München  d.  —  1868  21  h03 

3 

Die  Chronoskopbeobacht- 
ungen gaben  Pendeluhr    .  .  —   25.4    =   MZ.         „ 

Die  Uebereinstimmung  ist  sonach  grösser,  als  man  nach  dem  mitt- 
leren Fehler  erwarten  konnte  und  zeigt,  dass  man  in  der  Berichtigung 
des  Instrumentes  kleinere  Fehler  begeht,  als  wir  angenommen  hatten 
(§  4.    10- 


379 

Polhöhenbestimmung. 
Wenn  man  die  Höhe  der  Sonne  in  ihrem  Culminationspunkte1)  beob- 
achtet,  so  gibt  das  Chronoskop  direkt 

z  —  (p  —  d. 

Wird  der  beobachteten  scheinbaren  Zenitdistanz  die  entsprechende 
mittlere  Refraktion  zugelegt  und  ist 

2  +  Refr.  =  z'  so  wird 

z'  +  d=<p  (10) 

Man  findet  also  die  Polhöhe  des  Beobachtungsortes  aus  der  beob- 
achteten Zenitdistanz  und  der  Declination  der  Sonne. 

Eine  solche  Messung  wurde  am  10.  März  1868  um  12h  7' — 13' 
mittl.  Zeit  München  angestellt,  sie  gibt 

Z 

12h    7'  =   52°    i:0 

10  52      1.0 

13         52     0.5 

z +~52     (h5 

Refr + L2 

z' =52      L~7 

d =-3   53.1 

(p 48     8\6,  sollte  sein  48°  8!5. 

Sollte  man  ohne  im  Besitz  eines  Jahrbuches  zu  sein,  die  Zeit  be- 
stimmen, so  findet  man  unter  der  Voraussetzung,  dass  die  Polhöhe  aus 
der  Charte  auf  1  Minute  oder  genauer  bekannt  wird,  aus  Gleichung  (10) 
durch  eine  Beobachtnng  die  Declination  der  Sonne  und  aus  der  bei- 
gefügten Tafel  6.  die  dem  Datum  entsprechende  stündliche  Aenderung 
der   Declination.     In    derselben    Tafel    ist    auch    die    Zeitgleichung    auf 


1)  Geht  die  Sonne  gegen  den  Nordpol,  so  tritt  die  Culmination  nach,  geht  sie  gegen  den 
Südpol,  so  tritt  sie  vor  dem  Durchgang  durch  den  Meridian  ein.  Diese  Höhenänderung 
ist  verschwindend  für  die  Genauigkeit  des  Chronoskop's. 


380 

zehntel  Minuten  enthalten.  Genauer  kann  sie  aus  vielen  Kalendern 
entnommen  werden,  die  sie  jährlich  aus  dem  astron.  Jahrbuche  ab- 
drucken. In  solcher  Weise  kann  man  auch  ohne  Jahrbuch  Zeitbe- 
stimmungen ausführen. 

Sehr  einfach  wird  die  ganze  Operation,  wenn  man  auf  Polhöhe  und 
Declination,  letztere  wie  sie  im  Kopfe  für  die  Zeit  der  Beobachtung 
interpolirt  werden  kann,  einstellt;  doch  muss  immer  das  Instrument 
vorher  gut  berichtigt  sein.  Man  legt  dann  nach  der  Ablesung  am 
Chronoskop  die  Zeitgleichung  ebenfalls  im  Kopfe  für  die  Zeit  der 
Beobachtung  interpolirt  bei  und  findet  so  die  Zeit  auf  ca  20"  sicher, 
was  zu  bürgerlichen  Zwecken  in  der  Regel  genügt.  Will  man  grössere 
Genauigkeit,  so  muss  man  aus  wiederholten  Beobachtungen  das  Mittel 
nehmen. 


Beilage. 

Verbesserung  in  der  Construction  des  Chronoskop's. 


Zu  §  5.    Construction. 

Die  obige  Construction  ist  hervorgegangen  aus  der  Absicht ,  den 
Apparat  möglichst  einfach  zu  halten.  Dass  damit  Uebelstände  verbunden 
sind,  die  sich  in  geringerer  Genauigkeit  des  Resultates  fühlbar  machen, 
wird  Jeder  sehen,  der  den  Bau  astronomischer  Instrumente  genauer 
studirt  hat. 

Der  schwächste  Theil  der  Construction  ist  die  Absehnslinie.  Sie 
gibt  ein  so  kleines  Sonnenbild  (nur  0'!'3  Durchmesser),  dass  Einstellungs- 
fehler von  a/2o  Durchmesser  =  6"  Zeit  unvermeidlich  sind.  Diese  Un- 
sicheit  trifft  allerdings  nur  den  zufälligen  Beobachtungsfehler  d.  h.  sie 
kann  durch  Wiederholungen  der  Einstellungen  beliebig  verkleinert 
werden.  Aber  es  wären  36  Beobachtungen  nöthig,  um  1"  sicher  zu 
bekommen  und  das  nur  unter  der  Voraussetzung,  dass  die  constanten 
Fehler  =  0  sind.  Obige  Voraussetzung  ist  aber  nicht  begründet,  weil 
jedes  Instrument  nur  bis  zu  der  in  der  Berichtigung  bleibenden  Un- 
sicherheit genau  ist,  also  immer  noch  Fehler  begeht.  Hier  aber  ist 
nicht  darauf  angetragen,  diese  Fehler  zu  eliminiren,  weil  nur  in  Einer 
Lage  der  Absehlinie  beobachtet  werden  kann. 

Sollte  also  das  Instrument  unabhängig  werden  von  den  Nullpunkts- 
bestimmungen ,  so  müssten  Einstellungen  auf  beiden  Seiten  jedes  Null- 
punktes möglich  gemacht  sein.  Die  Gesichtslinie  müsste  überdiess  ein 
scharf  begrenztes  und  viel  grösseres  Bild  der  Sonne  geben. 


382 

Diese  Betrachtungen  weisen  wieder  darauf  hin ,  dass  ein  richtig 
gebautes  Chronoskop  ein  Aequatoreal  werden  muss,  was  noch  eine  dritte 
Axendrehung  um  die  Verticalaxe  hat. 

Es  lassen  sich  also  auch  hier  wie  in  der  Instrumentalastronomie 
die  2  Absichten  nicht  vereinigen,  nämlich  möglichst  einfache  Con- 
structiön  und  möglichst  grosse  Genauigkeit.  Man  muss  die  letzte  opfern, 
wenn  man  die  erste  will  und  umgekehrt.  Indessen  führt  auch  hier  ein 
Mittelweg  direkt  zum  Ziel  und  ich  will  desshalb  die  Aenderung  der 
ersten  Construction  angeben,  welche  die  Unsicherheit  der  Bestimmung 
in   die  Grenzen    der  Sicherheit    der  Ablesungen    der  Kreise  zurückführt. 

Fig.  3  und  4,  Tafel  2.  zeigt  die  Construction  der  verbesserten 
Gesichtslinie. 

In  dem  Stundenring  dreht  eine  Alhidade  mit  diametral  gegenüber- 
stehenden Nonien.  Auf  dieser  Alhidade  sitzt  ein  ganz  kleines  Fernrohr 
von  nur  2'"  Oeffnung  und  12'"  Brennweite.  Das  Sonnenbild  im  Brenn- 
punkt wird  etwa   10  mal  vergrössert  durch  ein  Kugelokular. 

In  möglichst  grossem  Abstand  hinter  dem  Okular  und  in  der  Ver- 
längerung des  Axenstrakls  des  Fernrohres  sitzt  eine  Bildtafel.  Das 
Okular  wird  soviel  herausgezogen ,  dass  auf  dieser  zum  Axenstrahl  nor- 
malen Ebene  ein  scharfes  Bild  der  Sonne  entsteht.  Wenn  dieses  Bild 
der  Sonne  2'"  im  Durchmesser  hat,  so  ist  es  nahezu  so  hell  als  direkter 
Sonnenschein  und  gestattet  folglich  eine  genaue  Beobachtung  der  Ränder 
gegen  die  Linien  auf  der  Bildfläche,  die  statt  der  Fäden  des  Fern- 
rohres funktioniren.  Dieses  Fernrohr  kann  auf  beiden  Seiten  des 
Stundenringes  nach  der  Sonne  gerichtet  werden  und  die  Berichtigung 
der  Gesichtslinie  benöthigt  hier  kein  Niveau.  Es  entfällt  daher  Niveau  2, 
indem  man,  das  Instrument  als  Verticalkreis  und  als  Horizontalkreis 
durch  Einvisiren  eines  festen  Punktes  berichtigt,  und  doppelte  Zenit- 
distanzen bestimmt. 

Zugleich  ist  die  Sicherheit  der  einzelnen  Einstellung  6  mal  grösser 
also  auf  ca  1"  sicher.  Noch  weiter  darin  zu  gehen,  wäre  illusorisch, 
da  die  Kreise  nur  auf  1/-2  Minute  eingestellt  werden  können. 

Es  ist  also  damit  das  Chronoskop  wesentlich  genauer  und  gestattet 
auch  auf  andere  Objecte  z.  B.  Fixsterne  einzustellen,  weil  ein  kleiner 
Spiegel    unter    45°    gegen    die    Absehnslinie    direkt    hinter    das    Okular 


383 

gestellt,  es  ermöglicht,  in  das  Okular  zu  sehen.  Genauigkeit  und  Manig- 
faltigkeit  der  Anwendung  haben  also  damit  wesentlich  gewonnen. 
Aber  man  benöthigt  2  Einstellungen  statt  einer.  Es  hat  also  die 
Einfachheit  des  Instrumentes  und  seiner  Anwendung  damit  verloren. 

Wollte  man  nun  auch  mit  der  Theilung  der  Kreise  eine  Ordnung 
weitergehen,  die  Nonien  von  10"  zu  10"  richten,  so  dürfte  die  Alhidade 
des  Declinationskreises  nicht  mehr  im  Stundenringe  schleifend  drehen, 
weil  dabei  Fehler  dieser  Ordnung  sprungweise  vorkommen  können. 
"Man  müsste  dann  d-  Kreis  und  Alhidade  ausserhalb  des  Ringes  so  an- 
bringen, dass  dessen  Axe  einen  Diameter  des  Ringes  bildete.  Dann 
wäre  aber  auch  nöthig ,  alle  3  Kreise  mit  Mikrometer  -  Klemmen  zum 
Festsetzen  und  Einstellen  zu  versehen.  Dann  käme  das  Instrument 
auf  ein  Aequatoreal  hinaus,  als  Stativ  auf  den  Meridanbogen  gestellt, 
zur  Aenderung  der  Polhöhe  und  versehen  mit  einer  3ten  Axenbewegung 
um  die  Verticalaxe. 


Abh.  d.  IL  Cl.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  X.  Bd.  II.  Ab'th.  4  9 


384 


Tafel     3. 
Zenitdistanzen  der  Sonne, 

wenn  gegeben  ist  <p,  <?,  t. 


6 

P 

g>   =  48°  8' 

0h 

lh 

2h 

3h 

4h 

5h 

t 

—  20 

110 

68  8 

69  28 

73  15 

79   9 

86  39 

—  — 

—  10 

100 

58  8 

59  41 

63  55 

70  29 

78  31 

86  52 

0 

90 

48  8 

49  54 

54  41 

61  54 

70  31 

80  4 

+  10 

80 

38  8 

40  12 

45  43 

53  54 

62  44 

72  36 

+  20 

70 

28  8 

30  48 

37  4 

45  51 

55  20 

65  22 

Tafel     4. 

Für  die  Correction  ds, 

wenn  das  Chronoskop  auf  d1  =  d  +  M  eingestellt  wird. 

(p=  48°  8'. 


ä 

Werth  von 

ds. 

0 

lh 

2h 

3h 

4h 

5h 

+  20 

0/72 

i'.Vo 

2.11 

4'.'l6 

6'.' 17 

+  20 

+  10 

0.87 

1.91 

3.11 

4.94 

8.22 

+  10 

0 

1.01 

2.20 

3.82 

7.27 

13.9 

0 

—  10 

1.30 

2.96 

5.48 

10.2 

36.3 

-  10 

—  20 

1.96 

4.58 

9.96 

32.6 

— 

-20 

ds  wird  immer  dem  Stundenwinkel  zugelegt. 


Tafel    5. 
Mittlere  Refractionen  nach  Bessel. 


385 


h      Z 


Refr. 


h       Z 


Refr. 


h       Z         Refr. 


h       Z 


Refr. 


5.27 
4.81 
4.42 
4.08 
3.79 
3.50 
3.31 
3.11 
2.93 
2.77 
2.62 


2.62 
2.49 
2.36 
2.25 
2.15 
2.05 
1.96 
1.88 
1.80 
1.73 
1.66 


1.66 
1.53 
1.42 
1.32 
1.23 
1.14 
1.07 
0.99 
0.93 
0.86 
0.81 


0.81 
0.67 
0.55 
0.45 
0.35 
0.26 
0.17 
0.11 
0.00 


386 

Tafel    6. 

Die  Zeitgleichung  Ton  4  zu  4  Tagen  und  die  Aenderung  der  Declination  der 

Sonne  für  1  Stunde. 


cU 

dd 

dd 

Jan. 

MZ-WZ 

lh 

Febr. 

MZ—WZ 

V 

März 

MZ—WZ 

lh 

1 

+  3'.  6 

0.'20 

1 

+  13'.8 

0.10 

1 

+  12'.5 

0'.95 

1.8 

0.07 

0.4 

0.06 

0.9 

0.02 

5 

5.4 

0.27 

5 

14.2 

0.76 

5 

11.6 

0.97 

1.8 

0.08 

0.2 

0.04 

1.0 

0.00 

9 

7.2 

0.35 

9 

14.4 

0.80 

9 

10.6 

0.97 

1.6 

0.07 

0.1 

0.05 

1.1 

0.01 

13 

.   8.8 

0.42 

13 

14.5 

0.85 

13 

9.5 

0.98 

1.4 

0.07 

0.2 

0.03 

i.i 

0.00 

17 

10.2 

0.49 

17 

14.3 

0.88 

17 

8.4 

0.98 

1.2 

0.06 

0.4 

0.02 

1.2 

0.00 

21 

11.4 

0.55 

21 

13.9 

0.90 

21 

7.2 

0.98 

1.1 

0.05 

0.5 

0.02 

1.2 

0.00 

25 

12.5 

0.60 

25 

13.4 

0.92 

25 

6.0 

0.98 

0.8 

0.07 

0.7 

0.07 

1.3 

0.01 

29 

13.3 

0.6 

0.67 

0.05 

29 

+  12.7 

0.95 

29 

4.7 

1.2 

0.97 

0.01 

33 

+  13.9 

0.72 

33 

+  3.5 

0.96 

April 

MZ—WZ 

dd 

lh 

Mai 

MZ—WZ 

dd 

Juni 

MZ-WZ 

dd 
lh 

1 

+  3'.  8 

0^96 

1 

-  3'.1 

0'.75 

1 

-  2A 

0'.33 

1.2 

0.01 

0.4 

0.04 

0.6 

0.06 

5 

2.6 

0.95 

5 

3.5 

0.71 

5 

1.8 

0.27 

1.1 

0.04 

0.3 

0.05 

0.8 

0.07 

9 

1.5 

0.91 

9 

3.8 

0.66 

9 

1.0 

0.20 

1.1 

0.01 

0.1 

0.05 

0.8 

0.07 

13 

+  0.4 

0.90 

13 

3.9 

0.61 

13 

-  0.2 

0.13 

1.0 

0.01 

0.1 

0.06 

0.8 

0.07 

17 

-  0.6 

0.89 

17 

3.8 

0.55 

17 

+  0.6 

0.06 

0.9 

0.04 

0.2 

0.05 

0.9 

0.05 

21 

1.4 

0.85 

21 

3.6 

0.50 

21 

1.5 

0.01 

0.8 

0.04 

0.3 

0.06 

0.9 

0.06 

25 

2.2 

0.81 

25 

3.3 

0.44 

25 

2.4 

0.07 

0.6 

0.04 

0.5 

0.06 

0.8 

0.07 

29 

2.8 

0.77 

29 

2.8 

0.38 

29 

3.2 

0.14 

0.4 

0.03 

0.5 

0.06 

0.6 

0.05 

33 

-  3.2 

0.74 

33 

-  2.3 

0.32 

33 

+  3.8 

0.19 

38' 


Tafel    6    (Fortsetzung). 


Juli 

MZ—WZ 

da 

Aug. 

MZ—WZ 

cid 
lh 

Sept. 

MZ-WZ 

cU 
lh 

1 

+  3^6 

0J6 

1 

+  ö'.O 

0.'63 

1 

-  0'.3 

0.'91 

0.7 

0.07 

0.3 

0.05 

1.2 

0.02 

5 

4.3 

0.24 

5 

5.7 

0.68 

5 

1.5 

0.93 

0.6 

0.06 

0.5 

0.05 

1.4 

0.02 

9 

4.9 

0.30 

9 

5.2 

0.73 

9 

2.9 

0.95 

0.5 

0.07 

0.6 

0.04 

1.4 

0.01 

13 

5.4 

0.37 

13 

4.6 

0.77 

13 

4.3 

0.96 

0.5 

0.06 

0.8 

0.04 

1.4 

0.01 

17 

5.9 

0.43 

17 

3.8 

0.81 

17 

5.7 

0.97 

0.2 

0.06 

0.9 

0.04 

1.4 

0.01 

21 

6.1 

0.49 

21 

2.9 

0.85 

21 

7.1 

0.98 

0.1 

0.05 

i.i 

0.03 

1.4 

0.00 

25 

6.2 

0.54 

25 

1.8 

0.88 

25 

8.5 

0.98 

0.0 

0.05 

i.i 

0.04 

13. 

0.01 

29 

6.2 

0.59 

29 

+  0.7 

0.89 

29 

9.8 

0.97 

0.2 

0.06 

1.3 

0.02 

1.3 

0.00 

33 

+  6.0 

0.65 

33 

-  0.6 

0.91 

33 

-    11.1 

0.97 

Okt. 

MZ—WZ 

cid 
lh 

Nov. 

MZ-WZ 

cid 
lh 

Dez. 

MZ—WZ 

cid 
lh 

1 

-  10'.5 

0.'97 

1 

-  ie'.3 

0.'80 

1 

-  10'.6 

0.'38 

1.2 

0.01 

0.0 

0.04 

1.6 

0.07 

5 

11.7 

0.96 

5 

16.3 

0.76 

5 

9.0 

0.31 

i.i 

0.01 

0.3 

0.05 

1.8 

0.08 

9 

12.8 

0.95 

9 

16.0 

0.71 

9 

7.2 

0.23 

1.0 

0.02 

0.5 

0.05 

1.8 

0.07 

13 

13.8 

0.93 

13 

15.5 

0.66 

13 

5.4 

0.16 

0.9 

0.02 

0.7 

0.06 

2.0 

0.08 

17 

14.7 

0.91 

17 

14.8 

0.60 

17 

3.4 

0.08 

0.7 

0.02 

1.0 

0.06 

2.0 

0.07 

21 

15.4 

0.89 

21 

13.8 

0.54 

21 

-   1.4 

0.01 

0.5 

0.03 

i.i 

0.06 

1.9 

0.07 

25 

15.9 

0.86 

25 

12.7 

0.48 

25 

+  0.5 

0.08 

0.3 

0.03 

1.4 

0.07 

2.0 

0.08 

29 

16.2 

0.83 

29 

11.3 

0.41 

29 

2.5 

0.16 

0.1 

0.04 

1.5 

0.07 

0.9 

0.08 

33 

-  16.3 

0.79 

33 

-  9.8 

0.34 

33 

+  4.4 

0.24 

Für  £ 

TÖssere  Zei 

ten  nehmen 

die  Za 

ilen  der  Dec 

linationen  a 

)  bis  zi 

im  20.  März.  ( 

>ie  nehmen 

zu  bis  21.  J 

uni,  wieder  i 

ib  bis 

«um  22.  Septe 

mber.     Neb. 

men  zu 

bis  21.  Dezen 

iber. 

T.-if 


Q0__         '  I, 


Hath.phüs.Cl  .V  //. 


Stcinhrils  Chrvnoscop. 

■ 


/>////. 


Fig.  3. 


: 


1 


Tafll 


If„f/,  p/iüs  Cl  X.  // 


Sfci'/iAet'fs  C/ironoscop. 


Die 


Grosshirnwindungen  des  Menschen 

mit  Berücksichtigung  ihrer  Entwicklung  bei  dem  Fötus 
und  ihrer  Anordnung  bei  den  Affen. 


Neu  untersucht  und  beschrieben 


Dr.  Th.  L.  W.  Bischoff, 

Professor  der  Anatomie  und  Physiologie   und  ordentlichem  Mitgliede  der  k.  Akademie  der 

Wissenschaft  in  München. 


Mit    sieben   Tafeln. 


Abh.d.II.Cl.d.k.Ak.d.Wiss.X.Bd  II.Abth.  49' 


Inhal  t. 


Historische  Einleitung pag.    391 

Von  der  Eintheilung  der  Grosshirnhemisphären  in  Lappen  .       .       .  „      404 

Von  der  Anordnung  der  Grosshirnwindungen  beim  Menschen    .       .  „      424 

Entwicklungsgeschichte  der  Grosshirnwindungen  beim  Menschen       .  „      445 

Von  der  Anordnung  der  Grosshirnwindungen  bei  den  Affen       .       .  „451 

Beschreibung  der  Tafeln „      494 


Historische  Einleitung. 

Obgleich  man  gewiss  nicht  sagen  kann,  dass  die  Anatomen  zu  irgend 
einer  Zeit  das  Studium  des  Gehirns  vernachlässigt  haben ,  sondern  die- 
selben immer  bemüht  waren,  den  wunderbaren  Bau  und  die  Zusammen- 
setzung desselben  genauer  kennen  zu  lernen,  so  muss  man  doch  zugeben, 
dass  dieses  Studium  in  den  neuesten  Zeiten  auf  Veranlassung  der  lebhaft 
aufgenommenen  anthropologischen  und  ethnologischen  Forschungen  einen 
neuen  Aufschwung  genommen  hat.  Neben  der  Ermittlung  der  Grössen- 
und  Gewichtsverhältnisse  hat  man  sich  vorzüglich  bemüht,  die  Ober- 
fläche des  grossen  Gehirns  des  Menschen  genauer  topographisch  zu 
erforschen,  und  in  das  scheinbar  regellose  Gewirre  der  diese  Oberfläche 
bedeckenden  Spalten  und  Falten  eine  genauere  Einsicht  und  einen 
leitenden  Faden  zu  finden.  Die  Ueberzeugung,  dass  diese  gefaltete 
und  mit  grauer  Ganglien-Substanz  bedeckte  Oberfläche  vorzugsweise  das 
materielle  Substrat  der  sogenannten  Geistesthätigkeiten  sei ,  hat  sich 
immer  mehr  und  mehr  befestigt,  und  bei  der  Verschiedenheit,  in  welcher 
wir  diese  Geistesthätigkeiten  bei  Menschen  und  Thieren  und  den  ver- 
schiedenen Menschen  wirksam  sehen ,  muss  das  Streben  unterstützt 
werden,  die  materiellen  Substrate  dieser  Verschiedenheiten  genauer  zu 
erforschen.  An  Versuchen  den  ariadneschen  Faden  durch  dieses  Laby- 
rinth von  Windungen  zu  finden,  hat  es  nicht  gefehlt,  allein  man  muss 
gestehen,  dass  es  bis  jetzt  noch  nicht  gelungen  ist,  in  diesem  Gewirre 
überall  einen  einfacheren  Plan  zu  erblicken. 
Abh.d.II.Cl.d.k.Ak.d.Wiss.X.Bd  II.Abth.  50 


392 

Sömmering  betrachtet  in  seiner  Nervenlehre  p.  27  mit  Th.Bartho- 
linus  die  Bildung  der  Sulci  und  Gyri  nur  als  ein  Mittel  des  tieferen 
Eindringens  der  Gefässhaut  in  das  Hirn ,  und  widmet  ihnen  weiter 
keine  Beachtung,  als  dass  er  sagt,  sie  könnten  auf  den  ersten  Blick 
unregelmässig  erscheinen,  seien  sich  aber  doch  in  verschiedenen  Köpfen 
im  Ganzen  genommen  immer  sehr  ähnlich  oder  analog.  In  einem  relativ 
zu  seinen  Nerven,  aber  auch  auch  in  einem  absolut  grösseren  Gehirne, 
treffe  man  etwas  mehr  Windungen  als  in   einem  kleineren. 

Burdach  hat  sich  in  seinem  grossen  Werke  über  Bau  und  Leben 
des  Gehirns  mit  den  Windungen ,  seinen  sogenannten  Randwülsten ,  als 
solchen  und  mit  ihrer  Anordnung  nur  wenig  beschäftigt;  ihm  war  es 
mehr  um  die  Faserung  der  Marksubstanz  zu  thun,  und  nur  in  Beziehung 
auf  ihre  peripherische  Entfaltung  berücksichtigte  er  auch  die  Randwülste. 
Im  zweiten  Bande  der  genannten  Schrift  p.  164  sagt  er  aber  doch: 
Durch  die  scheinbare  Verworrenheit  schimmern  aber  doch  allgemeine 
Gesetze  hindurch,  und  wir  erkennen  einige  Hauptzüge  von  Randwülsten, 
welche  bestimmten  Elementen  entsprechen.  An  der  innern  Seite  der 
Hemisphäre,  sagt  er,  ist  die  Längenrichtung  vorherrschend;  die  obere 
Fläche  hat  vorn  breite,  hinten  schmälere,  geschlängelt  in  die  Länge 
verlaufende,  in  der  Mitte  aber,  oder  am  Scheitel  breite  in  die  Quere 
sich  erstreckende  Randwülste.  Die  äussere  .Fläche  zeigt  vorherrschende 
Querrichtung  etc.,  womit  die  Anordnung  im  Ganzen  vollkommen  richtig 
angedeutet  ist. 

Der  Erste,  welcher  sich  in  ausgedehnterer  Weise  mit  dem  Studium 
der  Windungen  beschäftigt,  war  Rolando  in  seiner  Schrift:  Della 
struttura  degli  emisferi  cerebrali  Torino  1830.  410,  Er  muss  nament- 
lich als  derjenige  bezeichnet  werden,  welcher  zuerst  die  auffällende, 
constant  quer  über  die  Mitte  der  oberen  und  äusseren  Fläche  jeder 
Hemisphäre  herüberlaufende  Furche  und  die  beiden  sie  begrenzenden 
Windungen  bemerkte  und  hervorhob ,  welche  daher  auch  mit  Recht 
häufig  mit  seinem  Namen  bezeichnet  werden.  Sodann  haben  Cruveilhier 
in  seiner  Anatomie  descriptive  T.  IV  p.  658  1836  und  besonders  Leuret 
in  seiner  Anatomie  comp,  du  cerveau  I  p.  397  1839,  so  wie  Foville  in 
seinem  Traite  complet  de  l'Anatomie  du  Systeme  nerveux  cerebrospinal.  I. 
p.  191.    1844.    der  Anordnung    der  Windungen    eine    grössere  Aufmerk- 


393 

samkeit  geschenkt.  Auch  in  Deutschland  versuchte  Valentin  in  seiner 
Bearbeitung  der  Sömmering'schen  Hirn-  und  Nervenlehre  p.  170  einige 
constantere  Windungen  herauszufinden. 

Allein  alle  diese  Bemühungen  vermochten  sich  so  wenig  allgemeine 
Anerkennung  zu  verschaffen,  dass  Arnold  in  seiner  Anatomie  II  p.  730 
1851  mit  Recht  sagen  konnte,  dass  weder  für  die  Richtung  der  Win- 
dungen Grundformen,  noch  für  die  Vertheilung  derselben  Regeln  auf- 
gefunden worden  seien,  so  dass  wir  denn  auch  in  unseren  besten  Hand- 
und  Lehrbüchern  von  Meckel,  Hildebrand-Weber,  Krause,  Hjrtl  u.  And. 
ausser  einigen  wenigen,  allerdings  mit  leicht  erkennbarer  Constanz 
vorkommenden  Windungen,  die  übrigen  nicht  näher  berücksichtigt  und 
bezeichnet  finden. 

Erst  Huschke  hat  1854  in  dem  dritten  Capitel  seiner  so  gehalt- 
reichen Schrift  über  Schädel,  Hirn  und  Seele  p.  129  bis  145  einen  sehr 
wesentlichen  Schritt  in  der  Entwicklung  und  Feststellung  der  Lehre 
von  den  Windungen  des  grossen  Gehirns  weiter  gethan ,  der  wenn  er 
sich  etwas  mehr  von  naturphilosophischer  speculativer  Beimischung  frei- 
gehalten hätte ,  sicher  allgemeinere  Verbreitung  und  Anerkennung 
gefunden  und  ihrem  Urheber  die  gerechte  Anerkennung  erworben  hätte, 
welche  man  jetzt  fast  allgemein  einem  Nichtdeutschen  widmet. 

Huschke  glaubt,  geleitet  durch  vergleichend  anatomische  und  em- 
bryologische Studien,  zu  dem  Resultate  gekommen  zu  sein,  dass  es  an 
dem  Gehirn  drei  oder  vier  Urwindungszüge  gebe,  welche  von  dem 
oberen  Rande  des  horizontalen  Theiles  der  Fossa  Sylvii  ausgehend  huf- 
eisenförmig nach  hinten  um  diese  Grube  herum  in  den  Unter-  oder 
Schläfenlappen  bis  gegen  den  Rand  desselben  ziehen.  Während  diese 
Urwindungen  an  dem  Gehirn  niedriger  Ordnungen  der  Säugethiere  mehr 
oder  weniger  deutlich  ununterbrochen  erkennbar  sind ,  werden  bei  dem 
Menschen  und  den  Affen  die  Bogen  dieser  Urwindungen  durch  die  Ent- 
wicklung der  Rolando'schen  oder  Centralfurche  und  ihrer  sie  umgebenden 
Windungen  gewissermassen  gesprengt,  und  in  eine  vordere  und  eine 
hintere  Abtheilung  zerlegt,  und  diese  Abtheilungen  selbst  gerathen  in 
eine  mehr  horizontale  Längenrichtung. 

Das  bleibende  Verhältniss  wird  dadurch  Folgendes.  Fast  in  der 
Mitte  der  Hemisphäre  haben  wir  die  Rolando'sche  Spalte    zwischen  den 

o0- 


394 

beiden  Centralwindungen.  Vor  ihnen  zeigen  sich  drei  der  Länge  nach 
verlaufende  Stirnwindungen,  eine  erste,  zweite  und  dritte,  oder 
untere,  mittlere  und  obere.  Hinter  ihnen  finden  sich  gleicherweise  drei, 
ein  oberer,  mittlerer  und  unterer  Windungszug,  welche  nach  dem  hin- 
teren Ende  der  Hemisphäre  hinziehen.  Aber  nur  die  beiden  oberen 
erreichen  dasselbe,  während  der  untere  sich  um  das  obere  Ende  der 
Sylvischen  Grube  in  den  Schläfenlappen  hinzieht,  welcher  indessen 
ausserdem  auch  noch  von  dem  oberen  und  mittleren  Windungszug 
gebildet  wird,  nachdem  sie  das  hintere  Ende  der  Hemisphäre  erreicht  haben. 
Diese  hinteren  Windungszüge  schlängeln  sich  stärker  als  die  Stirn- 
windungszüge und  bilden  dadurch  Convolute  oder  Läppchen,  und  zwar 
der  obere  drei:  den  Lobus  parietalis  superior  oder  Vorzwickel,  den 
Zwickel  oder  oberes  Zwischenscheitelbeinläppchen  und  ein  drittes  das 
Endläppchen  oder  unteres  Zwischenscheitelbeinläppchen,  welches  die 
eigentliche  Spitze  der  Hemisphäre  bildet.  Der  mittlere  und  untere  Win- 
dungszug, welche  Huschke  beide  in  einem  zusammenfasst,  erzeugen  auch 
drei  Läppchen,  erstens  das  Scheitelhöckerläppchen  (Lob.  tuberis), 
um  das  Ende  der  Sylvischen  Grube  herum,  das  in  dem  Gyrus  temporalis 
superior  übergeht;  zweitens  das  mittlere  Hinterscheitelbeinläppchen 
(Lob.  parietalis  medius)  nach  aussen  vom  Zwickel,  und  drittens  den 
Lob.  interparietalis  externus,  äusseren  Zwischenscheitelbeinlappen, 
der  den  äusseren  Theil  der  fossa  cerebri  einnimmt  und  sich  hierauf  an 
die  Unterfläche  der  Hemisphäre   begiebt. 

An  der  inneren  Fläche  des  hinteren  Theiles  der  Hemisphäre  unter- 
scheidet Huschke  zuerst  den  Vorzwickel  und  den  Zwickel;  dann  an 
der  unteren  Fläche  ein  zungenförmiges  Läppchen  (Lob.  lingualis), 
dann  ein  weiter  nach  aussen  liegendes  spindelförmiges  (Lob.  fusi- 
formis),  welche  beeide  mit  ihren  Spitzen  gegen  die  grosse  Querspalte  der  He- 
misphäre und  den  hier  befindlichen  und  um  das  Splenium  corporis  callosi 
laufenden  Gyrus  Hippocampi  und  Gyrus  Cinguli  oder  Gyrus  fornicatus 
(Arnold)  hinlaufen,  und  in  denselben  übergehen.  Der  Schaf enlappen 
besteht  aus  drei  concentrisch  in  und  übereinander  liegenden  Windungen, 
einem  Gyrus  temp.  superior,  medius  und  inferior,  welche  nach  hinten 
mit  dem  Scheitelhöckerläppchen,  äusserem  Zwischenscheitelbeinläppchen 
und  dem  Zwischenscheitelhirn  zusammenhängen.  —  Zu  diesen  Windungen 


395 

kommt  dann  noch  an  der  inneren  und  unteren  Seite  der  ganzen  Hemi- 
sphäre der  aus  dem  Gyrus  cinguli  und  Gyrus  Hippocampi  zusammen- 
gesetzte Gyrus  fornicatus  und  die   Windungen  der  Insel. 

Ich  habe  durch  diesen  ganz  kurzen  und  fragmentarischen  Auszug 
der  Huschkeschen  Analyse  der  Grosshirnwindungen  nur  zeigen  wollen, 
dass  in  derselben  alle  Elemente  eines  vollständig  durchgeführten  Sy- 
stemes  dieser  Windungen  schon  gegeben  sind.  An  und  für  sich  leidet 
Huschkes  Darstellung  besonders  der  hinter  den  Centralwindungen 
liegenden  Parthie  an  Dunkelheit,  unpassender  Nomenclatur  und  Mangel 
der  Unterscheidung  eines   Scheitel  und  Hinterhauptlappens. 

So  kam  es  denn,  dass  Huschkes  Leistung  auf  diesem  Gebiet  so- 
gut  wie  ganz  unbeachtet  und  unbekannt  geblieben  ist,  während  ein 
gleichzeitig  erschienenes  Werk  eines  Ausläoders,  nämlich  Gratiolets,  nicht 
nur  in  der  ganzen  übrigen  wissenschaftlichen  Welt,  sondern  auch  in 
Deutschland  die  allgemeinste  Anerkennung  und  Verbreitung  gefun- 
den hat. 

Gratiolet  unterscheidet  in  seinem  bekannten  und  berühmten  Memoire 
sur  les  Plis  cerebreaux  de  1'  Homme  et  des  Primates  Paris  1854.  die 
gewöhnlichen  fünf  Lappen  an  jeder  Hemisphäre:  Lobe  central,  frontal, 
parietal,  occipital  und  temporal.  Allein  schon  bei  dem  Stirnlappen 
ist  er  nicht  einig  mit  sich,  ob  er  die  hintere  Grenze  desselben  vor  oder 
hinter  die  erste  Centralwindung  legen  soll.  Noch  unbestimmter  bleiben 
die  Grenzen  für  den  Hinterhauptslappen.  Bei  den  Affen  freilich  sind 
dieselben  an  der  äusseren  und  inneren  Fläche  der  Hemisphäre  durch  die 
Fiss.  perpendicularis  externa  und  interna  leicht  und  bestimmt  gegeben, 
allein  an  der  unteren  Fläche  verzichtet  er  auch  bei  diesen  ganz  auf 
eine  Abgrenzung  zwischen  Hinterhaupts-  und  Schläfenlappen,  und  nimmt 
hier  einen  Lobe  temporo-sphenoiclal  an.  Bei  dem  Menschen  fällt  nun 
auch  noch  die  Fiss.  perpend.  externa  fort,  und  so  bleibt  nur  noch  an 
der  inneren  Fläche  die  einzige  Fiss.  perpend.  interna  zur  Begrenzung 
des  Hinterhauptlappens  übrig.  Daher  ist  es  nicht  zu  verwundern,  wenn 
hier  nun  auch  für  die  Bezeichnung  und  Ortsbestimmung  der  Windungen 
Zweifel  und  Unklarheiten  entstehen. 

Was  nämlich  diese  Windungen  betrifft,  so  bezeichnet  und  beschreibt 
dieselben  Gratiolet  an  der  äusseren,   inneren  und  unteren  Fläche  folgender- 


396 

massen.  An  der  äusseren  Fläche  des  Stirnlappens  drei  Windungen : 
Pli  frontal  superieur,  moyen  und  inferieur  ou  surcilier;  an  der  unteren 
Fläche  Pli  oder  vielmehr  Lobule  orbitaire;  an  der  inneren  Pli  de  la 
zone  externe  und  Pli  de  la  zone  interne,  ersterer  Nichts  Anderes  als 
die  nach  innen  gelegene  Partie  des  Pli  frontal  superieur,  letzterer  der 
vordere  Theil  des  um  den  Balken  herumgelagerten  Gyrus  cinguli.  Zum 
Lobe  parietal  rechnet  Gratiolet  an  der  äusseren  Seite  den  premier 
und  second  Pil  ascendant  (die  beiden  Rolandoschen  Windungen)  ferner 
einen  Lobule  du  Pli  marginal  superieur,  der  von  dem  unteren  Ende 
des  deuxieme  pli  ascendant  ausgeht,  dem  Menschen  eigentümlich  sein 
soll  und  die  Fossa  Sylvii  an  ihrem  oberen  Ende  nach  oben  begränzt; 
weiter  einen  Lobule  du  deuxieme  pli  ascendant,  der  von  dem  oberen  Ende 
dieses  deuxieme  pli  ascendant  ausgeht,  und  sich  längs  der  fissura  longi- 
tudinalis  cerebri  bis  zu  der  Fiss.  perpend.  interna  erstreckt,  und  endlich 
einen  Pli  courbe,  der  das  obere  Ende  einer  mit  der  Fossa  Sylvii  parallel 
verlaufenden  Furche  des  Schläfenlappens  umgiebt,  und  in  den  Pli  temporal 
superieur  als  Pli  marginal  inferieur  dieser  Spalte  übergeht.  An  der  inneren 
Seite  des  Scheitellappens  unterscheidet  Gratiolet  die  Fortsetzung  des  Pli  de 
la  zone  externe  und  interne  des  Stirnlappens,  und  an  der  inneren  Seite 
des  Lobule  du  deuxieme  pli  ascendant  einen  Lobule  quadrilatere, 
welcher  die  Fiss.  perpend.  int.  von  vorne  begrenzt.  An  diese  Windungen 
schliesst  sich  nun  bei  den  Affen  sogleich  der  Lobe  occipital  an,  nach 
vorne  begrenzt  durch  die  Fiss.  perpend.  externe  und  den  sogenannten 
Opercule  als  vorderer  Rand  dieses  Lobe  occipital.  Unter  dem  Opercule 
versteckt  liegen  zwei  obere  Plis  de  Passage  externes,  von  denen  aber 
der  erste  sich  nicht  bei  allen  Affen  findet,  auch  nicht  bei  allen  bedeckt 
liegt;  und  dann  die  beiden  unteren  Plis  de  Passage  externes,  welche  den 
Zusammenhang  zwischen  dem  zweiten  und  dritten  Pli  occipital  und  dem 
Pli  temporal  moyen  darstellen.  Bei  dem  Menschen  sollen  sich  diese 
vier  Plis  de  passage  sehr  stark  entwickelt  finden  und,  da  die  Fiss.  per- 
pend.  externe    und  das   Opercule  fehlen,  oberflächlich  liegen. 

An  dem  Occipital-Lappen  selbst  unterscheidet  Gratiolet  an  der 
hinteren  und  äusseren  Seite  einen  Pli  occipital  superieur,  moyen  und 
inferieur,  welche  horizontal  verlaufen  und  sich  bis  an  die  untere  Fläche 
hinziehen.    An  der  inneren   Seite  dieses   Occipitallappen   finden  sich  bei 


397 

den  Affen  noch  zwei  Plis  de  Passage  internes,  die  den  Lobule  quadri- 
latere  mit  dem  Hinterhauptslappen  in  Verbindung  setzen,  und  beim 
Menschen  fehlen;  die-  innere  Fläche  des  Occipitallappens  selbst  nennt 
Gratiolet  Lobule  occipital.  —  Die  Windungen  an  der  äusseren  Seite 
des  Lobe  temporal  unterscheidet  Gratiolet  als  Pli  temporal  superieur 
oder  marginal  inferieur,  pli  temporal  moyen  und  inferieur,  von 
welchen  die  beiden  ersteren  durch  die  Fissure  parallele  von  einander 
getrennt  werden  und  letzterer  auch  schon  auf  die  untere  Seite  herum- 
greift. —  Die  untere  Fläche  des  Schläfen-  und  Hinterhauptslappen  wird, 
wie  schon  erwähnt,  Lobe  occipito  -  temporal  genannt,  und  hier  ausser 
dem  Pli  godronne  (Fascia  dendata),  ein  Pli  temporal  interne  superieur 
s.  unci forme  (Gyrus  Hippocampi),  ein  Pli  temporal  moyen  interne, 
und  ein  Pli  temporal  inferieur  externe,  identisch  mit  dem  Pli  temporal 
inferieur,  unterschieden,  welche  beide  letzteren  sich  bis  zur  Spitze  des 
Hinterhauptslappen  erstrecken.  Hier  hört  daher  die  Unterscheidung 
von  einem  Schläfen-  und  HinterhaujJtslappen  ganz  auf. 

Gratiolet  hat  unzweifelhaft  wie  Huschke,  dessen  Werk  derselbe 
ebenso  wenig  kannte,  wie  Huschke  dasjenige  von  Gratiolet,  das 
Verdienst  ganz  selbstständig  zum  erstenmale  ein  vollständiges  System 
der  Hirnwindungen  geschaffen  zu  haben,  welches  namentlich  durch  seine 
Erbauung  auf  dem  vergleichend  anatomischen  Boden  des  Affengehirns 
grosse  Vorzüge  besass ,  und  grössere  Ansprüche  erheben  konnte ,  als 
irgend  eine  frühere  dahin  gerichtete  Bemühung.  Seine  im  Ganzen  glück- 
liche Einfachheit  und  Uebersichtlichkeit  verschaffte  ihm  überall  besonders 
in  Frankreich  und  England  unbedingte  Auf-  und   Annahme. 

So  sehr  ich  indessen  seine  Vorzüge  anerkenne  und  namentlich 
historisch  würdige ,  so  hat  es  mir  doch  ohnmöglich  geschienen ,  bei 
dieser  Bearbeitung  Gratiolets  stehen  zu  bleiben. 

Gratiolet  ist  rein  und  ausschliesslich  topographisch  verfahren,  ohne 
nach  irgend  einem  typischen  Bedingungsgrund  oder  einem  Gesetz  in  der 
Entwicklung  der  einzelnen  Windungen  oder  ihrer  Hauptgruppen  zu 
fragen  oder  wenigstens  ohne  einen  solchen  aufzufinden.  Daher  blieben 
schon  bei  den  Affen  viele  Verhältnisse  unverständlich  und  unverstanden; 
es  blieb  bei  einer  nüchternen  Angabe  des  Vorkommens  oder  des  Mangels, 
der  grösseren  oder  geringeren  Ausbildung    einzelner  Windungen,     ohne 


"398 

dass  man  für  solche  Verschiedenheiten  irgend  einen  Schlüssel  erblickte, 
und  Manches  wurde  entschieden  verkannt,  weil  es  nur  aus  rein  localem 
Gesichtspunkt  aufgefasst  wurde.  Diese  Mängel  machen  sich  aber  noch 
mehr  und  störender  geltend,  wenn  man  Gratiolets  System  auf  den 
Menschen  anzuwenden  sucht,  mit  dessen  Gehirn  sich  Gratiolet  wohl 
überhaupt  nicht  in  hinlänglich  ausgedehntem  Maasse  beschäftigt  hat. 
Befolgt  man  auch  hier  das  rein  locale  Verfahren,  sucht  man  Gratiolets 
Windungen  rein  nach  ihrem  localen  Auftreten  bei  dem  menschlichen 
Gehirn  wiederzufinden ,  so  wird  man  in  die  grössten  Zweifel  versetzt 
und  sieht  sich  Willkührlichkeiten  überlassen ,  die  jede  correcte  An- 
wendung, namentlich  jeden  Vergleich,  worauf  es  doch  zuletzt  zumeist 
ankommen  wird,   ohnmöglich  machen. 

Das  Gesagte  gilt  ganz  vorzüglich  für  die  hintere  Partie  des  Scheitel- 
lappens und  für  den  Hinterhauptslappen.  Gratiolet  hat  hier  allerdings 
das  Verdienst,  auf  seine  sogenannten  Plis  de  Passage  bei  den  Affen 
zuerst  aufmerksam  gemacht  zu  haben.  Allein  da  er  ihre  Bedeutung 
gar  nicht  weiter  erkannte,  als  dass  sie  einfach  den  Uebergang  zwischen 
•den  beiden  genannten  Lappen  vermitteln,  so  konnten  sie  bald  da  sein, 
bald  fehlen,  bald  oben  bald  unten  liegen,  bald  gross  bald  klein  sein, 
sie  hatten  ja  gar  keinen  weiteren  Charakter,  als  an  der  genannten 
Grenze  zu  liegen,  und  nicht  leicht  werden  daher  wohl  zwei  Beobachter 
über  ihr  Verhalten,  ihre  Lage,  ihre  Ausdehnung  an  demselben,  geschweige 
denn  an  verschiedene  Gehirnen  in  Uebereinstimmung  sein.  Der  Name 
Pli  de  Passage  ist  daher  auch  der  reinste  Lückenbüsser  geworden ,  die 
Bezeichnungen  werden  aufs  Gerathewohl  an  die  ohngefähr  betreffenden 
Stellen  der  Abbildungen  gesetzt,  und  damit  ist  es  abgethan,  aber  sich 
belehren  und  sich  Rath  erhohlen  für  den  Fall,  den  man  unter  den 
Händen  hat,  kann  man  nicht.  Aber  auch  an  dem  Stirn-  und  Schläfen- 
lappen stösst  man  wegen  der  ausschliesslichen  Anwendung  des  Localitäts- 
Principes  auf  Zweifel,  unmotivirte  Trennungen  und  wie  ich  glaube 
selbst  Unrichtigkeiten,  welche  eine  fernere  Entwicklung  dieser  Lehre 
beseitigen  muss. 

Reichert  hat  in  seinem  Werk  über  den  Bau  des  menschlichen  Ge- 
hirns Bd.  II.  p.  88  ausdrücklich  auf  eine  genauere  topographische 
Beschreibung    der    Furchen    und   Windungen    des    menschlichen    Gehirns 


399 

verzichtet.  Allein  er  ist  dennoch  auf  ihre  Entstehung  und  Bildung  bei 
dem  Embryo  ziemlich  ausführlich  eingegangen,  weil  er  gewiss  mit  Recht 
der  Ansicht  ist,  dass  das  Typische  im  complicirten  Bau  der  Gyri  an 
den  menschlichen  grossen  Hemisphären  aus  der  Bildungsgeschichte  nach- 
zuweisen sei  (p.  78).  Ich  werde  später  auf  diese  Darstellung  der 
Entwicklung  der  Windungen  durch  Reichert  zurückkommen ;  übergehe  sie 
aber  hier  um  Wiederholungen  zu  vermeiden.  —  Ausserdem  macht 
Reichert  darauf  aufmerksam ,  dass  die  charakteristische  Eorm  und 
Anordnung  der  Windungen  eine  auffällige  Uebereinstimmung  mit  dem 
Typus  der  Verästelungen  und  dem  Verlauf  der  meist  in  den  Furchen 
hinziehenden    stärkeren  Aeste  der  Hirnarterien  zeigt. 

R.  Wagner  hat  in  seinen  Vorstudien  zur  Morphologie  und  Phy- 
siologie des  menschlichen  Gehirns  zu  den  Leistungen  Huschkes  und 
Gratiolets  Nichts  wesentlich  Neues  hinzufügt.  Denn  obwohl  er  die 
Mängel  der  Darstellung  dieser  seiner  Vorgänger  namentlich  in  der 
Scheitel-  und  Hinterhauptsgegend  wohl  erkannte,  Gratiolets  Plis  de 
Passage  von  der  Bezeichnung  der  Windungen  des  menschlichen  Gehirnes 
ausschloss,  und  ausser  den  beiden  Centralwindungen  nur  drei  Stirn-, 
drei  Scheitel-,  drei  Hinterhaupts-  und  drei  Schläfen -Windungen  unter- 
schied, so  gelang  es  ihm  dadurch  doch  in  keiner  Weise  die  Scheitel 
und  Hinterhauptswindungen  besser  zu  charakterisiren ,  als  seinen  Vor- 
gängern Huschke  und  Gratiolet.  Jeder  der  diese  sechs  Windungen  an 
verschiedenen  Gehirnen  aufsuchen  und  feststellen  will,  wird  sich  immer 
in  Verlegenheit  befinden,  wohin  er  sie  verlegen  soll,  da  ihnen  Wagner 
gar  keinen  bestimmten  Charakter  zu  ertheilen  vermochte.  Wagners 
Arbeiten  haben  daher  der  Lehre  von  den  Hirnwindungen  nur  durch 
grössere    Verbreitung    nicht    durch    weitere   Entwicklung  genutzt. 

Auch  eine  in  England  erschienene  Darstellung  der  Hirnwindungen 
des  Menschen  von  W.  Turner  Edinb.  Medic.  Journal  June  1866.  auch 
in  einem  Separatabdruck:  The  convolutions  of  the  Human  Cerebrum 
topographically  considered  Edinburgh  1866,  weicht  nicht  von  der 
Gratiolets  und  Huxleys  ab.  Derselbe  unterscheidet  nur  noch  eine  un- 
mittelbar hinter  der  hinteren  Centralwindung  aufsteigende  und  sich 
dann  rückwärts  wendende  Spalte ,  Intraparietal  fissure ,  welche  nach 
Abh.  d.  IL  Cl.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  X.Bd.  II.  Abth.  5 1 


400 

meinen  Beobachtungen  allerdings  beim  Fötus  als  eine  typische  Furche 
auftritt,  in  ihrer  weiteren  Gestaltung  aber  wie  ich  glaube  zeigen  zu 
können,  von  Turner  verkannt,  und  bei  dem  Erwachsenen  keinenfalls  in 
der  von  ihm  angegebenen  Weise  vorhanden  ist. 

Vor  Kurzem  ist  endlich  noch  eine  Habilitationsschrift  von  Dr.  Pansch 
in  Kiel :  De  Sulcis  et  Gyris  in  cerebris  Simiarum  et  Hominum.  Eutin 
18C7.   4to  erschienen,  in  welcher  derselbe  folgende  Windungen  annimmt. 

An  dem  Stirnlappen  beschreibt  Dr.  Pansch  die  gewöhnlichen  drei 
Furchen  und  Windungszüge  und  die  auf  der  Orbitalfläche ,  wobei  der- 
selbe indessen  die  vordere  Centralwindung  zum  Stirnlappen  rechnet. 
Die  Windungen  des  Scheitellappens  erklärt  er  für  sehr  bestimmt 
und  deutlich  charakterisirt,  und  unterscheidet  deren  nur  zwei  an  der 
äusseren  Seite,  nämlich  einen  Gyr.  par.  superior,  das  ist  die  hintere  Cen- 
tralwindung inclusive  Huschkes  Vorzwickel  und  Gratiolets  Lobule  du 
2  mo  pli  ascendant  und  pli  de  passage  externe  sup.  et  interne  sup.  et  inf. ; 
und  einen  Gyrus  parietalis  inferior  d.  i.  Huschkes  Lob.  tuberis  und  auf- 
steigender Ast  zum  hinteren  Scheitelläppchen  und  Gratiolets  Pli  courbe 
mit  den  plis  de  passage  ext.  inf.  An  der  inneren  Seite  des  Stirn-  und 
Scheitellappens  nimmt  er  nur  eine  Windung  an ,  nämlich  einen  Gyrus 
fronto  parietalis  d.  i.  die  bekannte  Bogenwindung  oder  den  Gyrus 
cinguli.  Am  Occipitallappen  unterscheidet  er  einen  Gyrus  occipit. 
sup.  med.  und  inf.,  die  mit  denen  von  Gratiolet  und  Wagner  ziemlich 
übereinstimmen.  Ebenso  am  Temporallappen  einen  Gyrus  temp. 
sup.  med.  und  inf.  und  an  der  unteren  Fläche  einen  Gyrus  occipito- 
temp.  lateralis  und  occipito  -  temp.  medius,  welche  er  dem  Lobulus 
fusiformis  und  lingualis  Huschkes,  aber  auch  zugleich  dem  Gyrus 
Hippocampi  Gratiolets  und  Wagners  parallelisirt. 

Die  Abfassung  dieser  Schrift  in  der  officiellen  lateinischen  Sprache 
ist  leider  Schuld,  dass  dieselbe  in  Beziehung  auf  Verständlichkeit  und 
Uebersichtlichkeit  sehr  schwierig  ist.  Bei  dem  Mangel  einer  grösseren 
Zahl  von  Abbildungen  so  wie  eines  reicheren  Materiales  an  Affengehirnen 
ist  mir  die  Ansicht  des  Verfassers  oft  unverständlich  geblieben  und 
habe  ich  nicht  so  auf  dieselbe  eingehen  können,  wie  es  sonst  mein 
Wunsch  und  meine  Aufgabe  gewesen  wäre.  Uebrigens  sind  die  Unter- 
suchungen des  Verfassers  grösstentheils    nur   auf   das  Gehirn    der  Affen 


401 

gerichtet,  wie  schon  die  oben  mitgetheilte  Zahl  der  von  ihm  angenom- 
menen  Windungen  anzeigt. 

Bei  diesem  Stande  der  Lehre  von  den  Windungen  des  grossen 
Gehirnes  des  Menschen,  und  wenn  ich  sie  auf  dieses  Gehirn  des  Menschen 
in  Anwendung  zu  setzen  versuchte,  schien  es  mir  keineswegs  über- 
flüssig, dieselbe  einer  neuen  Bearbeitung  zu  unterwerfen. 

Meine  Hülfsmittel  dabei  waren  folgende:  Erstens  die  Gehirne 
erwachsener  Menschen  die  mir  in  grosser  Zahl  zu  Gebote  standen. 
Schon  seit  2  5  Jahren  bediene  ich  mich  der  Injection  von  Chlorzinklösung 
in  die  Leichen  zu  deren  Conservirung,  und  habe  dabei  die  Bemerkung 
gemacht,  dass  dieses  Verfahren  oder  auch  das  blosse  Einlegen  in  Chlor- 
zinklösung, ganz  vorzüglich  geeignet  ist,  um  das  Gehirn  einem  genaueren 
Studium  zugänglich  zu  machen 1).  Es  wird  dadurch  erhärtet,  aber  nicht 
in  der  Art  wie  durch  Weingeist,  der  das  Gehirn  zwar  hart,  dann  aber 
auch  unnachgiebig  und  brüchig  macht.  Das  Chlorzink  erhält  das  Gehirn 
nachgiebig  und  zähe  und  giebt  ihm  doch  die  nöthige  Festigkeit.  Zu- 
gleich gewährt  das  Chlorzink  den  grossen  Vortheil,  dass  man  die  Pia 
mater  sehr  leicht,  sehr  rein  und  glatt,  und  sehr  schnell  von  dem  Ge- 
hirn und  aus  den  Furchen  entfernen  kann,  was  bei  in  Weingeist  ge- 
legenen Gehirnen  durchaus  nicht  der  Fall  ist.  So  kann  man  an  einem 
mit  Chlorzink  behandelten  Gehirn  die  Windungen  ganz  vollständig  von 
einander  sondern,  zwischen  sie  mit  den  Fingern  eindringen,  sie  hin  und 
her  legen  und  wenden,  die  verschiedenen  Tiefen  der  Einschnitte  unter- 
suchen, und  die  Augen  mit  den  Fingern  unterstützen,  um  die  richtige 
Gruppirung  der  Windungen  aufzufassen.  Dieses  Alles  gewährt  eine 
solche  Erleichterung  für  das  Studium  der  Hirnoberfläche,  dass  ich  dieses 
Verfahren  nicht  genug  empfehlen  kann.  Nur  muss  ich  bemerken,  dass 
man  das  Gehirn  nicht  zu  lange  in  Chlorzink  liegen  lassen  darf.  Da 
dieses  Präparat  immer  sauer  reagirt,  so  bringt  es,  nachdem  es  zuerst 
das  Eiweis    gerinnen  gemacht,    später    eine  Erweichung  hervor.     Dieser 


1)  Aus  einer  Note  bei  Gratiolet  1  1.  p.  11  ist  zu  ersehen,  dass  ein  Pariser  Modelleur  Stalh 
sich  ebenfalls  des  Chlorzinks  zur  Erhärtung  des  Gehirns  bediente,  um  nachher  einen  Ab- 
guss  von  demselben  zu  machen,  es  scheint  aber  nicht,  dass  Gratiolet  dasselbe  Verfahren 
bei  seinen  anatomischen  Untersuchungen  des  Gehirns  angewendet  hat. 

51* 


402 

Wirkung     muss    man    durch    späteres    Einbringen    in    nicht    zu    starken 
Weingeist  vorbeugen. 

Zweitens.  Zahlreiche  Gehirne  von  menschlichen  Embryonen  aus  allen 
Entwicklungsstadien.  Für  das  Studium  der  Gehirne  dieser  Embryonen  hat 
mir  die  erwähnte  Methode  der  Behandlung  mit  Chlorzink  ganz  vorzüg- 
liche Dienste  geleistet.  Jeder  der  sich  mit  denselben  beschäftigt  hat, 
wird  wissen ,  welche  grosse  Schwierigkeit  ihre  Herausnahme  und  Be- 
handlung im  frischen  Zustande  hat;  sie  ist  fast  ohnmöglich.  Legt  man 
die  Embryonen  erst  in  Weingeist,  so  erhält  man  nie  eine  Ansicht  der 
natürlichen  Verhältnisse  der  Gehirne  und  ihre  Befreiung  von  der  ver- 
hältnissmässig  sehr  entwickelten  Gefässhaut  ist  schwierig.  Ich  injicire 
die  ganzen  Embryonen  durch  die  Nabelvene  mit  Chlorzink,  entferne 
noch  die  Kopf bedekungen ,  lege  die  Embryonen  einige  Tage  in  Chlor- 
zink, und  dann  gelingt  es  meist  leicht,  die  Gehirne  in  der  besten  Be- 
schaffenheit herauszubringen.  Ich  besitze  eine  grosse  Reihe  von  Em- 
bryonen-Gehirnen von  den  ersten  4 — 6  Wochen  an. 

Drittens  stand  mir  eine  Anzahl  allerdings  bereits  in  Weingeist 
erhärteter  Affengehirne  zu  Gebote :  nämlich  mehrere  Exemplare  von 
Ceropithecus  sabaeus,  Macacus  cynomolgus  und  nemestrinus,  Cynoce- 
phalus  Maimon  und  Sphinx  unserer  hiesigen  Sammlungen.  Herr  Prof. 
Leuckart  in  Giessen  hat  mir  mit  grosser  Liberalität  und  Freundlichkeit 
das  schon  von  R.  Wagner  benutzte  Gehirn  eines  jungen  Orang,  dann 
die  Gehirne  von  Jnnuus  Rhesus,  Semnopithecus  maurus,  Callithrix  sciureus, 
Hapale  Jachus  und  Lemur  tardigradus,  nach  den  Bezeichnungen  Söm- 
merings,  von  welchem  diese  Gehirne  herrühren,  zur  Untersuchung  über- 
sendet. Leider  fehlten  mir  Gehirne  von  Ateles,  Hylobates,  Chimpanse, 
die  besonders  wünschenswerth  gewesen  wären. 

Als  viertes  Hülfsmittel  benutzte  ich  Darstellungen  der  Gehirne  in 
Wachs-  oder  auch  Gyps-Abgüssen.  Da  Jeder,  der  sich  eigenhändig  mit 
dem  Studium  von  Gehirnen  beschäftigt,  leicht  die  Bemerkung  macht, 
wie  sehr  die  aus  dem  Schädel  herausgenommenen  Gehirne  ihre  ihnen 
in  der  Schädelhöhle  zukommende  Gestalt  und  Form  verlieren,  mag  man 
sie  auch  noch  so  vorsichtig  behandeln  und  erhärten,  so  habe  ich  schon 
seit  vielen  Jahren  die  Methode  in  Anwendung  gebracht,  genaue  Abgüsse 
der  Schädelhöhle  anfertigen    und    auf  diese    die  Windungen  ganz  genau 


403 

aufbossiren  zu  lassen.  Schon  vor  10  Jahren  habe  ich  solche  Gehirn- 
darstellungen des  Elephanten,  Wallfisches,  Orang-Outang  und  Delphins 
durch  den  Modelleur  Zeiler  hieselbst  zum  Verkauf  anbieten  lassen.  In 
gleicher  Weise  habe  ich  die  Gehirne  bekannter  und  ausgezeichneter  In- 
dividuen, ferner  eine  Reihe  von  32  Darstellungen  der  Entwicklung  des 
Gehirnes  in  ihren  Hauptstadien  nach  der  Natur  und  endlich  eine  Reihe 
von  Affengehirnen  der  verschiedensten  Arten,  von  denen  ich  die  Schädel 
und  zuverlässige  Zeichnungen  besass,  anfertigen  lassen. 

Durch  die  Benutzung  dieses  Materials  glaube  ich  in  den  Stand  ge- 
setzt zu  sein,  mich  bestimmter  und  sicherer  in  der  Topographie  des 
grossen  Gehirns  und  seiner  Windungen  Orientiren  zu  können,  als  dieses 
bisher  möglich  war.  Ich  theile  das  Resultat  dieser  Untersuchungen  in 
Folgendem  mit,  wobei  ich  vorausschicke ,  dass  ich  mich  möglichst  an 
die  bereits  von  früheren  Beobachtern,  namentlich  von  Huschke,  Gratiolet 
und  R.  Wagner  eingeführten  Lehren  und  Bezeichnungen  anschliessen, 
und  dieselben  nur  weiter  auszuführen  und  in  dieser  Ausführung  voll- 
ständiger zu  begründen  suchen  werde.  Es  wäre  vielleicht  möglich  ge- 
wesen, ein  ganz  neues  und  vollständigeres  System  der  Anordnung  der 
Gehirnwindungen  zu  geben,  und  ich  bin  überzeugt,  dass  einst  ein  solches 
sich  entwickeln  und  das  jetzige  verdrängen  wird.  Allein  dieses  schien 
mir  jetzt  noch  zu  früh.  Es  ist  nothwendig,  dass  die  Lehre  über  die 
Anordnung  der  Gehirnwindungen ,  wie  sie  jetzt  gegeben  werden  kann, 
sich  erst  mehr  befestigt  und  verallgemeinert.  Würde  man  jetzt  schon 
mehr  ins  Detail  gehen,  und  eine  speciellere  Entwicklung  dieser  Anord- 
nung aller  einzelnen  Windungen  versuchen ,  so  würde  man  der  allge- 
meinen Kenntniss  dieser  Verhältnisse,  die  bis  jetzt  noch  sehr  gering 
ist,  schaden.  Die  Sache  würde  schwierig,  verwickelt  und  das  Verständ- 
niss  erschwert  werden.  Viele  würden  davor  zurückschrecken ,  etwas 
Künstliches  und  Gezwungenes  darin  erblicken,  und  sie  lieber  ganz  liegen 
lassen.  Ist  das  Einfachere  erst  einmal  Gemeingut  geworden ,  hat  man 
sich  erst  einmal  allgemein  überzeugt,  dass  das  scheinbare  Chaos  der 
Windungen  des  menschlichen  Gehirns  eben  nicht  so  gross  ist  als  es 
scheint  und  dass  die  individuellen  Verschiedenheiten  nicht  so  gross 
sind  als  man  auf  den  ersten  Blick  meint,  dann  wird  es  Zeit  sein  weiter 


404 

zu  gehen,  noch  tiefer  einzudringen,  und  den  Schlüssel  zu  diesen  Mannig- 
faltigkeiten zu  suchen. 

Ich  werde  auf  den  nachfolgenden  Blättern  zunächst  von  der  Ein- 
theilung  der  Groshirnhemisphären  in  sogenannte  Lappen  und  dann  von 
der  Anordnung  der  Windungen  an  der  Oberfläche  derselben  bei  dem 
erwachsenen  Menschen  handeln.  Hierauf  folgt  eine  Darstellung  der 
Entwicklung  derselben  bei  dem  menschlichen  Fötus  und  endlich 
die  Beschreibung  der  Anordnung  dieser  Windungen  bei  den  Affen.  Der 
Schluss  soll  dem  Vergleich  der  Grosshirnwindungen  des  Menschen  und 
der  Affen  gewidmet  sein. 

I. 

Yon  der  Eintheilimg  der  Grossliirnheinispliären  in  Lappen. 

Es  unterliegt  keinem  Zweifel,  dass  man  zur  Orientirung  in  der 
Topographie  der  Windungen  der  grossen  Hemisphären  des  Gehirns  zuerst 
von  ihren  grösseren  Abtheilungen  ausgehen  muss,  wie  das  auch  im  All- 
gemeinen bisher  immer  geschehen  ist.  Allein  es  fragt  sich,  welches 
Princip  man  dabei  zu  Grunde  legen   soll. 

Auf  den  ersten  Blick  erscheint  Nichts  einfacher  und  naturgemässer 
als  von  dem  Object,  von  den  Hemisphären  selbst  auszugehen,  wie  dieses 
auch  gewöhnlich  geschieht,  und  sich  an  die  durch  äusserliche  Theilungen 
oder  tiefere  Einschnitte,  Fissuren,  an  dem  Gehirn  gegebenen  Abtheilungen 
zu  halten.  Als  man  dabei  leicht  erkannte,  dass  diese  wieder  im 
Allgemeinen  mit  den  bekannten  Abtheilungen  und  der  Zusammensetzung 
des  Schädels  übereinstimmen,  so  hat  man,  auf  beides  begründet,  die 
bekannten  Abtheilungen,  in  Stirn-,  Scheitel-,  Hinterhaupts-  und  Schläfen- 
Lappen  gebaut.  Geht  man  aber  dabei  genauer  auf  das  bisherige  Ver- 
fahren ein ,  so  sieht  man  bald ,  dass  diese  beiden  Principien  der  Ein- 
theilung  doch  nicht  überall  gleichmässig  Platz  greifen ,  desshalb  auch 
nicht  gleichmässig  durchgeführt  wurden,  und  bald  das  Eine  bald  das 
Andere  angewendet  worden  ist. 

Der  Erste,  welcher  von  einer  Eintheilung  des  Gehirns  in  einzelne 
Abtheilungen:    Prominentiae  spricht,    scheint  Varoli    gewesen  zu  sein. 


405 

In  seiner  Schrift :  Anatomia  sive  de  resolutione  corporis  humani  Libri  III 
1591  zählt  er  drei  solcher  prominentiae  auf,  eine  vordere,  mittlere  und 
hintere.  R.  Willis  nahm  dagegen  in  seiner  Cerebri  Anatome  1664  nur 
zwei  Lappen  einen  vorderen  und  hinteren  an. 

Auch  Sömmering  unterscheidet  in  seiner  Gehirn-  und  Nervenlehre 
nur  zwei  Lappen,  einen  vorderen  und  hinteren  und  sagt  nur  p.  24: 
Andere  theilen  den  grösseren  hinteren  Hirnlappen  nochmals  und  nennen 
das  vordere  Stück  desselben  den  mittleren  Lappen,  das  hintere  Stück 
aber,  das  auf  dem  Zelte  ruht,  den  hinteren  Lappen,  dessen  Abtheilung 
gewöhnlich  nur  auf  der  inneren  Fläche  durch  eine  schräg  hinablaufende 
Furche  sehr  genau  bestimmt  ist.  Ebenso  sagt  Meckel,  Handbuch  der 
Anatomie  III  p.  479 :  Jede  Hirnhälfte  wird  im  Allgemeinen  in  zwei 
Lappen,  einen  vorderen  und  einen  hinteren  getheilt.  Leide  werden  durch 
die  Sylvische  Spalte,  doch  nur  unten  und  auf  der  Seite  von  einander 
abgesondert.  Den  hinteren  Lappen  theilt  man  häufig  wieder  in  einen 
mittleren  und  hinteren,  von  welchen  letzterer  den  auf  dem  Hirnzelt 
ruhenden  Theil  bildet,  äusserlich  nicht,  aber  an  der  inneren  Fläche 
durch  eine  schief  von  oben  und  hinten  nach  unten  und  vorn  verlaufende 
Furche ,  an  der  unteren  durch  einen  seichten  Eindruck  von  dem  mitt- 
leren abgegränzt  wird. 

Burdach:  Bau  und  Leben  des  Gehirns  1822.  §205  und  folgende 
Bd.  II  p.  166  benützt  vorzüglich  die  tieferen  Einschnitte  an  dem  Mantel 
zur  Bezeichnung  der  Lappen,  aber  auch  die  Verhältnisse  zu  den  Schädel- 
knochen. Die  Vorderlappen,  sagt  er,  liegen  in  der  vom  Stirnbein 
gebildeten  vorderen  AMheilung  der  Schädelhöhle  und  füllen  diese  meist 
aus,  so  dass  die  Kranznath  ihre  Grenze  bezeichnet,  wenn  sie  nicht 
weiter  hinter  dieser  gelegen  ist,  ....  nach  hinten  hängt  er  mit  dem 
Stamm-  und  Oberlappen  zusammen  und  seine  Grenze  wird  hier  nach 
aussen    und   innen    von    der  Vorderspalte,    nach  innen  und  unten  durch 

den  Randwulst   am   hinteren  Ende  der    unteren  Flächen    bezeichnet 

Die  Oberlappen  liegen  innerhalb  der  Scheitelbeine,  welche  ihnen  ent- 
sprechen ,  so  dass  die  Kranznath  und  die  Lambdanath  ziemlich  ihre  vor- 
dere und  hintere  Grenze  bezeichnen.  An  ihrer  oberen  und  inneren  Seite 
gehen  sie  in  die  vorderen,  hinteren  und  unteren  Lappen  unmittelbar 
über;     aber    nach    aussen  scheiden    sie  sich    von  denselben  ab  (nämlich 


406 

durch  die  Fortsetzung  der  Fossa  Sylvii  nach  hinten).  Den  Klappdeckel 
rechnet  er  ganz  zu  dem  Oberlappen.  Von  dem  Unter  läppen  sagt  er 
nur:  Er  liegt   in  der  mittleren  Grube  der  Schädelhöhle,  aber  von  seiner 

Abgrenzung    nach   hinten  bemerkt  er    nichts Der  Hinterlappen 

wird  an  seiner  inneren  Fläche  durch  die  Hinterspalte  begränzt;  an  der 
oberen  Fläche  kommt  diese  der  Unterspalte  (Fossa  Sylvii)  ziemlich  nahe, 
so  dass  auch  hier  eine  Abgrenzung  anzunehmen  ist.  Von  einer  Ab- 
grenzung an  der  unteren  Fläche  sagt  Burdach  weiter  Nichts,  als  dass  sie 
auf  dem  Zelte  über  dem  kleinen  Hirn  liegt. 

In  der  Hildebrandt- Weber' sehen  Anatomie  findet  sich  von 
dieser  Eintheilung  gar  Nichts.  Ebensowenig  bei  Rosenmüller-Weber.  — 
Krause  schliesst  sich  in  seiner  Anatomie  p.  1006  und  1008  der  Ein- 
theilung von  Burdach  an.  Von  dem  Hinterlappen,  sagt  er,  er  sei  an 
seiner  unteren  Fläche  durch  eine  dem  oberen  Winkel  der  Pyramide  des 
Felsenbeines  entsprechende  seichte,  Furche,  an  seiner  inneren  Fläche 
durch  die  Hinterspalte  (fissura  posterior),  welche  von  dem  oberen  Rande 
schräg  nach  vorn  gegen  die  untere  Fläche  herab  läuft,  abgegrenzt; 
mache  übrigens  unten  mit  dem  Mittel-,  Unter-  oder  Schläfenlappen  und 
oben  mit  dem  Scheitellappen  eine  Masse  aus.  —  Valentin  folgt  in  Söm- 
merings  Hirn-  und  Nervenlehre  p.  160  ebenfalls  der  Burdach'schen  Ein- 
theilung. Von  dem  hintern  Lappen  oder  Hinterhauptslappen  (Lobus 
posterior  seu.  ocöipitalis)  sagt  er,  er  bedeckt  den  mittleren  und  hinteren 
Theil  des  kleinen  Gehirns,  bildet  den  hintersten  Theil  der  Hemisphäre, 
wird  vorzüglich  von  dem  Unterlappen  und  zum  Theil  von  dem  Ober- 
lappen durch  einen  Windungseinschnitt  (?)  ziemlich  bestimmt  geschieden, 
und  findet  sich  entsprechend  der  oberen  Schuppe  des  Hinterhaupts- 
beines. — 

Arnold  Handbuch  der  Anatomie  11  p.  727  unterscheidet  fünf 
Lappen:  1.  Der  Vorder-  oder  Stirnlappen,  der  unten  durch  die 
Fossa  Sylvii,  an  der  Seite  durch  die  senkrechte  Spalte  begrenzt 
wird  und  oben  dem  Stirnbein,  mit  Ausnahme  des  obersten  (hintersten) 
Theiles  desselben,  welches  über  den  Stirnlappen  hinwegragt  und 
noch  einen  Theil  des  folgenden  deckt,  entspricht.  2.  Der  Scheitel- 
lappen wird  noch  von  dem  Stirnbein  und  vom  grösseren  vorderen  Theil 
des  Scheitelbeins    bedeckt    und    an    der    äusseren  Seite    durch   die  senk- 


407 

rechte  und  wagrechte  Fortsetzung  der  Fossa  Sylvii  begrenzt.  3.  Der 
Hinterhanptslappen  entspricht  dem  hinteren  Theile  der  Scheitelbeine 
und  der  oberen  Hälfte  der  Hinterhauptsschuppe,  geht  nach  vorn  und 
unten  ohne  bestimmte  Grenzen  in  den  Schläfenlappen  über,  so  dass 
dieser  als  eine  Verlängerung  jenes  erscheint,  was,  wie  Arnold  meint, 
auch  durch  die  Entwicklungsgeschichte  bestätigt  werde,  indem  der 
Schläfenlappen  von  dem  Hinterhauptslappen  aus  nach  vorne  und  unten 
bis  in  die  Sylvische  Grube  wachse.  4.  Der  Unter-  oder  Schläfen- 
lappen nimmt  den  Raum  des  Seitentheiles  der  mittleren  Schädelgrube 
ein  und  wird  nach  vorne  von  der  Sylvischen  Grube,  nach  oben  durch 
die  horizontale  Fortsetzung  derselben  begrenzt.  5.  Der  Z  wischenlappen 
oder  Stammlappen. 

Huschke  hat  in  seinem  Werk  über  Schädel  und  Hirn  auch  kein 
Princip  für  die  Eintheilung  des  Hirns  in  Lappen  gefunden  und  befolgt. 
Obgleich  er  p.  93  bezweifelt,  dass  das  Gehirn  sich  nach  dem  Schädel, 
sondern  eher  dieser  nach  jenem  richtet,  folgt  er  doch  der  Kranznath, 
welche  mit  dem  aufsteigenden  Aste  der  Sylvischen  Grube  zusammenfällt, 
um  den  Vorderlappen  oder  das  Stirnhirn  abzutrennen;  errechnet  soviel 
auf  das  Vorder-  oder  Stirnhirn,  als  von  der  Muschel  des  Stirnbeins  und 
den  kleinen  Flügeln  aufgenommen  wird.  Den  Hinterlappen,  sein  Zwischen- 
scheitelhirn,  trennt  er  (p.  62)  durch  einen  hinter  dem  Balkenwulst 
senkrecht  durch  die  Hemisphäre  gezogenen  Querschnitt.  Doch  sagt  er, 
dass  er  künftig  wohl  die  Hinterspalte  und  einen  von  ihr  aus  durch  die 
äussere  und  untere  Fläche  der  Hemisphäre  gezogenen  Schnitt  zur  Ab- 
trennung des  Hinterlappens  wählen  werde.  Ueber  die  Trennung  des 
Unterlappens  von  dem  Scheitellappen  spricht  sich  Huschke  nicht  aus, 
doch  wird  er  dazu  unzweifelhaft  den  horizontalen  Ast  der  Sylvischen 
Grube  benützt  haben. 

Reichert  widmet  der  Eintheilung  der  Hemisphären  in  die  gewöhn- 
lichen fünf  Lappen  keine  besondere  Aufmerksamkeit,  weil  sie  auf  keine 
genetischen  Momente  gebaut  sei.  Er  gibt  1.  1.  p.  78  eine  auf  die  Entwick- 
lungsgeschichte gebaute  Darstellung  der  Formung  der  Hemisphären, 
welche  für  unseren  Zweck  keinen  näheren  Werth  hat.  Ich  erwähne  nur, 
dass  Reichert  noch  p.  80  den  Hinterhauptslappen  als  einen  sich  erst 
Abh.  d.  IL  Cl.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  X.  Bd.  II.  Abtb..  5 2 


408 

später  entwickelnden  Vorsprung  des  Mantels  des  Gehirns  nach  hinten, 
und  daher  nur  als  einen  Nebenlappen,  als  ein  Nebenende  des  hinteren 
unteren  Schenkels  des  ursprünglich  bogenförmig  gestalteten  Mantels 
betrachtet. 

Sappey  unterscheidet  in  seinem  Traite  d'Anatomie  descriptive  II  1. 
p.  68  nur  einen  vorderen  und  hinteren  Lappen,  die  durch  die  Fossa 
Sylvii  von  einander  getrennt  werden  und  verwirft  ausdrücklich  die  Ab- 
theilung der  hinter  der  Fossa  Sylvii  gelegenen  unteren  Fläche  der 
Hemisphären  in  einen  Schläfen-  und  Hinterhauptslappen  ganz.  Auch 
von  einer  Trennung  an  der  oberen  und  inneren  fläche  erwähnt  er 
weiter  Nichts. 

Dass  Gratiolet  in  seiner  obenerwähnten  Schrift  die  gewöhnliche 
Eintheilung  in  Stirn-,  Scheitel-,  Hinterhaupts-  und  Schläfenlappen 
beibehalten  hat,  habe  ich  schon  angegeben.  Ebenso  aber  auch,  dass  er 
in  Beziehung  auf  die  Feststellung  der  Grenze  des  Stirnlappens,  ob  durch 
die  vordere  Centralwindung  oder  durch  die  Centralspalte ,  geschwankt 
habe.  Die  Grenze  zwischen  Scheitel-  und  Hinterhauptslappen  ist  beim 
Menschen  an  der  äusseren  Fläche  durch  den  Mangel  einer  Fissura  per- 
pendicularis  externa  und  durch  das  Hinzukommen  der  Plis  de  Passage 
ganz  verwischt.  Auf  die  Trennung  des  Hinterhaupts-  und  Schläfenlappen 
an  der  unteren  Fläche  hat  er  bei  Affen  und  Menschen  ganz  verzichtet. 
Anderer  Seits  war  es  ein  wichtiger  Schritt,  dass  er  zuerst  auf  die  an 
der  inneren  Seite  des  Hinterlappens  befindliche  und  bisher  meist  unbe- 
achtet gebliebene  Fissura  Hippocampi  aufmerksam  machte,  auf  die  wir 
noch  oft  zu  sprechen  kommen  werden. 

R.  Wagner  nimmt  zwar  in  seinen  bekannten  verschiedenen  Schriften 
über  das  Gehirn  einen  Stirn-,  Scheitel-,  Schläfen-  und  Hinterhaupts- 
oder Occipitallappen  an,  und  trennt  letzteren  oben  und  innen  wie  Gra- 
tiolet durch  die  Fissura  occipitalis  interna;  allein  da  er  sich  überhaupt 
nur  auf  die  Betrachtung  der  äusseren  und  oberen  Fläche  der  Hemi- 
sphären beschränkt,  und  die  untere  und  innere  nicht  genauer  berücksich- 
tigt ,  so  beschäftigt  er  sich  auch  nicht  mit  der  schärferen  Trennung 
des  Hinterhauptslappens    an    dieser    unteren  Fläche.     Dennoch   giebt   er 


409 

an,    dass    die  Oberfläche    des  Hinterlappens  nach  den  Messungen  seines 
Sohnes   18,5°/o  der  Gesammtoberfläche  der  Hemisphären  betrage. 

Auch  der  in  neuerer  Zeit  in  England  so  lebhaft  geführte  Streit 
über  die  Gegenwart  eines  Hinterlappens  an  dem  Gehirn  der  Affen,  hat 
keine  genauere  Bestimmungen  der  Grenzen  der  Hirnlappen  überhaupt 
oder  auch  nur  dieses  Hinterlappens  herbeigeführt.  Die  Bestimmung  des 
letzteren  durch  Owen  (Annais  and  Magaz.  of.  nat.  hist.  June  1861.  p.  454) 
als  ,,That  part  wich  Covers  the  posterior  third  of  the  cerebellum  and 
extends  beyond  it"  konnte  keinen  Anspruch  auf  eine  durch  That- 
sachen  allgemeiner  befestigte  Begründung  machen.  Auffallend  ist  mir 
nur  noch  die  Abweichung  oder  vielmehr  der  Irrthum ,  den  ich  in  Be- 
ziehung auf  den  vorderen  oder  aufsteigenden  Schenkel  der  Fossa  Sylvii 
bei  Turner  1. 1.  p.  9  finde.  Derselbe  verlegt  diesen  Schenkel  unmittelbar 
vor  die  vordere  Centralwindung,  und  sagt,  er  thue  dieses  in  Ueberein- 
stimmung  mit  Huxley,  welcher  denselben  antero-parietal  sulcus  nenne. 
Huxley  unterscheidet  an  der  genannten  Stelle  (Proc.  of  the  zool.  soc. 
Vol.  XXIX  p.  257)  allerdings  einen  solchen  Sulcus,  allein  ich  kann  nicht 
finden,  dass  derselbe  darunter  den  vorderen  senkrechten  Schenkel  der 
Fossa  Sylvii  versteht,  welcher  auch  in  der  That  weit  mehr  nach  vorn 
aufsteigt.  Indessen  kann  ich  auch  den  ganzen  antero-parietal  sulcus, 
so  wie  Turners  intra^  parietal  hssure  nicht  zugeben,  da  in  der  bei 
weitem  überwiegenden  Mehrzahl  der  Fälle  sowohl  an  die  vordere  als 
hintere  Centralwindung  sich  unmittelbar  andere  Windungen  anschliessen, 
durchgreifende  Furchen  also  hier  nicht  vorhanden  sind. 

Dr.  Pansch  benutzt  die  Fissura  Rolando  zur  Abtrennung  des  Stirnlappens 
von  dem  Scheitellappen,  so  dass  die  vordere  Centralwindung  zu  jenem,  die 
hintere  zu  diesem  gerechnet  wird.  Den  Scheitellappen  trennt  er  von  dem 
Hinterhauptslappen  durch  die  Fiss.  occipit.  int.  Eine  Grenze  zwischen  dem 
Hinterhauptslappen  und  Schläfenlappen  an  der  unteren  Fläche  existirt 
nach  -ihm  nicht ;  man  kann  vielleicht  eine  untere  Fläche  an  dem  Hinter- 
hauptslappen ganz  leugnen  und  ihn  bis  zur  Fiss.  Hippocampi  und  dem 
Sulcus  temporalis  inferior  gehen  lassen.  Die  äussere  Fläche  des  Scheitel- 
la,ppens  trennt  er  von  der  äusseren  Fläche  des  Schläfenlappens  durch 
eine    vom  Ende    der  Fiss.   Sylvii    nach   der   fiss.    occipital    externa    (bei 

R9* 


410 

den  Affen)  gezogene  Senkrechte.  An  dem  Schläfenlappen  unterscheidet 
er  ausser  einem  Sulcus  temporalis  superior  oder  der  Parallelspalte  noch 
einen  Sulcus  temp.  medius  und  inferior. 

Wir  sehen  aus  dieser  Uebersicht  verschiedener  Autoren,  dass  die- 
selben zwar  bei  der  Eintheilung  der  grossen  Hemisphären  in  manchen 
Punkten  übereinkommen,  in  anderen  aber  wesentlich  von  einander  ab- 
weichen oder  unsicher  sind.  Dieses  ist  namentlich  in  Beziehung  auf 
den  Hinterhauptslappen  und  seine  Trennung  vom  Scheitel  und  Schläfen- 
lappen der  Fall.  Da  es  aber  sehr  nothwendig  ist,  über  diese  Frage 
ganz  ins  Reine  und  wo  möglich  zu  einer  Uebereinstimmung  zu  kommen, 
so  habe  ich  die  Principien  für  die  gebräuchlichen  Eintheilungen  einer 
näheren  Prüfung  unterworfen. 

Ich  habe  desshalb  zunächst  an  mehreren  Schädeln  Erwachsener 
das  Verhältniss  der  Schädelnäthe  zu  dem  in  ihnen  enthaltenen  Gehirnen 
genauer  festzustellen  gesucht.  Zu  diesem  Zweke  durchbohrte  ich  die 
noch  geschlossenen  Schädel  im  Verlaufe  der  Kranz-Schuppen  und  Lambda- 
Nath  an  mehreren  Stellen  und  führte  durch  diese  Löcher  Nadeln  in  das 
Gehirn  ein,  um  dadurch  an  demselben  den  Verlauf  jener  Näthe  genau 
zu  bezeichnen.  Ich  fand,  dass  die  Grenze  der  Kranznath  nicht  genau 
der  jetzt  fast  allgemein  angenommenen  Grenze  des  Stirnlappen,  nämlich 
der  vorderen  Centralwindung  (Pli  ascendant  premier)  entspricht.  Nur 
an  dem  unteren  Seitenrande  ist  dieses  der  Fall,  wo  die  Kranznath  mit 
dem  unteren  Ende  der  vorderen  Centralwindung  an  ihrer  Begrenzung 
der  Fossa  Sylvii  so  ziemlich  zusammenfällt.  Von  da  an  aber  weichen 
die  Cenralwindungen  weiter  nach  hinten  gegen  den  Scheitel  zurück, 
während  die  Kranznath  mehr  gerade  aufsteigt.  Die  Entfernung  beider 
von  einander  auf  der  Höhe  der  Hemisphäre  kann  2  Centim.  und  darüber 
betragen. 

Der  obere  Winkel  der  Schuppe  des  Hinterhauptbeines  oder  die 
ehemalige  kleine  Fontanelle  entspricht  bei  dem  Erwachsenen  dem  oberen 
Ende  der  Fissura  occipitales  interna  oder  der  Hinterspalte  ziemlich 
genau,  und  das  untere  Ende  der  Lambdanath  oder  ihre  Verbindung 
mit  dem  Warzentheil  des  Schläfenbeins  einem  oft  vorhandenen  Ein- 
schnitt   an    dem    hinteren  Theile    des    äusseren  Randes    der  Hemisphäre. 


411 

Man  kann  demnach  allerdings  annehmen,  dass  der  Verlauf  der  Lambda- 
nath  der  vorderen  Grenze  des  Hinterhauptlappens  gegen  den  Scheitel- 
lappen entspricht. 

Bei  der  Abgrenzung  der  Schuppennath  des  Schläfenbeins  beobachte 
ich,  dass  dieselbe  allerdings  der  Fossa  Sylvii  entspricht,  aber  nicht  so 
weit  hinaufgeht  als  diese  Furche ,  sie  vielmehr  früher  wieder  verlässt 
und  sich  gegen  den  unteren  äusseren  Rand  der  Hemisphäre  herabzieht. 
Der  hiedurch  abgegrenzte  Schläfenlappen  erreicht  den  Hinterhaupts- 
lappen nicht,  sondern  wird  durch  den  unteren  hinteren  Winkel  des 
Scheitellappens  von  diesem  getrennt,  so  wie  an  dem  Schädel  sich  der 
untere  hintere  Winkel  des  Scheitelbeins  mit  seinem  sogenannten  Margo 
mastoideus  zwischen  Schuppe  des  Schläfenbeins  und  Schuppe  des  Hinter- 
hauptes einschiebt;  ein  Verhältniss,  welches  mir  an  dem  Hirn  unerwartet 
war,  in  so  ferne  manche  bisherige  Autoren  Schläfen  und  Hinterhaupts- 
lappen an  der  äusseren  und  unteren  Seite  der  Hemisphäre  in  einander 
übergehen  lassen. 


lsv 


Ich  glaube,  wir  können  daher  allerdings  bei  dem  erwachsenen 
Menschen  die  Verhältnisse  der  Schädeldeckknochen  zu  den  Hemisphären 
benützen ,  um  letztere  in  übereinstimmender  Weise  in  einzelne  Haupt- 
theile,  Lappen,  zu  zerlegen.  Allein  wir  dürfen  dieses  nicht  als  in  einem 
genetischen  Verhältniss  begründet  ansehen,  und  daher  keine  Uebertragung 
auf  die  Verhältnisse  bei  Thieren  oder  im  jugendlichen  Zustande  als  Kritik 
zulassen.  Denn  weder  die  Entwicklungsgeschichte  noch  die  vergleichende 
Anatomie  berechtigen  dazu. 

In  der  ursprünglichen  Bildung  der  grossen  Hemisphären  des  Ge- 
hirnes liegt  kein  Grund  zu  einer  Abtheilung  derselben  in  verschiedene 
mit  den  Schädelknochen  übereinstimmende  Abschnitte.  Sie  entwickeln 
sich  bekanntlich  als  sogenanntes  Vorderhirn  durch  Hervorwucherung 
aus  dem  vorderen  Theile  der  vordersten  primitiven  Hirnblase,  welcher 
sie  demnach  genetisch  allein  angehören.  Der  hintere  Theil  dieser  Hirn- 
blase oder  das  sogenannte  Zwischenhirn  wird  zum  Streifenhügel,  Sehhügel 
und  Trichter,  und  nur  zu  diesen  würde  sich  also  eine  genetische 
Beziehung   in    der  Gestaltung    der  Hemisphären    aufsuchen    lassen,    weil 


412 

beide  aus  demselben  Primitiv-Theile  hervorgehen.  Wenn  die  Hemisphären- 
Blasen  oder  das  sogenannte  Vorderhirn  später  in  gewissen  Fällen, 
wie  z.  B.  beim  Menschen,  die  anderen  Hirntheile,  Mittelhirn,  Hinterhirn 
und  Nachhirn  überwuchert  und  überdeckt,  so  ist  dieses  gewissermassen 
ein  Zufall  oder  ein  individuelles  Verhalten,  welches  mannigfache  Ver- 
schiedenheiten in  der  Wirbelthierreihe  darbietet.  Es  besteht  kein 
genetischer  Zusammenhang  zwischen  der  Entwicklung  der  Hemisphären 
und  diesem  Mittelhirne  und  Hinterhirne,  so  dass  man  nicht  sagen  kann, 
dass  gewisse  Theile  jener  in  einer  näheren  Beziehung  zu  diesen  ständen. 

Die  Entwicklung  des  Schädels  aber  steht  unzweifelhaft  in  genetischer 
Beziehung  und  Zusammenhang  mit  den  drei  primitiven  Hirnblasen. 
Hinterhaupts- ,  grosser  und  kleiner  Keilbein-Wirbel  gehören  dem  Vorder- 
hirn, Mittel-  und  Hinterhirn  an.  Nur  der  kleine  Keilbein-Wirbel,  also 
kleine  Flügel  des  Keilbeins  und  Stirnbeine  und  ihre  Entwicklung 
schliessen  sich  genetisch  an  die  Entwicklung  der  Hemisphären;  die  Ent- 
wicklung des  grossen  Keilbeinwirbels  und  Hinterhauptswirbels  hat 
genetisch  nichts  mit  der  Entwicklung  der  zum  Vorderhirn  gehörigen 
Hemisphären  zu  thun.  Sie  gestalten  sich  allerdings  je  nach  der  Grösse 
der  Entwicklung  dieser ,  allein  man  kann  durchaus  nicht  sagen ,  dass 
irgend  ein  Theil  der  Hemisphären  genetisch  zum  grossen  Keilbeinwirbel, 
ein  anderer  zum  Hinterhauptswirbel  gehöre.  Das  Verhältniss  verschiedener 
Theile  der  Hemisphären  zu  diesen  Wirbeln  gestaltet  sich  also  im  Fort- 
gange der  Entwicklung  und  des  Wachsthums  auch  ganz  verschieden. 
Es  giebt  z.  B.  eine  lange  Zeit  im  Fötusleben,  wo  die  hinterste  Partie 
der  Hemisphären  gar  Nichts  mit  dem  Hinterhauptswirbel  und  der 
Schuppe  des  Hinterhauptes  zu  thun  hat,  sondern  letztere  gar  keinen 
Theil  jener  deckt  und  diese  ganz  vor  und  ausserhalb  der  Hinterhaupts- 
schuppe  liegt.  Erst  nach  der  Geburt  gestaltet  sich  das  gesammte 
Hinterhaupt  so,  dass  die  Schuppe  des  Hinterhauptes  auch  einen  Theil  der 
hinteren  Partie  der  Hemisphären  überwölbt,  von  welchem  man  indessen 
desshalb  nicht  sagen  kann,  dass  er  zum  Hinterhauptswirbel  gehört, 
eben  so  wenig  wie  irgend  ein  Theil  der  Hemisphären  zum  grossen  Keil- 
beinwirbel genetisch  gehört.  Dieses  kann  man ,  wie  gesagt ,  nur  vom 
kleinen  Keilbeinwirbel  sagen. 

Der    Mangel    einer    solchen    genetischen    Beziehung    zwischen    den 


413 

einzelnen  Abtheilungen  der  Hemisphären  und  denen  des  Schädels  beweiset 
übrigens  auch  noch  die  vergleichende  Anatomie.  Denn  bei  den  Affen, 
wo  der  Hinterhauptslappen  des  Gehirnes  so  gross  und  so  deutlich  ge- 
trennt ist,  entspricht  derselbe  nicht  im  Mindesten  der  Schuppe  des 
Hinterhauptsbeines,  welche  bekanntlich  hier  fast  ganz  senkrecht  gestellt 
ist  und  somit  gar  keine  Gehirnmasse  umfasst.  Bei  den  Halbaffen ,  wo 
ein  Hinterhauptslappen  der  Hemisphären  fast  ganz  fehlt,  ist  umgekehrt 
die  Schuppe  des  Hinterhauptsbeines  sehr  stark  entwickelt  und  greift 
weit  nach  vorne  auf  den   Schädel. 

Wir  können  daher  von  dem  Verhältnisse  der  Schädelwirbeldeck- 
knochen zu  den  verschiedenen  Partien  der  grossen  Hemisphären  kein 
in  der  genetischen  Beziehung  beider  zu  einander  begründetes  Princip 
der  Eintheilung  letzterer  in  einzelne  Abschnitte  oder  Lappen  entnehmen. 

Anders  aber  verhält  es  sich,  wie  mir  scheint,  bei  der  Entwicklung 
der  Hemisphären  selbst,  bei  welcher  eine  Scheidung  derselben  in  ver- 
schiedene Abschnitte  sehr  bestimmt  und  deutlich  hervortritt. 

Der  erste  Schritt  dazu  erfolgt  durch  die  Bildung  der  Fossa  Sylvii. 
Dieselbe  beginnt  schon  am  Ende  des  dritten  Fötus-Monates ,  erscheint 
als  eine  seichte  Querfurche  ohngefähr  in  der  Mitte  der  unteren  Fläche  der 
Hemisphären  und  bewirkt  hier  vorläufig  nur  an  der  unteren  Seite  eine 
Abtheilung  jeder  Hemisphäre  in  einen  vorderen  und  hinteren  Lappen. 
Im  Laufe  des  vierten  Monates  wird  diese  Abtheilung  nicht  nur  an  der 
unteren  Fläche  immer  tiefer  und  deutlicher,  sondern  sie  zieht  sich  auch 
an  den  äusseren  Seitenrändern  der  Hemisphären  etwas  nach  hinten  ge- 
richtet hinauf,  so  dass  der  hintere  Lappen  sich  in  eine  obere  und 
untere  Abtheilung,  in  den  zukünftigen  Scheitel-  und  Schläfenlappen  zu 
scheiden  anfängt.  Im  fünften  Monate  wird  die  Furche  noch  tiefer 
und  ausser  ihrem  nach  hinten  sich  hinziehenden  Schenkel  erscheint 
auch  von  der  Stelle,  wo  sie  sich  nach  hinten  wendet  ein  grade  auf- 
steigender. Doch  ist  die  Grube  hier  an  der  Seite  der  Hemisphäre  noch 
sehr  weit  und  zwischen  ihren  beiden  aufsteigenden  Schenkeln  erscheint 
die  zukünftige  Insel  oder  der  Stammlappen  als  eine  sanfte  Erhabenheit 
noch  ohne  Furchen.  Erst  allmählig  im  sechsten  und  fortschreitend  im 
siebten    und    achten  Monat    wird    die    ganze  Fossa  Sylviis    durch    eine 


414 

stärkere  Entwicklung  ihrer  Ränder  immer  tiefer  und  enger;  diese 
Bänder  wölben  sich  mehr  und  mehr  über  sie  zusammen  und  bedecken  die 
Insel,  die  aber  noch  am  Ende  des  Fötuslebens  nach  Entfernung  der 
Hirnhäute,  obwohl  längst  schon  gefurcht,  sichtbar  ist.  Die  Abtrennung 
des  Schläfenlappens  durch  den  horizontalen  und  den  nach  hinten  auf- 
steigenden Theil  wird  immer  schärfer  und  stärker;  der  nach  vorne  senk- 
recht aufsteigende  Theil,  die  sogenannte  Fissura  anterior,  wird  zwar  auch 
enger  und  tiefer,  und  wird,  wie  wir  später  sehen  werden,  für  die  sich  um 
sie  herumbildenden  Windungen  von  Bedeutung,  allein  diese  Fissur  greift 
nicht  weiter  an  der  Seite  der  Hemisphäre  hinauf,  und  giebt  hier  keine 
Veranlassung  zu  einer  weiteren  Theilung  des  vorderen  Theiles  der  Hemi- 
sphäre oder  zu  einer  Scheidung  desselben  in  einen  Stirn-  und  Scheitellappen, 
wie  Einige  angenommen  haben,  sondern  sie  kann  sogar  durch  die  sich 
wie  gesagt  um  sie  herumbildenden  Windungen  ganz  undeutlich  werden, 
obgleich  sie  nie  ganz  verschwindet.  (Vergl.  Tab.  IV.  Fig.  7 — 13A.A'.Ä".) 

Die  Scheidung  der  vorderen  und  oberen  Abtheilung  der  Hemi- 
sphäre in  einen  vorderen  und  hinteren  Theil,  in  einen  Stirn-  und 
Scheitellappen,  erfolgt  vielmehr,  wie  ich  glaube,  durch  die  im  sechsten 
Monate  senkrecht  über  die  Mitte  der  Hemisphäre  herabsteigende 
Centr.ilfurche  (B.)  (Fissura  Bolando),  welche  sich  durch  ihr  frühes  Auftreten, 
und  durch  ihre  unverändert  bleibende  Richtung  und  Beschaffenheit,  dass 
sie  niemals  von  irgend  einer  Windung  unterbrochen  wird,  und  sich  nur 
allmählig  immer  mehr  nach  hinten  neigt,  von  allen  anderen  Furchen 
unterscheidet. 

Schon  vorher  im  5.  Monate  erscheint  aber  an  der  inneren  und 
unteren  Fläche  des  hinteren  Theiles  der  Hemisphäre  die  Hinterspalte 
oder  senkrechte  innere  Occipitalspalte  (C.)  und  mit  ihr  zugleich  die  von 
Gratiolet  vorzüglich  hervorgehobene  sogen.  Hippocampus-Spalte  (G.).  Beide 
verhalten  sich  indessen  in  der  ersten  Zeit  ihrer  Entstehung  anders  zu 
einander  als  später,  und  ihr  Verhältniss  geht  nur  allmählig  in  das 
bleibende  über.  Bei  dem  Erwachsenen  nämlich  stellt  sich  die  Sache 
so  dar,  dass  man  sa^t:  es  findet  sich  an  der  inneren  Seite  des  hinteren 
Theiles  einer  jeden  Hemisphäre  eine  von  dem  um  das  Splenium  corp. 
callosi  sich  herumschlagenden  Gyrus  Hippocampi  ausgehende  und  hori- 
zontal   nach   hinten    verlaufende,    am   hintersten    Ende    der    Hemisphäre 


415 

meist  in  zwei  kurze,  nach  oben  und  nach  unten  gerichteten  Schenkel 
auslaufende  Spalte,  die  Gratiolet  eben  wegen  dieser  ihrer  Beziehung 
zum  Gyrus  Hippocampi,  die  Fissura  hippocampi  nannte.  In  sie  mündet 
die  von  oben  und  hinten,  schräg  nach  unten  und  vorn  an  derselben 
inneren  Fläche  des  hinteren  Theiles  der  Hemisphäre  herab  laufende 
Hinterspalte  oder  hintere  senkrechte  Occipitalspalte  ein,  so  dass  durch 
sie  die  Hippocampusspalte  in  einen  inneren  vorderen  und  äusseren 
hinteren  Theil  zerfällt. 

Bei  der  Bildung  dieser  Verhältnisse  ist  es  aber  anders.  Im 
5.  Monat  läuft  an  der  ganzen  inneren  und  unteren  Fläche  des  hinteren 
Theiles  der  Hemisphäre  in  einiger  Entfernung  von  dem  Rande  der 
grossen  queren  Hirnspalte  und  dem  hier  schon  angelegten  Gyrus 
Hippocampi,  eine  fast  senkrechte  und  ein  wenig  von  hinten  und  oben 
nach  vorn  und  unten  gerichtete  Furche  herab,  welche  die  Hinter- 
spalte und  den  inneren  vordem  Theil  der  Hippocampusspalte  in  sich 
fast.  In  der  Mitte  ihres  Verlaufes  stösst  auf  sie  eine  horizontal '  an 
der  inneren  Fläche  des  hinteren  Theiles  der  Hemisphäre  verlaufende 
Furche,  welche  später  den  äusseren  hinteren  Theil  der  Hippocampusspalte 
darstellt.  Allmählig  im  Fortgange  der  Entwicklung,  dadurch  dass  der 
ganze  hintere  Theil  der  Hemisphäre  sich  immer  mehr  nach  unten  umbiegt, 
verwandelt  sich  die  Richtung  und  das  Verhältniss  beider  Furchen  zu 
einander  ganz.  Der  vordere  Theil  der  Hinterhauptsspalte  wendet  sich 
von  da  an  wo  die  Hippocampusspalte  auf  sie  stösst,  immer  mehr  nach 
vorn  und  erscheint  so  nach  und  nach  als  eine  Fortsetzung  des  hori- 
zontal verlaufenden  hinteren  und  äusseren  Theiles  '  dieser  Spalte ,  die 
Hinterspalte  selbst  aber  mündet  nun  von  oben  ohngefähr  in  die  Mitte 
des  Verlaufes  jener  ein. 

Dieses  anfänglich  ganz  verschiedene  Verhalten  der  genannten  beiden 
Spalten  ist  aber  desshalb  von  Interesse,  weil  bei  der  ursprünglichen 
Richtung  und  Ausdehnung  der  Hinterspalte  sie  in  der  That  an  der  in- 
neren und  unteren  Fläche  dieses  hintersten  Theiles  der  Hemisphäre 
den  Hinterlappen  scharf  abgränzt.  Ausserdem  macht  sich  im  Anfang 
des  sechsten  Monates  an  der  äusseren  Seite  dieses  hinteren  Theiles 
jeder  Hemisphäre  eine  senkrecht  herabsteigende  Furche  (C.)  bemerkbar,  die 
jener  an  der  inneren  und  unteren  Seite  entspricht,  so  dass  der  Hinter- 
Abh.d.II.Cl.d.k.Ak.d.Wiss.X.Bd.II.Abtli.  53 


416 

läppen  jetzt  ganz  gut  begränzt  erscheint.  Reichert  hat  leider  in  seinen 
Abbildungen  von  Embryonen  Gehirnen  dieses  Verhalten  der  genannten 
Spalten  nicht  dargestellt.  Es  findet  sich  aber  ganz  bestimmt  ausge- 
sprochen. Die  äussere  senkrechte  Furche  geht  aber  im  7.  und  8. 
Monate  unter  Ausbildung  der  anderen  sich  an  dieser  Aussenflache  des 
hinteren  Theiles  der  Hemisphären  entwickelnden  Furchen  und  Wind- 
ungen wieder  verloren,  ohne  dass  ich  im  Stande  wäre,  zu  behaupten, 
dass  eine  auch  bei  dem  Erwachsenen  nicht  so  selten  an  dieser  äusseren 
Seite  sich  herabziehende  Furche,  und  eine  an  dem  Rande  zwischen  in- 
nerer und  äusserer  Fläche  sehr  oft  sich  findende  Einkerbung  als  der 
Ueberrest  oder  die  weitere  Entwicklung  jener  primären  Fötalfurche  zu 
bezeichnen  sei.  Sie  entspricht  aber  offenbar  der  bei  der  Mehrzahl  der 
Affen  so  auffallend  und  deutlich  vorhandenen  senkrechten  äusseren 
Occipitalfurche,  welche  bei  ihnen  Scheitel-  und  Hinterhauptslappen  von 
einander  trennt. 

Ich  sehe  mich  auf  diese  Weise  im  Wiederspruch  mit  Arnold  und 
Reichert,  welche,  wie  ich  oben  angegeben,  den  Hinterlappen  nur  als 
einen  späteren  Auswuchs  oder  Verlängerung  des  hinteren  Theiles  der 
embryonalen  Hemisphären  betrachten.  Ich  behaupte  im  Gegentheil,  dass 
derselbe  wie  alle  übrigen  Theile  dieser  Hemisphären  sich  allmählig  aus 
dem  anfangs  noch  nicht  in  einzelne  Lappen  unterscheidbaren  Keime  da 
entwickelt,  wo  er  später  bemerkt  wird.  Ja  die  Selbstständigkeit  dieses 
Hinterlappens  wird  durch  das  frühe  Auftreten  der  inneren  senkrechten 
Occipital-  und  der  Hippocampus- Spalte,  sowie  der  transitorischen 
äusseren  "senkrechten  Occipital-Furche  ganz  besonders  bewiesen. 

Die  Entwicklungsgeschichte  befürwortet  daher  die  Zerlegung  einer 
jeden  Hemisphäre  in  die  gewöhnlich  als  Stirn-,  Scheitel-,  Hinterhaupts-, 
Schläfen-  und  Stammlappen  bezeichneten  Abtheilungen,  und  es  ist  um 
so  mehr  Gewicht  darauf  zu  legen,  weil,  wie  wir  später  sehen  werden, 
dieselben  Furchen,  welche  diese  Abtheilungen  bewirken,  in  sehr  genauer 
Beziehung  zu  den  sich  um  sie  herumziehenden  Windungen  stehen.  Es 
ist  auch  kein  Grund  vorhanden,  die  Benennungen  der  Abtheilungen  zu 
ändern,  da  wenn  sie  gleich  nicht  auf  einer  genetischen  Wechselbeziehung 
zwischen  Hemisphäre  und  Schädel  beruhen,    sie  doch  grösstentheils  den 


417 

Verhältnissen  entsprechen,  in  welchen  man  beim  erwachsenen  Menschen 
die  Hemisphären  zu  dem  Schädel  findet. 

Ich  unterscheide  daher  mit  Burdach  und  Denen,  welche  ihm  gefolgt 
sind,  folgende  fünf  grössere  Abtheilungen  oder  Lappen  an  jeder 
Hemisphäre. 

1.  Die  Stirnlappen.  (I.)  Sie  füllen  in  der  That  den  vorderen  Keil- 
beinwirbel aus,  liegen  in  der  Aushöhlung  der  Stirnbeine,  auf  den  Augen- 
höhlendächern,  gehen  aber  nach  hinten  weiter  als  bis  zur  Kranznath. 
Am  Gehirn  sind  '  sie  an  der  unteren  Fläche  nach  hinten  durch  den 
horizontalen  Stamm  der  Fossa  Sylvii  scharf  abgegrenzt;  an  der  äusseren 
und  oberen  Fläche  ist  es  die  vordere  ßolando'sche  oder  Centralwindung 
(Premier  pli  ascendant.  Grat.),  welche  sie  von  den  Scheitellappen  leicht 
erkennbar  scheidet. 

Dass  ich  eine  unmittelbar  vor  der  vorderen  Centralwindung  in  die 
Höhe  steigende  Furche,  Huxleys  und  Turners  Sulcus  antero-parietal  über- 
haupt nicht  und  also  auch  nicht  als  hintere  seitliche  Grenze  des  Stirn- 
lappens anerkennen  kann,  habe  ich  schon  oben  erwähnt ;  denn  ein  solcher 
Sulcus  existirt  nicht,  da  die  vordere  Centralwindung  stets  wenigstens  durch 
drei  von  ihr  ausgehende  Brücken  mit  den  Stirnwindungen  in  Verbindung 
steht.  Ebensowenig  kann  ich  den  senkrecht  aufsteigenden  vorderen  Schenkel 
der  Fossa  Sylvii  als  hintere  seitliche  Grenze  des  Stirnlappens  gelten  lassen, 
da  er  zu  weit  nach  vorne  fällt,  jedenfalls  nur  eine  sehr  unvollständige 
Trennung  hervorbringen  .würde,  endlich  auch,  wie  wir  noch  weiter  sehen 
werden,  eine  ganz  andere  Bedeutung  hat. 

Darin,  dass  ich  die  vordere  Centralwindung  und  nicht  die  Central- 
spalte  als  Grenze  für  den  Stirnlappen  bezeichne,  liegt  vielleicht  eine 
Inconsequenz.  Allein  einmal  kann  man  immer  mit  Recht  sagen,  die  eine 
solche  Furche  begrenzenden  Windungen  machen  mit  ihr  ein  Ganzes 
aus;  dann  aber  würde  eine  solche  Zerreissung  der  Centralspalte  und 
ihrer  sie  einschliessenden  Windungen ,  wovon  die  eine  zum  Stirn-  die 
andere  zum  Scheitellappen  gerechnet  werden  würde,  etwas  Unnatürliches 
sein;  und  endlich  würde  durch  das  Hinzurechnen  der  vorderen  Central- 
windung zum  Stirnlappen  dieser  doch  eine  gar  zu  grosse  Ausdehnung 
nach  hinten,  weit  über  die  Höhe  der  Kranznath  hinaus,  erhalten. 

53* 


418 

An  der  inneren  Seite  einer  jeden  Hemisphäre  ist  die  Grenze 
zwischen  Stirnlappen  und  Scheitellappen  ebenfalls  durch  die  sich  in 
in  die  grosse  Längs-Hirnspalte  hineinsenkende  vordere  Centralwindung 
angedeutet,  die  sich  aber  nicht  bis  auf  den  Balken  herabzieht,  vielmehr 
ist  dieser  bekanntlich  der  Länge  nach  von  dem  Zwingenwulst  (Gyrus 
cinguli)  bedeckt,  welcher  daher  hier  die  Trennung  des  Stirnlappens  von 
dem  Scheitellappen  überbrückt.  Die  Trennung  der  Stirnwindungen  von 
dem  Zwingenwulst  wird  durch  eine  Längsfurche,  Grand  Sillon  du  lobe 
fronto  parietal  Grat.,  besser  Sulcus  calloso  marginalis  Huxley,  hervorgebracht. 

2.  Die  Scheitellappen.  (II.)  Diese  liegen  unter  den  Scheitelbeinen 
und  werden  in  ihrer  ganzen  Ausdehnung  von  diesen  Deckplatten  des 
zweiten  oder  grossen  Keilbeinwirbels  an  ihrer  oberen  äusseren  Fläche 
bedeckt.  Sie  reichen  also  bis  zurLambdanath  und  von  der  Pfeilnath  bis 
zur  Schuppennath  des  Schläfenbeins.  An  den  Hemisphären  selbst  werden 
sie  natürlich  nach  vorne  von  den  Stirnlappen  durch  die  vordere  Central- 
windung getrennt.  Nach  hinten  ist  ihre  Trennung  von  dem  Hinterhaupts- 
lappen nur  an  der  inneren  Seite  durch  die  senkrecht  und  nach  vorne 
herabsteigende  Hinterspalte,  Fissura  occipitalis  perpendicularis  interna, 
scharf  bezeichnet.  An  der  äusseren  Seite  ist  die  Scheidung  vom  Hinter- 
hauptslappen undeutlich  und  nur  manchmal  durch  eine  senkrecht  sich 
herabziehende  Furche,  Sulcus  occipitalis  perpendicularis  externus,und  durch 
eine  Einkerbung  an  dem  unteren  äussere  Rande ,  welche  indessen  beide 
meist  fehlen,  angedeutet.  Der  vordere  Theil  des  unteren  äusseren  Randes 
wird  begrenzt  durch  die  Fossa  Sylvii ;  der  hintere  Theil  desselben  zieht 
sich  entsprechend  dem  unteren  hinteren  Winkel  des  Scheitelbeins  herab  bis 
an  den  unteren  Rand  der  Hemisphäre  und  trennt  hier  den  Hinterhaupts- 
lappen von  dem  Schläfenlappen,  mit  welch  letzterem  er  genau  zusammen- 
hängt. 

Ich  lasse  also  diese  Scheitellappen  sich  bedeutend  weiter  nach 
hinten  erstrecken ,  als  dieses  Gratiolet  thut ,  trotzdem  dass  er  ebenfalls 
die  Fissura  occipitalis  perpendicularis  interna  als  Grenze  zwischen 
Scheitel-  und  Hinterhauptslappen  bezeichnet.  Denn  ich  rechne  seine 
vier  Plis  de  Passage  externes,  welche  er  ziemlich  inconsequent  zu  dem 
Hinterhauptslappen  zählt,  zu  den  Theilen  des  Scheitellappens. 

3.  Die  Hinterhauptslappen.  (HI.)  Die  Begrenzung  derselben  ist  am 


419 

Gehirne  am  undeutlichsten  ausgesprochen,  daher  ist  sie  am  verschiedensten 
angegeben  und  in  der  neueren  Zeit  vielfach  bestritten  worden.  Halten 
wir  uns  dabei  zunächst  wieder  an  den  Schädel,  so  füllen  sie  allerdings 
nur  denjenigen  Theil  der  Höhlung  der  Hinterhauptsschuppe  aus,  der 
über  dem  Hirnzelt  liegt  und  bis  an  den  oberen  Winkel  der  Pyramide 
des  Felsenbein  grenzt.  Am  Gehirn  wird  die  Scheidung  des  Hinterhaupts- 
lappens von  dem  Scheitellappen  an  der  inneren  Seite  jeder  Hemisphäre 
durch  die  schräg  von  oben  und  hinten  nach  unten  und  vorn  herabsteigende 
Hinterspalte  (Fissura  occipitalis  perpendicularis  interna)  bewerkstelligt. 
Ihr  oberer  Anfang  an  dem  inneren  Rande  jeder  Hemisphäre  entspricht  ganz 
genau  der  oberen  Spitze  der  Schuppe  des  Hinterhauptsbeines  oder  der 
kleinen  Fontanelle,  dann  wendet  sie  sich  aber  schräg  nach  vorne  gegen 
das  Splenium  corporis  callosi,  wo  sie  in  die  Fissura  Hippocampi  über- 
geht. Diese  Richtung  ist  meiner  Ansicht  nach  ganz  charakteristisch; 
denn  während  sie  Anfangs  beim  Embryo  fast  senkrecht  nach  unten 
geht,  zeigt  ihre  spätere  Richtung  nach  vorne  und  unten,  dass  bei  der 
späteren  stärkeren  Entwicklung  der  ganzen  hinteren  Partie  der  Hemi- 
sphäre die  Gehirnmasse  nach  hinten,  unten  und  vorwärts  gedrängt  wird 
und  der  Hinterhauptslappen  an  der  unteren  Fläche  dann  weiter  nach  vorne 
reicht  als  an  der  oberen.  An  dieser  unteren  Fläche  erstreckt  sich  der 
Hinterhauptslappen  desshalb  bis  an  den  oberen  Winkel  der  Pyramide 
des  Felsenbeins  nach  vorne,  was  man  nur  an  dem  ganz  frischen  und 
noch  nicht  weichen,  oder  an  dem  in  der  Schädelhöhle  erhärteten  Gehirn 
an  einer  seichten  durch  diesen  oberen  Winkel  der  Felsenbein-Pyramide 
hervorgebrachten  Furche  erkennt,  die  nach  der  Herausnahme  des  Ge- 
hirns bald  verloren  geht.  Ihr  entspricht  der  vordere  Rand  der  Hemi- 
sphären des  kleinen  Gehirns,  wenn  dieses  noch  in  seiner  richtigen 
Lage,  und  nicht  wie  gewöhnlich  nach  hinten  gesunken  ist.  An  den 
Windungen  und  Furchen  der  unteren  Fläche  des  Hemisphäre  ist  sonst 
die  Grenze  leider  nicht  deutlich  gegeben,  weil  hier  die  Windungen  des 
Hinterhauptes  mit  denen  der  unteren  Fläche  des  Schläfenlappens  zu- 
sammenfiiessen.  Doch  werde  ich  bei  der  Beschreibung  dieser  Windungen 
an  der  unteren  Fläche  beider  Lappen  noch  angeben,  dass  sehr  oft 
allerdings  diese  Grenze  durch  bestimmte  Furchen  und  durch  den  Ver- 
lauf  der   Arterien   bezeichnet    wird.     An    der   äusseren  Seite    sollte  der 


420 

Hinterhauptslappen  von  dem  Scheitellappen  durch  die  schräg  nach  vorn 
herabsteigende  fissura  occipitalis  perpendicularis  externa  getrennt  sein. 
Allein  ich  habe  schon  gesagt,  dass  diese  meistens  ganz  fehlt ;  die  Grenze 
wird  also  nur  durch  eine  ideale  von  dem  oberen  Eingang  in  die  fissura 
perpendicularis  interna  gegen  den  unteren  Rand  der  Hemisphäre  schräg 
nach  vorn  herabgezogene  Linie  und  eine  hier  oft  bemerkbare  Einkerbung 
bezeichnet,  während  sonst  die  Windungen  des  Hinterhaupts-  und  Scheitel- 
lappens in  einander  übergehen. 

4.  Die  Schläfenlappen.  (IV.)  Diese  sind  im  Allgemeinen  sehr  gut  ab- 
gegrenzt, weil  sie  in  den  mittleren  Schädelgruben  liegen  und  diese  ganz 
ausfüllen.  Am  Gehirn  begrenzt  sie  nach  vorne  der  horizontale  Stamm 
der  Fossa  Sylvii.  Nach  oben  trennt  sie  der  nach  hinten  heraufziehende 
Schenkel  dieser  Grube  von  den  Scheitellappen.  Nach  hinten  und  an  der 
unteren  Fläche  hängen  sie  indessen,  wie  schon  erwähnt,  mit  dem  Scheitel- 
und  Hinterhauptslappen  zusammen,  und  das  bei  diesen  in  Betreff  der 
Trennung  Gesagte  gilt  natürlich  auch  hier. 

Man  bemerkt  an  dem  Schläfenlappen  mehrere  Längsfurchen,  deren 
ich  schon  hier  Erwähnung  thun  will.  Die  eine  ist  die  mit  der  Fossa 
Sylvii  parallel  verlaufende  Plssura  parallela  Gratiolets  oder  Sulcus  tem- 
poralis  superior  Pansch,  antero-temporal  Huxley.  Sie  fehlt  zuweilen  bei 
sehr  windungsreichen  Gehirnen,  wo  sie  durch  Entwicklung  von  quer 
und  schräg  gerichteten  Windungen  verschwindet.  Seltener  findet  sich 
noch  eine  zweite  mit  dieser  parallel  verlaufende  Furche,  Sulcus  tempo- 
ralis  medius  Pansch,  postero  temporal  Huxley.  Sie  ist  meist  nur  an 
dem  hinteren  Theil  des  Schläfenlappens  entwickelt.  An  der  unteren 
Fläche  desselben  findet  sich  immer  eine  sich  bis  in  den  Hinterlapp